Das lustigste Volk der Welt

Neuerdings sind die Deutschen das lustigste und humorvollste Volk auf der Welt. Ehrlich. Humor wird hier hoch geachtet und bis zur letzten Patrone verteidigt…

Von Ramona Ambs, zuerst erschienen bei hagalil

Kürzlich zeigte sich das sehr deutlich. Da hat doch so ein dahergelaufener Moslem einen Anschlag verübt. Auf den deutschen Humor. Der deutsche Humor hieß in dem Fall Dieter Nuhr und er hatte über den Islam gelacht.

Das ist ganz einfach: Ein paar derbe Koranstellen zitieren und dann sagen, dass Islam Frieden bedeutet. Das geht immer. Jeder lacht. Naja, außer den Muslimen eben. Aber dass die keinen Humor haben, weiß doch jeder… die lachen doch nicht, die sind doch immer sofort beleidigt…dass weiß man so sicher, wie dass die Roma klauen und die Juden die Strippen ziehen. Das ist eine Volkswahrheit: Muslime haben keinen Humor.

Jedenfalls hat also dieser Moslem den Dieter Nuhr angezeigt, weil er sich in seinen religiösen Gefühlen verletzt gesehen hat. Normalerweise könnte man ja nun einfach weiterlachen über diese Gesetzgebung, die es ermöglicht, jemanden im 21. Jahrhundert wegen religiöser Hetze anzuzeigen… aber über sowas lacht man nicht in Deutschland. Dabei hat der § 166 StGB großes humoristisches Potential…

In Deutschland ist aber an so einem Malheur keinesfalls die Gesetzeslage schuld, sondern der Fremde, auch wenn der sich perfekt in die deutsche Anzeigenmeierei integriert hat.

In den sozialen Netzwerken jedenfalls schossen die „Solidarität für Dieter Nuhr- Gruppen“ nur so aus dem Nichts empor und freuten sich an exorbitanten Zuwachsraten. Die Ritter des Humors verteidigen nämlich die Freiheit der Satire gegen jeden Moslem!

Schade ist natürlich, dass die Deutschen ihre Liebe zum Humor erst bei Dieter Nuhr entdeckt haben. Carolin Kebekus hätte nämlich auch ein paar Ritter gebrauchen können, als sie vergangenes Jahr aus dem gleichen Grund gleich mehrere Male angezeigt wurde. Aber da war es eben nicht nur ein humorloser Moslem, sondern hundert spaßbefreite Christen, die sich juristisch zur Wehr setzten. Also gaaaanz was anderes. In ihrem Satirevideos “Dunk dem Herrn” hatte sich Kebekus erlaubt, die Kirche und ihr seltsames Verhältnis zur Sexualität zu kritisieren. Dabei war sie ungefähr so witzig wie Dieter Nuhr, aber die religiösen Gefühle, die sie verletzt hat, waren halt katholisch – und nicht muslimisch. Das war einfach die falsche Zielgruppe, – so aus publikumswirksamer Sicht betrachtet.

Neben den vielen Anzeigen, die übrigens genauso wenig weiter verfolgt wurden, wie die des Moslems, hatte Kebekus noch zahlreiche Drohungen erhalten und das eigentliche Video wurde vorsorglich vom WDR nicht ausgestrahlt. Es hieß dazu “Der Sender steht für Liberalität und Toleranz. Das bedeutet auch, die religiösen Überzeugungen der Bevölkerung zu achten und die Verunglimpfung religiöser Symbole in seinen Sendungen nicht zuzulassen. Dazu gibt es klare Regelungen im WDR-Gesetz.“

Junge Junge, haben die ein Glück gehabt, dass die Deutschen damals noch nicht entdeckt hatten, dass sie ein Herz für Humor haben. Nicht auszudenken, welche revolutionären Ausschreitungen es vor dem Sendegebäude in Köln hätte geben können, wenn die Deutschen für die Freiheit der Satire auf die Barrikaden gegangen wären. Man hätte womöglich die Ausweisung der Piusbrüder gefordert, weil diese für die Anzeigen gegen Kebekus verantwortlich waren. Geht doch in den Vatikan, wenns Euch hier nicht passt!- hätte die Meute gerufen! „Wir lassen uns von Christen nicht die Meinungsfreiheit verbieten!“ wäre auf Schildern gestanden… ist aber natürlich alles nicht so gewesen. Nicht, weil hierzulande mit zweierlei Maß gemessen würde, nein, sondern weil die Deutschen damals noch nicht wussten, wie wichtig ihnen Humor ist. Heut ist das anders. Heutzutage sind sie das lustigste Volk der Welt!

