Karikatur im „Stürmerle“: Die Banalität des Guten

Die Debatte um eine antiisraelische Karikatur in der “Stuttgarter Zeitung” ist in vollem Gange. Was treibt die Dauer-Kritiker Israels an? Zeit für eine Analyse über Antisemiten in Wartestand, die ihr Glück in der Freudlosigkeit finden.

Von Konstantin Bethscheider, zuerst veröffentlicht bei den Ruhrbaronen

Man entwickelt, sobald man sich einige Jahre lang ausführlich mit dem Antisemitismus beschäftigt, eine eigentümliche Zuneigung gerade für diejenigen Schweinereien, die einem eigentlich den größten Abscheu bereiten müssten. So wie mancher Entomologe der einmal sein Handwerk begann, um seine Scheu vor Insekten zu überwinden, schließlich zum Liebhaber der scheußlichsten Käfer wird, schwebt der Antisemitismuskritiker ständig latent in der Gefahr allzusehr der Faszination für das Objekt seiner Kritik zu erliegen.

Befindet man sich in der Situation, diese einigermaßen groteske Vorliebe entwickelt zu haben, kann man eigentlich kaum anders, als eine gewisse Dankbarkeit für die jüngste Karikatur der „Stuttgarter Zeitung“ zu empfinden, die wie kaum eine andere die Physiognomie des zeitgenössischen Antisemiten zum Vorschein bringt. Dargestellt ist Benjamin Netanjahu, der auf einer Parkbank sitzend den durch eine weiße Taube symbolisierten Nahostfriedensprozess vergiftet. Untertitelt ist das satirische Meisterwerk mit einer Zeile aus Georg Kreislers (vermutlich von Tom Lehrer gestohlenen) „Tauben vergiften“: „Gehn mer Tauben vergiften im Park.“

Kreislers Werk missverstanden

Während zahlreiche Kommentatoren darauf hinwiesen, dass der Antisemitismus der Karikatur im Aufgreifen des traditionellen Brunnenvergiftermotivs bestanden hätte, ist es dennoch bemerkenswert, dass gerade Georg Kreislers Chanson Pate für das Machwerk stehen durfte. Dass Kreisler auch als Alibijude fungieren könnte, ist in diesem Kontext von untergeordneter Wichtigkeit: es dürften vielmehr eklatante Missverständnisse in Bezug auf die Rolle des Taubenvergiftermotivs und des Kreislerschen Kabaretts schlechthin sein, die die Fantasie des Karikaturisten beflügelten.

Ja, der Frühling, der Frühling, der Frühling ist hier Gehn wir Tauben vergiften im Park! Kann’s geben im Leben ein größres Plaisir Als das Tauben vergiften im Park?

Strikt unterschieden von der Unterstellung des Karikaturisten, es handle sich bei den Taubenvergiftern um abscheuliche Kriegstreiber, letztlich also um kaum mehr als besonders böse Menschen, ist der Impetus des Kreislerschen Liedes gerade die Darstellung einer alltäglichen, gar romantischen Situation. Kreisler karikiert die letzten Freuden des späten Bürgers, die Deformation des spätbürgerlichen Subjektes, das kaum noch anders die romantische Einheit stiften kann als im gemeinsamen Verbrechen.

Das Motiv, das sich spätestens seit „Bonnie und Clyde“ beständig durch die popkulturelle Landschaft zieht, verweist auf die Freudlosigkeit der bürgerlichen Existenz, deren beständige Versagung jedweden Glücks beständig nach einem anarchischen Ausbruch verlangt. Was sich im „Tauben vergiften“ hilflos artikuliert ist die Enge der sogenannten „kleinen Freuden“, dem Leben zwischen Herd und Arbeitsstelle, zwischen programmierter Romantik und grauem Alltag. Der besungene Frühling selber ist so vergiftet wie jene, die sich mit ihm abfinden wollen und sollen.

Antisemiten im Wartestand

Das Kabarettpublikum ist davon freilich nicht ausgenommen, Kreisler lädt dazu ein, sich mit der Verkommenheit seiner Protagonisten zu identifizieren und sich darüber der Widerwärtigkeit der eigenen Existenz gewahr zu werden. Das fragliche Motiv beschränkt sich dabei nicht einzig auf dieses Lied, sondern zieht sich wie ein roter Faden durchs Kreislersche Werk, ob nun in Liedern wie „Kreisler, sei positiv“ oder „Zu leise für mich“. Diese Identifikation, die letztlich zur Reflexion führen sollte, fehlt einer Kulturjournaille die Georg Kreisler gegen Georg Schramm eintauschte notwendigerweise. Es ist just dieser Ausfall der Reflexion, der die antisemitische Psychopathologie am bündigsten zusammenfasst. Nicht etwa erkennt der Antisemit die destruktiven Regungen, die Lust in Zeiten der Versagung bedeuten, als seine eigenen, sondern er schreibt sie bündig dem Juden zu.

Die Antisemiten und Antisemiten im Wartestand, die sich an der „Banalität des Guten“ der antisemitischen Projektion abarbeiten sind darin auf den Punkt gebracht. Ob sie nun Süddeutsche oder Stuttgarter lesen, Grüne wählen oder sich mit Hagen Rether quälen, der moderne Antisemit findet sein Glück in der Freudlosigkeit und hegt umso finsterere Begierden, die er seinem prospektiven Opfer unterjubelt. So deformiert und bösartig die Kreislerschen Pärchen sind, die in seiner politischeren Phase sogar das Taubenvergiften gegen „Unfall spielen im Kernkraftwerk“ eintauschten, so unschuldig sind sie doch gegenüber den bösen Phantasien der guten Menschen, die es ohne den Krieg im Nahen Osten gar nicht mehr aushalten.

Gegen die von chronisch gutem Gewissen geplagten, Bionadesaufenden süddeutschen Horden wäre noch der gelegentliche Ausbruch individueller Antimoral, das anarchische Vergnügen der vergifteten Zweisamkeit hochzuhalten. Wer dergleichen beim Taubenvergiften nicht kennt, dem wäre alternativ – zum Leidwesen der Vögel – die Idee des kanadischen Autors Joey Comeau mit auf den Weg zu geben, die immer noch liebreizender und sensibler ist, als sämtliche Karikaturen deutscher Zeitungen des letzten Jahres zusammen: „We heard that rice expands, exploding pidgeons. So we mixed some rice and glitter, and held hands in the park.“

Siehe auch: Muss die Freiburger Uni Hetze gegen Israel Raum geben?, Hawkings Israel-Boykott: “Schwerwiegende Heuchelei”, Deutsches Stiftungsgeld für antiisraelische Propaganda?, Die Unfähigkeit Antisemitismus zu begreifen, Antisemiten, das sind die anderen

38 Kommentare zu „Karikatur im „Stürmerle“: Die Banalität des Guten

  1. Liebe Leute von den Ruhrbaronen bzw von publikative:

    Auch wir sind stets bestrebt, versteckten Judenfeinden die Maske vom Gesicht zu reißen. Und sehen mit großer Besorgnis, wie die Mitte unserer Gesellschaft wieder vom Gift der Ausgrenzung anderer durchsetzt wird.

    Wir finden den Begriff „Judenfeind“ übrigens treffender. Wir halten es da mit Karlheinz Deschner: da auch Araber Semiten sind, wäre ein „Antisemit“ strenggenommen auch ein Feind der Araber. Nur mal so nebenbei zur Versachlichung der Diskussion.

    Zur Hauptsache: es sei hier deutlichst gesagt, daß es ja wohl nicht wahr sein kann, einen Kritiker der israelischen Siedlungspolitik als „Antisemiten“ zu diffamieren. Und damit in einen Topf zu werfen mit denen, die die „…Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa…“ wollten, und auch viel dafür taten!

