Zurück zur Glatzenpflege?

Als Anfang der 90er Jahre die rassistischen Übergriffe massiv zunahmen, reagierte die Bundesregierung mit einem Programm gegen Aggression und Gewalt, das den Ansatz akzeptierender Jugendarbeit beinhaltete. Die pointierte Kritik an dem Programm: „Glatzenpflege auf Staatskosten“. Rechtsextreme Jugendliche konnten sich in staatlich finanzierten Räumen ideologisch schulen und ihre Kampfkünste trainieren. 20 Jahre später besteht die Gefahr, dass Fehler wiederholt werden.

Von Robert Lüdecke

Wenige Monate nachdem der 23-jährige Thorsten Lamprecht 1992 von Skinheads erschlagen wurde, besuchten die Ministerinnen Angela Merkel und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger einen Magdeburger Jugendclub, der als Nazi-Treffpunkt galt. Auch Beteiligte des Überfalls wurden dort vermutet. Harmonische Gruppenfotos dokumentieren den Besuch: die Ministerinnen umringt von kahlrasierten jungen Männern in Bomberjacke. Ein anderes Bild zeigt einen der Skinheads am Rande des Treffens, schelmisch lächelnd und den Arm zum Hitlergruß erhoben. So skurril diese Fotos aus heutiger Sicht anmuten, so bedrückend wirken sie als Zeugnis einer fatalen Fehlwahrnehmung rechtsextremer Einstellungen unter Jugendlichen.

Neonazi beim Aufmarsch der Partei "Die Rechte" in Berlin-Hellersdorf. (Foto: Oliver Feldhaus)
Neonazi beim Aufmarsch der Partei „Die Rechte“ in Berlin-Lichtenberg. (Foto: Oliver Feldhaus)

Die gewalttätigen rassistischen Pogrome in Hoyerswerda und Rostock waren der Höhepunkt einer verantwortungslos geführten Asyldebatte. Während die rechten Täter nur halbherzig verfolgt wurden, fühlten sich viele Politikerinnen und Politiker in ihrer Haltung bestätigt, dass eine weitere Zuwanderung die rassistischen Einstellungen noch befördern würde. Die gewalttätigen Übergriffe wurden als „Volkes Wille“ umgedeutet, dem nachgegeben werden müsse, um Schlimmeres zu verhindern. Große Teile des liberalen Asylrechts wurden mit breiter Mehrheit von CDU/CSU, SPD und FDP faktisch abgeschafft. Eine Bankrotterklärung staatlichen Handelns: vor den Augen der jubelnden Menge werden die angegriffenen Asylsuchenden zu Unterkünften in abgelegenen Wäldern abtransportiert und nicht geschützt.

Lesetipp: Berlin-Hellersdorf: Skaten gegen den Alltagsrassismus

Die Wahrnehmung des Problems bezog sich allein auf jugendliche Täter. Dass die große Mehrzahl der Bevölkerung deren Einstellungen teilte und unterstützte, geriet dabei aus dem Blick. Eine Einschätzung, die eine Auseinandersetzung mit den gesamtgesellschaftlichen Ursachen der Pogrome verstellte. Ein mit 20 Millionen D-Mark pro Jahr ausgestattetes „Aktionsprogramm gegen Aggression und Gewalt“ sollte die Jugendhilfestrukturen in den Neuen Ländern etablieren und Antworten auf die „Probleme der Jugend“ geben. In der praktischen Umsetzung sah das so aus, dass die jugendlichen Rechtsextremen mit Freizeitaktivitäten wie Fahrten, Selbstverteidigungskursen und betreuten Wohngemeinschaften belohnt wurden.

