Deutsche Geschichte bei Lanz: Zu wenig Kolonien, zu viele Juden

Im Begleitprogramm rund um den ZDF-Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ talkte am vergangenen Dienstag eine illustre Runde in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ über deutsche Geschichte und ihre (filmische) Aufarbeitung. Dabei wurde Erstaunliches behauptet: So trage Deutschland keine Verantwortung für den 1. Weltkrieg, sondern „Frankreich und Russland“. Infolge der Niederlage sei Deutschland bei „der Kolonialisierung der Welt“ „zu kurz gekommen“ – und wegen dieser Demütigung sei es dann zum 2. Weltkrieg gekommen. Ergänzend wurde festgestellt, dass „Täter“ und „Opfer“ nicht zu unterschieden seien – und die industrielle Massenvernichtung von Menschen nur deshalb erdacht werden musste, weil man so viele Juden einfach nicht mehr erschießen konnte. Für nennenswerten Widerspruch oder gar einen Eklat sorgte diese Aneinanderreihung von revisionistischen Äußerungen nicht – deutsche TV-„Vergangenheitsbewältigung“ anno 2013.

Von Floris Biskamp

Rückblickend möchte man mit Martin Hohmann beinahe Mitleid haben. Denn nun ist klar: Er wurde damals nicht geschasst, weil er das Falsche gesagt hatte, sondern nur, weil er seiner Zeit weit voraus war. Am 3. Oktober 2003 hielt Hohmann seine berühmt-berüchtigte Rede zum Tag der Deutschen Einheit. Darin hieß es unter anderem:

„Die Schuld von Vorfahren an diesem Menschheitsverbrechen hat fast zu einer neuen Selbstdefinition der Deutschen geführt. Trotz der allseitigen Beteuerungen, dass es Kollektivschuld nicht gäbe, trotz nuancierter Wortneuschöpfungen wie ‚Kollektivverantwortung‘ oder ‚Kollektivscham‘: Im Kern bleibt der Vorwurf: die Deutschen sind das ‚Tätervolk‘. […] Auf diesem Hintergrund stelle ich die provozierende Frage: Gibt es auch beim jüdischen Volk, das wir ausschließlich in der Opferrolle wahrnehmen, eine dunkle Seite in der neueren Geschichte oder waren Juden ausschließlich die Opfer, die Leidtragenden? […] Daher könnte man Juden mit einiger Berechtigung als „Tätervolk“ bezeichnen. Das mag erschreckend klingen. Es würde aber der gleichen Logik folgen, mit der man Deutsche als Tätervolk bezeichnet. […] Daher sind weder ‚die Deutschen‘ noch ‚die Juden‘ ein Tätervolk.“

Das ging 2003 einfach noch nicht. Damals waren die Deutschen in ihrer Leidkultur zwar schon sehr weit auf dem Weg zur Einebnung der Täter-Opfer-Grenze, aber doch noch mit vorhergehenden Schritt beschäftigt; nämlich damit, sich selbst und gegenseitig zu versichern, dass es nicht nur in Ordnung, sondern absolut notwendig und wichtig ist, die Deutschen auch als Opfer des 2. Weltkrieges zu verstehen. Jörg Friedrich breitete die Schwere des deutschen Leidens anhand des Bombenkrieges, Günter Grass anhand der Vertreibung aus. Die Wörter „Juden“ und „Tätervolk“ in einer Rede zum Tag der Deutschen Einheit in einen wie auch immer gearteten Zusammenhang? Das war der deutschen Öffentlichkeit damals noch nicht so ganz geheuer. Hohmanns Rede wurde zum Skandal, der CDU-Bundestagsabgeordnete von seiner Partei ausgeschlossen.

Doch 10 Jahre später ist man bereit, den nächsten Schritt zu vollziehen. Dies lässt schon der zentrale Satz des großen erinnerungspolitischen TV-Spektakels „Unsere Mütter, unsere Väter“ erahnen: „Der Krieg wird nur das Schlechteste in uns zum Vorschein bringen.“ Ausgesprochen wird der Satz von einem jungen deutschen Soldaten am Abend, bevor er in den Vernichtungskrieg in der Sowjetunion zieht. ‚Wir‘, in denen der Krieg ‚das Schlechteste‘ zum Vorschein bringt, sind jene fünf Personen, die im verzerrten ZDF-Universum beispielhaft für ‚unsere Väter, unsere Mütter‘, will heißen: für die Deutschen, stehen, darunter eben auch ein Jude.

Täter als Opfer, Opfer als Täter

Arnulf Baring, hier leider nicht mit Wasser aus dem Brunnen der Erkenntnis (Foto: Tohma / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0)
Arnulf Baring, hier leider nicht mit Wasser aus dem Brunnen der Erkenntnis (Foto: Tohma / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0)

Die Interpretation des Satzes liefert Arnulf Baring gleich zu Beginn der Talkshow von Markus Lanz, die das ZDF zwischen dem zweiten und dritten Teil der Eigenproduktion sendete: „Ganz großartig ist ja in dem Film, dass man sieht, dass die ganze Teilung, von der wir seit Jahrzehnten reden, nämlich zwischen Opfern und Tätern, dass die nicht hinhaut. Auch die Opfer sind irgendwo Täter und die Täter sind irgendwo Opfer.“ Widerspruch bekommt er dafür nicht, aber allerhand Gelegenheiten, deutlicher zu machen, wen er meint: „Diese Unterscheidung zwischen Opfern und Tätern, die Deutschen sind ein Tätervolk und die Juden sind Opfer…Nein! Auch viele Juden haben sozusagen, das kann man in dem Film auch sehen, haben andere verraten, um ihre eigene Haut zu retten.“ Man wird zum Täter, um die eigene Haut zu retten, man hat keine Wahl und darin sind alle gleich. Deutsche und Juden, alle Opfer und Täter, aber Verantwortung hat eigentlich niemand. Das ist die erinnerungspolitische Essenz des Abends.

Baring scheint sein Glück kaum fassen zu können, das endlich aussprechen zu dürfen, und so tut er es immer wieder. Niemand in der Runde scheint sich groß daran zu stören. Einzig der Journalist Claus Strunz merkt einmal an, es sei ihm „einen Ticken zu vehement“ vorgetragen – nicht aber, ohne seine grundsätzliche Zustimmung zu signalisieren.

Die Jüdin soll den Mund halten

Ein Fremdkörper in der Talk-Runde ist einzig Marina Weisband, die sich trotz des geradezu übergriffigen Drängens von Lanz und Baring weigert, den geforderten jüdischen Beitrag zum Erinnerungsmatsch zu liefern, in dem sich die anderen suhlen. Sie möchte die Diskussion gerne in eine andere Richtung lenken. Statt über das kollektive Leiden der Deutschen an ihrer Geschichte will sie über Gesellschaft reden, darüber, „wie es dazu kommen konnte“ und darüber, ob der heutige Antisemitismus und Rassismus, ob Sarrazin oder NSU vielleicht in einem Zusammenhang zum Nationalsozialismus stehen.

Aufgenommen werden diese Einwürfe freilich nicht. Im Gegenteil, als sie es gegen Ende der Sendung noch ein zweites Mal versucht, pflaumt Gastgeber Lanz sie in beleidigtem Tonfall an. Denn solche Profanitäten interessieren nicht, wenn deutsche Erinnerungskultur produziert wird. Sie sind „viel zu oberflächlich“ (Baring), weil sie nicht das „kollektive Trauma“ (Lanz) der Deutschen betreffen. Es geht hier nicht um gesellschaftliche Prozesse, es geht um „kollektives Erinnern“. Es geht darum, dass Baring die Tränen kommen, wenn er vom Krieg erzählt, und Lanz sich sichtlich über diese „emotionale Erschütterung“ in seiner Sendung freut.

