Von Brüdern und Kameraden: Ist der Salafismus ein Fall für die Antifa?

Die antifaschistische Linke sollte den Salafismus als Gegner ernstnehmen. Sie muss jedoch überlegen, gegen welche salafistischen Strömungen sich ihr Engagement zu richten hat – dabei kann sie von ihrem Wissen über Rechtsextremismus profitieren.

Von Floris Biskamp

Wuppertal im Sommer 2014: Eine Gruppe bärtiger Männer zieht in einheitlich orangenen Warn-Westen mit dem Aufdruck „Scharia-Polizei“ durch die Straßen und filmt sich dabei, wie sie Passantinnen [1] zu „gottgefälligem“ Verhalten ermahnt. Der eigenen Darstellung nach will man nur daran „erinnern“, welche Form der Lebensführung für die Angesprochenen selbst gut ist und sie ins Paradies führt. Dortmund im Sommer 2015: Eine Gruppe deutlich eingehender rasierter Männer zieht in einheitlich gelben T-Shirts mit dem Aufdruck „Von Brüdern und Kameraden: Ist der Salafismus ein Fall für die Antifa?“ weiterlesen

Radikale Salafiten: Diffamierung, Hass und Gewalt

Angeblich hat die Polizei einen Mordanschlag von radikalen Islamisten auf den Chef der rassistischen Partei Pro NRW, Beisicht, verhindert. Bereits im Mai 2012 hatten Salafiten bei einer Aktion gegen Pro NRW ihr Gewaltpotential dokumentiert. Dieses ergibt sich aus der islamistischen Ideologie, die – ähnlich dem Rechtsextremismus – ein Verteidigungsszenario entwirft.

Von Claudia Dantschke, Leiterin der Arbeitsstelle Islamismus und Ultranationalismus am Zentrum Demokratische Kultur Berlin

Salafismus (abgeleitet von Salafiyya) beschreibt eine fundamentalistische Auslegung des Islam, die sehr stark durch den saudi-arabischen Wahhabismus geprägt ist. Kennzeichnend ist eine sehr dichotome Weltsicht, alles wird eingeteilt in “richtig” und “falsch”, “gut” und “böse”, “schwarz” und “weiß” – ohne Grautöne dazwischen. Nur wer diesem religiösen Weg folgt, habe überhaupt die Chance, ins Paradies einzuziehen, allen anderen drohe die Hölle. Das Leben im Diesseits sei streng nach dem “Willen Allahs” auszurichten, so wie ihn salafitische Gelehrte interpretieren.

Das Grundprinzip salafitischen Denkens ist das Konzept von al-Wala` wa`l-Bara. Wörtlich übersetzt heißt dieses „Loyalität und Lossagung für Allah“ und bedeutet, dass Loyalität nur gegenüber Allah und seinen Gesetzen erlaubt sei. Von allem was nicht in Übereinstimmung mit Allahs Geboten stehe (wie Salafiten sie verstehen), müssten gläubige Muslime sich lossagen. In den radikalen Strömungen wird dieses Prinzip nicht nur als Ablehnung und Abgrenzung interpretiert, sondern zum Hass auf alles „nicht-islamische“ zugespitzt.

Gegen Kolonialismus und “Überfremdung”

Ursprünglich war der Salafismus eine Reformbewegung: Gegen Kolonialismus und “Überfremdung” und damit Niedergang und Abhängigkeit hilft nur ein Zurück zu den eigenen Quellen, zum Ur-Islam zu Zeiten des Propheten Mohammad und seiner Gefährten (as-salaf as-salih – die lauteren Vorfahren). Damals habe es noch eine einheitliche und damit starke Gemeinde (Ummah) gegeben, später seien zu viele Neuerungen hinzugekommen, die Gemeinde zerfiel in verschiedene Strömungen und wurde damit schwach und beherrschbar.

