Wagenknecht, Elsässer und die Deppen der US-Oligarchen

Seit den Anschlägen von Paris und den folgenden Luftangriffen auf den „Islamischen Staat“ in Syrien kennt Sahra Wagenknecht quasi nur noch ein Thema: Das Risiko eines dritten Weltkriegs durch die militärische Intervention des Westens, die ohnehin nur dem IS helfe, glaubt man der Fraktionschefin der Linken. Auf ihrer Facebook-Seite feiert der  Antiamerikanismus fröhliche Urständ. Querfront-Aktivisten suchen schon länger ein Bündnis mit der Ikone der dogmatischen Linken.

Von Patrick Gensing

screenshot1„Die USA fordern von Deutschland mehr militärische Unterstützung im Kampf gegen den IS. Ich finde: Das ist der Gipfel der Dreistigkeit! […] Ich habs wirklich satt, dass unsere Regierung sich zum Deppen der US-Oligarchen und ihrer Regierung in Washington macht.

Ein viraler Volltreffer: Für diesen Kommentar erntete Sahra Wagenknecht am 12. Dezember auf Facebook fast 23.000 Likes. Kein Einzelfall: Seit den Terroranschlägen von Paris und der folgenden Offensive gegen den „Islamischen Staat“ in Syrien behandeln etwa drei Viertel von Wagenknechts Posting den westlichen „Krieg gegen den Terror“, der sinnlos, verlogen und gefährlich sei.

Zur russischen Militäroperation an der Seite des syrischen Machthabers Assad – der Proteste blutig niederschlagen ließ, Giftgas einsetzte und vor dem Hunderttausende Menschen geflohen sind – fällt ihr hingegen wenig bis nichts ein. Außer, dass dieser Assad „natürlich“ ein Diktator sei – aber, so Wagenknecht, es sei „Sache des syrischen Volkes und nicht der Amerikaner, wer in Damaskus regiert!“ (Kommentar vom 7. Dezember, 10.000 Likes)

Großer Teufel am Ufer des großen Teichs

Die Sache des Volkes bewegt Wagenknecht schon seit Jahren. In bester populistischer Manier malt sie ein schwarz-weißes Weltbild, in dem das Böse aus dem Westen kommt. Seien es die erwähnten „Oligarchen und ihre Regierung in Washington“, die Deutschland zum „Deppen“ mache oder TTIP: In der Welt von Wagenknecht hockt der große Teufel am anderen Ufer des großen Teichs.

Mit diesem Feindbild erreicht Wagenknecht, ob nun beabsichtigt oder nicht, naheliegenderweise auch zahlreiche Personen aus dem Querfront-Milieu. Jürgen Elsässer, mit dem sie 1996 eine Streitschrift über die Aktualität des Kommunismus veröffentlicht hatte, schrieb beispielsweise im Juli 2015, er habe Wagenknecht „immer für die klügste Politikerin der Linken“ gehalten (bis sie sich für einen Grexit ausgesprochen hatte). Offen wirbt Elsässer für ein Bündnis zwischen Linken und Rechten nach griechischem Vorbild: Sei nicht auch Syriza ein Regierungsbündnis mit Rechtskonservativen eingegangen, nämlich mit der Anel-Partei?“, fragt Elsässer.

Der Glaube an das Kollektiv

Getrennt sind die politischen Lager unter anderem in ihren Positionen zu Minderheitenrechten, allerdings teilen sie neben dem rabiaten Antiamerikanismus auch den Glauben an einen starken Staat, der die heimische Wirtschaft vor den „Heuschrecken“ beschützen solle – eine Art „ökonomischer Patriotismus“, der als ideologischer Brückenschlag von rechts nach links fungiert. In dem einfachen Volk sieht man zudem vor allem eine Masse – und keine individuellen Bürger.