Es geht, wie Christiane Paul, selbst Darstellerin des Films, ausführt, darum, dass „wir“ Deutschen verstehen, „dass wir eins sind [umschreibt mit beiden Händen einen großen Kreis], dass wir ein Teil unserer Geschichte sind, dass wir ein Teil unserer Großväter sind, der Taten unserer Großväter sind“ (Paul) – eine Sicht auf die Vergangenheit, für die sie die Juden schon lange beneide. Und dazu wollen alle ihren Beitrag leisten. Auch Rundfunkjournalist Dirk Stermann, der spekuliert, dass in Deutschland und Europa so viele Leute den Afghanistan-Krieg ablehnten, „weil wir genetisch die Information in uns gespeichert haben von Bombennächten.“ Ja, das Schicksal meint es schwer mit „uns Deutschen“, mit allen. Auch mit den „Überlebenden der DDR“ (Baring).

Beim Kolonialismus leider „zu kurz gekommen“

Und die Geschichte des deutschen Leidens ist lang. So weiß Christiane Paul, dass die Ursachen des Nationalsozialismus in noch älteren Traumata zu suchen sind, nämlich im Ersten Weltkrieg – Lanz wirft ein: „die Urkatastrophe“ – und „in der Kolonialisierung und in der Verteilung der Welt […], wo Deutschland auch zu kurz gekommen ist“. Diese Demütigung habe zu „Sehnsucht“ und dann zum Nationalsozialismus geführt. In anderen Worten: Weil die Deutschen im 19. Jahrhundert bei der kolonialen Aufteilung Afrikas nicht genug abbekommen haben, konnten sie eigentlich nicht anders, als im 20. Jahrhundert einen Vernichtungskrieg in Osteuropa und Westasien zu führen. Weil sie nicht genug Afrikaner umbringen durften, mussten sie sich nun an Juden und Russen schadlos halten. Ein schweres Schicksal und wir teilen es alle. Vielleicht auch genetisch.

Auch hier gibt es keinerlei Widerspruch aus der Runde. Dass an der Aufteilung Afrikas durch europäische Mächte vielleicht etwas falsch gewesen sein könnte, auf die Idee kommt an dem Abend niemand. Schon gar nicht darauf, dass der Zusammenhang zwischen Kolonialismus und Nationalsozialismus darin bestehen könnte, dass die Deutschen in Afrika schon Erfahrungen in Rassenpolitik und Massenmord sammelten. Nein, sie sind zu kurz gekommen und gedemütigt worden, die Deutschen. Unterbrochen werden Pauls Ausführungen nur von Baring, der die Gelegenheit nutzt, um „als Historiker“ zu betonen, dass „der Erste Weltkrieg nicht durch unsere Verantwortung zustande gekommen“ ist, sondern weil „Frankreich und Russland entschlossen“ gewesen seien „das Reich“ zu bekämpfen.

Generalleutnant Lothar von Trotha (Mitte) mit seinem Stab 1904 in Keetsmanshoop
Trotz unermüdlichen Einsatzes „leider“ nur vorübergehend Kolonialherren: Generalleutnant Lothar von Trotha (Mitte) mit seinem Stab 1904 in Keetsmanshoop (Bundesarchiv Koblenz, Bild 183-R27576)

Baring erklärt Massenvernichtung: Es „kamen“ einfach zu viele Juden

Der Gipfel war damit aber noch nicht erreicht, er kam erst, als Baring meinte, der in Kiew geborenen Jüdin Weisband über das Massaker von Babyn Jar dozieren zu müssen und dafür diese Worte wählte: „Die Deutschen hatten mit 6.000 Juden gerechnet und 36.000 kamen.“ Sie „kamen“ wohlgemerkt, die Juden, und sind nicht etwa selektiert und verschleppt worden. „Und dabei ist den Deutschen klargeworden: Kinder, so können wir das nicht machen. Wir müssen sozusagen ne andere Art machen als da diese Massenerschießungen.“ Und das nennt Baring die „Ursache der Massenvernichtung“. Es waren einfach zu viele Juden gekommen. Wieder ein schwerer Schicksalsschlag für die Deutschen, die wieder zu Tätern gemacht wurden. Schuldlos schuldig.

Kein Widerspruch – kein Eklat

Hat jemand der Anwesenden nun „Halt!“ geschrien? Nein. Denn außer Weisband schienen alle ganz zufrieden in ihrer Erinnerungskultur. Man kann den Gesprächsverlauf wie Daniel Martienssen im Freitag hoffnungsvoll so deuten, dass es nur am „Kokon des Talkshowstudios“ und an der mangelnden historischen Bildung der Beteiligten lag, dass Baring unwidersprochen sagen konnte, was er sagte. Aber warum legten Lanz, Paul und Stermann dann so gerne noch eine Schippe drauf? Und warum gab es auch an den Folgetagen kaum nennenswerte Reaktionen? Es war ja, anders als es bei Martienssen heißt, eben kein „Eklat bei Lanz“, denn ein Eklat wäre es nur, wenn es auch skandalisiert würde. Doch abgesehen von Randbemerkungen in den treffenden Kritiken von “Unsere Mütter, unsere Väter”, die Tobias Kaufmann im Kölner Stadt-Anzeiger und Georg Diez bei Spiegel Online formulierten, einer Kurznotiz in der Jungen Welt und einem Blogeintrag von Alice Schwarzer findet sich nichts. Kein Hinweis darauf, dass der Gesprächsverlauf jemanden gestört hätte.

Und so kann man befürchten – und die weithin euphorische Rezeption von „Unsere Mütter, unsere Väter“ deutet in diese Richtung – dass das, was vor zehn Jahren noch skandalös war, heute zum Common Sense wird: Nicht nur sind alle – auch die Deutschen – Opfer, es sind ebenfalls alle – auch die Juden – Täter. Vereint in einem schweren Schicksal von „Gewalt, die immer wieder neu Gewalt erzeugt“ (Lanz), für die am Ende kein Mensch wirklich etwas kann.

Und andere – ebenfalls widerspruchslos hingenommene – Aussagen Barings deuten an, dass das Ende der erinnerungspolitischen Fahnenstange noch nicht erreicht ist. Er ist sich sicher, dass es noch weiter gehen muss. So kritisiert er den ZDF-Film dafür, dass die „Grausamkeit der Russen“ nicht genug Raum erhalte, die zu thematisieren nun an der Zeit sei. Vielleicht nimmt das ZDF die Anregung ja auf. Dann könnte Baring in einer neuen Runde bei Lanz seinen Gedanken zu Ende führen, dass „[e]in Teil der Brutalität der Deutschen […] natürlich auch dadurch zu erklären [ist], dass das ein Vernichtungskrieg auf beiden Seiten war.“ Dann aber am besten aber mit Martin Hohmann und Ernst Nolte als Mitdiskutanten, denn die sind ja zuerst auf diese Ideen gekommen.

