„…eine Schande für die Menschheit“: 32 Thesen zu „Pegida“

Während der Zentralrat der Juden in Deutschland große Sorge ob der anti-muslimischen Demonstrationen von PEGIDA hat, zeigt Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) Verständnis für PEGIDA und meint, dort würden „Sorgen vor den Herausforderungen der heutigen Zeit“ artikuliert. PEGIDA steht jedoch für den Rassismus der deutschen Mitte. Deutschland war zudem nie Teil des „Abendlandes“, die Deutschen haben seit der Varusschlacht im Jahr 9 CE die Römer (=den Westen) bekämpft und einen anderen Weg als die westliche Zivilisation beschritten.

Von Clemens Heni*, mit freundlicher Genehmigung der Ruhrbarone

1) Wie Christian Geyer im Feuilleton der FAZ schreibt, erleben wir derzeit den „Triumph des Ressentiments“. Im Anschluss an Geyer geht es um die „pauschale Zurückweisung des fremdenfeindlichen Settings“ von PEGIDA (Patriotische Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes).

2) Bundesjustizminister Heiko Maas hat Recht und nicht sein SPD-Vorsitzender und Vize-Kanzler Sigmar Gabriel oder der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer: PEGIDA ist eine Schande und kein Hilfeschrei.

3) Es geht nicht um eine Therapiestunde für angeblich verunsicherte Dresdner. Es geht um die Abwehr des Rassismus, der vom Extremismus der Mitte, für die PEGIDA steht, ausgeht und sich völlig unverschämt in aller verbalen und symbolischen Brutalität, die von bis zu 15.000 oder mehr Leuten ausgeht, zeigt.

4) Jetzt wäre die Zeit der ANTIFA, die es (in angemessener Größe) nicht mehr gibt.

5) Deutschland hat aus den über 180 Morden von Neonazis und Rechtsextremen an Migranten, Obdachlosen, Nicht-Deutsch-Genug-Aussehenden, Punkern, Homosexuellen, Linken und anderen seit 1989 nichts gelernt.

6) Die Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) an Migranten (2000–2006), die im November 2011 aufgedeckt wurden, haben dieses Land zu keinem Zeitpunkt wirklich erschüttert.

7) Wie die Huffington Post schreibt, gibt es in Deutschland Antisemitismus und „Islamhass“ gleichzeitig. Damit wird keineswegs eine Analogie des auf die Vernichtung der Juden ausgerichteten Antisemitismus mit Rassismus und Islamhass intoniert aber die extrem gefährliche Hetze gegen Muslime erkannt.

8) PEGIDA hat gar nichts gegen Islamismus. Als im Frühsommer 2014 Salafisten in Dresden demonstrierten, gab es außer bei der Jüdischen Gemeinde kaum einen Aufschrei, wie die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Dresden, Nora Goldenbogen, im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen gegen PEGIDA betont.

9) PEGIDA hat viel mit den Islamisten gemein: beide lieben homogene Kulturen, Traditionen, Heimat und Familie.

10) Filmaufnahmen von Panorama (ARD) beweisen den antisemitischen Charakter von PEGIDA, wo Demoteilnehmer davon reden, Deutschland sei „ein besetztes Land“ und bekäme seine „Befehle aus Washington und Tel Aviv“.

11) Die hunderttausendfach in Buchform gekaufte antisemitische Verschwörungsliteratur in Zuge des 11. September 2001 ist typischer Ausdruck von PEGIDA, die in deutscher antiintellektueller Manier von der „Lügenpresse“ schwadronieren.

12) Worauf fast niemand eingeht bislang: Das Symbol von PEGIDA auf dem Fronttransparent ist die Gleichsetzung von Hakenkreuz und Sowjetunion. Damit werden das Spezifische des Nationalsozialismus und des Holocaust abgewehrt bzw. geleugnet. Diese Gleichsetzung von rot und braun wird in der Forschung als „sekundärer Antisemitismus“ bezeichnet, der in der Schuldabwehr einen Ausdruck findet, und hat z.B. in der auch von Joachim Gauck unterzeichneten „Prager Erklärung“ von 2008 ihren vielleicht sichtbarsten Ausdruck gefunden, wie es wissenschaftliche Untersuchungen analysiert haben.

