Frei.Wild-Absage in Jena: [Anmerkung der Redaktion: Beleidigung entfernt]

Das Frei.Wild-Spiel beginnt von vorn. Gegen einen Auftritt der Band in Jena regte sich Protest, man „drohte“ sogar mit einer Demo und die toleranten Frei.Wild-Fans laufen nach der Absage der Veranstaltung digital Amok. Zum Sündenbock wird diesmal ein Landtagsabgeordneter.

von Felix M. Steiner

Frei.Wild nach Echo Ausladung, Foto: Jesko Wrede.
Frei.Wild nach Echo Ausladung, Foto: Jesko Wrede.

Eigentlich wurden im Media Markt in Jena für heute hunderte Fans der Band Frei.Wild erwartet. Ein Auftritt und eine Autogrammstunde als Promo zur neuen Platte waren angesetzt. Dass sich gegen den Auftritt der Band Protest regen könnte, hat wohl niemand von den Verantwortlichen der Thüringer Filiale erwartet. Nach Aussagen der Organisatoren in der Ostthüringer Zeitung (OTZ) gab es zahlreiche Mails und Beleidigungen gegen Mitarbeiter des Marktes. Der zuständige Bereichsleiter im Jenaer Markt fasste dies in der OTZ folgendermaßen zusammen: „Wir haben uns da leider ­­linken Krawallmachern beugen müssen, die im Internet Stimmung gegen uns gemacht haben und mit einer Demo drohten“. Die „angedrohte“ Demonstration scheint dann das Fass zum Überlaufen gebracht zu haben, denn der Auftritt der Band wurde kurzerhand abgesagt. Doch wie schon in zahlreichen vorherigen Fällen, in denen öffentlicher Protest gegen die Band Ausladungen oder Ähnliches zur Folge hatten, haben die Frei.Wild-Fans auch dieses Mal ihren Sündenbock gefunden. Der heißt Dirk Adams und ist sowohl Landtagsabgeordneter von Bündnis 90/ Die Grünen im Thüringer Landtag als auch Mitglied des NSU-Untersuchungsausschusses.

Gebaren wie frühere DDR-Funktionäre?

Dirk Adams, Foto: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Landtagsfraktion Thüringen.
Dirk Adams, Foto: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Landtagsfraktion Thüringen.

Dirk Adams hatte im Vorfeld des Auftrittes einen Brief an die Geschäftsführung des Mediamarktes geschrieben, in dem er um die Absetzung der Veranstaltung bat. „Ein Auslöser war, dass Frei.Wild in ihren Liedern eben Nationalismus, völkisches Gedankengut und Hass verbreitet sowie in meinen Augen einige gewaltverherrlichende Texte hat“, sagte Adams gegenüber Publikative.org. Die Bitte des Abgeordneten führte auch beim Bereichsleiter des Media Marktes zu heftiger verbaler Gegenwehr, wie man es sonst nur von den Frei.Wild-Fans selbst kennt: „Ausgerechnet die Grünen, die sonst vorgeben, die Toleranz mit Löffeln gegessen zu haben, legen ein Gebaren wie früher die DDR-Funktionäre an den Tag“, so der Mitarbeiter des Elektronik-Marktes gegenüber der OTZ. Adams selbst kritisiert die Beleidigungen gegenüber den Mitarbeitern des Elektronikriesen scharf, wirft dem Media Markt Management aber auch vor, es sich zu einfach gemacht zu haben. Nach all den öffentlichen Debatten hätte man hier mit ablehnenden Reaktionen rechnen müssen, meint der Abgeordnete. Ebenso ist es für ihn unverständlich, wie eine Demonstration als Drohung zu verstehen ist: „Die Versammlungsfreiheit ist ein Grundrecht und stellt keine Drohung dar“, so Adams zur Begründung der Marktleitung. Den Vergleich mit „DDR-Funktionären“ hält der Grünen-Abgeordnete für völlig aus der Luft gegriffen, da er dem Management lediglich seine Meinung gesagt habe. Das Muster scheint immer gleich: Jedem, der in irgendeiner Form Kritik an Texten der Band äußert, wird vorgeworfen, Zensur zu betreiben, zu Hetzen oder zumindest Stalin nahezustehen.

