Verbote in „Freiräumen“: Das Falsche im Falschen

Ist Publikative.org unreflektiert antifeministisch? Wird hier gar nicht mehr recherchiert? Wollen die „Internet-Hools“ nur gegen das AJZ Bielefeld schießen? Nein. Ich bin vielmehr der Meinung, identitäre Konzepte und restriktive Maßnahmen bringen keine „Freiräume“.

Von Patrick Gensing

Wie emanzipatorisch und fortschrittlich ist es, das Ausziehen von T-Shirts auf Punk-Konzerten zu verbieten? Die Mädchenmannschaft meint, es sei „hin und wieder“ solidarisch, „das T-Shirt einfach mal anzulassen“. Denn das Ausziehen des Shirts sei in dieser Gesellschaft „Typen“ vorbehalten, die mit Privilegien ausgestattet seien: „Eines davon ist, sich nach Lust und Laune und so gut wie immer und überall weitestgehend entkleiden zu können.“ Das Bild des von Lust und Laune gesteuerten Typen, der immer und überall blank zieht, wird hier gezeichnet.

Die Autorin der Mädchenmannschaft folgert daraus: „Auf Privilegien zu verzichten, solange sie nicht allen zuteil werden, ist ein solidarischer – und in diesem Falle antisexistischer – Akt.“ Die Überschrift passt damit allerdings nicht mehr zum Inhalt des Artikels, denn dieser Argumentation zufolge müssten Männer beispielsweise auch im Freibad einen Badeanzug tragen – und sollten auch sonst überall ihre Nippel verhüllen, da dies „weiblich kategorisierten Personen“ gesetzlich vorgeschrieben sei. Fortschrittlich und solidarisch soll es also sein, wenn Benachteiligungen für alle gelten.

Wo ist eigentlich die Arbeiterjugend?

Dass dieses Politikkonzept – wenig überraschend – ziemlich unattraktiv ist, haben die vergangenen 25 Jahre gezeigt: Eine weit verzweigte, heterogene linke Bewegung ist bis zur Nichtwahrnehmung zusammengeschrumpft, ihre Reste sind damit beschäftigt, verbliebene „Freiräume“ zu verwalten bzw. im Szenesprech: zu verteidigen. Freiräume, die sich Arbeiterjugendzentren nennen, von denen die Arbeiterjugend aber wenig wissen will – und auch viele Linken aus der Mittelschicht tauchen dort nur bei Konzerten auf. Selbstverständlich gibt es für diesen Niedergang viele Gründe – einer ist meiner Ansicht nach aber auch die Tendenz, immer neue Verhaltensregeln aufzustellen.

Die gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit wird gerne mit der angeblichen Richtigkeit der eigenen Konzepte verwechselt, da das Desinteresse der großen Öffentlichkeit als hilflose Ignoranz interpretiert wird, die nur zeige, wie korrekt die eigenen Analysen seien. Ein typisches Merkmal für abgeschlossene Subkulturen und Politzirkel; Marxisten führen beispielsweise gerne an, der Gegenüber habe Marx nicht richtig verstanden; dass man schlicht anderer Meinung ist oder andere Prioritäten setzt, erscheint ausgeschlossen.

Gesellschaft als Zumutung

Dies sei auch eine „Folge postmoderner Zersplitterung“, wie Robert Pfaller in der Jungle World treffend feststellte, bei der „fast alle nur noch mit Gleichgesinnten und Gleichorientierten verkehren möchten“. Eine allgemeine Sprache zur Verständigung fehle. Übrig bleiben „lauter nestwarme »Communities«“. Statt Gesellschaft gestalten zu wollen, geht es nur noch darum, das Individuum vor ihr zu schützen.

Und hier liegt der Hase im Pfeffer. Denn so berechtigt die Forderung nach einer angemessenen politischen und beruflichen Repräsentation aller gesellschaftlicher Gruppen auch ist, so schwierig gestaltet sich bisweilen eine politische Praxis, die sämtliche Diskriminierungen per Dekret aufheben will. Was bei der Frauenquote in Chefetagen sinnvoll ist, muss woanders nicht automatisch funktionieren. Regeln können keine Politik ersetzen – und das Hausrecht kennt nur Ja oder Nein. Gesellschaft ist aber weit komplexer.

Wer spricht von wo? Und was eigentlich?

Kritik an solchen Konzepten – wie im Fall des AJZ – wird auch deswegen so schwierig, weil die Pflichten und das Handeln des Individuums sowie dessen Privilegien in den Mittelpunkt gerückt werden – dadurch mutieren sachliche Debatten schnell zu einem Schlagabtausch auf persönlicher Ebene. Es geht vor allem darum, wer von wo spricht. Was wer spricht, ist hingegen fast nebensächlich geworden.

Und so bekommen auch Feine Sahne Fischfilet bei der Mädchenmannschaft noch ihr Fett weg. „Die Band hat zwar inzwischen auf Facebook ein Statement veröffentlicht, in der sie der Darstellungsweise des Indymediaartikels widerspricht – von Selbstkritik ist aber auch dort leider keine Spur zu erkennen.“

Auf unseren Konzerten haben wir kein Bock auf erbärmliches Rumgeprolle. Wer nen Harten schieben will und zuviel Testoteron inne hat, kann unserentwegen gerne mal nach Anklam fahren und dort die Muskeln spielen lassen. Das würden wir dann sogar hart abfeiern. Alles Andere empfinden wir nur als peinlich! (FSF auf FB)

Die Darstellungen auf Indymedia- und bei den Ruhrbaronen waren zuvor bereits auf Publikative.org korrigiert worden, was allerdings in den erbitterten Debatten und dem zugegeben sehr polemischen Tonfall meines Artikels unterging. Wie auch immer: FSF personifizieren offenbar die im Mädchenmannschaft-Artikel grob skizzierten „Typen“: weiß, privilegiert – und durch das Ausziehen des T-Shirts sexistisch. Dass sie sich klar positionieren, spielt keine Rolle.