Glatzenpflege auf Staatskosten

Mit Stolz verkündete die damalige Bundesjugendministerin Angela Merkel, dass es endlich gelungen sei „junge, bisher gewaltgeneigte Menschen in sinnvolle Projekte einzubinden und gewalttätigen Ausschreitungen vorzubeugen“. Auch vermeintliche Erfolgsgeschichten konnte das Ministerium benennen: nach zähen Verhandlungen entfernten Neonazis die Reichskriegsflagge vom Dach ihres staatlich geförderten Jugendclubs. Und auch bei einer Gruppe Nazi-Skinheads aus einer Lehrlingswerkstatt in Halle war der Erfolg sichtbar: „anfangs hatten die alle eine Glatze, aber inzwischen sehen sie wieder normal aus“.

Die Sicherheitsbehörden vermeldeten anderes. Die Zahl der Gewalttaten stieg erheblich an, besonders unter Jugendlichen. Und auch die Städte mit staatlich finanzierten Antigewaltprojekten blieben weiterhin als Brennpunkte zu betrachten. Der unpolitische Titel des Programms deutet die fatale Fehleinschätzung des Problems durch politisch Verantwortliche bereits an. In der Praxis waren viele ungeschulte Personen mit dem Ansatz der akzeptierenden Jugendarbeit überfordert. Sie verstanden ihre Aufgabe nicht darin, die Ideologie der Jugendlichen zu hinterfragen, sondern akzeptierten diese als Ausdruck von Desintegration und Orientierungslosigkeit. Rechtsextreme Äußerungen und Gewalt wurden so als Mittel zur Erfahrung von Anerkennung toleriert und zu Symptomen anderer Ursachen kleingeredet. Die Folgen waren verheerend: die menschenfeindlichen Einstellungen nicht zu thematisieren, heißt diese gesellschaftlich zu rehabilitieren.

Vom Jugendclub zur national befreiten Zone

Auch Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, die später als „Nationalsozialistischer Untergrund“ mordend durch die Bundesrepublik zogen, lernen sich in einem Jenaer Jugendclub kennen, wo gewaltbereite, rechtsextrem orientierte Jugendliche verkehren. Der Sozialarbeiter von damals erinnert sich an die Gäste, die seit der Eröffnung des Clubs regelmäßig kamen – später nur noch „um zu provozieren“. Doch da hatten sie sich längst radikalisiert, betrachteten den Stadtteil als „national befreite Zone“, die zum Angstraum für alternative Jugendliche und alle die wurde, die innerhalb eines rechten Weltbildes als Feind gelten.

Neonazi-Glatzen beim Aufmarsch der Partei "Die Rechte" in Berlin-Hellersdorf. (Foto: Oliver Feldhaus)
Neonazi-Glatzen beim Aufmarsch der Partei „Die Rechte“ in Berlin-Lichtenberg. (Foto: Oliver Feldhaus)

Auf eine zunehmende rechtsextreme Alltagskultur reagiert die Amadeu Antonio Stiftung, die sich 1998 mit zwei zentralen Motivationen gründet. So sollen Betroffene rechter Gewalt unterstützt und ihre Situation in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Und diejenigen Menschen gefördert, die sich für eine demokratische Kultur einsetzen. Die Antwort auf das Problem kann nur eine gesamtgesellschaftliche sein: die Stärkung einer generationen- und milieuübergreifenden Alltagskultur, die Alternativen zum rechten Mainstream öffnet.

Kampf gegen Rechts als Staatsräson?

In Reaktion auf einen Brandanschlag auf eine Synagoge in Düsseldorf im Jahr 2000 lässt sich ein Perspektivwechsel im staatlichen Umgang erkennen. Die Amadeu Antonio Stiftung berät die damalige Regierung zur Förderung zivilgesellschaftlicher Strukturen. Mit neuen Bundesprogrammen werden Mobile Beratungsteams unterstützt, die Engagierte und Kommunen bei der Stärkung demokratischer Strukturen beraten. Betroffene rassistischer Gewalt finden Hilfe bei Opferberatungsstellen. Und es werden zivilgesellschaftliche Projekte aufgelegt, die das Engagement für eine demokratische Gesellschaft gegen menschenfeindliche Ideologien finanziell absichern.