Protest gegen das „Ungeziefer“

Sicher, mit Protest der Fans hatte Adams gerechnet, dass diese aber so ausfallen, überrascht den Abgeordneten dann doch. Er habe lediglich sein Recht auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen, also das, was die Frei.Wild-Fans so vehement für sich einfordern. Bereits unter den Artikeln in der OTZ und der TAZ gab es zahlreiche Kommentare, die sich gegen Adams oder die Grünen allgemein richteten. „Darüber hinaus gab es mehrere Emails über meine persönliche Homepage an mich, die z.T. einen äußerst beleidigenden Inhalt hatten. Auch Bedrohungen fanden sich darunter“, berichtet der Abgeordnete. So fand sich auf dem Anrufbeantworter unter anderem eine Nachricht, in der Adams als „Ungeziefer“ bezeichnet wird.

Beispiel: Ein Kommentar aus der OTZ, Screenshot: Publikative.org
Beispiel: Ein Kommentar aus der OTZ, Screenshot: Publikative.org

Doch der Protest gegen den Auftritt der Band ist nicht das Einzige, was derzeit für die aus Thüringen ins Haus steht. So leitete Thüringens Sozialministerin Heike Taubert (SPD) vor kurzem die Überprüfung der Texte durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPJM) ein.

Siehe auch: Live-Streitgespräch: Kneift Frei.Wild-Sänger Burger?Wegen “Frei.Wild”: “Kraftklub” boykottieren Echo-PreisverleihungFrei.Wild gegen Extremismus ist wie Kräuterlikör gegen AlkoholismusFrei.Wild – “unpolitischer” Hass auf “Gutmenschen”Kein Frei.Wild!Frei.Wild zwischen Deichkind und Beatsteaks

17 Kommentare zu „Frei.Wild-Absage in Jena: [Anmerkung der Redaktion: Beleidigung entfernt]

  1. So, also Freiwild wieder?

    Ich will die Gelegenheit nutzen, um hier mal für einen Blogartikel Werbung zu machen, den ich vor einen halben Jahr zu dem Thema geschrieben habe: http://propagandatheorie.wordpress.com/2013/05/26/zu-freiwild-der-fisch-stinkt-vom-kopf-her/

    Nicht ganz unberechtigt, wie ich finde, denn ich hatte damals auf einen Aspekt der Causa Freiwild hingewiesen, der ansonsten meiner Meinung nach in der Diskussion um diese Band stark vernachlässigt wurde, aber hier jetzt in Form der Parteiname des Marktes wieder besonders zum Vorschein kommt: die Bedeutung der Industrie im Aufstieg dieser Band. Freiwild sind nicht einfach von selbst zu dem geworden, was sie heute sind, sondern wurden von bestimmten Teilen der Musikindustrie gemacht, das dürfen wir nicht vergessen.

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  2. @PM
    Interessanter Artikel. Nur in bezug auf die Onkelz möchte ich widersprechen. EMP hat die gesamten 90er Merchandise der Onkelz vertrieben und das RockHard hat zumindest seit Mitte/Ende der 90er mit den Onkelz Interviews geführt und ihnen mehrere Titelstories gewidmet.
    Zitat Wikipedia:
    „Für viele Kontroversen sorgte die offene Sympathie des Magazins für die Band Böhse Onkelz, als sich die Frankfurter Band 1991 endgültig und ausdrücklich vom rechten Lager lossagten.“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Rock_Hard

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  3. Ich weiß` eigentlich immer noch nicht so recht, was es bzgl. der Band und seitens ihres Management (bis hin zur Musikindustrie, die sich Umsatz erhofft, oder anderen Konzertausrichtern und/oder Sponsoren) zu diskutieren gibt… Die Aussagen der Band innerhalb „Die Feinde deiner Feinde“ sind unmissverständlich, und wenn ein Management glaubt`, damit Geld verdienen zu müssen bzw. zu wollen, dann läuft in diesem Land etwas schief.

