Männerfantasien: Die antigenderistische Ideologie des Ulrich Kutschera

Der Kasseler Biologie-Professor Ulrich Kutschera tut sich in den letzten Monaten immer wieder durch Traktate gegen „die Gender Ideologie“ hervor. Dabei nähert er sich nach und nach einem geschlossen rechtsextremen Weltbild an und erhält dementsprechend auch Applaus vom rechten Rand. Grund genug für eine ideologiekritische Skizze seines Antigenderismus.

von Floris Biskamp und Fabian Bärig

Der C4-Tiger brüllt wieder!

Seit Juli tritt der Kasseler Biologe Ulrich Kutschera in regelmäßigen Abständen an die Öffentlichkeit, um die „normalen“ Teile der Bevölkerung vor einer ernsthaften Gefahr zu warnen: Gender!

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Hat seine „Berufung zum Biologen“ nach eigenen Angaben bei der „Kultivierung von Goldfischen etc.“ entdeckt: Der C4-Tiger (Bildquelle: http://wellcomeimages.org/indexplus/image/V0021522.html Lizenz: Creative Commons 4.0)       

Den Anfang machte ein ausführliches Interview beim rbb-Inforadio, in dem er seine Thesen in großer Ausführlichkeit darlegen durfte. Nachdem ihm dies mit einigen Wochen Verzögerung einen Rüffel von Seiten der Kasseler Universitätsleitung einbrachte, legte Kutschera noch einmal in schriftlicher Form nach. Dabei warf er sich in eine Opfer-Pose und kündigte zugleich recht großspurig eine Buchveröffentlichung zum Thema an, einige Scharmützel folgten.

Nun scheint ihm die Zeit reif für eine dritte Runde: Auf der Website des „Deutschen Arbeitgeber Verbandes“ – hierbei handelt es sich wohlgemerkt nicht um einen der im BDA organisierten Verbände zur Vertretung von Unternehmensinteressen, sondern um eine rechte Propaganda-Plattform, die kein einziges relevantes Unternehmen vertritt – spitzt er seine Thesen noch einmal zu und ergänzt den Antigenderismus nun auch durch Rassismus. Der C4-Tiger brüllt wieder!

Warum ein Professor für Pflanzenphysiologie und Evolutionsbiologie so große Teile seiner wertvollen Zeit für öffentliche Kommentare über sozial- und kulturwissenschaftliche Themen aufwendet? Ganz einfach: Weil er die Welt oder zumindest die deutsche Gesellschaft retten will. „Die Gender Ideologie“ ist für Kutschera eine Gefahr, die abgewendet werden muss – in der Not auch durch professorale Interventionen.

Diese gefährliche Ideologie sieht Kutschera insbesondere in Form der sozialwissenschaftlichen Disziplin der Geschlechterforschung sowie der unter anderem von der EU befürworteten und umgesetzten Politik des Gender Mainstreaming auf dem Vormarsch. Bei der Geschlechterforschung handele es sich um eine „quasi-religiöse Weltanschauung“, ja eine „fundamentalistische, feministische Mann-gleich-Frau-Ideologie“, die entgegen aller Vernunft und entgegen aller wissenschaftlichen Erkenntnis behaupte, Männer und Frauen seien biologisch nicht verschieden. Ausgehend von diesem quasireligiösen Bekenntnis, setze die Politik des Gender Mainstreaming dazu an, die Geschlechterdifferenz wegzuerziehen.

Das hält Kutschera nicht nur für unwissenschaftlich, sondern auch für gefährlich. Auch wenn die Ideologie fehlgeleitet und das Umerziehungsprogramm zum Scheitern verurteilt sei, werde damit die Gesundheit und Reproduktivität der deutschen Bevölkerung gefährdet – mit verheerenden Konsequenzen für Psyche und Volksgesundheit.

Mit diesen Thesen setzen wir uns im Folgenden in drei Schritten auseinander. Im ersten prüfen wir den Wahrheitsgehalt von Kutscheras Traktaten und kommen zu dem Schluss, dass dieser gegen null tendiert. Im zweiten Schritt spekulieren wir darüber, warum ein mutmaßlich zu rationalem Denken befähigter Professor in einigen Gebieten nicht in der Lage zu sein scheint, Sachverhalte zu prüfen. Im abschließenden dritten Schritt diskutieren wir die Frage, warum er diese Unwahrheiten immer wieder in aller Öffentlichkeit von sich geben kann.

1 Was Kutschera sagt, ist hasserfüllter Unsinn.

Kutscheras Thesen über „die Gender Ideologie“ sind, kurz gesagt, ziemlich großer Unsinn (wer uns dies ohnehin glaubt, möge direkt zu Punkt 2 weiterspringen). Dies wird schon anhand der dabei ein ums andere Mal vollzogenen Ineinssetzung von Queer Theory, Gender Studies und Gender Mainstreaming mehr als deutlich. Diese Zusammenziehung ist für Kutscheras „Argumentation“ von zentraler Bedeutung, weil es ihm nur so gelingt, ein bedrohliches Szenario zu konstruieren.

Bei den Inhalten, die Kutschera „der Gender-Ideologie“ zuschreibt, handelt es sich um eine karikaturistische Überzeichnung der Queer Theory. Unter diesem Namen werden Ansätze zusammengefasst, die davon ausgehen, dass die binäre Geschlechterordnung, in der alle Menschen ein eindeutig biologisch determiniertes Geschlecht haben, nicht als fraglos gegeben unterstellt werden kann. Vielmehr sei die Zweigeschlechtlichkeit selbst eine soziale Konstruktion. Damit diese – weiter unten noch etwas genauer erläuterten – Thesen der Queer Theory als Ausgangspunkt eines Schreckensszenarios taugen, muss Kutschera sie freilich noch deutlich überzeichnen, indem er ihnen unterstellt, sie leugneten jegliche Relevanz von Biologie und forderten eine Abschaffung von Geschlecht durch Umerziehung – keines von beidem ist der Fall.

Was Kutschera über die Gender Studies sagt, ist Unsinn.

Kutscheras Narrativ geht so weiter, dass er diesen theoretischen Ansatz mit dem sozial- und kulturwissenschaftlichen Forschungsfeld der Geschlechterforschung bzw. Gender Studie insgesamt identifiziert. Auch hierbei handelt es sich wieder um eine grobe Fehldarstellung. Tatsächlich ist die Queer Theory nur einer unter vielen theoretischen Ansätzen innerhalb der Gender Studies – und zwar einer, der innerhalb dieser Disziplin Gegenstand teils heftiger Kritik ist.

Um es noch einmal deutlich zu sagen: Niemand, wirklich niemand innerhalb der Geschlechterforschung bestreitet, dass Menschen Gene haben. Auch bestreitet niemand, dass diese Gene den menschlichen Hormonhaushalt erheblich beeinflussen und dass es unter den menschlichen Hormonen auch solche gibt, die darüber bestimmen, wem welche Genitalien wachsen. Schon auf dieser Ebene biologischer Sachverhalte erweist sich jedoch die verbreitete Vorstellung einer starren, strikt binären Zweigeschlechtlichkeit als eine Illusion – als eine Illusion, die von Medizin und Biologie durch ständige brutale Gewalt gegen diejenigen aufrechterhalten wird, die sie (zer)stören könnten, weil sie nicht ins Bild passen. Diese biologischen Sachverhalte sind es, die in der Geschlechterforschung als sex oder biologisches Geschlecht bezeichnet werden.

Im Mittelpunkt des Interesses der Geschlechterforschung stehen aber nicht biologische, sondern soziale Prozesse; in erster Linie geht es den Forscher_innen auf diesem Feld um gender, also um das soziale Geschlecht oder die Geschlechtsidentität. Damit sind diejenigen alltäglichen Handlungen und Einstellungen gemeint, die wir als männlich oder weiblich verstehen, obwohl sie zum größten Teil nicht mit den Genitalien vollzogen werden, also nicht unmittelbar mit sex zusammenhängen. Eine der zentralen Fragen der Geschlechterforschung zielt auf das Verhältnis, in dem sex und gender, also biologisches und soziales Geschlecht zueinander stehen.

Auf diese Frage gibt es innerhalb Geschlechterforschung ein erhebliches Spektrum von Antworten. Keine Rolle spielt dabei die von Kutschera vertretene These, „die Geschlechteridentität“ sei „hormonell-chromosomal“ bestimmt. Ob er es wirklich so meint, wie er es schreibt, oder ob er es nur aufgrund seines mangelnden Begriffsverständnisses tut: Kutschera behauptet mit diesem Satz tatsächlich, dass das, was sozial als männlich oder weiblich gilt, genetisch vorbestimmt sei. Er sagt also – um Klischees zu bemühen –, das Tragen von Röcken, Nagellack und langen Haaren sowie ein ‚weiblicher Gang‘ seien durch ein Doppel-X-Chromosom unabänderlich festgelegt. Wie unsinnig dies ist, zeigt sich schon, wenn man einmal mit offenen Augen durch eine beliebige Fußgängerzone geht – und in Kassel gibt es doch die älteste Fußgängerzone Deutschlands! Angesichts von historisch und interkulturell vergleichenden Studien erweist sich die These als gänzlich haltlos.

Aufgrund seiner wissenschaftlichen Haltlosigkeit ist derartiger biologistischer Determinismus aus der seriösen Geschlechterforschung seit langem verschwunden. Die gesamte aktuelle Forschungsliteratur ist sich darin einig, dass gender nicht durch sex determiniert ist. Es ist ein wohlbegründeter fachwissenschaftlicher Konsens, dass gender, verstanden als die Summe aller Praktiken, Haltungen und Einstellungen, die Menschen zu sozial voll anerkannten Männern oder Frauen machen (oder eben nicht machen), in der jeweils vorliegenden Form sozial geworden ist und unter in verschiedenen Gesellschaften oder Milieus verschiedene Formen annimmt.

Dies heißt auch, dass es für ein sozial anerkanntes Mann-Sein oder Frau-Sein eben nicht ausreicht, bestimmte Gene, Hormone oder Genitalien zu haben – obwohl es sicherlich hilft. Vielmehr müssen wir alle täglich darum kämpfen, die sozialen Normen, die für „unser“ Geschlecht gelten, zu erfüllen – zumindest müssen wir die Geschlechternormen erfüllen, wenn wir mit diesem Geschlecht identifiziert werden wollen. Wer aber nicht „richtig“ geschlechtlich identifiziert wird, muss in aller Regel mit sozialer Stigmatisierung rechnen. Wissenschaftlich umstritten bleibt, wie genau sich sex und gender zueinander verhalten, wenn letzteres nicht durch ersteres determiniert ist.

Das Spektrum der fachwissenschaftlich vertretbaren Positionen wird auf der einen Seite durch Positionen begrenzt, die es für eine unbestreitbare Naturtatsache halten, dass Menschen aller Gesellschaften, Kulturen, Zeiten und Milieus im Großen und Ganzen männlich oder weiblich sind. Diese Ansätze gehen weiterhin davon aus, dass diese Geschlechterdifferenz notwendigerweise eine sozial bedeutsame Differenz ist – damit unterscheide sich die Geschlechterdifferenz etwa von der ebenfalls biologisch gegebenen Differenz zwischen denjenigen, die die Zunge rollen können, und denjenigen, die es nicht können.

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Die Entdeckung einer biologischen Berufung (Bildquelle: http://www.crawfordartgallery.ie/ImagesCrawford/PaintingImages/85-P-W-Osbourne-The-Goldfish-Bowl.jpg Lizenz: Public Domain)

Mit welchen Bedeutungen die Geschlechterdifferenz aber aufgeladen, mit welchen Symbolen sie dargestellt wird, gilt in diesen Ansätzen als gesellschaftlich kontingent. Um es wieder banal zu machen: In der einen Gesellschaft mag der Zusammenhalt eines Familienverbandes eine weibliche, in anderen eine männliche Aufgabe sein; in der einen Gesellschaft mögen lange Haare als Zeichen der Männlichkeit, in der anderen eines der Weiblichkeit gelten. Auch wenn die konkreten Formen variabel seien, müsse jede Gesellschaft definieren, was männlich und weiblich ist. Diesen Ansätzen zufolge gilt gender also als sozial kontingente Erscheinungsform oder Interpretation eines biologisch fraglos gegeben Wesens sex.

Am anderen Ende stehen Ansätze, die in einem radikaleren Sinne konstruktivistisch sind – hierzu zählen auch die oben erwähnten Ansätze der Queer Theory. Für sie ist das soziale Geschlecht keine bloße soziale Überformung oder Interpretation eines als Naturtatsache fraglos gegebenen biologischen Geschlechts, gender also gerade keine Erscheinung eines Wesen namens sex. Vielmehr wird soziale Konstruiertheit hier noch radikaler gedacht: Auch wenn biologische Unterschiede eine Naturtatsache sein mögen, könne diese Tatsache nicht von Natur aus bedeutsam sein. Die Tatsache, dass bestimmte Merkmale von Menschen überhaupt als männlich oder weiblich verstanden würden und die Geschlechterdifferenz Bedeutung erlange, könne selbst nur eine soziale Tatsache, ja eine soziale Handlung sein.

Demnach müsse es gewissermaßen zuerst die soziale Geschlechtsidentität geben, die erst danach an einer biologischen Größe festgemacht werden könne. Das heißt nun nicht, dass das etwa das Tragen von Rock oder Hose dazu führen könnte, dass in der darunter befindlichen Unterhose ein bestimmtes Organ wachsen würde. Das glaubt in der Geschlechterforschung niemand, aber Kutschera scheint zu glauben, dass die Geschlechterforschung es glaube. Vielmehr heißt es, dass die Gesellschaft die Geschlechterdifferenz erst auf der symbolischen Ebene als bedeutsame konstruieren muss – eine symbolische Unterscheidung, die sich dann zum Beispiel durch differente Beinkleider ausdrücken kann –, bevor bestimmte Organe überhaupt als Basis dieser Differenz gelten können.

