Deutscher Rap: Nicht jeder Rüpel ist ein Antisemit

Deutscher Rap hat ein Antisemitismusproblem und darüber muss gesprochen werden. Die Art, in der dies geschieht, ist bisweilen jedoch selbst fragwürdig. Das zeigte sich jüngst wieder, als ein NDR-Tatort noch vor seiner Ausstrahlung einen Sturm im Wasserglas entfachte.

Von Floris Biskamp

"Rüpel-Rapper" Haftbefehl ist reflektierter als mancher SZ-Karikaturist. (Foto: YouTube-Screenshot | https://www.youtube.com/watch?v=ve1RgXPWTdk)
„Rüpel-Rapper“ Haftbefehl ist reflektierter als mancher SZ-Karikaturist. (Foto: YouTube-Screenshot | https://www.youtube.com/watch?v=ve1RgXPWTdk)

Auslöser war eine Szene, in der sich Jugendliche ein Musikvideo des Rappers Haftbefehl ansehen. Skandalisiert wurde die – im Tatort gar nicht zu hörende – Zeile „Ich ticke Kokain an die Juden von der Börse.“ Auf den ersten Blick handelt es sich tatsächlich um einen Skandal: Die Zeile reproduziert ein gängiges Klischee über Juden und der Track, aus dem sie stammt, wird in einem öffentlich-rechtlichen TV-Format vor einem Millionenpublikum kritik- und kommentarlos wiedergegeben. Betrachtet man den Fall jedoch im gesellschaftlichen und künstlerischen Kontext, wird deutlich, dass die Stilisierung von Haftbefehl zum handfesten Antisemiten schlicht unangemessen ist.

Leider beruhen viele Texte über Antisemitismus im deutschen Rap darauf, dass sich Autoren die passenden Textstellen heraussuchen, sie hintereinander aufreihen und diese selbst erstellte Aneinanderreihung dann als einen roten Faden verkaufen. Mit einer solchen Herangehensweise kommt man zwar zu klaren Ergebnissen, aber zu keiner realistischen Einschätzung der Verbreitung von Antisemitismus im Hip Hop. Will man diese erreichen, muss man sich ernsthafter mit dem Genre auseinandersetzen, als es üblicherweise geschieht.

Systematische verbale Enthemmung

Zunächst gilt es zu verstehen, dass in breiten Strömungen des Hip Hop nicht nur eine verbale Enthemmung vorherrscht, sondern systematisch Normbruch um des Normbruchs willen betrieben wird – auch wenn damit oftmals gar kein entsprechendes Weltbild verbunden ist. Das lässt sich anhand der beiden Alben erläutern, die Kool Savas und Taktlo$$ um die Jahrtausendwende unter dem Namen Westberlin Maskulin veröffentlichten. Auf diesen finden sich neben einer schier endlosen Anzahl von sexistischen und frauenverachtenden Zeilen auch solche, in denen die beiden sich selbst als Nazis, die imaginären Battle-Gegner als Juden identifizieren. Wenn sie sich als „Berliner Angriffs-Sturmstaffel“ bezeichnen, ist das eine SS-Referenz, daran lassen sie keinen Zweifel: „Ich ziehe Parallelen und sehe mich als Gruppenleiter im ‚Rappen macht frei‘-Lager.“ Das Ziel „heißt Massenvernichtung von Wack-MCs.“ „Du bist Jude, ich bin Rassist.“ „Taktlesus, KKS sind Arier, Nigga!“

Jedoch findet man bei Westberlin Maskulin – so paradox es klingen mag – keinen Hinweis auf antisemitische oder rassistische Gesinnung. Es wird nirgends ein Bild von einer Gesellschaft konstruiert, die von finsteren Mächten im Hintergrund geschweige denn von Juden regiert wird; nirgends wird suggeriert, Juden seien in irgendeiner Hinsicht besonders gefährlich, hinterlistig, mächtig, klug, dumm oder sonst etwas. Im Gegenteil wird die vom Wortsinn der zitierten Stellen scheinbar implizierte ideologische Positionierung durch den Kontext immer wieder ad absurdum geführt. Beispielsweise wenn Taktlo$$ – selbst ein Schwarzer – rappt: „Ich kooperiere mit dem KKK und quäle Nigga nur so aus Spaß.“ Absurder noch Savas, der reimt: „Ich bin ein Nazi. Hitler ist mein Vater. Kool Savas ist mehr Rap als Afrika Bambaata!“