    Denn daß Herr Netanjahu Jude ist, spielt bei der Kritik an der israelischen Regierungspolitik wenn überhaupt nur eine untergeordnete Rolle. Er ist in erster Linie Regierungschef! Und als solcher muß es erlaubt sein, ihn zu kritisieren. Alles andere wäre totalitaristisch.

    Also: diesen Vergleich zu ziehen, noch dazu, von „Antisemiten im Wartestand“ zu sprechen, und auch noch Herrn Rether, von dem wir trotz seiner oftmals gezeigten offenen linken Haltung sehr viel halten, ist unerhört!

    Was als Nebeneffekt dabei auftaucht, ist, daß die Verbrechen der Nationalsozialisten MAL WIEDER dadurch relativiert werden. Und damit MAL WIEDER denjenigen Vorschub geleistet wird, die die NS-Verbrechen relativieren wollen:

    – sei es durch die Relativierung der Kriegsschuldfrage („Was kann ich dafür, daß Polen zuerst mobilgemacht hat?“ – Erika Steinbach, CDU),

    – oder durch die Umdefinierung solcher Begriffe wie „Holocaust“ zu „Babycaust“ durch fanatische Abtreibungsgegner oder zu „Bombencaust“ bei den Gedenkmärschen der Ewiggestrigen in Dresden oder Hamburg

    – oder durch den Vergleich der Opferzahlen zwischen Hitler und Stalin („Stalin hat ja auch 6 Millionen umgebracht“)

    – oder durch den Hinweis auf die Eroberung des Westens durch die USA („Die Amerikaner haben ja auch die Indianer fast ausgerottet“).

    Sie leisten mit diesem Artikel ihrem Zweck einen Bärendienst: durch die Gleichsetzung „ALLER“ Israelkritiker mit dem geläufigen Begriff des ANTISEMITEN verharmlosen Sie die NS-Verbrechen.

    Denken Sie mal drüber nach.

    So long

    Der Falke.

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  2. Ich halte von der meisten sog. „Israel-Kritik“ auch nicht gerade beschwingend viel. Aber ihr scheint ja nur noch ausgemachte Feinde herumlaufen zu sehen. Dass der Siedlungsbau den Nahost-Frieden nicht gerade fördert, ist ja wohl nur zu leugnen, wenn man Netanjahu aufgrund seiner Religionszugehörigkeit für unfehlbar hält…
    Ob Augstein, Rether… Wie kann man bitte Leuten aufgrund einzelner, teilweise auch fundierter kritischer Äußerungen mit einer solchen Nachhaltigkeit das Etikett des krankhaften Judenhassers aufstempeln??

    Ich würde mich sehr freuen, wenn der Autor die Größe hätte, mir unter der angegebenen e-mail-Adresse zu antworten und mich ggf. aufzuklären.

    Danke!

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  3. Wer Begriffe wie „Bionadesaufende süddeutsche Horden“ verwendet, ist selbst wohl von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit nicht so frei, wie er selbst vielleicht glaubt.

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  4. Naja,

    mal wieder einer eurer schlechteren Artikel zum Thema Antisemitismus!
    Es geht hier um eine Kritik an der Regierung von Israel, und die ist notwendig, denn ansonnst verfallen wir hier in eine blinde Solidarität, die nicht richtig sein kann. Das Motiv des Brunnenvergifters ist mit sicherheit kritisch zu betrachten, allerdings handelt es sich hier um eine Karikatur, die immer Kritik verkürtzt darstellt. Evtl. wäre es für den Schreiber besser gewesen etwas zu dem Thema Karikaturen zu schreiben und nicht auf eine spezielle einzugehen. Das es sich hier um Antisemitsmus im eigentlichen Sinne handelt bezweifele ich, da weder der gesammte Staat und auch nicht das gesammte „Volk“ von der Kritik betroffen ist. Es handelt sich um eine Kritik an einer Rechtskonservativen Regierung, die mit Sicherheit auch ihren Teil dazu beiträgt, denn Friedensprozess zu behindern. Natürlich fehlt in der Karikatur die „andere Seite“ des Konfliktes und das ist zu bemängeln einen Artikel ist dies jedoch nicht wert!

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  5. Faszinierend …
    Der Antisemitismus findet sich in der Tatsache, dass der der in der Karrikatur negativ dargestellte Politiker ein Jude ist? Oder Im ernst weil ihr eine Parallele vom Taubenvergiften zum Brunnenvergiften ziehen wollt? (Warum nicht zum Kindertöten? Ist doch genauso naheliegend …)
    Oder wegen des Ausfalls an Reflexion, den die Darstellung des Bildes im Zusammenhang mit dem Lied eurer Meinung nach darstellt?

    Daran erkennt ma den modernen Philosemiten: Wenn der von einem Anwurf, einer Karikatur oder einer anderen Kritik betroffene eine Jude ist, dann findet er den Antisemitismus beim Kritisierenden. Eigentlich immer. Ob der von der Kritik Betroffene ein aggressiver nationalistischer Rechter ist, ob der der Karikatur zu Grunde liegende Vorwurf voll ins Schwarze trifft: egal! Wenn es sich beim Ziel der Kritik um einen Juden handelt ist der Kritiker Antisemit, mindestens ein moderner.

    Schönes Wochenende!

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  6. Zumindest die ersten sechs Kommentare zeigen, was der Denkweise des Autors entgegenzusetzen ist. Dafür Danke an die im Gegensatz zum eigentlichen Text klaren Worte der bisherigen Kommentatoren.

    Ich empfinde diesen Artikel als an den Haaren herbei geschrieben, ohne auch nur im geringsten auf den eigentlichen Sinn der Karikatur einzugehen. Wieder wird aus Kritik an der israelischen Regierung, hier symbolisiert durch Netanjahu, ein ausschweifend konstruiertes Antisemitismusbeispiel gezaubert. Das alles erinnert mich traurigerweise daran, wie sich Teile der Antideutschen immer noch in hochtheoretischen Diskurskonstrukten verlieren, dabei die konkreten Probleme aus den Augen verlieren und Gegenargumentation mit Diskreditierung verwechseln.

    Also, wie steht denn nun der Autor zur Siedlungspolitik?

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  7. Danke für den Beitrag! Na, ideologiekritisch könnte man Verschiedenes dazu anmerken. Warum wird Adorno nicht genannt, wenn die Orientierung an ihn offenkundig ist?
    Dass die Karrikatur – die sich ausgerechnet noch auf den (erst kürzlich verstorbenen) jüdischen Satiriker Georg Kreisler bezieht – antisemitisch ist, ist so offenkundig, dass es hierfür keiner weiteren Worte bedarf. Dass der freihändig formulierte Text eine gewisse Treffsicherheit hat belegen die reflexhaften Reaktionen in dieser Leserbriefspalte.
    Die im nahezu im Stürmerstil abgehaltene Karrikatur nähert sich schon der legendären Bildmontage des legendären „Antisemiten von Köln“ (von der „Klagemauer“) an.
    http://www.google.de/imgres?q=k%C3%B6lner+klagemauer+antisemitismus&hl=de&biw=1536&bih=791&tbm=isch&tbnid=JNS7_PXWeFYTqM:&imgrefurl=http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/koelner-klagemauer-verbreitet-ungestoert-antisemitismus-auf-der-koelner-domplatte-4917&docid=MhX0zQoNaoWnUM&imgurl=http://www.netz-gegen-nazis.de/files/koelner-klagemauer.jpg&w=440&h=200&ei=OjgGUu66NIrIsgaOg4DoBw&zoom=1&iact=rc&dur=1&page=1&tbnh=118&tbnw=260&start=0&ndsp=16&ved=1t:429,r:0,s:0,i:82&tx=76&ty=237

