Der PR-Coup der Salafisten

Das Vorgehen ist seit Jahren bekannt: Ein paar Leute inszenieren eine Aktion, filmen das Ganze, stellen das Werk ins Netz – und warten auf einen empörten Aufschrei der Öffentlichkeit. Während diese Strategie bei Neonazis kaum noch funktioniert, haben Salafisten damit jetzt einen bahnbrechenden Erfolg verbucht.

Von Patrick Gensing

Die „Scharia-Polizei“ ist in den vergangenen zwei Tagen durch fast alle großen Medien gegangen, auch bei Facebook und Twitter sorgten die selbst ernannten islamistischen Ordnungshüter und Moralapostel für reichlich Aufsehen. Kaum jemand aber stellte die Frage, wie viele Leute in Wuppertal eigentlich tatsächlich auf Patrouille gegangen sind – und wie oft.

Screenshot aus einem Video der "Sharia-Police"
Screenshot aus einem Video der „Sharia-Police“

Man braucht nicht viel, um in Deutschland sogar die Bundesregierung in Alarmismus zu versetzen: Ein Smartphone, ein paar Westen und einige bärtige Leute. „Die Scharia wird auf deutschem Boden nicht geduldet“, sagte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) der „Bild“-Zeitung – so als stünde dies irgendwie auch nur ansatzweise zur Debatte.

Ernst nehmen

Selbstverständlich sollten ideologische Fanatiker, die eine lustfeindliche und ultrabrutale Steinzeit-Diktatur erkämpfen wollen, genau beobachtet werden. Sie meinen es verdammt ernst mit ihrer Mission und wie solche Leute mit ihren zahlreichen Gegnern umspringen, wenn sie die Gelegenheit dazu haben, zeigen die grausamen Bilder aus dem Irak. Wer behauptet, es existiere gar kein islamistischer Terror und dieser sei nur eine Erfindung der westlichen Geheimdienste, um die eigene Existenz zu legitimieren, sollte meiner Ansicht nach auf einer Montagsmahnwache vorsprechen. Dort wird ihnen geholfen.

Aber gerade weil man solche Strömungen ernst nehmen muss, ist eine vernünftige und angemessene Reaktion und Berichterstattung auf Provokationen so enorm wichtig. Die Selbstinszenierung der „Scharia-Polizei“ erinnert stark an die Medienstrategien von Neonazis, die mit gezielten Provokationen ein mediales Echo auslösen wollen. Drei Nazis fahren zu einem Flüchtlingsheim, führen ein paar Menschen vor, die überhaupt nicht verstehen, was da gerade passiert – und stellen das Ganze ins Netz.

Salafisten können sich bei Medien und Politik bedanken

Der entscheidende Unterschied dabei ist, dass Leute wie Innenminister de Maiziere bei Neonazi-Umtrieben gerne davor warnen, solche Phänomene nicht zu übertreiben, von Einzelfällen sprechen und Rechtsextremen keine Bühne bieten wollen, was sicherlich durchaus bedenkenswert ist, es kommt auf den konkreten Fall an.

Alles aber Bedenken, die im Fall der Salafisten keine Rolle spielen. Hier überbieten sich innenpolitische Hardliner in ihrer Empörung – und erweisen den Salafisten damit einen enormen Dienst. Die Idee der „Scharia-Polizei“ ist mit freundlicher Unterstützung von deutscher Politik und hiesigen Medien jetzt auf jeden Fall bundesweit bekannt, nachdem dieses Phänomen beispielsweise bereits Anfang 2013 in London thematisiert wurde, letztendlich aber alles andere als eine Massenbewegung wurde.

Es dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis die „Scharia-Polizei“-Videos in Deutschland weitere Nachahmer finden werden. Die Effektivität solcher Aktionen ist aus Sicht der Salafisten schlicht überragend.

14 Kommentare zu „Der PR-Coup der Salafisten

  1. Die Deutsche Politik wartet viel zu lange wieder ein Mal. Das ist doch der Gipfel, was da in Wuppertal ablief !!!In anderen Ländern greift die Polizei hart zu !!!

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    1. Entschuldigung, aber ich möchte doch in Frage stellen, ob es wünschenswert ist, dass „die Polizei“ hier „härter zugreift“, als sie das ohnehin schon tut.

      Warum sollte sie das in diesen Fällen auch tun? Strafbar sind die Handlungen der Scharia-Polizei per se nicht.

      Ihre Empörung ist indes genau das, was die Hauptthese des Artikels beschreibt.

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  2. Wenn Salafisten nachts durch die Stadt patroullieren, heißt das „Paralleljustiz“ und die Gesellschaft schreit auf. Den anständigen Deutschen, die sich in Bürgerwehren organisieren, werden dagegen Sicherheitspartnerschaften angeboten, damit sie die Heimat nachts frei von allem Fremden halten.
    Vor zwei Tagen hielt ich „Bürgerwehren“ in Deutschland noch für ziemlich absurd, bis ich in der TAZ auf Artikel zu einer Bürgerwehr in Eisenhüttenstadt gestoßen bin. Inzwischen musste ich lesen, dass es in mehreren deutschen Städten ähnliche Vorgänge gibt – und Stadt und Polizei das sehr gerne sehen. Ich komme aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus…

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  3. Sehr ich auch als PR Aktion, aber das schöne ist es schadet ihnen mehr als es nützt… jeden Tag schlechte Nachrichten über den Islam geht an Deutschland nicht spurlos vorbei… der Schaden wird niemals reparierbar werden… von daher ist der Islam auf dem Rückzug.

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  4. Der Vergleich hinkt. Auch einzelne Extremisten können für tausende Menschen brandgefährlich sein und die Empörung dieser Amtsanmaßung besteht ganz zu Recht.

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  5. Wenn die Berichterstattung über das DPHW, rechtsextreme, NPD-nahe selbsternannte Nachbarschaftswachen oder auch nur den sich ähnlich gebärenden „Sicherheitskräften aus dem HA-Milieu ähnlich groß wäre würden Zeitungsausträger in diesem Land wohlmöglich Sattelschlepper fahren. Das hier der PR-Aktion einer Handvoll Westenträgern besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird zeigt doch aber vor allem eines: Gefahren sind nur dann gegeben, wenn die Menschen anders aussehen.

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  6. Die Vergleiche zwischen NPD un Salafsisten passen von der Ideologie gut, beides beruhen im Kern auf faschistischen Ideen. Bei der Gefährlichkeit sind die Unterschiede riesig:
    Während die NPD fällt, die paar NPD-Dummköpfe sind bedeutungslos, ist das bei den Salafisten anders. Dort entsteht eine gewaltige Gefahr, die die Politik verschweigt.
    Ein Beispiel: Als der Islamist Merah vor einigen Jahren in Fr 7 Menschen ermordet hat (darunter jüdische Kinder- die waren sein Hauptziel), gab es kurz danach im Netz sofort um die zehntausend zustimmende Beiträge. FR hat dann den Server abgeschalten und das unterbunden. Ein beängistender Vorgang, der bei uns fast völlig verschwiegen wurde,

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