Die kollektivistische Sicht auf die Gesellschaft zeigt sich auch in der Interpretation der Pegida-Demonstrationen: Die Teilnehmer werden als mobilisierbares Protestpotential gesehen. So skizzierte Wagenknecht Anfang des Jahres in der FR einen Gegensatz zwischen den Anführern von Pegida und dem einfachen Fußvolk:

„Die Organisatoren von Pegida schüren rassistische Ressentiments und machen Stimmung gegen Flüchtlinge. Aber es gibt eine Reihe von Leuten, die da hingehen, weil sie die herrschende Politik ablehnen, weil sie empört sind über prekäre Jobs und miese Renten. Sie haben das Gefühl, da ist endlich mal eine Protestbewegung. Natürlich muss man mit diesen Leuten reden und ihnen deutlich machen, dass das nicht einfach eine Protestbewegung ist, sondern eine Bewegung, die Protest genau in die falsche Richtung lenkt, die Sündenböcke sucht, statt die Schuldigen und die Profiteure zu nennen.“(S. Wagenknecht in der FR vom 21. Januar 2015)

Der Protest würde nur in die falsche Richtung gelenkt, man müsse nur die wahren „Schuldigen“ benennen, glaubt Wagenknecht – und demonstriert eine autoriäre Weltsicht, wonach soziale Bewegungen eigentlich nur das Produkt von Propaganda seien. Das Problem an Pegida ist demnach nicht die rassistische Grundausrichtung („die gibt es auch im Westen“, kommentierte Wagenknecht), sondern, dass die falschen Kräfte die Massen lenkten.

„Nicht käuflich wie die anderen“

Um die Pegida-Anhänger für sich zu gewinnen, empfahl Wagenknecht verschwörungstheoretische Fundamentalopposition: „Wir müssen deutlicher machen: Wir sind nicht wie die anderen, wir lassen uns nicht kaufen.“ Eine Politikerkritik, die nach „Volksverräter“-Rufen klingt.

Wagenknecht ist für Querfront-Aktivisten wie Elsässer somit eine natürliche Ansprechpartnerin. Das Gesellschaftsbild wird geprägt durch die Vorstellung, es gebe eine durch eine verschworene Elite unterdrückte Klasse, der man nur revolutionäres Bewusstsein beibringen müsse. Das weiß auch Jürgen Elsässer aus der gemeinsamen Vergangenheit und appellierte daher an Wagenknecht: „Die Kräfte, die das Euro-System und die EU insgesamt angreifen, werden in allen Ländern stärker. Es wäre gut und wichtig, wenn kluge Linke wie Du das Bündnis oder wenigstens den Kontakt mit ihnen suchten“, denn der neue Faschismus sei „der totalitäre Globalismus“.

„Fremdarbeiter & Fuck the US-Imperialism“

Nationale Rhetorik gepaart mit populistischer Kapitalismuskritik ist alles andere als neu in der Linken. Vor zehn Jahren war es Wagenknechts heutiger Ehemann Oskar Lafontaine, der bei einer Rede von „Fremdarbeitern“ sprach, die „Familienvätern“ und Frauen die Arbeit wegnähmen. Die FAZ kommentierte damals:

Lafontaines Äußerungen zielen nun offensichtlich langfristig-strategisch ausgerichtet […], um Teile der potentiellen NPD-Wählerschaft an das neue Linksbündnis zu binden.

In diesem Sommer wütete Lafontaine auf Facebook gegen die USA und rief dazu auf, sich gegen die wahren Aggressoren zu wehren:

Was für ein Niveau in der politischen Auseinandersetzung. Georg Diez merkte zur politischen Rhetorik – beispielhaft in der Flüchtlingsdebatte – passend an:

Es ist Zeit, dass man sich entscheidet, auf welcher Seite man steht. Auf der Seite der Vernunft oder ihrer Feinde.

Diese Entscheidung sollte die Linkspartei auch von ihrer Fraktionschefin einfordern: mit vernünftiger Kritik hat ihr rabiater Antiamerikanismus, ihr Geraune von durchweg korrupten Politikern, ihr populistischer Antiimperialismus auf jeden Fall nicht mehr viel gemein. Und das dokumentieren auch die Facebook-Reaktionen auf Wagenknechts Seite. Wer das nicht glauben will, weil er meint, dies hier sei sowieso alles nur transatlantische Hetze eines Systemknechts, sollte sich diese Dokumentation des Grauen anschauen. Viel Spaß.