Der "deutsche Boden" ist zurück. "PEgida" in Dresden, Foto: Johannes Grunert
Der „deutsche Boden“ ist zurück. „PEgida“ in Dresden, Foto: Johannes Grunert

13) Gregor Gysi und die Linkspartei verharmlosen PEGIDA, wenn der Fraktionschef der Linken im Bundestag davon spricht, viele Demonstranten hätten „Ängste“ vor dem „sozialen Abstieg“. So wie die Linken damit den Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus von PEGIDA diminuieren, so verharmlosen Gysi, Sahra Wagenknecht, Dieter Dehm, Roger Willemsen, Katja Kipping, Bernd Riexinger, Oskar Lafontaine, Dietmar Bartsch, Konstantin Wecker und andere den Nationalsozialismus und die Shoah, wenn sie für den 11. Januar 2015 in die Berliner Volksbühne zu einer Konferenz mit dem Titel „1945 – Befreiung von kapitalistischer Barbarei“ einladen. Damit wird geleugnet, dass der Nationalsozialismus eine deutsche, antisemitische Volksgemeinschaft war und keine typisch kapitalistische Gesellschaft wie England, Amerika, Australien oder Frankreich. Der Titel der Konferenz insinuiert, es wäre im SS-Staat um eine ganz normale kapitalistische Profitmaximierung gegangen und nicht um die Vernichtung der Juden um der Vernichtung willen. Diese implizite Leugnung der Präzedenzlosigkeit von Sobibor, Majdanek und Babi Yar und der Sinnlosigkeit der Shoah steht typisch für das vollkommene Versagen fast der gesamten linken Theorie bezüglich des Nationalsozialismus und der Shoah.

14) In alter CSU-Manier (Franz-Josef Strauß) wird die ANTIFA mit Nazis gleichgesetzt.

15) In populistischer Manier wird zudem von PEGIDA in ihrem Frontbanner der Islam mit dem Nazismus gleichgesetzt. Damit wird eine seriöse Diskussion über Islamismus und die Differenz zwischen Islam als Religion und Islamismus als Ideologie, wie sie von weltweit führenden Islam- und Nahostforschern eingefordert wird (Daniel Pipes), verunmöglicht. Alle Muslime werden auf perfide Art und Weise diffamiert.

16) Seiten wie ACHGUT bedienen seit langem häufig Ressentiments gegen „den“ Islam und alles Linke, Ökologische, gegen das Gender-Mainstreaming und vieles andere mehr. Das Promoten von Thilo Sarrazin, dessen stolzdeutsches Agitationsbuch „Deutschland schafft sich ab“ 2010 ein Millionenbestseller wurde, ging federführend auch von dieser Seite aus.

17) Manche Autoren, die viele Verdienste im Kampf gegen den Antisemitismus haben und früher gegen „die neuen Nazis“ angingen, nach 9/11 gegen die antiamerikanische Schadenfreude und das Derealisieren der islamistischen Gefahr sich wenden, argumentieren ebenso zu Recht gegen die Obsession, die jüdische und muslimische „Beschneidung“ zu denunzieren. Sie scheinen aber offenbar nicht zu registrieren, dass z.B. bei PEGIDA oder HOGESA (Hooligans gegen Salafisten) einige der übelsten Agitatoren gegen das Judentum, den Islam und die Beschneidung, wie der Bundesvorsitzende der Partei Die Freiheit, Michael Stürzenberger, und somit auch die bekannteste Hetzseite gegen Muslime, Politically Incorrect (PI), mit dabei sind.

18) Wer angesichts von Millionen von Flüchtlingen weltweit, von denen nur einige wenige in EUropa überhaupt ankommen, den Rassismus der Anti-Flüchtlingsbewegung PEGIDA nicht sofort erkennt, hat keinerlei Empathie mit den Flüchtlingen dieser Welt.

19) PEGIDA ist eine Schande für die Menschheit.

20) PEGIDA zeigt die unabschätzbare Gefahr, die vom Extremismus des deutschen Spießbürgers ausgehen kann.