Jeder denkbare Normbruch wird vollzogen

Um Missverständnisse zu vermeiden: Es geht hier nicht darum, antisemitische Werke durch eine eigentliche, hinter den Werken verborgene Motivation der Künstler wegzudiskutieren: Wenn jemand ein antisemitisches Kunstwerk schafft, ist es relativ egal, welche Intention er damit verfolgt hat. Jedoch sind die Texte von Westberlin Maskulin einfach kein Beispiel für antisemitische Gesinnung, weil überhaupt kein entsprechendes Weltbild transportiert wird. Es wird einfach nur jeder auch nur denkbare Normbruch vollzogen. Das ist weder harmlos noch emanzipatorisch. Dumme Witze auf Kosten von Holocaust-Opfern sind schwer zu ertragende Geschmacklosigkeiten. Doch sind sie im Falle von Westberlin Maskulin eben genau das: gezielte Geschmacklosigkeiten, um den Geschmack zu verletzen. Die beiden sagen alles, ‚was man nicht sagt‘ – der Nationalsozialismus ist dabei nur eine Gelegenheit unter vielen. Einige Kostproben: „Der Fernseher ist an, ich freu mich über Tote im KZ, die Vergewaltigung im andern Film ist auch ganz nett.“ „Wer bastelt Briefbomben und verschickt sie wahllos? Taktlo$$.“ „Ich ficke dich jetzt und später dein Kind. Wenn ich AIDS haben sollte, hat es deine Mutter auch.“ „Maskulin im Auto mit der Uzi schießen wahllos auf Passanten.“

Jedoch wäre es falsch, aus diesen Überlegungen zu folgern, dass es im deutschen Rap keinen Antisemitismus gibt, der kritisiert werden muss. Diesen Fehlschluss zog Frédéric Schwilden kürzlich in der Welt, indem er kurzerhand jede Äußerung von Antisemitismus im Rap zum bloßen „Spiel, um die linksliberalen Spießer zu schocken“, erklärt – ein Spiel, das für ihn erst bei handfester Gewaltkriminalität aufhört:

Kein Spiel ist natürlich der reale Angriff auf den Rabbiner, das ist eine Straftat. Kein Spiel ist es, Schwule anzugreifen. Lesben zu bespucken. Ungläubige abzuziehen, weil sie eben Ungläubige sind. Das muss strafrechtlich verfolgt werden.

Damit macht er es sich aber zu einfach. Dies wird schon deutlich, weil sein Argument so allgemein formuliert ist, dass es streng genommen auch für Nazi-Bands wie Landser oder Gigi und die braunen Stadtmusikanten gelten müsste. Auch deren Texte und Auftritte strotzen schließlich vor Mittelfinger-Mentalität und Ironie, auch deren Protagonisten kommen wohl aus Milieus, in denen man wenige verbale Hemmungen kennt und gerne die linksliberale Öffentlichkeit provoziert. Auch hier müsste man mit Schwilden sagen: Gewalt ist Gewalt, aber Kunst ist Kunst und eigentlich nur ein Spiel.

Hassverbrechen beginnen nicht bei körperlicher Gewalt

Jedoch ist ein antisemitischer Überfall mehr als bloß ein Überfall, er ist das Produkt einer Ideologie, welche die Täter zuvor aufgesogen haben. Daher ist auch das Äußern und Verbreiten der Ideologie, die zu solchen Hassverbrechen führt, Teil des Problems. Es ist relativ leicht herauszuarbeiten, dass die oben genannten Nazi-Bands ihre Ideologie trotz aller ironischen Textzeilen ernst meinen.

