Augsteins Suche nach dem "Dritten Weg"

Die Kolumnen des Verlegers Jakob Augstein sind deswegen so bemerkenswert, weil selten so anschaulich ein deutscher Populismus vorgetragen wird. So auch in der Ukraine-Krise, wo sich Augstein – mal wieder – an den USA abarbeitet und einen „dritten Weg“ inklusive Grenzverschiebungen für Europa empfiehlt.

Von Patrick Gensing

Augsteins Sprache ist in seiner jüngsten Kolumne militärisch geprägt: Von politischen „Führern“ schreibt er, die sich in Minsk getroffen hätten. Doch die Ukraine zerfalle. „Die Verantwortung können sich Amerikaner und Russen teilen – mit den Ukrainern“, stellt Augstein fest. „Europas Mühen um Frieden und Vernunft“ seien vergeblich gewesen.

Jakob Augstein, Herausgeber des "Freitag" (Foto: xtranews.de / CC BY 2.0)
Jakob Augstein, Herausgeber des „Freitag“ (Foto: xtranews.de / CC BY 2.0)

Europa als Hort der Vernunft zwischen den kriegstreibenden Großmächten in Ost und West? Es ist der altbekannte Augsteinsche Kunstgriff, sich ein Thema herauszugreifen – und über ein anderes, nämlich das Lieblingsthema, zu dozieren. So auch hier. Die USA saßen in Minsk nicht einmal mit am Tisch; in den USA wird verstärkt über Waffenlieferungen an die Ukraine diskutiert, während russische Soldaten seit Monaten in der Ukraine kämpfen; Präsident Obama steht unter massivem innenpolitischen Druck wegen seiner eher abwartenden Haltung, während über der Krim schon lange russische Fahnen wehen.

Für Augstein sind das Nebensächlichkeiten. In dem Text setzt er im Ukraine-Krieg das Vorgehen von Putin und Obama gleich: „Im vergangenen Jahr sagte Angela Merkel, Wladimir Putin lebe „in einer anderen Welt“. Inzwischen wissen wir: Der russische Präsident ist dort nicht allein. Barack Obama ist bei ihm. Es ist die Welt der Machtpolitik, in der sich sowohl Russen als auch Amerikaner gut auskennen – nur Merkel, die Deutsche, ist dort eine Fremde.“

Nicht Merkel, die französische? Oder die italienische? Nein, es ist Merkel, die gutgläubige Deutsche, die da zwischen den knallharten Russen und Amis agiert. Das kann ja nicht gut gehen.  „Was ist aus der Ukraine geworden?“, fragt Augstein. Seine Antwort: „Eine Beute der Großmächte. Amerikaner und Russen zerren an dem Land an der Grenze zwischen Ost und West. Sie zerren, bis das Land darüber zerreißt. Wer glaubt noch, dass eine Teilung abgewendet werden kann?“ Der russische Bär und der amerikanische Adler im Kampf um die Ukraine, Ost gegen West – wie einst Godzilla gegen Kingkong – oder so ähnlich.

„Protektorat“ der USA

Doch ein Happy End ist bei Augstein nicht in Sicht: Der Westen der Ukraine werde ein amerikanisches „Protektorat“, der Osten ein russisches. Und nun kommt der Clou: „Hätte es einen dritten Weg gegeben?“, fragt Augstein – und kommt umgehend mit der Neutralität zwischen West und Ost um die Ecke: „Die Ukrainer selbst wollten ihn nicht gehen: ein Verzicht auf die Mitgliedschaft in der EU und – wichtiger noch – in der Nato.“ Auch das kleine Problem, dass eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine gar nicht zur Debatte steht, umgeht Augstein, indem er wieder auf die Amis zeigt: „Da haben die Deutschen die Rechnung ohne die USA gemacht. Amerika hatte nie vor, die Ukraine in der Blockfreiheit zu belassen“, weiß er, leider ohne uns  die Quelle zu verraten.

Um es abzukürzen: Hier liegt der Kern der Argumentation (des Ressentiments) von Augstein. Die USA lassen Europa einfach nicht in Ruhe, sonst wäre hier alles vollkommen unproblematisch (gut, ohne die Amis hätte ja auch der Führer für klare Verhältnisse gesorgt und Deutschland wäre neutral). Stattdessen führen sie weiter ihre Stellvertreterkriege und ringen mit Russland um die Weltherrschaft. Alles wie gehabt. Die Idee des Dritten Weges, den Deutschland und Europa gehen sollten, ist auch nicht gerade neu, für Augstein scheint er brandaktuell.