21) Wo waren manche Autorinnen und Autoren, Politiker und Politikerinnen, die jetzt zu Recht angewidert sind von den Rassisten und Nationalisten bei PEGIDA und sich endlich lautstark äußern, als im Sommer 2014 „Hitler hatte Recht“ oder „Juden-ins-Gas“ von der antizionistischen Internationale geschrien wurde?

22) PEGIDA hat keinen Begriff von Islamismus, da PEGIDA selbst für die Unterhöhlung oder Ablehnung der parlamentarischen Demokratie und der westlichen, vielfältigen Lebensweise steht. Die Rede von der „Lügenpresse“ und „dem System“ stehen dafür paradigmatisch. Wer zu Geld- oder Sachspenden an islamistische Gruppen wie Hamas, Hisbollah oder den Islamischen Staat aufruft oder sich den Gruppen direkt oder indirekt anschließt, fördert den Islamismus oder ist selbst Islamist. Islamismus ist aber gerade nicht identisch mit Terrorismus. Vielmehr hat die Forschung herausgearbeitet, dass es eine Strategie des Islamismus ist, in Gegenden, wo der bewaffnete Kampf eher unrealistisch erscheint, wie in Deutschland, Amerika oder Europa, legal vorzugehen und den jeweiligen Gesetzen aus strategischen aber nicht aus normativen Gründen zu folgen, ja sie strikt zu befolgen. Das widerspricht der ideologischen Präferenz des Islamismus für islamisches Recht (Scharia), das umzusetzen in die Zukunft verschoben wird, gerade nicht. Die Forschung wie der „World Almanac of Islamism“ des „American Foreign Policy Council“ aus USA spricht dabei von „gesetzestreuem Islamismus“. Ähnlich agieren auch Rechtsextremisten, die keineswegs nur illegal und terroristisch (NSU, Wehrsportgruppe Hoffmann uvm.) auftraten, vielmehr den legalen Marsch durch die Institutionen längst angetreten haben. In beiden Fällen, Islamismus oder Rechtsextremismus, geht es um eine allmähliche Veränderung der politischen Kultur des jeweiligen Landes. PEGIDA ist der deutlichste Ausdruck dieser Veränderung hin zu einem offenen Hass auf alle Nicht-Deutschen und Nicht-Stolzdeutschen.

23) Das wahnhafte schwarzrotgoldene Taumeln im Jahr 2014 angesichts einer Fußball-Männer-Weltmeisterschaft indiziert die geistige Leere eines ganzen Landes und fällt jetzt im schwarzrotgoldenen Fahnenmeer von PEGIDA auf das Land zurück.

24) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein Einwanderungsland mit einer heterogenen Bevölkerungsstruktur.

25) Eine Demokratie zeigt sich darin, wie sie mit Minderheiten umgeht.

26) Salafisten/Islamisten und PEGIDA/HOGESA sind zwei Seiten einer extremistischen Medaille.

27) Wenn jene, die sich als pro-israelisch positionieren, nicht erkennen, dass in Israel 20% Muslime und Araber leben und in Deutschland 5% Muslime, sollten sie Nachhilfeunterricht in Zionismus nehmen. Der Zionismus von David Ben-Gurion, Ze’ev Jabotinsky, Kurt Blumenfeld und anderen basierte auf dem Zusammenleben von Juden und Muslimen/Arabern (sowie Drusen, Christen und anderen Minderheiten religiöser, ethnischer oder sonstiger Art) ohne den jüdischen Charakter Israels in Frage zu stellen.

28) Das „Abendland“ gab es in Deutschland nie. Die deutsche, anti-westliche Geschichte kulminierte im Nationalsozialismus (Peter Viereck, „Metapolitics“, Dissertation, Harvard University, 1942, publiziert 1941).

29) Eine Verteidigung des „Abendlandes in Deutschland“ vernebelt, trivialisiert oder leugnet, was in Buchenwald, Treblinka und Auschwitz von Deutschen verbrochen wurde.

30) Die Rede von einem „christlich-jüdischen Abendland“ entwirklicht, dass das Christentum von den jüdischen Anteilen nie etwas wissen wollte, sie rein instrumentell benutzte und nicht symbiotisch rezipierte, und macht zudem eine bewusste Front gegen den Islam auf, von dem Europa und die westliche Welt auch vieles aufnahmen, gleich wenn das häufig verschüttet ist.

