Xavier Naidoos Weg in die Reichsbürgerszene?

Naidoo bei Montagsmahnwachlern in Berlin (Foto: Oliver Feldhaus)
Naidoo bei Montagsmahnwachlern in Berlin (Foto: Oliver Feldhaus)

Xaiver Naidoos Weg endet offenbar in der Sackgasse, in der die Reichsbürger und Montagsmahnwachler ihre Zelte aufgeschlagen haben. Am Tag der deutschen Einheit trat der Schlagerstar in Berlin als Redner auf. Eine ideologische Analyse dieses Spektrum ist kaum noch möglich, zu wirr ist die Mischung aus Chemtrail-Opfern, Evangelikalen, ordinären Nazis und Verschwörungsideologen.

Querfront-Recherche hat das Spektakel gefilmt. Bei Youtube gibt es das Video, hier Beschreibung dazu.

Zwischen Bundestag und Kanzleramt demonstrierten am arbeitsfreien 3.
Oktober 2014 auf zwei bzw. drei Kundgebungen rund 300 sogenannte
Reichsbürger zusammen mit Nazis, Menschen der „Montagsmahnwache für den
Frieden“ und Verschwörungsideologen.

Initiatoren der Veranstaltungen vor dem Bundestag waren zum einen der
Antisemit Frank Poschau [00:21] mit einer Mini-Kundgebung und zum
anderen die Reichsbürger Rüdiger Klasen [01:16] von „Staatenlos“ und
Thomas Mann [02:21] vom „Freistaat Preußen“.
Die dritte Kundgebung vor dem Kanzleramt wurde von Teilen der
sogenannten Montagsmahnwache organisiert, die vor allem durch ihren
Antisemitismus in den vergangenen Monaten auffielen.

An den Kundgebungen nahmen u.a. Autonome Nationalisten aus Berlin
Hellersdorf und Oranienburg, der Berliner NPD-Chef Sebastian Schmidtke,

bundesweit angereiste teilweise gewalttätige Reichsbürger,
Holocaustleugner sowie Aktivisten der Montagsmahnwachen teil.

Nazis, Reichsbürger, Preußen... (Foto: Oliver Feldhaus)
Nazis, Reichsbürger, Preußen… (Foto: Oliver Feldhaus)

Für die Öffentlichkeit überraschend waren die Auftritte des
Schmusepopsängers Xavier Naidoo [03:38] [12:25] und der Gospelsängerin
Roberta Kelly [09:53] bei diesen rechten Kundgebungen.

Xavier Naidoo, der bei seinem ersten Auftritt vor dem Bundestag das
orange-schwarz gestreifte Sankt-Georgs-Band trug [07:53] – ursprünglich
ein militärischer Orden für besonders erfolgreiche Soldaten der
russischen Zarendynastien -, viel [sic] bereits in der Vergangenheit durch
wohlwollende Worte gegenüber den antisemitischen Montagsmahnwachen auf.

In Berlin propagierte er verschwörungsideologische Inhalte im
Zusammenhang mit den Terroranschlägen am 11.9.2001 in den USA. „Wer das
als Wahrheit hingenommen hat, was darüber erzählt wurde, der hat einen
Schleier vor den Augen – ganz einfach“, sagte Naidoo in seiner kurzen
Ansprache vor den reichsdeutschen Kundgebungsteilnehmern.

"Plutokratie der Zionisten" - antisemitische Parolen vor dem Kanzleramt in Berlin im Jahr 2014 (Foto: Oliver Feldhaus)
„Plutokratie der Zionisten“ – antisemitische Parolen vor dem Kanzleramt in Berlin im Jahr 2014 (Foto: Oliver Feldhaus)

Sichtlich erfreut über den Auftritt Naidoos auf „seiner“ Kundgebung war
der Ex-NPD-Funktionär Rüdiger Klasen [08:45], der wegen Mittäterschaft
bei einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingswohnheim in den 1990er Jahren
eine mehrjährige Haftstrafe verbüßte.

Neben Naidoo betragt auch Mario Benkert [09:21], „Leiter Abteilung Recht
im Generalstab“ des „Deutschen Polizeihilfswerks“ (DPHW) die Bühne am
Bundestag. In seiner Rede prahlte Benkert mit den verbrecherischen Taten
seiner Reichsbürger-Truppe, weswegen das DPHW in Sicherheitskreisen als
kriminelle Vereinigung geführt wird.

