Starke AfD, gänzlich gescheiterte NPD

Die Wahlen in Thüringen und Brandenburg sind vorbei, ein Großteil der Stimmen ist ausgezählt. Bereits jetzt ist klar; die AfD konnte hohe Ergebnisse erzielen, die NPD hingegen ist auf ganzer Linie gescheitert.

 Von Felix M. Steiner

Patrick Wieschke, Vorsitzender des NPD-Landesverbandes Thüringen, Foto: Kai Budler.
Patrick David Wieschke, Vorsitzender des NPD-Landesverbandes Thüringen, Foto: Kai Budler.

Bereits als die ersten Prognosen aus Thüringen und Brandenburg bekannt werden, ist klar, die NPD wird keinesfalls in eines der beiden Landesparlamente einziehen. In Brandenburg dürfte ohnehin kaum jemand mit einem Einzug gerechnet haben. Kurz vor dem endgültigen Ergebnis liegt die NPD hier bei 2,2 Prozent und ist weit entfernt von einem Einzug. In Thüringen hingegen hofften viele NPD-Mitglieder und Anhänger, die Partei würde den Sprung in das Parlament schaffen. Bereits bei der letzten Landtagswahl hatte die Partei hier 4,3 Prozent errungen und war nur knapp am Einzug gescheitert. In den letzten Jahren versuchte die NPD sich massiv weiter in Thüringen zu verankern. Im Wahlkampf kündigte die Partei an, 50.000 Plakate zu hängen, 1 Millionen Wahlkampfzeitungen zu verteilen und 200.000 € auszugeben. In einem kürzlich veröffentlichten Wahlaufruf sprach die Partei dann auch von einer „Materialschlacht sondergleichen“. Kurz vor der Landtagswahl war auch noch bekannt geworden, dass die NPD ein Haus in Eisenach erwerben konnte und dort nun eine Landesgeschäftsstelle eingerichtet hat. Doch alle Anstrengungen waren vergebens: Die NPD scheiterte mit rund 3,6 Prozent nicht nur deutlich an der 5-Prozent-Hürde, sie verzeichnete trotz „Materialschlacht“ einen deutlichen Verlust im Freistaat. Rund 10.000 Menschen weniger machten ihr Kreuz bei der extrem rechten Partei im Vergleich zu 2009. Mitverantwortlich dürften mehrere geleakte Polizeiakten über den NPD-Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten Patrick David Wieschke sein. Eine antifaschistische Rechercheseite („Thüringen Rechtsaußen“) hatte eine Ermittlungsakte über einen Missbrauchsfall veröffentlicht, in der Wieschke als Beschuldigter geführt wurde. Wenige Tage später hatte der Bundesvorsitzende der Neonazi-Partei „Die Rechte“, Christian Worch,

Der NPD-Parteivorsitzende Udo Pastörs, Bild: Publikative.org
Der NPD-Parteivorsitzende Udo Pastörs, Bild: Publikative.org

weitere schwere Anschuldigungen gegen Wieschke erhoben. Dieser habe, so Worch, 1999 seine Mutter verprügelt und deswegen sei eine Demonstration verboten worden. Kurze Zeit nach Worchs Behauptungen veröffentlichte die Rechercheplattform „Thüringen Rechtsaußen“ auch die Ermittlungsakte gegen Wieschke, in der es eben um diesen behaupteten Gewaltausbruch gegenüber seiner Mutter geht. Diese veröffentlichten Akten sorgten nicht nur für eine breite Berichterstattung sondern auch für reichlich Diskussionen in der extrem rechten Szene. Das schlechte Abschneiden der NPD dürfte nicht zuletzt auch mit diesen Enthüllungen zu tun haben. In einer ersten Stellungnahme gab Wieschke an, „traurig“ und „enttäuscht“ zu sein und über „etwaige Konsequenzen beraten“ zu wollen. Während Wieschke kaum eine erste Erklärung formulieren konnte, wird erneut heftige Kritik am Thüringer NPD-Landesvorstand geübt. „Ein Mitspracherecht war für die Mitglieder aus Thüringen kaum existent“, heißt es aus dem Umfeld der NPD-Thüringen. An der kritischen Diskussion rund um die herbe Wahlniederlage sind bereits Bundesvorstandsmitglieder der NPD beteiligt. Der NPD-Bundesvorsitzende Udo Pastörs hat sich bisher nicht öffentlich zu den Enthüllungen rund um Wieschke geäußert. Wieschke ist immerhin auf Bundesebene auch Organisationsleiter der NPD. Ob Wieschke sich noch lange an der Spitze des Landesverbandes halten kann, scheint derzeit unwahrscheinlich.

AfD mit Spitzenwerten

AfD im Glück: Das Logo der neuen Partei
AfD im Glück: Das Logo der neuen Partei

So sehr die NPD auf ganzer Linie gescheitert ist, so stark schnitt die „Alternative für Deutschland“ bei den Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg ab. In Thüringen steht die rechtspopulistische Partei kurz vor Auszählungsende bei 10,2 Prozent. Damit liegt die Partei nur rund 2 Prozent hinter der SPD, die in Thüringen starke Verluste hinnehmen muss und derzeit gerade bei 12,4 Prozent liegt.

In Brandenburg konnte die AfD noch deutlich besser abschneiden. Nach derzeitigem Stand errang die AfD hier 12,2 Prozent und wird damit zukünftig wohl die stärkste ihrer Fraktionen stellen. Ende August war die AfD-Sachsen bereits mit 9,7 Prozent in den Landtag eingezogen. Damit stellt die AfD nach dem heutigen Abend insgesamt drei Landtagsfraktionen und insgesamt sieben Abgeordnete im Europaparlament.

