Noch weit mehr Opfer von Neonazi-Gewalt?

Bis zum Herbst 2011 hat es offiziell keinen Rechtsterrorismus in Deutschland gegeben. Zudem ging die Bundesregierung von weniger als 50 Todesopfern durch Neonazi-Gewalt seit 1990 aus. Nach dem Bekanntwerden des NSU-Terrors überprüfen Ermittler ungeklärte Tötungsdelikte. Das Ergebnis könnte eine neue Dimension der rechtsextremen Gewalt offenbaren.

Amadeu Antonio Kiowa (* 12. August 1962 in Quimbele, Angola; † 6. Dezember 1990 in Eberswalde) war ein aus Angola stammender Arbeiter, der eines der ersten Todesopfer rassistisch motivierter Gewalt in Deutschland nach der Wiedervereinigung wurde. Die Urteile im Gerichtsprozess gegen die Täter sind vielfach kritisiert worden. Während das Gericht die Täter wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu maximal vier Jahren Haft verurteilte, stuften Wissenschaft, politische Öffentlichkeit und Medien die Tat vielfach als Mord ein. (Foto: AAS/privat)
Amadeu Antonio Kiowa war ein aus Angola stammender Arbeiter, der eines der ersten Todesopfer rassistisch motivierter Gewalt in Deutschland nach der Wiedervereinigung wurde.

Weit mehr Todesopfer als bislang bekannt könnten auf das Konto rechter Gewalttäter in Deutschland gehen. Das berichtet die „Neue Osnabrücker Zeitung“ unter Berufung auf eine Untersuchung von Bundeskriminalamt und Landespolizeibehörden. Demnach seien bei der Überprüfung von 3300 bislang ungeklärten versuchten oder vollendeten Tötungsdelikten ohne Verdächtige in 746 Fällen Anhaltspunkte „für eine mögliche politische rechte Tatmotivation“ entdeckt worden, zitiert das Blatt einen Sprecher des Bundesinnenministeriums. Die bislang ungelösten Verbrechen mit insgesamt 849 Opfern sollen nun von den Polizeibehörden der Länder noch einmal unter die Lupe genommen werden.

Wie die „Neue OZ“ berichtet, stammen die Fälle aus den Jahren 1990 bis 2011. Sie seien mithilfe eines speziell entwickelten Indikatorenkataloges herausgefiltert und „als relevant erachtet“ worden, sagte der Ministeriumssprecher dem Blatt. Das Bundeskriminalamt habe die Ergebnisse übermittelt bekommen und sei nach einem umfangreichen Datenabgleich derzeit damit beschäftigt, die Ergebnisse für den Rückversand an die Länder aufzuarbeiten. Hier würden dann mögliche neue Ermittlungsansätze verfolgt.

Für das zweite Quartal 2014 kündigte der Sprecher laut „Neuer OZ“ eine Überprüfung an, ob auch weitere ungeklärte Verbrechen noch einmal durchleuchtet werden. Dies könnten beispielsweise Banküberfälle oder aber Sprengstoffanschläge sein.

Die Überprüfung der Tötungsdelikte war nach Bekanntwerden der NSU-Mordserie in die Wege geleitet worden. Der rechtsextremen Terrorvereinigung aus Jena werden insgesamt zehn Morde zur Last gelegt. Die offizielle Statistik der Bundesregierung nennt knapp 60 Morde mit rechtsextremem Hintergrund. An dieser Zahl war in den vergangenen Jahren immer wieder Kritik laut geworden. Journalisten recherchierten rund 180 Opfer.

Siehe auch: Rassismus, Mob und FlächenbrandRechtsextreme Tötungsdelikte als unpolitisch eingestuftAnerkennung aller Todesopfer rechtsextremer Gewalt!Polizei bestätigt vier Todesopfer von Neonazi-Schlägern,

15 Kommentare zu „Noch weit mehr Opfer von Neonazi-Gewalt?

  1. Offtopic:
    Inmeiner aktuell geöffneten Seite ist direkt unter dem Artikel Werbung für das neue Frei.wild Album die auf ein Youtube-Video der Band weiterleitet. Könnt ihr sowas verhindern, das is hier ja sowas von unangebracht!
    Ansonsten Danke! für eure Arbeit

    Danke für den Hinweis – und das Lob 🙂

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  2. @ Mike

    Wie Patrick Gensing glaube ich schon ein paar mal erklärt hat, werden die Werbeeinblendung durch das Klickverhalten gesteuert.

    Heißt: Du musst in letzter Zeit sehr oft Internet-Seiten aufgerufen haben, die sich mit Frei.Wild beschäftigen. Heimlicher Fan?

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  3. „Zudem ging die Bundesregierung von weniger als 50 Todesopfern durch Neonazi-Gewalt seit 1990 aus.“ !

    (…)

    Oder anders ausgedrückt :“Es kann nicht sein, was nicht sein darf“ !
    Jahrzehntelange Polit-Blindheit auf dem rechten Auge, scheinbar von ganz oben angeordnet. Hier ein Bericht aus der Sendung Panorama :

    Wie tief der braune Sumpf tatsächlich ist, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht mal erahnen. Die berühmten „Schredderaktionen“ des Verfassungsschutzes haben nicht unbedingt zu einer besseren Aufklärung beigetragen.
    Ich denke mal, dass wir in punkto Anzahl von Tötungsdelikten durch rechtsxetreme Gewalttäter, uns auf einige Zahlenkorrekturen leider nach oben einstellen müssen.
    Ein eindeutiger Beweis dafür, dass die rechtsextreme Gewalt seither massiv unterschätzt wurde.

    Beste Grüße

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  4. Ich bin erleichtert, dass es inzwischen so viel gute Fernsehdokumentationen über den organisierten Rechtsextremismus gibt. Zum Beispiel diese Filmdokumentation:

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