Samy Deluxe: „Fußball-Fans viel schlimmer als Rap-Fans“

Gestern libertär, heute reaktionär: Der Hamburger Vorzeigerapper Samy Deluxe ist bei weitem nicht das erste Popkultur-Sternchen, dass den wertkonservativen Spießbürger in sich entdeckt. Aber getreu dem Motto „Scheiße erkennen – Scheiße beim Namen nennen“, lassen wir es uns nicht nehmen, zu dissen, wer gedisst werden muss.

Von Redaktion publikative.org

In einem Interview mit Sport1, das sich eigentlich um die spüortliche Situation des HSV drehte, fühlte sich Samy Deluxe bemüßigt, folgendes Geplapper von sich zu geben:

Hooligans? Ultras? Alles, was im Leben extrem ist, ist sehr gefährlich. Vielen Leuten fehlt heutzutage der Glaube an innere Werte. […] Was mich schockiert ist, dass Rap immer noch das Unheil der Menschheit sein soll. Dabei sind Fußball-Fans viel schlimmer drauf als Rap-Fans bei einem Konzert. Jeder Fußballer wird mit Millionen-Deals zugeschüttet und das, was da an negativem Kram passiert, schockiert auch, aber die Leute reflektieren das nie auf den Fußball. Sobald ein Rapper Gangster ist, sind wir alle Gangster. Das nervt mich.

Genau. Uns nervt dagegen, wenn Leute unreflektiert vor sich hinbrabbeln, um ihr Weltbild noch ein bisschen besser zementieren zu können. Aber darin gefällt sich Samy Deluxe ja schon länger, spätestens seit er sich berufen fühlte, eine Nationalstolz-Debatte loszutreten, die mit Versen wie „Wir haben keinen Nationalstolz – und das alles bloß wegen Adolf – ja toll schöne Scheiße der Typ war doch eigentlich ’n Österreicher“ untermauert wurde. In diesem Sinne: Dis is wo wir herkommen. Und tschüß.

Typisch deutscher Vorzeigerapper: Samy Deluxe macht Konsensmucke für Mehrheiten. (Foto: filedump | http://www.flickr.com/photos/filedump/ | CC BY-SA 2.0)
Typisch deutscher Vorzeigerapper: Samy Deluxe macht Konsensmucke für Mehrheiten. (Foto: filedump | http://www.flickr.com/photos/filedump/ | CC BY-SA 2.0)

20 Kommentare zu „Samy Deluxe: „Fußball-Fans viel schlimmer als Rap-Fans“

  1. Habt ihr euch schonma mit Rap befasst? Das ist eine zutiefst konservative Musik. Es geht dort nur um fette autos, große häuser, geld und Frauen erniedrigen. Auch wertet man sich gerne darüber auf andere schlecht zu machen. Gedankengut der Sorte „Wir in Stadt A sind viel bessere Menschen als die anderen in Stadt B“ ist auch nicht unüblich.

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    1. Siehe hier:
      „Entgegen der Plakatierung der Jugendlichen als arbeits- und ausbildungsmüde bedeutet dieser Ausschluss für viele von ihnen eine Vertreibung aus ihrem Lebenstraum. Dieser gleicht dem Wunsch des herkömmlichen deutschen Kleinbürgers nur allzu sehr. Das zeigt sich in den vordergründig so unbotmäßigen Raptexten, die man ohne Schwierigkeiten als Volksmusik einordnen könnte: Ein Auto, eine Frau, ein bisschen Heimat – diese Zeilen singt Neukölln mit dem Allgäu im Duett.(…)Dass die Gesellschaft den Arbeiter- und Angestelltenkindern mittlerweile nicht mehr zu bieten hat als unternehmerische Selbstständigkeit, ist die große Tragik der nachkommenden Idealbürger im Wartestand. Ihre Reaktion ist weniger Widerstand, sondern ein Überschlag in den Konformismus. “
      http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/rap-mir-das-lied-von-der-mittelschicht

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    2. Ach hmpf22, wenn sie so ein Rap Experte wären, hätten sie sicher mal darauf hingewiesen, dass dies eine, wenn auch in Deutschland sehr präsente, Form des Hip Hop ist. Oder beschreiben sie auch Black Metal und sagen dann, so ist Metal!?

