Der Fall Jung und die Empörung über die Empörung

Bis in die FAZ hat es ein Posting von Tilo Jung auf Instagram zum Weltfrauentag schließlich gebracht. In fast allen Beiträgen zu der Causa Jung geht es aber vor allem um einen hysterischen Twitter-Mob und angemessene Reaktionen. Was hinter solchen „Witzen“ steckt, bleibt bestenfalls nebensächlich.

Von Patrick Gensing

Rund 51.500 Tweets, 380 Videos auf YouTube, mehr als 1000 Beiträge auf Instagram – dazu eine gut gefütterte Facebook-Seite: Der Journalist Tilo Jung ist ein Online-Profi und geradezu omnipräsent im Netz. Bekannt wurde er vor allem durch das Interview-Format „Jung & Naiv“, in dem er „Politik für Desinteressierte“ anbieten möchte.

Warum allerdings Uninteressierte ausgerechnet durch 50-minütige Interviews ihre Begeisterung für Politik entdecken sollten, ist mir ziemlich unklar. Das ging auch Nadja Schlüter von der SZ so – und durfte sich dafür als Replik anhören, wer Jung & Naiv so kritisiere, sei schön blöd. Denn Jung & Naiv sei „eine Einladung an die Interviewten, keine Phrasen für die üblichen 90 Sekunden der Tagesschau sagen zu müssen, von denen dann nur 7 Sekunden verwendet werden“. Mit dieser Einladung reüssierte Jung mit „Jung & Naiv“ – vor allem in Medienkreisen, weniger bei den „normalen“ Zuschauern: Denn eine Breitenwirkung erreichen die Videos kaum; bei den meisten blieben die Zähler bei 5000 bis 10.000 Abrufen stehen – manche schaffen noch weniger, einige dafür mehrere Zehntausend.

„Die Medien sind politikverdrossen, weil sie kein Interesse mehr haben, Sachverhalte erklärend darzustellen“, erklärte Jung zu seiner Motivation für das Format. Klingt prima, wenn auch nicht sonderlich differenziert. Und erklären tut Jung auch nur recht wenig: Er lässt die von ihm ausgewählten Leute ausführlich zu Wort kommen, so dass sich die Zuschauer aus einem Wust von Statements nicht nur die relevanten Stellen raussuchen sollen, sie sollen diese auch noch einordnen bzw. auf Glaubwürdigkeit / Wahrheitsgehalt überprüfen. Da wo die Arbeit des Journalisten anfängt, hört Jung & Naiv sozusagen einfach auf.

„Ohne Scheiß“

Diese Ungereimtheiten des Konzepts legen den Schluss nahe, dass sich Jung & Naiv – wie es der Titel bereits anzeigt – zu mindestes 50 Prozent um den Namensgeber dreht. Dazu passt, dass Jung in sozialen Medien hauptsächlich Bilder von sich postet, eine Mischung aus Modeln und Journalismus: Jung mimt den charmanten Lümmel aus der ersten Reihe, den erwachsenen Kinderreporter: selbstbewusst im Auftreten, gut im Aussehen, locker im Ton – eben „ohne Scheiß“ (im Gegensatz zu den mittlerweile gelöschten „Penisdialogen“ – „absolut unbeschnitten“).

//platform.twitter.com/widgets.jsEs geht also um Inszenierung. Dagegen ist auch überhaupt nichts einzuwenden, Jung legt einen beachtlichen Einsatz an den Tag und scheint ehrgeizig den Weg in die große Öffentlichkeit zu suchen. Dazu gehören dann wohl auch gezielte Provokationen: Für ein Interview mit Glenn Greenwald, der beispielsweise die Unabhängigkeit der Kurden im Nordirak nach dem US-Einmarsch mit dem „Anschluss“ des Sudentenlandes durch Hitler verglich, setzte sich Jung auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin, um sich über das „American Empire“ unterrichten zu lassen. Das erzeugte keinen „Aufschrei“ in den sozialen Netzwerken, sehr wohl aber Irritation bei einigen Kollegen. 

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Später kritisierte Jung wiederum Peer Steinbrück für eine Weihnachtskarte aus Berlin, auf dem das Mahnmal groß zu sehen ist. Während sich Steinbrück wenigstens zeitnah für dieses Motiv entschuldigte, wollte Jung in seinem Verhalten keinen Widerspruch erkennen.