Die wichtigsten Veranstaltungen der extremen Rechten 2014

Mit Beginn des Jahres deuten sich einige Veränderungen innerhalb der extremen Rechten an. Egal, wie sich dies im Jahr 2014 entwickeln wird, es stehen bereits jetzt zahlreiche Veranstaltungen der Neonazi-Szene fest. Wir haben für euch die wichtigsten Termine zusammengetragen.

von Felix M. Steiner

Richters vermeintlicher Gegenspieler Udo Pastörs, Bild: Publikative.org
Udo Pastörs, Bild: Publikative.org

Mit dem Rücktritt und Austritt von Holger Apfel Ende letzten Jahres kündigten sich einige Veränderungen innerhalb der extremen Rechten in Deutschland an. Mit der Übernahme des NPD-Parteivorsitzes durch Udo Pastörs, der mittlerweile durch den Parteivorstand im Amt bestätigt wurde, ist eine erneute Radikalisierung der NPD für das Wahljahr zu befürchten. Innerhalb der bundesweiten Entwicklung der Szene könnte dies wieder zu einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen den neonazistischen „freien Kameradschaften“ und der NPD führen, wie Pastörs bereits ankündigte. Zu vermuten ist, dass die Szene damit einen leichten Aufschwung verzeichnen wird. Aber ebenso wie Vermutungen über den derzeitigen Zustand der NPD und die damit verbundenen, zu erwartenden Wahlergebnisse, sind dies zumeist Spekulationen. Ähnlich stellt sich dies für verschiedene Annahmen rund um den Einfluss eines Parteivorsitzenden Pastörs auf das NPD-Verbotsverfahren dar. Es wird sich wohl in den nächsten Wochen zeigen, wie sich die NPD-Führung nach außen positioniert, um einen genauen Kurs erkennen zu können. Jenseits dieser Entwicklungen ist das Jahr 2014 bereits mit zahlreichen Anmeldungen für extrem rechte Demonstrationen oder Rechtsrock-Open Airs gefüllt. Wir haben versucht,  einen Überblick über die großen Veranstaltungen der extremen Rechten und die Gegenproteste im Jahr 2014 zu geben. Gesammelt haben wir vor allem Veranstaltungen, für die die Szene deutschland- oder europaweit mobilisiert. Hinzu kommen die wichtigen Wahlkämpfe, welche in diesem Jahr anstehen. Wir bitten aber alle, die von uns vergessenen Termine als Ergänzung im Kommentarbereich zu posten.

Demonstrationen und „Trauermärsche“

Die Zahl extrem rechter Demonstrationen war bis zum Jahr 2011 immer weiter gestiegen. Für das Hoch in diesem Jahr dürfte nicht zuletzt auch die Aktionsform der „Unsterblichen“ verantwortlich gewesen sein. Im Jahr 2012 driftete die Entwicklung auseinander. Demonstrationen der „freien“ Neonazi-Szene brachen faktisch ein. Waren es 2011 noch 167 Veranstaltungen, sank die Zahl 2012 auf 95. Nicht zuletzt dürfte dies auch mit Repressionen und Vereinsverboten zusammenhängen. Im Gegenteil zur „freien Szene“ stieg die Zahl der NPD- und JN-Demonstrationen an. Beide Organisationen führten im Jahr 2011 93 Veranstaltungen durch. 2012 waren es bereits 116. Darunter fallen allerdings auch zahlreiche NPD-Wahlkampfkundgebungen und weniger Demonstrationen. Diese sind in den Strategiediskussionen der Partei ohnehin umstritten.

Magdeburg 2013
Der Neonaziaufmarsch in Magdeburg 2013, Foto: Publikative.org

In den letzten Jahren nahmen die Teilnehmerzahlen der bundesweiten Demonstrationen der Szene immer weiter ab. Es scheinen sich nunmehr einige Großdemonstrationen herauskristallisiert zu haben, die eine gewisse „Tradition“ in der Szene besitzen. Der erste große „Trauermarsch“ der  Neonazi-Szene findet am 18. Januar in Magdeburg statt. Bereits im letzten Jahr waren auch hier mit 800 Teilnehmern die Zahlen fallend. Aktuell laufen die Mobilisierungsbemühungen der Szene auf Hochtouren. Der derzeitige Treffpunkt der Neonazis ist der Bahnhof Neustadt um 12 Uhr. Dieses Jahr rufen in Magdeburg zwei Bündnisse zu Gegenaktionen auf: Magdeburg Nazifrei und Block MD.

Kaum einen Monat später findet dann der mittlerweile kaum noch bedeutende „Trauermarsch“ in Dresden am 13. Februar statt. Nach dem der Gegenprotest der letzten Jahre immer weiter angestiegen ist und die Neonazis mehrere Jahre nach einander blockiert wurden, hat Dresden für die Szene immer mehr an Attraktivität verloren – zumindest der „Gedenkmarsch“ im Februar. Letztes Jahr kamen kaum noch 900 Neonazis in die Landeshauptstadt, um sich einkesseln zu lassen. Bisher findet hier kaum eine Mobilisierung der Szene statt, was auch mit internen Verwerfungen zu tun haben dürfte. Obwohl bis dato von den Veranstaltern kein Treffpunkt und keine Uhrzeit offiziell benannt wird, ist davon auszugehen, dass dies wieder der Hauptbahnhof am späten Nachmittag des 13. Februar sein dürfte. Zu den Gegenaktivitäten mobilisiert wie immer: Dresden Nazifrei.

Dresden 2013
Eingekesselte Neonazis in Dresden 2013, Foto: Publikative.org

Der neonazistische „Gedenkmarsch“ im Februar 2014 ist nicht die einzige extrem rechte Demonstration, die in Dresden ansteht. Bereits zum 6. Mal organisieren Neonazis aus Norddeutschland den sogenannten „Tag der deutschen Zukunft“. Im letzten Jahr kamen rund 570 Neonazis nach Wolfsburg, um an der Demonstration teilzunehmen. Als Veranstalter tritt hier die „Initiative Zukunft statt Überfremdung“ auf, die vor allem das parteifreie Spektrum mobilisiert. Angemeldet ist die Demonstration für den 7. Juni 2014. Sowohl Treffpunkt als auch Uhrzeit des Beginns sind bisher nicht bekannt. Die Verlegung der Veranstaltung nach Dresden könnte auch der Versuch der Szene sein, nach den Blockaden des jährlichen „Trauermarschs“, die Straßen in der sächsischen Landeshauptstadt zurückzuerobern.

