Frei.Wild gegen Extremismus ist wie Kräuterlikör gegen Alkoholismus

In der Bundesrepublik Deutschland des Jahres 2013 bedarf es eines Alkohol-Produzenten, um ein Zeichen gegen Hass und Nationalismus zu setzen, weil einige Städte beziehungsweise deren politische Spitzenvertreter nicht nur versagen, sondern das Verbreiten von Hass und Nationalismus sogar unterstützen, indem sie „Frei.Wild“ eine Plattform bieten. Na dann, Prost-Mahlzeit! Das ist aber kein Grund, sich zu betrinken, sondern zum Nachdenken und Handeln.

Von Thomas Kuban*

Die Schonzeit ist vorbei: Kaum hatten „Jägermeister“ angekündigt, die Hege in ihrem „with full force“ bewirtschafteten Revier einzustellen, waren vier Spezies der Gattung „Frei.Wild“ vergrämt. Rechtzeitig, bevor sie sich zu Platzhirschen mausern konnten.

In städtischen Revieren hingegen, in Dortmund, Karlsruhe, Regensburg, Rostock und Chemnitz, haben „Frei.Wild“ in den vergangenen Monaten eine Bühne geboten bekommen: in stadteigenen Hallen, vor tausenden Konzertbesuchern. Und das, obwohl die Band bekanntermaßen aggressiven Nationalismus, völkisches Gedankengut und Hass auf Andersdenkende verbreitet, mit geschichtsrevisionistischen Anspielungen arbeitet und antisemitische Stereotype bedient.

Kein Jägrmeister für Frei.Wild (Foto: bbx)
Kein Jägrmeister für Frei.Wild (Foto: bbx)

Beim „With Full Force Festival“ in Roitzschjora, nahe Leipzig, wird es Ende Juni 2013 nicht so weit kommen. Das ist ein Erfolg der Zivilgesellschaft. Zu deren Akteuren gehören der Kräuterlikör-Hersteller „Jägermeister“, das Musikmagazin „Visions“, das „Tätowier-Magazin“, das Internetportal „Festivalguide.de“ und unzählige Rockfans. Ein Festival mit „Frei.Wild“ wollten sie nicht unterstützen – nicht als Sponsor, nicht als Medienpartner, nicht als Besucher. Alle haben ins gleiche Horn geblasen und die Rechtsrocker daraufhin ihr Gastspiel abgeblasen.

Für „Frei.Wild“ stehen aber weiterhin städtische Hallen als Rückzugs- beziehungsweise Expansionsgebiete offen – gewissermaßen als NATIONALparks. Die Sparkassen-Arenen in Aurich (Niedersachsen) und Landshut (Bayern), die mehrere tausend Besucher fassen, scheinen für die Band eine Bank zu sein. Dort soll Sänger Philipp Burger im April 2013 agi(ti)eren dürfen. Der Frontmann spricht die Fan-Truppen ähnlich einer Kameradschaft an – die Fronten sind klar: die verschworene Gemeinschaft namens „Frei.Wild“ gegen „das Land der Vollidioten“.

Zigtausend junge Leute lernen die Songs auswendig, die Botschaften setzen sich in ihren Köpfen fest. Der Hass auf „Gutmenschen und Moralapostel“, den die Band proklamiert, zeigt Wirkung: Fans beschimpfen und beleidigen „Frei.Wild“-Kritiker im Internet. Das reicht bis hin zu der Aufforderung: „Schlagt doch die sogenannten Rechtsextremismusexperten tot.“

Trotzdem boomt das Millionen-Geschäft rund um die rechtsgerichtete Rockband weiter. Eigentümer von Veranstaltungshallen verdienen mit – darunter demnächst die Städte Aurich und Landshut. Für weltoffene Bürger ist das ernüchternd.

„Frei.Wild“ versucht unterdessen mit einer Art Image-Kampagne, seine politische Propaganda zu kaschieren. Der Slogan lautet: „Frei.Wild gegen Rassismus und Extremismus.“ Eine Behauptung, die an Jägerlatein erinnert. Denn „Frei.Wild“ gegen Extremismus ist wie Kräuterlikör gegen Alkoholismus.

PS: Die zweite Band, die von bisherigen Festival-Unterstützern abgelehnt wird, steht immer noch auf der „With Full Force“-Homepage: „Unantastbar“. Deren Sänger „Joggl“ spielte früher mit „Frei.Wild“-Frontmann Philipp Burger in der rechtsextremen Skinhead-Band „Kaiserjäger“. Joggls heutige Gruppe ist beim „Frei.Wild“-Label „Rookies & Kings“ gelistet.

Thomas Kuban ist Autor von „Blut muss fließen“.