Kuba-Krise am Donbass

Bemerkenswert ist in diesem Kontext auch, wie zwanghaft Augstein immer wieder nach veralteten Deutungsmustern greift, um seine Weltsicht nicht verändern zu müssen: Er verweist auf „die berühmten [US-]Ausbilder, die wir aus den südamerikanischen Vasallenstaaten noch kennen“ und behauptet, „das Zerren um die Ukraine“ sei „unsere Kubakrise“. Klar, ein Atomkrieg im Jahr 1962 hätte Europa natürlich egal sein können.

Ganz ernsthaft setzt Augstein die Kuba- und Ukraine-Krise einfach gleich: „Die Sowjets brachten 1962 die Welt aus dem Gleichgewicht, als sie versuchten, Atomraketen vor der amerikanischen Haustür zu deponieren. Die USA und die Sowjets hätten deshalb den Atomkrieg gewagt. Der Versuch, aus der Ukraine einen westlichen Vorposten zu machen, ist auf eine ähnliche Reaktion gestoßen.“

Augstein schließt seine Konstruktion aus dem antiimperialistischen Baukastensystem mit einem Zitat der Schriftstellerin Daniela Dahn, die lapidar anmerkte: „Nun also wird die Ukraine eine andere Staatsform bekommen. Wenn beide ukrainischen Seiten so unversöhnlich sind wie man hört, wird eine demokratisch legitimierte Grenzverschiebung unvermeidlich.“ „Beide ukrainische Seiten“ – hört hört. Erst wird das Vorgehen von Putin und Obama in der Ukraine-Krise gleichgesetzt – und schließlich der Aggressor ganz entsorgt, während man selbst eine „legitimierte Grenzverschiebung“ in Osteuropa als „unvermeidlich“ erklärt. Deutsche Geostrategen bei der Arbeit. Viel Spaß auf dem dritten Weg.

15 Kommentare zu „Augsteins Suche nach dem "Dritten Weg"

  1. Ich frage mich was dieser Artikel Augsteins mit „deutschem Populismus“ zu tun hat? Obwohl ich Augsteins These von der „Verliererin Merkel“ in diesem Zusammenhang nicht teile, sehe ich schon eine Analogie zwischen dem Verhalten der USA, der Nato (Raketenschirm und Erweiterung der Nato bis an die Grenze Russlands) und der Kuba Krise und so mit dem Konflikt in der Ukraine. Damals sind die Russen Amerika „zu nahe getreten“ Kennedy pokerte und gewann. Die Ängste Putins sind für mich verständlich. Zumal in Osteuropa offensichtlich viele Staaten noch „eine Rechnung“ mit Russland offen haben und jetzt die Gunst der Stunde nutzen um mit Russland abzurechnen mit Hilfe von Amerika und der Nato.Es gibt Scharfmacher in Kiew, Moskau, aber auch in Washington (Waffenlieferungen und mehr)

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    1. Das 1962 in Kuba sowjetische Atomwaffen stationiert werden sollten, hat für mich deutlich eine andere Qualität, als eine Handvoll Abwehrraketen in Polen. Was mich stört ist die Betonung der „Ängste“ Putins, die scheint er nicht zu haben, so hoch, wie er pokert.

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  2. Was will uns der Kommentar sagen? Haben die USA im Ukraine-Konflikt korrekt verhalten? Ist Putin (mal wieder) allein schuldig? Oder ist einfach jeder Anlass ausreichend, um auf Augstein einzuschlagen?

    „in den USA wird verstärkt über Waffenlieferungen an die Ukraine diskutiert, während russische Soldaten seit Monaten in der Ukraine kämpfen“ lässt uns der Kommentar wissen. Was ist die Botschaft? Dass die Amerikaner, trotz ihrer 5 Milliarden-Investition in den Regimewechsel und die umgehende Positionierung ihres Personals in ukrainischen Unternehmen dort eigentlich noch garnicht aktiv sind, im Gegensatz zu den bösen Russen?

    „Augsteins Sprache ist militärisch geprägt“ will der Kommentar wissen. Weil er „Führer“ geschrieben hat? Das ist alles? Militärisch? Echt?

    Wenn man Augstein etwas zu Recht vorwerfen kann, dann ist es die Naivität, A. Merkel als nicht machpolitisch agierend zu beschreiben, denn wenn Merkel irgendetwas kann, dann Machtpolitik.

    Aber sonst? Das ist mal wieder so ein unerklärlicher Publikative-Gesinnungsaufsatz gegen geliebte Feinde. Anlass dazu bietet der Artikel zwar eigentlich nicht, aber die Publikative ist ja auch nicht dafür bekannt, viele Anlässe zu benötigen, um ihre sattsam bekannten Statements aus der Schublade zu holen und in neuem Gewand zu präsentieren. Unnötig.