12 Kommentare zu „Das lustigste Volk der Welt

  1. „Auf die Frage, wann Kebekus ein Satirevideo über den Islam produziere, sagte die Komikerin: „Bevor ich mich über eine andere Religion auslasse, kehre ich doch vor meiner eigenen Haustür. Ich bin katholisch.“ Die damalige Situation in der Kirche habe sie persönlich berührt. „Ich war auf der Bischofskonferenz, ich habe gehört, wie herablassend die da mit den Leuten umgegangen sind, die Reformen gefordert haben.“

    Über die Urheber der Drohungen sagte Kebekus, sie habe sie nicht als harmlos empfunden. „Das waren genauso Fundamentalisten, wie es sie in jeder anderen Religion gibt.“ “
    http://www.spiegel.de/panorama/leute/carolin-kebekus-komikerin-nach-kirchenkritischem-video-bedroht-a-997770.html

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  2. Nimmt man dem Artikel mal den Sarkasmus weg, bleibt nicht viel übrig, außer: wer den Islam doof findet, muss auch den Katholizismus doof finden.
    Abgesehen davon, dass Kebekus wenig mehr tut als anti-katholische Ressentiments zu bedienen, wo entsprechende Würdenträger nur als ein Haufen vom Papst verordneter Kinderficker auftreten.
    Das mulmige Gefühl, das Dieter Nuhr durch sein Programm Wers glaubt wird selig, wenn er unter anderem vom Islam gesprochen hat, mittelalterliche Rechtssprechung, Fatwen (von der er auch eine erhalten hat) und eben auch „empfindliche“ Reaktionen, die bis zum Mord gereichen, wenn es um ein böses Wort über den Islam gibt; ja, das ist ja der eigentliche Rassismus, gleiche neben diebischen Zigeunern und gierigen Juden, schon klar, und durch nichts mit realen Ereignissen verbunden.
    Es ist aber ganz richtig, dass Solidaritätskampagnen mit Dieter Nuhr wohl in Fällen wenig mit dem Bedürfnis der Deutschen nach Humor zu tun hat. Dass Applaus von der falschen Seite kommt, bitte sehr, dann aber nicht so einen Scheiß verzapfen.

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  3. Soso, auf der einen Seite sind das „Ressentiments“, auf der anderen basiert das natürlich auf „realen Ereignissen“. Die „Ressentiments“ gegen die katholische Kirche entspringen natürlich Kebikusscher Phantasie während der Islam ja ganz reell voll böse ist. Alles sehr schlüssig.

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  4. Ich würd den Artikel gern so klug finden, wie er gemeint ist, aber der Vergleich hinkt doch an zu vielen Enden. Die Behauptung, dass „die Deutschen“ (Überspitzung klar – aber zumindest die Mehrheit der Deutschen scheint ja gemeint zu sein) Islamsatire verteidigt aber Christentumssatire pikiert zurückweist, ist in der Steilheit einfach Blödsinn. Es gibt massenhaft Comedy auf Kosten der katholischen Kirche und ihrer Missbrauchsskandale , an der die Mehrheit im Lande keinen Anstoß nimmt (übrigens auch von Dieter Nuhr, was mir in der ganzen Debatte um ihn zu sehr untergeht: http://www.myspass.de/shows/tvshows/der-deutsche-comedy-preis/Dieter-Nuhr-ueber-Papst-Berlusconi-und-die-Jugend–/6297/).

    Wenn man ergründen will, warum das im Fall Kebekus anders war, sollte man ihre Nummer und die von Nuhr vielleicht doch mal genauer anschauen und vergleichen, als einfach nur festzuhalten, dass beides gleich unlustig ist. Während es bei Nuhr eine rein verbale Auseinandersetzung mit dem, was er am Islam kritisiert, ist, fährt Kebekus eine Menge Bildgewalt auf: Sie rappt in der Kirche, leckt ein Kruzifix ab, lüftet vor Christus die Nonnenkutte – das alles ist in der generellen Empfindung ein größerer Tabubruch als die Nuhr-Satire (wie es auch umgekehrt der größere Tabubruch wäre, wenn Nuhr einem Mohamed-Bildnis den Schniedel zeigen würde).