36 Kommentare zu „Wagenknecht, Elsässer und die Deppen der US-Oligarchen

  1. Mit Elsässer haben früher auch ganz andere Leute zusammen veröffentlicht oder ihn in ihren Zeitungen publizieren und mitarbeiten lassen, das sagt nun erst mal gar nichts über Wagenknecht aus.

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    1. Wenn jemand, so wie Wagenknecht, immer wieder von Deutschland als einer „US-Kolonie“ redet (dies tat sie mehrmals), so sagt dies jede Menge über sie aus. Wagenknecht bedient das Gerede von „Migrationswaffen“ und hat offenbar keine Probleme, sich mit solchen Sprücheklopfern auf eine Bühne zu stellen. Wagenknecht ist ein hervorragendes Beispiel für den als Antikapitalismus und Antiimperialismus nur schlecht und vulgär getarnten Antisemitismus, der in der Linken(.) froh Urständ feiert.

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      1. Wie würdest Du deinem Enkel erklären/beweisen, daß Deutschland keine „US-Kolonie“ ist?
        Mit dem Begriff „US-Kolonie“ hab ich dabei so meine Schwierigkeiten, möchte aber der Einfachheit wegen dabei bleiben.

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    2. Falls Gremlizza tatsächlich hinter diesem Kommentar stecken sollte, zeigt das ein Mal mehr, welche Kehrtwende er seit einiger Zeit zu vollziehen versucht: weg von einer bedingungslosen Kritik an Antiamerikanismus, Antisemitismus und Israelhass (ob von ‚links‘ oder rechts); hin zu einer besser eindeutigeren Dramaturgie, in denen der ‚Westen‘ durchweg als das kriegstreiberische Böse auftaucht und seine Gegner*innen (unterschiedlichster Couleur) wohl oder übel den einzig verbliebenen Pol der Identifikation für ‚emanzipatorisch‘ gesinnte Kritiker*innen wie ihn darstellen… Ein Trauerspiel.

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  2. „… Assad – der … Giftgas einsetzte …“ Welche Beweise gibt es für diese Behauptung? Recherche wird beim NDR ja angeblich ganz GROß geschrieben, bin gespannt.

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      1. Für die Behauptung „… Assad – der … Giftgas einsetzte …“ finden sich in den verlinkten Amnesty – Berichten keine Beweise.
        Ist „Syrian Network for Human Rights“ eine seriöse Quelle?

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  3. Wow. Erst dachte ich die Amadeu Antonio Stiftung sei eine ernstzunehmende Organisation gegen Rechts. Ihr solltet wirklich bei diesem Engagement bleiben. Diffamierende Schmähartikel und Schützenhilfe für die Politik stehen euch in diesen Tagen nicht gut an. Auch eure „Dokumentation des Grauens“ die ihr hier rezitiert, zeigt nur eine Ansammlung der schlimmsten Einzelstimmen der Kommentarspalte. Liest sich wie Transatlantenhetze, trotz des erbärmlichen Versuchs sich von eben jener zu distanzieren. Ihr scheint wirklich bemüht, euer Engagement gegen Rechts als Sprungbrett zu nutzen um Regierungskritiker zu diffamieren. Damit meine ich jetzt nicht die Deppen aus dem rechten Lager.

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    1. Aus dem Kommentar von ‚D-Man‘ trieft der aluhütige Antiamerikanismus ja nur so. „Transatlantenhetze“, „diffamierende Schmähartikel und Schützenhilfe für die Politik“ – autsch! Bei „Regierungskritiker diffamieren“ wird es wirklich lustig.

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      1. Aluhütig 😀 Wenn US und UK Veteranen ihre Orden wegwerfen, weil sie sich von der NATO Politik benutzt fühlen, geöffnete CIA Akten vom durchgeführten Putsch in Chile und dem Iran erzählen, ganz offensichtlich falsche Informationen als Kriegsgründe genutzt werden (Irak) und der IS offenkundig seine üppigen Ressourcen auch dem geopolitischen Gepfusche der Amerikaner zu verdanken hat, dann sehe ich darin eine kritische Haltung basierend auf Fakten. Mich in diesem Zusammenhang mit irgendwelchen Chemtrailjüngern und Reichsbürgern in einen Topf zu werfen ist einfach nur lächerlich und niveaulos.

