Politischer Gartenzwerg wippt im Snowden-Takt

Fast täglich werden neue Enthüllungen zur Spionage-Praxis der NSA bekannt. Inwieweit diese zutreffend sind, was sie konkret bedeuten, welchen Schaden die Aktionen anrichteten, wer alles davon wusste – nichts davon lässt sich nachvollziehen. Die Person Snowden nimmt derweil fast schon einen ikonenhaften Status ein.

Von Patrick Gensing

Logo der NSA - kennen alle Deutschen.
Logo der NSA – kennen alle Deutschen.

Die Auswirkungen der Affäre auf die transatlantischen Beziehungen und somit für die gesamte Weltpolitik werden in Deutschland derzeit kaum verantwortungsvoll diskutiert; stattdessen warnen Politiker wie der CSU-Generalsekretär Dobrindt im beinahe verschwörungstheoretischen Ton vor einer „digitalen Weltherrschaft“ der USA, der Grüne Trittin und der innenpolitische Hardliner Bobsach von der CDU klagen im ZDF gemeinsam über die „digitale Besatzungsmacht“ – und namhafte Politiker aus Reihen der künftigen Großen Koalition stellen das angepeilte Freihandelsabkommen infrage.

Angesichts dieser überbordenden Empörung werden viele andere Dinge nicht in Frage gestellt.

Schutzpatron Putin

Beispielsweise, welche Rolle Edward Snowden, der hierzulande als Held verehrt wird, eigentlich spielt. Ein Held, der es auf deutsche Titelblätter schafft, weil er eine Botschaft an die Bundesregierung überbringen lässt – und der sich ausgerechnet von Russlands Präsident Putin beschützen lässt. Ein Präsident, der es mit Menschenrechten, Pressefreiheit und Schutz von Minderheiten nicht allzu genau nimmt – und seinen mächtigen Geheimdienst FSB mit noch größeren Kompetenzen ausgestattet hat, was angesichts seiner Karriere wenig überrascht – hierzulande aber fast niemanden interessiert.

Snowdens Vater verkündete Anfang Oktober, für das vorübergehende Asyl in Russland seien er und sein Sohn Edward dem Land und Präsident Putin „extrem dankbar“. Putin hat allen Grund, Snowden gegenüber großzügig zu sein – und die Bilder aus Moskau vom Besuch Ströbeles sowie zwei Journalisten legen nahe, dass es dem prominenten und nützlichen Gast an nichts fehlt.

FSB - interessiert fast niemanden in Deutschland.
FSB – interessiert fast niemanden in Deutschland.

Putin, Verbündeter von Syriens Machthaber Assad und Freund von Altkanzler Schröder, dürfte freudig zur Kenntnis nehmen, wie sich in Deutschland Politiker aller Parteien, Medien und Öffentlichkeit im moralischen Furor über das Treiben der NSA überbieten, während sich Russland als Schutzmacht für „politisch Verfolgte“ inszenieren darf (dementsprechend spielt der Skandal um die 30 inhaftierten Greenpeace-Aktivisten derzeit so gut wie keine Rolle). Die NSA-Affäre soll nun ausgerechnet mit Hilfe Russlands – und man darf angesichts der Umstände annehmen: auch mit Hilfe des russischen Geheimdienstes – aufgearbeitet werden. Im Volksmund nennt man sowas „Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben.“

Geheimdienstmann schlägt Politikwissenschaftler

Berlin entfernt sich in großen Schritten weiter von Washington – eine gute Nachricht für Moskau. Es passt ins Bild, dass Putin dem US-Präsidenten nach Einschätzung des US-Magazins „Forbes“ mittlerweile den Rang als mächtigster Mensch der Welt abgelaufen hat. Sowohl im Konflikt um die syrischen Chemiewaffen als auch in der Affäre um Snowden habe der russische Präsident gegenüber seinem US-Kollegen die Oberhand behalten.