    Kreislers Tochter Sandra, ebenfalls Satirikerin und Sängerin – die ein durchaus „schwieriges“ Verhältnis zu ihrem Vater hatte – http://www.sandrakreisler.de/downloads/Diagonal-SK.pdf – hat ihrem Vater nun posthum einen besonderen Liebesbeweis gezeigt: Indem sie auf diese vulgäre antisemitische Karikatur aufmerksam gemacht und hierauf öffentlich reagiert hat. Auf ihrer Facebook Website formulierte sie:
    „Bezüglich Ihrer Luff- Karikatur, die mir zugetragen wurde, möchte ich hiermit aufs SCHÄRFSTE protestieren! Wie kann man nur eine Zeichnung veröffentlichen, die den Namen und die Arbeit meines Vaters in Zusammenhang mit einer Meinung stellt, die erstens deutlich NICHT die seine war, zweitens KEINERLEI Verbindung mit dem zitierten Lied hat und drittens rein inhaltlich ebenso antisemitisch wie inhaltlich falsch ist.
    Ich erwarte eine Klarstellung dergestalt, dass Georg Kreisler niemals eine derartige Meinung geäussert hat, und eine öffentliche Entschuldigung des Karikaturisten.
    Es ist eine Schande, derart auf dem Grabe meines Vaters zu tanzen.

    Israel tut seit Jahren nichts anderes, als ein Angebot nach dem Anderen für eine friedliche Lösung bereitstellen – wenn aber die EU dem Millionär Abbas immer weitere Millionen in Aussicht stellt, solange der Konflikt NICHT gelöst wird, und zugleich die arabischen Länder keinerlei Interesse an einer Lösung des Konflikts haben (also weder Geld für ihre „Palästinensischen Brüder“ noch irgendeine andere Hilfe für friedliche Lösungen bereitstellen – sehr wohl aber den Konflikt zur Ablenkung von ihren innenpolitischen Fehlern verwenden), dann ist es klar erkenntlich, wer kein Interesse daran hat, den Konflikt zu lösen.
    mfg, Sandra Kreisler“

    Soeben hat sie auf ihrer Facebbbok-Seite eine ergänzende Aktualisierung veröffentlicht:

    „Sie haben sich entschuldigt. Wortreich. Sowohl der Zeichner als auch die Redaktion in Person eines Herrn Maurer. Ich habe gebeten, die Karikatur auch von der Facebookseite entfernen zu lassen (oder zumindest den Text dazu). Damit ist die Sache für mich erledigt und ich bedanke mich von Herzen und wirklich SEHR für all Eure guten Worte!“

    Verwiesen sei noch auf diesen Beitrag zum Thema:

    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/16732

    Und wenn wir schon bei Georg Kreisler sind, uns an diesen bitter-skeptischen und doch zugleich wunderbar komischen und witzigen Intellektuellen und Satiriker erinnern, der uns vor acht Monaten verlassen hat.
    Einige Auszüge aus diesem Interview (bitte lesen – und dann die Karikatur erneut anschauen):

    “Warum akzeptieren die Wiener Sie nicht als Wiener?

    Wahrscheinlich aus Antisemitismus, und wegen der Emigration. Man weiß ja, daß auch die Deutschen nicht sehr glücklich darüber waren, daß der Willy Brandt emigriert ist, daß er also nicht für Deutschland den Krieg mitgemacht hat. Vor allem aber ist es der Antisemitismus. Ich glaube nicht, daß ein Jude in Österreich als Österreicher voll akzeptiert wird. Ich erinnere mich, wie man die Vergangenheit der Salzburger Festspiele im Fernsehen feierte und verschiedene Auszüge aus früheren Jahren vorführte. Und als man bei Max Reinhardt ankam, da fing man plötzlich an, jüdische Musik zu spielen, Klezmer-Musik. Warum? Der Max Reinhardt war Österreicher, in Salzburg geboren. Warum hat man da plötzlich jüdische Musik gespielt? Die Antwort ist offensichtlich.
    Nicht daß es mir gegenüber eine offene Ablehnung gegeben hätte. Es gab und gibt ja in Wien eine Reihe jüdischer Künstler, die dort arbeiten, die sich als Wiener vorkommen. Nur sind sie es nicht. Der Karl Farkasc war einer der beliebtesten Kabarettisten in Wien, die man sich vorstellen kann. Und als er starb, waren wirklich Hunderttausende bei seinem Begräbnis, die Straßen waren schwarz vor Menschen, er war ungeheuer beliebt.
    Oder denken sie an Bruno Kreisky, der immer wieder als Jude empfunden wurde, überall auf der ganzen Welt – obwohl er sagte, er sei aus dem Judentum ausgetreten. Das geht ein bißchen in den Österreichern nach dem Spruch: »Wer a Jud ist, bestimme ich.« Man akzeptiert, daß Juden mitarbeiten, daß Juden sich als Wiener fühlen und daß Juden Wiener Lieder singen. Das »Fiakerlied«, eines der bekanntesten Wiener Lieder, der Text ist von einem Juden namens Pick. Viele Operettenlieder sind von Juden, da hört der Antisemitismus auf. Dann ist er unser, sagt der Wiener.
    Vorläufig … vorläufig, natürlich. Es kann immer wieder anders kommen. Und deswegen ist eben das Gefühl da, zumindest bei mir, und sicher auch bei anderen Leuten, so ganz Österreicher ist man doch nicht, so ganz kann man doch nicht von Heimat sprechen.
    (…)

    Gibt es einen Unterschied zwischen dem deutschen und dem österreichischen Antisemitismus?

    Manche sagen, die Juden gehören alle vergast oder wenigstens hinaus, und andere sagen: Nein, aber ich hätte es nicht gerade gern, wenn meine Tochter einen Juden heiraten würde – aber sonst, ich kenne einige Juden, das sind nette Leute. Da gibt es viele Unterschiede. Zwischen Österreich und Deutschland sind die Unterschiede nicht so gravierend. Antisemit bleibt Antisemit, wenigstens für mich, ich mach’ da keinen Unterschied.
    (…)
    Wo wäre der Punkt, wo Georg Kreisler, der nach eigenem Bekunden stets auf gepackten Koffern sitzt, die Koffer zumacht und zum Flugplatz trägt?

    Irgendwann würde er sicher kommen. Dann würde ich nach Amerika oder nach Israel gehen. Wahrscheinlich nach Amerika, denn in Israel fühle ich mich ja schon gar nicht zu Hause, das muß ich auch noch sagen, damit habe ich sehr wenig gemein außer der Religion. Und die ist mir bekanntlich nicht wahnsinnig wichtig. Gottesglaube ist wichtiger als Religion. Religion ist ja von Menschen gemacht. Das ist die Gretchenfrage, die ich jetzt zum Schluß auch noch beantworte. Glaube gehört zu den wichtigsten Dingen. Einem Menschen den Glauben wegzunehmen, ist schlimm. Außer nimmt man ihm den Nazi-Glauben weg, dann ist es gut.

    Sind auch die Vorurteile gegenüber Juden schwächer geworden?