Die Blockade in Bad Nenndorf 2013, Foto: Publikative.org
Die Blockade in Bad Nenndorf 2013, Foto: Publikative.org

Der letzte „Gedenkmarsch“ des Jahres 2014 dürfte wohl am 2. August im niedersächsischen Bad Nenndorf stattfinden. Seit 2006 ist der Kurort an jedem ersten August-Wochenende Ziel der extrem rechten Szene, um ihren geschichtsrevisionistischen „Gedenkmarsch“ durchzuführen. Aber auch hier kamen 2013 nur noch rund 300 Neonazis zusammen. Außerdem gelang es im letzten Jahr erstmalig, den Ort der neonazistischen Abschlusskundgebung zu blockieren. Anfang November waren dann rund 40 Neonazis im Regen erneut nach Bad Nenndorf gereist, um marschieren zu können. Ein trauriges Schauspiel, was wohl selbst innerhalb der Szene nicht als wirkliche „Machtdemonstration“ gesehen werden dürfte.

Publikative wird wie immer von allen Demonstrationen berichten.

 

Der Rechtsrock-Sommer

Neben zahlreichen Liederabenden und Rechtsrockkonzerten haben sich in Deutschland mittlerweile zahlreiche neonazistische Rechtsrock-Großveranstaltungen etabliert. Vorreiter dieser Entwicklung ist vor allem Thüringen.

Am 17. Mai 2014 hat der NPD-Kreisverband Eichsfeld rund um den Neonazi-Altkader Thorsten Heise in Leinefelde im Eichsfeld eine Veranstaltung unter der Bezeichnung „Kommunaler Wahlkampfauftakt: Identität bewahren, Volksgemeinschaft leben! Für eine nationale und soziale Politik auf allen Ebenen“ angemeldet. Dabei dürfte es sich wohl – wie seit 2011 jedes Jahr – um eine Mischung aus Rechtsrock und politischen Reden handeln. Anfang Mai 2013 hieß die Veranstaltung noch „Nationaler Kundgebungstag“. Als Redner waren unter anderem Udo Voigt und Patrick Wieschke vertreten. Daneben spielten verschiedene Bands. Im letzten Jahr zog es rund 400 Neonazis zu dem braunen Spektakel nach Leinefelde.

"Thüringentag der nationalen Jugend" 2013 in Kahla, Foto: Publikative.org
„Thüringentag der nationalen Jugend“ 2013 in Kahla, Foto: Publikative.org

Am 14. Juni geht es dann im Thüringischen Sömmerda mit dem „Thüringentag der nationalen Jugend“ weiter. Dieser findet mittlerweile seit 2002 an verschiedenen Orten im Freistaat statt. Im vergangenen Jahr reisten rund 160 Neonazis ins ostthüringische Kahla, um dort bei Sonne und Rechtsrock zu feiern. Auffällig war vor allem die breite Unterstützung für den vermeintlichen NSU-Helfer Ralf Wohlleben, welche mit eigens produzierten Shirts nach außen getragen wurde. 2014 ist die Veranstaltung durch den NPD-Kreisverband Kyffhäuserkreis angemeldet. Bisher werden als Redner Patrick Wieschke und Thorsten Heise angekündigt. Das musikalische Programm besteht nach Ankündigung bisher aus dem obligatorischen Frank Rennicke und der Rechtsrock-Kombo „KinderZimmer-Terroristen“.

In Thüringen wird mit dem 12. „Rock für Deutschland“ am 5. Juli 2014 in Gera die wohl letzte Großveranstaltung im laufenden Jahr durchgeführt. Das Rechtsrock-Open Air findet seit 2003 statt und konnte zu Hochzeiten bis zu 4.000 Neonazis nach Gera locken. In den letzten beiden Jahren waren es noch rund 700 Teilnehmer, die nach Ostthüringen reisten. Bisher sind weder Bands noch Redner bekannt. Die vergangenen Jahre fand die Veranstaltung auf dem Bahnhofsvorplatz der Stadt statt. Im letzten Jahr demonstrierten rund 1.000 Menschen gegen die extrem rechte Veranstaltung.

"Rock für Deutschland 2012": Bühnen-Deko mit klarer Botschaft (Foto: M.S.)
„Rock für Deutschland 2012“: Bühnen-Deko mit klarer Botschaft (Foto: M.S.)

Im Jahr 2013 hat es die Thüringer Neonaziszene geschafft eine weitere Rechtsrock-Veranstaltung zu exportieren. Im Sachsen-Anhaltinischen Berga bei Sangerhausen hatte der NPD-Kreisverband Kyffhäuser rund um seinen Vorsitzenden Patrick Weber gemeinsam mit Neonazis aus Nordhausen das Open Air „In.Bewegung“ organisiert. Rund 1.000 Neonazis waren im letzten Jahr der Einladung gefolgt. Für 2014 wird die Veranstaltung am 09. August angekündigt. Neben der Band „Sleipnir“ und dem NPD-Funktionär Patrick Weber selbst, sind bisher keine weiteren Musiker und Redner bekannt.

Wahlkämpfe 2014 – von der Kommune bis nach Europa

Screenshot von: http://www.wahlrecht.de/termine.htm
Screenshot von: http://www.wahlrecht.de/termine.htm

Im Wahljahr 2014 stehen zahlreiche Wahlen an: Von der Kommune über die Landtage bis hin zum Europaparlament werden die Wähler in diesem Jahr zur Urne gebeten. Vor allem für die NPD geht es in diesem Jahr um zahlreiche wichtige Wahlteilnahmen. Am 25. Mai werden in mehreren Bundesländern die kommunalen Abgeordneten neu gewählt. Vor allem in Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern dürfte es für die NPD besonders von Bedeutung sein, möglichst viele Mandate zu erringen, um sich weiter zu etablieren. In Thüringen beispielsweise kündigt die Partei eine Verdopplung ihrer bisherigen Mandate auf insgesamt 50 Abgeordnete an. Vor allem in den Bundesländern Sachsen, Thüringen und Brandenburg, wo im Spätsommer Landtagswahlen stattfinden, dürften die Ergebnisse der Kommunalwahlen als ein Richtwert zu verstehen sein. Ein Achtungserfolg wäre aus Sicht der NPD sicher ein positiver Trend für die Landtagswahlen. Gleichzeitig mit den zahlreichen Kommunalwahlen am 25. Mai finden die Europawahlen statt. Derzeit ist noch unklar, ob die 3%-Hürde fallen wird. Wenn ja, dürfte schon ein Ergebnis von etwas mehr als einem Prozent reichen, um einen Abgeordneten nach Brüssel zu entsenden. Damit scheint die NPD fest zu rechnen. Um den Spitzenplatz auf der Liste ist bereits Ende letzten Jahres ein Gerangel zwischen Udo Pastörs, Karl Richter und Udo Voigt