Ich kann mit solchen identitären Politikkonzepten, die einer „alle sollen nichts haben“-Logik folgen, nichts anfangen. Und deswegen finde ich Regelungen, wonach Drummer ihr T-Shirt bei Konzerten nicht ausziehen dürfen, weiterhin vor allem: grotesk.

Siehe auch: Linguistik-Professor lockerer als Bielefelder Autonome?

32 Kommentare zu „Verbote in „Freiräumen“: Das Falsche im Falschen

  1. Trifft alles auch meine Meinung. Nur der Grund, warum die unabhängigen (autonomen) Jugendzentren leer bzw. irrelevant bleiben, sehe ich primär nicht in den Verboten, sondern in der Stimmung die da allgemein herrscht. Ich habe es so kennengelernt, dass wenn du nicht jeden Tag dort hin gehst, automatisch wie ein Zivilbulle oder Staatsschützer behandelt wirst. D.h. skeptische Blicke und: man bleibt allein. Nun kann ich das verstehen, da ja tatsächlich immer wieder Verfassungsschutzleute etc. die linke Szene unterwandern. Nur durch die daraus resultierende absolute Unoffenheit der linken Szene bleiben einem nur zwei Möglichkeiten: Entweder ganz der Szene beizutreten, also zu erst einer Gruppe und dann nichts anderes mehr zu machen. Oder sich außer auf Partys von den Zentren fern halten. Ab und an mal auf einen Kaffee und zur Diskussion vorbei zu kommen, ist eher unangenehm. Entweder du gehörst dazu, oder eben nicht. Da bleiben die meisten dann doch eher weg. Und die Leute im Autonomen Zentrum passt das auch. Sie bleiben, entgegen ihrer Darstellung, zur Vokö lieber unter sich.

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  2. Lieber Patrick,

    Als Mensch der sich seit jahren in (autonomen)Zentren engagiert, habe ich die Diskussion um Feine Sahne Fischfilet interessiert verfolgt. Die Läden, in denen ich mitgearbeitet habe (ein klassisches Autonomes Zentrum in NRW und ein ehemals besetztes, heute von der Stadt gefördertes Kulturzentrum), ist mir die Diskussion um die Frage, was für Ansprüche an das Verhalten der Besucher_innen gestellt wird, und wie mit inakzeptablem Verhalten umzugehen ist, nicht neu.

    Deine Kritik an der Verbotspolitik der linken Szene ist leider nur allzu treffend. In vielen Läden prallen Menschen, die sich nicht mit den Verhaltenscodes der Szene auskennen, auf eine für sie nicht vorhersehbare Mauer aus gepfolgenheiten, bei deren Verletzung teils drastische Sanktionen anstehen.

    Fakt ist aber auch, das in vielen Diskos und Konzertsäälen dieser Republik eine ebenso unausgesprochene Mauer für die Menschen besteht die sich dem Mainstream nicht unterordnen wollen (was gewähltes aussehen angeht) oder können (Aufgrund von Geschlecht, sexueller orientierung etc.). Viele linke Zentren haben sich zum Ziel gesetzt, einen Raum zu bieten in dem diese gesellschaftlichen Ekelhaftigkeiten draussen bleiben sollen.

    Über einen Ansatz, wie dieses Ziel umzusetzen wäre, würde ich mich sehr freuen. Bis dahin bleibt die mehr oder weniger energische Anwendung des Hausrechts in Verbindung mit Aufklärung über die Ansprüche an das Verhalten der Besucher_innen.

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  3. Auch wenn ich damit deiner Argumentation in die Hände spiele: Für mich klingt das nach nem männlichen Abwehrreflex, den du dir nur leisten kannst, weil du eben die Subjektposition hast, die du hast.

    Was ich mich allerdings die ganze Zeit frage ist ob du genauso argumentieren würdest, wenn es um ein Szenario ginge, in dem eine negativ von Rassismus betroffene Person auf einem Konzert auf die Bühne geht und sagt: „Dies und Jenes Verhalten empfinde ich als rassistisch“. Wahrscheinlich würdest du nicht zu dem Ergebnis kommen, dass das vor allem grotesk sei – oder?

    Mir ist dabei klar, dass der Vergleich zwischen Rassismus und Sexismus nur bedingt funktioniert. Dennoch zeigt dieser Vergleich auf, wie wenig grotesk ein solcher Beschluss und die Umsetzung sind.

    Und es geht lässt sich eben nicht in einer „‚alle sollen nichts haben‘-Logik“ fassen, weil es nicht um Boykott von irgendwelchen Produkten geht. Es ist keine Verzichtslogik, die dahinter steht, sondern die Reflexion der eigenen Privilegien und das Anerkennen der Räume und Grenzen anderer Menschen!