    Ich hoffe es. Die Berichterstattung in den deutschen Zeitungen über den Nahen Osten aber ist doch nahe am: Haut den Juden! Es hat gerade heute wieder einer in der »Basler Zeitung« einen Artikel geschrieben, in dem er die Palästinenser gleichsetzt mit den Juden in der Hitlerzeit. Und das ist einfach falsch. Es wohnen genügend Palästinenser in Israel, die sagen, sie leben lieber in Israel als in einem arabischen Staat, denn in Israel gibt es mehr Demokratie. Und Palästina war nie ein Staat, das darf man nicht vergessen. Wenn sie jetzt einen Staat verlangen, so ist das etwas Neues. Ich bin nicht dagegen, daß sie einen Staat haben, nur gegen die Art und Weise, wie sie einen Staat zu erzwingen versuchen. Man soll nicht vergessen, daß die Palästinenser lange Zeit auf die Auslöschung des Staates Israel hingearbeitet haben und heute immer noch viele darauf hinarbeiten.
    Offensichtlich fällt es uns hier schwer, von einer historischen Situation für sich und nicht von einer Metapher für uns selbst zu sprechen. Immer geht es da um so eine klammheimliche Schadenfreude: Die Juden haben auch ihre Juden. Die Juden sind selber Faschisten und so weiter. Und dabei sehen wir, ich weiß nicht ob Sie uns da recht geben, eine fatale Tendenz, daß sich dabei auch die Begriffe umdrehen lassen, wie zum Beispiel all die Formen des ästhetischen und rhetorischen Widerstands, »Provokation«, »Tabuverstoß«, »Subversion« links verschwunden sind und dafür rechts und sehr rechts wieder auftauchen. Toleranz ist dabei nur noch ein Mantel für die imaginäre Mitte.!
    http://www.georgkreisler.de/gk_02c_e03.html

    Noch einen wunderschönen Tag!

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  8. @Uri Degania
    Dass Adorno der geistige Vater des Textes ist, ist wohl richtig. Und auch wenn es da sicher nicht falsch wäre, Ross und Reiter zu nennen, sah ich trotzdem davon ab. Der Grund dafür war, das Ganze nicht zu einer Namedroppingfarce zu machen. Wenn es dich beruhigt, der Vollständigkeit halber:
    Das Wort mit der Banalität des Guten stammt von Eike Geisel, die etwas aggressive Polemik ist bei den älteren Texten Wolfgang Pohrts entlehnt.

    @Armutsschere
    Auf das saudumme Spiel: „Ihr wollt über Antisemiten reden, nun reden wir erstmal über Juden“ lasse ich mich hier gar nicht ein. Ich habe eine Position zur Siedlungspolitik, zur Sache tut sie freilich rein gar nichts, schon dreimal nicht hier an dieser Stelle. Wenn einer ein Bildchen malt, das Juden beim Vergiften von Friedenstauben zeigt und die andere Seite nonchalant weglässt, dann hat das so rein gar nichts mit irgendeiner Kritik zu tun, sondern greift ein klassisches Element des Antisemitismus wieder auf. Die weiter oben erwähnten „Kritiken“, es ginge ja freilich nicht um das ganze Volk und wie man das überhaupt erkennen solle, sind so lächerlich weit von einem Begriff des Antisemitismus entfernt, dass jede Replik darauf ihnen noch zuviel Ehre zukommen lässt. Nichtsdestotrotz sei angemerkt, dass die klassische „Rothschildkritik“ ebenso antisemitisch ist, wie die Vermutung, dass Jude X oder Y einen Brunnen vergiftet hätte. Allesamt klassische Topoi des Antisemitismus – wie eben dasjenige, dass Juden aus reiner Böswilligkeit den Frieden vergiften wollten.
    Ich diskutiere nicht nach einer Stürmerkarikatur, ob die Zinsen bei Goldmanns wirklich Wucher sind, ich diskutiere hiernach nicht die Siedlungspolitik. Punktum.

    @Umm Kolthum
    Der Text handelt auch nicht von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, sondern von Antisemitismus. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist eine großartige Sache, die sich insbesondere gegenüber Nazis, Rassisten, Antisemiten und anderen Schweinehunden empfiehlt.

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  9. Noch ein Zusatz:
    Nutzen wir diese garstig-dümmliche Karikatur konstruktiv – und hören wir, thematisch passend, noch einmal ein besonders melancholisches, trauriges und doch wahres Poem vom großen Georg Kreisler: Ich fühl mich nicht zu Hause:

    (Und grad wo ich das geschrieben hab such ich `was herum – und finde gleich dies: http://www.zeit.de/2011/31/DOS-Kreisler-Lieder)

    Und wenn wir schon bei Österreich und Israel sind, und beim politischen Georg Kreisler, Exilant, Überlebender, Rückkehrer (weil diese Rückkehr vereinzelt für den Bluthochdruck zuträglich sein soll, wie es einmal ein bekannterer jüdischer Publizist formuliert hat, der „trotz alledem“ nach Israel zurück gekehrt ist), dann fällt mir assoziativ, sachlich gewiss passend, eine vorzüglich geschriebene Rezension eines mehr als vorzüglichen Buches ein, welches – dies sei hinzugefügt – vortrefflich zu Publikative passen könnte).
    Überschrieben ist es mit “Zionist mit Heimweh” – und handelt doch nicht vom guten Georg Kreisler…:

    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/15671/highlight/karl&pfeifer

    Ehre und Hochachtung denen, die es wahrlich verdient haben!

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  10. „Dass Kreisler auch als Alibijude fungieren könnte, ist in diesem Kontext von untergeordneter Wichtigkeit“

    Weshalb steht es denn ueberhaupt drin im Text, wenn es von untergeordneter Wichtigkeit ist?

    Ich interpretier das mal als Versuchsluftballon sich hier auf Brodersches Niveau zu begeben!

    Ich bin ein Freund der Polemik und ich schaetze die berechtigte Kritik.
    Aber mit diesem Artikel schiesst ihr ueber das Ziel hinaus. Ich meine damit auch klar die Ueberschrift. Die nur unzureichend belegete und daher unglaubwuerdig wirkende Beschreibung der Banalitaet des Guten.
    Die Bionade saufenden sueddeutschen Horden werden durch die Verwendung des Begriffs ja gleichgesetzt mit Eichmann. Oder wie soll ich das verstehen? Ueber Geschmack laesst sich bekanntlich streiten. Aber ich finde diesen Begriff Banalitaet des Guten einfach nur ungeheuer geschmacklos.

    Ich koennte ja jetzt auch wie ihr ein Fass aufmachen und ein paar Zeilen schreiben inwiefern hier eine voellig uberzogener Vergleich mit der Banalitaet des Guten ein falsches Verstaendnis der Autorin zu Grunde liegt und dies mit dem Satz einleiten. Dass Hannah Arendt als Alibijude fungieren koennte ist in diesem Kontext von untergeordneter Wichtigkeit …
    Aber solche Vorgehnsweise ueberlasse ich mal Herrn Bethschneider…

    Aufwachen publikative! Es sinkt fuer sie das Niveau!

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  11. Oh, bei einer Stelle meiner letzten Anmerkung war ich zu schnell. Ich schrieb: „…der “trotz alledem” nach Israel zurück gekehrt ist)“ – ich wollte schreiben: der „trotz alledem“ von Israel wieder nach Österreich zurückgekehrt ist)“. Sorry.

    Naja, was Niveau ist? In der Regel neigen Menschen dazu (besonders wenn es um Politik geht), ihren eigenen Standpunkt als „niveauvoll“ und den Standpunkt des politischen Gegners eben deshalb als derb niveaulos zu betrachten…
    Und wenn es um „Israel“ (bzw. um das Phantasma, das Projektionsobjekt „Israel“ geht – ich empfehle einen Besuch bei israelischen Freunden! Ich empfehle die Vertiefung von Städtepartnerschaften etc.) geht – klar, da sinkt das Niveau des Diskurses immer ganz rasch ab.
    Eine kleine Anmerkung sei aber doch erlaubt: Der heutzutage beliebte Begriff der „Israelkritik“ bzw. „Israelkritiker“ (er taucht auch in dieser Kommentarspalte auf) ist mit das Törichste und Blödeste, was ich jemals gehört habe. Klar: Unsere scharfen Grönlandkritiker, unsere Somaliakritiker; und die scharfen Frankreichkritiker mögen auch nicht unerwähnt bleiben…

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  12. BTW hier die letzte Durchsage von Peace Now, die hoofentlich in den Augen der Autoren keine Alibi-Juden sind:

    „Did you see the latest updates from settlement watch? Government is marketing yet another 1000+ new housing units for the WB and EJ.
    „The marketing of these new housing units creates new facts on the ground and puts the negotiations at risk. The fact that in just over one week, before negotiations are set to resume, the Israeli government is marketing 1,187 units, has promoted 1,096 housing units mainly east of the barrier, legalized two outposts and declared 91 isolated settlements as National Priority areas is sending a strong and dangerous message that the government is trying by any possible mean to hurt the start of the negotiations.“
    -Peace Now

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  13. Gallendieter:
    Eichmann und Arendt sind die „Banalität des Bösen“, die Banalität des Guten sind die Deutschen Feuilletons und Eike Geisel. (Letzteres je die Quelle des Ausdrucks, ersteres das Objekt der Kritik.)
    Und die Frage des Alibijuden steht in dem Artikel weil er ursprünglich – wie angegeben – auf den Ruhrbaronen veröffentlicht wurde, deren letzter Artikel die Verwendung Kreislers auf eine Alibijudenfunktion zurückführte, was dieser Artikel nun zurückwies.