Was Nazi-Vergleiche angeht, ließ Jung einen Fatah-Sprecher ohne jegliche Nachfrage erklären, die israelischen Juden folgten einer Reinheitsideologie wie die der Nazis:

„Es gibt ja auch palästinensische Israelis, Palästinenser, die als israelische Staatsbürger diskriminiert werden. Israelische Juden sind die Oberschicht, die sind die Reinsten. Es ist traurig, dass Leute, die in deinem Land selbst Opfer einer solchen Reinheitsideologie wurden, die zur Vernichtung von Millionen von Menschen führte, dass diese Leute jetzt genauso denken.“

Wie geschrieben: Keine Nachfrage. Dafür trieb es Jung um, dass Israels Ministerpräsident Netanjahu im Kontext des iranischen Atomprogramms und den antiisraelischen Tiraden aus Teheran vor einem „zweiten Holocaust“ warnte:

Keine Sorge, ich werde Tilo Jung jetzt nicht in die „rechte Ecke“ stellen, so wie es einige vielleicht vermuten bzw. von mir erwarten. Mir geht es darum, dass Jungs Format vollkommen passend Jung & Naiv heißt; immerhin gibt es gar nicht vor, sonderlich kritisch oder vom Mainstream abweichend zu sein. Zudem zeigen die erwähnten Beispiele, dass Jung gerne provoziert; testet, wie weit er gehen kann. Auch die Kritik an seinem Posting zum Weltfrauentag konterte er noch mit einem Tweet, in dem er von „symbolischer Selbstverbrennung“ orakelte. Später räumte er selbst in einer Erklärung ein, er habe „eine große Klappe“.

Herrenwitze ernten Widerspruch

So wie Jung & Naiv nicht sonderlich kritisch ist, verhält es sich auch mit Jungs Posting: „Herrenwitze“ sind im schlechtesten Sinne stinknormal. Was sich verändert hat: Solche Sprüche bleiben nicht mehr ohne Widerspruch. Die Kritik wird dann aber gerne als „Shitstorm“ bezeichnet, wodurch die Reaktionen disqualifiziert und unterschiedliche Argumente eingeebnet werden.

Die eigentliche Nachricht für größere Medien ist dann nicht die Aussage an sich – sondern die Reaktionen darauf werden zum Berichtsgegenstand. Zeitungen wollen modern wirken, indem sie berichten, was gestern im Netz war – und das klingt dann so: „Dass dieser Fehltritt nicht lange unbemerkt bleiben würde, war abzusehen: Schnell meldeten sich bekannte Feministinnen zu Wort“, wusste die Wilhelmshavener Zeitung zu melden. Jung sei geteert und gefedert worden, schreibt die Zeit. Und die FAZ wählte die Überschrift: „Ein Fehltritt, schon sind alle auf der Palme“.

Wo genau wurde Jung geteert und gefedert?

Abgesehen von der Frage, wo genau Jung geteert und gefedert worden sein soll: Feministinnen, die sofort „auf der Palme“ sind – wer kennt sie nicht, diese „hysterischen Hühner“…?! In sozialen Netzwerken war die Empörung über die Empörung auf jeden Fall größer und vor allem weit radikaler in der Sprache, als die Kritik an Jung zuvor. Auch die Kommentare zu dem erwähnten FAZ-Artikel ließen keine Wünsche offen:

„welche gesellschaftliche und mediale Macht sogenannte Feministinnen und Feministen haben, die auf der einen Seite Männer beleidigen und dann wegen eines im Vergleich dazu harmlosen Fotos in der Lage sind ein Unternehmen zu gefährden, das es wagt unpassende Fotos zu veröffentlichen. Übrigens sind Männer öfter Opfer von Gewalt!“

Männer als Opfer der Feministinnen – es fehlen eigentlich nur noch Deutsche als Opfer von Rassismus sowie Dresdner als Opfer von Systemmedien und angloamerikanischen Bombenhagel  – man kennt das. Einige Kommentatoren waren sich nicht zu schade, eine Parallele von der Kritik an Jung zu den Anschlägen von Paris zu ziehen. Wieder von der FAZ-Seite:

In dieser völlig infantilen Gesellschaftsverfassung sind sich die Schreihälse mit den Mördern von Paris irritierend gleich: In der säkularen deutschen Gesellschaft haben sich neue religiöse Bewegungen konstituiert: Veganer, AufschreihysterikerInnen, Kopftuchverteidiger etc. Deutschland 2015 – ein Land geht dem Abgrund entgegen.