31) PEGIDA und der „Gaucho“-Tanz der deutschen Fußballer am Brandenburger Tor zeigen die Fratze der deutschen Helene-Fischer-und-Tatort-Gemütlichkeit.

32) Talkshows liefern seit Jahren nicht nur dem allgemeinen geistigen Niedergang sondern auch den Populisten und Rassisten Futter. Letzteren geben sie Podien, Beispiel: der Alternative für Deutschland (AfD), die bereits in Landesparlamenten sitzt und mit PEGIDA kokettiert bzw. sie unterstützt. Viele Talkmaster/innen können seit Wochen nicht mehr richtig schlafen, weil PEGIDA partout nicht in ihre Shows kommen will.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel gibt nicht unbedingt die Meinung der Herausgeber von Publikative.org wieder, sondern ist ein Diskussionsbeitrag von einem Gastautor!

*Dr. phil. Clemens Heni ist Politikwissenschaftler und Direktor des Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA). Er promovierte 2006 an der Universität Innsbruck mit der Studie „Ein völkischer Beobachter in der BRD. Die Salonfähigkeit neu-rechter Ideologeme am Beispiel Henning Eichberg“.

24 Kommentare zu „„…eine Schande für die Menschheit“: 32 Thesen zu „Pegida“

  1. ihr seit sooo peinlich ! Aber wenn der Stuhl wackelt dann muss man mit allen mitteln dagegen schiessen! Ihr seit schon Geschichte nur wisst ihr es noch nicht

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  2. „die Deutschen haben seit der Varusschlacht“, „die Römer = der Westen“
    Was das denn für ein Quatsch? Ist es wirklich sinnvoll, Blödsinn mit Blödsinn zu begegnen?

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  3. „Damit wird geleugnet, dass der Nationalsozialismus eine deutsche, antisemitische Volksgemeinschaft war und keine typisch kapitalistische Gesellschaft wie England, Amerika, Australien oder Frankreich.“ Wie bitte?? Der Nationalsozialismus war eine antisemitische UND eine geradezu typische kapitalistische Gesellschaft mit globalen Finanziers. Die Gelder für die Anfänge der NSDAP kamen direkt aus der deutschen Chemieindustrie (IG-Farben) und der kriegsprofitablen Stahlindustrie Thyssen und Krupp. Ohne die US-Patente von Standard Oil hätte es nie aus Kohle gewonnenes synthetisches Flugzeugbenzin für die Luftwaffe gegeben. Ebenso beteiligte sich General Electric mit dem deutschen Ableger AEG (Allgemeine Elektrizitäts Gesellschaft) und Osram am „elektrifizierten“ Aufstieg Hitlers.

    Dass die AfD eine Partei der kleinen islamophoben Leute ist, wäre doch eine genauso irrige Behauptung. Der AfD EU-Abgeordnete und Ex-BDI-Chef Hans Olaf Henkel war immerhin bis vor kurzem Aufsichtsrat bei Bayer AG und Daimler Luft- & Raumfahrt AG . Er soll als Freund Sarrazins und sozialdarwinistischer „racist bank advisor“ bei der deutschen Filiale der Bank of America kräftig bei der Deregulierung des Finanzsystems mitgeholfen haben und er dient eifrig den Interessen der Großindustrie. [Empfehlung: „Wall Street and the Rise of Hitler“ von Antony C. Sutton; http://www.huffingtonpost.com/william-k-black/open-letter-to-bofa-chair_b_453801.html%5D

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  4. Diesen Beitrag finde ich ausnahmsweise nicht sonderlich stark. Es mögen zwar ein paar richtige Feststellungen dabei sein, doch mir leuchtet bei vielen Punkten nicht ein, inwiefern es sich dabei um „Thesen“ handeln soll (z. B. bei „PEGIDA ist eine Schande für die Menschheit“). Aus meiner Sicht sollten nur solche Aussagen als Thesen bezeichnet werden, die auch in irgendeiner Weise falsifizierbar sind. Des Weiteren weist diese Aufzählung m. E. keine wirklich sinnvolle Struktur auf. Es ist vielleicht zu viel erwartet, so kurz nach Aufkommen dieser Bewegung schon tiefer gehende Analysen zu erwarten, doch gerade die Oberflächlichkeit, mit der PEGINA-Sympathisant*innen an das Thema herangehen (und in den Kommentarspalten auch noch dafür gefeiert werden: http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article135586551/Das-deutsche-Festival-des-Wahnsinns.html ), gebietet es eigentlich, dass „wir Gegner*innen“ in der Analyse und Einordnung des Phänomens ein bisschen tiefer graben, anstatt auch nur unsere ersten Reflexe zu Blatt zu bringen.