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  14. @Martin Niewendieck: Eine Ergänzung:
    Publikative ist mehrfach ausgezeichnet worden. Berechtigt. Eindeutig. Aber kürzlich gab´s noch ne ganz besonders tolle Ehrenauszeichnung: Eine Aktivistin der Pallywood-Front hat Publikative als einem Netzwerk besonders garstiger Gruppen zugehörig indiziert.
    Ich bringe das Zitat (den Namen lass ich bewusst weg) – und das Zitat kürze ich bewusst etwas, damit man es nicht so leicht über Suchmaschinen findet. (So bedeutsam sind diese Antisemiten auch nicht):
    „Anbei finden Sie Recherche-Material, das dazu dienen kann, einen Teil des Netzes aus Antideutschen, Achse des Guten, Deutsch-Israelischer Gesellschaft, und anderen Webseiten, wie „Publikative.org“ sichtbar zu machen.“
    Na, darauf kann man doch stolz sein!

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  15. @ Martin und Uri:
    Auf solche Artikel wie diesen und solche Sprüche wie eure kann man vor allem stolz sein, wenn man ein klares Freund/Feind-Denken verinnerlicht hat. Aber das wisst ihr sicher.

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  16. @Sebastian:

    „Finden die es so toll das ihre politischen Führer anderen Ländern ständig mit Krieg drohen? Es vergeht ja kein Tag an dem nicht Netanjahu dem Iran mit Krieg droht.“

    Noch alle Latten am Zaun?

    Dasz Netanjahu ein Vollpfosten ist mag ja stimmen aber ihm dummdreist solche Worte in den Mund zu legen schlägt dem Fasz den Boden aus!

    Auch wenn ich kein Freund des mackerhaften Gewaltfetischs bin, bei Menschen wie Ihnen mach ich da gern mal ne Ausnahme.

    Mögen Sie mir nie über den Weg laufen!

    Shalom!

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  17. @ Uri Degania
    Niveau hat fuer mich nichts mit dem politischen Standpunkt zu tun, sondern mit der Qualitaet auf der ein Diskurs gefuehrt wird oder mit der Artikel geschrieben sind. Ich habe versucht mit einem Beispiel klar zu machen was die Qualitaet von der von mir erwarteten unterscheidet.
    Die Bildzeitung bezeichne ich auch nicht als derb niveaulos, weil mir der politische Standpunkt nicht gefaellt, sondern ganz einfach weil die journalistsiche Qualitaet in meinen Augen sehr mangelhaft ist.

    Eine Polemik, die zurecht dazu fuehrt in einem Zuge mit Achse des Guten und Deutsch Israelische Gesellschaft genannt zu werden, ist fuer mich eben eine Stufe zu weit. Das ist fuer mich kein Grund dies wie sie es tun ironisch zu feiern, sondern ein absolutes Alarmsignal.

    Das finde ich persoenlich sehr sehr schade, weil ich bisher die Qualitaet der Artikel zum Thema Antisemitismus von einer weitaus besseren Qualitaet als die genannten Quellen war. Hier moechte ich um dies zu verdeutlichen auf die Artikel der Gastautorin Ramona Ambs verweisen und sie fragen ob sie ernsthaft finden, dass deren Artikel das gleiche Niveau haben wie dieser hier?

    Ich sehe durch solche Artikel wie diesen hier ernsthaft die Gefahr dass andere Artikel mit einem guten Niveau wie zum Beispiel von Andrej Reisin zum Thema unsere Muetter unsere Vaeter oder die Artikel der genannten Ramona Ambs einfach nicht mehr gelesen werden. Bei mir persoenlich steht es wirklich kurz davor. Stuermerle, Banalitaet des Guten und „chronisch gutem Gewissen geplagten, Bionadesaufenden süddeutschen Horden“ hat mich wirklich geaergert. Wenn wir schon auf diesem Nievau anbelangt sind kann ich nur fragen: „Haben Sie noch alle Maultaschen in der Pfanne? Gruesse aus dem Sueden (Bionade schmeckt mir uebrigens nicht).

    @ Anti: Danke fuer den Hinweis. Jetzt habe ich es kapiert was dieser Satz zu sagen hatte. Das Banilaet des Guten ein schon verwendeter Begriff ist war mir auch nicht klar. Aber ein Zusammenhang mit der Banalitaet des Boesen ist sehe ich dennoch.

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  18. @ Uri:
    Überrascht? Ja, abr vor allem erfreut, weil Menschen, die solche Begriffe wie „Pallywood-Front“ verwenden in der Regel jenseits dessen sind, was ich noch als diskursfähig einschätze.

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  19. Nur ganz kurz: Ich habe bei max kurz nachgefragt – und Gallendieter antwortet. Nun gut, so geht´s zu im Internet.
    Was Sie schreiben, Gallendieter, ist der Form nach ok und drückt ein wirkliches Interesse am Austausch aus. Das ist fein und hilfreich.
    Ich nehme nicht an, dass Eike Geisel und Wolfgang Pohrt (ihren Verleger Klaus Bittermann könnte man auch noch erwähnen)heute noch allen Publikative-Lesern vertraut sind. Und Hannah Arendt, in ihrer ganzen Komplexität?
    Vielleicht lässt es sich ermöglichen, einige ihrer Texte ab und zu mal auf Publikative zu veröffentlichen. Das wäre fein – wenn es von den rechten her klappt.
    Übrigens, ein dezenter Hinweis: Der von manchen geschätzten, von manchen gehasste H. M. Broder (seine frühen Bücher über Antisemitismus sind mehr als ausgezeichnet!!!) hat mit seinem Freund Eike Geisel viel zusammen gearbeitet und Bücher geschrieben. Die Dinge sind 30 Jahre her – aber die heutigen Diskurse waren bereits seinerzeit vorgezeichnet.

    So wende ich also diesen kleinen disparaten Leserbriefdiskurs ins Positive – und nenne ein paar historische Beiträge, zum Nachlesen; dann dürfte auch der Anlass gebende hiesige Beitrag „besser“ eingeordnet werden können:

    Nachruf auf Eike Geisel von Lizas Welt:
    http://lizaswelt.blogspot.de/2007/08/in-memoriam-eike-geisel.html

    Der Spiegel 1982: Eike Geisel über Alain Finkielkraut: Der eingebildete Jude:
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14347524.html

    Hurra, wir erinnern uns! Henryk M. Broder rät den Deutschen, Auschwitz zu vergessen. Aber die denken gar nicht daran. VON Klaus Bittermann:
    http://jungle-world.com/artikel/2012/18/45388.html

    Der Spiegel 1983: Henryk M. Broder über W. Pohrt: Endstation
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14023043.html

    Also, der Beitrag bemüht sich, auf diese schön-wild-traurigen Diskurse, diese „deutschen Befindlichkeiten“, wenn es „um Juden“, um Israel – also: um deutsche Projektionen angesichts ihrer nationalsozialistischen Mördergeschichte! – geht, zu rekurrieren. Ob´s sonderlich gelungen ist? Das sollte jeder selbst entscheiden.