Das NPD-Flagschiff 2013 in Hannover, Foto: Publikative.org
Das NPD-Flagschiff 2013 in Hannover, Foto: Publikative.org

ausgebrochen. Endgültig wird die Personalfrage voraussichtlich am 18. Januar auf dem Bundesparteitag der NPD geklärt werden. Im Herbst stehen dann in Sachsen, Thüringen und Brandenburg Landtagswahlen an. In Sachsen wird die NPD um den Wiedereinzug in den Landtag kämpfen müssen, der derzeit unwahrscheinlich scheint. Holger Apfel ist immerhin über Jahre zum „Gesicht der Sachsen-NPD“ aufgebaut wurden und nun vollständig weggebrochen. Bereits 2009 war der Einzug mit 5,6 % nur knapp gelungen. In Brandenburg und Thüringen wird die Partei den Erst-Einzug versuchen. In Brandenburg war die NPD 2009 erstmalig angetreten, da wegen der Wahlabsprachen dies bis dahin immer „DVU-Gebiet“ war. Die Partei konnte bei den letzten Wahlen lediglich 2,6 % erreichen und auch die Mobilisierungsfähigkeit des Landesverbandes spricht eher gegen einen Einzug in den Landtag. Anders sieht dies in Thüringen aus. Hier verpasste die NPD 2009 mit 4,3% den Einzug nur knapp. Seitdem hat der Landesverband seine Strukturen immer weiter ausgebaut. Mittlerweile gibt die Partei im Freistaat mindestens 10 eigene „Regionalzeitungen“ raus und konnte im letzten Jahr erstmals wieder einen leichten Mitgliederanstieg verzeichnen. Der Landesvorsitzende Patrick Wieschke kündigte an, man werde 1 Millionen Wahlkampfzeitungen verteilen, 50.000 Plakate hängen und bis zu 200.000 Euro in den Wahlkampf investieren. Die Partei gibt derzeit an, mit 7 Abgeordneten in den Thüringer Landtag einziehen zu wollen. Auch wenn der Thüringische Landesvorstand mit Beginn des Jahres bröckelt, dürfte die Chance für einen Einzug der NPD durchaus bestehen.

Wir erheben natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und bitten euch, die Liste in den Kommentaren zu ergänzen.

NPD-Thüringen: Große Pläne, kleiner Vorstand

Die NPD will nicht nur in das Europaparlament einziehen, sondern auch in den Thüringer Landtag. Der Landesvorsitzende Patrick Wieschke schmiedet große Pläne und will als Spitzenkandidat mit gleich sieben Abgeordneten in das Landesparlament einziehen. Doch bereits jetzt bröckelt sein Landesvorstand. 

von Redaktion Publikative.org

Patrick Wieschke, Vorsitzender des NPD-Landesverbandes Thüringen, Foto: Kai Budler.
Patrick Wieschke, Vorsitzender des NPD-Landesverbandes Thüringen, Foto: Kai Budler.

Vollmundig kündigt der Landesvorsitzende der NPD-Thüringen derzeit den Wahlkampf für das Superwahljahr im Freistaat an. Man wolle bei den Kommunalwahlen die Mandate von 23 auf 50 verdoppeln und in den Landtag gleich mit 7 Abgeordneten einziehen.

Dafür will die NPD in Thüringen bis zu 50.000 Plakate aufhängen, eine Millionen ihrer Propaganda-Blättchen verteilen und rund 200.000 Euro ausgeben.

Große Pläne – doch Wieschke schafft es zu Beginn des Jahres nicht einmal, seinen eigenen Landesverband unter Kontrolle zu haben. Selbst der eigene Landesvorstand beginnt zu bröckeln. Am Sonntag legte Roy Elbert, Beisitzer im Landesvorstand, Kreisvorsitzender der NPD-Nordhausen und sowohl Stadtrat- als auch Kreistagsmitglied in der Rolandstadt alle seine Ämter in der NPD nieder und trat aus der Partei aus. In einer langen Erklärung, die der 42-Jährige sowohl über die NPD-Kreisverbandshomepage als auch Facebook verteilte, machte er vor allem den Landesvorstand rund um Patrick Wieschke für seinen Austritt verantwortlich.

Elbert erhebt schwere Vorwürfe vor allem gegen die Führungsriege der Thüringer NPD. So heißt es in seiner Begründung: „Im Gegenteil, je höher und je mehr Einfluss, desto geringer scheint die Bereitschaft sich vorbehaltlos für Kameraden einzusetzen.“ Und die Zustände in der NPD-Thüringen scheinen laut Elberts Anschuldigungen katastrophal zu sein. So spricht der Nordhäuser über „intrigantes Verhalten“ und „dass aus den eigenen Reihen geschossen wird und man sich kaum mehr traut  anderen den Rücken zuzuwenden“.

Der Neonazi zeigt sich insgesamt vor allem über seine Vorstandskollegen enttäuscht, vor allem der „diktatorische Führungsstil“ des Landesvorstandes scheint ihm zu missfallen. Aber aus der ausführlichen Begründung scheint auch eine Enttäuschung über die fehlende Wertschätzung von Elberts Arbeit zu sprechen, so schreibt er: „Wenn Ideen als dumm oder nicht diskussionswürdig erachtet werden, Frauen lediglich als schmückendes Beiwerk im Kampf um Prozente gesehen werden, oder Vorschläge aus der Basis bereits im Anfangsstadium abgewürgt und erstickt werden, dann fühle ich mich falsch am Platz!“

Elbert
Elbert kurz nach der Attacke auf die Oberbürgermeisterin im April 2012, Foto: Kai Budler.

Doch auch dem Ausgetretenen scheinen heftige Vorwürfe gemacht worden zu sein. So sei ihm „vorsätzliches, parteischädigendes Verhalten“ attestiert wurden. Bei einem Blick auf Elberts öffentliches Agieren scheint eines schnell klar, die „seriöse Radikalität“ hatte sich der Thüringer nicht groß auf die Fahne geschrieben: Eine Attacke auf die Oberbürgermeisterin der Stadt Nordhausen, die öffentliche Verteidigung von kriminellen Hooligan- und Neonazigruppen, Abmahnungen wegen Falschbehauptungen oder ein vorübergehender Aufenthalt in der Polizeiinspektion wegen einer Schlägerei auf einem Volksfest und damit verbundene Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung sind nur ein Teil der Nordhäuser Auslegung von „seriöser Radikalität“.