Wohl wahr. Die westliche Führungsmacht steht hingegen äußerst ramponiert da: moralisch diskreditiert, von einem bislang unbekannten Systemadministrator vorgeführt, von Moskau düpiert. Über die ganz realen Verhältnisse in Russland will 100 Tage vor Olympia in Sotschi kaum noch jemand etwas wissen. So geht internationale Politik offenkundig; Ex-KGB-Offizier und Geheimdienst-Direktor Putin scheint in dieser Disziplin eine Nummer zu groß zu sein für den Politikwissenschaftler und ehemaligen Sozialarbeiter Obama.

Politischer Gartenzwerg

Zwischen Moskau und Washington, konkret in Deutschland, könnte sich hingegen langsam die pure Empörung über die Abhöraktion der NSA gegen Kanzlerin Merkel verziehen, denn Spionage ist unter Staaten gängige Praxis – und einer Debatte darüber weichen, wie die Spähaktionen überhaupt zu bewerten sind, ob diese das Bündnis mit der USA grundlegend verändern und welche neue Rolle die Bundesrepublik international gegebenenfalls spielen möchte.

Fleißig, ehrlich, zurückhaltend - haltungslos: Deutscher Gartenzwerg.
Deutscher Gartenzwerg.

Hier gäbe es viel zu diskutieren! Denn in der NSA-Affäre schreien Regierung und Volk laut auf – gleichzeitig wird die Vorratsdatenspeicherung auf den Weg gebracht und Politiker der größten Oppositionsfraktion im Bundestag beobachtet.

International ist von Berlin sonst eher wenig zu hören: Zum arabischen Frühling fiel Deutschland bislang nichts ein. Über Waffenexporte an Despoten möchte man lieber nicht sprechen, mit Russland den Handel stillschweigend weiter ausbauen. Die EU verkommt derweil zu einem seelenlosen Sparverein unter Führung Berlins.

Und so bleibt Deutschland wirtschaftlich ein Global Player, politisch hingegen ein Gartenzwerg, der nur eins im Sinne hat: in Ruhe arbeiten und Geld scheffeln.

Siehe auch: Edward Snowden, Pearl Harburg und die NSA

Deutsche Medien titelten, es gäbe einen Brief an die Kanzlerin, an die Regierung, an die BAW. Tatsächlich steht da: To whom it may concern. (Foto: Nena Darling)
Deutsche Medien titelten, es gäbe einen Brief an die Kanzlerin, an die Regierung, an die BAW. Tatsächlich steht da: To whom it may concern. (Foto: Nena Darling)

 

22 Kommentare zu „Politischer Gartenzwerg wippt im Snowden-Takt

  1. klingt, als wünsche sich Patrick, Deutschland möge im Weltgeschehen bald wieder zu alter Form und angemessener Größe zurückfinden.

    Verwunderlich übrigens auch, dass ausgerechnet der Autor eines Buches gegen den »Präventivstaat«, seinen Kontroll- und Überwachungswahn zum Thema NSA & Co. regelmäßig schlichtweg *nichts* zu sagen hat, sondern im Gegenteil sich vor allem im Relativieren übt, und sich darin kaum von unserm Innenminister oder einem NSA-Sprecher unterscheidet. Dabei wäre angesichts der unsäglichen Entrüstungsstürme (die tatsächlich zu kritisieren sind) mal wirklich eine fundierte Analyse der ganzen Geschichte angebracht. Auf die warten wir aber, zumindest hier auf diesem Blog, aber noch vergeblich.

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  2. Ich würde dem zustimmen, dass in der Diskussion um Snowden und der Abhörtätigkeit der NSA, viele Menschen ein unkritisches Verhältnis zu Putins Russland einnehmen. Weniger nachvollziehbar finde in den anklagenden Tonfall gegen Snowden, das Bedürfnis die USA als Schutzpatron zu rehabilitieren und die staatspolitische Perspektive (wo steht Deutschland in der Welt?), die am Ende des Artikels bedient wird.