Ernstgemeinte antisemitische Ideologie findet man auch im deutschen Rap. Dafür sollte man aber nicht als erstes an den verbal explizitesten Stellen suchen. Im Gegenteil finden sich die ärgsten Manifestationen antisemitischer Ideologie meist in Tracks, die als kluge oder gar mutige Kritik gesellschaftlicher Zustände daherkommen. Problematisch sind vor allem zwei Motive: Zum einen verschwörungstheoretische Texte, in denen Politik und Gesellschaft insgesamt als Produkt finsterer Mächte und Geheimorganisationen dargestellt werden. Diese werden dann mal explizit mit Juden identifiziert, mal bleibt es beim Geraune über Freimaurer, Logen, Bilderberger oder andere Strippenzieher. Zum anderen sprechen deutsche Rapper immer wieder den Nahostkonflikt an, der dabei oft zu einer einseitigen völkermörderischen Unterdrückung friedlicher, hilf- und wehrloser Palästinenser durch bösartige Israelis umgedeutet wird. Sowohl die verschwörungstheoretische Deutung der Gesellschaft als auch die Dämonisierung und Delegitimierung Israels sind bekannte Ausdrucksformen antisemitischer Ideologie.

„Kontra Netanjahu“, „kontra Tel Aviv“, „kontra Zins“, „kontra Parasit“!

Besonders problematisch wird es, wenn beide Motive zusammenkommen und Israel explizit als Teil einer Verschwörung inszeniert wird, welche die Gesellschaft dominiert. Ein Beispiel hierfür ist der kürzlich veröffentlichte Track Contraband der beiden Ruhrgebiet-Rapper Fard und Snaga. Die Strophen bestehen wesentlich aus einer Aneinanderreihung von Schlagworten, in denen die beiden sich für alles aussprechen was im autoritär-antisemitisch-antiimperialistischen Weltbild als gut gilt: „Pro Mujaheddin, pro Falestine“, „pro Mahatma Gandhi, Martin Luther King und Che Guevara“, „pro Freiheit“ „und ja, pro Todesstrafe für Kinderschänder“.

Mit dieser Identifikation geht eine Feinderklärung einher, die aus einem Sammelsurium von Motiven aus Antisemitismus und Verschwörungstheorie besteht: „Kontra Netanjahu“, „kontra Tel Aviv“, „kontra Bank“, „kontra Zins“, „kontra Parasit“ und „kollektiv, kontra Bilderberger, Volksverräter, Hintermänner“. Frédéric Schwilden beharrt darauf, dass es sich auch bei diesem Track um ‚Spiel‘ und um bloße Provokation handelt – doch damit täuscht er sich. Denn eine ironische Brechung der antisemitischen Feindbestimmung findet sich im Track nicht. Die im Video zu sehenden Schusswaffen dürften ebenso falsch sein wie die behauptete Militanz. Das antisemitische Weltbild dagegen, das ist echt.

Versteht man, dass der Antisemitismus im deutschen Rap nicht so sehr in den Pöbel-Lines sondern in den ernsthaften zu suchen ist, wird umso deutlicher dass Hip Hop in Sachen Antisemitismus kein popkulturelles Monopol, ja nicht einmal eine Sonderstellung innehat. Sowohl strukturell antisemitische Verschwörungstheorien als auch israelbezogenen Antisemitismus findet man leicht auch im Deutschpunk, im Hardcore, bei linken und bei rechten Liedermachern sowie bei britischen Prog-Rock-Legenden.

Doch wie ist es nun um Haftbefehl bestellt? In den Texten des Offenbachers finden sich vier problematische Stellen. Die schlimmste ist die älteste. In einer seiner ersten Aufnahmen heißt es:

Du nennst mich Terrorrist ich nenne dich Hurensohn,
Gebe George Bush ein Kopfschuss und verfluche das Judentum,
Habe euch durchschaut und sage das zu eurem Krieg,
Ihr wollt nur Waffen verkaufen und die Taschen voll mit Kies.

Viel offener als in diesem Jahre vor seinen ersten professionellen Veröffentlichungen aufgenommenen Track kann Antisemitismus nicht auftreten. Antisemitische Aussagen von dieser Deutlichkeit finden sich in seinen späteren Texten jedoch überhaupt nicht mehr. Im Gegenteil hat sich Haftbefehl später in aller wünschenswerten Deutlichkeit von diesen Zeilen distanziert.