    Am Ende noch ein Blogartikel, den ihr nicht erwähnt, der meiner Meinung nach aber einen sehr guten Beitrag in der Debatte geleistet hat:
    http://schlottekamuffel.wordpress.com/2013/09/28/feine-sahne-bielefeld-und-alle-bashen-mit/

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  4. Der Artikel ist auf jeden Fall reflektierter als der Vorgänger. Es kann schon negative Auswirkungen von Regeln geben, aber genauso gut auch positive Auswirkungen.
    Das ist eben eine Abwägungsentscheidung, welche jeder Raum, Gruppe, usw. immer wieder aufs neue treffen muss.
    Genauso gut kann sich eine Frau ausgeschlossen fühlen, wenn ein Mann seinen nackten Oberkörper zeigt. Das ist dann auch ein Auschluss, welcher nicht als Regel festgesetzt wurde, sondern einfach dem Status quo gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse entspricht. Da lugt auch schon der Widerspruch um die Ecke. Denn die Befreiung der Sexualität in den 70er hatte ja auch häufig eine sexistische Konnotation (in der Kommune schlafen alle mit allen, aber irgendwie gibt es nur einen Typen) oder andere erhebliche Schwierigkeiten (Pädophilie). Genauso wäre das Ausziehen eines T-Shirts auf einem klassischen Konzert ein Affront und wird deswegen als Widerspruch gegen gesellschaftliche Normen gesehen. Gleichzeitig ist oberkörperfrei im Park, auf der Fanmeile, in der Großraumdisco oder auf dem Punkkonzert kein Auflehnen gegen den gesellschaftlichen Normalzustand, sondern Ausdruck von Männlichkeit oder sonstiges (es ist einfach heiß, …). Natürlich ist es immer blöd bestimmten Einschränkungen zu unterliegen, allerdings ist dies im gesellschaftlichen Zusammenleben normal und notwendig (ala „du sollst nicht töten“). Welche Einschränkungen problematisiert werden („man wird ja wohl noch sagen dürfen“) und welche Einschränkungen normal sind (Lohnarbeit, rassistische Diskriminierungen, Armut) hängt von den jeweiligen Kräfteverhältnissen ab.
    Da unsere Gesellschaft trotz allem immer noch patriarchal strukturiert ist, finde ich es weiterbringender zu gucken, wie Sexismus abgebaut werden kann und nicht zu gucken, welche Gegenstrategien einen nerven.

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  5. In eurem korrigierten Artikel steht immer noch nicht, warum es diese Regel dort gibt (oder warum ihr Autonome mit dem Maßstab der Lockerheit zu erledigen versucht).

    Die Publikative hat immer recht!

    (Bei den Ruhrbaronen steht übrigens auch immer noch „Konzertabbruch“ in der Überschrift…)

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  6. Gut geschrieben….

    „… Eine weit verzweigte, heterogene linke Bewegung ist bis zur Nichtwahrnehmung zusammengeschrumpft, ihre Reste sind damit beschäftigt, verbliebene “Freiräume” zu verwalten bzw. im Szenesprech: zu verteidigen. Freiräume, die sich Arbeiterjugendzentren nennen, von denen die Arbeiterjugend aber wenig wissen will – und auch viele Linken aus der Mittelschicht tauchen dort nur bei Konzerten auf. Selbstverständlich gibt es für diesen Niedergang viele Gründe – einer ist meiner Ansicht nach aber auch die Tendenz, immer neue Verhaltensregeln aufzustellen. …“

    …und das würde ich sofort unterschreiben , bei uns wird seit geraumer Zeit um (ich spitze zu) um den „sauberen Volkskörper“ gestritten und all jene die Rauchen und trinken sind faktisch Minderwertig in ihrer Meinungsbildung und es werden Regeln durchgerungen, wie Rauchverbote, die das Proletariat vergrault und die bürgerlichen Linken, beschmunzeln sowas nur und gehen einfach in ihre Innercity Clubs.
    Das alles wird untermalt mit einer Bankrottangst dem Hausprojekt gegenüber, weil ja die Leute fehlen.

    Ein beschmunzelndes Beispiel von einer Straight Edge Party:
    Es wurde drei Din-4 Seiten mit ca. 20 Verhaltenscodexen aufgehängt, welche man sich lieber durchlesen sollte, damits keinen Ärger gibt.
    Die Aschenbecher wurden weggeworfen und alles was nach Alkohol ausah aus dem Tresenbereich enfernt, auch alles was nicht für die Gäste sichtbar war.
    Als Topping des Ganzen Spuks wurde einer Person, welche erzählte wie sie Bong raucht, nahegelegt doch bitte leiser zureden. Es könnten die anderen hören und ihre Nestwärme negativ beeinflussen -;))

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  7. Tatsache ist, dass früher die Besucher in sogenannten linken „Freiräumen“ miteinander kommuniziert haben, wo heute einfach pauschal Verhaltensregeln übergestülpt wereden. Ich sehe, wie feste Regeln über normalen Menschenverstand gestülpt werden. Und gerade die Debatte ums ausgezogene T-Shirt beim Drummer ist einfach nur lächerlich. Wer schonmal versucht hat mit ’nem klatschnassen T-Shirt Schlagzeug zu spielen, weiß wovon ich rede. Und der Umstand, dass ein nackter Männerkörper andere Reaktionen in der Gesellschaft hervorruft als ein nackter Frauenkörper wird auch nicht von der AJZ-Burkaverordnung außer Kraft gesetzt werden können. Und wenn ich Ausdrücke wie „visuelle Vergewaltigung“ höre, fehlen mir echt die Worte. Des weiteren finde ich es unnötig und unangenehm an allen Ecken und Enden Verhaltensregeln für den Umgang mit dem anderen Geschlecht anzuschlagen. Sätze wie „Meldet euch am Tresen, wenn ihr sexuelle Übergriffe beobachtet“ unterstellt Frauen ja bereits von vorne herein, dass sie nicht selber mit Problemen fertig werden können und die Hilfe Anderer benötigt. Wahrlich sehr emanzipatorisch.