Salafismus ist aber keine homogene Bewegung, sondern ein Sammelbegriff für mehrere Strömungen. Es gibt die Puristen, die streng dogmatisch-religiös fundamentalistisch leben, aber weder Gewalt noch Hass predigen. Sie halten sich von politischen Aktionen fern, auch wenn sie privat eine religiöse Ordnung für die bessere halten. Dann gibt es den so genannten Mainstream-Salafismus, der hängt auch die Mehrheit der Salafiten in Deutschland an. Hier geht es um politische Aktionen und vor allem um eine offensive Bekanntmachung mit dem Islam (in salafitischer Lesart) – Dawa genannt. Demokratie als System wird offen abgelehnt, auch propagandistisch als Weg des Unglaubens diffamiert, der direkt in die Hölle führe. Es wird aber keine Gewalt legitimiert oder offene für einen Umsturz geworben. Vielmehr würde sich die Demokratie selbst erübrigen, wenn nur genug Menschen zum “wahren Glauben” finden, weshalb Muslime, die noch nicht dem salafitischen Weg folgen und Nichtmuslime “aufgeklärt” werden müssten.

Teil eines Verses aus der 48. Sure Al-Fath in einer Handschrift aus dem 8. oder 9. Jahrhundert.

Teil eines Verses aus der 48. Sure Al-Fath in einer Handschrift aus dem 8. oder 9. Jahrhundert.

Die dritte und gefährliche Strömung der Salafiten geht einen Schritt weiter als die politisch-missionarischen Mainstream-Salafiten und legitimiert auch Gewalt. Ihre Argumentation setzt nicht nur auf Abgrenzung, sie verknüpfen diese Abgrenzung mit massiven Abwertungen selbst der gemäßigten Salafiten, mit Diffamierungen und Hass. Da die Muslime überall auf der Welt diskriminiert würden und der Islam überall angegriffen werde, sei jeder “wahre Muslim” zur Verteidigung aufgerufen, wobei Gewalt – in Form des bewaffneten Jihad – ein legitimes Mittel sei. Diese Strömung bildet den Übergang zum jihadistischen Salafismus, also zu denen, die nicht mehr “nur” reden, sondern handeln.

Absoluter Gehorsam

Für all diese Strömungen ist die Religion der Bezugspunkt, die Quelle der Legitimation. Mit der Argumentation, nur dem “Willen Allahs” zu folgen, verweist man auf eine höhere Macht, die strenggläubige Menschen nicht hinterfragen. Bedingungsloser Gehorsam, dem alle eigenen Wünsche unterzuordnen sind, wird hier gepredigt, das Gottesbild der Salafiten ist geprägt von einem “strafenden Gott”. Viele Muslime teilen dieses eingeengte Gottesbild nicht, sondern sehen in Allah auch den Gott der Barmherzigkeit. In den Predigten und Vorträgen der Salafiten werden deshalb immer wieder die Höllenqualen in den wüstesten Farben geschildert, denen man nur durch absoluten Gehorsam der “Befehle Allahs” entrinnen kann.

Zu diesen Befehlen gehören neben der strengen Praktizierung “des Islam” im Alltag, einschließlich Kleidung und rigider Ethik- und Moralvorschriften (Geschlechtertrennung), auch der Abbruch der sozialen Kontakte zu allen, die dieser Islaminterpretation nicht folgen. In letzterem liegt auch die Gefahr dieser Strömung, da die Anhänger sich sozial isolieren, von der Gesellschaft völlig abgrenzen und sich nur noch in Gruppen Gleichgesinnter gegenseitig ständig in ihrer Weltsicht bestätigen. Wenn es sich dabei um Gruppen handelt, die der jihad-legitimierenden Strömung angehören, kann eine Radikalisierung erfolgen, die gefährlich ist.

Dieser Artikel ist in ähnlicher Form bereits im April 2012 auf Publikative.org erschienen.

Siehe auch: Neuer Hass durch gefälschtes Video?, Salafisten und Pro NRW erreichen ihr Ziel: Gewalt

Neuer Hass durch gefälschtes Video?

Nach den schweren Ausschreitungen von Salafisten in Bonn, bei denen mehrere Polizisten schwer verletzt wurden,  versuchen Rechtsextreme offenkundig weiteren Hass zu provozieren. So kursiert in rechtsextremen Kreisen ein Video, das angeblich von radikalen Islamisten erstellt wurde. Eine Fälschung, meint die Expertin Claudia Dantschke.