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  3. Gestern Abend im ZDF hat Bosbach einen absonderlichen Vergleich gezogen:
    „(…) das ist ja so, als ob mein Nachbar bei mir zuhause einen Verbrecher verjagt und anschließend meine Wohnung verwanzen möchte (…)“

    Demnach waren die NAZIs Verbrecher, die man nur mal eben verjagen musste, was wiederum an die „Theorie von der alleinigen Verantwortlichkeit des Einzeltäters“ anknüpft.

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  4. Ecuador, Island, Österreich, Bolivien, Brasilien, China, Kuba, Finnland, Frankreich, Deutschland, Indien, Italien, Irland, Niederlande, Nicaragua, Norwegen, Polen, Russland, Spanien, Schweiz und Venezuela.

    Das sind die „Schurkenstaaten“, in denen Snowden um Asyl ersucht hat. Russland hat ihm dies vorübergehend gewährt. Wenn Sie, Herr Gensing die Wahl hätten zwischen lebenslangem Aufenthalt in einem US-Folterknast (siehe Chelsea Manning) und eingeschränkter Freiheit in Russland: Wofür würden Sie sich entscheiden? Und was genau werfen Sie Snowden vor? Welche Rolle spielt er denn Ihrer Meinung nach eigentlich? Waren Sie nicht eher Gegner von Verschwörungstheorien? Die Rolle Deutschlands kritisch zu hinterfragen ist ja legitim und notwendig, ebenso die Rolle Russlands, was aber hat Snowden damit zu tun? Der Mann ist auf der Flucht!

    Und weil Spionage unter Staaten gängige Praxis ist, ist der NSA-Skandal eigentlich keiner? Warum hat man sich dann bloss bis zu Beginn dieses Skandals über chinesische Cyberspionage echauffiert, allen voran die USA? Ist halt blöd, wenn man auf den Dieb zeigt und dann selber beim Klauen erwischt wird…

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  5. Sie, lieber Martin, werden in diesen Staaten auch kein Asyl bekommen, wenn Sie Gigabyte von strengstens geheimen Dokumenten leaken und sich dann auch noch outen, weil Sie dann nämlich kein politisch Verfolgter sind, sondern ein konventioneller Krimineller. Weiterhin war das Problem, dass Snowden gar nicht in den Staaten vor Ort war, also dort gar kein Asyl beantragen konnte.

    Das sind aber Sachen, die Sie sicher nicht hören wollen. Es ist aber so. Und Russland hätte sich einen feuchten Kehrricht um Snowden gekümmert, hätte Moskau nicht Interessen, die auf der Hand liegen. Dass Russland die Snowden-Dokumente nicht gesichert hat, das kann ich ebenfalls beim besten Willen nicht glauben. Damit ist Snowden von unschätzbaren Wert für den russischen Geheimdienst, der im Westen spionagemäßig höchst aktiv ist.

    Gruß
    Patrick Gensing

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  6. Snowden hatte entsprechende Anträge über einen Mitarbeiter des russischen Konsulats an die entsprechenden Botschaften weiterleiten lassen. Schon vergessen, dass Bolivien, nachdem auf Druck der USA Morales‘ Präsidentenflugzeug in Wien zur Zwischenlandung gezwungen wurde, Snowden Asyl angeboten hat, er aber leider nicht gefahrlos dorthin reisen konnte?
    Dass Russland Snowden nicht aus reiner Nächstenliebe aufgenommen hat, ist doch unbestritten. Glaube gehört aber in die Kirche. Ausserdem haben Sie eine entscheidende Frage nicht beantwortet: Was hätten Sie getan? Nebenbei bemerkt interessant, dass Sie Snowden für einen konventionellen Kriminellen zu halten scheinen. Aus der Feder eines Journalisten eine erstaunliche Feststellung…

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  7. Diese ganze Empörung und Wichtigtuerei um Frau Dr.Merkels Handy bewirkt doch Eines – sie lenkt Politik (EU-Staatspräsidenten-Treffen) und Öffentlichkeit (Presse,Koalitionsverhandlungen) hervorragend ab von dem Entsetzen über die aktuellen Unglücke von Schutzsuchenden und in Kauf genommenen Toten an Europas Aussengrenzen im Mittelmeer.