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      2. Anhängig: Jürgen Elsässer in Verbindung mit Sahra Wagenknecht zu bringen, wirkt auf mich sehr paranoid und diffamierend gegenüber Frau Wagenknecht. Und ich sehe ebenfalls nichts kritikwürdiges darin, Mitläufer davon abzuhalten aus allgemeiner Unzufriedenheit bei PEGIDA mitzulaufen wenn sie sich stattdessen auch wesentlich menschenfreundlicheren Protestbewegungen anschließen könnten. Dies so darzustellen als fische die Linke am rechten Rand ist einfach überzogen.

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  4. Mensch Gensing, was ist denn nun schon wieder falsch? Wagenknecht äußert sich zu einseitig und dazu auch noch gegen die USA? (Die Äußerungen gegen Putin neulich nicht mitbekommen?) Das ist ja schrecklich. Dabei sind Drohnenkriege, völkerrechtswidrige Angriffskriege und TTIP so tolle Sachen. Wer solche Segnungen verschmäht, der muss ja … falsch … irgendwie … Querfront, Volkszorn, böse, schlecht, übel! Und natürlich darf eine Anrechnung von Lafontaines Fremdarbeiter-Äußerungen, die er lange vor der Zeit mit Wagenknecht getätigt hat, auf ihr Konto nicht fehlen.
    Da hat aber mal wieder die Tastatur gequalmt, als das im Furor reingehackt wurde?!

    Abgesehen von der Frage, ob das wirklich das richtige Thema für Sie ist (na gut, für einen guten alten Antideutschen ist es das), arbeiten Sie wieder einmal mit massenhaft kruden Unterstellungen und abwegigen Vergleichen bzw. Gleichsetzungen.
    Richtig schwach.

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  5. Ich lese immer und immer wieder „Populismus“, diese rechts/links Zuordnungen, neben allen anderen Bezeichnungen die zu nichts führen außer uns abzulenken vom wesentlichen. Was soll das? Hört mal bitte auf damit.
    Missbrauch gibt es überall. Es wäre schön wenn Politiker und Journalisten mal wieder auf die Fakten und Probleme eingehen und man gemeinsam Dinge in Frage stellt und (Nach-)Forschung betreibt.
    Und hört auf auf Populismus mit Gegen-Populismus, Schaffung von Feindbildern mit Gegen-Feindbildern zu reagieren.
    Zu vielem, was Frau Wagenknecht sagt gibt es viele, viele Fakten, wie wäre es mal damit, diese zu klären und damit die irreführenden Behauptungen immer mehr zurück zu drängen?
    Die Vorträge von Herrn Elsässer tun mir persönlich weh, ich kann die kaum anhören, aber auch er sagt viele Dinge die definitiv richtig sind und über die man reden muss!
    Was ich immerhin bei diesen ganzen als fremdenfeindlich, antisemitisch, populistisch, extremistisch…. bezeichneten Personen lese, ist teilweise extrem verschieden, aber ALLE sind gegen Krieg.
    Ist das das Problem?
    Dann könnte ich das verstehen… für Frieden braucht es ruhige, offene und sachliche Kommunikation, zuhören und zu gehen auf alle Lager und Meinungen.
    Für ein kriegsfreundliches Umfeld braucht es Verwirrung, Populismus und Gegen-Populimus, Feindbilder, Propaganda… und Lügen. Und auf keinen Fall Nachforschungen, Fakten und investigativen Jounalismus…

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  6. „…ob nun beabsichtigt oder nicht…“
    Viel Chance lässt Du aber nicht.
    Bist Du tatsächlich der Meinung, daß sich der/die welche/r eine Meinung absondert, sich automatisch mit jedem gemein macht, der sich dieser anschließt? Um es mal bildlich zu beschreiben: Wenn Frau Wagenknecht sagt, daß sie Sauerkraut mag, ist sie nach deiner Logik ein Nazi, wenn ein Nazi sagt, daß er auch Sauerkraut mag.

    Es stößt mir unangenehm auf, wenn aus jeder Kritik an den USA ein Antiamerikanismus und aus jeder Kritik am Staat Israel ein Antisemitismus konstruiert und unterstellt wird.
    Was beabsichtigst Du, wenn Du dich stilistisch Broder und Fleischhauer immer weiter annäherst?