Auf den Punkt gebracht wurde dies mit einer These des Pop-Stars der Queer Theory, Judith Butler: sex war immer schon gender. Dementsprechend wird in diesen Ansätzen auch das Potenzial einer sozialen Veränderung weitaus radikaler gedacht als in den zuvor dargestellten. Insbesondere gebe es keinen Grund mehr davon auszugehen, dass es immer genau zwei Geschlechtsidentitäten geben müsse. Wiederum werden diese Möglichkeiten von Veränderung diskutiert, ohne dass irgendjemand die staatlichen Geschlechteraberziehungsprogramme fordern würde, vor denen Kutschera sich zu fürchten scheint.

Somit erweist sich die Geschlechterforschung in den von Kutschera angesprochenen Fragen als sehr vielfältig. Die Ausblendung all dieser Differenzen und die dadurch ermöglichte Identifikation von Gender Studies und der ohnehin schon karikierten Queer Theory zu einer Fiktion namens „die Gender-Theorie“, hat für Kutscheras alarmistische Erzählung eine entscheidende Funktion: Nun scheint man es plötzlich mit einem gefährlichen Gegner zu tun zu haben. Gibt es nicht an immer mehr Universitäten Professuren für Gender Studies? Heißt das dann nicht, dass „die Gender-Ideologie“ auf dem Vormarsch ist und die offiziellen Bildungsinstitutionen übernimmt? Werden damit dann nicht auch die zukünftigen Lehrkräfte an deutschen Schulen durch dieses Denken vergiftet?

Aus einem relativ marginalen Theorieansatz wird so eine veritable Gefahr.

Was Kutschera über Gender-Mainstreaming sagt, ist Unsinn

Doch scheint das noch nicht zu reichen. Denn die Kette wilder Assoziationen und Identifikationen endet an dieser Stelle nicht, sondern geht noch weiter: Auch Gender Mainstreaming gilt Kutschera als Teil der Unheilsgeschichte. Durch diese „über Intrigen und radikale Mafia-Methoden durchgeboxte Agenda“ werde die auf Umerziehung aller Menschen zu geschlechtsneutralen Wesen zielende Gender-Ideologie zur Leitlinie staatlicher Politik! Das Schreckensbild ist perfekt: Es kann nicht mehr lange dauern, bis die Gender-Gestapo Haustüren eintritt und kleine Buben in rosa Strampler mit Regenbogenflagge zwingt, wahrscheinlich sogar kastriert!

Hiermit ist freilich der Gipfel des Unsinns erreicht. Denn tatsächlich haben Gender Mainstreaming, Gender Studies und Queer Theory kaum mehr miteinander zu tun, als dass in allen dreien das englische Wort gender eine wichtige Rolle spielt. Das ist nicht nichts, aber doch auch nicht mehr, als würde man Soziologie, Sozialismus, Sozialdemokratie, Soziopathie und Soziemlichjedenanderenmist für identische Objekte halten, weil alle mit denselben Buchstaben beginnen. Wehret den (Wort-)Anfängen!

In Wirklichkeit ist Gender Mainstreaming eine politische Leitlinie, der zufolge Fragen der Geschlechtergerechtigkeit bei allen Gesetzgebungs- und Entscheidungsprozessen von Anfang an mitgedacht werden sollen. Dies soll vermeiden, dass Geschlechterfragen – wie es allzu oft der Fall ist – erst im Nachhinein durch feministische Kritik moniert und dann in Form nachträglicher Ausbesserungen berücksichtigt werden. Tatsächlich handelt es sich bei Gender Mainstreaming also um kaum mehr als um eine selbstverständliche Forderung jeder auf Gleichberechtigung zielenden Politik und somit um eine ganz und gar unspektakuläre Angelegenheit. Um eine Dekonstruktion oder gar Aberziehung von Zweigeschlechtlichkeit geht es hier schlichtweg nicht.

Nur indem Kutschera diese dreifache Überzeichnung und Verschiebung vornimmt, entsteht das Szenario, das seiner Kritik den Anschein von Dringlichkeit verleiht: Der Staat wird kommen, um Euch und Euren Kinder das Geschlecht zu nehmen!

Dabei sei angemerkt, dass man keine Sekunde lang in einem sozialwissenschaftlichen Seminar verbracht oder in ein sozialwissenschaftliches Fachbuch geschaut haben muss, um Kutscheras Thesen als Unsinn zu erkennen. Ein ruhiger Abend mit einer Kanne Tee, Internetzugang und einem Mindestmaß an Urteilsvermögen in Bezug auf die Seriosität von Quellen würde völlig ausreichen, zur Not täte es auch die Lektüre der drei entsprechenden Wikipedia-Einträge.

Kutscheras Unsinn ist hasserfüllt, hetzerisch und politisch

Wenn wir Kutscheras Thesen als Unsinn deklarieren, mag das zunächst klingen, als handele es sich um harmlose Spinnerei. Die Welt ist voller Unsinn und seit der Einführung des Internets ist es unendlich viel leichter geworden, Unsinn jeglicher Couleur zu finden oder zu verbreiten. Jedoch handelt es sich bei dem von Kutschera verzapften Unsinn um eine ganz besondere Art, nämlich um hasserfüllten Unsinn. So macht schon seine Metaphorik deutlich, dass er „die Gender-Ideologie“ und „die Gender Studies“ nicht nur für gefährlich hält, sondern zu Feinden erklärt, die bekämpft und vernichtet werden müssen.

Gleich im ersten Interview zum Thema bezeichnet er die Gender-Studies als ein Krebsgeschwür – und Krebsgeschwüre müssen bekanntlich durch Chirurgie und Bestrahlung ausgemerzt werden, um die gesunden Teile des Körpers zu retten. Sein für nächstes Jahr geplantes Buch zum Thema kündigt er mit den Worten an, er werde damit „die letzten Nägel in den Sarg der Gender-Ideologie schlagen“ – ob er die Kolleg_innen nun lebendig einsargen oder erst ermordet wissen will, bleibt offen.

Im jüngsten Text nun bezeichnet er „Gender“ – das Wort alleine steht vertretend für die wahnhafte Einheit von Queer Theory, Gender Studies und Gender Mainstreaming – als eine „geistige Vergewaltigung des Menschen“ oder genauer als „geistige[…] Vergewaltigung normal denkender Männer und Frauen“. Damit lässt er keinen Zweifel daran, dass sich seine Kritik nicht etwa gegen ein zu widerlegendes Gegenüber, sondern gegen zu bekämpfende Gewaltverbrecher_innen richtet. Es geht gegen die unnormal Denkenden, die uns Normale vergewaltigen wollen!

Über diese Hasserfülltheit hinaus zeichnen sich Kutscheras Tiraden auch durch eine im engen Sinne politische Ausrichtung aus. Er hetzt nicht nur gegen Kolleg_innen, er stellt auch Forderungen an den Staat. So meint er im rbb-Interview, die Politik solle Gleichstellungsmaßnahmen in der Wissenschaft überdenken, weil diese die sexuelle Reproduktivität der sozialen Eliten gefährdeten.

Auch die hetzerische Sprache und die abstrus begründeten politischen Forderungen könnte man gegebenenfalls noch als harmlose Spinnerei abtun. Wer in einer beliebigen deutschen Stadt einen Vormittag lang den öffentlichen Nahverkehr nutzt, wird dabei aller Wahrscheinlichkeit nach zwei bis drei Mal Menschen begegnen, die in unkontrollierter Weise mehr oder weniger laute Tiraden über dieses und jenes vor sich hin brabbeln, manchmal ganz allgemein, manchmal gegen bestimmte Gruppen oder Fahrgäste gerichtet. Nicht selten vernimmt man dabei auch Forderungen an die Bundeskanzlerin oder den Präsidenten der USA. Diese Art von hasserfülltem Unsinn wird zumeist mit der einzig angemessenen Reaktion bedacht, nämlich einem mitleidigen Lächeln oder einem verschämten Kopfschütteln – so reagieren in der Regel sogar diejenigen, gegen die sich die Tiraden explizit richten.

Auch Kutscheras Tiraden wirken auf uns teilweise mitleiderregend, jedoch muss man sie leider ernst nehmen – nicht, weil sie inhaltlich gehaltvoll wären, sondern weil sie Teil einer breiteren gesellschaftlichen Stimmung sind. Es handelt sich bei Kutscheras Unsinn im strengen Sinne um Ideologie.

Two goldfish (small reddish-golden chinese carp). Coloured e

Wer könnte ihrem Ruf zur Biologie widerstehen? (Bildquelle: http://wellcomeimages.org/indexplus/image/V0021323.html Lizenz: Creative Commons 4.0)

2 Warum schreibt Kutschera Unsinn?

Ideologie kann man zunächst als eine Form falschen Bewusstseins bestimmen, dessen Falschheit aber anders als bloße Irrtümer oder willkürliche Spinnerei eine systematisch verzerrte Form annimmt und eine gesellschaftliche Funktion erfüllt.

Um dies zu erläutern, müssen wir an dieser Stelle eine womöglich kontraintuitiv erscheinende Unterstellung machen: Wir können es nicht nach wissenschaftlichen Maßstäben belegen, gehen aber for the sake of the argument davon aus, dass Ulrich Kutschera nicht einfach nur dumm oder verrückt, sondern eine zu rationalem Denken fähige Person ist. Wir gehen davon aus, dass er in der Lage ist, auf einem grundlegenden Niveau Sachverhalte zu recherchieren, Texte zu lesen und zu verstehen, Annahmen kritisch-rational zu überprüfen sowie seine Überlegungen in verständlicher Weise zu kommunizieren.

Wenn wir diese grundsätzliche Rationalität unterstellen, müssen wir uns fragen: Warum setzen diese Kompetenzen in Fragen der Geschlechtlichkeit und Sexualität so gründlich aus, dass Kutschera immer und immer wieder denselben einfach widerlegbaren und mehrfach öffentlich widerlegten Unsinn von sich gibt? Warum bleiben gerade diese Annahmen gegen jede rationale Infragestellung abgeschirmt?

Die beständige Immunisierung bestimmter Annahmen gegen ihre Infragestellung ist nur dadurch zu erklären, dass diese Annahmen ein nicht-bewusstes Bedürfnis befriedigen; ein Bedürfnis, das stärker ist als alle Routinen prüfender (Selbst-)Kritik, die der Wissenschaftler Kutschera irgendwann einmal erlernt haben müsste. Daher muss die Ideologiekritik spekulieren: Welche Bedürfnisse sind es die mit der antigenderistischen Ideologie befriedigt werden?

Somit müssen wir als Ideologiekritiker_innen an dieser Stelle gegen eine Benimmregel öffentlicher Auseinandersetzungen verstoßen und über die unbewussten und irrationalen Motivationen unseres Gegenübers spekulieren. Dies gilt aus guten Gründen als ungehörig, weil man den Anderen damit nicht mehr als Gesprächspartner ernstnimmt, sondern zum Gegenstand der Konversation macht. Kutscheras hasserfüllte und unsinnige Tiraden lassen aber kaum noch eine andere Herangehensweise zu. Durch seine beständige Hetze hat er sich selbst an einen Ort jenseits aller Konventionen der öffentlichen Debatte gestellt.

Die antigenderistische Angst ums eigene Geschlecht

Es liegt nahe, mit den Spekulation über die unbewussten Motive bei den Punkten anzusetzen, in denen Kutschera sich am leidenschaftlichsten zeigt, in denen sein Unsinn am größten ist. Seine intensivste und am stärksten verzerrende Polemik richtet sich gegen das Theorem, Geschlechtlichkeit entstehe durch Prozesse gesellschaftlicher Konstruktion. Man kann also vermuten, dass seinen Texten ein ideologisches Bedürfnis zugrunde liegt, genau diese Infragestellung der natürlichen Basis von Geschlechtlichkeit abzuwehren. Die Infragestellung scheint regelrechte Angst auszulösen.

Diese Angst ist leicht zu erklären, wenn man annimmt, dass Kutschera auf einer unbewussten Ebene sehr wohl ahnt, wie viel Energie, Kraft und Kampf es kostet, ein Mann zu werden, und wie prekär diese Männlichkeit immer bleibt, egal wie viel man zuvor investiert hat; wenn man annimmt, dass er spürt, wie schwer es ist, sich jeden Tag wieder als hartes, rationales, selbstbewusstes männliches Subjekt im Kampf mit vielen anderen männlichen Subjekten zu behaupten, wie schmerzhaft es ist, dabei eine eindeutige Distinktion gegenüber dem weiblichen Geschlecht zu bewahren, wie groß die Gefahr ist, dass noch der kleinste Fehltritt als scheiternde Männlichkeit und Anzeichen von Verweiblichung gesehen werden kann.

Wie beruhigend muss sich angesichts dieses harten Kampfes und dieser Gefahren doch die biologistische Gewissheit anfühlen, dass die Geschlechtsidentität gar nicht auf all diese Selbst-Techniken, all diesen schmerzlichen Verzicht, all diese männlichen Performanzen angewiesen ist, weil sie bereits im Augenblick der Befruchtung feststeht und ein einzelnes Chromosom das eigene Geschlecht von der Empfängnis bis zur Bahre bestimmt. Die Biologisierung der eigenen Geschlechtlichkeit hilft, den alltäglichen Kampf um die eigene Geschlechtsidentität vergessen zu machen.

Unterstellt man ein solches Bedürfnis, überrascht es nicht, dass jeder Zweifel an diesem biologistischen Determinismus zu einer affektiven Abwehrreaktion führen muss. Diese Reaktion dürfte umso stärker ausfallen, wenn die Zweifel nicht nur vereinzelt geäußert, sondern in Form professioneller wissenschaftlicher Forschung formuliert und systematisch unterfüttert werden, in Form einer Forschung, die den verdrängten alltäglichen Kampf ums eigene Geschlecht allzu sichtbar macht. Dann überrascht es auch nicht mehr, dass die Abwehr dieser Gefahr für die eigene geschlechtliche Selbstsicherheit die Rationalität selektiv aussetzen lässt und dass ein Professor immer wieder deklamiert: Fünfe sind grade!