    Nur noch eins: Wenn nun darauf rekurriert wird, dass das Erwähnen bzw. die politisch-theoretische Anlehnung an „Die Achse des Guten“ ein Verdammungsurteil sei – na, da kann man unterschiedlicher Meinung sein.

    Wenn nun aber sogar im gleichen Atemzug die „Deutsch-israelische Gesellschaft“ von gewissen Deutschen als verdammenswert disqualifiziert wird – da denk ich mir meinen Teil, vor allem: Schluss der Diskussion.

    Und da meine Freundin Ramona Ambs – zu Recht!!! – gewürdigt wird: Ja, Ramona ist mehr als Spitze… Und ihre neuen Werke können gekauft werden!
    Shalom

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  20. Gallendieter:
    Der Vollständigkeit halber, fürs „Stürmerle“ bin ich nicht verantwortlich, die Bionadesäuferei würde ich aber nach wie vor für einen der Eckpfeiler des billig-guten Gewissens halten.
    Die NS-Parallele wäre mir da persönlich zu weit gewesen, insofern Antisemitismus eben nicht notwendigerweise darauf verweist und mir diese Karikatur relativ weit von deren Bildsprache entfernt scheint.

    Was schließlich die Banalität des Guten anbelangt, kann ich nur – wieder – festhalten, dass es sich bei dem Ärger darüber schlicht um etwas handelt, für das Sie selber mehr die Verantwortung tragen als der Artikel, insofern sie da das Arendtsche Wort hineinprojizieren, das ja just von dem UMGEKEHRTEN handelt. Und natürlich haben die Banalität des Bösen und die des Guten miteinander zu tun, schon insofern sie beide mit dem Antisemitismus verknüpft sind. Allein: Ob jemand diesbezüglich dann gut oder böse ist, das scheint mir doch noch einen maßgeblichen Unterschied zu machen.

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  21. @ Uri Degania

    Erst einmal herzlichen Dank fuer die Links. Das werde ich bei Gelegenheit lesen versprochen ihre Muehe war also nicht umsonst.

    „Wenn nun aber sogar im gleichen Atemzug die “Deutsch-israelische Gesellschaft” von gewissen Deutschen als verdammenswert disqualifiziert wird – da denk ich mir meinen Teil, vor allem: Schluss der Diskussion.“

    Verdammenswert habe ich nicht geschrieben das will ich nur klarstellen. Wie geschrieben geht es bei dem Niveau nicht um politische Inhalte sondern die Qualitaet der Veroeffentlichungen hier ist mir von der DIG ehrlich gesagt wenig bekannt, weil deren Veroeffentlichungen genau so wenig gelesen habe wie die von ihnen geannten Links.

    Was die politische Richtung anbelangt gebe ich ehrlich zu dass ich nicht d’accord bin mit der DIG. Ich sehe darin keinen Grund die Diskussion zu beenden. Sie wuerden doch auch nicht die Diskussion beenden wenn ich ihnen sagen wuerde ich bin anderer Meinung als die Hanns Seidel Stiftung?

    Nur ein Beispiel was mir bei der DIG ganz sauer aufstoesst wie die mit in meinen Augen verrueckten christlichen Zionisten zusammen arbeiten. Ich finde das auch alles andere als koheraent mit homophoben Christen was zu machen, deren Antijudaismus voellig zu ignorieren und auf der anderen Seite dann fuer die Offenheit Israels und speziell von Tel Aviv zu werben.

    Vielleicht hilft ihnen mein Beispiel auch mal von ihrem Freund/Fein Denken wegzukommen. Alan Posener der sich bei der Butler Debatte auch sehr polemisch geaussert hat (http://www.welt.de/kultur/article109112736/Judith-Butler-ist-so-borniert-wie-Ulrike-Meinhof.html) bringt meine Kritik an dieser Verbindung gut zum Ausdruck. http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article116823078/Falsche-Israelfreunde.html
    Im gleichen Zug jedoch mit einer sehr verkuerzten Kritik an antideutschen Positionen, die ich genau so daneben finde wie Judith Butler mit Ulrike Meinhoff zu vergleichen.

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  22. Und noch ein letzter kleiner Hinweis: Es erscheint mir als sehr aufschlussreich, welche Themen (nicht nur hier, auch bei der taz, haGalil etc.) wildeste Empörung auslösen, die ewig gleichen Reflexe und Leserbriefe auslösen – und welche nicht.

    Sammy Speier mit seiner tragischen, lebendigen Biografie, seinem Engagement gehört aus meiner Sicht zu den beispielhaften Persönlichkeiten, von denen „wir“ etwas lernen können. Was unterscheidet ihn von den meisten hier diskutierten Autoren: Er kam aus Israel, er war Jude – und lebte „dennoch“ in Deutschland. Und er war einmal ein Linker. Welche reaktionen löst ein erinnernder Beitrag über ihn aus:

    http://www.publikative.org/2013/07/19/kehrt-erst-einmal-vor-eurer-eigenen-tur/

    Keine. Schweigen im (obacht: garstige Ironie!!!) deutschen Walde.

    Das gleiche ist zu beobachten, wenn die vorhergehend erwähnte großartige Satirikerin und feinsinnige Beobachterin „deutscher Empfindlichkeiten“, Ramona Ambs Satiren vorlegt: Wildeste Empörungen, zum Teil auch begeisterte Zustimmung.
    Aber wenn Ramona Ambs hier einmal sehr direkt über ihre widersprüchlichen, komplizierten Erfahrungen als Jüdin in Deutschland schreibt:
    http://www.publikative.org/2013/06/08/von-rosa-kaninchen/

    Schweigen im (obacht: garstige Ironie!!!) deutschen Walde.

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  23. @Uri Degania

    „Wenn nun darauf rekurriert wird, dass das Erwähnen bzw. die politisch-theoretische Anlehnung an “Die Achse des Guten” ein Verdammungsurteil sei…“

    Tja, wenn man sich so ankuckt, was die „Achse“ neben „Antisemitismuskritik“ sonst noch so verzapft (z.B. Lobbyarbeit für die Atom- und Waffenindustrie, Antifeminismus, Islamfeindlichkeit, Hetze gegen Asylbewerber und Arbeitslose, dumpfer Antikommunismus und Antiantifaschismus), ist das Bedürfnis nach etwas Distanz vielleicht doch nicht so verkehrt. Aber schön, dass Sie zwischen guten und bösen Deutschen unterscheiden können.

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  24. @Gallendieter: Wenn Sie mögen schreib ich Ihnen eine kleine Übersicht über Websites, Personen etc., die sich in ernst zu nehmender Weise mit Israel beschäftigen. Darin würde ich einen gewissen Sinn sehen.