    Die Stoßrichtung der „Thesen“ finde ich im Grunde genommen richtig, da ich es ebenfalls für falsch halte, PEDIGA in irgendeiner Weise entschuldigen zu wollen. Daran müsste aus meiner Sicht aber z. B. eine Kritik an dem Begriff der „Angstbürger“ anknüpfen, der so oft zur Beschreibung und Erklärung von PEDIGA herhalten muss. Aus meiner Sicht ist der Begriff der Angst irreführend, da er den Rassismus der PEGIDA-Protagonist*innen zu einem individuellen, fast schon pathologischen Problem macht und davon ablenkt, dass es sich hierbei um ein gesellschaftliches Phänomen handelt, das nicht mit Mitteln der Psychologie sondern viel eher der Soziologie analysiert und erklärt werden sollte. So wäre es doch viel sinnvoller, z. B. zu untersuchen, welche gesellschaftlichen Normen und Praxen zu den diskriminierenden Einstellungen führen, die bei PEGIDA gerade so geballt auftauchen… Dazu zählt m. E. zum Beispiel die Unterscheidung zwischen „politisch Verfolgten“ und „Wirtschaftsflüchtlingen“, die in unseren Gesetzen und Diskursen so oft reproduziert wird und die auch PEDIDA in ihrem „Positionspapier“ so bereitwillig aufgreifen.

    An diesen angeblichen „Selbstverständlichkeiten“ der Asylpolitik (die mir so z. T. leider auch bei Amnesty International begegnen) sollten wir endlich mal rütteln, da wir sonst Teil des Problems und nicht der Lösung sind. Das bedeutet aber auch, dass wir tatsächlich auch nach politischen Lösungen dafür suchen müssen, wie eine vollständige Öffnung der europäischen Grenzen vorangetrieben und praktiziert werden kann; wie die vielfach beschworenen „legalen Fluchtwege“ hergestellt werden können; wie eine „dezentrale Unterbringung“ von Geflüchteten bewerkstelligt werden kann etc. … Forderungen wie „Bleiberecht für Alle“ sagen sich immer ganz leicht, doch mir fehlt es bisher an wirklich durchdachten politischen Konzepten, die auch wirklich versprechen, solche Maximalforderungen (wie ich sie ja auch vertrete) in realistischer Weise umsetzen zu können. Das Problem ist vielleicht, dass wir dann mit einer Offenheit und Ehrlichkeit sprechen müssten, die ich bei vielen am Flüchtlingsschutz interessierten Menschen tatsächlich nicht sehe (ohne hier Konzessionen an PEGIDA machen zu wollen). Ein „Bleiberecht für Alle“ zu fordern, ohne tatsächlich auch harte Einschnitte in den jetzigen gesellschaftlichen Status quo der EU und in das Leben ihrer Bürger*innen zu verlangen ist aus meiner Sicht nicht möglich. Diejenigen, die den PEDIGA-Idiot*innen etc. weismachen wollen, dass eine wirklich aufnahmebereite Politik – die über unsere jetzige Asylgesetzgebung hinausgeht und sich nicht nur auf politisch Verfolgte beschränkt – ohne ökonomische und gesellschaftliche Probleme ablaufen würde (→ Wohnungsknappheit, Arbeitsplätze, Überlastung der sozialen Sicherungssysteme etc.), die sind aus meiner Sicht tatsächlich auf einem falschen Trip, der auf lange Sicht nicht weiterhilft, sondern Bewegungen wie PEGIDA eher noch verstärkt.