    Klar, was an Satire okay ist und was nicht, ist Geschmackssache und egal, was man davon hält, nichts rechtfertigt Drohungen, Gewalt etc. – aber ich hab schon mehr Verständnis für den WDR, dem die Nummer von Kebekus zu heikel ist, als für jemanden, der Nuhrs Nummer als Fall für die Gerichte sieht.

    Man darf sich die einzelnen Fälle schon genauer anschauen, statt sie plump gegeneinander auszuspielen – es gibt schon genug Plumpheit in der ganzen Diskussion.

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  5. Kebekus ist lustig, Nuhr leider nur schnarchig. Da fehlt die Pointe. Allerdings hat die der Anzeigerstatter Erhat Toka nachgeliefert:

    “ »Ihr verdammten Israelis«, schreibt er auf Facebook. »Ich freue mich auf den Tag, an dem wir euch ins Meer treiben, ihr Hunde. Nieder mit Israel.« “
    http://jungle-world.com/artikel/2014/47/50972.html

    Rechtlich sind beide auf der sicheren Seite, solange sie nicht vor einer der Zensurkammern der deutschen Zivilgerichte landen, die halten allgemein nichts von Meinungsfreiheit. Weshalb ihre Urteile auch regelmässig vom Bundesverfassungsgericht aufgehoben werden.

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  6. Zu der Sache gibt es ein äußerst aufschlussreiches Interview mit Dieter Nuhr, in der seine Ausdrucksweise aus meiner Sicht für das illiberale Denken vieler Deutscher symptomatisch ist, was die Notwendigkeit des obigen Artikels unterstreicht (http://www.welt.de/politik/deutschland/article133657850/Herr-Nuhr-sind-Sie-ein-islamophober-Hassprediger.html). So darin fällt der Satz:

    „Man will ausländerfreundlich sein, man will aber auch Meinungsfreiheit. Und man will frauenfreundlich sein, aber auch ausländerfreundlich. Da gibt es dann eben Konflikte zwischen den einzelnen Werten.“

    Sozusagen „Der Ausländer“ gegen die Frauen und die Meinungsfreiheit? Ja, in der „Ausländerfreundlichkeit“ liegt offenbar das Grundproblem:

    „Das hängt eben damit zusammen, dass wir ausländerfreundlich sein wollen. […] Frauenfreundlichkeit, Ausländerfreundlichkeit, Religionsfreiheit: Das geht nicht alles konfliktfrei zusammen. Und dann entscheidet man sich halt für den billigsten Weg und akzeptiert, dass man in Sachen Islam den Mund hält.“

    Kurz: Alle Muslim*innen in der BRD sind natürlich „Ausländer“!? Und „Ausländern“ gegenüber freundlich gesinnt zu sein widerspricht grundsätzlich der Achtung von Frauen, der Meinungfreiheit und der Freiheit der Religionen!?

    Genauso scheint’s zu sein:

    „Wie schaffe ich es, zugleich ausländerfreundlich, frauenfreundlich und islamfreundlich zu sein? Und dann noch für freie Meinungsäußerung? Da muss man sich vierteilen, um das hinzukriegen.“

    Hinter diesem Denken kommen aus meiner Sicht tatsächlich ismlamophobe Ressentiments zum Ausdruck. Die Anzeige gegen ihn war aber trotzdem Quatsch und der Salafist, der sie ihm aufgedrückt hat und sich als Vorkämpfer der „intelligente[n] Unterhaltung für Akademiker“ aufspielt (zit. nach Jungle World 47/14, dschungel, S. 14) ist mitnichten liberaler eingestellt als er (http://www.ruhrbarone.de/comedy-islamist-erstattet-anzeige-dieter-nuhr/93089). So war gerade wieder zu lesen, dass sich Erhat Toka (so wörtlich) „auf den Tag [freut] an dem wir euch ins Meer treiben, ihr Hunde. Nieder mit Israel“ (zit nach Jungle World 47/14, dschungel, S. 14) . Wenn hier also jemand eine Anzeige verdient hat, dann ist es er selbst.

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