Auch die Hochkultur wimmelt von „Börsenjuden“

Hinzu kommen explizite Aussagen über Juden, nämlich: „Ich ticke Kokain an die Juden von der Börse“, und: „Mein jüdischer Anwalt holt mich da raus“. Damit werden Klischees über Juden reproduziert, denen ‚klassisch-jüdische‘ Tätigkeiten zugeschrieben werden. Doch die jüngst von diesen Zeilen ausgelöste Aufregung ist nicht nachvollziehbar. Der Bezug auf Juden ist aufgrund der im Genre üblichen verbalen Enthemmung zwar offener formuliert, als man es gewohnt ist – doch in wie vielen anderen Zeugnissen der modernen Kultur, in wie vielen Theaterstücken, Büchern, Filmen oder Serien gibt es jüdische Figuren, die im Finanzsektor oder im Rechtswesen arbeiten? Es sei an den Bankdirektor Leo Fischel in Robert Musils Mann ohne Eigenschaften sowie an den Anwalt Maurice Levy in The Wire erinnert. Hätte es im Wasserglas denn auch gestürmt, wenn im Tatort bildungsbürgerliche Protagonist_innen gezeigt worden wären, die eines dieser beiden Werke konsumieren? Oder wirklich antisemitische Zeugnisse der ‚Hochkultur‘ wie Walsers Tod eines Kritikers, Wagners Parsifal oder Fassbinders Die Stadt, der Müll und der Tod? Wäre der Tatort dann auch dann zum Fall für den Rundfunkrat geworden? Hätten bild.de, focus.de und welt.de umgehend Artikel rausgehauen? Wohl kaum.

Eine andere Qualität hat der Track Free Palestine, ebenfalls aus dem Jahre 2010. In diesem gänzlich ernsthaften, unironischen Text bekennen sich Haftbefehl und sein Partner Chaker zwar zunächst zur Gleichheit aller Menschen („Mensch ist Mensch. Egal ob Isaak, ob Ismail“), die Verletzung dieser Norm werfen sie jedoch vor allem Israel vor. Ihre Analyse des Nahostkonflikts ist nicht nur einseitig, sondern trägt auch deutlich verschwörungstheoretische Züge: „Alles dreht sich um Geld. Ihr denkt nur ans Abkassieren und an die Prämien. Alle Präsidenten dieser Welt, treffen sich auf ein‘ Kaffee und ne‘ Line in Bolivien. Alles Lügen in den Medien.“ Dementsprechend fällt auch die Lösung des Konflikts aus: „Ich sag Free Palestine! Stoppt den Krieg! Boykott Israel!“ Hier handelt es sich nicht um Ironie, Provokation oder ‚Spiel‘, sondern um Gesinnung, um israelbezogenen und verschwörungstheoretischen Antisemitismus à la Augstein, Grass, Süddeutsche Zeitung oder Linkspartei.

Haftbefehl ist weiter als mancher Feuilleton-Karikaturist

Jedoch hat Haftbefehl dem linksliberalen Feuilleton zweierlei voraus: Erstens datieren seine letzten antisemitischen Textpassagen aus dem Jahre 2010, in den zahlreichen neueren Veröffentlichung finden sich keine derartigen Zeilen mehr. Zweitens fällt Haftbefehl dadurch angenehm auf, dass seine Reaktionen auf die Kritik an den antisemitischen Passagen von tatsächlichem Problembewusstsein zeugen. In seiner nach dem Tatort veröffentlichten Erklärung nimmt er zwar zunächst die in solchen Erklärungen leider üblichen Verleugnungen vor und führt aus, er könne gar kein Antisemit sein, weil er ja nichts gegen Juden habe. Jedoch hält er auch fest:

Ein Aspekt des Antisemitismus ist die Gleichsetzung vom Judentum und Geld, die ich für falsch und dumm halte. Ich verstehe und sehe ein, dass bei Vorurteilen gegenüber Juden und anderen Minderheiten – besonders in diesem Land – jede Aussage auf die Goldwaage gelegt werden muss.

Für einen „antisemitischen Rüpel-Rapper“ (so Daniel Killy in der Jüdischen Allgemeinen über Haftbefehl) gar nicht so schlecht, oder? Jedenfalls um Längen reflektierter als die typischen Reaktionen linksliberaler Feuilletonisten. Nachdem der SZ-Karikaturist Burkhard Mohr dafür kritisiert worden war, dass er Facebook-Gründer Mark Zuckerberg als gierige Krake illustriert hatte, schrieb er: „Es tut mir sehr leid, dass es zu diesem Missverständnis gekommen ist.“ Damit negiert er den antisemitischen Gehalt seines Bildes einfach. Der Subtext lautet: „Das Problem ist nicht, dass ich Juden als Kraken zeichne, das Problem seid Ihr, die Ihr mich missversteht.“