Von Patrick Gensing

Der Benutzer „Herbert Jäger“ stellte heute unter seinem ganz frischen Profil bei YouTube ein Video ein, welches angeblich von Salafisten produziert wurde. Unter dem Motto „Kommt um den PROPHETEN zu verteidigen“ wird in dem Streifen dazu aufgerufen, am 8. Mai in Köln zur „letzen Schlacht“ aufzulaufen. Am Dienstag will „Pro NRW“ dort vor der einer noch im Bau befindlichen Moschee erneut Mohammed-Karikaturen zeigen.

Das Video wurde in rechtsextremen Kreisen bereits zwei Stunden, nachdem es bei YouTube veröffentlicht worden war, weiter verbreitet, zunächst über Facebook, bald darauf in „islamkritischen“ Blogs. Das ging schnell, vielleicht zu schnell.

Publikative.org bat Claudia Dantschke um eine Einschätzung zu dem Video. Die Leiterin der Arbeitsstelle Islamismus und Ultranationalismus am Zentrum Demokratische Kultur Berlin  hält den Film für eine Fälschung, um weiteren Hass zu provozieren. Das Video sei aus im Netz verfügbaren Bildern zusammen gestückelt worden. Die Kritik an dem Gewaltexzess sei selbst in islamistischen Kreisen viel zu groß, meint Dantschke.

Kritik am Islamismus nicht den Rassisten überlassen

Vermeintliches Hass-Video von Salafisten, offenbar eine Fälschung.
Vermeintliches Hass-Video von Salafisten, offenbar eine Fälschung.

Das sollte angesichts der Bilder aus Bonn eigentlich selbstverständlich sein, denn ein Haufen rechtsextremer Spinner und einige Mohammed-Karikaturen sind keine Rechtfertigung für den Gewaltausbruch, den die Salafisten gezeigt haben. Ein 25-jähriger Islamist sitzt mittlerweile in Haft, er soll versucht haben, drei Polizisten zu töten.

Mit Pro NRW und radikalen Islamisten haben sich zwei Akteure gefunden, die beide darauf aus sind, Gräben aufzureißen und neue Gewalt zu provozieren, um von einer zunehmenden Polarisierung zu profitieren. Gruppen, die sich gegen christliche Fundamentalisten und Rechtsextreme wie Pro NRW engagieren, täten gut daran, sich auch gegen die radikalen Islamisten  zu positionieren.

Deniz Yücel kommentierte in der taz, vielleicht fühlten sich „diese Islamfaschisten demnächst vom Christopher Street Day provoziert. Oder vom Gedenken an den Holocaust, den es gar nicht gegeben hat und der in Wirklichkeit gerade an den Palästinensern verübt wird.“ Kurzum: Progressive Kräfte sollten die Kritik am Islamismus nicht den Rassisten überlassen.

Warum? Deswegen zum Beispiel: Claudia Dantschke schrieb auf Publikative.org über den Salafismus, „bedingungsloser Gehorsam, dem alle eigenen Wünsche unterzuordnen sind, wird hier gepredigt, das Gottesbild der Salafiten ist geprägt von einem “strafenden Gott“ Und: „Kennzeichnend ist eine sehr dichotome Weltsicht, alles wird eingeteilt in “richtig” und “falsch”, “gut” und “böse”, “schwarz” und “weiß” – ohne Grautöne dazwischen. […] Von allem was nicht in Übereinstimmung mit Allahs Geboten stehe (wie Salafiten sie verstehen), müssten gläubige Muslime sich lossagen. In den radikalen Strömungen wird dieses Prinzip nicht nur als Ablehnung und Abgrenzung interpretiert, sondern zum Hass auf alles „nicht-islamische“ zugespitzt.“

Siehe auch: Salafisten und Pro NRW erreichen ihr Ziel: GewaltWas ist “Salafismus”?

Was ist „Salafismus“?