Auf Facebook posteten Leute ernsthaft „Je suis Tilo“-Bilder, nachdem Krautreporter-„Herausgeber“ Sebastian Esser klipp und klar erklärt hatte, worum sich die FAZ gedrückt hat – nämlich, dass Jungs Post „frauenfeindlich“ ist. Jung kokettiere zudem „mit Gewalt gegen Frauen“ und werde daher vorübergehend nicht mehr bei den Krautreportern veröffentlichen. Einen lesenswerten Kommentar zu dieser Entscheidung hat Journelle veröffentlicht.

Jung & Naiv zum Thema Sexismus?

Ob aber nun eine inhaltliche Debatte bei den Krautreportern folgt, in der nicht nur der Herausgeber, Chefredakteur und Politik-Autor ihre Sicht zum Thema Sexismus und Kritik-Management anbieten, ließ Esser unbeantwortet. Jung solle seinen „blinden Fleck“ ausleuchten, hieß es lediglich. Licht aus, Spot an: Denn was wäre geeigneter für diese Suche, als eine Interviewreihe zu genau diesem Thema bei Jung & Naiv?

Siehe auch: The Krauts in Paris

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46 Kommentare zu „Der Fall Jung und die Empörung über die Empörung

      1. Soll das nun Kritik an Jungs Arbeitsweise sein? Oder die Aufarbeitung des Shitstorms?
        Seltsam, dass hier dann nur bescheuerte Tweets von seinen Fans als Beispiel dienen und nicht die Aufforderung für ein Berufsverbot für Jung oder die Heuchelei, warum nur er, aber nicht Buzzfeed oder die Urheberin des Bildes angegangen wird.
        Dass gerade die feministische Seite totalitär Argumentiert ist doch kein Geheimnis, könnte man auch thematisieren. Könnte.

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    1. Mich würde auch interessieren wo das „Geholze“ ist? Tilo Jungs Version von Journalismus ist anders aber über die Sinnhaftigkeit oder Qualität lässt sich streiten. Ich bin ganz Patricks Meinung: Das was Journalismus ausmacht, macht Tilo grade nicht. Die Kritik ist berechtigt, du musst ihr ja nicht zustimmen.

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  1. Nut zu Ihrer Information: Der von Ihnen verlinkte Beitrag war der dritte zu dem thema in der FAZ – den ersten habe ich selbst schon am Montag verfasst – und dass man im dritten Beitrag nicht erneut die weit debattierte Frage auseinandernimmt, was da genau frauenfeindlich war, ist bei einem Artikel über die Mechanik der sozialen Medien eigentlich verständlich.

    Das andere ist, dass Sie hier anfangen, Parallelen zwischen Holocaustrelativierern, Neonazis und Leuten zu ziehen, die die Sache wirklich anders als die Feministinnen ziehen. Bitte googeln sie mal den Ihnen bekannten Klarnamen, da finden Sie dann nämlich einiges über mich und das, was ich vor der FAZ getan habe und dann erklären sie mir bitte, warum ich nicht mal einen Beitrag darüber schreiben soll, wie man als jüdischer, moderat-linker Autor nach intensver Beschäftigung mit einem Thema dank eines angeblichen „NPD.Watchblogs“ in eine Ecke mit Rechtsextremen gestellt wird. von einem,. der behauptet, er würde politische Aufklärung machen und dabei selbst gezielt die Grenzen zwischen einer fraglos legitimen Debatte und Neonazis verwischt.

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      1. kann auch ich beantworten: der Artikel ist leider schlecht recherchiert. Sie picken sich Kommentare raus die ihre These stützen, Gegenteiliges und Weiterführendes und auch Vorangegangenes wird nicht behandelt. Dzu kommt die Fehlende Auseinandersetzung mit den Strukturen und nennen wir es mal „Reflexen“ die keine Beachtung finden.

