Neukölln ist überall: „Liebe Anka!“

Der Journalist Ramon Schack hat auf Facebook einen Brief dokumentiert, den er bei der Recherche für sein neues Buch* gefunden hat. Es handelt sich um einen Brief an eine polnische Putzfrau, geschrieben von einem Berliner Lehrerehepaar, das sich laut Schacks Angaben als links versteht. Die Putzfrau namens Anka (Nachname unbekannt) erhielt 8 Euro pro Stunde – schwarz versteht sich. Publikative.org veröffentlicht den Brief mit freundlicher Genehmigung. 

Kündigungsschreiben eines linken Lehrer-Ehepaares aus Berlin-Neukölln, an ihre polnische Putzfrau:

„Liebe Anka,

wie wir feststellen mussten, haben Sie sich nicht daran gehalten, so wir es Ihnen nahegelegt hatten ,vegane Putzmaterialien zu verwenden.
Es mag in Ihrem Heimatland üblich sein, sich nicht um ökologische Belange zu scheren, aber hier bei uns verfolgt man einen ökologischen, nachhaltigen Ansatz, zum Schutz unserer Umwelt.
Das gilt auch gerade für die Hauswirtschaft.
Sie kennen vielleicht den Slogan“Think globally, act locally“.
Das ist Englisch und bedeutet so viel wie, “Denke global, aber handele regional.“
Ihr Hinweis, Sie könnten sich keine ökologisch abbaubaren Reinigungsmittel leisten, ohne den jetzigen Stundenlohn zu erhöhen, hatte Ihnen mein Ehemann ja neulich eindeutig widerlegt, in seiner Aufstellung.
Hätten Sie bei Ihrer Tätigkeit, hier in Berlin, von Anfang an einen nachhaltigen Ansatz verfolgt, wären Ihnen keine Unkosten entstanden.
Ferner hatten wir Ihnen- in unserem letzten Schreiben-eine Liste beigefügt, wo Sie günstig die von uns erwünschten Produkte hätten erwerben können.
Wie wir leider feststellen mussten, benutzen Sie immer noch umweltschädliche Allzweckreiniger und Reinigungstücher.
Das Selbe gilt für die von Ihnen verwendete
Schmierseife, Scheuermilch, sowie für die Laminat – und Korkpflege, als auch für die Parkettpflege.
Unsere Katze Rosa wirkt jedes Mal verstört, nachdem Sie in unserer Wohnung waren.
Wir haben uns deshalb dazu entschlossen, das Arbeitsverhältnis mit dem heutigen Tage zu beenden.
Hinterlegen Sie die Wohnungsschlüssen bitte auf dem Küchentisch.
Vielleicht sollten Sie auch in Erwägung ziehen, sich in Polen eine Stelle zu suchen, um unsere Umwelt zu schonen und diese nicht durch Ihr permanentes pendeln- per PKW- zu strapazieren.“
MfG

Das Buch von Ramon Schack trägt nach seinen Angaben den Titel „Neukölln ist nirgendwo“ und soll im Sommer 2013 erscheinen. Schack versicherte auf Nachfrage von Publikative.org, dass der Brief echt sei. Er habe diesen selbst in der Hand gehabt. Der Brief liegt uns aber nicht im Original vor, wir verlassen uns auf die Angaben des Kollegen Schack.

Siehe auch:  UNO attestiert Sarrazin RassismusDie Sarrazin-Debatte und Rassismus in der LeistungsgesellschaftAngriff der Eliten: Von Spengler bis Sarrazin

30 Kommentare zu „Neukölln ist überall: „Liebe Anka!“

  1. Das Buch von Ramon Schack mit dem Titel “Neukölln ist nirgendwo” erscheint im Sommer 2013. Schack versicherte auf Nachfrage von Publikative.org, dass der Brief echt sei. Ein Foto will er aber erst in seinem Buch veröffentlichen.

    Glaub ich erst wenn ich das Foto sehe. Ansonsten: Billige PR-Masche, um hier die Klickzahlen hochzutreiben.

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  2. Foto? Was soll denn ein Foto beweisen? Falls es nicht echt ist, gebührt dem Autor größte Anerkennung dafür, den Duktus eines veganen Berliner Lehrerehepaars derart glaubhaft zu treffen. Bis zur verstörten Katze! Großartig!

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  3. Will niemandem unterstellen dass er lügt, aber kann nicht glauben das jemand sowas macht…
    Kündigungsschreiben bei Schwarzarbeit?

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  4. @ Clemens Donner: Warum denn nicht? Einem deutschen Lehrerehepaar ist sowas zuzutrauen. Sonst wäre doch auch die Kündigungsfrist länger.

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  5. Hmm… falls der Brief wirklich echt sein sollte: neben allem anderen ist es doch bemerkenswert, der Putzkraft die Kündigung mitzuteilen, während sie noch allein in der Wohnung ist und die Hausschlüssel hat. Das zeugt doch von überwältigendem Vertrauen in die Ehrlichkeit und Zurückhaltung der „lieben Anka“ – oder von Naivität?