Die heteronormative Angst um die eigene „Heteronormalität“

Eine ähnliche Abwehrreaktion zeigt sich in Kutscheras Beharren, Homosexualität sei biologisch determiniert. Auch hier grenzt er sich gegen eine Position ab, die niemand ernstlich vertritt, nämlich gegen die These, man könne das eigene sexuelle Begehren jederzeit frei wählen. Dem gegenüber stellt er wiederum einen biologistischen Determinismus: Zumindest bei Männern sei es genetisch vorherbestimmt, ob man „heteronormal“ – eine selbst schon interessante Wortschöpfung – oder eben homosexuell sei. Tertium non datur. Auch in diesem Bereich fürchtet Kutschera staatliche Umerziehungsprogramme – dieses Mal nicht zur Entmännlichung, sondern zur Entheterosexualisierung der Jugend. Kutschera „wehrt“ sich wiederum gegen Theorien und Politiken, die nur in seiner eigenen Fantasie existieren.

Wieder ist diese Abwehr gegen etwas nicht Existentes rational kaum zu erklären, so dass man ein nicht-rationales Bedürfnis als Grundlage vermuten muss. Wiederum kann man spekulieren, dass hinter dieser Abwehrreaktion die unbewusste Ahnung steckt, dass die eigene, vermeintlich eindeutige Heterosexualität tagtäglicher Arbeit und tagtäglichen Verzichts bedarf; die Befürchtung, dass jeder Fehltritt die Gefahr mit sich bringt, als nicht „heteronormal“ entlarvt zu werden. Wieder muss es wohl als sehr beruhigend empfunden werden, all diese Zweifel mit einer einzigen biologistischen Geste wegschieben zu können.

Die antifeministische Angst um männliche Privilegien

Diese spezifisch antigenderistischen Abwehrreaktionen gegen die Infragestellung der natürlichen Determiniertheit von Zweigeschlechtlichkeit und „Heteronormalität“ werden durch ältere ideologische Bestände ergänzt. Dies sind zunächst klassisch antifeministische Ideologeme, in denen der Feminismus schon lange als eine verschwörerische Bewegung gesehen wird, in der eine besonders bösartige Art von Frauen das männliche Geschlecht angreifen möchte. Dies geschieht oftmals in Form einer sexualisierten männlichen Fantasie, in der die Feministinnen den Männern ihre Frauen lesbisch ausspannen wollen. Auch diese seit Jahrzehnten zirkulierenden Motive scheinen in Kutscheras Tiraden immer wieder auf. Insbesondere in seinem rbb-Interview gibt er sich ausführlich seinen Fantasien über lesbische Zirkel hin, die Männer nur zeitweise für die biologische Reproduktion benötigen und benutzen. Am Ende formuliert er noch die Warnung vor feministischen Gleichstellungspolitiken, die Männern die universitären Posten streitig machen und ihnen somit die Möglichkeit rauben, überhaupt noch Sexualpartnerinnen zu finden.

Vermutet man, dass auch hinter diesen von der Realität weitestgehend losgelösten Tiraden ein Bedürfnis steht, liegt es nahe, die Ursache darin zu suchen, dass die zweigeschlechtliche Ordnung keine der Geschlechtergleichheit, sondern eine männlicher Privilegien ist. Männer und Frauen müssen gleichermaßen um ihre eindeutige Geschlechteridentität kämpfen und haben dabei auch einiges zu verlieren. Daher wundert es nicht, dass antigenderistische Propaganda nicht selten von Frauen verfasst wird – man denke an die entsprechenden Einlassungen Beatrix von Storch oder Birgit Kelle. Jedoch haben Männer sehr viel mehr zu verlieren als Frauen, nämlich eine Position, in der sie dem anderen Geschlecht übergeordnet sind und zumindest in der Fantasie über Frauen verfügen können.

Wenn Kutschera mit wahnwitzigen Argumenten gegen Gleichstellungspolitik an den Universitäten hetzt, dann wohl, weil er durch diese Politik männlichen Privilegien bedroht sieht – auch diese Bedrohung muss abgewendet werden!

Die rassistische Angst vor den Anderen Männern

Diese spezifisch auf Gender Studies und Feminismus zielenden Ideologeme öffnet Kutschera in seinem jüngsten Traktat für weitere Feinderklärungen und deutet damit an, wohin die Reise gehen soll: nach ganz rechts außen.

So endet er mit einem Absatz zum Thema Flucht und Migration. Darin beschwört er ein Bild herauf, in dem Deutschland überrannt wird – und das nicht etwa von Menschen auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung, sondern von zehntausenden „Muslime[n], 80 % davon Männer im Kampfes-Alter (fighting-age males)“. Daher hält er es für angemessen, nicht von Flucht, sondern von einer „Invasion“ zu sprechen. Diese Einschätzung der Lage baut Kutschera als Zitat einer namenlosen amerikanischen Journalistin in seinen Text ein, das er „nicht weiter kommentier[en]“ will. Daran, dass er das Zitat für bare Münze nimmt und sich seinen Gehalt zueigen macht, lässt er aber keinen Zweifel.

Bedroht wird die deutsche männliche Dominanz also nicht nur durch die Geschlechterforschung, welche die sichere Zweigeschlechtlichkeit in Gefahr bringt, und den Feminismus, welcher die männliche Herrschaft zu unterminieren trachtet, sondern auch durch Andere Männer, deren Männlichkeit die der eingeborenen Männer zu übertrumpfen droht. Wer auf diese Gefahr verweise, werde von den gendersensibel Verweichlichten „als ‚rechtsradikal-ausländerfeindlich‘ diffamier[t]“. Der Prophet wird nicht erhört, sondern geschmäht! Man wird ja wohl noch sagen dürfen, ohne gleich…

Die Angst vor der überlegenen Männlichkeit der Anderen Männer ist ein in der Geschichte des Rassismus immer wieder auftauchendes Motiv. Seine Quelle dürfte wiederum in der Angst um die eigene Männlichkeit zu suchen sein: Schlägt man sich im eigenen Kampf darum, ein guter Mann zu sein, denn gut genug? Könnte es da draußen nicht Männer geben, denen die Männlichkeit natürlich zufliegt, die viriler und stärker sind? Was, wenn die hierher kommen? Können wir uns gegen die durchsetzen? Kriegen wir dann noch Frauen? Müssen wir uns nicht gegen die schützen?

Dass auch mit diesen Feinderklärungen Privilegien geschützt werden, ist offensichtlich. Nähme man diejenigen, die derzeit den Weg nach Deutschland suchen, als Menschen wahr, die sich in einer Notsituation befinden und unserer Solidarität bedürfen, müsste man am Ende noch etwas vom eigenen Besitzstand aufgeben. Wenn es aber Feinde sind, die eine Invasion vollführen, dann müssen wir nicht mit ihnen teilen, sondern können sie mit gutem Gewissen an den Grenzen sterben lassen.

Auf diese Art nähert sich Kutschera sukzessive einem geschlossen rechtsextremen Weltbild an, in dem die Welt in Völker gegliedert ist, die als Männer-Gemeinschaften im Kampf gegeneinander bestehen müssen und dementsprechend darauf zu achten haben, ihre männliche Kampfeskraft zu bewahren und alle Gefahren der Verweiblichung und Überfremdung abzuwehren. Mit anderen Worten qualifiziert sich Kutschera durch sein jüngstes Traktat dafür, Akif Pirinçci als Pegida-Einpeitscher zu beerben. Da passt es nur zu gut, dass er nun auch von der AfD-Studierendengruppe an der Uni Kassel gefeiert wird.

JA

Fans (Bildquelle: Screenshot von der Seite der Jungen Alternative Hessen)

3 Warum kann Kutschera diesen Unsinn publizieren?

Diese ideologiekritischen Spekulationen können plausibel erklären, warum Kutscheras Rationalität bei bestimmten Themen so massiv aussetzt, warum er dieselben Unwahrheiten ein ums andere Mal in die Welt schreit: Die Angst um die eigene Identität und die eigenen Privilegien führt zu einem systematisch verzerrten Rationalität, die ein systematisch verzerrte Weltbild erzeugt. Wenn sich dieses Weltbild aber so klar als ideologischer Unsinn erkennen lässt, stellt sich umso mehr die Frage, warum dieser Unsinn ein ums andere Mal publiziert wird. Warum bieten nicht nur stramm rechte Propaganda-Truppen wie der „Deutsche Arbeitgeber Verband“ und die „Jungen Alternative“, sondern auch Medien wie Spiegel Online und die Hessisch-Niedersächsische Allgemeine Kutschera eine Plattform? Warum inszeniert die FAZ ihn gerne als Opfer einer Zensur durch finstere Gender-Mächte?

Freilich muss man sich hüten, Kutschera und den seinen eine absolute öffentliche Vorherrschaft zuzuschreiben. Auch Gegenstimmen, die ihre Thesen in der Tat sachlich und wissenschaftlich begründen können, kommen in der öffentlichen Debatte immer wieder zu Wort. Dass ein Kutschera für seinem hetzerisch-ideologischen Unsinn aber überhaupt massenmediale Plattformen findet, ist bereits erklärungsbedürftig. Drei Erklärungen liegen nahe.

Erstens kann Kutschera diesen Unsinn publizieren, weil er mit seinen Ängsten und projektiven Bedürfnissen keinesfalls allein, sondern in großer Gesellschaft ist. Der Antigenderismus hat seit einigen Jahren Konjunktur. Dabei formiert sich eine seltsame Allianz, die von plump-atheistischen Naturalist_innen wie Kutschera bis hin zu fundamentalistischen Christ_innen reicht und dazwischen diverse konservative Milieus und Strömungen in einer gemeinsamen Feinderklärung vereint. Dank der „Besorgten Eltern“ fand diese Ideologie insbesondere in Baden-Württemberg eine Manifestation auf der Straße und auch bei Pegida wird das Thema immer wieder aufgegriffen. Kutscheras systematisch verzerrtes Weltbild fügt sich bestens mit den ebenso verzerrten Weltbildern anderer zusammen, die seine projektive Bedürfnisse teilen und seine Traktate dankbar aufnehmen. Dies lässt sich in den Kommentarbereichen unter den entsprechenden Artikeln immer wieder beobachten.

Zweitens ist Ulrich Kutschera eben nicht irgendwer, sondern ein C4-Tiger. Er kann ungestraft und ungeprüft Unsinn verzapfen, weil er aus einer Position spricht, die aus sich selbst heraus für Seriosität und Wahrheit zu verbürgen scheint. Ein erfahrener männlicher Professor, der zudem noch die Sprache des Volkes spricht und nicht davor zurückschreckt, sich Feind_innen zu machen – so einen lässt man gerne zu Wort kommen.

Diese Rolle pflegt Kutschera wohlweißlich bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Immer wieder betont er seine Position, er distinguiert sich explizit als echter C4-Professor gegen die nicht wirklich professoralen W2-Kolleg_innen, verweist auf seine „ca. 10 Buchveröffentlichungen“ – ca. 10! Wer kann bei solch astronomischen Dimensionen noch genau zählen? – und spricht gerne seine sekundäre Anbindung an die Stanford University an – die Universität Kassel macht im Vergleich doch recht wenig her. Um sich von seinen Kolleg_innen noch deutlicher abzuheben, behauptet er – von jeder wissenschaftstheoretischen Kenntnis unbeleckt –, dass nur die Naturwissenschaften, die er zu vertreten beansprucht, die wirkliche Wahrheit untersuchten, während die Geistes- und Sozialwissenschaften sich einfach irgendwelche Theorien zurechtspännen.

Und diese Strategie zieht. Der C4-Tiger darf ein ums andere Mal brüllen! Systematisch verzerrt sind somit nicht nur die Weltbilder, sondern auch die Kommunikationsverhältnisse unter denen sie verbreitet werden. Diese systematisch verzerrten Kommunikationsverhältnisse erlauben es einem Ideologen, als zuverlässige Autorität aufzutreten.

Drittens schließlich hat sich eine gewisse Post-Truth-Debattenkultur etabliert, die es Unsinns-Ideologen wie Kutschera besonders einfach macht und systematische Verzerrungen verstärkt. Dies lässt sich beispielsweise anhand eines Artikels bei Spiegel Online darlegen, der angesichts von Kutscheras Tiraden bedeutungsschwanger fragt: „Darf man das sagen?“

Durch dieses Framing wird die Frage, ob das, was Kutschera sagt, nun in der Sache annähernd vertretbar oder grober Unfug ist, völlig ausgeblendet. Stattdessen soll es um gesellschaftliche Sagbarkeiten gehen. Anstatt mit der langweiligen Überprüfung von Fakten konfrontiert zu werden, dürfen Leser_innen über die reizvolle Frage vermeintlicher Tabus lesen. Damit kommt Kutschera nicht etwa die Rolle des menschenfeindlichen Ideologen ohne Sachkenntnis zu, sondern die des mutigen Tabubrechers, dessen Agieren auslotet, was man heute noch „sagen darf“.

Konsequenterweise verzichtet Spiegel Online nicht nur darauf, Kutscheras Thesen zu prüfen oder kritisch zu kommentieren, sondern auch darauf, irgendwelche Gegenstimmen zu Wort kommen zu lassen. Kutschera dagegen wird ausführlich zitiert und darf seine Thesen mit Scheinargumenten stützen. Damit hat man die eingangs mit viel Pathos gestellte Frage nach der Sagbarkeit implizit gleich beantwortet: Bei Spiegel Online darf man gerne sagen, dass es sich bei der Geschlechterforschung um eine Sekte handelt und dass Frauen an den Herd gehören.

Unsinn, hin oder her: Als Tabubrecher ist ein brüllender C4-Tiger immer gern gesehen!

Floris Biskamp ist Politikwissenschaftler und Soziologe in Kassel und Köln.

Fabian Bärig ist passionierter Tierliebhaber und Großwildjäger aus Hamburg sowie Betreiber des Blogs ueberdenzaungebrochen.tumblr.com.