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Doch weil die Förderung immer nur befristet und für modellhafte Projekte erfolgt, können sich die Träger der dauerhaften Finanzierung einmal aufgebauter Strukturen selten sicher sein. Mit immer neuen Ansätzen versuchen die Demokratieprojekte, eine Anschlussfinanzierung für die erworbene Expertise zu sichern. Die Arbeit mit rechtsextrem Orientierten stellt in diesen Jahren nicht den Schwerpunkt der Förderpraxis dar. Als in 2012 der Antrag eines Projektes beim Bundesprogramm „Toleranz Fördern – Kompetenz Stärken“ für Aufsehen sorgt, hat das auch damit zu tun, dass es nach wie vor wenig Erfahrung in der Arbeit mit diesem Klientel gibt. Unter dem provokanten Titel „Dortmund den Dortmundern“, der den Sprachgebrauch und Hoheitsanspruch der jungen Neonazis aufgreift, sollen diese mit demokratisch orientierten, darunter auch migrantischen Jugendlichen über die Zukunft der Stadt diskutieren. Obwohl sogar geschulte rechtsextreme Kader explizit eingebunden werden sollen, befindet das Familienministerium das Projekt für förderwürdig.

Mit Neonazis diskutieren?

Die Frage die im Raum steht, sind die fachlichen Standards in der pädagogischen Arbeit mit rechtsextrem Orientierten: So weiß man aus den Fehlern der 1990er Jahre, dass dringend zwischen Kadern und Orientierten unterschieden werden muss. Während die Arbeit in Gruppenkonstellationen mit ersteren keinen Sinn macht, bedarf es besonderer Erfahrung für die Arbeit mit Letzteren. Die größte Gefahr: Kader könnten diejenigen schulen, die noch kein geschlossenes Weltbild haben und sie für die rechten Szenen gewinnen. Eine Strategie, die sich auch beim Projekt in Dortmund zeigt: lokale Neonazis zeigen sich auf einschlägigen Internetseiten begeistert, „dem breiten, politisch interessierten Publikum, vor Augen zu führen, warum ein radikaler Politikwechsel in unserem Land unumgänglich ist.“ Nach medialer Aufmerksamkeit, fachlicher Kritik aus Theorie und Praxis wird die Förderung schließlich eingestellt. Dennoch bleibt ein Beigeschmack, der an die konzeptuellen Fehler der 1990er Jahre erinnert.

Gewichtige Argumente: Neonazis in Hellersdorf (Foto: Oliver Feldhaus)
Gewichtige Argumente: Neonazis in Lichtenberg (Foto: Oliver Feldhaus)

Ausstiegsorientierte Jugendarbeit muss ganzheitlich gedacht werden und alle Akteure einschließen. Das als Reaktion auf den NSU gegründete staatliche „BIKnetz – Präventionsnetz gegen Rechtsextremismus“ stellt inzwischen begehrte finanzielle Mittel für Bildungsträger bereit, die pädagogische Leitlinien erarbeiten sollen. Langfristige und fachliche Schulungen sind dringend nötig, denn allzu oft werden auch heute geschulte Kader unhinterfragt in die Arbeit eingebunden.

Eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Praxis wäre deshalb unerlässlich. Dem gegenüber steht nach wie vor eine große Handlungsunsicherheit bei Pädagogen und Pädagoginnen im Umgang mit rechten Jugendlichen. Die Gefahr, die Fehler von damals zu wiederholen, ist groß. Die Schnittmengen mit den Ansätzen der 1990er sind unübersehbar. Das beim Arbeitsministerium angesiedelte Programm „Ausstieg zum Einstieg“, das in diesem Jahr ersatzlos endet, kann dafür nicht als Vorbild dienen. Im Vordergrund standen dort Projekte, die den Ausstieg aus der rechten Szene durch die Eingliederung in den Arbeitsmarkt unterstützt sollten. Letztlich folgte also auch dieses Programm der 1990er-Logik der fehlenden Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten für die rechten Jugendlichen. Präventionsansätze sollten beim Einstieg und nicht beim Ausstieg ansetzen und vor allem rechtzeitig zivilgesellschaftliche Alternativen für Jugendliche unterstützen.