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    1. Was beabsichtigst Du mit deinen die Sprüche von Wagenknecht, Lafo und Konsorten in Schutz nehmenden Zeilen? In diesem guten Artike wird auf die gefährlich geistige Nähe verwiesen, in die sich so einige Linke(.) so begeben. Und die Perlen von solchen Flachpfeifen wie Dieter Dehm sind hier nicht aufgelistet. Ob über Deutschland als „US-Kolonie“ – oder die Instrumentalisierung von Flüchtlingen, die von Wagenknecht betrieben wird.

      Es wird hier auch nicht jede Kritik an den USA als Antiamerikanismus bezeichnet, sondern es wird auf klar antiamerikanische Aussagen hingewiesen. Dein Kommentar, Horst Kevin, ist ein gutes Beispiel für die ‚Egalhaltung‘ vieler Linken.-Sympathisanten, die argumentfrei rabulisieren.

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      1. Wenn Du mir Rabulistik vorwerfen möchtest, wird es dir sicher ein Leichtes sein, mir zu zeigen, wo ich Wagenknecht oder sonstwen in Schutz genommen hätte. Sonst müsste ich wohl davon ausgehen, daß Du im Glashaus sitzt.

        Es liegt mir sehr fern, eine Frau Wagenknecht in Schutz zu nehmen. Ganz abgesehen davon, daß sie gewiss nicht darauf angewiesen sein wird, sehe ich auch keinen Grund dafür. Ich selbst habe genügend Punkte, mit der Dame uneins zu sein.

        Meine Absicht besteht lediglich darin, den Autor zum Nachdenken zu bewegen, ob er seinen „Stil“ für besonders zielführend hält und ob es ihm künftig evtl. gelingen könnte einen Artikel zu verfassen, in welchem er auf mühselig und inflationär herbeigezottelte Querfrontunterstellungen verzichten könnte.

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      2. Nachschlach: Würdest Du Herrn Grönemeyer auch eine Instrumentalisierung der Flüchtlinge unterstellen? http://blog.fefe.de/?ts=a88fb07c
        Wenn man Frau Wagenknecht und ihrer Partei etwas vorwerfen wollte, dann das, daß sie unfähig zur tatsächlichen Unterstützung derer sind, die sie vorgeblich vertreten.
        Mich würde es allerdings auch nicht wundern, wenn so Leute wie Du sowas dann wieder als populistische Maßnahme diskreditieren würden.
        In meinen Augen werden Flüchtlinge instrumentalisiert, wenn unterstellt wird, daß sie potentielle Terroristen wären, wenn sie als Gefahr einer deutschen Klimabilanz dargestellt werden oder wenn den Menschen suggeriert wird, daß ihnen durch die Flüchtlinge etwas weggenommen würde.

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  7. Logik ist wohl nicht so deins, was? Ich weß, das Deutschland keine US-Kolonie ist. Falls Du deinem Enkel -oder mir- das Gegenteil erzählen möchtest, bist Du in der Beweisschuld. Und wenn Du „der Einfachheit wegen“ dabei bleiben möchtest, so sagt das einiges über dich aus. „Einfach“ – so sind diese antiamerikanischen Ressentiments gut erklärbar. Einfache Erklärungen für komplexe Zusammenhängen, idealerweise mit Sündenbock: Da fahren halt viele drauf ab. Auch und gerade viele Linke(.).

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    1. Fein. Du weißt also. Daß es zwischen Wissen und Glauben einen Unterschied gibt, ist dir bekannt?

      Hältst Du z.B. den Umgang unserer Regierung mit der NSA-Spitzelgeschichte für den, welcher eines souveränen Staates würdig ist?

      Mir ist dabei der Begriff „US-Kolonie“ unangenehm, weil er pauschalisiert und Differenzierung unmöglich macht, was deinem Stil der Unterhaltung viel zu zuträglich ist.