 

84 Kommentare zu „Männerfantasien: Die antigenderistische Ideologie des Ulrich Kutschera

  1. Wenn man die hilflose Antwort der norwegischen „Gender-Experten“ auf die Fragen des das Gender-Paradoxon abklärenden Harald EIA betrachtet (vereinfacht): „Wir haben die bessere Theorie, daher kann die Empirie nicht stimmen“ sieht man zwar den Unsinn, aber nicht die Gefahr des Genderismus für Frauen und Kinder. Die Überredungs-Ideologie, dass Gleichberechtigung nur durch Aufhebung der Geschlechtrollenunterschiede möglich sei, kann bei Frauen mit den anderen selbst erlebten motivationalen Grundlagen zu inneren Konflikten und damit zu Depression und anderen ernsthaften psychischen Problemen führen. Siehe auch in den hierzulande weitgehend unbekannten Studien z. B. von Prof. Annica Dahlström, Uni Göteborg: Innerhalb der letzten 15 – 20 Jahre einen Anstieg psychischer Erkrankungen bei schwedischen Mädchen um 1000 Prozent, Depressionen um 500 Prozent; Suizidrate finnischer Mädchen ist die höchste in Europa
    Die einseitig theoretisierende Gender Mainstreaming-Ideologie begeht den fundamentalen Irrtum, die als entscheidende menschliche Gegebenheit vorliegenden neurophysiologischen Unterschiede in den Gehirnen von Frau und Mann völlig auszuklammern bzw. fälschlicherweise zu behaupten, diese festgelegten Gegebenheiten um– bzw. dekonstruieren zu können.
    [Einzelheiten bezüglich unüberbrückbarer Unterschiede in den Gehirnen von Frau und Mann und über „Kinder – Die Gefährdung ihrer normalen (Gehirn-) Entwicklung durch Gender Mainstreaming“ sind in dem Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 6. Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2014: ISBN 978-3-9814303-9-4 nachzulesen]

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      1. @Peter Friedrich: Wie? Ach so… Du willst Polemik und Meinung, keine sachlichen Tatsachen. Sach das doch gleich, dass es dir nicht um Fakten geht.

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      2. Nu lass ihn doch mal selber den Mund aufmachen, Jung.
        Im Übrigen stelle ich immer wieder erstaunt fest, wie sehr man aus dem Umfeld der Anti-Gender-Ideologen bzw. der rechtsreligiös-rechtspopulistischen Wahrheits-und Gottesbesitzer heraus zu wissen scheint, was ich so denke und meine und was ich so will. Oft weiß man da mehr über mich als ich es selber tue. Beeindruckend.
        Veraltet wie ich bin, ging ich bisher davon aus, man müsse einen Menschen wegen seiner persönlichen Anliegen FRAGEN. Beim obengenannten Personenkreis lerne ich, daß man über einen Menschen bis in sein persönlichstes Leben nur zu WISSEN braucht, zu wissen etwa, daß ein Mann sich gefälligst von einer Frau angezogen zu fühlen hat und eine Frau von einem Mann etc. etc.
        Letztendlich enthebt das Wissen über einen anderen Menschen, also das totale Wissen, diesen aber von der Notwendigkeit einer eigenen Existenz. Man weiß schließlich alles und total über ihn, was ergebnisoffene Erfahrungen überflüssig macht, oder? Eine eigenständige Existenz geht aber notwendigerweise mit dem Raum ergebnisoffener Erfahrungen einher. Das jedoch stört. Die notwendige Konsequenz daraus ist die Nicht-Existenz des anderen Menschen, gell?
        So läßt sich auch hübsch verdeutlichen, wer eigentlich sinnvollerweise gemeint ist bei „Demo für Alle“: ALLE, das sind die Anti-Gender-Ideologen und besagte Wahrheitsbesitzer. Außer „ALLE“ aber kann es niemanden geben, oder?
        Andere müssen nichtexistent gemacht werden, s. etwa hier: https://wolfgangbrosche.wordpress.com/

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      3. @Peter Friedrich – zur Begriffsklärung – ich kritisiere den Zustand der Gender Studies. Falls Sie mich zum Anti-Gender-Ideologen stilisieren wollen, begeben Sie sich auf das Niveau von Floris Biskamp, also bitte Vorsicht mit der Attributierung. Außerdem bin ich kein Wahrheitsbesitzer oder politisch rechts.

        Die Gleichsetzung von Kritik an Gender Studies mit Homophobie geht ebenfalls fehl.

        Kurzfassung meiner Kritik an Gender Studies: Keine wissenschaftlichen Publikationen. Stattdessen publizistisches Niedermetzeln von Kritikern ausschließlich mit Argumenten ad hominem statt Argumenten ad rem. Der Ductus ist unterirdisch. Siehe vorliegenden Artikel.

        Wie jedes wissenschaftliche Fach muss auch „Gender Studies“ sich beweisen. Tut es nicht. Sie können mich sehr leicht vom Gegenteil überzeugen. Sachargumente reichen schon aus.

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      4. Hallo Wolf-Dieter, ich bin kein Experte für das Konzept Gender und allfällige Unterscheidungen, diesbezüglich wenden Sie sich besser an Floris Biskamp.
        Mir persönlich fällt das skandalöse Küngeln von Wissenschaftlern wie Kutschera mit hetzenden pseudoreligiösen Spinnern einfach sehr unangenehm auf.
        Es scheint eine Korrelation zu geben zwischen fehlender Menschlichkeit und dem Dreinschlagen auf das Genderkonzept und auf menschenwürdige Aufklärung und Aufgeklärtheit schlechthin.

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      5. Gender Studies sind mir mehr als nur suspekt. Die Begriffe „fehlende Menschlichkeit“ und „Dreinschlagen“ beziehe ich mal nicht auf mich.

        Ich bitte generell um den Respekt, den ich deinem Standpunkt zolle, ohne ihn teilen zu müssen. Die vorliegende Kommentarplattform soll Sachargumenten dienen. Schimpfe ist hier Zweckentfremdung. Danke.

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  2. Was völlig vergessen wir dabei ist, dass identitäre Bewegungen, die Geschlechtsidentitäten konstruieren ja selbst anti-queer sind und nicht nur kritisiert werden dürfen, sondern dies auch sollten.Manchmal denke ich mir, dass wir es hier mit der Auseinandersetzung zwischen der „Volksfront von Judäa“ und der „Jüdäischen Volksfront“ zu tun haben, die beide nur eines im Sinn haben: Geschlecht zu kontrollieren. Die einen Nutzen dann eine konstruierte Biologie um daraus dann Gender-Verhaltensweisen abzuleiten, die anderen konstruieren Gender-Identitäten, um dann am Ende doch wieder auf Genitalien zu referenzieren, die dann alles fein umhüllen und in deren Kosmos dann „Identitäten“ gedacht werden, die auch weggelassen werden könnten, wenn Menschen in ihrem eigenen geschlechtlichen Selbst anerkannt würden.

    Dieses Fremdbestimmungspingpong ist ein Spiel, bei dem dann irgendwann das Zuschauen einfach nur noch langweilig wird.

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  3. Kutscheras Homophobie geht noch viel, viel weiter und ist von dem Hass religiöser Fundamentalist nicht zu unterscheiden. Beim „Humanistischen Pressedienst“ (HDP) hat er diesen gar nicht humanistischen Hass-Artikel veröffentlicht:
    http://hpd.de/artikel/10925

    Angeblich geht es ihm da um die Leihmutterschaft, aber holt schnell zu einem Rundumschlag auf alle gleichgeschlechtlichen Paare mit Kindern aus und stellt wilde Thesen auf, dass diese Kinder wegen ihrer Herkunft und Eltern verwirrt sind und unfähig sind einfache Fragen dazu zu beantworten.
    Auch hier ist er vollkommen unfähig soziale Gegebenheiten anzuerkennen. Nämlich dass biologische und soziale Elternschaft nicht zwangsläufig identisch sind. Da reicht schon eine klassische Adoption durch ein „normales“ heterosexuelles Mann/Frau Paar aus um das Muster Aufzubrechen. Aber wie immer hängt für ihn alles am biologischem Determinismus fest.
    Ansonsten zeigt der Artikel seine generelle Frauenverachtung, auch wenn er sich zum angeblichen Retter von Leihmüttern aufschwingt. Auf die realen Gefahren dieser Praxis – die Ausnutzung wirtschaftlicher Not von Frauen in Entwicklungsländern – wird mit keinem einzigem Wort eingegangen.

    Wenn zwei schwule Männer ein Kind haben möchten ist das für ihn ein Verbrechen an der Natur, aber bei Lesben kann er sich in einem anderen Interview irgendwie dazu hinzureißen lassen, dass ein Kinderwunsch vielleicht gar nicht so schlecht ist (jedenfalls in der Theorie. Praktisch wird da kein Unterschied sein). Aber auch nur weil Frauen ja einen natürlichen Mutterinstinkt haben. Und weil es nicht zu viel des positiven sein darf, interpretiert er dann so, dass das nur ein Zeichen dafür ist dass die sexuelle Orientierung bei Frauen gar nicht so fest ist und zeigt so wieder dass er solche Beziehungen nicht ernst nimmt. Als ob das irgendwas mit Fortpflanzung zu tun hätte.

    Allgemein bekommt man den Eindruck, dass er nur Menschen akzeptieren kann die sich den biologischen Realitäten (natürlich nur aus seiner Sicht) fügen. Alle anderen werden von ihm mit Hass und Verachtung überschüttet.

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    1. Nehme mal an, dass der Kommentator glaubt was er hier von sich gibt.

      Erstaunlich in was für Wahnwelten manche leben.

      … hier ist übrigens echter Hass erkennbar.

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    2. @Stefan – habe den Artikel gelesen, danke für den Link.

      Kutschera kritisiert – ähnlich wie bei RBB – Leihmutterschaft. Kannst du missbilligen, aber bringt (besonders beim RBB-Inverview) im Interesse des Babys ein paar Argumente, die mir nicht so geläufig waren. Von Argumenten pro Baby lasse ich mich leicht überzeugen.

      Ob dahinter heimliche Homophobie steckt, interessiert mich erst, wenn seine Argumente als falsch bewiesen sind. (Motivforschung erst NACH sachlicher Kompromittierung, die du nicht geleistet hast.)

      Weiter weist er auf Unterschiede zwischen Amerkanischem und Deutschem Recht hin. In D ist ein menschlicher Embryo keine Handelsware.

      Schließlich weist er darauf hin, dass die Hälfte des Genoms von der Mama stammt.

      Worauf wolltest du noch mal hinaus?

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      1. Alles voller Deppen hier. Die grenzenlose Dummheit des Kommentariats ist unfassbar. Leihmutterschaft wird da nirgends wirklich kritisiert. Alle seine „Argumente“ kann man genauso auf klassische Adoption anwenden! Was er wirklich kritisiert ist wenn Kinder nicht bei ihren genetischen Eltern aufwachsen. Dafür gibt es es aber massig Gründe.

        Das ganze ist außerdem nichts weiter als billige Polemik. Schau dir mal seine Wortwahl an:
        „Schein-Mutterschaft, freizügigen US-Ideologie, rechtlose Legehennen, vom Säugevorgang abgehaltene Pseudo-Mama 2, gefühlskalte Gebärmaschine, genetisch tote Eizell-Spenderinnen“
        Dazu die ständige Verwendung von Anführungszeichen (scare quotes). Überall nur Angriffe auf alle Menschen die nicht in sein Weltbild passen. Sowas kann man nicht ernst nehmen. Wenn es ihm wirklich im die Rechte von Leihmüttern ginge, hätte er sich anders ausgedrückt.

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    1. Pettipanther, der mit der todsicheren Schutzweste, an der jedes noch so schlüssige Argument und jeder Nachweis einfach abperlen. Petti ist nicht nur eingefleischt homophob und menschenverachtend, sondern auch auf ärgerliche Weise dümmlich ignorant.
      Moin, moin, Petti.

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      1. Auch das ist Unsinn im gleichen Duktus.

        Wenn nicht “Nazi“, dann “Rassist“ oder “Sexist“ oder “homophob“ … etc.

        Immer die gleiche Schmierorgie. Gern auch die mittlerweile lächerlichen Versuche lächerlich machen zu wollen.

        Vielleicht ist echter Faschismus mit derartiger Dämmlichkeit verbunden. Auch die Umkehrungsmasche fängt an weich zu werden. Und echte Ideologen, die andere als “Ideologen“ deklarieren und meinen per Kraftausdrücken zu beeindrucken auch.

        Die Rattenfängerei fängt an aufzufliegen …

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      2. Petti, sieh einfach noch mal unsere Dispute bei „The European“ nach. Du bist eben einfach ein krankhafter Lügner. Gute Besserung.

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      3. @Peter Friedrich – in diesem Punkt ist petpanther zuzustimmen: Der Artikel enthält keine Sachargumente, sondern trieft vor Hass. Es fällt schwer, beim Kommentieren sachlich zu bleiben.

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  4. Da das jemand in meiner FB-Freundesliste verlinkt hat. Der Kommentar dazu war:

    „Es geht darum, wie eine offensichtlich emanzipationsfeindliche Person mit rechtspopulistischen Tiraden eine ganze Wissenschaft pauschal verunglimpft.“

    Ist das so? Oder ist Kutschera ein geschicktes Feinbild? Nicht, dass wir uns falsch verstehen… ich verteidige niemanden. Nur hat auch Kutschera die „Stuttgarter Erklärung“ unterzeichnet. Neben fremdbestimmenden Sexologen der DGfS (da frage ich mich dann, was wundersamer ist).

    Und wenn ich mir ansehe, wie quer durch die Bank ein ganzes Netzwerk an Ignoranten keinen Bock hat, transsexuelle Menschen in LSBTTIQ zu nennen – seit mindestens 2-3 Jahren wissen dass z.B. queer.de, bestimmte Kreise in Berlin, etc. p.p. – sondern immer noch meint Transsexualität zu einer Gender-Identität umzubenennen, wenn ich mir betrachte, dass diese Leute mittlerweile überall sitzen, die Gender-Identität zelebrieren, anstatt diese zu hinterfragen… und wenn ich mir mal überlege, wen ich in den letzten 2-3 Jahren angeschrieben habe, dass „Transsexualität“ keine Identität ist und dann das einzige, was passiert ein ignorantes Achselzucken ist… und wenn ich mir überlege, dass es wahrscheinlich nicht nur mir so geht… dann komme ich nicht umhin, das was der Typ da von sich gibt, zumindest ein wenig so bestätigen zu müssen.