    Prima, dass sich sogar das traditionalistisch-antiisraelische Milieu des „freitag“ – über diesen gibts ja hier eine Vielzahl von klugen Analysen – zu Wort meldet, in Person eines Daniel Domeinski, Dauer-Kommentator u.a. beim brav-traditionalistischen „freitag“.
    Wie bemerkt dieser Oberlehrer (als der er sich auch hier gebärdet) doch in einem der traditionalistisch-antiisraelischen Magazine (welches jedoch, das möchte ich betonen, einen Anspruch auf Analyse nicht ganz aufgegeben hat):
    „Nervig finde ich die Artikel von Patrick Gensing und Stefan Laurin. Die Laurinschen Argumenationskünste sind hier zu bewundern (beachtlich sind auch seine Kommentare im Thread) (Domeinski verweist hier auf Laurins Beitrag: „Alles richtig gemacht, Nobelpreiskomitee: NPD, Dagdelen und Dehm ärgern sich über den Friedensnobelpreis für die EU.“
    Quelle:
    http://mondoprinte.wordpress.com/2012/07/27/larry-derfner-uber-linke-israel-besessenheit/

    Ja, da hat ein gepflegter Diskurs wenig Sinn…

    Aber, wie wäre es, auch nur auf einen einzigen der von mir hier entworfenen Themen und Argumentationsketten einzugehen… Aber lassen wir das 😉

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  25. „Dauer-Kommentator…Oberlehrer…traditionalistisch-antiisraelischen Magazine…Domeinski verweist hier auf Laurins Beitrag: “Alles richtig gemacht, Nobelpreiskomitee: NPD, Dagdelen und Dehm ärgern sich über den Friedensnobelpreis für die EU“

    Haha, Herr Degania, Sie haben meinen Nachmittag gerettet. Dank Ihnen und natürlich auch Gensing und Reisins letzten Antiantiamerikanismus-Panphlets wissen wir jetzt, dass bei der Analyse der Positionierung politischer Akteure in öffentlichen Debatten, Kontexte, Hintergründe und Intentionen zu vernachlässigen sind und können so mit einigen Vertretern der israelischen Regierung neue, prominente Mitglieder in der ultrafiesen Querfront gegen das Friedensprojekt Europa begrüßen.

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  26. @Uri Degania
    Wie sie sehen bin ich da wirklich interessiert und insgesamt auch sehr zufrieden mit dem Portal hier. Aber fuer vielleicht neue Hinweise bin ich jederzeit dankbar.

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  27. Geduld, Geduld.
    Auch das gibt´s, weiterhin – trotz aller Enttäuschungen, trotz aller „Selbstmordattentäter“:

    Sie lassen sich selbst durch die hiesigen Antisemiten nicht davon abhalten…

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  28. @Gallendieter:
    OK, ich stelle jetzt einmal eine kleine Übersicht zusammen, mit ein paar Erläuterungen.
    Ich beginne, weil Sie ihn genannt haben, mit Alan Posener. Ja, Alan Posener ist ein sehr kluger und engagierter Kommentator in diesem Themenbereich. Ich schätze ihn sehr. Auch biografisch ist er mit dem Thema involviert. Posener war übrigens ganz früher mal Gymnasiallehrer, langweilte sich – und wurde Journalist…
    Posener schreibt gerne mit viel Ironie und Schärfe. Er war ganz früher auch einmal Mitglied einer K-Gruppe, worüber er heute mit feiner Ironie schreibt.
    Poseners Anmerkungen über „fundamentalistische christliche Gruppierungen“, die sich aus ihrer Sicht als „Israelpatrioten“ gebärden, sind gewiss zutreffend und erhellend. (Keine Ahnung, aber ich glaube nicht, dass die DIG solche Grüppchen unterstützt.) Sie können aber auch gerne seinen neuen Beitrag aus der Welt, 14.8., lesen: „Israel wird dämonisiert“
    Botschafter Yakov Hadas-Handelsman über Grenzen der Kritik an seinem Land, das parteiische Auftreten der Europäer und die Chancen für den Friedensprozess im Nahen Osten V

    http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article118994210/Israel-wird-daemonisiert.html
    Auf Facebook finden Sie bei ihm, ein eindrückliches, aktuelles Foto aus Ägypten: „Auch solche Bilder kommen aus Ägypten. Muslime bilden eine Menschenkette, um eine Kirche in Südägypten vor wütenden Islamisten zu schützen“.
    Und wenn Sie noch ein Detail wissen möchten: Posener war früher Mitglied bei Broders Blog Achgut. Wie das Leben so spielt: Wenn mehrere ausgeprägte Egos zusammen sitzen, gerade wenn es „um Israel“ geht, dann knallt es irgend wann. Posener ging – und gehört heute einem anderen Blog an…

    Wenn Sie regelmäßig über Israel informiert werden möchten können Sie gerne beim jüdischen Internetmagazin http://www.haGalil.com vorbei schauen. Das größte aktuelle Archiv über Israel und Judentum. Ein Teil der Publikative-Autoren schreibt übrigens auch für haGalil.

    Im Fernsehen schätze ich den (von Eitelkeiten keineswegs freien) Richard C. Schneider. Er hat übrigens mehrere gute Sammelbände mit jüdischen Biografien heraus gegeben. Hier finden Sie regelmäßig gutgemachte Hintergrundberichte von ihm, halt fürs Fernsehen:
    http://www.tagesschau.de/videoblog/zwischen_mittelmeer_und_jordan/dossierzwischenmittelmeerundjordan100.html

    Wenn Sie scharfe intellektuelle, teils polemische Analysen über „Deutsche und Israel“ lesen wollen so empfehle ich Ihnen http://www.Lizaswelt.net. Links unten auf der Startseite finden Sie eine solche Vielzahl von „pro-israelischen“ Websites, dass Ihnen schwindlig wird. Also, dort können Sie viele Wochen lang lesen…

    Natürlich empfehle ich – aus meiner Sicht – auch die Kollegen von der „linksradikalen“, „pro-israelischen“ jungle world.

    Dann gibt es seit 60 Jahren die Jüdische Allgemeine, http://www.juedische-allgemeine-de , informativ, journalistisch hut gemacht. Dort kann man sich jederzeit aktuell informieren.
    Die Jüdische Zeitung, ein Monatsmagazin, war einmal interessant, aus meiner Sicht hat sie an Niveau verloren und lässt politische „Sekten“ immer wieder zu Wort kommen, die mit der Realität in Israel nichts zu tun haben.

    Da Sie die Deutsch-israelische Gesellschaft erwähnen: Wenn Sie konkrete Kontakte mit israelischen Gruppen haben möchten etc., so ist dies ein guter Ansprechpartner. 1977 gab es übrigens auch dort eine heftige Auseinandersetzung – und eine kleine linke Gruppierung spaltete sich ab: Der diAK: http://www.diak.org. Sie können auch deren Mail-Newsletter erhalten. Einige diAK-Mitglieder sind mir politisch sympathisch. Der diAK hat zahlreiche gute Bücher zum Thema heraus gegeben:
    http://www.diak.org/aktuell/publikationen/publikationen.html
    Dort finden Sie auch eine kleine Liste von Links, dafür sollten Sie jedoch Interesse an englischsprachiger Lektüre haben:
    http://www.diak.org/aktuell/links.html

    Vor zehn Jahren gab es die Genfer Initiative, ein von prominenteren Israelis und Palästinensern erarbeiteten umfassenden Vertragsentwurf zur friedlichen Regelung aller Konfliktfelder im Sinne einer Zwei-Staaten-Lösung. Insbesondere die bekannten „linken“ israelischen Schriftsteller haben diese Bewegung unterstützt, die breitgefächerte israelische Friedensbewegung, die interessante linke Partei Meeretz sowie Teil er Arbeiterpartei (übrigens auch der hierzulande populäre Avi Primor).
    Die deutschsprachige Website hierzu, mit zahlreichen Beiträgen:
    http://www.genfer-initiative.de
    Vom Standpunkt der Ratio her wissen seitdem alle Beteiligten, wie eine solche Zwei-Staaten-Lösung aussehen wird. Innerhalb der israelischen Gesellschaft gibt es – das belegen alle aktuellen Meinungsumfragen – weiterhin, trotz des fürchterlichen Terrors, eine Mehrheit für eine Zwei-Staaten-Lösung. Die Frage bleibt nur, wer Israel eine Garantie geben kann, dass sich „die arabischen Staaten“ an diese Vereinbarung halten, wenn Israel zu so weitgehenden Vereinbarungen bereit ist. Ein Blick in die Tagespresse, ein Blick auf die gewaltsamen Auseinandersetzungen in den meisten arabischen Staaten, lässt diese Hoffnung sehr rasch als naiv erscheinen.
    Die Erfahrungen, die Israelis mit der einseitigen Rückgabe des Gazastreifens gemacht haben, stimmen ebenfalls nicht hoffnungsfroh.