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Siehe auch: Verdrehtes GedenkenPolen empört über “Unsere Mütter, unsere Väter”“Unsere Mütter, unsere Väter”: Das ZDF und die deutschen Opfer„Du bist davongekommen, du bist davongekommen!“ – Ralph Giordano wird 90Kolonialismus im Kasten: Erinnern und Vergessen im DHMDas NS-Lagersystem: Inventur des GrauensAbschied eines ÜberlebendenDer Nazi und sein Viertel: Stadtteil soll weiter nach Kriegsverbrecher heißen“Unser Widerstand hat ein Lächeln auf dem Gesicht”Berlinale: Ehrung für Claude LanzmannDie nationalsozialistische MachteroberungDer vergessene Genozid

89 Kommentare zu „Deutsche Geschichte bei Lanz: Zu wenig Kolonien, zu viele Juden

  1. na endlich! so langsam finden die deutschen offenbar wieder zu sich selber. dieses ganze „kritisch denken“, autoritäten hinterfragen, pazifistisch sein, auf sozialen ausgleich setzen – das war doch nun wirklich noch nie ihre stärke. wie gut, dass das gebührenfinanzierte fernsehen nun endlich dafür sorgt, dass die generation(en) der täter_innen exkulpiert wird. und auch mal erwähnt wird, dass die opfer ja auch irgendwie schuld sind – das wird man ja wohl noch sagen dürfen. [sarkasmus off]

    ganz ehrlich: man hätte dieses beschissene land, einschließlich österreich, zerschlagen und unter den nachbarstaaten aufteilen sollen. und am besten bayern an stelle des britischen mandatsgebiets in palästina den überlebenden jüdinnen und juden zur verfügung stellen sollen. dafür, welche verbrechen die „großdeutschen“ begangen haben, mit welcher begeisterung sie diese begingen und/oder bejubelten, mit welcher unerschütterlichen hingabe sie noch in den letzten kriegstagen im namen ihres „führers“ deserteure, „wehrkraftzersetzer“ oder kapitulationswillige hinrichteten – dafür ging es ihnen nach kriegsende noch viel zu gut.

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  2. Baring geht mit seinen ekelhaften revisionistischen und deutschnationalen Thesen schon seit mehr als zwei Jahrzehnten in den ÖR hausieren. Dabei hat sich Baring auf dem Gebiet der Erforschung der Zweiten Weltkriegs nie als innovativer Forscher hervorgetan, der irgendetwas Nennenswertes zum Thema beigetragen hätte. Vielmehr wiederkäut er Auffassungen, die man üblicherweise am rechten Rand der Gesellschaft vermutet. Man muss hier also auch den ÖR-Sendern einen gehörigen Vorwurf machen, die diesen alten Unbelehrbaren nach wie vor hofiern.

    Auf Baring trift das zu, was Zvi Rex einst formuliert hat: „The Germans will never forget the Jews for Auschwitz.“ Wenn Baring also schwaffelt „Nein! Auch viele Juden haben sozusagen, das kann man in dem Film auch sehen, haben andere verraten, um ihre eigene Haut zu retten.“, stellt sich die Frage, wen – und vor allem – an wen, sollen die Juden denn eigentlich „verraten“ haben? Wenn dieser alte Mann sich der angeblich exemplarischen Vorgänge, die die Juden auch zu „Tätern“ machen, so lebhaft erinnert, soll er sie benennen und nicht nur im Ungefähren bleiben. Er soll die Zahl der „Verräter“ nennen und die Zahl der angeblichen „Opfer“. Vielleicht kommt Baring so mit genügend Fantasie auf sechs Million „jüdische Opfer“. Damit wöge die „Schuld der Juden“ nicht weniger als die Schuld der Deutschen. Denn genau das ist es, was Baring erreichen will: Eine Nivellierung der Schuld.

    Um diese Nivellierung der Schuld aber moralisch rechtfertigen zu können, müssten die Motive der Juden denen der Deutschn entsprechen. Das hieße nichts anderes, als dass die Juden „ihre Opfer“ aus Gründen der rassischen Überlegenheit ans Messer geliefert hätten. Zudem hätten die Juden aus einer strukturell ähnlichen Machtposition heraus handeln müssen.

    Dass es Baring tatsächlich um die Nivellierung der Schuld durch Relativierung geht, verdeutlicht auch das Geschwaffel vom „Vernichtungskrieg (der Deutschen und Russen) auf beiden Seiten“. Baring vollzieht hier eine lupenreine Gleichsetzung der rassisch motivierten Ausrottungspolitik der Deutschen in der Sowjetunion mit dem Zurückdrängen der deutschen Streitkräfte durch die Rote Armee aus dem sowjetischen Machtbereich. Während der deutsche Überfall auf die Sowjetunion in der Tat Züge eines Vernichtungsfeldzugs (Zerstörung der Lebensgrundlagen der sowjetischen Bevölkerung) trug, wird ein auf unüberwindbaren rassischen Gegensätzen beruhender Vernichtungskrieg Stalin nur schwer nachzuweisen sein. Dass die Rote Armee die deutschen Streitkräfte mit aller Unerbittlichkeit zurückgedrängt hat, ist mehr as nur verständlich und haben sich die Deutschen selbst vorzuschreiben.

    Mit solchen argumentaiven Verrenkungen wird man auch den Polen die Schuld am „Ausbruch“ des Zweiten Weltkriegs ankreiden können, weil sie den „Korridor“ nicht „freiwillig“ herausgerückt haben.

    Baring sucks!

    P.S. Dass es bei Lanz keine Gegenrede gab, lag am Rahmen der Sendung, der fehlenden Bildung des Gastgebers, der Teilnehmer, der Studiogäste und des Publikums und Barings bekannten cholersichen Ausfällen gegen seiner Widersacher, denen sich niemand – nach den Erfahrungen mit Frau Sass – aussetzen wollte.

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  3. P.P.S.

    Als Baring gerade dabei ist, seinen unsäglichen Satz von den „jüdischen Tätern“ abzusodnern, streut Lanz wie ganz selbstverständlich ein „natürlich“ dazwischen (ab 27:10 in der Mediathek.)

    Einfach nur erbärmlich dieser Schmonzes-Lanz. Und so einer wird mit Zwangsgebühren durchgefüttert. So etwas sollte man einfach publik machen.

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  4. Ja, leider kam es nicht zum Eklat. Wenn man bei Wikipedia nachliest, definiert sich Eklat als ein im negativen Sinne aufsehenerregender Vorfall.

    Barings Thesen sind zweifellos skandalös im negativen Sinne. Aufsehen haben sie in der Sendung verheerender Weise nicht erregt. Vielleicht ist auch der viel größere Skandal, dass ein medialer Eklat bisher ausgeblieben ist. Daher bin ich für diesen Beitrag um so dankbarer. Denn auch eine späte Kontroverse mit Barings Aussagen kann eine subversive Akzentverschiebung im Geschichtsbewusstsein verhindern.

    Ich bin mir aber nach wie vor sicher, dass Journalisten wie Heriber Prantl u.a. Barings Thesen nicht so einfach hätten durchgehen lassen. Hier sieht man, welche Gefahr es darstellt, wenn Talkshowgäste inklusive dem Moderator nur eine unterdurchschnittliche historische Bildung besitzen und auf dieser Grundlage historische Zusammenhänge versuchen zu erörtern.

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  5. P.P.P.S.

    Anders als im Text erwähnt, hat Frau Paul die verspätete Kolonisierung der Welt durch die Deutschen mal so eben ins 18. Jahrhundert(!) vorverlegt (ab 29:40).

    Insgesamt benennt sie das „Zuspätkommen“ bei der Verteilung der Welt (als ob die Deutschen je das Recht dazu gehabt hätten) und die Minderwertigketskomplexe aufgrund des verlorenen Ersten Weltkriegs als die Hauptursachen für den massenweisen Zulauf und Zuspruch für die Nazis. Für sie scheint der Nationalsozialismus eine Art Rehabilitierungsprogramm für zuvor erlittene Ungerechtigkeiten zu sein.