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  8. Alles schon um einiges sachlicher, auch in den Kommentarspalten.
    Zwei Anmerkungen:

    @“Gedankenspiel“: Du schreibst „Es ist keine Verzichtslogik, die dahinter steht, sondern die Reflexion der eigenen Privilegien und das Anerkennen der Räume und Grenzen anderer Menschen!“

    Wenn aber die Anerkennung meiner Privilegien mit der Aufforderung einhergeht, auf diese doch bitte zu verzichten, dann ist das leider eine Verzichtslogik. Und was die Räume und Grenzen anderer menschen angeht: mein Körper ist zuallererst mal mein Raum und meine Grenze. Deswegen kann ich dennoch mit ihm nicht alles immer und überall machen, aber wenn andere mit vorschreiben, wie oder wie umfassend ich mich zu bekleiden habe, dann ist das erst einmal ein Eingriff in meine Grenzen, meinen Raum. Dass jemand ein Mann ist, macht ihn nicht zu jemandem, dessen rechte problemlos eingeschränkt werden können, weil er ja sowieso ausreichend „Privilegien“ hat.
    Im Übrigen gibt es auch unter der Überschrift „Antirassismus“ mittlerweile viele Spielarten, die bevormundend und in keiner Weise emanzipatorisch sind. Und auch das gehört benannt.

    @ „a“: Du schreibst „Da unsere Gesellschaft trotz allem immer noch patriarchal strukturiert ist, finde ich es weiterbringender zu gucken, wie Sexismus abgebaut werden kann und nicht zu gucken, welche Gegenstrategien einen nerven.“

    Wenn Gegenstrategien aber keine Gegenstrategien sind, dann muss ich ihnen auch nicht einen antisexistischen gehalt zumessen. Und wenn sie darüberhinaus einschränkend und bevormundend sind, dann sollte ich das auch so artikulieren.

    Es ist doch

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  9. Ich unterstütze Patrick Gensing in seiner Meinung.
    Linke Zentren und so weiter müssen nicht noch spießiger sein als
    die Gesellschaft es ohnehin schon ist.
    Hier wieder ein Beispiel wie absurd diese Verbotslogik doch ist:
    http://www.spiegel.de/sport/fussball/premier-league-spurs-fans-und-fa-streiten-um-juedische-sprechchoere-a-922417.html
    Verbote, Verbote ohne Ende.
    Demnächst gibt es ein Verbot für rote Rosen in linken Zentren und ein Mob stürmt auf Rosenverkäufer los und verkauft das noch als antisexistische Praxis.

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  10. BIKINI OBERTEILE für schwitzende Drummer wär ein solidarischer Move, der gleichzeitig geschlechterkonforme Kleidungscodes angehen würde.
    Mit Verzichtsgedöns könnt ihr mir da nicht kommen!

    Und so bösartig wie hier geschildert habe ich AZs (und ähnliche Orte) selten erlebt. Ein Verweis auf gemeinsam erarbeite (!) „Regeln“, die dafür sorgen sollen, dass sich Menschen, die andernorts mehr Diskriminierung erfahren, wohler fühlen können, führt oft zu Denkanstössen und netten Diskussionen.

    Wer jedoch sowieso nur die böse Feministinnen-Diktatur hinter den übergestülpten Regeln vermutet und einzig auf Abwehr aus ist, wird schon einen Grund zum Meckern finden…

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  11. @gallendieter: So ein „Dresscode“ ist doch gar nicht so weit von dem entfernt, was in manchen Hausprojekten oder auf manchen Partys schon Standard ist. Halt aus anderer Intention heraus.

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  12. @Gallendieter: Besten Dank für die Kommentare und treffenden Links. Eine wirkliche Bereicherung.
    Aber doch ein Hinweis – „in eigener Sache“: Auf der Startseite von Publikative steht seit wohl drei Tagen ein „großformatig angekündigter“ mich wirklich tief erschütterndes Filmdokument, betitelt mit „Mit Fackeln gegen das Asylbewerberheim“. Selten habe ich (Wahrnehmungen sind naturgemäß subjektiv, von der eigenen Biografie geprägt) eine so erschütternde, primitive, organisierte Hetze gegen „Flüchtlinge“, gegen „Asylanten“ gesehen – und doch hat der Beitrag kaum Leser gefunden, nahezu keine Kommentare gefunden.
    Wenn es aber um die eigene „weltanschauliche Betroffenheit“, die eigenen linken Diskurse geht (die notwendig sind – kein Thema; größten Dank an Patrick Gensing und KollegInnen!!!), dann gibt es höchste Beteiligung, vehemente Leserbriefe…
    Was könnte uns dies sagen?

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  13. @ gallendieter

    Pesterlloyd etc sind ja auch Linksliberale. Die sind da generell deutlich lockerer.

    Aber um etwas in die allgemeine Perspektive einzubringen: Für mich als „Szene-Opa“ zeigt sich in der immer eifrigeren Regelkunde autonomer Jugendzentren der alte Gegensatz zwischen dogmatischer und undogmatischer Linke. Einerseits. Andererseits wird in die linke Szene derzeit viel Müll aus diversen radikallinken „101“ US-amerikanischer Herkunft importiert.

    Ob das am Ende wirklich zu mehr Emanzipation führt, oder eher zu einer Art „Ver_Regelung“ linker Freiräume (ich bin da eher skeptisch), weiß ich nicht. Dort, wo ich als diskriminiert gelte (und auch: bin), fühle ich mich bei den meisten dieser Regeln eher nicht geschützt. Eher: vorgeführt…

    Das ist aber nur meine individuelle Position. Grundsätzlich bin ich das Vorhandensein besonderer „Schutzräume“, gerade auch in emanzipatorischen Umfeldern. Die Frage ist für mich nur, wie weit diese ausgeweitet werden sollten, um a) als Schutzraum zu funktionieren und b) nicht am Ende sogar noch ausgrenzend zu wirken. Der Aspekt a) lässt sich mit b) nicht leicht in Deckung bringen. Würde der Verfassungsschutz autonome Zentren unterwandern, wäre es – meines Erachtens – eine herausragend wirksame Strategie, diese autonomen Zentren mit immer rigideren Regeln zu befrachten. Eine Strategie zur Austrocknung der linken Szene.