Kurzum: Die deutsche Gesellschaft hat ein Antisemitismusproblem, das auch im deutschen Rap im Allgemeinen und in einigen Zeilen von Haftbefehl im Besonderen zum Ausdruck kommt. Deswegen aber so zu tun, als sei Haftbefehl ein relevanter Akteur des deutschen Antisemitismus, dessen bloßes Auftauchen im Tatort skandalös wäre, ist maßlos übertrieben und übersieht relevantere Ausdrucksformen von Antisemitismus – sowohl im Hip Hop als auch in der sonstigen Gegenwartskultur.

24 Kommentare zu „Deutscher Rap: Nicht jeder Rüpel ist ein Antisemit

  1. „[…]um Gesinnung, um israelbezogenen und verschwörungstheoretischen Antisemitismus à la Augstein, Grass, Süddeutsche Zeitung oder Linkspartei“

    Habt ihr dazu mal einen Artikel verfasst? Gerade im Bezug auf Augstein und die SZ verstehe ich das nicht.

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  2. Danke für den interessanten Artikel. Ich kann mir zwar schwer vorstellen, dass Antisemitismus bei durchcoreographierten Rap-Songs ausschließlich zur Provokation verwendet wird, aber deshalb ist es doch möglich. Bleibt die Frage, wie Juden (und Andere) vor rüpelden Rappern geschützt werden können.

    Ob Faßbinders „Der Müll, die Stadt und der Tod“ antisemitisch ist, bin ich mir sehr unsicher, nachdem den Film vor einigen Jahren mit FreundInnen geschaut habe (in der Absicht den Antismeitismus des Films zu analysieren). Moishe Postone glaubt, der handele von Antisemitismus in einer zerstörten Gesellschaft http://www.antifa-frankfurt.org/antisemitismus/postoneZuFassbinder.pdf Unabhängig davon war es richtig, dass das Theaterstück damals in Frankfurt nicht aufgeführt wurde, nachdem die jüdische Gemeinde deutlich gemacht hatte, wie sehr sie das Theaterstück verletzt.

    Der jüdische Anwalt in „The Wire“ war mir auch aufgefallen. Zweifellos erfüllt er antisemitische Klischees. Aber diese Rolle macht die Serie nicht zu einer antisemitischen.

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  3. „…israelbezogenen und verschwörungstheoretischen Antisemitismus à la Augstein, Grass, Süddeutsche Zeitung oder Linkspartei.“

    Die Fähigkeit zu differenzieren hat der Autor mit diesem Artikel zum Antisemitismus im deutschen Hip Hop eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Deshalb ist es nur als schizophren zu bezeichnen, dass er im selben Text derart pauschale Urteile über die Süddeutsche Zeitung und die Linkspartei fällt.

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    1. „Antisemitismus à la Augstein, Grass, Süddeutsche Zeitung oder Linkspartei“ ist kein pauschales Urteil. „À la“ heißt „nach Art von“. Wenn man etwa von einem „Hühnchen à la Bocuse“ schreibt, heißt das ja auch nicht, dass alles, was Bocuse macht, Hühnchen ist.

      In „Free Palestine“ findet man die Art Antisemitismus, die man auch in SZ oder Linkspartei findet. End of Story.

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      1. Ganz schwache Antwort. Sie wollen doch ein Wissenschaftler sein. Vielleicht sollten sie mal versuchen etwas weniger belehrend und dafür etwas selbstkritischer zu sein. Dann würde ihnen vielleicht der logische Fehler ihrer Argumentation auffallen.

        „Antisemitismus à la XXX“ bedeutet, dass XXX auf jeden Fall antisemitisch ist, nur eben auf eine bestimmte Art. Das ist ein pauschales Urteil. „Hühnchen à la Bocuse“ ist auch auf jeden Fall ein Hühnchen. Aber das „End of Story“ zeigt schon deutlich, wie sie mit Kritik umgehen: Abbügeln und vergessen.