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  4. Das alte Missverständnis, dem auch Sarrazin und Konsorten ständig unterliegen: Meinungsfreiheit ist die Freiheit, seine Meinung äußern zu dürfen (innerhalb bestimmter Grenzen, etwa hinsichtlich Beleidigung, Volksverhetzung etc.) und eben nicht die Freiheit, für seine Meinung keinerlei Kritik, Widerspruch oder auch Spott und Häme anhören zu müssen.

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  5. Jetzt mal ernsthaft, einige Ältere von euch werden doch noch die Unsäglichen Nazi Texte ala Endstufe, Werwolf, Noie Werte, Kahlkopf, Störkraft und wie die Bands alle hießen, kennen. Ich kenne sie alle, und damals war es Nazi Dreck und Heute ist es auch, der Unterschied ist, Heute heißt das ja nicht mehr Nazi Dreck, sondern Identitäre Meinung. Für mich ist das immer noch das was es ist Nazi Dreck, Blut und Boden Mentalität, Heimat, Blut und Ehre usw. das komplette Programm. Ich sehe bei FW keinen Unterschied zu den von mir genannten Bands, außer das die Leute sich mehr und mehr von solchen Idioten beeinflussen lassen, als ob sich keiner mehr über irgendwas Gedanken macht. Einfach nur Stumpf irgendwelcher Blut und Boden Mentalität zustimmen, Hauptsache wir haben irgendeinen Feind, Hauptsache Faschismus ist, weil man irgendwelchen Rechtsaußenbands, mit klar Faschistoiden Gedankengut, daran gehindert irgendwo in Ossiland aufzutreten. In den 80ern und 90ern wären da ganz andere Sachen gelaufen wenn die Band da ein Interview gegeben hätte. Only my 2 cent…

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  6. SKANDAL!!! Die kritik an den zensurvorwürfen von Freiwild an die kritiker ist ZENSUR und unterdrückt die MEINUNGSFREIHEIT!!!! oder so ähnlich…

    Wie auch immer, Grundgesetz und so: MEINUNGSFREIHEIT ist das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten. EINE ZENSUR FINDET NICHT STATT!!! also KLAPPE halten, IHR GUTMENSCHEN!!!!

    PS
    Ich bin noch lange KEIN NAZI, NUR weil ich STOLZ auf DEUTSCHLAND bin, die ISLAMISIERUNG des christlich-jüdisch-heidnisch-aufklärerisch-kulinarischen EUROPAS kritisiere, den schuldkult und gutmenschentum ablehne, der Meinung bin, dass alle LINKEN nach nordkorea auswandern sollen. IHR seid ALLE ein NAZI, weil ihr sagt, dass ich ein NAZI bin.

    Der endgültige Beweis warum FW nicht rechts sind: [Anmerkung der Redaktion: Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zur Logik und gesundem Menschenverstand]*

    —–

    *auch sarkasmus, kein echter redaktioneller Eingriff!

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  7. Solche Leserbriefe wie die von „FW-FAN Nr. 217 haben echt was. Ich bin amüsiert…
    Soeben finde ich diese aktuelle WAZ-Meldung:
    „JUGENDSCHUTZ: „Freiwild“-Lieder werden auf Jugendgefährdung geprüft
    http://www.derwesten.de/kultur/freiwild-lieder-werden-auf-jugendgefaehrdung-geprueft-id8687134.html

    Ein Auszug: „In seinen Schreiben hatte Kuban sieben Songs von Frei.Wild exemplarisch aufgeführt und analysiert, unter anderem Texte wie „Jetzt liegst du am Boden, liegst in deinem Blut. Das Blut auf meinen Fäusten, ich find das steht mir gut“ aus dem Lied „Rache muss sein“.“

    Gell, FW-FAN, die antideutsche Zensurmaßnahmen finden kein Ende.