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  8. @Martin: politische Verfolgung ist sicherlich ein schillernder Begriff, ließe sich grob aber als Diskriminierung aufgrund einer politischen Anschauung beschreiben. Diese Anschauung *kann* zusätzlich natürlich auch im Bereich des Kriminellen liegen, wie es in Deutschland z.B. bei denjenigen Leuten der Fall ist, zu denen politischen Zielen die Abschaffung der demokratischen Grundordnung gehört.

    Auf Snowden trifft das aber nicht zu. Der bezeichnet sich als großer Patriot (was ihn zumindest mir sehr unsympathisch macht, aber das nur am Rande), und ich konnte bislang keinerlei Anzeichen entdecken, dass er irgendeine politische Überzeugung verträte, wegen derer man ihn in den USA diskrimiert — zumal die ja noch weitaus toleranter sind als Deutschland.

    Hingegen ist, meines Wissens nach, die Mitnahme und Veröffentlichung interner Dokumente von Regierungsbehörden wie Geheimdiensten in aller Regel und aus verständlichen Gründen zweifelsohne strafbar. In den USA wie hierzulande. NB: als stinknormaler Angestellter des öffentlichen Dienstes habe ich, wie hunderttausende hierzulande, ein Papier unterschreiben müssen, das mir in aller Deutlichkeit verbietet, personenbezogene Daten über die Menschen, mit denen ich beruflich zu tun habe, nicht nur zu veröffentlichen, sondern überhaupt erst zu sammeln!

    Wenn wir annehmen, dass Snowden sich dieser Dinge schuldig gemacht hat — und annehmen können wir das, denn dafür lässt er sich ja als Held feiern –, dann ist er, neben allem anderen, selbstverständlich auch ein Krimineller, der natürlich ein unkonventionell hohes Maß an Aufsehen erregt, der im Prinzip aber erstmal recht konventionelle, d.h. in den Gesetzbüchern seit langem präzise beschriebene Delikte begangen hat.

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  9. @Richard Wharfinger

    Ich habe Snowden nicht als politisch verfolgt bezeichnet! Natürlich hat er formaljuristisch Straftaten begangen (Diebstahl von Regierungseigentum, Spionage), die entscheidende Frage ist aber, ob diese Straftaten als politisch einzustufen sind. Snowden hat aus politischer Überzeugung Straftaten begangen, um Straftaten der USA aufzudecken. In diesem Fall würde bspw. das Auslieferungsabkommen zwischen USA und BRD nicht greifen, da politische Straftaten aus diesem Vertrag ausgeschlossen sind.
    Die Diskriminierung bzw. Verfolgung ergibt sich somit nicht aus seiner Überzeugung, sondern aus der Tat, zu der diese Überzeugung geführt hat. Und zu seinen Motiven hat sich Snowden mehrfach geäussert.

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  10. Dieses staatstragende Anbiedern an Geheimdienste kann ich nur schwer ertragen. Wieder einmal gerät völlig aus dem Blick, das diese Insitutionen eine enorme Gefahr für alle demokratischen Errungenschaften sind. Das jemand, der (gott sei dank) Beweise für diese Unterhöhlung demokratischer Rechte (wie das Recht auf informationelle Selbstbestimmung) vom Autor als konventioneller Krimineller bezeichnet wird ist dumm. Wenn diejenigen innerhalb staatlicher Institutionen, die den Eindruck haben, dass diese Insitutionen sich verselbstständigen und Recht und Moral brechen, nicht davon Berichten dürfen, in was für eine Welt schlittern wir dann? Darum geht es doch den USA und darin werden sie im Grunde von fast allen Staaten der Welt inklusive Russland unterstützt. Das ihre Untergebenen nicht ihr Gewissen befragen sollen. Wo kämen wir denn sonst hin, wenn Soldaten Kriegsverbrechen veröffentlichen und Gefängniswächter Folter publik machen?

    Eine linke oder humanistische oder auch nur Menschenfreundliche Position würde vermeiden zum Wortreicher von Staats und Geheimdienstinteressen zu werden.