    Bleibt die wichtiste Frage: WTF haben die europäischen Juden damit zu tun?

    Ansonsten lassen sich Frau Pauls Aussagen leicht entkräften.

    – Onkel Dolf und seine Freunde haben ehemalige deutsche Kolonien einen feuchten Dreck interessiert. Kolonialisiert werden sollte der „Lebensraum im Osten“, und der lag nun mal nicht im Kongo oder in der Südsee. Davon hat Frau Paul natürlich noch nie etwas gehört. Hitler wurde nicht gewählt, weil er den Deutschen eine Rückerobeung der ehemaligen Kolonien in Aussicht gestellt hat. Das hat er nämlich nie getan. Was für ein „Historiker“ Baring ist, sieht man daran, dass er Pauls Einlassungen nicht widerspricht, sondern beflissentlich sein graues Köpfchen wie ein Wackeldackel schüttelt.

    – Dass die Deutschen Onkel Dolf und seine Freunde gut fanden, weil sie die Ergebnisse des Ersten Weltkriegs revidiert haben, erklärt nicht, warum die Deutschen Onkel Dolf und seine Freunde, z.B. die Herrn Rommel und Paulus, besonders dann gut fanden, als diese über die reine Revision der Versailler Nachkriegsordnung hinaus auch noch vor Moskau und im Kaukasus und in Nordafrika und auf dem Balkan und im Polargebiet World of Warcraft spielten.

    – Die Sehnsucht der Deutschen nach den ehemaligen Kolonien und der Wiederherstellung der deutschen Ehre nach dem Ersten Weltkrieg erklärt nicht, warum so viele Deutsche bei den „Schlussverkäufen“ des „arisierten“ jüdischen Eigentums so bereitwillig ihre Hände aufhielten. Das jüdische Eigentum wurde nämlich nicht auf ebay versteigert.

    – Die Sehnsucht der Deutschen nach den ehemaligen Kolonien und der Wiederherstellung der deutschen Ehre nach dem Ersten Weltkrieg erklärt nicht, warum es keinen Widerstand gab, als klar wurde, dass Onkel Dolf und seine Freunde, hm, die Sache vermasselt haben.

    Man kann das Ausbleiben von Korrekturen auf Pauls Aussagen auch nicht damit begründen, dass „Markus Lanz“ eine Unterhaltungssendung ist. Schließlich hat man sich bewusst für dieses Thema entschieden und die Gäste sind bewusst in die Show gekommen.

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  6. Ich bin ebenfalls überzeugt, dass es — auch unter den üblich-verdächtigen Talkshowgästen — viele gegeben hätte, die das Baring so nicht hätten durchgehen lassen, was dann sicherlich auch Auswirkungen auf das Verhalten von Lanz und den übrigen Gästen gehabt hätte. Allerdings ist es ja auch kein bloßer Zufall, wer da zu welchem Thema eingeladen wird. Und dass Baring selbst gemessen an den Standards der eher konservativen deutschen Historikerzunft ein Rechtsaußen ist, dürfte sich auch bis zur zuständigen Redaktion beim ZDF herumgesprochen haben.

    Die Reaktionen im Nachhinein betreffend finde ich vor allem interessant, in welchen Medien die Angelegenheit problematisiert wurde: Freitag (nur online oder auch im Print, weiß ich gar nicht), Junge Welt und der Blog von Alice Schwarzer. Es scheint so, als sei Antisemitismus immer nur dann interessant, wenn man ihn beim politischen Gegner findet. In der Welt und der FAZ interessiert man sich für den Antisemitismus in der Linkspartei und bei Jakob Augstein, in den linken Zeitungen für den des rechten Historikers. Man kann das nun Arbeitsteilung nennen oder Instrumentalisierung, mit ausgewogenen journalistischen Standards hat es jedenfalls eher wenig zu tun.

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  7. Je gründlicher man sich die getroffenen Aussagen ansieht, desto wütender wird man. Dass es keinen Eklat und keine Reaktionen darauf gab, ist unglaublich.

    Lanz sagt bei 30:30, die Kernaussage des Films sei für ihn, das „Gewalt Gegengewalt erzeugt und Menschen verroht“! Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und Baring schüttelt hier wieder den Kopf.

    Wenn das mit Bezug auf Hitlers Vernichtungskrieg so ist, muss man davon ausgehen, dass die größte „Gegengewalt“ von den Juden selbst ausging. Nichts und nichts anderes lässt sich aus Lanz dämlicher Aussage schlussfolgern! Die Juden haben nach Lanz‘ Logik die Deutschen zum Holocaust quasi gezwungen und sind selbst Schuld! Damit wären wieder bei Baring und den Juden als Tätervolk. So schließt sich der Kreis der Unbelehrbaren und Revisionisten. Krude Logik, die perfekt funktioniert.

    Das Gleiche gilt auch für Polen und Russen, die Widerstand geleistet haben. Nur sie sind Schuld an der Verrohung des edlen deutschen Landsers. Vielmehr hätten sich Polen und Russen ihrem Schicksal ergeben sollen. Das hätte der SS und den Sondereinsatzgruppen viel Arbeit und Ärger ersparrt.

    Vielleicht hätten die Nazis auch gar keine Lager und Ghettos errichtet, wenn die Juden nicht ständig weggelaufen wären. Wer weiß.

    Und wenn Gewalt Gegengewalt und Verrohung erzeugt und die armen Deutschen zu etwas gezwungen wurden, was sie eigentlich nicht wollten, welche Gegengewalt ging dann von den Opfern der Euthanasieprogramme aus? Welche Gegengewalt muss von den Verkrüppelten und geistig Behinderten ausgegangen sein, dass die ansonsten guten und normalen deutschen Ärtze gezwungen waren, sich dermaßen böse an ihnen zu vergreifen. War das Sezieren von Eingeweiden und Genitalien ohne Narkose etwas eine Folge der Gegengewalt der Verkrüppelten und geistig Behinderten? Nach Lanz‘ (und Barings) Logik ja!

    Das sind die Fragen, die man sich stellen muss, wenn man Lanz‘ Logik mit Bezug auf den von den Deutschen losgetretenen Zweiten Weltkrieg und die Rassenpolitik überträgt – was Lanz selbst gemacht hat.

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  8. ich denke das der lanz genau den historiker eingeladen, hat der das sagt was er selbst Markus Lanz denkt. dafür spricht auch das in der diskussion kein Gegner für Barring da war, der dagegen halten konnte.

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  9. Ich bin entsetzt !Ich habe diese Sendung nicht gesehen, aber es genügt mir, was ich hier lesen mußte ! Wie kann man ein solch wichtiges Thema sich so entgleiten lassen ?
    Ich habe die Sendung bei Günther Jauch gesehen zum gleichen Thema, sie hat mir gut gefallen. Zum Schluß stand die Frage: „Wie konnte es dazu kommen ?“ Die Antwort ist klar erkennbar im Film „Nacht über Berlin“ und der Dokumentation „Nacht über Deutschland“ ! Seid schnell in der Aufarbeitung, den die letzten Augenzeugen leben nicht mehr lange ! Anna Marie

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  10. Ich möchte bloß mitteilen, dass der Freitag heute am frühen Abend den Beitrag „Eklat bei Lanz – Martin Hohmann reloaded“ wegen juristischer Schritte offline genommen hat.