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      1. Huch, schon wieder so ein Stück „Selbstbestimmung“: http://www.tagesschau.de/inland/drohnen-123.html

        Wenn Du magst können wir anschließend noch über Sinn und Unsinn von Krieg gegen den Terror, ganz besonders unter der Prämisse des Terrors und der Erfolge reden.
        Kurze Einführung: Sieh mal kurz nach, welche Zahl an Todesopfern es jährlich in den USA durch Schußwaffen gibt. Also die, bei denen auch beim besten Willen kein terroristischer Hintergrund zu unterstellen ist. Dann findeste noch heraus, wie der IS entstanden ist und Du wirst den Begriff „Querfront“ u.U. ganz neu verstehen.

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  8. Wir Linke sollten davon wegkommen darüber zu berichten was Personen sagen, und hinkommen zu erklären und zu beschreiben was Institutionen und Organisationen tun, welches Ergebnis ihr Handeln und ihre Entscheidungen haben.

    Die Personifizierung von Politik und von politischem Handeln ist infantil und dient der Vertuschung und Verdunkelung der politischen Wirklichkeit.

    Besonders aber die emotionale Aufladung hat in der politischen Berichterstattung nichts zu suchen, es sei denn sie hat propagandisische Ziele und dient der Desinformation, wie dieser Blog hier.

    Wenn Sie ernsthaft an der Aufklärung der politisch Interessierten Bevölkerung teilnehmen wollen, melden Sie sich bei mir per email. Ich gebe Ihnen dann die nötigen Hinweise.

    P. Müller

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  9. …und die Querfrontlerin Maryam Dagmar Schatz (die hier aus taktischen Gründen ihren „moslemischen“ Namen weglässt), die in der vulgär antisemitischen und querfrontigen nrhz (das ist gewissermaßen Sarah Wagenknecht zum Quadrat 🙂 ) zahlreiche Beiträge veröffentlicht hat und Putin (und arabische Despoten sowieso – aber die aggressive israelische Apartheitsregierung Regierung, die ein Tummelplatz deutscher Rechtsradikalen sei…) für nen ganz dollen Hecht hält, fühlt sich nun veranlasst, nun auch hier als Troll aufzutreten… Ein weiteres Indiz dafür, dass der fein-analytische Beitrag einen wahren Kern beschreibt. Klar, nun holt man Bush (wars nicht doch Ariel Sharon?) aus der Mottenkiste…
    „Den Rest“ hat Nazienkel bereits gesagt.

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    1. Die Frage ist richtig. 😉
      Das dürfte das Problem der „Parteiendemokratie“ sein. Ein Gysi hätte immer meine Stimme bekommen. Bei der Linken in ihrer Gesamtheit, wie bei jeder anderen Partei, würden mir wohl eher die Finger abfaulen.

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  10. „Das Gesellschaftsbild wird geprägt durch die Vorstellung, es gebe eine durch eine verschworene Elite unterdrückte Klasse, der man nur revolutionäres Bewusstsein beibringen müsse.“

    Das ist leider die Wahrheit! Weiter so Frau Wagenknecht!

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  11. Sehr guter Beitrag!!

    Am 04.12.2015 hatte Frau Wagenknecht Gelegenheit ihre Mantra vor dem Bundestag heruterzuspulen. Am selben Tag hat ihr Ehemann Oscar Lafontaine in einem DLF-Interview auf den Westen geschimpft und seine „Philosophie“ mit der Plattitüde auf den Punkt brachte:

    „Wir können das Morden nicht beenden, indem wir selbst morden“

    http://www.deutschlandfunk.de/oskar-lafontaine-zum-syrien-einsatz-wir-koennen-das-morden.694.de.html?dram:article_id=338767

    Der im späteren Verlauf des Interviews folgende Satz: „Der größte Terrorist sind die Vereinigten Staaten von Amerika“ war dann nur eine Frage der Zeit.

    Unsere geschichtsvergessenen Pazifisten müssen nicht darüber verzweifeln, was Europa erspart geblieben wäre, wenn Briten und Franzosen im September 1939 ihren Bündnisverpflichtungen gegenüber Polen nachgekommen wären und ihre 3000 Panzer, die sie an der deutschen Westgrenze stationiert hatten, entschlossen in Marsch gesetzt hätten. Historiker wie Professor Ryszard Kaczmarek von der Universität Katowice sind sich darüber einig, dass Deutschland Ende 1939 einen Zweifrontenkrieg niemals hätte standhalten können.