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  2. Soll der Artikel so schlagartig aufhören ohne sich damit zu befassen, was jetzt so unreflektiert ist oder bleibt es beim hohle phrasen dreschen?

    die nationalstolz debatte…gut… das is n anderes thema.

    aber ich hätte mir gewünscht hier eine etwas tiefergehendere debatte über den vergleich rapszene zu fußball-hools/ultras (hier auch noch weiter ein unterschied) zu lesen.
    so undifferenziert sein kommentar ist, so undifferenziert ist dieser artikel. schade

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  3. ich habe diesen Artikel jetzt mehrfach gelesen und frage mich nach wie vor, was will uns Publikative damit eigentlich sagen? Das es falsch sei, wenn ein Deutscher mit Migrationshintergrund eine Nationalstolzdebatte anstößt, oder das er feststellt, dass Hip Hop Konzerte friedlicher und gewaltfreier ablaufen als gewisse Fußballspiele.

    Und vielleicht ist es taktisch unklug jemanden, auf der eigenen Website, mit dem Rücken gegen die wand zu stellen der sich gegen Rassismus engagiert, sich für Integration einsetzt etc…

    peace

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  4. Wen wunderts, nachdem dieser Typ von allen Werbetafeln, mit dem Hinweis seine GEZ Gebuehren zu zahlen, herunterglotzt.
    Martin Büsser hatte das mal gut auf dem Punkt gebracht; bis mitte/ ende der 1980er war Rock Musik gegen das Establishment, ab den 1990er haben sich die meisten Kuenstler dem Establishment angebiedert.

    PS: der Hinweis auf die Tatsache das Hitler Oesterreicher war, ist auch nur eine andere Form von Relativierung und hat ein Aussagegehalt von Null.

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  5. Wenn man schon zwischen den einzelnen Sorten von Fanatikern unterscheiden muss: ich find Fußballfans auch schlimmer als Rapfans. Von Rapfans hab ich mich noch nie bedroht gefühlt. Noch schlimmer sind eigentlich nur Nationalfans und Religionfans. (Bei Autofans bin ich mir nicht so sicher.)

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  6. Mit einer pauschalisierten Aussage „Fußballfans sind viel gefährlicher“ sich über pauschale Kritik „Sobald ein Rapper Gangster ist, sind wir alle Gangster. Das nervt mich.“
    zu beschweren ist einfach nur blöd.

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  7. Sich mit einer pauschalen Aussage „Was mich schockiert ist, dass Rap immer noch das Unheil der Menschheit sein soll. Dabei sind Fußball-Fans viel schlimmer drauf als Rap-Fans bei einem Konzert“ über eine pauschalisierte Kritik „Sobald ein Rapper Gangster ist, sind wir alle Gangster. Das nervt mich.“ zu beschweren ist einfach nur dumm.
    Das empfinde ich auch wie die Redaktion als „unreflektiert vor sich hinbrabbeln“
    Als Fußballfan kann ich nur sagen. Nur weil ein Rapper so hinbrabbelt wie Samy Deluxe sind noch lange nicht alle Rapper so dumm. Positive Gegenbeispiele, dass sich Rapper intensiv mit Fußballfans auseinandersetzen und nicht in die allgemeine „moral panic“ der Gesellschaft einstimmen gibt es genug.

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  8. Ich finde, das Zitat aus dem Interview reicht allemal für eine kurze Diss. Bewundernswert, wie jemand in so wenigen Zeilen so viele Dummheiten unterbringen kann.

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  9. regt sich „kapitalistenhansel“ über’n „kapitalistenhansel“ uff…. DIE sind aba NOCH slimma als wie mir….. Naja, das nennen die hierzulande „ihre kultur“ ….

    @publikative: joa, wart schoma besser so A&K mässig … wird soch wieder, ich bin da optimistisch ….

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  10. Wie heißt nochmal Samy Deluxe neues Album – männlich, – und was er da ablässt, ist so selten spießig, wie die männlichen HipHop Fans in der Mehrzahl sind. Vor allem die deutschen, bei denen der Typus, verzogenes Mittelschicht Jüngelchen das nicht so recht weiß wie es weiter geht, überwiegt. Die freuen sich dann obermäßig, wenn ihnen einer sagt, wo es lang geht und was nun richtig oder falsch ist.

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