Die zweite Kundgebung, auf der Xavier Naidoo an diesem Nachmittag
auftrat, wurde vom antisemitischen Montagsmahnwachen-Aktivisten
Carschten Halter [11:57] und seinen Leuten organisiert, deren
Aktivitäten Naidoo ausdrücklich lobte: „Ich hab den größten Respekt vor
eurer Arbeit.“

Auf dieser Kundgebung vor dem Bundeskanzleramt erschienen Antisemiten
mit Transparenten in NS- und Stürmer-Stil [11:09]. „Erhebt euch gegen
die Plutokratie der Zionisten“, „Antisemitismus und Rassismus [ist]
Plutokratie & zionist(IS)isch“ sowie „Wahrheit macht frei“ war dort zu
lesen.

Wolken oder Chemtrails? Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. (Foto: Oliver Feldhaus)
Wolken oder Chemtrails? Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. (Foto: Oliver Feldhaus)

Und kaum war der Rede und Gesang von Naidoo verklungen, brüllte
Moderator Carschten Halter [15:22] antiisraelische Parolen in Mikro – so
als ob Israel mit Deutschland im Krieg sei.

Mit was für einer Klientel man es bei solchen Reichsbürger-Kundgebungen
zu tun hat, bewies der Chemtrail-Gegner Claus P. vom „Blauen Himmel
Berlin“ in einem aufgezeichneten Gespräch am Rande der Veranstaltung.
[16:46]
Zitat: „Die Gaskammer, die ich [in Auschwitz] gesehen habe, war keine
Gaskammer. […] Bezweiflung, dass ich hier zweifle, dass dort Menschen
umgebracht worden sind. Der Holocaust hat stattgefunden. Das hab ich nie
bezweifelt. Aber diese Anzahl, die in Auschwitz da dokumentiert worden
ist, die sind nicht dort entstanden, in dieser komischen Gaskammer. Ich
hab sie mir angeguckt. Das ist niemals eine Gaskammer gewesen. Die ist
angeblich … Meinen polnischen Kollegen wurde gesagt, das ist aufgebaut
worden nach den Weltkrieg, um uns zu diskreditieren. […] Aber in dem
Maße, wie uns das … mit sechs Millionen hat das nicht stattgefunden.
[…] Aber der hat stattgefunden.“

Publikative.org hatte bereits im April 2012 über Naidoos krude Weltsicht berichtet, als er seine Thesen über ein besetztes Deutschland im Morgenmagazin verbreiten konnte – und darüber, dass die „Reichsbewegung“ ein Video mit einem seiner Lieder unterlegt hat, was eben kein purer Zufall war.

Siehe auch: Naidoo als Soundtrack der “Reichsbewegung”?

19 Kommentare zu „Xavier Naidoos Weg in die Reichsbürgerszene?

  1. „Xavier Naidoo (…) VIEL bereits in der Vergangenheit durch
    wohlwollende Worte gegenüber den antisemitischen Montagsmahnwachen auf.“

    Really, Publikative? Really?

    Anm. d. Red.:

    Bitte genau lesen! Wir zitieren hier eine Quelle. Ja, dass ist ein Fehler, aber wir verändern keine Fehler in einem Zitat!

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    1. Davon abgesehen, dass dort ein Rechtschreibfehler drin ist, ist es auch inhaltlich komplett verkehrt. Xavier hat sich noch NIE zu den Mahnwachen geäußert und das diese „antisemitisch“ seien sollen habe ich auch anders erlebt. Gebt uns doch mal ein paar Belege dafür. Am besten welche die ihr aus eigener Erfahrung rezitieren könnt. Grüße

      Anm. d. Red.:

      Bitte folgen Sie diesem Link zum Thema Antisemitismus: http://lmgtfy.com/?q=Montagsdemo+Antisemitismus

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      1. Achso googeln muss ich das liebes Publikative-Team? Gebe zu fand ich gerade nicht ganz unlustig, Chapeau. Aber da ich schon weiß was ich unter der Kombination Montagsdemo+Antisemitismus finde, brauch ich das nicht googeln. Ich bat euch ja auch um eigene Erfahrungen. Meine, als monatelanger Teilnehmer der Hamburger Friedens-Mahnwache, ist nämlich eine sehr positive! Ein bunter Haufen Menschen aller Coleur und Einstellung. Ein offenes Mikrofon bei dem JEDEM Menschen die Chance gegeben wird sich zu äußern und wenn es jmd nicht passt was jmd anderes dort sagt, steht ihm/ihr frei sich ebenfalls dazu zu äußern. Akzeptanz nennt sich das. Ein Unterschied zu Toleranz btw. Einen schönen Abend wünsche ich!