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  6. @sansa
    Herr Schack hat laut diesem Artikel den Brief auf Facebook dokumentiert, ob er ihn dort gefunden hat kann ich beim besten Willen nicht erkennen, insofern besteht für mich kein Unterschied zum Artikel der Ruhrbarone.

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  7. Wundert mich, dass der Brief angezweifelt wird. Ich kenne solche Geschichten. Die unverschämtesten Arbeitgeber sind in der Regel die grün-liberalen Gutverdiener. Da soll gekocht, gespült, geputzt und nebenbei die Kinder bei den Hausaufgaben betreut werden. Die versuchen ein Maximum an Ertrag aus ihrer Haushaltshilfe herauszuholen. Haut das Pensum hin, wird die Liste für den nächsten Besuch erhöht. Wenn das Pensum nicht hinhaut, liegen schnippische, dreiste Zettel auf dem Tisch. Das ist keine Seltenheit.

    Aber bezeichnend, dass man bei den Ruhrbaronen das nicht wahr haben will. Teilweise offen rechte Wortmeldungen im Kommentarbereich. Das ist genau die Kundschaft dort, die sich angepisst fühlt.

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  8. Na, so ganz glaubwürdig ist die Geschichte nicht, in ihren Details – aber amüsant als Sittenbild einer „linken Moral“ ist sie schon köstlich. Und auch in einer gewissen Weise zutreffend.
    Die Moralität vieler „Linker“ unterscheidet sich in der Tat nicht sonderlich von derMoralität der katholischen Kirche – was ihre Verbissenheit, Selbstgerechtigkeit, ihren totalitären Charakter betrifft.

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  9. @ Sinan A: Ich habe heutenacht ein Fallbeispiel, dass ich selbst miterleben durfte, als Kommentar abgegeben. Wurde aber von der Redaktion leider nicht freigeschaltet. Wie gesagt, ich bekam beim lesen des Artikels ein Deja Vu erlebnis.

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  10. Ein ziemlich blöder Schachzug, um die anstehende Publikation im Vorfeld „heiss“ zu machen. So billig. So offensichtlich. So…. Qualitätsjournalismus.
    Dass sich aber nun auf allen möglichen Kanälen die Köpfe eingeschlagen werden darüber, was denn typisch für diese und jene politische Ausrichtung sein soll (immer schön unterlegt mit „Ich kenne da auch noch so ’ne Geschichte!“-Beispielen), inklusive Stammtischhalbsätze und unfundierte Anschuldigungen… von vermutlich gebildeten Leuten, das spricht schon arg für sich.

    Meine Güte, Leute. Ihr seid nicht besser als das angebliche Lehrerehepaar. Schmeisst mal die Schubladen aus Euren Köpfen und lasst Sauerstoff ans Gehirn!

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  11. <blockquote cite="UriDegania"
    "Die Moralität vieler “Linker” unterscheidet sich in der Tat nicht sonderlich von derMoralität der katholischen Kirche – was ihre Verbissenheit, Selbstgerechtigkeit, ihren totalitären Charakter betrifft."

    Da läuft aber Ihre Glaskugel mächtig heiß. Ich seh jetzt in dem Kündigungsschreiben nicht, dass sich das Lehrerehepaar als links bezeichnet oder auch sonst irgendwie durch linke Wesenszüge auffällt. Auf der anderen Seite ist der Konsum von veganen Produkten jetzt auch nichts ausschließlich Linkes – mit ein wenig Fantasie („gesunder Volkskörper“) ist das auch Nazis zuzutrauen. Das einzige was hier aus dem rauszulesen ist, dass irgendein wohlhabendes (Laminat, Kork, Parkett) Lehrerehepaar seinen vermeintlichen ökologisch nachhaltigen Lebenswandel derart dogmatisch durchgesetzt haben will, dass es dafür Menschen das Arbeitsverhältnis kündigt – also sich schlicht a-sozial verhält. Ökologischer Lebenswandel als Aushängeschild oder Greenwashing im privaten Bereich, mehr gibt die Geschichte nicht her.

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  12. Ob dieses Schreiben echt ist, kann ich nicht beurteilen. Und auch keiner der Kommentatoren hier. Wobei ich leider zugeben muss, dass ich das Schreiben für echt halte. Ohne einen weiteren Beweis zu haben.

    Keine Ahnung, ob das für meine Borniertheit spricht oder eben für die Lebenserfahrungen, die ich persönlich mit Lehrern und Gutmenschen machten musste. Nicht durfte! Und nein, das soll jetzt nicht gegen Lehrer „hetzen“ sondern nur schlicht klarstellen, dass ich erschreckend oft (man kann auch sagen fast zu 95 %) in meiner Tätigkeit als Redakteur eine derartige Geisteshaltung erlebt habe, wie sie der Brief darlegt. Ob der echt oder (gut) gefälscht ist – es ist wirklich anzutreffen:

    „hatte Ihnen mein Ehemann ja neulich eindeutig widerlegt, in seiner Aufstellung“ JA. Verdammt nochmal, JA! Ich kann, ohne dabei gewsesen zu sein, diese „Aufstellung“ in meinem Geist nachvollziehen (wenn es sie denn gab ^-^). Und von daher: Chapeau, sollte das Teil gefaked sein. Ein Seufzer, wenn er echt ist 🙂

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  13. Beim ersten Lesen wirkt das noch halbwegs glaubhaft, aber bei genauem Lesen fallen doch viele Dinge auf: Das alles passt ZU gut, erklärt zu viele Hintergründe und ist deshalb wahrscheinlich für Dritte geschrieben. Jeder Satz untermauert auf die eine oder andere Art den Punkt, der verdeutlicht werden soll, was zumindest verdächtig ist. Gerade bei der Passage über die Katze ist eher die Fantasie mit dem Autoren durchgegangen.
    Die Geschichte, wie dieses Dokument angeblich aufgefunden wurde, ist auch eher holprig.

    Ich kann nicht beweisen, dass der Brief nicht authentisch ist. Aber ich bin das erste mal enttäuscht von Publikative: ein schlichter Disclaimer und alles ist erlaubt? Sowas sollte nicht auf einem Blog mit journalistischem Anspruch gepostet werden.

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  14. Was sollen , bitte sehr ,“vegane“ Putzmittel sein ?
    Eine Kurzsuche im Internet ergab keine Ergebnisse.
    Meines Wissens nach gibt es keine Putzmittel mit tierischen Inhaltsstoffen und Tests an Tieren sind verboten (bitte um Korrektur,falls ich mich irre)
    Ich denke das Ganze ist fabriziert.
    Zur Zeit läuft eine große Delegitimierungskampagne quer durch die MSM gegen alles was auch nur ansatzweise mit Umweltbewußtsein zu tun hat.
    Was für ein Sturm im Putzeimer!
    Man kann daraus einen Aufmacher unter der Kampfbegriff- Schlagzeile “”Öko-Rassismus” machen und schon hagelt es klicks und das Buch „Neukölln ist Nirgendwo“ verkauft sich besser.
    Na so was.Es gibt also doch nicht nur “Gutmenschen” (noch ein Kampfbegriff) sondern auch ganz gewöhnliche elitär denkende Konsumenten von Produkten und Dienstleistungen,die die klassische polnische Putzfrau (noch so ein Klischee) so behandeln wie Elitäre nun mal seit Jahrhunderten ihre Untergebenen behandeln.Und nun kommt der Knaller:sie leben vegan etc!
    (es gibt auch eine neonazistische Ökobewegung – aber darauf weist man nicht hin )So what?
    Diese Versuche die gesamte Umweltbewegung in Bausch und Bogen zu einer diktatorischen moralterroristischen Bewegung zu erklären,nehmen immer mehr zu.(wenn du vegan/umweltbewusst lebst, kannst du nur ein guter Mensch sein etc und wenn du dann die poln. Putzfrau behandelst wie hunderttausende Mittelständler ihre ungelernten Arbeiter behandeln – bist du ein entlarvter Rassist) – verstehe eine/r diese Logik.
    Ich halte das Ganze für fabriziert -nicht etwa den Brief ,aber die Empörungstrigger sprechen für sich- und an sich empfinde ich genau DAS als totalitär.

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  15. Ich finde es auch komisch, dass das hier allgemein als Links-Sein vorgeführt wird. Wenn der Brief echt ist, beweist er doch nur, dass es überall Arschlöcher gibt.

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  16. @Fred
    Du hast recht. Es gäbe so viele Geschichten zu erzählen. Leider sind in der Regel Leute betroffen, die die Sauereien des Alltags ohne zu murren wegstecken, und das macht sie für den journalistischen Feuilleton weniger interessant.

    Trotzdem schön zu sehen, wie die schwarz-grünen Kommentatoren hier das Haar in der Suppe suchen. Bei Buschkowskys „Neukölln ist überall“ war diese Klientel nicht so kritisch. BILDblog zum Beispiel verlinkte auf ein Berliner Stadtmagazin, wo Buschkowskys Buch sehr wohlwollend besprochen wurde.

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  17. Hallo Sinan,
    ohne murren wegstecken, dass ist nicht so einfach, wo soll eine Anka hingehen? Zum Arbeitsgericht, so von wegen:“ Das verrohte Bildungsbuergertum hat mein „illegale“ Arbeitsverhaeltnis gekuendigt.“
    Das macht es ja so widerlich, Menschen die sich selbst als „korrekt“ sehen lassen ihre ganze Macht an Leuten aus, die von ihnen Abhaengig sind, sei es wie eben Anka oder weil sie im Knast sitzen oder weil sie von ihrem „good-will“ abhaengig sind.
    Das, dass Feuilleton kein grosses Interesse hat, liegt wahrscheinlich auch daran, dass sie aus eben diesem Klientel bestehen und prikaere Verhaeltnisse meilenweit fuer sie entfehrnt sind.
    Das echauffieren einiger Mitkommentatoren hat fuer mich den Beigeschmack des Vorwurfs von „Nestbeschmutzer“.

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