Kreisverband liegt brach

Roy Elbert (links) beim neonazistischen Gedenken in Nordhausen im April 2013, Foto: Publikative.org
Roy Elbert (links) beim neonazistischen Gedenken in Nordhausen im April 2013, Foto: Publikative.org

Für den Kreisverband-Nordhausen war dies nicht der erste Rücktritt eines Vorsitzenden. Bereits 2011 war Elberts Vorgänger, Marco Kreutzer, überraschend zurückgetreten. Auch diesem Schritt waren Differenzen innerhalb des Kreisverbandes vorausgegangen. Die damalige Begründung für die Ämterniederlegung und den Parteiaustritt war die „familiäre und berufliche Situation“ von Kreutzer.

Doch mit Elberts Rücktritt geht der NPD offensichtlich nicht nur ein Spitzenfunktionär verloren, sondern wohl ein ganzer Kreisverband. War der Kreisverband-Nordhausen bereits zuvor nicht gerade aktiv, scheint er nun gänzlich einzubrechen. Bei der Jahreshauptversammlung am 5. Januar fand sich kein Mitglied, welches die Nachfolge Elberts antreten wollte.

Da bereits im vergangenen Jahr die Schatzmeisterin der Nordhäuser NPD abhanden gekommen war, besteht der Vorstand derzeit lediglich aus dem stellvertretenden Vorsitzenden und einem Beisitzer. Dies dürfte auch für die anstehenden Kommunal- und Landtagswahlen ein erheblicher Rückschlag für die NPD sein.

Hinzu kommt, dass Elbert als das Bindeglied zwischen der NPD und der „freien Kameradschaftsszene“ vor Ort galt. Diese hatten die NPD in Nordhausen auch bei Wahlkämpfen und Veranstaltungen unterstützt. Sollte mit Elberts Weggang nun auch diese Verbindung abreißen, dürfte kaum noch ein Wahlkampf mit lokalen Akteuren vor Ort möglich sein. Zumindest in Nordhausen scheint eine Verdopplung der kommunalen Mandate damit ziemlich unwahrscheinlich.

Siehe auch: Braunes Nordhausen: Waffen, Drogen und die NPD, NPD-Funktionäre gründen Medien-TarnvereinDie NPD als Anti-AntifaWas weiß der VS über Neonazis in Nordthüringen?NPD-Kreisvorsitzender greift Bürgermeisterin an“Thüringentag” – ein weiteres Desaster für die NPD?

NP…wer? – Publikative hilft!

Die niedersächsischen Landtagswahlen endeten mit einem hauchdünnen Sieg für Rot-Grün. Doch auch unterhalb der „Wen-Interessierts-Grenze“ gibt es Parteien, die unsere Beachtung verdienen. Heute: Die NPD – eine längst vergessene Partei.

 von Publikative.org-Wahlkampfberatung

Holger Apfel 2011 in Bremen (Foto: Kai Budler)
Holger Apfel 2011 in Bremen (Foto: Kai Budler)

Die niedersächsischen Landtagswahlen blieben bis nach 23 Uhr spannend. Erst dann wurde klar, dass es einen Machtwechsel in Niedersachsen geben würde. Mit einem Sitz Vorsprung hat Rot-Grün den Machtwechsel geschafft. Doch auch andere Parteien fieberten bis zum Schluss, nicht um den Machtwechsel gewiss, aber beispielsweise um finanzielle Fragen. So ist für kleine Parteien bei Landtagswahlen das Erreichen der 1%-Hürde wichtig, um in den Genuss der Wahlkampfkostenerstattung zu kommen und sich so weiter zu finanzieren. So haben wohl auch die Kameradinnen und Kameraden der NPD bis zuletzt an vorderster Hoffnungsfront gekämpft, bis dann klar wurde: Es hat nicht gereicht. Mit 0,8% verpasst die NPD nicht nur die Chance auf den Machtwechsel sondern auch die Möglichkeit, wieder Kohle vom verhassten System einzufahren. Doch wir wollen an diesem Montag nicht hämisch sein, wir wollen nicht einschlagen auf Apfels sturmverwachsenes und erdfestes Trüppchen, welches bis zum Schluss bei eisigen Temperaturen wie Opa 1943 in Russland um jede Wählerstimme gekämpft hat. Also nicht Opa, sondern die Mannen und Frauen der NPD. Deshalb wollen wir heute dem Parteivorsitzenden etwas Arbeit abnehmen und möchten uns Holger Apfel als Redenschreiber anbieten. Lass den Stift ruhen und uns die Sache übernehmen!

„Liebe Kameradinnen und Kameraden,

liebe Freundinnen und Freunde,

ich möchte mich zunächst bei allen Kameraden bedanken, die an vorderster Wahlkampffront gekämpft haben. Auch den Kameradinnen, die sich um Wäsche und Essen im Hintergrund kümmerten, sei hier ausdrücklich für ihren Beitrag zur Rettung des deutschen Volkes gedankt! Auch in Niedersachsen zeigte sich wieder, wie die etablierten Politversager gemeinsam mit der linken Medienmafia und den linksextremistischen Gewalttätern aufrechte Patrioten kriminalisieren und unterdrücken. Dennoch haben wir einen grandiosen Wahlkampf geleistet, der die Weichen für die Machtübernahme bei den Bundestagswahlen 2013 gestellt hat. So knapp wie jetzt waren wir noch nie vor der Erringung der Macht in Deutschland. Dies ist der Verdienst unserer tapferen Kameraden, die sich auch durch Kriminalisierung nicht abbringen lassen, Deutschland zu retten. Nicht zuletzt ist es natürlich mein Konzept der „seriösen Radikalität“, welches in Niedersachsen erste Erfolge zeigte. Wir bieten eine echte Alternative zum liberal-kapitalistischen System und das haben die Menschen erkannt oder werden es noch erkennen. Wie auch immer, liebe Kameradinnen und Kameraden, wieder einmal zeigt sich, wie wir erfolgreich mit einem Wahlkampf das Geld der „BRDDR“ ausgeschlagen haben. Wir können stolz auf uns sein, dass wir von der Sympathie des Volkes getragen werden und nicht wie die Versagerparteien von staatlichen Geldern leben müssen.