    Wir, die wir uns für die Aufnahme aller Menschen in Not einsetzen, sollten in einem ersten Schritt also ehrlich auf unsere Mitbürger*innen zugehen und ihnen sagen: Ja, wir wollen euch etwas abverlangen, aber aus gutem Grund… Und dabei sollten wir zuallererst zu den Bewohner*innen „bürgerlicher“ Wohngebiete gehen, die sich oft so erfolgreich gegen Asylbewerber*innenunterkünfte wehren und dafür verantwortlich sind, dass selbige oft in Außenbereiche und Problembezirke ausgelagert werden. Und dann sollten wir in einem zweiten Schritt auch Lösungskonzepte entwickeln und auf politischer Bühne propagieren, welche tatsächlich die notwendigen Einschnitte beinhalten. Ein „Bleiberecht für alle“ kann nicht gehen, ohne dass z. B. Wohnungs- und Immobilienbesitzer*innen notfalls auch gesetzlich zur Aufnahme von Geflüchteten gezwungen werden (was so neuartig nicht wäre, sondern in Ausnahmefällen sogar jetzt schon von Gerichten praktiziert wird, wenn etwa ein harter Winter droht, zu wenig Unterkünfte bereitstehen und eine Mietswohnung gerade frei wird). Eine dementsprechende Radikalität und Ehrlichkeit würde ich mir von allen linken und liberalen Parteien hierzulande wünschen! So lange die deutsche Dominanzgesellschaft an der Unterscheidung von legitimen und illegitimen Fluchtgründen festhält, müssen wir uns über Bewegungen wie PEGIDA nicht wundern. Im Grunde genommen passen sie dann doch eigentlich perfekt in das gesamtgesellschaftliche Bild!

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  5. und nochwas stößt hier sauer auf und passt nicht ins Bild:
    Der hier erwähnte “weltweit führende Islam- und Nahostforscher” Daniel Pipes gehört zu den äußerst-rechten Hardlinern und Kriegstreibern in USA und ist bei Robert Spencer und PI-News USA viel zitiert. Das von Pipes gegründete “Middle East Forum” ist teil des harten Kerns des islamophoben Netzwerks in USA. Dagegen ist Achgut peanuts.

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  6. Genau so ist es … das Problem ist nur, die „mitlaufenden Massen“ in Dresden, haben die erforderliche moralische Kompetenz, die sie in die Lage versetzen könnte ihr Tun zu begreifen, nie erworben! Hier offenbart sich das totale Versagen unseres Bildungssystems.

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  7. Gegenthesen zu den gröbsten Fehlern

    2.) Wer an PEGIDA ausgerechnet eine „Schande für Deutschland“ erkennen will teilt den nationalistischen Standpunkt der Patrioten bereits: Ausgerechnet Deutschland als Opfer zu stylisieren – armes Deutschland, über das Schande gebracht wird! – und nicht als Beweggrund der Patrioten zu kritisieren hat schon eine besonders zynische Note

    5.) Na klar hat Deutschland was gelernt, aber halt was anderes als Clemens Heni sich vielleicht wünscht. Wegen 180 Toten ändert ein Staat halt nicht seine Politik und betreibt natürlich weiter die Seperierung in In- wie Ausländer. Sein Menschenmaterial vollzieht diese Trennung dann gleich mit und beginnt selbst zu Sortieren, wer des Volkes Meinung nach hier her gehört und wer nicht. Diese Trennung ist übrigens derart Brutal, das jedes Jahr hunderte Menschen im Mittelmeer ertrinken. Warum sollten 180 Tote, die einmal nicht direkt vom Staat sondern von den Fans der deutschen Nation erschlagen wurden, daran auch etwas ändern?!

    6.) Deutschland war erschüttert, aber wieder anders als der Autor sich das gewünscht hätte. Das schlimme an Beate & Co ist für den Staat erstmal, dass sich hier Bürger entschieden haben, dass Recht in eigene Hand zu nehmen und das Gewaltmonopol zu umgehen. Tote Türken – zumindest das könnte ein linker Artikelschreiber wissen – erschüttern natürlich Deutschland nicht. Und weil das gerne missverstanden wird: Das ist kein Argument gegen Türken sondern gegen den Staat.

    13.) Gysi redet genug Schrott, aber das die Demonstranten „Ängste“ vor dem „sozialen Abstieg“ hätten, ist keine Verharmlosung PEGIDAS. Warum sollte auch der (saudumme) Versuch einer Erklärung, warum die Demonstrationen so viele Leute ziehen, auch gleich deren Rechtfertigung sein?!