    Lediglich hier findet sich noch ein Crossposts des ursprünglichen Beitrags: http://debattiersalon.de/hohmann-reloaded-historiker-baring-und-der-lanz-eklat-den-offenbar-niemand-bemerken-wollte/

    Wie lange der noch online verfügbar sein wird, bleibt abzuwarten. Die Debatte muss nun breit gestreut geführt werden.

    Herzliche Grüße

    DM

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  11. So etwas kommt zustande, wenn Diskussionen von jemandem wie Herrn Lanz (Name beliebig austauschbar gegen Will, Maischberger, usw) im Sine der Quote geführt werden. Das Problem ist, viele sehen diese Sendungen unkritisch und meinen, politisch aufgeklärt und informiert zu sein

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  12. @Daniel Martienssen
    Du hast vollkommen Recht diese Debatte muss erheblich offensiver geführt werden und zwar über die üblichen politischen Lagergrenzen hinweg. Das ist keine Frage von rechts oder links, sondern von menschlich oder unmenschlich.
    Leider habe ich deinen Artikel um haaresbreite verpasst.
    Ich wäre dir sehr verbunden, wenn du ihn mir zumailen könntest.
    Danke. 🙂
    al-bundy@gmx.at

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  13. Arnul Barings Ehefrau Gabriele Baring ist auf der gleichen Mission. Vor 2 Jahren veröffentlichte sie ein Buch namens:“Die geheimen Ängste der Deutschen“
    Werbetext:
    „Die Traumata des Zweiten Weltkriegs wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Sie wirken u. a. in Form von Scham- und Schuldgefühlen nach. Die Zunahme psychischer Erkrankungen, der Zerfall familiärer Bindungen und unsere Unfähigkeit zur Identifikation mit der eigenen familiären Herkunft bestätigen den Befund. Viele verzichten freiwillig auf Glück. Welche Wege können wir beschreiten, um ein positives Selbstbild zu gewinnen?(…)
    Ein Plädoyer für die offensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit – damit es uns gelingt, uns selbst und unsere traumatisierte Nation wieder zu lieben.“
    http://www.scorpio-verlag.de/Buecher/61/Die-geheimen-Aengste-der-Deutschen.html
    Theoretische Grundlage ist u.a. die „Familienaufstellung“ von Bert Hellinger. Von dem stammen folgende Sätze:“Das jüdische Volk findet erst dann seinen Frieden mit sich selbst, mit seinen arabischen Nachbarn und mit der Welt, wenn auch der letzte Jude für Hitler das Totengebet gesprochen hat.“
    http://psiram.com/ge/index.php/Bert_Hellinger
    http://www.sueddeutsche.de/wissen/teil-familienaufstellung-nach-hellinger-wenn-ahnen-krank-machen-1.863677
    Aufgefallen ist sie mir, als sie diese Thesen letztes Jahr bei Anne Will verbreitete: http://www.youtube.com/watch?v=dMXvZn1TNIs
    Das ist wohl die familiäre Arbeitsteilung der Barings. Er gibt den revisionistischen Historiker und sie die esoterische „Psychologin“.

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  14. Ein Dank an alle Kommentatoren! Ihr habt Deutschlands Ehre gerettet, die ich schon
    verloren sah.
    Allerdings, denke ich an die viiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiele Kommentare, die ich in den letzten Monaten
    bei verschiedenen Zeitungen, Seiten, Blogs gelesen habe, stelle ich mir die Frage, ob das
    überhaupt möglich ist. Es ist zum Kotzen.
    Zum gibt es – das weiß ich – auch andere, die sind wie ihr. Das gibt mir dann wieder Hoffnunh.
    lg euch allen
    caruso
    eine alte Jüdin aus Wien

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  15. Ich finde, dass sich Dirk Stermann als einziger in der Diskussion ganz gut geschlagen hat.

    Warum wird auf seine Gegenrede gegen Baring hier nicht auch eingegangen? Immerhin hat er ihn auch versucht in seine Schranken zu weisen.

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  16. Die Aussagen und Meinungen der Gäste und des „Moderators“ erschrecken mich, vielmehr noch das Ausbleiben dieses Eklats in den anderen Medien. Ich hoffe dass sich diese Ansichten nicht mehrheitlich in der Bevölkerung widerspiegeln!

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  17. Der Beitrag über Film und Talkshow erinnert mich sehr an Hannah Arendts „Besuch in Deutschland“ 1949/50. Darin beschreibt sie die Reaktion der meisten Deutschen, wenn sie „expressis verbis“ feststellte, dass sie Jüdin ist. „Hierauf folgt in der Regel eine kurze Verlegenheitspause; und danach … folgt eine Flut von Geschichten, wie die Deutschen gelitten hätten.“
    Als Reaktion auf die Ruinen in Deutschland bekam Hannah Arend die Frage zu hören: „Warum muss die Menschheit nur immer Kriege führen? Der Durchschnittsdeutsche sucht die Ursachen des letzten Krieges nicht in den Taten des Naziregimes, sondern in den Ereignissen, die zur Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies geführt haben. (Zitiert nach der Ausgabe von 1993 S. 25/26)
    Alles wie 1950, außer der Verlegenheitspause.

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  18. @semi:
    In dem Artikel geht es um die zentralen geschichtspolitischen Aussagen Barings (eine Trennung von Tätern und Opfern ist unmöglich, die Juden waren auch Täter, die Ursachen der nationalsozialistischen Gewalt waren irgendwelche schicksalhaften Prozesse, denen die Deutschen ausgeliefert waren) und die blieben unwidersprochen.

    Eine umfassende Analyse der Talk-Runde müsste noch viel mehr thematisieren und dann wären auch mindestens zwei starke, couragierte Momente von Stermann zu erwähnen: den ersten, als er intervenierte, damit Lanz und Baring von Weisband ablassen, den zweiten, als er Barings Behauptung, die Deutschen hätten nichts von der Vernichtungspolitik wissen können, anzweifelte und auf den Antisemitismus in der (österreichischen) Bevölkerung verwies.

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  19. Danke für diesen Artikel. Beim Ansehen der Sendung neulich war ich mir eigentlich sicher, dass die Medien am nächsten Tag voll davon sein würden und war dann mehr als verwundert, dass dies ausblieb. Warum das so ist, ist mir ach wie vor vollkommen schleierhaft.

    Als ich die betreffende Sendung neulich im TV verfolgte, blieb mir zumindest angesichts dessen, was da zusammengefaselt wurde, regelrecht der Mund offen stehen und ich traute meinen Ohren kaum, was da von diesem dubiosen Baring im gebührenfinazierten Fernsehen unwiedersprochen verbreitet werden durfte.
    Die Situation, wie dann Baring, Lanz und Paul zu guter Letzt auch noch M. Weisband quasi dafür angriffen, dass sie sich an dieser Stelle nicht „angemessen“ mit ihrer jüdischen Familiengeschichte auseinandersetzen würde, hatte schon fast was Surreales. Man kann erahnen, wie diese sich in dieser Runde gefühlt haben muss. Lobenswert, dass D. Stermann wenigstens hier kurz einschritt, aber insgesamt hätte ich von ihm eigentlich auch mehr erwartet.

    Bemerkenswert auch der Moment, in dem Lanz angesichts der von Weisband zitierten Studie zur Verbreitung antisemitischer Einstellungen in Deutschland nur müde abwinken konnte. Er könne sich das einfach nicht vorstellen. Dabei kam mir unwillkürlich der einstige Titanic-Titel in den Sinn: „Schrecklicher Verdacht: War Hitler Antisemit?“

    „http://www.titanic-magazin.de/postkarten.html?cHash=806d1d616d&card=2116“

    Sonnyboy Markus Lanz sollte politische und historische Themen in Zukunft bitte Moderatoren überlassen, die diesen auch gewachsen sind und sich derweil lieber an Themen und Talkgäste halten, die seiner Kragenweite entsprechen. Seine Sendung etwa mit Daniela Katzenberger war doch ganz unterhaltsam (und die hat zudem weitaus weniger Unsinn erzählt als Baring).