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  8. Herzlich willkommen zur Kommentar-Safari. Direkt über mir sehen wir auch schon das erste „frei“ lebende Exemplar eines sogenannten FreiWildFan. Zu erkennen am schlechten Satzbau und einer durch Widersprüche bestechenden Logik! Wenn es nicht gerade damit beschäftigt ist sich in Selbstmitleid zu ersäufen, spamt und trollt es gern in Kommentarspalten herum. Da in den letzten Jahren der Bestand rapide zugenommen hat und die verursachten Schäden an Hirnzellen überhand nehmen, wurde jüngst in Erwägung gezogen eine Abschußquote einzuführen um den Bestand auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.

    In diesem Sinne, liebe Safariteilnehmer, eine erfolgreiche Jagd!

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  9. @horst:
    Interessant. Ich habe mich mit dem Medienecho der Onkelz nie so sehr auseinandergesetzt. Ich wusste nur, dass viele Musikmedien sie boykottierten und auch, dass das Rock Hard über diverse tatsächlich und angeblich rechte Metal-Bands bewusst nicht berichtete und bin einfach davon ausgegangen, sie wären da zumindest konsequent gewesen.

    Auf jeden Fall vielen Dank für die Berichtigung und den Lob (auch wenn mir nicht ganz klar ist, warum du das hier schreibst und nicht unter den Artikel selbst).

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  10. Ich will mich hier gar nicht an endlosen Diskussionen beteiligen, ob Frei.Wild links oder Rechts sind. Das führt ins sinnlose, weil jeder denkt, er hat recht. Ich finde es nur immer wieder komisch, warum Frei.Wild Texte als Jugendgefährdet eingestuft werden sollen? Mir fallen da immer nur meine Schlachtrufe/ Punkinvasion-Sampler ein (z.B. Die Ärzte-„BGS“ u.s.w.) wo offen zur Gewalt gegen Polizisten aufgerufen wurde. Ich fand das damals sehr befremdlich, da ich in meine Umfeld/ Familie Polizisten hatte. Wo ist da der Unterschied?

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  11. @Uri:
    @…

    sry, Poe’s law hat wohl wieder knallhart zugeschlagen 😉
    War aber meine schuld: Die Formatierung hat meinen Hinweis am Ende des Kommentars verschluckt: (Sarkasmus) stand da.

    Witzigerweise habe ich diesen ‚Kommentar‘ geschrieben, bevor ich in den Artikel der OTZ reingelesen habe. Und: Ich habe die Onlinekommentare ziemlich genau antizipiert. Genau die gleichen Argumente, in etwas weniger radikaler Sprache (die schlechte rechtschreibung kommt aber hin)

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  12. Na – da haben die „Frei.Wild“-Jungs ja alles was sie wollten: Medienaufmerksamkeit in einem Ausmaß das ein bloßer Plattenladenauftritt nie hergegeben hätte und das ohne dass sie auch nur vor die Tür gehen mussten und sie haben auch ihren Kult-Status als politisch Verfolgte der Gutmenschendiktatur wieder aufgefrischt. Zusätzlich hat vermutlich der betroffene Mediamarkt ein paar schlechte völkische Schrabbelrockplatten mehr verkauft und war auch kostenlos mit Bild in der Zeitung. Alles prima, oder? Ich neige inzwischen echt dazu solche Aktionen wie die von Herrn Adams ausgesprochen dämlich zu finden. Gut – er war auch mal in der Zeitung. Aber ansonsten? Hat er nix erreicht.

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  13. Ok ok,
    und jetzt bin ich selbst drauf reingefallen – wurde ja schon geklärt,dass das Satire ist. Aber nach den beiden Folge-Kommentaren dachte ich das geht so weiter und hab sofort was reingeschrieben *beschämt-wegduck*
    „Hättste mal weitergelesen, Honk“ 😛

    Peace

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