    Was mir sinnvoll erscheint: Ein Nebeneinander zwischen „Schutzräumen“ und „weitgehend ungeregelten Räumen“. Meinetwegen Mo/Do als „Regeltag“ und der Rest halt bis auf die groben Kinken ungeregelt – und damit eben auch auf Offenheit zielend. Ich glaube, dass es kein gutes „entweder-oder“ gibt, sondern eher nur ein sinnvolles Nebeneinander.

    Die Regel“bedürfnisse“ unterschiedlicher Gruppen innerhalb der linken Szene ist offenkundig auch *sehr* unterschiedlich. Ich denke, das lässt sich nur durch das oben skizzierte „Nebeneinander“ vernünftig auffangen.

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  14. Jemand der glaubt, dass ein AZ nicht ein Autonomes Zentrum sondern ein Arbeiterjugendzentrum ist, dem traue ich nicht zu eine stichhaltige Analyse über Szeneinterne Konflikte anführen zu können. SOrry, aber befasse dich vielleicht mit den Gründen für derartige Entscheidungen. Abgesehen davon hat die Sache nichts mit einem Verbot oder mit Spießertum zu tun sondern mit ünbereinstimmung im Konsens und der vermeidung einer pauschal sexualisierten Atmosphäre. Da ein AZ immer noch ein Freiraum ist ist dort auf die Grenzen anderer Menschen besonders zu achten. Zeimlich peinlicher Text. Ich bin enttäuscht, dass so ein Rotz hier veröffentlicht wird.

    Anmerkung Moderator: Zum Thema peinlich und AZ und AJZ: http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiterjugendzentrum_Bielefeld

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  15. http://www.joggeli-gallery.ch/gallery2/main.php/v/saison/saison201314/superleague/20130803_fcsg-fcb/IMG_8966.JPG.html

    http://www.badische-zeitung.de/fc-basel/noch-ein-heisser-tanz–74164606.html
    (Viele FCB-Anhänger hatten wegen der strengen Kontrollen in der AFG- Arena ihre Klamotten im Extrazug gelassen und waren nur in Schuhen und in Unterhose zum Stadion marschiert.)

    Solch eine Protestform ist wohl noch utopischer …

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  16. @uri:

    „Wenn es aber um die eigene “weltanschauliche Betroffenheit”, die eigenen linken Diskurse geht, dann gibt es höchste Beteiligung, vehemente Leserbriefe. Was könnte uns dies sagen?“

    Ich würde das der „Linken“ noch nicht einmal zum Nachteil auslegen. Wo Unstimmigkeiten herrschen, da wird eben diskutiert. Der Kommentarstrang hier dokumentiert eben, wie divers und pluralistisch die politische Linke ist – und dass der vermeintliche Block aus „linken gutmenschlichen ökofaschistischen Genderideologen“ nur in den Köpfen beschränkter WELT-online-Kommentator_innen existiert. Mir ist aber der ständige Dikurs und das ständige Suchen nach einem besseren Umgang miteinander wichtiger als große, homogene Welterklärungsideologien. Denn erst der Widerspruch mit herrschenden Konzepten – und eine Meinungshegemonie gibt es imho auch innerhalb der verschiedenen linken Gruppen – bereitet die Freiräume für Andersdenkende vor. Aber bei der schrecklichen Hetze über das Asylthema sind sich alle – egal ob differenzfeministisch, linkslibertär, antideutsch, oder sozialdemokratisch – nunmal einig. Wie soll da eine große Diskussion entstehen?

    Mir ist dann ein Schweigen lieber als eine Ode an die Betroffenheit in zwanzig Stimmen. Das lenkt von der Lage der Geflüchteten ab und lenkt den Fokus auf die Gemütslage der Privilegierten.

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  17. @ Uri Deganie
    Ich schließe mich Ihrer Meinung generell an, dass in der Linken hier zu viel um szeneinterne Konflikte disktutiert wird anstatt über die konkrete Praxis.

    Casa Pound streckt die Fühler aus nach Europa und die NPD eröffnet ein Haus in Pirna mit deren Konzeption, an vielen Orten gibt es Hetze gegen Flüchtlinge (sogar mit Fackeln und Geblubber von Volksgemeinschaft), Verfassungsschutz und Parteien machen was sie wollen,
    in allen Ländern Osteuropas breitet sich die rechte Hegemonie aus,
    in Österreich steigert die FPÖ ihr Ergebnis auf über 20%, in Ungarn redet ein Ministerpräsident von Blut und Boden, in Norwegen gibt es eine Koalition zwischen Rechten und Konservativen, die AfD ist knapp an 5% gescheitert, usw und usf (Das war jetzt nur einmal ein zum Thema Antifaschismus)

    Was passiert? Ziemlich wenig … Über T-Shirts usw. wird mehr diskutiert als über die konkrete Praxis.

    Im Speziellen bin ich jedoch anderer Meinung was die Kommentare unter den Artikel anbelangt
    Unter so einen Artikel, der nur eine Information enthält sind keine Kommentare notwendig, wenn keine ergänzenden Infos erforderlich sind. Der Blog hier ist auch eher ein Infoblog als ein Diskussionsinstrument.

    Anders wäre dies wenn in dem Artikel stehen würde schreibt mal was denn konkret gemacht werden kann. Weshalb sitzt ihr hier nur rum und diskutiert über Kleinigkeiten anstatt mal etwas zu bewegen.