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  20. @neuer leser:

    „Als Baring gerade dabei ist, seinen unsäglichen Satz von den “jüdischen Tätern” abzusodnern, streut Lanz wie ganz selbstverständlich ein “natürlich” dazwischen (ab 27:10 in der Mediathek.)“

    das „natürlich“ kommt aber, so wie ich das mitbekomme, von Strunz, der sich in die Defensive gedrängt sieht.

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  21. Ich habe bei meiner Suche nach Baring-Videos bei Youtube folgende Rede von Baring aus dem Jahr 2011 gefunden, die relativ unbekannt sein dürfte. Dort läßt er vor der versammelten Burschenschaft seine Maske fallen. Tenor seines Vortrages: Deutschland ist angesichts seines überragenden okönomischen Potenzials geografisch zu klein. Einfach gesagt: Volk ohne Raum. Daneben wiederholt er seinen üblich revisionistischen Quark.

    A.Bundy: „Du hast vollkommen Recht diese Debatte muss erheblich offensiver geführt werden…………………“

    Ja ich würde einige Argumente auch gerne noch provokant zuspitzen. Dieser ekelhafte Paradigmenwechsel in der Täter-Opfer-Analyse ekelt mich langsam an. Individuell gesehen war der SS-Mann, der sich beim Zuschlagen der Gaskammertür den Daumen zerquetschte, auch ein Opfer in den Augen der Revisionisten. Oder der Soldat, der betrunken vom Wachturm des KZs fiel und sich das Genick brach. Dessen Enkel werden heute auch behaupten können: „Mein Opa ist im KZ umgekommen.“

    Das hätten Herr Lanz und Herr Baring von mir zu hören bekommen.

    Mit zornigen Grüßen

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  22. „Die Reaktionen im Nachhinein betreffend finde ich vor allem interessant, in welchen Medien die Angelegenheit problematisiert wurde: Freitag (nur online oder auch im Print, weiß ich gar nicht), Junge Welt und der Blog von Alice Schwarzer. Es scheint so, als sei Antisemitismus immer nur dann interessant, wenn man ihn beim politischen Gegner findet. In der Welt und der FAZ interessiert man sich für den Antisemitismus in der Linkspartei und bei Jakob Augstein, in den linken Zeitungen für den des rechten Historikers. Man kann das nun Arbeitsteilung nennen oder Instrumentalisierung, mit ausgewogenen journalistischen Standards hat es jedenfalls eher wenig zu tun“

    Was hat den heute überhaupt noch mit ausgewogenen journalistischen Standards zu tun?

    Die Kunst besteht doch aktuell viel eher darin die unterschiedlichen Interessen und Motive zu verstehen sie kritisch zu reflektieren und sich seine eigene Meinung zu bilden.

    Wirklich schade ist finde ich, dass zu wenig über die Hintergründe berichtet wird.
    Das laste ich allen die journalistisch tätig sind an. Da wird mit möglichst wenig Aufwand schnell was geschrieben und in den Blätterwald oder in die unendlichen Weiten des www verbreitet.
    Hier in dem Artikel wird doch auch nur über das was in der Sendung gesprochen wurde berichtet und aus der Perspektive von Ihnen reflektiert.
    Interessant wäre noch andere Perspektiven einzubringen und mal nachzufragen z.B. bei Marina Weisband wie sie sich in der Sendung gefühlt hat und wie sich im Wissen über die Teilnehmer an der Talkrunde darauf eingestellt hat.

    In ihrem Blog habe ich Gedanken zu einer Anderung Sendung zum Thema Antisemitismus gefunden bei der sie war: http://www.marinaslied.de/?p=699

    Ich bin jedenfalls sehr gespannt was sie zu der Sendung (hoffentlich bald) schreibt.

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  23. Ich hatte die Sendung nicht gesehen und habe erst jetzt diesen vorzüglichen Beitrag und die Leserkommentare gelesen. Ich bin sehr dankbar und erleichtert, dass auch in der Leserkommentaren so viel Zutreffendes und Ergänzendes formuliert worden ist. Ich hatte exakt die gleichen Anregungen, ausgehend vom tapferen herrn Hohmann – auf den die haGalil-Redakteurin Livnat sowie Klaus Parker erstmals hingewiesen haben:
    http://www.hagalil.com/archiv/2003/10/hohmann.htm

    über die fürchterlich-wahre Formulierung des israelischen Psychoanalytikers Zvi Rix: „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz niemals verzeihen“ (welcher wiederum erstmals von H. M. Broder wiedergegeben und hierdurch popularisiert wurde, in seinem ersten, guten Buch)
    bis hin zum Verweis auf die „deutsch-nationale“, esoterische „Familientherapeutin“ (wir wollen ja einen wertvollen Beruf nicht in Misskredit bringen…) Gabriele Baring, die ihrem Ehemann bei Anne Will in nichts nachstand:

    Siehe hierzu auch, ergänzend, die „Diskussion“ zwischen Jutta Ditfurth (ich bin grundsätzlich kein „Ditfurth-Fan…) und dem „Wissenschaftler“ und „deutsch-nationalen“ Historiker Baring:

    Ja, dieses jüdische Tätervolk – endlich dürfen „wir“ es sagen, im hohen Alter, endlich finden wir uneingeschränkt, massenmedial Beifall.

    Und dann setzen wir noch eine junge jüdische Einwanderin dazu, Marina Weisband, die jedoch ihren Mund halten soll – Marina Weisband, diese mutige junge Politikerin, die es irgendwann vorzog, nur noch zu schweigen. Ich kenne Frau Weisband nicht, aber ich vermute, sie hat sich schon lange nicht mehr so einsam, so verloren gefühlt.
    Die Einsamkeit der Überlebenden – darüber möchte ich jetzt nicht mehr schreiben.
    Es ist furchtbar.

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  24. Pingback: Anonymous
  25. Abstoßend ist auch die voyouristische Art, mit der Lanz, Frau Paul und Baring nach Andekdoten über die innerfamiliäre „Vergangenheitsbewältigung“ der jüdischen Weisbands gieren. Kann mich nicht erinnern, etwas derartiges je in einer deutschen Talksshow gesehen zu haben. Zum Glück kommt ihr Stermann zur Hilfe.

    Ab Min. 33:55 bringt Marina Weisband den klügsten Standpunkt während dieser grenzdebilen Plauderstunde. Dass dieser von niemandem aufgegriffen – vermutlich weil nicht verstanden – wird, verdeutlicht den intellektuellen Zustand der Anwesenden.

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  26. „Der Durchschnittsdeutsche sucht die Ursachen des letzten Krieges nicht in den Taten des Naziregimes, sondern in den Ereignissen, die zur Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies geführt haben.“ (Zitat Hannah Arendt, 1950)

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  27. Man hätte wissen können, wenn man hätte wissen wollen. Von daher ist die spannendere Frage für mich, warum die Deutschen nicht wissen wollten. Weil wissen bedeutet hätte, zu fühlen, mitzufühlen: Schuld, Trauer, Angst, Wut – ein unerträglicher, kollektiver Schmerz hätte die Deutschen erfasst. Ihn zu fühlen wäre not-wendig gewesen – und ist es noch heute, wie man sieht! Denn wer fühlen, mitfühlen kann, der schaut nicht mehr weg, der handelt. Die größte Bedrohung für alle „Schwachen“ dieser Welt war und ist ein Mangel an Empathie.