Deutschland in Aufregung: Salafiten wollen Millionen Exemplare des Koran verteilen. Wer steht hinter dieser Aktion? Claudia Dantschke erklärt, diese Salafiten gehören zu einer Strömung, die den den Übergang zum jihadistischen Salafismus bildet. Die Verteilaktion sei aber von der Religionsfreiheit gedeckt.

Von Claudia Dantschke, Leiterin der Arbeitsstelle Islamismus und Ultranationalismus am Zentrum Demokratische Kultur Berlin

Salafismus (abgeleitet von Salafiyya) beschreibt eine fundamentalistische Auslegung des Islam, die sehr stark durch den saudi-arabischen Wahhabismus geprägt ist. Kennzeichnend ist eine sehr dichotome Weltsicht, alles wird eingeteilt in „richtig“ und „falsch“, „gut“ und „böse“, „schwarz“ und „weiß“ – ohne Grautöne dazwischen. Nur wer diesem religiösen Weg folgt, habe überhaupt die Chance, ins Paradies einzuziehen, allen anderen drohe die Hölle. Das Leben im Diesseits sei streng nach dem „Willen Allahs“ auszurichten, so wie ihn salafitische Gelehrte interpretieren.

Das Grundprinzip salafitischen Denkens ist das Konzept von al-Wala` wa`l-Bara. Wörtlich übersetzt heißt dieses „Loyalität und Lossagung für Allah“ und bedeutet, dass Loyalität nur gegenüber Allah und seinen Gesetzen erlaubt sei. Von allem was nicht in Übereinstimmung mit Allahs Geboten stehe (wie Salafiten sie verstehen), müssten gläubige Muslime sich lossagen. In den radikalen Strömungen wird dieses Prinzip nicht nur als Ablehnung und Abgrenzung interpretiert, sondern zum Hass auf alles „nicht-islamische“ zugespitzt.

Gegen Kolonialismus und „Überfremdung“

Ursprünglich war der Salafismus eine Reformbewegung: Gegen Kolonialismus und „Überfremdung“ und damit Niedergang und Abhängigkeit hilft nur ein Zurück zu den eigenen Quellen, zum Ur-Islam zu Zeiten des Propheten Mohammad und seiner Gefährten (as-salaf as-salih – die lauteren Vorfahren). Damals habe es noch eine einheitliche und damit starke Gemeinde (Ummah) gegeben, später seien zu viele Neuerungen hinzugekommen, die Gemeinde zerfiel in verschiedene Strömungen und wurde damit schwach und beherrschbar.

Salafismus ist aber keine homogene Bewegung, sondern ein Sammelbegriff für mehrere Strömungen. Es gibt die Puristen, die streng dogmatisch-religiös fundamentalistisch leben, aber weder Gewalt noch Hass predigen. Sie halten sich von politischen Aktionen fern, auch wenn sie privat eine religiöse Ordnung für die bessere halten. Dann gibt es den so genannten Mainstream-Salafismus, der hängt auch die Mehrheit der Salafiten in Deutschland an. Hier geht es um politische Aktionen und vor allem um eine offensive Bekanntmachung mit dem Islam (in salafitischer Lesart) – Dawa genannt. Demokratie als System wird offen abgelehnt, auch propagandistisch als Weg des Unglaubens diffamiert, der direkt in die Hölle führe. Es wird aber keine Gewalt legitimiert oder offene für einen Umsturz geworben. Vielmehr würde sich die Demokratie selbst erübrigen, wenn nur genug Menschen zum „wahren Glauben“ finden, weshalb Muslime, die noch nicht dem salafitischen Weg folgen und Nichtmuslime „aufgeklärt“ werden müssten.

Teil eines Verses aus der 48. Sure Al-Fath in einer Handschrift aus dem 8. oder 9. Jahrhundert.
Teil eines Verses aus der 48. Sure Al-Fath in einer Handschrift aus dem 8. oder 9. Jahrhundert.