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      2. Sie erheben hier auf einem Blog, das eigentlich die Umtriebe von Rechtsradikalen zum Thema hat, Vorwürfe und zu kurz greifende Unterstellungen zu meinem Beitrag bzw. zu einem Nutzerkommentar darunter, und stellen Bezüge zum Rechtsextremismus und dessen Strategien her,

        Ich habe eine prima Reputation durch jahrelange Arbeit für jüdische Medien in diversen Ländern und Gemeinden. Ich würde vor diesem Hintergrund gerne wissen, was Sie dazu bringt, diesen Vergleich zu ziehen und wieso Sie – nachdem bei Ihnen ja auch bekannte feministische Aktivistinnen wie Ann-Mareike Krause schreiben – hier der Meinung sind, dieses vergleichende Fass „kritische Haltung zu auswüchsen des Feminismus und Nazis“ und aufmachen zu können. Es erstaunt mich halt, weil mich sonst eher Neonazis und Rechtsradikale wegen meiner Arbeit auf dem Kieker haben.

        Und ja, natürlich kann ich mir vorstellen, einmal arüber zu schreiben, wie man mit meiner Vorgeschichte dann bei Ihnen landet, und was Sie bzw. ihre Freudinnen so sind, denken und tun.

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      3. Lieber Don Alphonso,

        1. Dieses Blog ist kein NPD-Watchblog, das war vor mehreren Jahren so – wir haben das Themenspektrum bereits seit Langem geöffnet. Es geht – grob gesagt – zumeist um gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit – so der unschöne Fachbegriff. Die Menschenfeindlichkeit gibt es eben gerade nicht nur bei der NPD und anderen Hohlbirnen – das war exakt die Motivation, den alten Namen abzulegen. Und zu solchen Einstellungen gehört auch der Sexismus, den wir als Thema viel zu selten beachten.

        2. Was hat Anna-Mareike Krause mit diesem Artikel zu tun und welches Problem haben Sie mit Ihr? Ich habe diesen Artikel geschrieben, wie Sie unschwer erkennen können. Was ist denn das bitte für ein Niveau?

        3. Ich unterstelle Ihnen (Sie werden übrigens noch nicht einmal genannt) nirgendwo Strategien von Rechtsextremen, sondern ich kritisiere die inhaltliche Stoßrichtung Ihres Artikels. Und dabei bleibe ich auch. Denn gerade wenn Sie die Reaktionen auf Jungs Posting thematisieren, ist es doch entscheidend für eine Einordnung, ob der Post an sich sexistisch war oder nicht. Diese Buzzfeed-Geschichte ist in meinen Augen ein Ablenkungsmanöver, weil es nicht darum geht, woher das Bild stammt, sondern in welchem Kontext es erneut geteilt und inhaltlich neu aufgeladen wurde.

        Gruß
        Patrick Gensing

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      4. Nun, ich will Ihnen Ihre Meinung nicht austreiben, aber mein Eindruck ist nun mal. dass Kontext wichtig ist. Das Bild hat dreimal Kontext – einmal den ursprünglichen, dann den, den Buzzfeed daraus gemacht hat, und dann den, den es bei Tilo Jung hatte. Das zu erklären, ist keine Nebelkerze, sondern tatsächlich die Frage, wie ein Inhalt im jeweiligen Kontext gesehen wird. Wenn man es mal so und mal so sehen kann, wäre natürlich ein wenig Erläuterung nett. Frau Leopold hat sich darum gedrückt, wie auch Frau schramm und all die andern – Sie kennen die Leute zum Teil, soweit mit bekannt ist . ich habe darüber geschrieben, und das behagt nicht jedem Kommetator. Damit muss man wohl in einer pluralistischen Gesellschaft leben.

        Aber dann kommen Sie daher und ziehen den Nazivergleich und damit muss man in einer pluralistischen Gesellschaft nicht mehr leben, sondern einmal fragen, ob Sie der Sache, die Sie zu vertreten vorgeben, nicht einen Bärendienst erweisen. Ich fühle mich mit „Verteidigern“ meiner Sache – die hinter Ihnen stehende Stiftung wirbt gerade mit der Gründung eines Instituts gegen Antisemitismus . extrem schlecht aufgehoben, wenn in so einem Fall nicht mehr thematisch, sondern aus der moralisch überlegenen Position agiert wird, indem man dem anderen Nähe zu rechtsextremen Positionen unterstellt.