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      2. >>>“Antisemitismus à la XXX” bedeutet, dass XXX auf jeden Fall antisemitisch ist, nur eben auf eine bestimmte Art. Das ist ein pauschales Urteil. “Hühnchen à la Bocuse” ist auch auf jeden Fall ein Hühnchen.<<<

        Nein, es heißt lediglich, dass es bei XXX Antisemitismus gibt, dass unter allem, was XXX hervorbringt, auch Antisemitisches zu finden ist. Das ist kein pauschales Urteil, sondern ein bestimmtes. Dass es in den Fällen von Augstein, Grass, Linkspartei und SZ zutrifft, wurde — auch auf publikative.org — bereits hinreichend dargelegt.

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  4. Interessant, wie man bei Westberlin Maskulin noch die gröbsten Texte umfassend mit dem feinsten Skalpell seziert, um die Abwesenheit von wasauchimmer zu beweisen, während zugleich in einem einzigen Satz absurde Verallgemeinerung über „Augstein, Süddeutsche Zeitung und Linkspartei“ rausgehauen werden.
    Das wird immer mehr eine selbstreferezielle Angelegenheit hier. Was euch gefällt wird verteidigt, was euch nicht gefällt gedisst.

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    1. Das eine wird analysiert, das andere ist die Vergleichsgröße — was daran liegen könnte, dass es ein Text über Antisemitismus im Hip Hop ist. Augstein und co. wurden auf publikative.org schon oft genug traktiert…und Ironie hat in in seinem Israel-Bashing bislang noch niemand entdecken können.

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      1. Dafür, dass ihr gerade beim Thema „Antisemitismus“ so gern mit der großen Kelle austeilt, seid ihr wirklich verdammt dünnhäutig, wenn euch jemand kritisch auf derartige Verallgemeinerungen anspricht. „Traktiert“ ist übrigens ein gutes Wort für eure Form der kritischen Auseinandersetzung mit Dingen, die euch nicht passen.

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  5. …finde das auch grenzwertig. „Ich verstehe und sehe ein, dass bei Vorurteilen gegenüber Juden und anderen Minderheiten(…)jedes Wort auf die Goldwaage gelegt werden muss“.

    Hääh?
    Also, wegen solch einer „Einsicht“ -und gängigem szenemäßigem provozierendem Geprolle- sollten niemandes antisemitische Phrasen legitimiert oder bagatellisiert werden. Denn auch wenn Haftbefehl hier als „nicht relevanter Akteur“ gewertet wird, so macht dies, oder sein Kommentar, das getätigte „Geprolle“ nicht besser. Denn ob jemand aus Latenz handelt, oder sich die Latenz bewusst macht und unterdrückt – dies macht diese Ausfälle nicht besser.

    …wirklich komisch – eigentlich hat er doch mit obigem Zitat nichts anders gesagt, als dass er vorsichtig sein sollte, wie und ob er seinen Ressentiments öffentlich freien Lauf lässt…finde es auch nicht einsichtiger -bzw. ebenso- einsichtig, wie den Kommentar vom SZ-Karikaturist. Bei dem Einem, so meine Einschätzung, erkannte der Autor einen Subtext, bei dem anderen verkennt er ihn.

    „Gezielte Geschmacklosigkeiten, um den Geschmack zu verletzen“ ->Das kann auch Sarrazin. Und auch er verdient daran. Und auch dieser äussert die Einschätzung, dass in der Öffentlichkeit mit Bedacht gesprochen werden muss.

    „Der Bezug auf Juden ist aufgrund der im Genre üblichen verbalen Enthemmung zwar offener formuliert, als man es gewohnt ist – doch in wie vielen anderen Zeugnissen der modernen Kultur, in wie vielen Theaterstücken, Büchern, Filmen oder Serien gibt es jüdische Figuren, die im Finanzsektor oder im Rechtswesen arbeiten?“

    ->>>Also: Weil es antisemitische Klischees und Stereotype gibt, welche beständig reproduziert werden, sind sie in dem einem Fall „okay“ – im anderen nicht? Möchte hier ja nicht fundamental auftreten, aber diese Einschätzung halte ich für einen Tanz auf dem Vulkan…ich denke, antisemitische Ausfälle sollten als solche benannt werden, ohne hierbei „rankings“ zu erstellen und zu bewerten. Und die Tatsache, dass die Produzenten antisemitischer Texte nicht zwangsläufig auch solche sein müssen, ist doch hinlänglich bekannt. Auch wenn Haftbefehl kein Antisemit sein sollte, würde dies seine Texte nicht weniger antisemitisch machen. Und für die traurige Erkenntnis, „dass(…) jede Aussage auf die Goldwaage gelegt werden muss“, kriegt dieser Provokateur von mir kein Leckerli. (Ausgerechnet Goldwaage – also in solchem Zusammenhang habe ich hier schon kreativeres gelesen, so von wg. lustigen Assoziationen und so;)

    Was soll das sein? Zuckerbrot und Peitsche?