    Solch einen Grundtenor hatte ja auch das Statement von FSF.
    (Internethools-> Aktive Arbeit unterstützen z.B. Stralsund, Konzertprolls -> Muskeln spielen lassen in Anklam)

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  18. Wenn man sich die Beiträge hier so durchliest könnte man meinen, die Mitglieder einer rechten Kameradschaft bewahren sich mehr Individualität als die Besucher eines autonomen Zentrums.

    Ein armseliges Bild gebt Ihr hier ab…

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  19. Ich weiß nicht, wie es kommt – aber gerade les ich in der neuen Jüdischen Allgemeinen ein Interview mit dem Sänger und Kabarretisten Tim Fischer, in dem er über seine eigenen Erfahrungen mit Anderssein, „politische Korrektheit“ und Toleranz spricht – und irgendwie scheint mir das thematisch ein wenig zu passen:

    „Meine Eltern waren vordergründig absolut tolerant. Nur bei mir stieß ihre Offenheit an Grenzen. Ich zog als Junge gerne auch mal Pumps an; meine Eltern waren schlicht überfordert mit mir, glaube ich. Dasselbe galt für die Waldorfschule, die ich besuchte. Dort war man bis zur totalen Verkrampfung politisch korrekt. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass man in diesem Milieu bloß das Foto von Hitler an der Wand durch eines von Rudolf Steiner ausgetauscht hatte. Als ich 18 Jahre alt wurde, bin ich dann ganz schnell nach Berlin gezogen. Dort fand ich, wonach ich suchte und traf dort mit meinen Chansons auf großes Interesse. (…)
    Meine Oma war so ziemlich die einzige, die mich unterstützt hat. Sie führte mich in die Welt des Chansons ein und spielte mir Platten von Zarah Leander, Lale Andersen und Milva vor. Generell mochten nur ältere Frauen, was ich tat. Sie fanden es skurril, dass ein Junge Lieder von Frauen singt und eine Lebenserfahrung vorgaukelt, die er gar nicht haben kann. (…) Meine Mitschüler hingegen waren alles andere als begeistert.

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  20. am meisten Brechreize bekomme ich bei einigen Kommentaren hier von dieser anmaßenden Deutungshoheit. da schreibt jemand seine Meinung und es wird kein Standpunkt dagegengehalten, sondern von oben herab bewertet. das ist doch genau das Problem mit dem sich die „Bewegung“ seit Jahrzehnten selber zerstört. Verkrampfte Kontrollmentalität anstatt sich lebenslustig dem vielfältigen Diskurs zu stellen.
    Ich bin fast 40 und schon vor 25 Jahren gab es diese Blockwartmentalität in sogenannten Freiräumen. Ich hab irgendwann keinen Bock mehr gehabt mich skeptisch beäugen zu lassen, weil ich nicht dem uniformierten szene-Outfit entsprach. Ich hab vergeblich versucht Freundschaften zu schließen mit Kindern reicher Eltern die mich blöde anschauten wenn ich sagte, dass ich morgen arbeiten gehe und fragten warum ich das System unterstütze. Vielleicht weil ich Arbeiterkind war? Meinen Tabak haben sie aber natürlich gerne geschnorrt.
    Man war unter sich und blieb unter sich. Solange man aus demselben (bürgerlichen)Viertel kam und möglichst einigermaßen abgewrackt rumlief war alles ok, dann wurde man toleriert.

    Berufsstudenten erfanden immer wieder intellektuelle Bandwurmsätze, garniert mit Adorno-Zitaten warum man dies nicht durfte und das nicht durfte. Du hattest alleine schon deshalb keinen Bock mehr darüber zu diskutieren, weil die Leute zu einer extremen Hysterie tendierten wenn Du davon nur irgendwas in Frage stelltest. Wie alleine der Begriff der Vergewaltigung schon damals ausgedehnt wurde war zum kotzen. Teilweise habe ich solche Pamphlete versteckt, wenn mich Menschen zu Hause besuchten die wirklich brutale Missbrauchserfahrungen hatten. Denn denen zu erklären warum da jemand schreibt, dass der erregte Blick auf eine Frau einer Vergewaltigung gleichzusetzen wäre habe ich mir nicht zugetraut, weil es für mich auch nicht gleichzusetzen ist.

    Irgendwann habe ich für mich entschieden, dass die schönere Welt die ich mir wünschte mit diesen Menschen nicht möglich sein würde. Ich hatte auch keinen Bock mich anzubiedern.
    In meinem eigenen Viertel nicht akzeptiert, weil ich da die „Zecke“ war, bei den „Zecken“ selber durchgefallen, weil nicht deren Normen entsprechend. Ein Problem was im Übrigen viele hatten, wie ich später erfahren habe.
    Grundhaltungen zu Staat, Faschos, Kapital und anderen Dingen stimmten weiterhin überein, mehr aber leider nicht. Auch heute noch bin ich bei einzelnen Aktionen dabei und muss mich von den jungen Kids als vermeintlicher Zivilbulle beäugen lassen, damit komme ich aber gut klar.

    Die Leute, die damals die meisten Regeln aufgestellt haben, die am lautesten schrien usw. sind schon lange nicht mehr dabei. Teilweise jetzt in der SPD aktiv oder einfach beruflich im Management unterwegs und auch leider keine Zeit mehr sich zu engagieren.
    Hört auf Regeln für jeden Scheiß aufzustellen! Etabliert die Bewegung und ihre Freiräume endlich als offene Alternative zu diesem Rotzsystem! Identifiziert und kommuniziert mehr Eure Motivation, warum Ihr in diesen Zusammenhängen unterwegs seid und sucht nach Schnittstellen, anstatt diesen Scheiß solange weiterzumachen, bis alle Zentren dicht sind!