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  28. Unsere Mütter, unsere Väter – Die (Un)Schuld der Deutschen

    Nur selten offenbart sich das eklatante Unvermögen der Deutschen, sich mit ihrem unheiligen Vermächtnis auseinander zu setzen, das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte begangen zu haben, so deutlich, wie in der Sendung „Markus Lanz“ vom 19.03.2013.

    Der Versuch, den ZDF Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ zu kommentieren, verkam zu einer grandiosen Bankrotterklärung sämtlicher Beteiligter, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen.

    Von Millionen vergewaltigter Deutscher Frauen war da die Rede, von Vätern und Großvätern, gefallenen Kameraden, dem Ersten Weltkrieg als „Traumatisierung und riesen Schmach für die Deutschen“, als „Grundlage“ für das Verhalten der Deutschen während des Zweiten Weltkriegs (Christiane Paul) und von der DDR als flugs entnazifiziertes Märchenland.

    Der millionenfache Genozid an den europäischen Juden kam nur am Rande zur Sprache, etwa als Lanz, die als Quotenjüdin eingeladene Piraten-Politikerin Marina Weisband, in seiner unerträglich voyeuristischen Art bedrängte, Familienerinnerungen preiszugeben, was diese jedoch verweigerte.

    Ihren Hinweis auf eine Studie zu deutschem Antisemitismus gemäss derer etwa jeder fünfte Deutsche latent antisemitisch sei, wurde vom aalglatten Schönwetterplauderer mit der lapidaren Bemerkung wegmoderiert, ihm „falle es schwer“ mit „solchen Studien zu argumentieren“. Sowohl Lanz als auch Baring hielten den Befund der Studie für „absolut ausgeschlossen“.

    Bei der Studie handelt es sich um den Antisemitismusbericht des Deutschen Bundestags 2011.

    Vor allem der Historiker und Alt-Nazi Arnulf Baring wurde nicht müde, Opfer-Täter Umkehr zu betreiben und schwafelte von Opfern, die „irgendwie“ auch Täter waren, dass „die ganze Teilung, von der wir seit Jahrzehnten reden, nämlich zwischen Opfern und Tätern, dass die nicht hinhaut“, dass doch „auch viele Juden“ andere verraten hätten, um „ihre Haut zu retten“, vom Sieg der Deutschen über Frankreich als „Triumph des Dritten Reiches“ und dass die Deutschen von den Verbrechen der Nazis „nichts gewusst haben“, was ihm unter anderem auch Alt-Kanzler und Reserve-Leutnant der Wehrmacht, Helmut Schmidt, bestätigt hätte.

    Revisionismus pur, betrieben von einem angesehenen Historiker, dem das öffentlich-rechtliche deutsche Fernsehen nicht das erste Mal eine Plattform bietet, mit einer exorbitanten Selbstgerechtigkeit zu schulmeistern, wer was „noch nicht begriffen“ hat.

    Gegenwärtig ist ein höchst fragwürdiger Trend von ZDF und ARD zu beobachten, im großen Stil und mit aufwändigen Mehrteilern zur besten Sendezeit, Revisionismus bezüglich des Zweiten Weltkriegs zu Gunsten der Deutschen zu betreiben. Zwar werden in Event-Filmen wie „Die Flucht“ (ARD), „Die Gustloff“ (ZDF) oder „Unsere Mütter unsere Väter“ (ZDF) die Greueltaten der Nazis thematisiert. Bei den ProtagonistInnen haben wir es jedoch regelmäßig mit ehrenhaften Männern und Frauen zu tun, allesamt Sympathieträger, die durch ihre Zweifel und Zerrissenheit die Schuld der Deutschen relativieren sollen.

    Nach der auch bei Lanz oft und gern zitierten „Entmenschlichung“ durch den Zweiten Weltkrieg, hat nun eine inflationäre „Vermenschlichung“ eingesetzt. Ein besonders unappetitliches Beispiel und ein Vorreiter dieser Entschuldungs-Propaganda ist Bernd Eichingers „Der Untergang“.

    Hier sehen wir einen von schauspielerischer Eitelkeit triefenden Bruno Ganz als Hitler (seht her, der beste Hitler, der je gegeben wurde). Umgeben ist er von aufrechten Recken, seinen Generälen und Offizieren, die bis zur letzten Sekunde unter Einsatz ihres eigenen Lebens Menschen in Not retten.

    Hitler selbst erleben wir als tatterigen, nuschelnden Vegetarier, eine Art faschistoider Hans Moser, freundlich und zuvorkommend zu Mensch und Tier, sodass sich das geschichtlich weitgehend ungebildete Publikum zwangsläufig fragen muss, warum der arme Adolf mit seinen trutzigen Generälen und Offizieren völlig ungerechtfertigt in einem Keller darben muss. Dass es sich bei diesen „Ehrenmännern“ um einige der grössten Verbrecher der Weltgeschichte handelt, und was diese angerichtet haben, wird mit keinem Wort thematisiert.

    Die daraus resultierende Erkenntnis eines mit Eis und Popcorn bewaffneten jugendlichen Zuschauers: „So schlimm war dieser Hitler ja gar nicht.“

    Bernd Eichingers Anliegen war nach eigener Aussage, Hitlers „menschliche“ Seite darzustellen. Der Holocaustüberlebende Marcel Reich-Ranicki erwiderte: „Natürlich war Hitler ein Mensch, er war sicher kein Kamel“.

    Die SS-Mitgliedschaft von Moraltrompeter Günter Grass wird ja auch lapidar als durchaus verzeihliche Jugendsünde eines 17-jährigen abgetan. Was wohl die fast gleichaltrige Sophie Scholl dazu sagen würde? Im Gegensatz zu Grass, der durch sein Geschwurbel einzig seinen ohnehin schon arg ramponierten Ruf als „moralische Instanz“ zu verlieren hatte, bezahlten Scholl und die Mitglieder der „Weissen Rose“ ihren Widerstand gegen die Nazis mit dem Leben.

    Deutschland gilt bezüglich der „Aufarbeitung“ der Shoa als Vorzeigeland. Trotz der exorbitant betriebenen „Erinnerungskultur“, fand jedoch eine wirkliche Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld nie statt. Wie auch, in einer Bundesrepublik, in der ehemalige Nazis hohe Staatsämter bekleideten und Überlebende des Holocaust nicht selten dem gleichen Beamten Nachweise ihrer Besitztümer vorlegen mussten, der sie während des Dritten Reichs enteignet hatte.

    Adolf Hitler sprach bereits im Januar 1939 von der „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“. Solange in Deutschland weiterhin herumgedeutelt wird, wer, was und wieviel wusste, solange haben die Deutschen noch einen langen Weg vor sich.

    Noch einmal Sophie Scholl: Ich empfehle statt larmoyanten Eventmovies den Dokumentarfilm „Im toten Winkel“ über Traudl Junge, Hitlers Sekretärin während seiner letzten Tagen im Führerbunker.

    Darin beschreibt Junge in einem mehrstündigen Interview mit André Heller, wie ihr der Mut gefehlt hatte, sich über die Konsequenzen von Hitlers Verhalten Gedanken zu machen, sich einzugestehen, dass dieser allmächtige Mann doch keine große Persönlichkeit war. Sie bestätigt, dass es ihre innere Trägheit war, die ihr eine Ahnungslosigkeit über die realen Auswirkungen der Nazi-Ideologie gewährleistete.