        Da drängt sich mir nach all den Jahren der Arbeit in der Gemeinde nämlich der Eindruck eines Überidentifizierten auf: Einer, der sich einer politischen Haltung verschreibt, um sie dann bei Bedarf zu benutzen, um alles andere wegzuklatschen. Wenn Sie mit unsereins zu tun haben – und vielleicht ein wenig mehr als nur mit einer bestimmten Ex-IM aus der DDR – dann kennen Sie ja diese Auswüchse einer scheinbaren Judenfreundlichkeit, die dann dazu führt, dass Deutsche in anderen Debatten Geschütze auffahren, bei denen sie besser vorsichtig sein sollten. Stichwort „Verharmlosung von Rechtsextremismus“ oder „Nazirelativierung“

        Sie verstehen, was ich meine – wenn Sie jemanden einen Sexisten schelten wollen, zeigen Sie bitte seinen Sexismus auf. Wenn Sie jemanden einen Nazi nenenn wollen. erklären Sie seine rechtsextreme Haltung. Und wenn Sie jemanden, dessen Meinung sie nicht teilen, zum Nazi machen, müssten Sie nicht damit leben. dass ich Sie mit Nazis vergleiche, die ähnliche Spielchen betrieben haben, wie etwa die Gleichsetzung von Judentum und Kommunismus. Weil ich das sicher nicht tun werde. Aber ich fände es wirklich nett, wenn Sie hier von Ihem Antifaross herabsteigen und die Debatte ehrlich führen könnten. Bei dem Nazivergleich juckt es mich schon, die Sache einmal etwas breiter publikativ darzustellen und ihre Methoden aufzuzeigen. Vielleicht möchten Sie sich ja entschuldigen?

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      5. Lieber Don Alphonso.

        selbst wenn ich mich entschuldigen wollte (was ich nicht vorhatte, weil ich zu der Kritik an Ihrem Artikel stehe und Sie weder erwähne noch in eine Nazi-Ecke stelle), wäre eine Entschuldigung nach Ihrem Kommentar ausgeschlossen. Also, tun Sie, was Sie für richtig halten, ich bin gespannt auf Ihr Werk.

        Gutes Gelingen,
        Patrick Gensing

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      6. Nun, ich wollte eh mal was über die Breivikisierung der Debatte machen und da ist das hier vielleicht ein ganz guter Ansatz um mal zu erklären, wie weit dieser Denkansatz der Verknüpfung von NS-Gedankengut mit anderen Vorstellungen bereits gekommen ist. Erstaunlich finde ich dass dann bei tagesschau.de ein derartig sensibles und wichtiges Thema wie Rechtsextremismus jemandem gegeben wird, der so leichtfertig damit umgeht. Das ist so das, was mir nach meiner Arbeit in diesem Feld von Haider bis zu rechtsextremen Blogs und Pegida im kopf herumgeht – wenn Sie dazu etwas sagen möchten, nur zu.

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      7. Es sei hier auch nochmal – an einer Stelle wo Rainer es nicht sofort löscht, um nicht deppert dazustehen – darauf hingewiesen, dass er selbst fleissig mit geteert-und-gefedert hat, nur um sich dann später in der FAZ darüber zu echauffieren: https://archive.today/JDpCH

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      8. Ich habe nie einen Zweifel daran gelassen, dass ich das Posting falsch und die Erwartungen an KR überzogen fand. Also bitte keine Unterstellungen. Und jetzt würde ich gern nochmal um Antworten bittem

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    1. @p3k

      Das Originalzitat lautet folgendermaße: ‚Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen‘ -Zvi Rex

      Frauen sind also die neuen Juden.
      Eigentlich unglaublich das solche Holocausrelativierungen auf dieser Seite geldudet werden.

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  2. Danke für diesen Artikel! Wer bewusst und absichtlich provoziert, dies als Attitüde vor sich herträgt, sollte sich nicht wundern, wenn sich Leute provoziert fühlen. Nichts anderes als eine kalkulierte Provokation war es, dieses Bild mit dieser Überschrift zu diesem Datum zu posten. Ob Tilo Jung tatsächlich eingesehen hat, was er da getan hat, oder sich nur dem öffentlichen Druck beugt – ich lasse da mal in dubio pro reo gelten.