    Wenn sich die Leute, die in irgendwelchen Gleichstellungsreferaten, bei Antidiskriminierungsstellen und auf irgendwelchen geförderten Pseudotoleranzposten nicht lansgam mal überlegen, ob ihr Job nicht ist, Leuten zuzuhören und nicht Toleranz und Akzeptanz zu heucheln, aber gleichzeitig dann doch nur die eigene Klientel zu bevorteilen, in dem irgendwelche Gelder hin- und hergeschoben werden von einer Ecke der in die nächste Ecke der sogenannten Community… dann bleibt mir nichts anderes übrig, das als Streit von zwei fremdbestimmenden Gruppen zu beschreiben, bei dem es nur um Macht und Einfluss geht, anstatt um das, worum es gehen sollte: Eine gesellschaftliche Debatte zu führen, die dann Menschen zu mehr Gleichberechtigung verhilft.

    Was ich in den letzten Jahren innerhalb der „Community“, die sich ja immer so bunt gibt, erlebt habe ist Ignoranz, Machtspielchen und Rumgelüge. Bis zum heutigen Tag ist mehr Energie dabei drauf gegangen, immer wieder darauf hinzuweisen, dass transsexuelle Menschen gleichberechtigt behandelt werden sollen und darauf immer wieder Widerstand aus der ach so tollen „Community“ zu erfahren… angefangen von Leuten, die dann meinten, transsexuelle Menschen einfach mitvertreten zu können, Leuten, die bis heute ein Problem damit haben von LSBTTIQ zu sprechen, Leuten, die bis heute meinen, transsexuelle Menschen zu „transident“ umzudefinieren, Leuten, die bis heute jede Kritik an ihrem identitären Weltbild ignorieren, bis hin zu denen, die alles dafür tun, damit dann die Hierarchien bitte so bleiben, wie sie sind und eben keine Gleichberechtigung wirklich eintritt, sondern die Machtverhältnisse klar geregelt bleiben…. als, dass hier wirklich ein ernsthaftes Interesse bestanden hätte wirklich slidarisch für gleiche Rechte zu kämpfen.

    Nein, da geht es längst nicht mehr darum. Was wir erleben ist ein Wettkampf der Religionen. Und Kutschera hat eine dieser Religionen kritisiert: Die Gender-Identitätsreligion. Diese Kritik ist berechtigt, genauso wie eine Kritik an der neu-rechten Bewegung der BIldungsplangegner und Pegidianten wichtig ist.

    Was aber super dumm ist, wenn nun, anstatt dass da Räume für ernsthafte Auseinandersetzungen geschaffen werden, lieber der eine mal Eier nach links wirft und dann der andere faule Tomaten nach rechts, solange ist das ein identitärer Kindergarten, der – und das ärgert dann doch, und langweilt nicht nur – Auswirkungen hat, die eine ganze Gesellschaft ins kippen bringen kann… und genau da sind wir mittendrin.

    Wer daran etwas ändern will, wirft nicht mit faulem Gemüse nach anderen, sondern schafft Räume für Diskurs. Und wer etwas besser machen will, als der andere, der zeigt dann am Besten mal, dass er damit anfängt, Vielfalt ernst zu nehmen. Und dazu gehört dann auch, z.B. LSBTTIQ in den Mund zu nehmen, wenn es transsexuelle Menschen gibt, die zu Recht sagen, dass sie nicht „transident“ oder „transgender“ sind und das dann zwei verschiedene DInge sind, die es auseinanderzuhalten gilt, damit überhaupt erst ein gemeinsames Streiten für eine bessere Welt möglich ist.

    Schau Dir an, wieviele Schnarchzapfen in der Community dazu bis heute nicht in der Lage sind. Soll ich das aufzählen? Gut. Enough is Enough, die ADS, queer.de, TriQ, lambda, LSVD, usw. und so fort. Das sind jetzt nicht alles irgendwelche bösen Bildungsplangegner, sondern es sind alles Leute aus der „Community“, die eigentlich so dumm sind, dass sie damit den AfD-Sympathisanten und Aufklärungsgegnern ja die beste Steilvorlage liefern, die sie nur liefern können: Diese „Community“ hört zu grossen Teilen nicht zu. Es wäre ein leichtes das zu ändern, ist aber offenbar nicht erwünscht. Du bekommst regelmässig irgendwelche Ausreden zu hören, warum transsexuelle Menschen nicht mitgenannt werden, oder warum sie dann als „Transidentitäten“ umdefiniert werden….

    Das Futter für Bildungsplangegner, AfD, Pegida und co ist die Ignoranz derer, die eigentlch dazu da wären hinzuhörern. Sie tun es nicht. Und das ist der Fehler. Wenn sich da etwas ändern soll, dann wäre ein erster Schritt damit aufzuhören, diesen Leuten durch das eigene Verhalten auch noch Recht zu geben und die eigene Verantwortlichkeit mal ein wenig ernster zu nehmen.

    Wer nochmal meint, dass LSBTTIQ auf LSBT verkürzt werden kann, der sollte am Besten mit Höcke und Beatrix von Storch einen Trinken gehen. Denn offenbar ist man sich da ja einig, wohin die Reise gehen soll.

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  5. In kaum einen „Pro“-Gender-Beitrag (was anscheinend nicht mehr viel mehr ist als Anti-Anti-Gender, da es wie in diesem Text meist nur darum geht irgendeinen Gender-Gegner zu verunglimpfen) wird der Gegenstand der Propaganda zitiert (wenigstens sinnentstellend aus dem Zusammenhang gerissen kann man_frau_X ja wohl noch erwarten).

    Nein, es wird inzwischen munter und beleglos einfach mal irgendeine möglichst rechtsextrem wirkende Behauptung untergeschoben.

    Lustig immer wieder dann wenn die Autor_@x*I_en dabei eigentlich nur ihr eigenes Unvermögen bloßstellen wie in diesem Beispiel:
    Im Bemühen Kutschera als möglichst „rechts“ darzustellen wird ihm unter 2) untergeschoben von einer „Invasion“ nichtdeutscher Männer zu warnen. Dabei wird dann schamhaft erwähnt, dass er dieses Wort nicht selbst benutzt hat, sondern eine amerikanische Journalistin vorgeschoben hätte.
    Nun, ein Blick in ein ordentliches dictonary oder Wörterbuch zeigt dann ziemlich schnell, dass „Invasion“ die einzige Darstellung unseres Begriffs „Völkerwanderung“ ist.
    Nun mag man_frau_X sich zwar noch über das „Völker“ in der Völkerwanderung aufregen, aber vor den Folgen einer „Völkerwanderung“ zu warnen ist nun doch etwas anderes als vor einer „Invasion“.
    Keine Propaganda aber weniger zweckdienlich wäre gewesen sich für die Übersetzung „Völkerwanderung“ zu entscheiden

    Auch spricht Kutschera von dem letzten Sargnagel für eine Ideologie, nicht wie hier behauptet für die hinter dieser Ideologie stehenden Ideologen.

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    1. Soso, Kutschera will also nur harmlos eine „Völkerwanderung“ beschreiben. Seltsam nur, dass er die Dame gerade nicht auf Englisch, sondern in deutscher Übersetzung zitiert und auf Deutsch „Invasion“ sagt. Und wenn er nur neutral irgendwelche Prozesse beschreiben wollte, warum nutzt er dann von allen zur Verfügung stehenden Beschreibungen eines, das gerade nach einem militärischen Angriff klingt? Bestimmt nicht, weil er was Böses sagen will.

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      1. Dann gib doch ausnahmsweise mal die Quelle bekannt. Dann könnte ja gezeigt werden wer was in welcher Sprache (bei einer amerikanischen Journalistin gehe ich erstmal von Englisch aus, zumal ja auch von „fighting-age males“ geschrieben wird) gesagt hat.

        Es bleibt der fade Beigeschmack der bewussten Verfälschung der Aussagen Kutscheras, um ihn in die rechte Ecke zu drängen.

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      2. @Floris Biskamp – Sie dürfen der Übersetzungsqualität Englisch-Deutsch nicht immer trauen. Viele Übersetzer sind zweckentfremdete Praktikanten und stolpern über ¨wörtlich¨-Fallstricke (invasion – Wanderung statt Invasion; concrete – Beton statt konkret; pathetic – erbärmlich statt pathetisch; und viele, viele mehr). Es gibt reichlich Interent-Artikel zum Thema, also kein Spezialwissen von mir.

        Beachte, dass ich mir Bemerkung über Ihre Nebenabsicht verkneife.

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      3. Kutschera zitiert affirmativ mit deutschen Worten. Unsere Kritik an Kutschera kann nicht als Übersetzungsproblem abgetan werden. Er schreibt das so auf Deutsch und muss dafür die Verantwortung übernehmen.

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      4. Kutschera zitiert wörtlich. (Wie zitiere ich eigentlich affirmativ?) Ich kenne seine Zitatquelle nicht. Ich weiß nicht, ob die zitierte Journalistin deutsch sprach oder ob Kutschera den englischen Text beim Zitieren quasi synchron übersetzt.

        Werfen Sie ihm vor, aus dem Zusammenhang gerissen zu haben. Oder, ein inkompetentes idiotisches Weib zum Zeugnis herangezogen zu haben. Aber machen Sie das nicht am Wort „Invasion“ fest.

        Bei genauer Lektüre des Absatzes ergeben sich für mich zwo Deutungen von Kutscheras Absicht: a) Kritik an deutscher Presse durch beschönigende Hofberichterstattung, und b) Hetze gegen die Flüchtlingsbewegung. Sie bevorzugen Deutung b). Nun gut.

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  6. „als eine Illusion, die von Medizin und Biologie durch ständige brutale Gewalt gegen diejenigen aufrechterhalten wird, die sie (zer)stören könnten, weil sie nicht ins Bild passen. Diese biologischen Sachverhalte sind es, die in der Geschlechterforschung als sex oder biologisches Geschlecht bezeichnet werden.“
    Das ist schierer Unsinn. Die Spektren sexueller Realität auf biologischer Ebene werden absolut anerkannt, sogar soweit gehend, dass es von den gesetzlichen Krankenkassen befürwortet wird, wenn soziales und biologisch individuell erlebtes Geschlecht, sofern diese Diskrepanz zu schweren gesundheitlichen Störungen führt (wohlgemerkt nicht die Diskrepanz an sich wird als gesundheitliche Störung angesehen!), dieses in Übereinstimmung zu bringen. Die Kosten dafür werden von den gesetzlichen udn privaten Krankenkassen übernommen.

    Insofern ist die Behauptung einer erzwungenen Normativität des Zweigeschlechtlichen sehr zu bezweifeln. Dass angesichts der relativen Seltenheit einer gesundheitlichen beeinträchtigung dadurch es eine praktische Zweiteilung der Geschlechter unterstellt wird, ist eher Konvention als Zwang. Konventionen können durchaus als Zwang erlebt werden. Dies ist aber doch eben individuell.

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    1. Es geht an der Stelle um die „normalisierenden“ „Korrekturen“ an neugeborenen Intersexuellen, die immer noch zum medizinischen Standardrepertoire zählen und die als „brutale Gewalt“ richtig beschrieben sind. Wenn sie problematisiert werden, dann weniger durch einen von selbst einsetzenden innenen Reflexionsprozesse der medizinischen Theorie und Praxis als durch externen politischen Druck und Anstoß.

      Das Wort „Biologie“ hätten wir uns an der Stelle sparen können oder ausdifferenzieren sollen.

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  7. Aha, jetzt ist die gängige Biologie bereits „rechts“! Interessant.
    Das was Kutschera zum größten Teil in dem Radiointerview gesagt hat ist biologische Lehrmeinung und nicht politisch.

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    1. Kutschera bezieht doch explizit politisch Stellung. Er beruft sich im großen und ganzen Korrekt auf biologische Lehrmeinungen, leitet daraus aber in waghalsiger Weise gesellschaftspolitische Forderungen ab. Und inwiefern der Kommentar über die Invasion zehntausener Muslime im Kampfesalter nun eine neutrale biologische Tatsachenbeschreibung sein soll, erschließt sich keinesfalls von selbst.

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      1. 1) Aktuelle Fachliteratur, nicht Lehrmeinung (hat mit pesönlicher Meinung nichts zu tun). Kennen Sie sich in Biologie aus?

        2) Keine gesellschaftlichen Forderungen, sondern Beschreibung von Ist-Zuständen, und zwar biologischen solchen! Darüber hinaus einige morbide Konsequenzen bei weiblicher Elite der Gesellschaft.

        Herr Biskamp? Sprechen wir von Verschiedenem? Ich meine das Radio-Interview bei RBB.

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      2. Im rbb-Interview sagt er:
        „Das heißt also, also die Kehrseite der Medaille ist, wir haben immer mehr Männer, die nicht gut genug sind für hochqualifizierte Frauen und das ist, das ist natürlich ein Grund, warum studierte Menschen so eine beschämend geringe Darwin’sche Fitness haben. […] Die Darwin’sche Fitness ist eben bei hochqualifizierten Frauen erschreckend niedrig und bei Männern, die aus dem System rausfallen, auch akademisch gebildete Männer, die nicht Fuß fassen können, entsprechende Positionen erhalten, die sterben auch kinderlos weg. Also das sind Probleme, über die sich die Politiker mal Gedanken machen müssten.“
        Wollen Sie sagen, das sei „unpolitisch“. Ansonsten kann auch das Äußern von Deutungen — Deutunugen die der Naturalist Kutschera stets als unumstößliche Wahrheit ausspricht, obwohl Sie bestenfalls auf tönernen Füßen stehen — bereits politisch.sein.

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  8. In meiner Community habe ich es oft erlebt, dass ich verbissen, bisweilen mit verzerrtem Gesichtsausdruck auf Genderfehler hingewiesen werde. In meiner Antwort formuliere ich dann, dass meine Sprache meine persönliche Sache ist und ich mir jede Einmischung verbiete. Eine Sache, die man tatsächlich aus guten Gründen vertreten kann, wird bisweilen mit typisch deutschem Fanatismus verdorben.
    In schriftlichen Äußerungen schreibe ich nicht mehr „liebe Kollegen“ oder „liebe Kollegen und Kolleginnen, sondern das gute alte: Sehr geehrte Damen und Herren. Die Frage, warum ich denn so förmlich schreibe, beantworte ich wie folgt:
    In seiner Rede zur Ablehnung des Ermächtigungsgesetzes der Nazis vom 23. März 1933 in der Berliner Krolloper eröffnete Otto Welz seine Rede mit „Meine Damen und Herren“. In seiner Rede vom 10. Februar 1933 im Berliner Sportpalast zur Machtergreifung am 30. Januar 1933 eröffnete Hitler seiner Rede mit der Floskel: „Deutsche Volksgenossen und –Genossinnen“. Ebenso Göbbels in seiner Sportpalstrede vom 18. Februar 1943. Er formulierte: „Meine deutschen Volksgenossen und Volksgenossinnen“. Gendern, erinnert mich, wenn es mit typisch deutschem Fanatismus gewürzt ist, an die Sprache der Nazis.