    Wie unermesslich die Brutalität und inhumane Gesinnung eines dogmatischen Pazifismus (die Verweigerung militärischen Eingreifens um den Preis persönlicher Eitelkeiten) ist, kann man auf beklemmende Weise in der unten genannten Rede von General Roméo Dallaire nachhören, der während des Völkermordes in Ruanda 1994 als UN-Soldat händeringend um mehr Truppen gebeten hatte und die UN ihn hängen lies:

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  12. Die Problematik mit der Sahra Wagenknecht umzugehen versucht ist ein altes Problem der Linken.
    Der Umgang mit der Enttäuschung über die eigenen Erwartungen in die Verbündeten aus der Arbeiterklasse.
    Adam Michnik einer der bekanntesten Solidarnosc-Aktivsten hat das mal folgend beschrieben: „Mit ihnen war es jedoch schwierig, in Kategorien von Wissen und gesundem Menschenverstand zu polemisieren, weil sie Wissen eben als kompromittierte Sammlung von Phrasen einer vergangenen Epoche ansahen, in gesundem Menschenverstand dagegen die Artikulation der Angst der Intelligenz. (…) Frei von historischem Wissen und politischer Kultur, liehen sie ihr Ohr gerne den verschwörungstheoretisch-mafiösen Interpretationen der Welt.“
    http://www.zeit.de/kultur/2015-08/solidarnosc-jaruzelski-walesa-10nach8
    Das hat schon die polnische Solidarnosc Bewegung in große Schwierigkeiten gebracht. Diese wurden geheilt mit einem Mythos einer linken basisdemorkratischen lebendigen Bewegung. Dieser Mythos war nun mal spätestens seit 1981 nicht mehr existent.
    Wagenknecht ist in der Erkenntnis gleich wie Michnik, in der Reaktion darauf jedoch etwas anders.
    Sie zerstört schon den Glaube an solch eine Mythos oder den Versuch ihn zu konstruiren indem sie sich und ihre Weggefährten als die ideale Drahtzieherinnen sieht um die orientierungslose Arbeiterklasse und Frustrierten zum Sieg zu bringen, zumindest auf nationaler Ebene. Michnik und die Solidarnosc Führung haben sich bei der KP angebiedert. Wagenknecht versucht laut Gensing eine Anbiederung an Elsässer. Das sehe ich nicht. Ich denke sie versucht Elässer und co ins Abseits zu drängen und ihr Klientel zu fischen. Generell finde ich das Ziel gut und Kritik daran ist unverständlich. Ich erinnere mich an einen anderen Artikel in dem sie sich positiv auf Robert Pfaller bezogen. (Da ging es um FSF und den T.Shirt Eklat) Doch indem sie die Kritik so auf die Methoden fokussieren und das Ziel an sich ausblenden erweckt das bei mir auch sie selbst hätten Angst vor der Beute. Meine Kritik an Wagenknecht will ich aber nicht nur um die Methodik sondern auch an die Einstellung erweitern
    Beides beruht meiner Ansicht nach weniger auf falschen Kollektivdenken oder autoritären Charakter, sondern in einem Pessimismus, der die Arbeiter als dumme Subjekte einstuft, die einer Belehrung bedürfen weil sie unfähig sind so zu funktionieren wie sie funktionieren sollen.
    Nur die Kritik daran zu formulieren ist mir persönlich zu einfach.
    Ich möchte diesem Pesssimus einen Positivismus entgegen halten. Wie bei Gramsci mit seiner speziellen Definition des Intelektuellen. Eine etwas ausführliche Auseinandersetzung mit der Problematik gibt es hier:
    http://www.inkrit.de/tagungen/documents/DA280_Solty.pdf

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    1. Lieber Gallendieter,

      danke für den weiterführenden Kommentar. Ich bin da bei der Analyse bzw. Kritik eher bei Ihnen. Meiner Ansicht nach versucht sich Wagenknecht nicht an Elsässer anzubiedern (eher andersherum, wie der offene Brief von Elsässer zeigt), aber die beiden konkurrieren um eine Zielgruppe, die sie beide wohl als Erben des Proletariats identifizieren.