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  11. Wie kann Snowden es nur wagen, seinen Selbstschutz über Kritik an Russland zu stellen!

    Wäre er doch stattdessen in eines der westlichen Länder geflogen, die sofort angekündigt hatten, ihn auszuliefern. Oder hätte er (wie zunächst versprochen) versucht, in eine genehmere Diktatur Südamerikas zu fliegen und unterwegs festgenommen zu werden (siehe Evo Morales Flug).

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  12. Ich kann nicht glauben, dass Sie sich ernsthaft über die Passivität deutscher Außenpolitik beschweren, Herr Gensing.
    Was wollen Sie, einen neuen Kosovo-Krieg?!
    Es sollte klar sein, dass sich die Außenpolitik eines Landes vor allem nach seinen wirtschaftlichen Interessen richtet. Wenn sich Deutschland also wie ein „politischer Gartenzwerg“ verhält, sollten wir eher froh darüber sein, denn etwas besseres ist von einer Waffenhändlernation sicher nicht zu erwarten.

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  13. Als jemand der auch Systemadministrator ist, finde ich die Berichterstattung aus „unseren linken kreisen“ leider absolut katastrophal.

    Ich würde mir viel eher wünschen, dass wir anfangen uns darüber zu unterhalten was die existenz dieser bekanntgewordenen Techniken für „uns“ bedeutet. Der Artikel geht da teils schon in die richtige richtung, indem gefragt wird welche Rolle Russland spielt, eben weil die es mit den Menschenrechten bekanntermaßen nicht so ernst nehmen.

    Mir hat dieser Skandal gezeigt, dass es KEINER mit den menschenrechten ernst nimmt. In der „Westlichen Welt“ ist das Feindbild „Bürger“ mittlerweile genausogroß wie in den „offensichtlichen unrechtstaaten Russland, Syrien & Co“.

    Ich sehe auch nicht dass Deutschland sich von Washington Distanziert. Im Gegenteil, Wir möchten gerne den Five-Eyes beitreten. Und wir wissen ganz genau, in welchem Licht UNSERE Geheimdienste uns betrachten. Wollen wir wirklich, dass diese dann genauso intensiv mit den jetzt bekannten US-Techniken kooperieren ?

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  14. Was mich bei dieser NSA Affäre so ärgert ist nicht das Rußland jetzt „Snowden-Washing“ betreibt.

    Sondern das in Deutschland, wo es jetzt gerade mit dem NSU Skandal ein Geheimdienst Problem gibt, kein Politiker interesse hat mal die eigene Sicherheitsstruktur zu überdenken.
    Die Argumentation „Das brauchen wir gegen Terroristen“, immoment so fabelhaft von der NSA vorgeführt, kann BND und VS auch.
    Diese Argumentation ist doch das grundlegende Problem. Nein das wird nicht gegen Terror gebraucht. Das wird geschreddert wenn der Terror vorbei ist.

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  15. Der Gartenzwerg, der nur in Ruhe Geld scheffeln will, ist vielleicht nicht ganz richtig getroffen. Vielleicht wäre es besser zu sagen : Weil der Gartenzwerg versucht sich überall herauszuhalten, scheffelt er Geld.

    Die Wertung dazu mag jedem selbst überlassen sein.

    Ob Russland nun gerade politisch gesehen ein guter Aufenthaltsraum für Snowden ist, mag angesichts der dort gerne gezeigten Menschenrechte ebenso kritisch hinterfragt werden. Bedenken sollte man aber, dass für Snowden nicht gerade die Türen offen gestanden haben. Da gab es genügend Gartenzwerge – und nicht nur deutsche – die lieber die Ruhe wählten als den Konflikt.

    Auch der Absatz, dass Spionage unter Staaten nichts besonders sei, erscheint mir etwas zu sehr auf den Gartenzwerg, der sich lieber heraushält, gemünzt. Wenn es unter dem Totschlagargument der Terrorabwehr möglich sein soll, alle Daten die produziert werden, zu speichern und auszuwerten – und das dann nicht einmal von allen Staaten, sondern nur von einem Staat der durchaus auch gerne lediglich seine eigenen Interessen verfolgt – muss man sich überlegen wo das größere Übel sitzt.