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  3. Das ist sehr wohl „deutscher Populismus“, weil Augsteins Strategie hier gerade darin besteht, die Rolle Amerikas in diesen Konflikt aufzublähen, um die Deutschlands zu verharmlosen und damit der deutschen Rückkehr zur Großmacht den Weg zu bereiten.

    Es ging hier aber nie – wie der Artikel hier auch schreibt – um einen Beitritt der Ukraine in die amerikanisch dominierte NATO sondern in die deutsch dominierte EU.
    Sie und Augstein sehen das aber nicht, weil Sie noch voll im Kalten-Krieg-Tunnelblick drin sind und nur Washington und Moskau wahrnehmen. Dadurch entgeht Ihnen aber die kritische Distanz zur Rolle der eigenen Nation und sie kommen daher zu nationalistischen Schlüssen – Deutschand als verfolgte Unschuld und einsamer Mahner des Friedens zwischen bösartigen imperialistischen Agressoren.

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  4. Der Vergleich mit der Kuba Krise ist sicherlich überspitzt. Allerdings fischte auch Castro damals in klassischen Einflusssphären der USA. So wie die USA heute (angeblich?) in der (früheren) klassischen Einflusssphäre Russlands, der Ukraine nach Einfluss und Macht strebt.
    Wie auch immer – ich denke schon, dass Augstein das Meinungsspektrum sinnvoll ergänzt – Populismus kann ich in diesem Artikel nicht erkennen.
    Da schon eher in den immer mal wieder auftauchenden Versatzstücke russischer Propaganda im „Freitag“.

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  5. Ach der Artikel ist von Patrick Gensing … das hatte ich übersehen und das erklärt ja fast alles. Herr Gensing kommt einfach nicht umhin, das Austragen seiner privaten Fehden und Pflegen seiner wohlgehegten Ressentiments als Teil seiner journalistischen Arbeit zu verstehen. Da kommen dann solche Texte bei raus.

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  6. Die NATO ist seit Ewigkeiten an der Grenze zu Russland (Oblast Kaliningrad, Baltische Staaten etc.) Denkt man in geostrategischen bzw. -militärischen Kategorien von heute, machen die paar Kilometer der Ukraine keinen großen Unterschied. Seit 1996 sitzen Russland und die NATO an einem Tisch, seit 2001 haben beide aufs Engste miteinander zusammengearbeitet. Schonmal einen Überfall eines NATO-Staates auf einen anderen beobachtet (und jetzt bitte nicht mit dem Kosovo-Krieg kommen)? Die Beitrittskandidaten der NATO müssen bestimmten Kriterien entsprechen, was die NATO zu einem Stabilitätsraum werden lässt, an der ein Staatsoberhaupt, welches sein Regime nicht auf Unterdrückung, Machtvertikale, Ideologischem Antagonismus etc. aufbaut, wie es in Russland (verstärkt seit 2011) zu beobachten ist, das allergrößte Interesse hätte.

    Klar, die Osteuropäischen Staaten haben noch „eine Rechnung offen“. Frag mal die Westukrainer, Balten und Polen (respektive die auf dem Gebiet von damals lebenden Polen, Juden, Russen, Ukrainer, Deutschen etc.), ob sie gute Erinnerungen an die Zeit zwischen 1939 und 1941 haben…

    Scharfmacher in Kiew gibt es keine. Wenn Sie damit das berechtigte Interesse an einer Verteidigung des Landes meinen, dann sind Sie, mit Verlaub gesagt, ein Idiot!

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  7. …Patrick Gensing trifft den Nagel auf den Kopf. Selbst wenn zwischen Peking und Shanghai ein Sack Reis umfallen würde, stünde für Jakob Augstein fest, daß der Westen daran schuld und Angela Merkel die Verliererin ist, weil sie es nicht geschafft hat, ihn rechtzeitig wieder aufzurichten. Der durch zwei Wahlen nachgewiesene Wille der Ukrainer, sich in Richtung der EU zu orientieren, kommt bei ihm ebensowenig vor wie das an Schäbigkeit und Verlogenheit nicht mehr zu überbietende Verhalten der russischen Regierung und ihres Präsidenten, die – trotz nahezu lückenloser Beweiskette – bis heute ihre Verantwortung für die 298 Toten von MH17 und den Krieg in der Ukraine leugnen, obwohl alle Welt sehen kann, daß dort mit russischen Panzern, Artillerie- und Flugabwehrsystemen operiert wird, die bestimmt nicht von Bergleuten aus dem Donbass bedient werden. Augsteins nervtötende Tendenz, für alles Schlechte der Welt jedesmal Amerika oder Angela Merkel als Schuldige auszumachen, indiziert sein seltsames politisches Koordinatensystem – und, wie Gensing richtig anmerkt, seinen Unwillen, es vielleicht mal an die Wirklichkeit anzupassen.