    Diese im Artikel sehr gut beschriebene Empörung über die Empörung hat mich auch von Anfang an massiv gestört. Relaitivismus, Apologetentum und Diffamierung kommen bei feministischen Themen immer schneller zum Vorschein. Ich hoffe, dass zumindest bei den Krautreportern intern eine Aufarbeitung erfolgt, die über eine Veröffentlichungssperre hinausgeht (und damit meine ich nicht Rauswurf; mit dem wäre niemandem gedient).

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  3. So bescheuert das Foto ist, aber ich sehe hier in diesem Artikel keine tiefer gehende Analyse oder Auseinandersetzung mit dem, was da vorgegangen ist. Stattdessen viel Polemik. Beispiel: „Männer als Opfer der Feministinnen – es fehlen eigentlich nur noch Deutsche als Opfer von Rassismus sowie Dresdner als Opfer von Systemmedien und angloamerikanischen Bombenhagel – man kennt das. Einige Kommentatoren waren sich nicht zu schade, eine Parallele von der Kritik an Jung zu den Anschlägen von Paris zu ziehen.“
    Diese „Vergleiche“ sind doch ebenfalls Stammtischgerede, ohne Belege oder Erklärungen. präsentiert. Bitte noch mal schreiben.

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    1. vielen dank für ihre andeutungen über ihre vorstellung von seriosität und publikative.org.

      wie sie das genau meinen, lassen sie im dunkeln. sie werden selbst wissen, ob es lohnt, das zu erhellen.

      .~.

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  4. Hand aufs Herz: Findet ihr den folgenden Absatz in einem Artikel über Sexismus und „Herrenwitze“ wirklich angebracht?
    „eine Mischung aus Modeln und Journalismus: Jung mimt den charmanten Lümmel aus der ersten Reihe, den erwachsenen Kinderreporter: selbstbewusst im Auftreten, gut im Aussehen“
    Ist das nicht genau das, was ihr bei einer Berichterstattung über Frauen kritisieren würdet?

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  5. „Männer als Opfer der Feministinnen – es fehlen eigentlich nur noch Deutsche als Opfer von Rassismus sowie Dresdner als Opfer von Systemmedien und angloamerikanischen Bombenhagel – man kennt das.“

    Oh Gott… keine weiteren Fragen.

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  6. Lieber 10 bis 90 Minuten ein langes Gespräch, bei dem ich mehr lerne als in 0.30 bis 2.30 Minuten Beiträgen im Radio und TV. Z.B. das geduzte Gespräch mit Heiko Maas brachte mir mehr über den Menschen Heiko als 3 Monate Kurzinterviews im abendlichen ÖR. Danke Tilo.

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  7. „Da wo die Arbeit des Journalisten anfängt, hört Jung & Naiv sozusagen einfach auf.“
    .
    Genau DAS ist ja das Gute daran:
    dass da kein (meist leider) ahnungsbefreiter oder (noch schlimmer:) ein befangener Journalist Teile, die nicht in des Journalisten Weltbild passen oder die er nicht versteht, weglässt oder gar verfälscht. Was, wie wir alle mittlerweise wissen, Alltag in den Medien ist. Das Web ist voll mit Seiten, die all den Unsinn, die Lügen, die Irrtümer aufdecken. Eine Binse: Kabarett-Sendungen im TV sind inzwischen glaubhafter als die offiziellen Nachrichten in den gleichen Sendern.

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  8. Wo ist denn bitte jetzt das Problem das die Leute ungeschönt ihre Meinung sagen können? Wenn der Herr von der Fatah ungeschönt seine Meinung äußert, kann man das schlecht finden. Oder einfach nur ehrlich, ungeschönt und mit der Möglichkeit sich sein eigenes Bild machen zu können ohne das ein Journalist „einordnet, belegt“ – oder besser – seine Political Correctness drüber streut. Denn bezogen auf das Beispiel mit der Fatah ist, wenn man mal ganz undogmatisch auf die extremistischen Juden schaut, kein großer Unterschied. Leider.

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  9. Jeder, der schon mal ein journalistisches Produkt zu einem Thema, in dem er Experte ist oder auch nur etwas Ahnung hat, gelesen hat, hat festgestellt, dass Journalismus eine komplette Chimäre darstellt. Es stimmen fast nie auch nur die Randwerte.