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    1. Der entscheidende Satz in Haftbefehls Statement ist der erste:
      „Ein Aspekt des Antisemitismus ist die Gleichsetzung vom Judentum und Geld, die ich für falsch und dumm halte.“
      Dieses Anerkennen des Problems hebt ihn von der Reaktion des SZ-Karikaturisten Mohr ab, der eben nichts dergleichen zugesteht.

      Wie im Artikel explizit steht, geht es erst recht nicht um die Frage, ob die Person ein Antisemit ist, sondern darum, ob in den Werken und öffentlichen Statements der Figur Haftbefehl ein antisemitisches Weltbild (re-)produiziert wird:
      „Es geht hier nicht darum, antisemitische Werke durch eine eigentliche, hinter den Werken verborgene Motivation der Künstler wegzudiskutieren: Wenn jemand ein antisemitisches Kunstwerk schafft, ist es relativ egal, welche Intention er damit verfolgt hat.“

      In dem Text steht nirgends, dass bei Haftbefehl alles „okay“ ist. Dort steht im Gegenteil, dass einige seiner Lines antisemitisch sind:
      „Die deutsche Gesellschaft hat ein Antisemitismusproblem, das auch im deutschen Rap im Allgemeinen und in einigen Zeilen von Haftbefehl im Besonderen zum Ausdruck kommt.“

      Der Punkt des Artikels ist nicht, zu bestreiten, dass es Antisemitismus im Rap oder bei Haftbefehl gibt. Der Punkt ist, dass die Art, in der darüber geredet wird, maßlos ist. Der Antisemitismus in einigen von Haftbefehls Texten ist zu kritisieren, aber so zu tun, als sei das bloße Abspielen eines seiner Tracks im Tatort ein Skandal, ist einfach bizarr.

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  6. Was für eine nervige Rechtfertigung von diskriminierenden Texten. Is klar, wenn „man“ es „nicht so meint“, kann man ruhig Frauen, Migrant*innen, Jüd*innen usw. runtermachen, ist ja nur „Spaß“ – Mensch, so verfestigt sich der ganze Hass doch! *facepalm*

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    1. Im Text wird nichts gerechtfertigt; erst recht nicht wird behauptet, irgendjemand könne „ruhig Frauen, Migrant*innen, Jüd*innen usw. runtermachen“.

      Es ist in der Tat unerheblich, wie „man es meint“ — und das wird im Artikel auch explizit dargelegt. Erheblich ist, welche Weltbilder und Gesinnungen in den entsprechenden Werken (re-)produziert werden und wie damit umgegangen wird. Wenn beim deutsch-kurdischen Rapper ein anderes Maß angelegt wird als beim biodeutschen Feuilletonisten, ist das ein Problem. Auf dieses Problem hinzuweisen, heißt nicht zu rechtfertigen, was der Rapper so rappt.

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  7. Dass dieser Artikel Antisemitismus in Haftbefehls Texten negieren würde, wurde ja auch nicht geäussert.

    “ Der Punkt ist, dass die Art, in der darüber geredet wird, maßlos ist. Der Antisemitismus in einigen von Haftbefehls Texten ist zu kritisieren, aber so zu tun, als sei das bloße Abspielen eines seiner Tracks im Tatort ein Skandal, ist einfach bizarr.“

    Wäre aber dann nicht vielleicht eine in diesen Artikel eigebundene Medienanalyse sinnvoll gewesen? Wo wurde dies skandalisiert?
    Den Verweis auf den SZ-Karikaturisten, bzw. seinen Kommentar, hätte man doch in der „Bewertung“ eventuell weglassen können. Wirkt so nun einmal herunter gebrochen und schönfärberisch – auf mich zumindest.