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  21. als Letztes @ Münchhausen: Ich habe mich auch – daher kam meine „Idee“ – nicht nur auf die formale Anzahl der Kommentare bezogen, das wäre blöd und unpassend, sondern auf die relativ geringe Anzahl der Aufrufungen dieses großformatig dargebotenen Filmportraits. Dies hatte mich einfach überrascht – und zu Nachfragen angeregt.

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  22. @Publikative

    Eure Argumentation ist nun wirklich, …, komisch. Als ob es irgend einen Freiraum gäbe der nicht restrektiv ist. Freiräume sind doch genau deswegen Freiräume weil es klare Regeln gibt an die sich alle halten müssen.

    Außerdem hat nicht jeder Freiraum den Anspruch das einzige soziale Konzept zu sein, oder auch nur Regeln aufzustellen die Allgemeingültig sind.
    Ihr sagt es ja selbst nicht überall ist eine Frauenquote gut, aber in Firmen schaffen Frauenquoten definitiv Freiräume nämlich Platz für Frauen durch restrektion.

    Also es sollte mehr Freiräume geben, die hoffentlich Unterschiedlich sind, eine Verständigung ist dann möglich wenn Menschen in der Lage sind die Freiräume der anderen zu respektieren und selbst Freiräume haben in denen sie agieren können.

    Die „postmoderner Zersplitterung“ ist nun eine zwingende Folge wenn solche Freiräume eben nicht respektiert werden, sondern boykottiert werden.
    „Statt Gesellschaft gestalten zu wollen, geht es nur noch darum, das Individuum vor ihr zu schützen.“, tja hier liegt nun offensichtlich ein Konflikt vor, zwischen Rousseau und Hobbes.
    Muss man das Individuum nicht gerade schützen, weil die Gesellschaft es sonst abschaft um letzlich die Gesellschaft zu gestalten?

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  23. @Gedankenspiel:
    Dein Vergleich mit dem Rassismus ist nicht nur gewagt, sondern funktioniert sogar ganz und gar nicht.
    Ich deinem Gedankenspiel müsste der Vorwurf lauten: „Ich fühle mich rassistisch beleidigt, weil dein freier Oberkörper „Weiss“ ist.“ Ich bezweifle sehr, dass in diesem Fall ein etwas solidarischerer Umgang mit dem Vorfall gepflegt würde.

    Ich habe selber jahrelang in einem Autonomen Zentrum Konzerte veranstaltet, und diese ganze Geschichte kenne ich bis zum letzten – inklusive Entglasen eines Tourbus weil der Sänger auf der Bühne mit 3-4 Zuschauerinnen getanzt hatte.
    Dies wurde von einer Gruppe Männer (!) als sexistischer Akt eingestuft.
    Einen Freiraum dadurch zu definieren, indem man Verbote aufstellt ist ein Paradoxon an sich. Diese Verbote dann auch noch „im Namen von…“ aufzustellen, wie es gerade in diesen Fällen immer wieder vorkommt, stellt den Begriff Freiraum meiner Meinung nach ad absurdum.
    In einem Plenum unserer damaligen Konzertgruppe (5 Frauen, 4 Männer) mit den mutmaßlichen Drahtziehern der Bus-Aktion (alles Männer) wurde an diese die Frage gerichtet, mit welcher Begründung Männer eigentlich festlegen sollten, was für Frauen unzumutbar sei. Die Antwort war tatsächlich, die meisten Frauen wären auf Grund der jahrelangen Prägung des Patriarchats nicht mehr in der Lage zu erkennen, wann sie mit Sexismus konfrontiert seien – und falls doch wären sie nicht in der Lage sich zu wehren. Ich glaube zu solchen Aussagen muss ich nichts mehr sagen.
    Auch das Problem des Triggerns, wie es auf einmal überall so schön zu hören ist, ist nicht durch solche Verbote in den Griff zu kriegen. Ich wage es sehr zu bezweifeln, dass der nackte Oberkörper eines Schlagzeugers eher im Stande dazu ist, ein Trauma wieder zu bedienen, als das Gedränge im Publikum mit dadurch verbundenem (ungewollten) Körperkontakt, der Geruch eines bestimmten Deos/Parfüms oder die Stimme eines Unbekannten im Nacken.
    Doch sind all dies Dinge, die auf einem Konzert wohl kaum vermeidbar sind. Deswegen jedoch auch vermeidbare, jedoch äußerst unwahrscheinliche Dinge zu verbieten, kann nicht der richtige Weg sein.
    Und zu guter Letzt: das (männliche) Privileg aufzugeben mit freiem Oberkörper umher zu rennen, um Solidarität mit Frauen zu zeigen, die das (angeblich) nicht können, kann niemals der richtige Weg sein. Man kann nicht etwas einfordern, indem man anderen genau dieses verbietet. Im Gegenteil. Schönen Tag noch.

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  24. Ein paar Gedanken zu der Oberkörperfreiverbot/ Privilegien-Debatte:

    Es ist doch eine Tatsache, dass sich einige Menschen von Typen die auf einer Party sind und ihr T-Shirt ausziehen, gestört fühlen. Ob sie sich gestört fühlen, weil das entblößen des Oberkörper in der Öffentlichkeit ein rein männliches (und somit auf Sexismus beruhendes) Privileg ist oder aus welchen Gründen auch immer, spielt für diesen Kommentar erst mal keine Rolle. Hier soll es eher um die damit verknüpfte Debatte um Hausverbote & Privilegien gehen.
    Ich persönlich finde es jedenfalls auch unangenehm, wenn ich am tanzen bin und auf einmal ein Typ neben mir blank zieht. Und dies ist nicht mein individuelles Problem, sondern betrifft viele Menschen mit denen ich schon mal feiern war.