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    1. Stimmt, ein sehr interessantes Dokument, das wir leider erst nach der Veröffentlichung des Artikels gesehen haben. Es sei hier unbedingt allen empfohlen.

      In einem Punkt müsste man die Kritik an Kutschera sogar etwas zurücknehmen, weil er die Existenz von Gesellschaft mittlerweile anzuerkennen scheint.

      Jedoch demonstriert er auch hier noch einmal wie beschränkt sein naturalistisches Menschenbild ist. Zum Brüllen, als er voller stolz von seinem Sperma erzählt, ernsthaft glaubend, damit irgendetwas Relevantes über die Geschlechterforschung zu sagen.

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  9. Zitate von oben nach unten:

    – Zitat –
    Dabei nähert er sich nach und nach einem geschlossen rechtsextremen Weltbild an
    – Zitat Ende –

    An welcher Stelle des Radio-Interviews äußert Kutschera irgendwelche Politika, insbesondere rechtsextreme? (Ich habe es vollständig abgehört. Nichts dergleichen.)

    – Zitat –
    und erhält dementsprechend auch Applaus vom rechten Rand.
    – Zitat Ende –

    Erstens, er erhält Applaus von mir, und ich stehe mitnichten rechts.
    Zweitens, selbst wenn, na und? Ein blindes Huhn findet auch ein Korn.

    – Zitat –
    … legte Kutschera noch einmal in schriftlicher Form nach. Dabei warf er sich in eine Opfer-Pose …
    – Zitat Ende –

    Ich habe das Script (PDF) gelesen. Wer lesen kann, stellt fest: keine Opfer-Pose, sondern durchaus straight: „Als international ausgewiesener Biowissenschaftler argumentiere ich ausschließlich auf Grundlage der aktuellen Fachliteratur.“

    – Zitat –
    Warum ein Professor für Pflanzenphysiologie und Evolutionsbiologie so große Teile seiner wertvollen Zeit für öffentliche Kommentare über sozial- und kulturwissenschaftliche Themen aufwendet? Ganz einfach: Weil er die Welt oder zumindest die deutsche Gesellschaft retten will.
    – Zitat Ende –

    Lieber Herr Biskamp, ZUERST kommen die Sachargumente, SODANN Motivforschung. In Ihrer Reihenfolge riecht es stark nach argumentum ad hominem. (Was heißt hier, riecht danach … es ist so.)

    – Zitat –
    Bei der Geschlechterforschung handele es sich um eine „quasi-religiöse Weltanschauung“, ja eine „fundamentalistische, feministische Mann-gleich-Frau-Ideologie“, die entgegen aller Vernunft und entgegen aller wissenschaftlichen Erkenntnis behaupte, Männer und Frauen seien biologisch nicht verschieden.
    – Zitat Ende –

    Deckt sich mit meiner Wahrnehmung der Genderforschung. Und jetzt?

    – Zitat –
    1 Was Kutschera sagt, ist hasserfüllter Unsinn.
    – Zitat Ende –

    Hass ist ein Motiv. Ich warte auf Ihre Sachargumente, immer noch.

    – Zitat –
    Bei den Inhalten, die Kutschera „der Gender-Ideologie“ zuschreibt, handelt es sich um eine karikaturistische Überzeichnung der Queer Theory.
    – Zitat Ende –

    Sondern? Nehmen Sie die Gelegenheit wahr und klären mich auf, was „Gender-Ideologie“ denn nun wirklich ist.

    – Zitat –
    Im Mittelpunkt des Interesses der Geschlechterforschung stehen aber nicht biologische, sondern soziale Prozesse; in erster Linie geht es den Forscher_innen auf diesem Feld um gender, also um das soziale Geschlecht oder die Geschlechtsidentität.
    – Zitat Ende –

    Ist nett. Bei Marion Detjen habe ich die These vorgefunden, dass die Geschlechterverhältnisse „sozial konstruiert“ seien. Wohlverstanden als eine von vier „Grundannahmen“ der Gender Studies. Klingt für mich nicht wie ergebnis-offene Forschung. Redet Detjen Unsinn?

    Ah, und generell. Gibts irgendwelche Veröffentlichungen (abe rbitte nicht Judith Butler benennen, die ist Philosophin, keine Sozialwissenschaftlerin.)

    – Zitat –
    Kutschera behauptet mit diesem Satz tatsächlich, dass das, was sozial als männlich oder weiblich gilt, genetisch vorbestimmt sei.
    – Zitat Ende –

    Falsch. Er behauptet das von männlicher Homosexualität und benennt als Beispiel den Komponisten Strawinski. Die weibliche Homosexualität ist nach seiner Aussage variable bzw. erwerbbar. Darüber hinaus betont er wiederholt, dass er nur statistische Mittelwerte benennt. Das ist das Gegenteil von stumpfem Determinismus.

    Ich empfinde es als unfein, wenn Sie konkret falsche Aussagen treffen. Aber ich lese weiter.

    – Zitat –
    Kutscheras Unsinn ist hasserfüllt, hetzerisch und politisch
    – Zitat Ende –

    Das sind argumente ad hominem in der Überschrift. Ich gebe auf. Augenscheinlich haben Sie das nötig.

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    1. Nachtrag – um den benannten Artikel von Marion Detjen zu finden, gib bei Google ein:

      schafft doch gleich die geisteswissenschaften ab

      Oberster Treffer bei mir.

      Ich konnte im Kommentarbereich keinen Link setzen, ohne im Spamfilter zu landen. (Hinweis und Frage an Webmaster: wie setze ich im Kommentar einen Link?)

      [Anmerkung: Das Problem war bislang nicht bekannt, Sie haben doch auch in einem vorherigen Kommentar einen Link gesetzt, oder?]

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      1. Nachtrag, später habe ich gesehen, dass ich es doch geschafft habe. Ich hatte ihn nur nicht wiedergefunden, weil er von Antwort-Ebene auf Haupt-Ebene verrutscht war, offensichtlich ein Bedienfehler von mir.

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    2. Rechtsextremes Weltbild: Steht im Text, das ist am letzten Absatz des Arbeitgeberverbandes aufzuzeigen.

      Ihre „Wahrnehmung von Geschlechterforschung“: Haben Sie sich jemals damit auseinandergesetzt?

      Hass kann nicht nur Motiv sein, sondern auch eine Haltung, die sich an einer bestimmten Sprache und Metaphorik aufzeigen lässt.

      „Die Gender-Ideologie“ ist ein Phantasma der Antigenderist_innen. Es gibt keine Entsprechung in der Realität, mit der man einen wirklichen Inhalt verbinden könnte.

      Haben Sie den Detjen-Text gelesen? Die Stelle, auf die Sie sich beziehen ausführlich:
      „Die Verhältnisse, in denen wir Menschen leben (vielleicht auch Delfine, Hunde und Schimpansen?), also auch die Geschlechterverhältnisse, also auch unsere geschlechtlichen Identitäten, also auch der Sex, sind sozial konstruiert, und das heißt nicht, dass Gene, Fortpflanzungsorgane, Hormone und sonstige Materialitäten keine Rolle spielen würden, sondern nur, dass sie alleine nichts zwangsläufig festlegen und erst durch sozialen Umgang für die geschlechtliche Identität, für den Sex und die Geschlechterverhältnisse relevant werden.“

      In seiner Presseerklärung spricht er davon, die „Geschlechteridentität“ — gemeint ist wohl der Begriff der Geschlechtsidentität, der in der Geschlechterforschung gerade für das soziale Geschlecht steht — „hormonell-chromosomal begründet“ zu haben. Es kann sein, dass er etwas anderes meint als schreibt, aber was er schreibt klingt für mich nach biologistischem Reduktionismus.
      Tatsächlich wäre die Kritik an der Stelle weniger scharf ausgefallen, wenn wir schon das Kelle-Interview gehört hätten, in dem er sich differenzierter äußert. Auch im rbb-Interview leitet er die verschiedensten sozialen Verhaltensweisen („Mutterinstinkt“, das begehren unterlegener Frauen und überlegener Männer) von Genen ab.

      Nein, zu sagen, dass sein Unsinn hasserfüllt ist, ist kein ad-hominem-Argument, sondern eine Deutung seiner Aussagen, die auch anhand von Aussagen begründet wird.

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      1. @Floris Biskamp – von oben nach unten:

        – Rechtsextremes Weltbild: Steht im Text, das ist am letzten Absatz des Arbeitgeberverbandes aufzuzeigen –

        Ihr verunstalteter Link auf Arbeitgeberverband ist eine Herausforderung an meine Pfiffigkeit. (Klicken Sie mal spaßeshalber auf den Link. Habe ihn trotzdem erreicht.) Der Schlusssatz des verwiesenen Textes enthält das Wort „rechsradikal-ausländerfeindlich“ in Gänsefüßchen. Meinen Sie das?

        – Ihre „Wahrnehmung von Geschlechterforschung“: Haben Sie sich jemals damit auseinandergesetzt? –

        Im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten, ja: Veröffentlichungen gibt es nicht, folglich nur Verteidigungsschriften von Detjen, Lenz und neuerdings von Ihnen.

        – Hass kann nicht nur Motiv sein, sondern auch eine Haltung (…) –

        Ich halte es mit Occams Razor: Motivforschung oder Sachargument. Tertium non datur. Mein Vorwurf gilt Ihrem Text.

        – „Die Gender-Ideologie“ ist ein Phantasma der Antigenderist_innen (…) –

        Ich habe Ihrem Text fehlende Sachargumente vorgeworfen. Wollen Sie dazu Stellung nehmen?

        – Haben Sie den Detjen-Text gelesen? –

        So drei- bis vier mal. Ohne Rücksicht auf den Schmerz. Sie haben genau den von mir gemeinten Absatz zitiert. Ich habe mich wohl klar ausdgedrückt.

        – … klingt für mich nach biologistischem Reduktionismus –

        Wo in Ihrem Text kommt der Gedanke vor?

        – Nein, zu sagen, dass sein Unsinn hasserfüllt ist, ist kein ad-hominem-Argument –

        Doch. Das Wort „hasserfüllt“ ist negativ konnotiert, und zwar durchaus im allgemein-wertenden Sinn. Bitte behaupten Sie nichts anderes.

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      2. @Floris Biskamp – Nachtrag

        – Haben Sie den Detjen-Text gelesen? –

        Nicht nur gelesen, sondern in meinem Blog kommentiert: http://goo.gl/nr4f5c

        Bitte beachten: Ich kritisiere Detjens Text harsch – ohne zu unterstellen, dass sie ein Bösewicht sei. Ein Wink an Sie für spätere Veröffentlichungen.

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  10. „Er sagt also – um Klischees zu bemühen –, das Tragen von Röcken, Nagellack und langen Haaren sowie ein ‚weiblicher Gang‘ seien durch ein Doppel-X-Chromosom unabänderlich festgelegt.“

    Schön, wenn er das sagt ist er ein Idiot! Doch wo genau hat er das gesagt? Ich habe heute mal nachgeforscht und nichts entsprechendes gefunden.

    Was er gesagt hat, im Radio z. B., das durch Studien (also Forschungsergebnisse) ein Zusammenhang zwischen Testosteron und früherem Tod dargelegt werden konnte etc. Nu kann man sowas gerne durch ne andere, nach wissenschaftlichen Standards erstellte Arbeit wiederlegen, oder durch gut belegte Argumente ausser kraft setzen. Auch ich habe hier z. B. die Klosterstudie im Kopf, die etwas anderes aussagt… Trotzdem, jemand der mit Studien argumentiert sowas wie oben vorzuwerfen, geht Richtung Ideologie!

    Was aber laut der Taz gesagt wurde, war von Prof. Lann Hornscheidt, dass erstens die deutsche Sprache zweigeschlechtlich ist (also der, die das bezeichnen zwei Geschlechter) und sollte ihr Sprachführer, der von ihrem Fachbereich als wissenschaftliche Arbeit verteidigt wurde, so in einer Regierungserklärung von Merkel umgesetzt werden, dieses die Vereinnahmung einer politischen Bewegung wäre… Was nu? Gender, Wissenschaft oder Politik???

    Quelle:
    http://www.taz.de/!5042233/
    „dann ist sicher etwas falsch gelaufen und eine politische Bewegung vereinnahmt!“

    Und deshalb sind die Genderstudies eben sehr verrufen, es gibt keine wissenschaftlichen Publikationen, Kritiker werden niedergemacht und Genderprofessoren spielen politische Bewegung unter dem Deckmantel der Wissenschaft etc. etc. etc.

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    1. Wie oben geschrieben:
      „In seiner Presseerklärung spricht er davon, die „Geschlechteridentität“ — gemeint ist wohl der Begriff der Geschlechtsidentität, der in der Geschlechterforschung gerade für das soziale Geschlecht steht — „hormonell-chromosomal begründet“ zu haben. Es kann sein, dass er etwas anderes meint als schreibt, aber was er schreibt klingt für mich nach biologistischem Reduktionismus.
      Tatsächlich wäre die Kritik an der Stelle weniger scharf ausgefallen, wenn wir schon das Kelle-Interview gehört hätten, in dem er sich differenzierter äußert. Auch im rbb-Interview leitet er die verschiedensten sozialen Verhaltensweisen („Mutterinstinkt“, das begehren unterlegener Frauen und überlegener Männer) von Genen ab.“

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  11. Mann, was für ein Hitpiece. Dabei enthält der Artikel soviele falsche Bilder, Behauptungen und Unterstellungen, dass ich mir nicht sicher bin, ob das nicht Satire ist. Jemand mit so einer Bildung kann doch den Stuss nicht ernst meinen.