Siehe auch: Kein Jägermeister für Frei.WildFrei.Wild – “unpolitischer” Hass auf “Gutmenschen”Kein Frei.Wild!,  Frei.Wild zwischen Deichkind und Beatsteaks

16 Kommentare zu „Frei.Wild gegen Extremismus ist wie Kräuterlikör gegen Alkoholismus

  1. Wer Texte schreibt, die das erinnern an die Schandtaten unserer Vorfahren, damit
    erklärt, dass die Opfer nur noch Entschädigungen kassieren wollen, ist für mich ein
    Rechtsradikaler. Das massenmorden welches im Namen Deutschlands von den Nazis und ihren
    Speichelleckern angerichtet wurde, kann mit Geld gar nicht wieder gut gemacht werden.
    Wir können nur froh sein, das es Menschen gibt die soche Taten noch vergeben.
    Lieber Freischnauze als FreiWild

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  2. Der Begriff „Jägermeister“ existiert als Berufsbezeichnung schon mehrere Jahrhunderte.[2] Er wurde mit dem Reichsjagdgesetz von 1934 in Deutschland neu eingeführt und bezeichnete Forst- und Jagdaufsichtsbeamte. Als 1935 der Likör auf den Markt kam, klang der Name bereits vertraut. Curt Mast,
    der Erfinder des Jägermeister-Kräuterlikörs, war selbst begeisterter
    Jäger. Auch deshalb lag die Namensgebung nahe. Da seit Juli 1934 Hermann Göring als Reichsjägermeister amtierte, dem alle Landes-, Gau- und Kreisjägermeister unterstanden, er also der oberste „Jägermeister“
    war, wurde der Likör früher gelegentlich „Göring-Schnaps“ genannt. Die
    Nachfahren des damaligen Firmeninhabers hüllen sich zu den genaueren
    Umständen der Namensgebung in Schweigen.[3]
    (Quelle:Wikipedia) http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%A4germeister

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  3. Alles schön und gut, aber wir dürfen jetzt nicht aufhören!

    Jägermeister ist geschichtlich – zumindest was den Namen angeht – vorbelastet.

    Und nach wie vor stehen bei dem Festival Gruppen auf der Bühne, die in ihren Liedern Naziverbrecher glorifizieren (Slayer) und Gruppen, deren Sänger ganz besessen von Nazi-Devotionalien aus dem zweiten Weltkrieg sind, und die auch gerne mal mit SS-Mütze auftreten (Motörhead).

    Dazu kommen noch viele Bands aus der Grauzone. Vielleicht sollte man mal in großem Maße über das braune treiben dort informieren, damit die breite Öffentlichkeit davon mitkriegt!

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  4. In welchem Lied glorifiziert Slayer bitteschön Naziverbrecher? Wenn du jetzt „Angel of Death“ meinst, nein da wird nix glorifiziert.

    Btw denke ich die breite Öffentlichkeit scheisst auf die Grauzone. Gute Sache das Freiwild nicht spielen. Rest vom Festival immernoch banane.

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  5. Mit den Volksverhetzern meine ich natürlich euch Antifas.Ist es so schwer mal vernünftig zu recherchieren?Jägermeister werde ich mir auf jedenfall nicht kaufen.Wo gibts denn übrigens bei Frei-Wild antisemitische Stereotype?

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  6. @ 9 11 Pirat
    Im Song „Wir reiten in den Untergang“ vergleichen sich FW mit den Juden im Nationalsozialismus:
    „Keine Gnade und im Zweifel nicht für dich
    Heut gibt es den Stempel, keinen Stern mehr“

    Philipp Burger schreibt in bezug auf die deutsche Geschichte:
    „Auch macht man Vergangenes nicht ungeschehen, indem man schon seit Jahrzehnten davon finanziell Profitierende, lächtsend nach einer Daseinsberechtigung für ihr klägliches Dasein weiter unterstützt und ihre Meinung blind unterstreicht nur um ja nicht dagegen zu pissen.“
    http://www.freiwild-supporters-club.de/index.php?page=Thread&threadID=41596

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  7. Oh Nein, sie ist wieder da… die Unwissenheit!

    Ich frage mich ob das in anderen Ländern auch so ist… Sind Spanier, die auf spanisch singen auch rechts?

    Über solche Berichte kann ich nur lachen…

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  8. Als würdet Ihr mit diesen billigen Attitüden irgendetwas bewegen :). Ihr stachelt bloss auf. Mehr nicht. Und, ja, Jägermeister ist ein Elixier das Flüssigen Rassismus in sich trägt und jeden damit Ansteckt.
    Danke liebe Antifa für diese absolut neutrale Berichterstattung und
    danke liebe Nazis, dass wegen Euch jede Deutsch-Rock Band mit Erfolg gleich in die Äußere Rechte Zone gestellt wird. Danke!

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