    In meinen Augen hab ich nun 3 Möglichkeiten mit diesem, meinem Problem umzugehen:

    1. Ich versuche den Typen zu ignorieren. Was meist leider nur dazu führt, dass ich (und meist auch viele meiner Freund_innen und andere Partybesucher_innen) schlechte Laune kriegen. Stress zu verdrängen bringt nun mal auf Dauer eher Unlust mit sich.
    2. Ich warte darauf, dass sich das Geschlechterverhältnis (dessen Ursache meiner Meinung nach eher in den (Re-)Produktionsverhältnissen zu Suchen ist, weshalb verhaltenstherapeutische Maßnahmen wie Hausverbote, Sprachsensibilität, etc. leider nur Sympthombekämpfung sein können, die im besten Fall Leidensdruck vermindern, im schlimmsten Fall die strukturellen Ursachen verschleiern) soweit ändert, dass gewisse Performances von mir, meine Freund_innen und andere Partybesucher_innen nicht mehr als unangenehm empfunden werden.
    3. Ich bitte den Typen sein T-Shirt wieder anzuziehen, was aber immer auch verbunden ist mit der Angst, dass es dadurch möglicherweise zu einer extrem anstrengenden, stressigen Diskussion/ Situation kommen kann.
    4. Ich verbiete (sofern ich dazu die Möglichkeit habe) gewisse Performances wie z.B. das Typen sich beim feiern das T-Shirt ausziehen und schmeiße Typen die sich nicht dran halten und uneinsichtig sind bzw „diskutieren wollen“ einfach raus.

    Alles 4 keine tollen Optionen. Aber Gesellschaft ist halt auch nicht Glücksbärchiland.

    Möglichkeit 1 ist für mich keine Option, da ich schon oft genug Scheiße verdrängen muss und ich ja schließlich auf die Party gekommen bin, um Spaß zu haben.
    Möglichkeit 2 dauert mir etwas zu lange.
    Möglichkeit 3 ist mir nach dem zehnten mal freundlich Bitten einfach zu nervig.
    Möglichkeit 4 ist in meinen Augen, die, den Umständen entsprechende, beste Wahl. Und es ist auch nicht ganz so tragisch gewisse Verhaltensweisen zu verbieten. Ich würde das mal so begründen: Wenn ich ne WG-Party mache, würde ich meinen Gästen ja auch verbieten ihre Kippen auf meinen Teppich zu schmeißen. Nicht, weil ich sie ihrer Privilegien berauben möchte, sondern weil ich auf meiner Party Spaß haben will. Und der Gedanke mir nen neuen Teppich kaufen zu müssen macht keinen Spaß. Meist spreche dieses Kippen-auf-Teppich-Verbot gar nicht aus. Dennoch würde ich einen Gast der immer wieder Kippen auf meinen Teppich schmeißt irgendwann raus werfen. Vermutlich müsste ich dann erst mal lange mit diesem Gast diskutieren. Ein offizielles Kippen-auf-Teppich-Verbot würde mir die Diskussion bzw den Rausschmiß sicher erleichtern und hätte womöglich sogar dazu geführt, dass mein Gast gar nicht erst meinen Teppich als Aschenbecher genutzt hätte.
    Dieses Beispiel lässt ganz gut auf das Oben-ohne-Verbot-für-Typen übertragen. Denn auch hier erleichtert es mir den Umgang mit: einer für mich als stressig empfundenen Situation, der spaßtötenden Diskussion und einem möglichen Rausschmiß (die Oberkörperfrei-Fraktion zählt meist nicht zu den angenehmsten Diskussionspartner). Und wem es so unglaublich schwer fällt sein T-Shirt anzulassen, der kann ja woanders feiern oder zum Fussball gehen. Ob jetzt ein, ohnehin schon sehr exponierter, Drummer auch von dem Oben-ohne-Verbot betroffen sein sollte, ist Auslegungssache der Partyveranstalter_innen und Besucher_innen. In meinen Augen hätte da auch ein Auge zugedrückt werden können. Aber hey, es gibt nun mal dieses Verbot, welches ich generell völlig in Ordnung finde, und somit diskutiere ich da jetzt auch nicht groß drüber. Zumal ich nicht auf der Party war und die Stimmung die dort geherrscht hat nicht einschätzen kann.
    Wie auch immer. Ich finde ein Oben-ohne-Verbot für Typen ist total angebracht und es beschneidet mich auch nicht in meinen Privilegien. Im Gegenteil: Es ermöglicht mir schnell und unkompliziert mit einer für mich nervigen Situation umzugehen und erweitert somit mein Privileg zu feiern und dabei Spaß zu haben. Das die selbsternannte (komischerweise immer von Männern vertretene) „Speerspitze der Aufklärung“ das nicht so ganz versteht, liegt womöglich daran, dass sie noch nie die Erfahrung machen durfte wie es ist entspannt, lustvoll und (Achtung Reizwort!!!) solidarisch Miteinander zu feiern. Etwas was in den meist recht gruseligen AJZ’s im übrigen auch eher selten möglich ist. Was aber sicherlich nicht an den dort herrschenden Hausverboten liegt…

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  25. Also ganz ehrlich, wenn das sogenannte linke „Freiräume“ sind, bin ich doch ganz froh zur sexistisch/rassistischen Horror-Nazi-Mehrheitsgesellschaft zu gehören.

    Da lasse ich mir in der Disse oder in der Bar lieber nen paar dumme Sprüche an den Kopf werfen, bevor ich auch noch in meiner Freizeit von der Regulierungswut hysterischer Neurotiker belästigt werde.

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