    „Saudumm“ ist die Erklärung von Gysi übrigens, weil „Angst“ kein Grund für keine spezielle Analyse ist. Wer Angst hat (und die hab ich übrigens auch manchmal) wird ja zu keinem Bestimmten Urteil von ihr getrieben: Sozialer Abstieg kann also genauso dazu führen, dass jemand noch entschlossener für die Demokratie eintritt, Kommunist wird oder sich mehr in seinem Kegelverein engagiert. Der Grund für die großen PEGIDA-Demonstrationen ist eben nicht in der materiellen Situation zu suchen, sondern in den falschen Urteilen welche sich die Leute über die Welt machen.

    19.) Was ist den „die Menschheit“ für ein Geistersubjekt? Hab ich beim Einkaufen ganz selten getroffen, die Menschheit. PEGIDA soll also eine Schande für brasillianische Straßenkinder sein? Echt? Oder gar für PEGIDA selbst – oder sind das jetzt keine Menschen mehr? Was ist an Schande überhaupt schlecht?

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    1. „“Saudumm” ist die Erklärung von Gysi übrigens, weil “Angst” kein Grund für keine spezielle Analyse ist. Wer Angst hat (und die hab ich übrigens auch manchmal) wird ja zu keinem Bestimmten Urteil von ihr getrieben: Sozialer Abstieg kann also genauso dazu führen, dass jemand noch entschlossener für die Demokratie eintritt, Kommunist wird oder sich mehr in seinem Kegelverein engagiert. Der Grund für die großen PEGIDA-Demonstrationen ist eben nicht in der materiellen Situation zu suchen, sondern in den falschen Urteilen welche sich die Leute über die Welt machen.“ Du weißt aber schon, dass normale leute ihre urteile über die welt nicht erst fällen, wenn sie alles haarklein analysiert haben und alle argumente und gegenargumente gelernt haben, sondern dass die tatsache, dass da leute durch die stadt laufen und was von islamisierung erzählen schon grund genug sein kann, da mit zulaufen, weil man so seiner angst ausdruck verleihen kann. Insofern beeinflusst die materielle situation der leute sehr stark diese „Urteile“.

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  8. Es bleibt zu fragen, ob der Zentralrat der Juden in Deutschland sich hier auf dünnes Eis begibt, wenn er Pegida und AfD den Kampf ansagt; zumindest dürfte seine Haltung auf Unverständnis bei denen stoßen, die nur zu gerne von „Eurabia“ faseln und den Hass auf Muslime schüren, wo und wie es nur geht. Und diese Leute heißen Pipes und Rosenwald, oder Geller und Caroline Glick stammen aus den USA und erheben den Anspruch, dass sie und nur sie wissen, wie sich die Welt und vor allem ihr heißgeliebtes Israel zu verhalten habe. Dabei sind sie keineswegs gewillt, diese Entscheidung den Europäern, Amerikanern oder Israelis kampflos selbst zu überlassen- mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln wird Hirnwäsche betrieben (Latma TV), unliebsame amerikanische und israelische Wähler werden als Linke und Selbsthasser diffamiert ohne Ende, Geüchte über angebliche Massenvergewaltigungen durch muslimische Einwanderer in Norwegen und Schweden wandern seit Jahren von einer Hass-Seite im Netz zur anderen und werden in Deutschland nicht nur von den hinlänglich bekannten PI-News übernommen; zu nennen wären vor allem die Seiten „Jihad Watch Deutschland“ und „Heplev-abseits vom Mainstream“, die ihrerseits die besten Verbindungen zur Israellobby haben.
    Millionen werden über das „Gatestone Institute“ der Versandhauserbin Nina Rosenwald an Geert Wilders gezahlt, angeblich , damit er seine Anwälte bezahlen kann, in Wahrheit geht das Geld wohl an ihn selbst zu Wahlkampfzwecken.
    Das neu-rechte Netzwerk bekommt von diesen Leuten die heißbegehrten „Persilscheine“ ausgestellt: Wer so nett zu Israel ist, der ist selbstverständlich kein Nazi, basta! Und wer mit Israel den Feind teilt, der ist eben ein Freund.
    Broder verstieg sich vor Jahren schon zu der Behauptung, Wilders sei ein Bürgerrechtler. Vom Vorhandensein eines wie auch immer gearteten Rechtspopulismus will der böse alte Mann, der nach eigenen Worten mehr Steuern zahle als ganz Neukölln zusammen, auch nichts wissen- er streitet ab, dass es so etwas überhaupt gäbe.
    Herr Schuster wird ein starkes Rückgrat brauchen.