        Anm. d. Red.:

        Nunja, wenigsten hat man bei uns was zu lachen. Nun zum Thema: Es gab bei verschiedenen Mahnwachen immer wieder antisemitische Ausfälle wie: „KZ Gaza“ oder „faschistischer Staat Israel“. Davon gibt es verschiedene Berichte. Außerdem ist ja recht zahlreich Personal bei den Mahnwachen aufgetaucht, die bereits durch antisemitische Äußerungen aufgefallen sind. Aber natürlich gibt es sicher auch andere Menschen auf diesen Veranstaltungen. Die Frage ist ja, wie gehen diese mit Neonazis und Antisemiten bzw. deren Äußerungen um…

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      2. Ich glaub einfach langsam ihr seid nicht mehr ganz dicht, entschuldigt bitte. Ich bin seit Maerz 2014 mehrfach die Woche in den Strassen, sowie jeden Montag am Alexanderplatz. Hinzu bin ich ein Antifaschist der ersten Stunde, mittlerweile bin ich 43. Carschten Halter ist uebrigens ein Freund von mir und bestimmt kein Neurechter. Inofrmiert euch mal und schaut was der Unterschied zwischen Antisemitismus und Zionismus ist.Eure Art hier Dinge darzustellen und bei Kritik mit Ausweichargumenten schoen zu reden ist unter aller Sau.
        Wie waere es denn mal mit einem Interview, oder einem Beusch bei uns ?
        Na ?
        Angst das es gefallen koennte, oder einfachnur Angst den Job zu verlieren, weil eure Chefs euch verbieten diese Veranstaltungen aufzusuchen ?

        Auf meinem Youtubekanal gibt es ueber 14 Stunden Material, in denen zu sehen und zu hoeren ist, das wir uns vom Faschismus distanzieren, weil er nicht zum Frieden beitraegt, was aber nicht heisst, das wir nur Taeubchen falten und Chai trinken.
        😉

        In diesem Sinne,

        *ANARCHO ERGO BUMM*

        Youtubekanal ?!
        Einfach mal den Kanal von rue de guerre suchen und dann die „Wende2.0“ Playlist.

        Ich hoffe, ich konnte helfen.

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    1. Das soll vermutlich Solidarität mit den russischen Separatisten in der Ukraine ausdrücken:

      „Die Separatisten tragen häufig Schleifen oder Fahnen in den Farben des Sankt-Georgs-Bandes, welches vom Kreml ab 2004 als Massensymbol für die Einheit Russlands verwendet wird und ursprünglich in Russland eine Erinnerung an den Sieg über den deutschen Faschismus war.“

      Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Krise_in_der_Ukraine_2014#Politische_und_milit.C3.A4rische_Ereignisse

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    2. Überall die selbe lügen hetze!!! Hat einer von euch überhaupt selber mal recherchiert oder schreibt ihr generell ohne Überprüfung ab??? Sorry aber als Journalismus kann man sowas nicht bezeichnen!

      Anm. d. Red.:

      Wir recherchieren nicht mehr, haben wir aufgegeben. Wir kopieren lediglich aus anderen Quellen…

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      1. „Wir recherchieren nicht mehr, haben wir aufgegeben. Wir kopieren lediglich aus anderen Quellen…“

        Tach Herr Guttenberg und bitte nicht einfach das Buch „Mein Kampf“ kopieren,
        oder etwa was zum Thema Hitlertagebuecher.
        Fuer das „nicht recherchieren“ dieser Tagebuchgeschichte hat in der Vergangenheit ein Journalist vom Stern ueber 3 Jahre
        im Knast gesessen, da es sich die Tagebuecher als Luege rausstellten.

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      2. Ich entschuldige mich fuer den groben Grammatikfehler im letzten Kommentar von mir.
        Tut mir leid, aber ich bin echt entsetzt, das man das auch noch so offen sagt, obwohl man Journalismus betribt.
        „Wir kopieren nur noch…“

        F*** COPY CAT !

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  2. Das st georgs band gibt es schon ein „bisschen“ länger und ist ein symbol gegen den Faschismus! Diese Überzeugung und das st georgs band hat schon die Nationen der ehemaligen UdSSR zur Vereinigung gegen den Faschismus geführt!

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  3. Bisschen bloed gewaehlte Bildunterschrift:“Nazis, Reichsbuerger, Preussen…“, und neben der unsaeglichen Fahne Preussens und des DT. Reiches (1871-1918) dann div. Fahnen der heutigen Bundeslaender in trauter Geselligkeit mit Union Jack und Stars&Stripes.

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  4. Das Georgsband ist das Symbol des russischen Militarismus und Neoimperialismus. Die faschistoide Art und Weise, wie es von den Kreml-Propagandisten als Massensymbol eingeführt und propagiert wurde erinnert sehr stark an die Etablierung des Hakenkreuzes in den 30er Jahren.

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