Der Artikel erschien zuerst in der Zeitung „Ermutigen“ der Amadeu Antonio Stiftung.

Siehe auch: Mundlos: Ein “Macher” im Neonazi-Netzwerk“Sichere Finanzierung statt Schikanen!”Regierung meldet sich vom Kampf gegen Rechtsextremismus ab

17 Kommentare zu „Zurück zur Glatzenpflege?

  1. Auch wenn grad der Eindruck ist, dass alles Schlechte aus Hellersdorf kommt: Der abgebildete Aufmarsch von „die Rechte“ fand in Berlin-Lichtenberg statt.

    Danke für den Hinweis, ist korrigiert!

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  2. Guter Text.
    Eine Frage: Wie hat eigentlich EXIT gearbeitet? Das Aussteigerprogramm gehört doch auch zur AAS? Da müsste doch Erfahrung gesammelt worden sein, ob und wie es Sinn macht mit (ex-)organisierten Neonazis pädagogisch zu arbeiten.

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  3. Danke für den Beitrag! Insbesondere organisierter Rechtsextremismus und Rechtsradikalismus bleibt eine große Gefahr für die Demokratie. Über den Präsidenten des Fußballvereins von Wismut Gera, Lars Weber, „nebenbei“ Kampfsportler, berichtet die ZEITt in der aktuellen Ausgabe: „Der Fußballpräsident mit den Nazi-Codes“. Der gewählten Vorsitzenden von Wismut spielt öffentlich mit Nazi-Symbolik spielt. Sogar ein Gericht bescheinigt ihm, dass er den Rechten nahe steht:
    http://www.zeit.de/sport/2013-09/wismut-gera-lars-weber-rechtsextrem

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  4. „Sie verstanden ihre Aufgabe nicht darin, die Ideologie der Jugendlichen zu hinterfragen, sondern akzeptierten diese als Ausdruck von Desintegration und Orientierungslosigkeit.“

    Komisch, dass der Autor findet dass das zwei verschiedene und sich gegenüber stehende Dinge und Paar Schuhe sind.
    Woraus nährt sich und entspringt denn Ideologie/politische Positionen, wenn nicht aus den vorgefundenen und subjektiv/objektiv empfundenen gesellschaftlichen Bedingungen?!?
    Wo die, die sich auf dieser Ebene irgendwie benachteiligt oder ungerecht behandelt fühlen, logischerweise für „radikale Politikwechsel“ einsetzen oder aufbegehren – was auf der ganzen Welt so ist, und schon immer so war.

    Und was anderes Tun, als Einzubinden versuchen (oder deren Lebenssituation verbessern bzw. subjektive Deutung dessen verändern) soll man denn sonst auch machen bzw. ein legitimes und Dinge zum Besseren wenden zu versuchendes Bekämpfungsmittel darstellen?!?
    Wegsperren, in’s All schießen oder Vergasen?!?
    Zu welchen Resultaten und Erfolgsergebnissen soll eine „Gegen-Diskriminierung“ denn führen?!?

    „Wir schwimmen alle im selben Boot“ und „Wir müssen alle auf dieser Erde zusammen leben“ gilt halt dummerweise auch in Bezug auf Rechtsextremisten – egal was man von denen hält.

    Bei Marx hieß es jedenfalls „Nicht das Bewußtsein bestimmt das Leben, sondern das Leben bestimmt das Bewußtsein.“ oder „Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt.“

    Vorzüglicher Text und gute Betrachtung eines Pfarrers auch dazu hier:
    http://www.drs.de/index.php?id=21378

    .