Die dritte und gefährliche Strömung ist die, deren Anhänger auch hinter der aktuellen Koranverteil-Aktion stehen: Sie gehen einen Schritt weiter als die politisch-missionarischen Mainstream-Salafiten und legitimieren auch Gewalt. Ihre Argumentation setzt nicht nur auf Abgrenzung, sie verknüpfen diese Abgrenzung mit massiven Abwertungen selbst der gemäßigten Salafiten, mit Diffamierungen und Hass. Da die Muslime überall auf der Welt diskriminiert würden und der Islam überall angegriffen werde, sei jeder „wahre Muslim“ zur Verteidigung aufgerufen, wobei Gewalt – in Form des bewaffneten Jihad – ein legitimes Mittel sei. Diese Strömung bildet den Übergang zum jihadistischen Salafismus, also zu denen, die nicht mehr „nur“ reden, sondern handeln.

Absoluter Gehorsam

Für all diese Strömungen ist die Religion der Bezugspunkt, die Quelle der Legitimation. Mit der Argumentation, nur dem „Willen Allahs“ zu folgen, verweist man auf eine höhere Macht, die strenggläubige Menschen nicht hinterfragen. Bedingungsloser Gehorsam, dem alle eigenen Wünsche unterzuordnen sind, wird hier gepredigt, das Gottesbild der Salafiten ist geprägt von einem „strafenden Gott“. Viele Muslime teilen dieses eingeengte Gottesbild nicht, sondern sehen in Allah auch den Gott der Barmherzigkeit. In den Predigten und Vorträgen der Salafiten werden deshalb immer wieder die Höllenqualen in den wüstesten Farben geschildert, denen man nur durch absoluten Gehorsam der „Befehle Allahs“ entrinnen kann.

Zu diesen Befehlen gehören neben der strengen Praktizierung „des Islam“ im Alltag, einschließlich Kleidung und rigider Ethik- und Moralvorschriften (Geschlechtertrennung), auch der Abbruch der sozialen Kontakte zu allen, die dieser Islaminterpretation nicht folgen. In letzterem liegt auch die Gefahr dieser Strömung, da die Anhänger sich sozial isolieren, von der Gesellschaft völlig abgrenzen und sich nur noch in Gruppen Gleichgesinnter gegenseitig ständig in ihrer Weltsicht bestätigen. Wenn es sich dabei um Gruppen handelt, die der jihad-legitimierenden Strömung angehören, kann eine Radikalisierung erfolgen, die gefährlich ist.

Pauschales Verbot unangebracht

Deshalb ist ein pauschales Verbot des Salafismus unangebracht, man sollte sich auf die Gruppen konzentrieren, die die Radikalisierung fördern. Dazu gehört das Predigernetzwerk „die wahre Religion“ mit ihrem Kopf Ibrahim Abou Nagie aus dem Köln-Bonner Raum, das hinter den Koranverteilaktionen steht, ebenso wie seine Partner von „Millatu Ibrahim“, die Frankfurter Gruppe „Dawa FFM“ und die Reste der inzwischen verbotenen Hamburger Quds/Taiba-Moschee. Mit der Aktion, 25 Millionen deutschsprachige Koranexemplare verteilen zu wollen, versucht dieses Netzwerk derzeit, sich an die Spitze der salafitischen Bewegung in Deutschland zu setzen. Diese Bewegung ist sehr zersplittert, die heftigste Kritik erfahren Abou Nagie sowie seine Brüder und vereinzelten Schwestern nicht aus dem liberalen muslimischen sondern aus dem salafitischen Bereich. Deshalb wäre es fatal, alle Salafiten jetzt über einen Kamm zu scheren.

Hinzu kommt, dass das Verteilen des Koran von der Religionsfreiheit gedeckt ist und auch gedeckt bleiben muss. Andernfalls würde man den radikalen Salafiten in die Hände spielen und einen Solidarisierungseffekt weit über salafitische Kreise hinaus initiieren. Ich vergleiche das mit den Dorffesten, die die NPD immer wieder in ländlichen Regionen Ostdeutschlands veranstaltet. Da diskutiert man auch nicht darüber, die Dorffeste zu verbieten. Vielmehr klärt man darüber auf, was die NPD damit bezweckt und versucht, vor allem der jugendlichen Zielgruppe der NPD Alternativen anzubieten. Genau das Gleiche gilt es auch in Bezug auf die Akteure der Koran-Verteilaktion zu tun.