    Spontan fällt mir die Begehung der Dawn Wall durch Tommy Caldwell und Kevin Jorgesen, die um die Welt ging vor einigen Wochen. Ich habe Dutzende Artikel gelesen – bestenfalls kann man der NYT zugestehen, es halbwegs hinbekommen zu haben. In den deutschen Texten waren grundsätzlich Sachfehler drin – und die eigentliche Tat bestenfalls aus weiter Peripherie touchiert, jedenfalls nie verstanden, nachvollzogen und der Öffentlichkeit zuteil werden lassen.

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  10. Was sagt mir jetzt dieser Artikel: T. Jung sei doof, selbstverliebt, sogar, hört, hört, provokativ! Der lässt Interviewte einfach reden, statt ihnen bei Unbotmäßigkeiten politisch korrekt übers Maul zu fahren. Unerhört! Der zwingt den armen Greenwald sich auf Stelen zu setzen. Auf die Stelen!

    Alles irgendwie Dinge, die so gar nix mit dem eigtl. Gegenstand zu tun haben, aber wohl einordnen sollen, mit welchem Unhold man es da zu tun hat.
    Kennt man.

    Übrigens: Dresdner waren Opfer des angloamerikanischen Bombenhagel(s). Punkt.

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  11. Uff, dieser Text hat nen ganz schlimmen Rausch-Signal-Abstand… Man wird den Verdacht nicht los, dass der Journalist sehr gern noch auf den Jungschen Zug draufspringen wollte. Erkenntnis krieg ich bei Tilos Videos dann doch irgendwie mehr. Trotz fehlendem Erklärbär.

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  12. Moin Herr Gensing,

    Sie erwähnen das Fatah-Interview: Herr Jung hat in Israel Interviews mit allen Seiten geführt (von der Hamas (!) bis zum radikalen Siedler). Sein Charakter „Naiver Reporter“ fragt dabei nie kritisch nach. Meinungen werden immer einfach so stehengelassen.
    Allerdings führt gerade im Fatah-Interview die vorletzte Frage den Fatah-Sprecher in die Sprachlosigkeit – dieses Interview, aus dem Sie zitieren, war nun ausgerechnet viel kritischer geführt als alle anderen.

    Ich hatte mir vor einiger Zeit alle seine Israel-Videos angeschaut (das hat gedauert…). Das vermittelte Bild – vermittelt über alle Interviews – kommt der Wahrheit im Nahen Osten ziemlich nahe: Es ist eine verdammte Zwickmühle, aus der erst die nächsten Generationen einen dann hoffentlich konfliktfreien Ausweg finden werden.

    Diese Zwickmühle und die Hoffnung auf eine Lösung auf allen Seiten bei gleichzeitigem Scheitern auf allen Seiten, habe ich noch nie so intensiv vermittelt bekommen wie in dem Interview-Marathon von Herrn Jung. Gerade, weil er nicht für mich interpretiert („vorkaut“), sondern einfach alle fragt und mich dann mit den Stunden an Material im Stich lässt.

    Auch wenn es viel mehr Zeit kostet als eine Zeitung zu lesen – dies ist ein Journalismus, den ich in diesem Format jedem anderen Journalismus vorziehen würde: Er überlässt mir die Verantwortung über die Interpretation.

    Vielen Dank für Ihre Arbeit,
    James Addams

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    1. Ahoi Herr Addams,

      danke für Ihren Kommentar.

      Klar, wenn man sich die Zeit nimmt und sämtliche Interviews durchschaut, erhält man einen ersten Eindruck davon, wie komplex der Konflikt ist (auch wenn meiner Ansicht nach mehr gemäßigte Stimmen aus Israel gehört werden müssten, der Blick auf die Siedler scheint für viele deutsche Journalisten aber ein absolutes „Must“ zu sein). Auch als Fundgrube für O-Töne sind die Videos sicherlich interessant.

      Es ist dennoch nicht so, dass hier nun einfach „die“ Wahrheit oder „die“ Realität dargestellt wird, denn auch die Gesprächspartner werden vom Journalisten ausgesucht. Dazu bewarb Jung beispielsweise das Interview mit Martin Lejeune mit „Neue, ganz wichtige Folge Jung & Naiv: Was ist los in Gaza?“

      Ich halte es für einen fatalen Irrglauben, man müsse nur alle möglichen Meinungen anhäufen und nebeneinander stellen – und dann blicke man durch. Die Bewertung und Einordnung von Quellen ist das wichtigste – und wenn ich mir überlege, dass Jung offenkundig kaum recherchiert hat, was Lejeune für ein Kandidat ist, dann stellt sich umso mehr die Frage, wie gehaltvoll diese Serie war (vor allem, weil es zu diesem Thema bereits Dutzende Interviews gibt).