    Und dies meine ich selbstverständlich nicht provokant. Ich schreibe dies, da ich Verharmlosung und Skandalisierung in einem seltsam finde. Diese Texte sind diskriminierend und zum Teil gewaltverherrlichend.

    Ist ja auch so gesehen schnuppe, was da für Musik läuft. Wenn aber (wenn auch oberflächlich – ich bekam nichts bzw. wenig hiervon mit, aber das heissst ja nichts ) Antisemitismus aufgrund solcher nicht weiter beschriebenen Skandalisierungen zumindest medial ein Thema ist, und über solche Lines und freshe Tracks gesprochen wird, ist dies doch zumindest etwas. Insofern finde ich Bagatellisierungen verwunderlich.

    Da ich es hier auf der Publikative schätze, wenn die Autoren sich zu Wort melden, bitte ich um ein längeres Statement als den Verweis auf einen Satz des Artikels, in welchem steht, dass kein Antisemitismus verharmlost werden sollte. Denn trotz aller im Artikel enthaltenen Kritik wird genannter Vergleich gezogen. Dialektisches Vorgehen schätze ich, Bezüge zum popkulturell betrachtetem Text ebenso. Aber das im Artikel wiederholt vorgebrachte Verständnis für den Text verstehe ich weder aus einer antisemitismus-kritischen Sichtweise, noch aus einer antideutschen Position heraus.

    Und wenn Haftbefehls Texten hier nun so viel, ich nenne es mal Fairness, entgegen gebracht wird, dann empfinde ich den (und, wie ich beschrieb, nicht nachvollziehbaren) Seitenhieb aufs SZ-Feuilleton dagegen als unangebracht. Dort wurde nicht in der Länge und dialektischen Vorgehensweise das Verhältnis zwischen Produzent und Text betrachtet. Auch wurden Effekte auf die Konsumenten oder Rezipienten hier aussen vor gelassen.

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  8. Einverstanden, Karikaturist Mohr ist ein Antisemitenrarschloch, Haftbefehl auch vielleicht ein bisschen weniger. Wie komme ich zu der Erkenntnis? Junge Menschen in der BRD beleidigen sich mit „Du Judensau“ und „Du gehörst doch vergast“. Und alle finden Haftbefehl geil. „Ich nimm dir alles weg, die bitch, die Du liebst, den Mercedes, den du fährst. Da liegt so viel im Argen, dass eine Apologetik für solche Primatenspacken-Rapper einfach nur an Zynismus grenzt. So ein Text auf Publikative.org ? Warum publizieren Sie nicht in der JF?

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  9. Wer solch ein Asozialis Gedudel hört dem ist sowieso nicht mehr zu helfen.Musikalisch auch unter aller Sau.Vergleicht das doch mal mit alten Ami Sachen(nicht die neueren Gangsta Rap Sachen).Das ist doch nur Gestammel was die da von sich geben,kein Rhytmus,keine Stimme,keine Reime,NICHTS!

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  10. Guten Tag. Nur um das nochmal deutlich zu machen: Wenn Mohr oder Augstein sich hinstellen würden und sagen: “Ein Aspekt des Antisemitismus ist die Gleichsetzung vom Judentum und Geld, die ich für falsch und dumm halte.” – dann wär alles wieder halb so schlimm? Also so quasi ein Ablasshandel mit Antisemitismus? „Tausche 3 peinliche NS-Israel-Vergleiche meiner Oma gegen 4 Support-Israel-Aufkleber auf meinem Kühlschrank!“ Applausapplaus führ diesen Beitrag zur Selbstentlarvung eines doch eher instabilen Antisemitismuskonstrukts, dass hier mal so und da mal so urteilt und sich anscheinend nur um die Personen und nicht um die Struktur dahinter schert. Hauptsache das Stempelkissen bleibt feucht. Dann werden auch noch saftig ein paar Feindbilder aufgetischt. Grass und Augstein gehen immer gut. Die dürfen ja nie fehlen und kann ja auch niemand ernsthaft was gegen sagen. Die Linkspartei und SZ schön selektiv als Nachtisch oben drauf. Gibt ja keine Antisemiten sonst. Das hat gesessen. Edel. Dass der Autor auch noch eingeschnappt ist, weil er nicht verstanden hat, was „à la“ heißt, krönt diese Meisterleistung. Herzlichen Dank.

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