Deswegen rufe ich allen Kameraden und Volksgenossen zu

Vorwärts immer, rückwärts nimmer!!!

Holger Apfel

Parteivorsitzender der NP…D“ 

Siehe auch: Niederschmetternde Bilanz, Angeschlagen, orientierungslos, verunsichert

Salafisten und Pro NRW erreichen ihr Ziel: Gewalt

Die antimuslimisch-rassistische Kleinstpartei Pro NRW und die gewaltbereiten Gruppen innerhalb des radikalislamistischen Salafismus kommen nur mit Negativschlagzeilen aus ihrer jeweiligen Bedeutungslosigkeit heraus. Dies führte am Samstag zu schweren Ausschreitungen in Bonn, bei denen zwei Polizisten schwer und 27 weitere leicht verletzt wurden. Eine Aktuelle Stunde im WDR titelte: „Straßenkampf in Bonn“.

Von Roland Sieber

Pro NRW braucht bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 13. Mai offenkungig die Stimmen aus dem gewaltbereiten Neonazispektrum bis zu den isolierten antimuslimischen Verschwörungsanhängern, um überhaupt nur in die Nähe der Hürde zur Wahlkampfkostenerstattung von einem Prozent der Wählerstimmen zu kommen. Um nicht in die vollkommene Bedeutungslosigkeit abzurutschen, ist dies das erklärte Ziel. Für Pro NRW geht es dabei um eine jährliche Summe ab 80.000 Euro aufwärts. Dies soll mit einem Wahlkampf mit „maximaler Provokation“ und „bis an die Schmerzgrenze“ erreicht werden, so der Landesvorsitzende Markus Beisicht.

Die Strategie scheint klar: Solange provozieren bis es einen Zwischenfall gibt um sich als Opfer der angeblichen „multkultibewegten Gutmenschen“, „Islamversteher“, „islamistischen Gewalttätern“ oder „Linksfachschisten“ darstellen zu können, und selbst wenn es ein erfundener Mordanschlag sein sollte. Um sich als bedeutungslose Kleinstpartei – die selbst für (Groß)-Veranstaltungen mit 30 Teilnehmern – Anhänger aus mehreren Bundesländern herankarren muss noch als „Bürgerbewegung“ bezeichnen zu können, braucht es entweder Größenwahn oder Verschwörungstheorien.

„Straßenkampf in Bonn“ (WDR Aktuelle Stunde, 5.5.2012)

Im Umfeld solcher Islamhassblogs wie PI und blu-News ist beides vorhanden und dort rekrutiert sich die Wählerschaft von Pro, REPs, Freiheit und Bürgern in Wut. Die Parteispitze von Pro NRW besteht zudem fast ausschließlich aus aktuellen oder ehemaligen führenden Pro-Köln-Funktionären. Pro Köln entstand nicht wie langläufig verbreitet aus Anti-Moschee-Initiativen, sondern aus der organisierten extremen Rechten, so wie z.B. Manfred Rouhs und Markus Beisicht von den REPs über die Deutsche Liga für Volk und Heimat (DLVH) zu Pro kamen. Am 25. April führte die Polizei eine Razzia gegen den „Freundeskreis Rade“ und Pro NRW durch. Drei Rechtsextremisten wurden festgenommen, darunter Aktivisten von pro NRW.

Bei den insgesamt 21 Durchsuchungen wurden verschiedene Waffen und umfangreiches Propagandamaterial sichergestellt. Pro NRW wird vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremistisch eingeschätzt und aufmerksam beobachtet. „Unter dem Deckmantel eines unverfänglichen Namens schürt die rechtsextremistische Partei bewusst Ängste vor Überfremdung und transportiert ihre anti-demokratische und ausländerfeindliche Ideologie“, erklärte Innenminister Ralf Jäger bereits am 30. April. Ihr Versuch, den Stempel der Verfassungsfeindlichkeit um jeden Preis zu vermeiden, ist gescheitert. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat in seiner Entscheidung im Februar 2011 deutlich herausgestellt: Die Bekenntnisse von pro NRW zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung sind ersichtlich unglaubwürdig und taktisch bedingt. Tatsächlich will die Partei – so das Gericht – „einen Bestandteil der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, nämlich die Menschenrechte für bestimmte Personengruppen außer Geltung setzen.“ Die Personalüberschneidungen zwischen dem gewalttätigen Freundeskreis Rade und Pro zeigt die WDR-Reportage „Braune Flecken“ auf.

Am 1. Mai provozierte Pro NRW mit islamfeindlichen Plakaten vor einer Moschee in Solingen erste Ausschreitungen von Salafisten. Nach Presseberichten eskalierte die Situation am Samstag vermutlich geplant, wobei es über Stunden zu gewaltsamen Ausschreitungen in Bonn kam. Gewaltbereite Gruppen innerhalb des Salafismus haben bundesweit ihre Anhänger in die ehemalige Hauptstadt gerufen.  Ein 25-Jähriger griff mit einem Messer drei Beamte an. Dabei wurde laut DerWesten eine 30-jährige Polizeikommissarin und ihr 35 Jahre alter Kollege schwer verletzt. Der Tatverdächtige wurde sofort vor Ort festgenommen. Eine Mordkommission ermittelt nun wegen versuchter Tötung gegen ihn. Im Verlauf der Auseinandersetzungen erlitten weitere 27 Polizisten durch Steine und andere Wurfgeschosse leichte Verletzungen. 109 Personen wurden vorläufig festgenommen.

Landesinnenminister Jäger bezeichnete die gezielte Gewalt als „neue Dimension“ von fanatischen Salafisten. Er kündigte harte Konsequenzen an. „Das waren keine spontanen Angriffe. Für Bonn hat es erstmals eine intensive bundesweite Mobilisierung von gewaltbereiten Salafisten gegeben, die deutlich über das bislang bekannte Maß hinaus ging“, so Jäger. Er stellte in einer Pressemitteilung  klar, dass das bewusste provozierende Zeigen der Karikaturen der Auslöser für die gewaltsamen Angriffe der Salafisten war. Die systematischen Provokationen der Rechtsextremisten von Pro NRW mit islamfeindlichen Karikaturen rechtfertigen jedoch seiner Meinung nach in keinster Weise die Ausschreitungen.