    Der Irrsinn besteht doch darin, dass „die Gesellschaft“ oder „die Politiker“ sich vor die Unzufriedenen & „Desintegrierten“ hinstellen mit so der ungefähren Ansage „Wir können (oder wollen) zwar an den Gründen und Bedingungen für eure Unzufriedenheit / Ungerechtigkeitsempfinden nichts ändern, aber wir verbieten euch euren Unmut auszudrücken und Luft zu verschaffen, oder am besten noch: das überhaupt zu empfinden und zu denken.“

    In welchem Dilemma ja auch die Leute in der Sozialarbeit stecken, die einem („auffälligen“) 14-jährigen Jungen aus der runtergekommenen Plattenbausiedlung erklären müssen, dass das System und die Gesellschaft, welche seinem Vater nur ein Niedrigsteinkommen zu gewähren bereit ist, und seiner arbeitslosen Mutter bereits schon gar keine Chancen zum Einkommenserwerb mehr einräumt, (und ihm selbst Dank ungünstiger Bildungsempfehlung in der 5./6. Klasse auch schon mal ein gutes Stück Zukunft vermasselt und genommen hat), – und die grundsätzlich von ihm auch nichts weiter an Teilhabe will und verlangt, als seinen Konsum und das Ausgeben seines Geldes (sowie Verramschung seiner Arbeitskraft) – aber doch schon die Beste aller Möglichen ist, und in ihrer Form nicht verändert und angetastet werden sollte und darf.
    Was den jungen Menschen wohl nicht so richtig überzeugen können dürfte.

    Und die einzige wirksame und effektive Extremismusbekämpfung eigentlich ja nur im Abbau von Ungerechtigkeitszuständen wie Chancenungleichheit und Verteilungsungerechtigkeit liegen kann, wenn sie nicht bloß Makulatur darstellen soll / will.
    Sowie einer Sinnstiftung, die sich nicht nur aus dem Streben nach Materiellem ableitet und drauf bezieht.
    Was im kleinen (nationalen) wie im großen (internationalen) Rahmen und Maßstab gilt, und für alle Arten „extremistischer Ansichten“.
    Extrememismus verschwindet nur mit der Beseitigung seiner Entstehungsbedingungen.

    (Was also auch für den (Sozial)rassismus der „Reichen“ und „Abgehobenen“ (und „Sozialdarwinisten“) gilt – die einfach mal wieder bissel zurück „auf den Teppich“ zu bringen.)

    .

    Und wenn die „Unzufriedenen“ und „Extremisten“ sich dann (friedlich) in die Gesellschaft einzubringen versuchen, dann isses ja irgendwie auch wieder nicht so richtig recht:

    Die „Linken“ müssen unterschreiben, dass sie die „Rechtmäßigkeit der Plutokratie, ähm Demokratie, anerkennen“ – und wenn der „Jungnationalist“ sich mal nützlich macht (statt nach unten zu treten) und der Omi beim Einkaufsbeutel tragen hilft oder jüngere im Sport trainiert, dann wird das ja auch gleich wieder pauschal als unterstellte „rechte Rattenfang-Strategie“ nieder gemacht und angeprangert (die sie ja sogar sein kann), anstatt dass (aber auch) einfach erstmal so positiv anzuerkennen, und als das zu wertschätzen, was es vorrangig (und „phänomenologisch“) ist, nämlich eine ‚Einbringung & Leistung für’s gemeinsame Miteinander‘, und zu versuchen das irgendwie zu fördern, und gleichzeitig aber natürlich auch konstruktiv zu lenken und auszubauen.

    Erinnert irgendwie auch an die (grad‘ wieder aktuelle) Iran-Debatte:
    Wo es völlig gleich und egal ist, ob die agressive drohende Worte oder versönliche friedliche Töne anschlagen, und was immer sie auch tun, es nicht richtig machen können, und immer „die Bösen“ und „der Buhmann“ sind, ganz gleich und unabhängig davon, wie sie sich verhalten.