    Ist es in Moskau wo man Greenpeace Aktivisten einkassiert, die auf dem Boden von Russland aktiv wurden, oder ist es weltweit wenn man per Mail etwas mitteilt was den USA oder seinen engsten Brüdern nicht passt. In dem Fall könnte Greenpeace nicht nur in Moskau Probleme haben, sondern in jedem Land wo Sie gegen die Interessen der abhörenden Stelle „verstoßen“.

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  16. pragmatisch gesehen: die angenehmen und effektiven Potentiale elektronischer und digitaler Machbarkeiten haben eben auch ihre dauerhaften Kehrseiten und auch in Demokratien verselbständigt sich Macht, auch auf Kosten von Grundrechten und Werten. Snowden sei Dank, dies transparent gemacht zu haben ;er hat zugleich die Ignoranz der Zauberlehrlinge bewußt gemacht :weh die Geister,die ich rief… .Man muß lernen, damit umzugehen – Spionage als stete Unmoralität anzunehmen und sich entsprechend auszurichten – The Evil=Kontrolle is all and everywhere möglich und niemand ist davor gefeit : to and fro – alle anderen Beteuerungen und Gegengesetze sind unrealistisch oder Heuchelei. . Vielleicht hilft es dazu ,wieder geschickter und umsichtiger zu agieren und sich der eigenen Würde ud Grenzen im gegenseitigen, auch politisch-diplomatischen Umgang wieder bewußter zu werden

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  17. Nachtrag zu meinem ersten Kommentar:

    Lange warten müssen wir garnicht, das ist m.E. noch vor Neujahr durch:

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/CDU-und-CSU-wollen-Internet-im-NSA-Stil-ueberwachen-2038476.html

    +

    http://www.golem.de/news/geheimdienste-deutschland-soll-vor-anti-spy-abkommen-mit-den-usa-stehen-1311-102518.html

    Zeigen sehr schön, dass der aktuelle Kurs meiner These entspricht.

    Und nochtmal der aufruf, dass „wir“ in der linken Szene über absolut die falschen Aspekte dieses Skandals aufregen.

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  18. Ist das jetzt die schon angekündigte Fortsetzung von Pearl Harburg oder ein weiterer Beitrag zum Thema Snowden?
    Ich finde übrigens dass die inzwischen aufgedeckten Punkte von der Ausspähung mehrerer EU-Politiker nicht mehr in die Argumentationsweise von Pearl Harburg passen. Angela und Co sind sicherlich Gartenzwerge
    http://www.ruhrnachrichten.de/nachrichten/region/bilder/cme93147,1864790
    (Bild 4 finde ich passender als der Zwerg im Artikel)jedoch über jeden Terrorverdacht erhaben. Nun deutet sich die neue Argumentationslinie an: Spionage unter Staaten sowieso seit Jahren Usus.
    Die Thematisierung der Verhältnisse in Russland ist richtig trifft aber auch nicht den Kern. Wenn ich die Wahl hätte zwischen einer 1A Behandlung in Russland oder irgendeiner Botschaft Lateinamerikas und einem amerikanischen Knast wie Guantanamo würde ich mich auch spontan für Ersteres entscheiden. Was hatte denn der Mann für Optionen? Also logisch denken hilft weiter. Spätestens nach der Umleitung des Evo Morales Flug war doch klar, dass es aus Moskau nicht mehr raus kommt.
    Davor hat er sich diese Option noch offen gehalten.
    Was er gesagt hat ist viel interessanter als das was andere u.a. auch Herr Gensing daraus machen. (siehe auch meinen Kommentar zu Pearl Harburg)

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  19. Frage:

    Was will man von Menschen – egal ob Rechts oder Links – erwarten, die als Produzenten ihrer eigenen Konsumwelt für ihre eigene Überwachung erst arbyten gehen, und sich danach auf Anti-Überwachungs-Demos treffen, die eher einem lustigen kleinen multikulturellen(lol) IMEI-Basar gleichen…

    Weil die gegen Antagonisten protestierende Minderheit, bestehend aus aufgeklärten Bürgerinnen und Bürgern nicht mal mehr merkt, wie sie eigentlich nur noch – Verzeihung – nach Strich und Faden VERARSCHT wird?