Ähnliche Motive

Es standen sich 30 Pro-NRW-Anhänger und knapp 600 Gegendemonstranten gegenüber. Aber wie Pro NRW versuchen auch einige gewaltbereite Gruppen innerhalb des Salafismus die Polarisierung um durch Radikalisierung auch andere salafistischen Gruppen hinter sich zu versammeln. Die Motive ähneln sich: Wollen die einen ihr politisches Lager aktivieren, wollen die anderen die Deutungshoheit innerhalb des Salafismus erlangen, der wiederum nur eine mögliche Auslegung von vielen des moslemischen Glaubens ist. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland rief bereits im Vorfeld die Muslime auf, sich nicht von Pro-NRW-Vertretern provozieren zu lassen. Der Zentralrat hat nach eigenen Angaben wegen der Bonner Kundgebungen Strafanzeige gegen Pro NRW erstattet. „Das sind Provokationen mit dem Ziel, eine bestimmte Gruppe zu diskriminieren und zu diskreditieren“, sagte dessen Vorsitzender Aiman A. Mazyek  dem Bonner General Anzeiger.

Auf Fotos und Video- sowie Fernsehaufnahmen ist zu sehen, wie sehr die Pro NRW Anhänger selbst während den Ausschreitungen noch provozieren. Dies dürfte ein Grund dafür gewesen sein, weshalb die Polizei auch deren Veranstaltung nach 45 Minuten abbrach. Markus Beisicht schreibt in einer Stellungnahme auf der Pro-NRW-Internetseite über „Terrorausschreitungen“ und spricht sein Mitgefühl angeblich zu allererst den vielen verletzten Polizeibeamten aus. Wie ernst solche Mitgefühle nach gezielten Provokationen gemeint sind, lässt sich daraus nicht herauslesen.

Nach den Ausschreitungen in Bonn hat der nordrhein-westfälische Innenminister Jäger der rechtsextremen Partei „Pro NRW“ das Zeigen islamfeindlicher Karikaturen untersagt. Nach einem aktuellen Gerichtsurteil von heute Morgen darf Pro NRW jedoch bei der jetzigen Kundgebung in Bielefeld „islamkritische“ Karikaturen zeigen.

Siehe auch: Was ist “Salafismus”?, Reichsbürger drohen: Spinnerei oder echte Gefahr?

Die Sehnsucht nach der großen Koalition

Eine Grundregel bei vielen Wahlen lautet: Obwohl es eine klare Mehrheit für linksliberale oder progressive Parteien gibt, regiert die CDU. Dies liegt vor allem an der SPD.

Von Patrick Gensing

Die Sozialdemokraten haben in den vergangenen Jahrzehnten schwere Fehler begangen; zunächst verschliefen sie es schlicht, die Öko-Bewegung einzusammeln und unterstützten so den Aufstieg der Grünen. Nun ist es das Thema Netzpolitik, welches eine weitere Partei entstehen lässt, da die etablierten Parteien nicht in der Lage waren, der digitalen Generation eine politische Heimat zu bieten.

Aber auch im Umgang mit der Linkspartei findet die SPD keine vernünftige Position. Obwohl die Parteien in vielen Punkten relativ leicht Übereinstimmungen finden könnten – und die SPD der Linken durch eine feindliche Umarmung langfristig viele Wähler abnehmen könnte, lassen sich die Sozialdemokraten bei diesem Thema von Union und FDP am Nasenring durch die politische Arena führen. Hinzu kommen persönliche Eitelkeiten und alte, offene Rechnungen, die einen unverkrampften Umgang verhindern.

Rot-Grün liegt in NRW knapp in Front. (NRWTrend tagesschau.de)
Rot-Grün liegt in NRW knapp in Front. (NRWTrend tagesschau.de)

Somit finden sich mittlerweile SPD, Grüne, Linke und Piraten im mitte-links, linksliberalen bis linken Parteienspektrum – doch Koalitionen sind nur zwischen Rot-Grün und im Osten vereinzelt zwischen Rot und Rot gängig. In Berlin koalierte die SPD lieber mit der CDU, auch an der Saar wird es nun eine große Koalition geben, unter Führung der CDU, immerhin stärkste Partei, doch weit von einer eigenen Mehrheit entfernt. In zwei weiteren Ländern regiert Schwarz-Rot (Thüringen und Sachsen-Anhalt) sowie noch einmal Rot-Schwarz (MVP); insgesamt regieren mittlerweile in fünf von 16 Bundesländern CDU und SPD gemeinsam. Ein Zeichen für die Bundestagswahl 2013?

Weitere große Hochzeiten dürften uns bevorstehen, denn durch den Aufstieg der Piraten, von den anderen Parteien bislang mit einer arroganten „die sind doch irgendwie ganz putzig“-Attitüde belegt, werden die klassischen Koalitionen aus Union/FDP oder SPD/Grünen für eine Regierungsbildung nicht mehr reichen. Die Union könnte zudem bald ganz ohne potentiellen kleinen Partner auskommen müssen, da sich die FDP weiter konsequent abschafft – und Schwarz-Grün bzw. Jamaika vorerst gescheitert ist. Zeit, sich neuen Partnern zu öffnen – besonders für die SPD – oder eben mit der Union zu regieren, was Grünen, Linke und Piraten weiter stärken dürfte.

Immerhin haben es die Sozialdemokraten in NRW einmal mit einer Minderheitsregierung versucht, eine Form der Koalition, auf die in Deutschland viel zu selten gesetzt wird, weil man lieber „stabile“ Verhältnisse will, also die große Koalition, welche oft in Krisenzeiten gesucht wird. Ob die SPD bei der NRW-Wahl im Mai für diesen Mut belohnt werden? Zurzeit sieht es so aus, doch nun schwächeln die Grünen, das sagen zumindest aktuelle Umfragen. Und ziehen auch die Piraten sowie die FDP (derzeit bei rund vier Prozent) in den Düsseldorfer Landtag ein, könnte es auch an Rhein und Ruhr heißen: Zeit für eine große Koalition.

NPD in MVP: Zwischen gewerbsmäßiger Hehlerei und Kinderfesten

In Mecklenburg-Vorpommern beginnt die heiße Phase des Wahlkampfs zur Landtagswahl im September. Die NPD läutet diese Zeit auf ihre Art ein – der Rechtsextremist Sven Krüger aus Jamel muss sich ab dem 14. Juli 2011 vor dem Schweriner Landgericht verantworten. Keine gute Werbung für die angeblich so seriöse NPD. Um ihr Image aufzupolieren, versucht sich die NPD als Kümmerer-Partei zu inszenieren.