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  12. „Vielmehr sei die Zweigeschlechtlichkeit selbst eine soziale Konstruktion. Damit diese – weiter unten noch etwas genauer erläuterten – Thesen der Queer Theory als Ausgangspunkt eines Schreckensszenarios taugen, muss Kutschera sie freilich noch deutlich überzeichnen, indem er ihnen unterstellt, sie leugneten jegliche Relevanz von Biologie“

    Eine soziale Konstruktion ist nach Ian Hacking folgendes:

    „Im ersten Kapitel seines Buches „The Social Construction Of What?“ stellt Ian Hacking eine Analyse zu Sozialkonstruktionen vor, die im Folgenden erklärt wird:

    (0) Zum jetzigen Stand der Dinge ist X als gegeben anzunehmen; X scheint unvermeidbar zu sein.

    (1) X hätte nicht bestehen müssen oder hätte nicht so sein müssen, wie es jetzt ist. X oder X im jetzigen Stand der Dinge nicht durch die Natur der Dinge festgelegt, es ist nicht unvermeidbar.“

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ian_Hacking

    Wenn Zweigeschlechtlichkeit eine soziale Konstruktion ist, dann ist sie eben nicht unvermeidbar und Biologie & Hormone spielen eben keine Rolle.
    Wenn dem so ist, müssten die Genderforscher eben zeigen, wie Fortpflanzungen ohne die biologischen Voraussetzungen möglich ist.

    Herr Biskamp, ich finde Herrn Kutscheras Auslassungen zu diesem Thema auch teilweise unsachlich und platt. Aber ihr Artikel ist keinesfalls besser.

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      1. Beim biologischen Geschlecht (bzw. Geschlechtsteile) auf das ich mich beziehe, ist das so. Zu was dienen Geschlechtsteile denn sonst? Klären Sie mich auf..

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  13. ‚Demnach müsse es gewissermaßen zuerst die soziale Geschlechtsidentität geben, die erst danach an einer biologischen Größe festgemacht werden könne. ‚

    Das gewisse Beschreibungen und Vorstellungem von Männlichkeit und Weiblichkeit sozial bedingt sind, sehe ich ein.
    Das bedeutet aber NICHT, das alle Beschreibungen beliebig sind und das es keine besseren oder schlechteren Beschreibungen der Welt und der Menschen gibt.

    Sie schreiben das es zuerst Geschlechteridentität geben muss, welche erst DANACH an einer biologischen Tatsache festgemacht werden KANN.
    Damit behaupten Sie, das es keine Tatsachen ‚da draußen‘ gäbe, die einschränken, welche unserer Beschreibungen von Tatsachen wahr oder falsch sind.

    Damit behaupten sie eine Beschreibungsabhängigkeit von Tatsachen, das es unabhängig von unserer Neigung die Welt so oder so zu beschreiben, keine Tatsache darüber gibt, wie sich etwas in der Welt verhält.
    Damit sind alle Tatsachen Bewußtseinsabhängig, denn nur ein Bewußtsein kann Dinge beschreiben bzw. eine Geschlechteridentität annehmen.
    Damit konstruiert das menschliche Bewußtsein, biologische Tatsachen.

    Das ist meine vorläufige Interpretation ihrer Argumente. Ich würde mich freuen wenn Sie mir kurz mitteilen würden, ob sie dem zustimmen oder nicht.

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    1. Hier zeigt sich deutlich, dass es offenbar in den Kreisen, die Kutschera verteidigen, an basalem Textverständnis mangelt. Herr Kommentator: Mit Ihrem wörtlichen Zitat aus dem Text, das im Konjunktiv gehalten ist, machen Sie doch deutlich, dass die Autoren eine Position ZITIEREN – eine, von der sie schreiben, dass es sich um eine Extremposition innerhalb der Gender Studies handele. Die Autoren wollen damit deutlich machen, dass der Fachbereich sehr vielfältig ist, was Kutschera ausblendet. Aber genau diese Position werfen Sie dann, lieber Kommentator, im nächsten Moment den Autoren als ihre eigene vor. So gibt das nichts. Es ist zum Haareraufen.

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      1. Eine Extremposition ist das nicht, es ist einfach blanker Unsinn was von den ‚Pop stars‘ der Queer Theorie behauptet wird. Wunderlich auch, das dieser Quatsch mit dem Hinweis auf ‚Vielfältigkeit‘ geduldet wird.

        Wenn man übrigens ein bißchen auf feministischen Blogs mitließt, wird einem auch klar,dass diese ‚Extremposition‘ doch ziemlich häufig vertreten wird.

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  14. Der Autor dieses Artikel bezeichnet sich selbst als Wissentschaftler? Auch in den Geisteswissenschachaften gelten doch gewisse Standards, oder etwa nicht? Verleumdungen und Lügen wie sie im ganzen Artikel vorkommen zählen defintiv nicht dazu, Sachargumente dagegen schon, die fehlen hier jedoch komplett. Im Grunde also ein vollkommen typischer Artikel für einen Genderisten. Was soll man sonst noch dazu sagen?

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  15. Beim Versuch, deinen Text zu verstehen – Kritik an Gender Studies UNGLEICH Homophobie. Ich bin so frei und nehme mich selbst zum Beispiel. An Gender Studies kritisiere ich dies:

    1) Keine Publikation der Forschungsergebnisse.

    2) Meine einzige Informationsquelle sind Verteidigungstexte – wie vorliegend – mit unterirdischem Ductus, also ausschließlich Argumente ad hominem gegen Kritiker.

    3) Bei Marion Detjen – http://goo.gl/Riqnle – finde ich die Aussage, die Geschlecherrollen seien ¨sozial konstruiert¨, als GRUNDANNAHME vor. Das ist stark unwissenschaftlich, weil keine ergebnisoffene Frage an die Forschung (wie es sein solle).

    4) Ungeachtet fehlender Sachargumente (keine Forschungsergebnisse, siehe oben) reichlich Konsequenzen in konkreter Politk: Frauenparkplätze, Girls Day ohne Boys Day, Weiberquoten in den finanziell attraktiven Bereichen (Vorstände, SPD-Führung), also einseitige Bevorzugung von Frauen in Lobby-Nähe, aber keinerlei Verbesserung bei den Mädels an der Aldi-Kasse.

    Nach all diesen Fehlleistungen erlaube ich mir die Schlussfolgerung: es geht nicht um Wissenschaft. Es geht nicht um Gesellschaft. Sondern es geht um Tröge.

    Bitte beachte, ich lasse mich immer vom Gegenteil überzeugen. Benenne seriöse Literatur. Dann nehme ich es öffentlich zurück.

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    1. Es gibt in Deutschland sogar zwei Diplombiologen, die in der Biologie nie etwas publiziert haben, die jetzt in den Gender-Studies Auftragsarbeiten publiziert haben:

      1) Hans-Jürgen Voss (postet auch gerne häufig seine Ansichten auf dem Queer-Blog „maedchenblog“

      und 2) Malin Ah-King : https://www.uni-marburg.de/genderzukunft/downloads/forschung/genderperspektivenbiologie.pdf

      Das was ich von beiden gelesen habe ist fast identisch. Ausgehend davon dass die „naturwissenschaftliche Objektivität ein patriarchalischer Habitus ist“ werden bei beiden exakt die gleichen Einzelbeispiele unter der „definierten“ feministischen Objektivität bewertet.
      So nach dem Motto: Weil das Geschlecht des Fötus im Krokodilei nicht von Anfang an festgelegt ist und durch äußere Faktoren festgelegt wird, ist das beim Menschen auch so.
      Bei beiden fehlen häufig die Quellenangaben. Scheint irgendwie in den Gender-Studies nicht nötig zu sein.

      Wer bezahlt sowas?

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  16. „An Gender Studies kritisiere ich dies:

    1) Keine Publikation der Forschungsergebnisse.“

    Verrückt, da können Leute ohne Publikationen Professuren besetzen? Das geht doch bloß bei den Gender-Leuten! Mit Verlaub, Ihre Aussage geht an der Realität im deutschen Universitätsbetrieb vorbei. Wer forscht, probiert auch alles, um seine Forschungsergebnisse zu publizieren und das geschieht auch bei Forschenden aus den Gender Studies.

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  17. @ Wolf-Dieter
    zu 1) & 2): Publikationen von Forschungsergebnissen sind u.a. in dieser Reihe zu finden: http://www.netzwerk-fgf.nrw.de/koordinations-forschungsstelle/projekte/buchreihe-g-g/
    zu 3): Der (De)Konstruktivismus ist eine Theorierichtung. Theorien werden aus dem Alltag abstrahiert und können somit widersprüchlich sein wie eben dieser. Es ist in der Forschung durchaus zulässig, sich auf theoretische Schulen zu beziehen. Das ist sogar ganz hilfreich, denn wenn das gemacht wird, können die Lesenden das einordnen. Wenn Herr Kutschera von vorneherein von Zweigeschlechtlichkeit ausgeht, ist das ja auch einer biologischen Theorietradition geschuldet und keineswegs „ergebnisoffen“. Nur, dass er seine Theorie für die Wahrheit hält und andere Theorien für Quatsch. Wäre er da etwas offener, könnte er sogar in seinem eigenen Fach ein bisschen überrascht sein, was es alles gibt, so wie hier: http://www.nature.com/news/sex-redefined-1.16943.
    4) Ob die SPD-Führung finanziell nun so attraktiv ist, sei dahingestellt. Aber der Begriff „Weiberquote“ erscheint mir doch recht abwertend, auch die Bezeichnung erwachsener Frauen als „Mädels“ redet der männlichen Unterordnung von Frauen das Wort.Ich ziehe in Zweifel, ob hier ein Interesse an einer ernsthaften Auseinandersetzung vorliegt. Aber sei’s drum: Einen Boy’s Day aka „Neue Wege für Jungs“ gibt es in der BRD seit 15 Jahren. Bei der Förderung von Frauen in Aufsichtsräten geht es um Bereiche, in die sie wegen gläsernen Decken, Seilschaften usw. schwer reinkommen. Das ist nicht das Problem an der Aldikasse. Hier sorgen vermutlich eher der Zusammenhang von weniger finanziellen Ressourcen und einer gesellschaftlichen Vereinbarkeitsproblematik dafür, dass die Frauen einen schlechtbezahlten (Halbtags)Jobs haben und sich ebenfalls hauptamtlich um die Kids kümmern (müssen). UNd nicht zuletzt die sozialen Geschlechterrollen, die zwar konstruiert sind, aber deshalb nicht weniger wirkmächtig. http://arbeits-abc.de/warum-verdienen-frauen-meist-weniger-als-maenner/ http://www.beziehungen-familienleben.de/ergebnisse/arbeitsteilung.html

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    1. Meines Wissens wird in der Biologie nicht einfach von Zweigeschlechtlichkeit „ausgegangen“ (als wenn man auch von Fünfgeschlechtlichkeit hätte ausgehen können), sondern diese ist ein empirisch nachgewiesnes Faktum. Nur einer von zweitausend menschen wird ohne eindeutig weibliche oder männliche Geschelchtsmerkmale geboren.

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      1. Schon mal darüber nachgedacht, wieviel 1:2000 ist? Allein 40000 Menschen in Deutschland!

        Angesichts dessen die Flexibilität des biologischen Geschlechts zu negieren ist bad scientific practice und realitätsfremd. Scheint nicht so weit her mit der Empirie…

        Aber kommen wir doch einmal auf die Biologie zurück: Der biologische Phänotyp ist KEIN two-state-switch und es wundert mich sehr, dass ein Biologe die Realität von gonosomalen Chromosomenaberrationen, variablen Gendosiseffekten ( z.B. SRY), örtlich und zeitlich variablen Konzentrationsgradienten von Differenzierungs- und Wachstumsfaktoren in der Embryonalentwicklung und Hormonkonzentrationen so beharrlich ignoriert. Im Grunde ist das biologische Geschlecht ein multidimensionales System und es ist der geschlechtlichen Fortpflanzung geschuldet, dass die meisten Menschen in einem von den zwei großen Clustern w/m zu finden sind.

        Es ärgert mich zunehmend mehr, dass ausgerechnet immer diejenigen mit der „Biologie der Zweigeschlechtlichkeit“ argumentieren, deren Wissen grad noch bis Mann=XY, Frau=XX reicht, aber ansonsten von Genetik, Embryologie, Mikrobiologie und Endokrinologie keinen blassen Schimmer haben.

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      2. Es behauptet kein Biologe, dass NUR Mann=xy und Frau=XX ist. Das einzige was die Biologie behauptet ist, jeder Mensch der ein Y-Chromosom trägt ist ein Mann, völlig unabhängig wieviele weitere X-Chromosome vorhanden ist. Ein YXX-Mann ist eben ein Mann, auch wenn er starke weibliche Ausprägungen hat. Hier ist die Biologie tatsächlich beim Menschen zweigeschlechtlich.
        Du wirst es nicht glauben, aber die von Dir oben genannten Punkte (Gendosiskompensation und effekten) ignoriert die Biologie gar nicht. Im Gegenteil, sie wird genauso wie im Menschen auch in Würmern und Fruchtfliegen untersucht, wo sie halt eben anders abläuft.
        Hinzu kommen dann noch epigenetische Betrachtungen der Vorgänge. Es gibt nur zwei epigenitische Methylierungsmuster beim Imprinting, nämlich maternal und paternal. Würde es mehr als zwei Geschlechter geben, müsste es auch mehrere Methylierungsmuster beim Imprinting geben. Gibt es aber nicht.
        Aus rein biologischer Sicht gibt es bisher einfach keine Hinweise, die ein 3. oder 4. Geschlecht beim Menschen im Rahmen der gesamten Biologie

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      3. Der zentrale Punkt ist für mich: Der Phänotyp ist variabler, als es sich die große Masse vorstellt. Der Genotyp ist schließlich uninteressant, wenn er keine Konsequenz hat.