      Übrigens habe ich mehrere Punkte in dem Artikel gar nicht erwähnt, beispielsweise die Position von Wagenknecht und Lafontaine in der Flüchtlingsdebatte. Fast schon überflüssig zu erwähnen, dass auch hier die USA schuld seien, so Wagenknecht, dazu kommt aber noch, dass sie sich gegen den Parteivorstand stellt und Kontingente fordert.

      http://www.spiegel.de/politik/ausland/fluechtlinge-linke-vorstand-stellt-sich-gegen-sahra-wagenknecht-und-oskar-lafontaine-a-1067502.html

      Im Prinzip ist Wagenknecht die Seehofer des Ostens.

      Grüße,
      Patrick Gensing

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  13. „Zur russischen Militäroperation an der Seite des syrischen Machthabers Assad – der Proteste blutig niederschlagen ließ, Giftgas einsetzte und vor dem Hunderttausende Menschen geflohen sind … blubb, blubb, blubb“
    Sie vergessen dabei, dass in Syrien eine ganze Weile auch schön für den Westen gefoltert wurde. Dafür war sein Regime eine ganze Weile gut genug. Ein gewisser Saddam war ja auch eine ganze Zeit lang recht hoch im Westen angesehen, als er noch gegen die schiitischen Ajatollahs vorging. Da störte SEIN Giftgasangriff gegen die kurdische Minderheit ÜBERHAUPT nicht. Leider, Herr Gensing, muss ich ihnen mitteilen, auch IHRE Argumente sind letztendlich nur eurozentrisch. Die Erde ist zu einem Spielball der ersten Welt verkommen und da stört es letztendlich gar nicht, wenn ein paar tausend Afrikaner oder Asiaten ins Gras beißen, solange wir nur unser neustes I-Phone jedes Jahr bekommen. Was nützen unsere hehren humanistischen „Errungenschaften“ solange nur WIR bestimmen, wer hier draußen bleiben muss und für wen unsere Menschenrechte gelten.

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  14. Lieber Patrik,

    Du schreibst, daß Frau Wagenknecht Kontingente fordern würde. Ich halte das für eine bedenkliche Verkürzung.
    Liest man, und ich möchte jedem empfehlen das Interview selbst zu lesen und sich nicht mit Drittquellen zu begnügen, das Interview an betreffender Stelle:
    .
    SPIEGEL ONLINE: Wie viele Flüchtlinge kann Deutschland aufnehmen?

    Wagenknecht: Die Aufnahmekapazität hängt natürlich auch von der Politik ab. Wenn Städte und Gemeinden volle Kassen hätten, weil beispielsweise eine Millionärsteuer die öffentlichen Einnahmen erhöht, und wenn wieder sehr viel mehr erschwingliche Wohnungen gebaut würden, gäbe es auch bessere Möglichkeiten, Flüchtlinge zu integrieren. Und der Missbrauch von Flüchtlingen für Lohndumping ließe sich leichter verhindern, wenn der Arbeitsmarkt besser reguliert wäre. Aber klar ist auch: Wir können nicht jedes Jahr eine Million Menschen aufnehmen. Deshalb muss Deutschland viel mehr dafür tun, dass nicht mehr so viele Menschen ihre Heimat verlassen müssen. Die Kriege sind ja die Fluchtursache Nummer eins.

    SPIEGEL ONLINE: Braucht es eine Obergrenze?

    Wagenknecht: Es braucht eine europäische Flüchtlingspolitik. Wenn Kontingente bedeuten, dass auch andere EU-Länder Flüchtlinge in größerer Zahl aufnehmen und wenn damit legale Einwanderungswege geöffnet werden, wären Kontingente auf jeden Fall eine Verbesserung. Im Moment haben Flüchtlinge keine Wahl als illegale Wege nach Europa zu nutzen, die lebensgefährlich sind und bei denen sie sich in die Hände krimineller Schlepper begeben müssen. Das kann nicht so bleiben.
    .
    könnte man auch zu anderen Schlüssen kommen.
    Hier noch ein Link zum Umgang mit Querfrontversuchen: https://linksunten.indymedia.org/de/node/162311
    Ich finde es unfair, den Linken das querfrontige Anwanzen der Rechten vorzuwerfen.

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