      Ich glaube Ihnen dennoch gerne, dass Sie einen Mehrwert aus den Videos gezogen haben – aber würden Sie sagen, Sie waren zuvor politisch desinteressiert?

      Viele Grüße
      Patrick Gensing

      .

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      1. bezüglich politisch desinteressiert sollte man anschauen, wie die Serie begann, ursprünglich als Darstellung aller Parteien vor einer großen Wahl wollte Tilo Jung für die politisch Desinteressierten einen Überblick über alle vorhandenen Meinungen geben. Das Konzept hat sich dann thematisch bewegt aber an der Umsetzung hat sich nicht viel getan.
        Ich sehe die Serie als gute Möglichkeit an Originalquellen zu kommen, das sollten viel mehr Medien so machen, dann würden nicht so viele Menschen auf komischen Demonstration von einer Lügenpresse reden.

        Dass man jetzt unbedingt auf dieser Wortklauberei beharren muss oder auf Teufel komm raus versucht das Konzept, bei dem ein Interviewpartner ausgesucht wird, als Vorgegebene Richtung abzustempeln, halte ich für stark reißerisch und verkrampft in dem Bestreben hier einen negativen Schatten über das relativ gute Konzept zu werfen.

        Wem es nicht gefällt der braucht es sich ja nicht anzuschauen und an den relativ geringen Klickzahlen sieht man ja auch, dass es nicht im Mainstream angekommen ist.

        Man sollte aber, wenn man Leute kritisiert auch immer dazu sagen, warum man das tut und ich halte das Verhalten von Tilo Jung auf der Bundespressekonferenz für den wahren Auslöser des ganzen Wirbels.

        Ein paar Journalisten finden es, berechtigter Weise, für falsch, wie Tilo Jung die Bundespressekonferenz für sein Format nutzt. Ich denke ebenfalls, wenn man in so einer Runde Fragen stellt, sollte man sich vorbereitet haben und zumindest wissen um was es geht. Es bringt auch nichts wenn die Sprecher auf bekannte Fakten und Gesetze oder Veröffentlichungen verweisen um eine Frage zu beantworten. Tilo Jung sollte das differenzieren zu dem Format, dass er gewohnt ist zu betreiben.

        Ich halte diese Kritik für wichtig, doch halte ich es für falsch, das komplette Werk negativ zu beleuchten, nur um ihm zu schaden.
        Komischerweise ist von der BPK keine Rede in ihrem Artikel

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  13. > Das erzeugte keinen “Aufschrei” in den sozialen Netzwerken, sehr wohl aber Irritation bei einigen Kollegen.
    >
    > *Twitter-Post: @TiloJung Du hast mit Greenwald auf den Stelen gesessen, AUF DEN STELEN?@flueke*
    >
    > Später kritisierte Jung wiederum Peer Steinbrück für eine Weihnachtskarte aus Berlin, auf dem das Mahnmal groß zu sehen ist. Während sich Steinbrück wenigstens zeitnah für dieses Motiv entschuldigte, wollte Jung in seinem Verhalten keinen Widerspruch erkennen.
    >
    > *Twitter-Post: Die dämlichsten Weihnachtsgrüße kommen diesmal von Peer Steinbrück pic.twitter.com/I7cbMT9Xco (via @tgs2001)*

    Ihr gebt die Posts in einer nicht chronologischen Reihenfolge wieder und behauptet, Jung wäre erst kritisiert worden und hätte danach Steinbrück kritisiert. Das ist falsch.

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  14. „Was hinter solchen „Witzen“ steckt, bleibt bestenfalls nebensächlich.“

    Ja was steckt den nun dahinter? Klären sie uns auf! Oder war tatsächlich das Interview mit dem Fatah Sprecher Schuld? Diese Muslime immer! Oder doch die Stellen? Ja da scheinen auch schon viele ins Fettnäpfchen getretten zu sein.
    Oder sehen sie sich doch eher dem Mainstream zugehörig und schreiben über die Reaktionen, nicht den Inhalt? Wollen sie sich am Ende etwa nur als Feminist inszinieren?

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