        (und danke für die Erleuchtung bezügl. der biologischen Forschungsfelder — ich werd‘ dran denken, wenn mir nächstes Mal in der Zellkultur beim Pipettieren langweilig ist oder beim nächsten MeDIP! *Sarkasmus*)

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    2. @ Stylommatophora – 4)

      „Weiberquote“ – sorry, da ist mir die Tastatur abgerutscht. Natürlich nicht Weiber-, sondern Frauenquote. Bitte nicht krumm nehmen. (Wobei in meiner Nomenklatur das Weib oder Mädel kein abwertender Begriff ist. Ich lasse mich gern mal Kerl oder Knacker oder Knabe nennen, ohne dass mein Blut gleich wallt. Kannst die Frau, die ich liebe, gerne befragen.)

      Boy’s Day? Habe ich noch nie von gehört … muss unbedingt meinen (heute erwachsenen) Sohn befragen. Vom Girl’s Day hat er mir jedenfalls berichtet. – Oh, ich habe alles aus erster Hand mitgekriegt, ich war alleinerziehend.

      Gläserne Decke? Ich erlaube mir Verlinkung auf meinen eigenen Blog-Eintrag, der die Randbedingungen für Einkommensunterschiede eingrenzt. (*) So was wie „männliche Seilschaften“ – was sonst soll der schwammige Begriff „gläserne Decke“ bedeuten – sind ein Gerücht. Deshalb sind Quoten sachfremd und legen den Verdacht von Klientelpolitik nahe.

      (*) Gib bei Google ein:
      gender pay gap einkommensunterschied wolf dieter

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    3. @ Stylommatophora – 3)

      Theorierichtung – ich versuche, zu verstehen. (Was eine Theorie ist, weiß ich, trotzdem danke für die Erläuterung.) Bei Wikipedia finde ich unter Konstruktivismus fünf Fachbereiche, ich nehme an, du meinst den Bereich Konstruktivismus (Philosophie). Dem Link folgend sehe ich eine Gewichtung weg vom „was“ hin zum „wie“. Hab ich keine Probleme damit.

      Nur, was für ein Zusammenhang zu meiner ursprünglichen Aussage 3) – Kritik an „sozial konstruiert“ als GRUNDANNAHME – in der ich den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit wegen fehlender Ergebnisoffenheit stelle? Du meinst etwas, aber was?

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      1. Philosophische Grundannahmen hat jede Wissenschaft. Z.b. Naturalistische, realistische Grundannahmen. Darüber kann man diskutieren, welche philosophischen Grundannahmen am besten geeignet sind, die Forschung im jeweiligen Fachbereich voranzutreiben. Das wäre dann eine Aufgabe der Wissenschaftsphilosophie.

        Das es Grundannahmen in der Wissenschaft gibt, ist kein Kritikpunkt. Die Frage ist eher, welche Grundannahmen das sind. Ausgehend vom Konstruktivismus lässt sich z.b. Pseudowissenschaft rechtfertigen – Dann steht eben die Evolutionstheorie gleichberechtigt neben dem Kreationismus – beides eben soziale Konstrukte, beide gleichberechtigt, weil eben niemals die Tatsachen da draußen entscheiden, welche unserer Beschreibung der Wirklichkeit nun stimmig ist.

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      2. Nicht die Existenz der Grundannahme, sondern ihr Inhalt ist Gegenstand der Kritik: dass nämlich das Geschlecht an sich eine soziale Konstruktion sein soll. Und zwar aus diesem Grund: wenn es mindestens einen gibt, der das für falsch erklärt, ist ihm der Wahrheitsbeweis für die bestrittene Grundannahme zu liefern.

        Es gibt mindestens einen: mich.

        Alles, was ich tue, reduziert sich auf die Forderung: beweise es.

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    4. @ Stylommatophora – 1) und 2)

      Danke für Links auf Veröffentlichungen, habe ich gesichtet, jedoch nicht durchschnittlich 40€ ausgegeben, um mich fortzubilden. (Ohne Polemik, der Preis ist mein Kriterium: für ein Standardwerk zu billig – die kosten ab 100€ aufwärts – und für eine Studie zu teuer – diese sind irgendwo umsonst runter zu laden.)

      Das sind Kampfschriften, keine wissenschaftliche Studienergebnisse.

      Ich erlaube mir den Verweis auf „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“. Gib bei Google den Titel ein, und du stößt auf ein Amazon-Buchangebot (6 neu ab 8,95€).

      Und glaube es oder nicht, ich habe ein Buch aus der Reihe gelesen, und es hat mein Verständnis von Frauen verbessert. (Geliebt habe ich sie schon vorher; aber verstanden?)

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    5. @ Stylommatophora – 1) und 2) – Nachtrag

      Den Verweis auf ¨Zweigeschlechtlichkeit einer Frau¨ gibts auf Deutsch auch bei Detjen, siehe oben. Die Aussage im Artikel, das Geschlechtergenze sei fließend, ist (pardon) Kappes. Der Artikel hält selbst die vermutliche Erklärung von verschiedengeschlechtlichen Zellen im Körper der Mutter vor: wahrscheinlich im Mutterleib verschmolzene (zweiieige) Zwillinge. In meinem unmittelbaren Umfeld kenne ich auch so einen Fall (die Diskretion verbietet genaueres).

      Das ist ein Kuriosum der Natur, das den zweigeschlechtlichen Fortpflanzungsmechanismus von uns Primaten nicht in Frage stellt. Natürliche Kuriosa gibt es ohne Ende (Trisomie etc.)

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    6. In Robert Feustels Einführung zum Dekonstruktivismus ‚Die Kunst des verschiebens‘ kann man folgendes lesen:

      „Dekonstruktion hat konsequenterweise wenig mit einer wissenschaftlichen Methode gemein. Wie könnte sie klassisch wissenschaftlich sein, wenn sie den Rahmen der traditionellen Wissenschaft in Zweifel zieht? Sie reißt ihre Fundamente mit sich in den Taumel reiner Signifikanten, reiner Differenzbeziehungen. Konkret: Auch den überlieferten, gebräuchlichen wissenschaftlichen Werkzeugen wie Hypothese, Prämisse oder Schlussfolgerung, Logik, Stringenz oder Kausalität mangelt es an Stabilität. Selbst die Gegenüberstellung von Subjekt (der Wissenschaftler, die Wissenschaftlerin) und Objekt (der Untersuchungsgegenstand) wird seiner Selbstverständlichkeit beraubt. Jeweils sind die wissenschaftlichen Werkzeuge, die Fundamente einer langen Tradition, nicht privilegiert und »nur« Ausdruck eines historisch (und vielleicht zufällig) gewachsenen Denkens.“

      Wie kann so ein wissenschaftsfeindlicher Ansatz, eigentlich Grundlage für eine Wissenschaftsdisziplin sein? Wieso wird von Dekonstruktivisten tatsächlich geglaubt, Helkseherei, Wahrsagerei und andere Pseudowissenschaft sei anerkannten wissenschaftlichen Methoden gleizustellen?
      Warum wollen uns solche ‚Wissenschaftler‘ erzählen, das Zweigeschlechtlichkeit eine soziale Konstruktion sei?

      Es ist nicht unbedingt so, das Leute die Gender studies ablehnen, alle privilegierte weiße Männer sind, die Angst haben um ihre Männlichkeit, sondern sich einfach keinen Unsinn erzählen lassen wollen.

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      1. Habe den zitierten Absatz überflogen. Wenn Dekonstruktion nichts von wissenschaftlicher Methode an sich hat, und zwar per definitionem, folgere ich mal salopp: runter von der Uni!

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  18. „Wir gehen davon aus, dass er in der Lage ist, auf einem grundlegenden Niveau Sachverhalte zu recherchieren, Texte zu lesen und zu verstehen, Annahmen kritisch-rational zu überprüfen sowie seine Überlegungen in verständlicher Weise zu kommunizieren.“

    Das dürfen Sie – das wurde nämlich erst kürzlich in einer ausführlichen Untersuchung wissenschaftlich bewiesen:

    http://www.epubli.de/shop/buch/Kutscherania-oder-Naturformen-der-Schreib-Kunst-Ernst-Darwin-Wallace-9783737571685/48053

    Und bitte hören Sie auf mit diesen Tigervergleichen, das ist einfach nicht zu ertragen. In der Biologenszene nennen wir unseren Helden seit 2013 nämlich nur noch Hippo realissimus – ich fordere Sie hiermit also auf, sämtliche schriftlichen und bildlichen Tigervergleiche umgehend zu löschen bzw. die betreffenden Fotos durch Aufnahmen von Nilpferden zu ersetzen (und zwar solche, die das Maul sperrangelweit aufreißen).

    Herzlichen Dank!

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    1. Herzlichen Dank für die wertvollen Hinweise. Wir werden unsere Taxonomie nach streng realitätswissenschaftlichen Maßstäben prüfen und das zu bestimmende Exemplar als das bezeichnen, was es wirklich ist.

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  19. @ Stylommatophora – 4) Ob die SPD-Führung finanziell nun so attraktiv ist, sei dahingestellt. – Ich denke, bei der Polit-Kaste ist es wie bei den Kellnern. Es gibt ein Grundgehalt und ein eingepreistes Quantum an Trinkgeldern – abhängig vom Grad der Servilität. (Upsi.)

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  20. @ Schnitzel und alle, die sich für DeKo interessieren:
    „Dekonstruktion hat konsequenterweise wenig mit einer wissenschaftlichen Methode gemein.“
    Zumindest nicht, was mensch bis dato für eine wissenschaftliche Methode hielt. (Was mit „konsequenterweise“ gemeint ist, bleibt hier übrigens unklar.)
    „Wie könnte sie klassisch wissenschaftlich sein, wenn sie den Rahmen der traditionellen Wissenschaft in Zweifel zieht?“
    Kann sie nicht und will sie nicht, das ist ja das Neue daran. Der Clou, sozusagen. Das Faszinierende. Sie kritisiert die Idee von wissenschatlicher Wahrheitsproduktion.
    „Sie reißt ihre Fundamente mit sich in den Taumel reiner Signifikanten, reiner Differenzbeziehungen.“
    Nun ja, die Diffenrenzbeziehungen finden im Kontext von Herrschaftproduktion statt, das sollte hier schon der vollständigkeit halber erwähnt werden. Und die Dekonstruktivist_innen sind ja auf den Barrikaden Ende der 60er gewesen, und ahben gesehen, dass sich so leicht nichts ändert, die finden Herrschaft halt blöd.
    „Konkret: Auch den überlieferten, gebräuchlichen wissenschaftlichen Werkzeugen wie Hypothese, Prämisse oder Schlussfolgerung, Logik, Stringenz oder Kausalität mangelt es an Stabilität. Selbst die Gegenüberstellung von Subjekt (der Wissenschaftler, die Wissenschaftlerin) und Objekt (der Untersuchungsgegenstand) wird seiner Selbstverständlichkeit beraubt.“
    Angefahren, oder? Da wird einfach mal alles in Frage gestellt! Da werden heute einfach klare Gegebenheiten (Zweigeschlechtlichkeit ist weder logisch noch eindeutig beweisbar) in Frage gestellt. In den 80ern wagte eine WissenschaftlerIn zu sagen, dass die Werkzeuge des Herrn niemals das Haus des Herrn zerlegen können.(Audre Lorde) Da wird versucht, darüber hinaus zu denken, was möglich ist (siehe z.B. Derrida: Die unmögliche Universität. @Wolf-Dieter: Unbedingt einen Bibliotheksausweis besorgen! Lohnt sich!)
    „Jeweils sind die wissenschaftlichen Werkzeuge, die Fundamente einer langen Tradition, nicht privilegiert und »nur« Ausdruck eines historisch (und vielleicht zufällig) gewachsenen Denkens.“
    Hm. Nur weil etwas lange gewachsen ist, muss es ja nicht gut oder richtig sein. Das gilt für das Krebsgeschwür wie für die Gender Studies, um mal eine Analogie zu wagen. Vorteil der Gender Studies ist, dass sie hinterfragbar und überprüfbar sind, was sich vom Krebsgeschwür eher nicht sagen lässt. Das ist irgendwie eher destruktiv und nicht kommunikationsbereit. Wisssenschaft ist im Westen doch immer was privilegiertes gewesen, vielleicht nicht ihre Werkzeuge per se, aber wenn Dinge im wissenschaftlichen, methodisch hergeleiteten Duktus daherkommen, werden sie ernster genommen, als gewisse Blogeinträge, die ja auch von schlauen Menschen sein können. Leute, die an Eindeutigkeiten glauben möchten – und das sag ich jetzt mal ganz persönlich aus Zwitterperspektive – haben von der Komplexität der Realität wenig verstande. Endlich gibt es mal Methoden, die Wahrheits- und Eindeutigkeitprodution hinterfragen, wie die Dekonstrution, und dann gibt es hier so Undankbarkeitsäußerungen. Leute, das bereichert uns doch! Und an „zufällig“ glaub ich bei der Wissensprodution nicht, aber an historisch gewachsen durchaus. Jungen wurden früher mal rot und rose gekleidet, Mädchen blau (Marienfarbe). Die Dinge ändern sich. Heute sind die Leute trans und Sternchen und queer und was weiß ich. Ja und? Warum macht Euch das eigentlich so fertig?

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  21. @Stylommatophora

    ‚Hm. Nur weil etwas lange gewachsen ist, muss es ja nicht gut oder richtig sein‘

    Ist das so? Wahrsagerei und Astrologie haben sich aber als weniger Gute Instrumente zur Wissensgewinnung erwießen.
    Es gibt also tatsächlich Methoden die besser sind als andere – warum haben Sie so ein Problem das anzuerkennen?

    Ich habe das Buch gelesen. Es ist von einem Politikwissenschaftler geschrieben, der eine Menge fragwürdige bis unsinnige philosophische Thesen anführt.
    Darüber kann man natürlich streiten. Im besten Falle wird einem dadurch die eigene Position klarer.
    Für mich kann ich sagen, das ich den Dekonstruktivismus sehr skeptisch betrachte. Besonders weil ich auch die Gegenpositionen zum Konstruktivismus, der Behauptung es gäbe keine absolute Wahrheit, Wissenschaft hat lediglich etwas mit Macht zu etc etc. kenne und diese mich eben mehr überzeugen.

    Mit seinem Tonfall und seinen etwas pauschalen Argumenten bin ich nicht einverstanden – aber es ist gut das Leute wie Ulrich Kutschera, Alan Sokal, Richard Dawkins etc. diese linke irrationale Wissenschaftsfeindlichkeit kritisieren.

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