Von Patrick Gensing

Anfang Mai hatte die Staatsanwaltschaft Schwerin Anklage gegen den 36-jährigen Krüger erhoben. Sie wirft ihm gewerbsmäßige Hehlerei in 19 Fällen sowie einen Verstoß gegen das Waffengesetz vor. Der Abrissunternehmer soll sich in den vergangenen zwei Jahren Baumaschinen und Geräte verschafft haben, um sie selbst zu nutzen oder weiter zu verkaufen.

Krügers Firmenlogo (Quelle: Lobbi MV)
Krügers Firmenlogo (Quelle: Lobbi MV)

Damit nicht genug: Bei einer Razzia Ende Januar auf seinem Betriebsgelände in Jamel wurden auch noch Waffen und Munition entdeckt. Wenige Tage, nachdem Anklage gegen den Neonazi erhoben worden war, gab er sein NPD-Mandat für den Kreistag in Nordwestmecklenburg zurück. Krüger, der bereits vorbestraft ist, drohen mehrjährige Haftstrafen.

Den Kameraden ist offenbar aufgegangen, dass ein vorbestrafter Funktionär, der während des Wahlkampfs wegen gewerbsmäßiger Hehlerei und Waffenbesitzes vor Gericht steht, die Fassade einer seriösen NPD mit verantwortungsbewussten Mitgliedern und Funktionsträgern doch nachhaltig beschädigen könnte.

Ohnehin können eigentlich nur ganz Ignorante oder Verblendete dieses Bild ernst nehmen. Denn besonders der NPD-Landesverband in Mecklenburg-Vorpommern wird maßgeblich von Funktionären geprägt, die aus Neonazi-Banden, den „Freien Kräften“, kommen. Von den Vorstrafen und Anklagen ganz zu schweigen. Beispielhaft lässt sich dies an einem Bericht der NPD zu einer Veranstaltung am 09. Juli 2011 darstellen:

In der Mitte Mecklenburg und Pommerns fand am 9. Juli 2011 eine Saalveranstaltung des NPD-Landesverbandes statt. Die Veranstaltung stand ganz unter dem Eindruck der anstehenden „heißen“ Wahlkampfphase.

Offenbar handelte es sich also um eine geschlossene Veranstaltung, denn wo die jeweilige Mitte von Mecklenburg und Pommern handelt, das weiß wohl nur die NPD.

Zu Beginn wurde mit einer berührenden Gedenkfeier dem [sic!] kürzlich verstorbenen nationalen Publizisten und unermüdliche Streiter für Deutschlands Einheit und Freiheit, Herbert Schweiger, gedacht.

Bei Schweiger handelt es sich um einen ehemaligen SS-Untersturmführer der Division „Leibstandarte Adolf Hitler“ – ein unbelehrbarer Altnazi aus Österreich, der mehrmals in Haft saß.

Attacke auf eine am Boden liegende Frau in Itzehoe, daran beteiligt unter anderem: Stefan Köster, NPD-Landtagsabgeordneter in MVP.
Attacke auf eine am Boden liegende Frau in Itzehoe, daran beteiligt unter anderem: Stefan Köster, NPD-Landtagsabgeordneter in MVP.

Danach sprachen noch NPD-Landeschef Stefan Köster – rechtskräftig verurteilt wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung. Auch NPD-Fraktionschef Udo Pastörs trat auf – ob er dabei einen ähnlichen Auftritt wie beim „Politischen Aschermittwoch“ der NPD in Saarbrücken hinlegte, ist nicht überliefert, Fakt ist aber, dass Pastörs für seine Hetzrede im Saarland vor Gericht verurteilt wurde. Zudem wurde in einer anderen Sache Anklage gegen Pastörs erhoben. Auch Liedermacher Jörg Hähnel, der noch auftrat, stand bereits mehrfach vor Gericht.

Zugegeben: Die Erkenntnis, dass die NPD eine Partei der Alt- und Neonazis ist, ist alles andere als neu – doch sollte diese Tatsache durchaus betont werden, wenn sie sich gleichzeitig als moderne „Heimatpartei“ anbieten möchte – wie in Mecklenburg-Vorpommern derzeit. Denn am 16. Juli 2011 lädt die NPD zu „Spiel und Spaß beim Kinderfest in Ueckermünde ein. Geboten werden laut NPD:

– Hau den Lukas
– Sackhüpfen
– Hüpfburg
– Mal- und Bastelstraße
– Bademöglichkeiten
– Clown Maex
– Kaffee und Kuchen
– und vieles mehr.
ALLES KOSTENLOS!

Durchaus ein attraktives Angebot für Kinder – sowie Eltern, die kein Problem mit der NPD haben, obwohl neben den oben erwähnten weitere NPD-Kader aus MVP einschlägig vorbestraft sind. Zudem ist die Bilanz der Fraktion im Landtag äußerst dürftig. Kein Wunder, dass die Neonazis bei den jüngsten Umfragen bei „nur“ drei bis fünf Prozent lagen – bei der Wahl 2006 holten sie noch mehr als sieben Prozent.

Dennoch hat die NPD durchaus noch Chancen, erneut in den Landtag einzuziehen und sich so zu stabilisieren. Ein Scheitern wäre hingegen ein weiterer schwerer Schlag für die Partei. Um einen Erfolg der NPD zu verhindern, wurde die Kampagne „Kein Ort für Neonazis“ ins Leben gerufen. Mehr dazu hier.

Siehe auch: “Nazi-Werbung ein Desaster für unser Bundesland”, Geldstrafe gegen NPD-Abgeordneten Müller bestätigt, Nach Anklage: NPDler legt Mandat nieder, Nach Waffenfund: Anklage gegen NPDler erhoben, Weitere Anklage gegen Pastörs erhoben, MVP: NPD bei nur noch drei Prozent, Pölchow-Prozess: Strafen müssen neu verhandelt werden, NPD in Mecklenburg: Zwischen Rechtsrock und Kümmerer-Partei, Rechtsextremismus auf dem Dorf: Zwischen Lageanalysen und Zonen der Angst