    Erwähnen möchte ich noch das feine israelisch-palästinensische Friedensdorf Neve Shalom http://nswas.org/rubrique41.html . Auch sie verschicken einen deutschsprachigen newsletter. Dort klappt das friedliche Zusammenleben wunderbar. Ein deutschsprachiges Buch dazu, auch schon zehn Jahre alt: http://www.hagalil.com/01/de/index.php?itemid=1341

    Wenn Sie, aus „pro-israelischer Perspektive“, englisch untertitelte Fernsehbilder aus arabischen Kanälen sehen wollen, in denen Politiker und Journalisten immer wieder zur Zerstörung „des zionistischen Krebesgeschwürs“ Israel aufrufen, so empfehle ich Ihnen:
    http://www.memritv.org/

    Richtig empfehlen kann ich Ihnen aber dieses Buch – auch und gerade, wenn Sie sich über die wechselvolle Geschichte der (kleinen) gruppe der linken Juden in Frankfurt/M. interessieren (ich erinnerte bereits an Sammy Speiers Portrait hier): Helga Krohn: „Es war richtig, wieder anzufangen. Juden in Frankfurt am Main seit 1984, Brandes & Apsel 2011.
    Also, in Kurzform, vielleicht sind ein paar passende Infos für Sie dabei.

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  29. Oh, einen mir wichtigen Aspekt habe ich vergessen: Städtepartnerschaften sind eine gute, naheliegende Möglichkeit, mit Israelis Kontakt aufzunehmen, Kontakte zu pflegen, einen Schüleraustausch zu organisieren.
    Die Stadt Köln pflegt eine Städtepartnerschaft nicht nur zu Tel Aviv, sondern auch zu Bethlehem. Der hierfür zuständige städtische Referent Frieder Wolf hat hierzu einen vorzüglichen Hintergrundbericht auf haGalil veröffentlicht, den ich – in exemplarischer Perspektive – sehr empfehlen möchte: Köln – Tel Aviv-Yafo – Bethlehem:
    http://www.hagalil.com/archiv/2010/10/17/koeln-tel-aviv-bethlehem/

    (Von ihm und Brigitta von Bülow gibt es auf haGalil noch einen weiteren, thematisch passenden Beitrag: Plädoyer für ein jüdisches Museum in Köln:

    http://www.hagalil.com/archiv/2013/01/17/koeln-6/)

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  30. Dann sage ich mal danke.
    Das sind ein paar neue Sachen drin. Ein paar alte und auch ein paar Quellen fuer die ich mich entschieden habe dass sie keinen Naehrwert haben wegen zu viel ueberzogener Polemik.

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  31. @gallendieter: Super. Natürlich, die ganze Diskussionen über Israel etc. leiden natürlich sehr unter den wechselseitigen Diskurseskalationen, den diversen „Lagern“. Ich weiß, dass ich mich selbst auch gelegentlich „verlocken“ lasse, mich auf solche Polemiken einzulassen.

    Ich habe assoziativ verschiedene Gruppen und Websites genannt, mit keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Wen ich übrigens sehr schätze – dies mag manche überraschen – ist Micha Brumlik. Ich stimme letztlich all seinen Stellungnahmen zu. Es ist wunderbar, dass es noch solche eigenständigen Stimmen gibt! Eben deshalb habe ich das gelungene Buch von Helga Krohn genannt, weil sie diesen innerjüdischen Diskurs der winzigen Gruppe der Linken in Frankfurt seit Beginn der 70er Jahre nachgezeichnet hat. Auf S. 171 findet sich übrigens eine „Stellungnahme junger Frankfurter Juden zur Reaktion auf den Libanon in der Bunderepublik“, Frankfurter Rundschau, 20.8.1982, betitelt „Der Krieg mit der Vergangenheit“ – die Namen der Unterzeichner dürfte heute noch vielen etwas sagen. Also: Mit dieser Stellungnahme ist das Wichtigste zum Thema „Israel und die Linke“ gesagt. Ich werde mich darum bemühen, dass diese Stellungnahme demnächst auf Publikative erscheinen kann. Ich muss sie halt noch abtippen.
    In Kurzform finden Sie im Internet zu diesem Thema noch diese „Frankfurter“ Studie:
    http://www.zeithistorische-forschungen.de/site/40209074/default.aspx

    Und sofern Sie gute Websites / Tagesnotizen von Deutschen bzw. Schweizern, die seit mehreren Jahrzehnten in Israel leben, lesen wollen, empfehle ich zwei, mit unterschiedlicher politischer Ausrichtung:
    Die (preisgekrönte) Website von Lila:
    http://rungholt.wordpress.com/

    Und: Uris Tagebuch aus Israel:
    http://uristagebuchausisrael.blogspot.de/

    Keinerlei Anspruch an Vollständigkeit!

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  32. Und da von Henryk M. Broder (den man schätzen mag oder nicht; mal mag ich ihn, mal finde ich ihn unerträglich zynisch und selbstherrlich-destruktiv) die rede war, mit meinen Querverweisen auf den Diskurs der 70er und 80er Jahre, sei dies ergänzend nachgetragen, aus aktuellen Gründen:

    Warum ist in Ägypten nun die relativ kleine Gruppe der Kopten das Angriffsziel eines mörderischen Mobs? (Vor wenigen Tagen gab es auf Facebook noch das berührende Foto, wo wohl Hundert oder mehr Ägypter zum symbolischen Schutz einen Menschenring um eine christliche Kirche gebildet haben.)

    „Warum die Kopten?“ fragt sich auch Henryk M. Broder – und gibt hierauf eine Antwort:

    „Warum brennen ägyptische Islamisten koptische Kirchen ab, warum machen sie Jagd auf ägyptische Christen? Die Kopten machen etwa zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung aus, sie sind ebenso Ägypter wie die Moslems und sie waren schon vor den Moslems da. Warum also werden sie verfolgt? Die Antwort ist ganz einfach: Weil es in Ägypten keine Juden mehr gibt. Früher lebten in dem Land am Nil über 80.000 jüdische Ägypter, heute sollen es noch um die 100 sein. Alle übrigen sind ausgewandert, in die USA, nach Europa und Israel. Unnötig zu sagen, dass es keine UN-Agentur gibt, die mit dem Zweck gegründet wurde, für die ägyptischen Juden zu sorgen, bis sie in ihre Heimat zurückkehren können; dass sie nicht seit über 60 Jahren als politisches Faustpfand in Lagern leben müssen und dass bis jetzt noch kein Ägyptenexperte das Existenzrecht Ägyptens von der Bedingung abhängig gemacht hat, dass es die vertriebenen Juden und deren Nachkommen nach Ägypten zurückkehren lässt. Und natürlich hat die Kulturabteilung der iranischen Botschaft noch zu keinem Seminar ”Ägypten – Frieden auf Basis von Gerechtigkeit” eingeladen, um deutsche Ägyptologen referieren zu lassen, was sich alles zwischen Kairo und Alexandria ändern müsse, um Frieden und Gerechtigkeit für alle Ägypter herbeizuführen.
    Und die deutschen Hobby-Antisemiten, die so tun, als würden sie sich Tag und Nacht um die Palästinenser sorgen, haben für die Kopten so viel übrig wie für die Armenier in der Türkei, die Baha’i im Iran und alle anderen Minderheiten, für deren Schicksal sie Juden nicht verantwortlich machen können. Da schweigt das Pack.“

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