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  9. So ein Schwachsinn hab` ich schon lange nicht gelesen. Keine dieser Thesen kann man auf irgendetwas stützen.

    Die Linksextremisten sind Heuchler und Vaterlandsverräter mit ihren Parolen unter anderen mit
    „Nieder mit Deutschland“.

    Das ist die wahre Schande für Deutschland.

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  10. So ein Unsinn. Ich bin noch dabei, mir eine Meinung zu bilden und muß sagen, daß die Pegida-Bewegung die glaubhafteren Argumente hat. Die Pegida-Bewegung wird es wohl schwer haben gegen so viele derartig verhetzte Menschen.

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  11. Und wieder leben wir in einer Zeit brnnender Flüchtlingsheime. Der radikale Rassismus unterstützt vom demonstrierenden Pöbel- erlebt seit Lichtenhagen, Hoyerswerda und Solingen eine Renaissance.

    Herr Dr. Heni fordert unter anderem „4) Jetzt wäre die Zeit der ANTIFA, die es (in angemessener Größe) nicht mehr gibt.“

    Die Antifa, insbesondere die radikale Bewegungslinke war in den letzen Jahrzehnten ständig aktiv, wenn es um Demos gegen Naziaufmärsche und tagtägliche Recherche etc. ging. Beispiele gibt es genug allein aus Dortmund zu berichten.

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  12. Antisemitismus spielt bei Pegida eine Rolle – aber nur für einen Teil der TeilnehmerInnen. Der Schwerpunkt von Pegida ist Rassismus bzw. antimuslimischer Rassismus.

    HoGeSa & PEGIDA – neue Nationalrassistische Massenbewegung in Deutschland – Nationalsozialismus 2.0?

    ch komme zu dem Schluss – es besteht ein Unterschied zwischen Pegida-Dresden und den westdeutschen Pegida Ablegern. Pegida-Dresden ist der sogenannte „bürgerliche“ Bruder der „HoGeSa“ – getragen von den WählerInnen von NPD, AfD, Reps und Co. Die restlichen GIDAs entsprechen dagegen HoGeSa

    BOGIDA: “Es ist für mich unerheblich, ob es den Holocaust gegeben hat”- neue Nationalrassistische Massenbewegung in Deutschland – TEIL 3

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  13. Zu These 10: Für den Autor beweisen Filmaufnahmen von Panorama den antisemitischen Charakter der PEDIDA, weil Demoteilnehmer davon reden, dass Deutschland ein besetztes Land sei und seine Befehle aus USA und Israel bekäme???? Ist dem nicht so? Dann ist man also Antisemit? Läßt die heutige Linke sich vor den USraelischen Karren spannen? Vor 25 Jahren selbst aktiv in der Antifa, war das Feindbild klar: USA und Israel! Sind die heute die Guten? Wir hätten niemals mit der CDU gemeinsam Für oder Gegen etwas demonstriert!!! NIEMALS!!! ( Dresden Anti-Pegida Demo), oder mit DER BILD Zeitung kooperiert!!! NIEMALS!! Wo und wofür stehen Linke und Antifa heute? Fakt ist: Seit den 68ern hat es keine politische Bewegung geschafft das Establishment und die Bürger so aufzurütteln, wie es Pegida gelungen ist! Lasst uns die Gelegenheit nutzen, um Veränderungen zu erreichen. Der Feind ist immer noch der Gleiche, aber die Probleme, die diese USraelische Finanzdiktatur „erwirtschaftet“ nehmen bedrohliche Ausmasse an und dagegen sollten wir GEMEISAM vorgehen, zum Wohle ALLER Menschen!
    Amis raus aus unserem Land!

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