    Aber klar: Diejenigen die von den starken Ungleichgewichten & Ungerechtigkeiten profitieren, die wollen ja auch gar nicht, dass sich irgendwas dran ändert – also egal ist, ob Mensch friedlich oder gewalttätig für eine Veränderung antritt.

    Nur wenn der „vermögensextreme“ Multimilliardär mal freiwillig-großzügig drei Krümel abgibt und spendet muss das mit Ehrung & Laudatio prämiert werden, und untersteht und verbietet sich natürlich die Frage, wieso es nicht mehr ist, oder die Unterstellung, ob das eventuell auch irgendwie eine „plutokratistische (PR/Manipulations-)Strategie“ sein soll.

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  5. Wie soll sich also eine ‚Jugendarbeit‘ gegenüber einem 16-Jährigen verhalten, welcher einen „Deutschland-den-Deutschen“-Aufkleber auf seiner Sporttasche zu kleben hat, und mit dem gemeinsam seine „Ideoligie hinterfragen“ – wenn sie nicht mehr in der Tasche haben darf und aufzubieten hat als ein „Hör mal, dass dein Vater sich auf der Baustelle mit dem Studenlohn eines Polen messen muss, dass ist halt so (und ganz normal, und geht eben nicht anders).“?!?

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  6. Oder der Sozialpädoge gegenüber dem rechten Teenager Erklärungen abliefern müsste wie „Also wenn US-Amerika und die NATO fremde Länder angreift und in Vietnam, Libyen, Afghanistan oder Irak die Städte flachbombt und nach der Weltmacht strebt, und deshalb dafür auch die Telefone und das gesamte Internet abhorcht, oder feindliche Leute nach Guantanomo-Bay verschleppt, dann ist das alles nicht so schlimm, und ganz was anderes als Hitlers Angriffskriege und Weltmachtspläne und dessen Gestapo, oder so schlimm wie Mussolini oder Franco, oder die DDR – weil das ist ja alles nur für „die Märkte“, und die sind ja auch WIR, auch wenn du vielleicht nicht so ganz dazu gehörst, weil deine Eltern ja arbeitslos sind und keine Kohle haben.“

    Mehr als wie ein peinlich berührter Volltrottel dastehen, der dem Jugendlichen beim Stirnrunzeln zuschauen darf, ist da doch gar nicht möglich, wenn man das mit dem „Ideologie hinterfragen“ mal richtig Ernst nähme.

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  7. @ holf: In der heutigen Zeit sind diese beiden Begriffe – leider – synonym geworden.
    Im Zuge der sogenannten „Extremismustheorie“ von den Politik“wissenschaftlern“ Jesse und Backes, die mittlerweile an Schulen unterrichtet wird und gesellschaftlich völlig hegemonial ist, wird allen radikalen Positionen unterstellt, die Kriterien für „Extremismus“ zu erfüllen. Diese wurden bewusst so gewählt, dass sie bei jeder politischen Organisation unterstellt werden können: Es finden sich darunter zum Beispiel Allgemeinplätze wie „Dogmatismus“ – der dann mehr oder weniger definiert wird, als die Überzeugung Recht zu haben. Dies trifft natürlich auf eigentlich alle politischen Gruppen zu, aber – und jetzt kommt der Twist – weil die Extremismustheorie eine „normative Theorie“ ist (schreiben die Vertreter dieser Theorie selbst so)wird nur an den politischen Rändern nach diesen Phänomenen gesucht (und weil der Kriterienkatalog wachsweich ist, werden sie natürlich auch gefunden). Die politische Mitte hat mit ihren Dogmen hingegen in dieser Theorie „wirklich recht“.
    Damit ist die Extremismustheorie eine Theorie ohne jeden Erkenntnisgewinn Es wäre ja wirklich interessant, mal zu untersuchen, woher die völkischen Gemeinsamkeiten in der Ideologie von RAF und NPD kommen – aber das lässt sich mit dieser „Theorie“ wissenschaftlich nicht bewerkstelligen.