    Inzwischen sollte doch die oder der Letzte gemerkt haben, dass es niemals um irgendwelche Aufklärung von politischen oder geheimdienstlich motivierten Aktivitäten jenseits des Mainstreams geht, denn nicht mal DER hat mit massivster Einschaltqoute ein kleines Erweckungswunder vollbringen können, obwohl man sich schon auf „Muttis“ kleinen Klingelkasten intellektuell-hochgeBILDet beschränkte…

    Was will man von Menschen – egal ob Rechts oder Links – erwarten, die VORNE und vor allem ganz LAUT sich über diverse Praktiken der geheimen Geheimdienste aufregen, über massive Spionage und ´84, aber hinten beim Konterfei-Klaumauk ihre Likes oder Dislikes verschenken, bei Abwesenheit sich noch freiwillig mit dem Unterwegs-Button abmelden, weil im „Disclaimer“ deutlichst lesbar ihre Daten auch zu anderen profilneurotischgeilen Zwecken benutzt/missbraucht werden?!

    Was will man von Menschen – egal ob Links oder Rechts – erwarten, die noch nicht mal nach mehreren Jahrzehnten zu begreifen scheinen, warum man sich definitv nicht ständig an der Schuld oder Unschuld Anderer aufhängt?

    Vielleicht kennen die Stammis hier unseren hell blinkenden kleinen Zylonencomputer von der NSA? http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Frostburg.jpg

    Nun…, vielleicht könnte uns ja dann der Meisterspion Snowden mal aufklären, warum denn bitte schön an dieser zweitklassigen Requisite irgendwelche roten Lämpchen völlig sinnlos blinken, und sich daraus für einen Laien oder meinetwegen auch geschulten Informatiker keine Syntax oder Information erkennen lässt, die irgendwie zu interpretieren wäre…

    BLINK?! BLINK?! BLINK?!

    Interessanterweise haben die Amerikaner mit derartigen medialen Zirkusvorstellungen schon immer genügend Einschaltqoute und Aufmerksamkeit generieren können, digitales Opium für´s elektronische Volk von Snowden und Co. bildet da keine Ausnahme.

    In Wahrheit hat diese zweitklassige Groteske doch real nichts bewirkt, alles geht seinen scheinbar linear deterministischen Gang, es wird weiter bei Gesichtsbuch und in Blogs gegen die NSA und Überwachung geworben, Twitter Incorporated-Aktien verdoppeln aktuell an der Börse ihren virtuellen Wert, der Traffic verzwanzigfacht sich höchstwahrscheinlich, alle müssen ja empört ORWELL schreien, am besten mit dem neuen Ei-Pet oder Samsung Galacksi in der Hand und unterwegs, Menschen sitzen im allgemeinen stundenlang vor Maschinen und tippen sich ihre Meinung zu, glauben an die Freiheit des Internets, freuen sich über die Bemühungen der Bundesregierung zum beschleunigten Netzausbau, gehen zukünftig immer weniger T-Offline, Inside Wikileaks und Mc-Donalds Botschafter Bleibtreu geben sich weiter bezahlt labernd als kosmopolitisch-aufklärend heuchelnd die Klinke in die Hand , tja und der Branning ist jetzt eine SIE!

    Das ist ja mal was ganz Neues….

    Da kommt man ja sich wie bei EXTREM SCHÖN(blöd auf RTL II vor.

    Überhaupt war es sowas von genial und intelligent, gegen Überwachung in Schland auf die Strasse zu gehen, der Einfluss unserer ach so demokratischen Regierung auf territoriale Ungereimtheiten in den USA tendiert schließlich gegen Null.

    Aber es war ja eh egal, es hätte eh nichts bewirkt.

    Eigentlich traurig….

    MfG Gast

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