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  8. Ich stimme Augstein nicht in allen Themen zu, aber diesen Artikel von Gensing find ich unsachlich und überzogen.

    Bei der Ukraine haben alle Seiten Fehler gemacht, die der EU sind haarsträubend auch.

    Nur – was nützt es?

    Dem Land wird es in der EU auch nicht sonderlich gut gehen. Zumindest, was die Mehrheit der Bevölkerung angeht.
    Demokratie und Fortschritt sind ja gut, aber überall gefährdet. Und die EU steht jenseits jeden rechten Populismus` oder auch anderer nicht immer ehrlichen Kritiken nun nicht gerade für den Interessenausgleich innerhalb der Gesellschaft, wie er gedacht war.

    Auch in Deutschland gibt es zu wenige gute Debatten, zu viel Boulevardisierung, wie man das so nennt. Und tatsächlich immer wieder von vielen Seiten zugleich durchgenudelte Themen, aber nicht wirklich alle.

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  9. Ach der Artikel ist von „Max“ … das hatte ich übersehen und das erklärt ja fast alles. Max kommt einfach nicht umhin, das Austragen seiner privaten Fehden und Pflegen seiner wohlgehegten Ressentiments („linker“ Antisemitismu – sorry: „legitimer Antizionismus“) als Teil seiner kommentierenden Arbeit zu verstehen. Da kommen dann solche Kommentare bei raus.

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  10. Ach Uri,
    ich habe doch das, auf das du hier so gerne aufsatteln willst, wohlweislich nicht geschrieben. Aber wenn du magst, kannst du natürlich auch an dieser Stelle über Israels Siedlungspolitik räsonieren. Tu dir keinen Zwang an.

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  11. @ Max

    warum fällt dir eigentlich zum Thema Ukraine die Israelische Siedlungspolitik ein??

    Zur Israelischen Siedlungspolitik fällt mir ein Text von Martin Kloke ein und daraus ein Zitat, extra für dich rausgesucht, gelle…..

    http://www.compass-infodienst.de/Martin_Kloke__Israel_-_Alptraum_der_deutschen_Linken.2400.0.html

    Zitat:

    Der Biograf Otto Schilys schildert eindrücklich das israelpolitische Damaskuserlebnis des ehemaligen Grünen-Politikers – 1987 bei einer Begegnung mit dem Siedler Elyakim Haetzni in der Wüste von Judäa: „‚Warum siedeln Sie hier?‘, fragt Schoppe [Schilys Fraktionskollegin] – die Antwort ist ein Wutausbruch. ‚Was wollt ihr Deutschen hier? Wir haben bei euch gesiedelt, und ihr habt uns in die Gaskammern geschickt. Jetzt kommt ihr und fragt, warum wir hier siedeln.‘“

    Zitat Ende

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  12. Danke, wollte diese 35 Jahre zurück liegende Szene auch in Erinnerung rufen. Aber gewissen Berufs-Antisemiten fällt angesichts zahlreicher Morde an Juden in Europa allein in diesem Jahr, sowie angesichts mehrerer Friedhofsschändungen jüdischer Friedhöfe in Frankreich und Deutschland:
    http://www.t-online.de/regionales/id_72898984/oldenburg-juedischer-friedhof-in-oldenburg-erneut-geschaendet.html

    http://www.taz.de/Nach-Schaendung-juedischer-Graeber/!154841/

    halt nix anderes ein als ihr antisemitischen antisemitischen Reflex. Lassen wird dies.

    „Allein es ist eine schreckliche Wahrheit von heute, dass es in breiten Schichten des deutschen Bewusstseins von heute offenbar positive Erinnerungen gibt an ein Drittes Reich, das mit Stolz als judenfrei deklariert werden konnte. Dergleichen ersehnen viele auch heute noch abermals herbei. In keiner tiefen Schicht aber des heutigen deutschen Bewusstseins findet sich irgendeine traumatische Erinnerung an die von Deutschen begangenen Menschheitsverbrechen. Nach 1919 hatte es im deutschen Bewusstsein keine deutsche Niederlage gegeben. Heute hat es offenbar für die Mehrheit der nun Heranwachsenden auch den Holocaust nicht gegeben. Was war das eigentlich gewesen? War das überhaupt etwas gewesen? Finanziell gut gepolsterte Zeitschriften behaupten, das sei alles nichts anderes als jüdischer Schwindel. Sorgen machen mir nicht die jungen Glatzköpfe. Sorgen machen mir die Geldgeber der Organisationen, die Goebbels-Epigonen“ (Hans Mayer, „Der Widerruf“, 1994, S. 444f.).

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