    Ich möchte nicht sagen, dass der Begriff Extremismus schon immer sinnlos war, oder in jedem Kontext sinnlos ist, aber momentan erscheint er eigentlich nur noch im Zuge einer billigen rhetorischen Strategie, die radikale Positionen automatisch zu extremen Positionen umdeklariert, damit für illegitim erklärt (gegen Extremisten soll der Staat ja repressiv tätig werden) und so aus dem Diskurs ausschließt.

    Es gibt viele Gründe Nazis aus dem Diskurs auszuschließen – die peinliche Pseudotheorie von Backes und Jesse ist aber keiner davon und ich rate von der Verwendung des Extremismusbegriffs eher ab.

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  8. Die Sache ist leider ein bissche komplizierter. Zum Nachdenken (aus: „Das Känguruh-Manifest“ von Marc-Uwe Kling):

    „Zwei Straßen weiter zeigt es mir einen schwarzen „Nazis raus!“ Schriftzug an der Wand. Mit Rot steht daneben: „Deine Einstellung ist grundsätzlich löblich und deine Absicht zumindest verständlich. Aber da du ja forderst >rausSelber!<"

    Ausgrenzung allein hilft nicht. Gefragt ist konzeptionelles Nachdenken, das die bitteren Erfahrungen aus den 90er Jahren reflektiert und Schlüsse daraus zieht.

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  9. Leider wird das Zitat nicht vollständig angezeigt, hier nochmal der Versuch:

    „Zwei Straßen weiter zeigt es mir einen schwarzen „Nazis raus!“ Schriftzug an der Wand. Mit Rot steht daneben: „Deine Einstellung ist grundsätzlich löblich und deine Absicht zumindest verständlich. Aber da du ja forderst >rausSelber!“

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  10. Warum hinterfragt man „Kopftuch“ – „Glatze “ aber nicht ? Ist es Angst ? Kann man Frauen eben leichter in Frage stellen als martialische Personen ? Über Ideologie persönlich zu diskutieren, macht bei Fanatikern wenig Sinn; Streiten kann gefährlich eskalieren; Interpretation als Rassismus- oder Nazideutung kann schnell in einer lästigen Anzeige münden („Beleidigung“ o.ä.) . Aber einfach ignorieren ist auch falsch. Zumindest im Dienstleistungsrahmen oder bei Mitarbeitern im Öffentlichen Dienst, Sicherheitsdiensten muß doch die Hinterfragung gestellt werde: Ihre Kopfrasur irritiert mich – verbinden Sie damit eine politische/ideologische Festlegung ? um dann daraus (für sich) Konsequenzen zu ziehen.

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  11. Eine erfreuliche Nachricht: Der klerikale Holocaustleugner
    Richard Williamson (73) – ehemaligs Bischof der erzkonservativen Piusbruderschaft – ist wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. In einem Fernsehinterview mit einem schwedischen Fernsehsender hatte er (zum wiederholten mal) die Existenz von Gaskammern und den millionenfachen Judenmord bestritten:
    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/17108

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  12. Hallo Uri Degania,

    dieser Piusbruder sollte sich für seine Aussagen in Bezug auf den Holocaust, in Grund und Boden schämen ! Stattdessen will er das Urteil anfechten. Da darf man sich nicht wundern, dass zur Zeit so viele Christen aus der Kirche austreten.
    Als wenn das noch nicht genug wäre, setzen die Piusbrüder in Rom noch einen drauf.

    Piusbrüder halten Trauerfeier für NS Kriegsverbrecher Priebke !
    Mehr dazu hier :

    http://www.stern.de/panorama/richard-williamson-90478077t.html

    Beste Grüße

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