    Sie beschreibt, wie sie in einer Pause während des Interviews an der Gedenkstätte von Sophie Scholl in München vorbeiging. Mit Blick auf das Datum von Sophies Tod hatte Traudl Junge eine Art Erleuchtung. Sie erkannte, dass Sophie Scholl an ihrem Tode genau so alt war, wie sie selbst es war, als sie Hitlers Sekretärin wurde.

    In diesem Augenblick war sie sich bewusst, dass ihre Jugend keine hinreichende Entschuldigung für ihre Unwissenheit war. Vielmehr war es die Weigerung, über das, was geschehen war, nachzudenken; eine bewusste Strategie, im Dunkeln zu bleiben, um sich vor der Schwierigkeit und Gefahr zu schützen, ein Außenseiter zu werden. Zu Beginn des Interviews sagt sie wiederholt, dass sie dumm und jung war. Am Ende des Interviews gesteht sie, dass sie dies eigentlich als Strategie gewählt hatte, um sich von dem zu distanzieren, was schließlich doch eine freie Entscheidung war.

    Thomas Hobbes prägte 1651, lange vor dem Holocaust, in den Satz: „Wer jemandem mehr Schaden zugefügt hat, als er wiedergutmachen kann, wird sein Opfer hassen“.

    Josef Fritzl hielt seine Tochter 24 Jahre im Keller gefangen, vergewaltigte sie unzählige Male und zeugte mit ihr in Inzucht sechs Kinder, von denen eines starb, dessen Leiche er im Zentralheizungsofen verbrannte.

    Wie soll das wiedergutzumachen sein? Wie lange wird es wohl dauern, bis Fritzl in einem Hofmannschen Machwerk als „Opfer“ verklärt wird? Und werden seine Tochter, ihre Kinder und Kindeskinder dereinst ebenfalls mit der wohlmeinenden Empfehlung bedacht, sie sollten doch endlich diese lästige Geschichte vergessen, aufhören zu jammern und einen „Schlussstrich“ ziehen?

    Leider ist es symptomatisch für Deutschland, dass Barings Logorrhoe in keinem deutschen „Leitmedium“ thematisiert wurde. Stattdessen ausufernde, faktisch falsche und „israelkritische“ Kommentare in der Tagesschau über Obamas Besuch im Nahen Osten.

    In Johann Wolfgang von Goethes Briefen, Tagebüchern und Gesprächen finden sich Bemerkungen, die mit Fug und Recht als antisemitisch bezeichnet werden können, sowohl aus der Sicht von damals wie aus der heutigen.

    Vielleicht hat dieser grosse Deutsche gerade deshalb so punktgenau und treffend das Problem in seiner Essenz erkannt und beschrieben, das Deutschland (und die Welt) mit den Juden hat:

    „Was klagst du über Feinde? Sollten solche denn je werden Freunde, denen das Wesen, wie du bist, im Stillen ein ewiger Vorwurf ist?“

    Fritzls Tochter lebt mit ihren Kindern heute an einem geheimen Ort und hat ihre Identität abgelegt. Diesen „Luxus“ haben die Deutschen nicht.

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  29. Abgesehen davon, dass Arnulf B. beinahe immer eine intellektuelle Beleidigung ist, hat sich hier wohl ein chronologischer Fehler eingeschlichen:

    „So trage Deutschland keine Verantwortung für den 1. Weltkrieg, sondern “Frankreich und Russland”. Infolge der Niederlage sei Deutschland bei “der Kolonialisierung der Welt” “zu kurz gekommen”

    Üblicherweise läuft die These so: zuerst zuwenig Kolonien, dann WK I.

    Gesehen habe ich die Sendung aber nicht. Lanz kann man halt nur abschalten. Hoffentlich dann für immer.

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  30. Ich konnte es nicht glauben und tue mir jetzt gerade die Sendung an, und die ist so unerträglich, wie es hier dargestellt wurde.
    Baring sagt nicht nur einmal, dass ja auch die Juden Täter waren. Selten, vielleicht nie verspürte ich das Gefühl, ich müsse auf meinen Bildschirm einschlagen, so stark wie heute.

    Und Weisband möchte nicht über ihre Familiengeschichte im Fernsehen reden, woraufhin Lanz tatsächlich suggeriert, sie habe doch als Vorbild auch eine politische Verantwortung (sinngemäß), dieses zu tun.

    Ich bin fassungslos. Mal schauen, ob ich die Sendung durchhalte.

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  31. Es ist wirklich eine Wohltat, diese klugen Kommentare zu lesen. Zu sehen, dass diese öffentlich inszenierte eitle Geschichtsrevision – ja, Herr Hohmann wird da wirklich noch übertroffen, revisionistisch-geschichtsverleugnend überboten – zumindest im Nachhinein thematisiert wird. Ich habe mir die Sendung gestern noch einmal in Ruhe angeschaut, insbesondere die Mimik und Gestik von Baring etc. – es ist wirklich unerträglich. Dieser Triumph: Ja, die Juden waren doch eigentlich Täter, ein Tätervolk, sagt´s doch endlich, gesteht es doch endlich ein. Wir haben uns doch nur gewehrt gegen diese uns überflutenden jüdischen Massen…
    Die „Überlebenden der DDR“ (Baring), 2/3 der Juden sind emigriert, „150.000 waren übrig“ (Baring); oder: „es gab ja die Sonderkommandos – wie das alles hieß“ (Baring); schließlich der triumphierende Schrei Barings auf die Nachfrage, was er als junger Mensch von der systematischen Ermordung der Juden gewusst, mitbekommen habe: „Nix! Nix!“
    Es sei noch einmal auf die ov´ben bereits erwähnte Talkshow von Anne Will verwiesen, in der Barings Ehefrau auftrat, als „Familientherapeutin“ in der Tradition eines Hellinger (s. Horst oben sowie meine Hinweise oben):

    Diese Sendung – es lohnt sich eine Analyse der Mimik und Gestik der Diskutanten, insbesondere von Frau Baring! – ist ein Lehrstück dafür, dass „Geschichtsaufarbeitung“ auch im Rahmen einer Talkshow möglich ist; dass Geschichtsrevision, Leugnung der Geschichte (insbesondere von Frau Baring und Herrn Norbert Geis, diesem tapfer-aufrechten Feind aller Schwulen und Lesben(alle sind Täter, alle sind Opfer; die armen Deutschen waren doch auch Opfer der Juden…) nicht unwidersprochen hingenommen wird.

    Besonders empfehlenswert, diese Szenen: 0:34 Minute, 0:58 1:00
    Vor allem Serdar Somuncu, aber auch Volker Beck und Wiebke Bruns, Euch sei gedankt! Ihr habt gezeigt, dass Aufklärung auch in Talkshows gelingen kann!

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  32. Schöner Artikel, der diesen Irrsinn noch mal anschaulich vor Augen führt. Aber, bitte, auch wenn’s alle falsch machen: „Common sense“ heißt nicht „Konsens“, sondern bezeichnet die allen gemeine (common) Vernunft (sense), kurz: den, nun ja, gesunden Menschenverstand.

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  33. Das Schweigen im Blätterwald über diese unsägliche Sendung kann ich mir nur so erklären, dass so gut wie niemand diese gesehen hat. Ich sah sie jedenfalls allein deswegen nicht, weil ich erstens Lanz allgemein unsäglich finde und soeziell zu diesem Thema als völlig ungeeignet. Was sich ja offensichtlich bestätigt hat … Aber vielleicht fängt ja jetzt etwas verspätet die Diskussion endlich an?

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