Gaming: Den Endsieg erleben

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In der Rolle des Nazi-Generals den Überfall auf Polen nachspielen, nach Russland vorstoßen und den Endsieg erleben – zumindest virtuell. Wie problematisch ist das? In der Gamer-Community wurde diese Frage durchaus kontrovers diskutiert. Doch Kritiker werden auch persönlich attackiert, beispielsweise eine Feministin, die das sexistische Frauenbild in vielen Spielen anprangerte.

Von Malte Switkes vel Wittels

Das Konsumieren von Computer- und Videospielen ist längst zu einem Massenphänomen geworden. Laut Erhebungen des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) nutzen in Deutschland rund 25 Millionen Personen mehrmals pro Monat diese Form der Unterhaltung. Fast die Hälfte davon sind mittlerweile Frauen und bei einem Durchschnittsalter von 32 Jahren kann man kaum noch von einem reinen Jugendhobby sprechen. So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass sich in diesem Medium auch die klassischen Vorurteilstrukturen der Gesellschaft widerspiegeln – Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und ein schwieriger Umgang mit der Vergangenheit sind auch unter Gamern stark verbreitet.

Den Überfall auf Polen nachspielen mit Panzer Korps.
Den Überfall auf Polen nachspielen mit Panzer Korps.

Großer Beliebtheit erfreuen sich nach wie vor Spiele, die im historischen Kontext des Zweiten Weltkrieges angesiedelt sind. Damit streifen sie einen Bereich, der vor dem Hintergrund des deutschen Vernichtungskrieges und der Shoah als besonders sensibel zu erachten ist. Spiele dieser Art vermitteln auch immer implizit Geschichtsbilder, ein Problemfeld auf das jüngst Frau Prof. Dr. Angela Schwarz von der Universität Siegen hingewiesen hat. Diese Geschichtsbilder erliegen, wie auch in anderen massenmedialen Formaten, wie beispielsweise Kinofilmen, einer Verkürzung und Vereinfachung des historischen Stoffes.

Insbesondere erweist es sich als problematisch, wenn das Medium es den Spielern ermöglicht, in die Rolle der Nazis zu schlüpfen und deren Handlungen implizit zu affirmieren. Beispielhaft steht dafür die aktuelle Strategiespielreihe „Panzer Corps: Wehrmacht“ mit dem Addon „Panzer Corps: Afrika Korps“ des britischen Publishers Slitherine. Darin ist es möglich militärisch eine alternative „was wäre wenn“ Geschichte aktiv zu erleben und somit den „Endsieg“ erlebbar zu machen.

Dieses löste auf dem Gaming-Portal „Eurogamergamer.de“ bereits im Januar 2012 eine Kontroverse aus, als der Politikwissenschaftler Jan Rathje sich mit einem offenen Brief kritisch an die Redaktion von Eurogamer wandte und die grundsätzliche Frage aufwarf, ob man innerhalb der Spielwelten in die Rolle der Nazis schlüpfen können sollte.

Die nachfolgende Diskussion, die hauptsächlich in den Kommentarspalten ausgefochten wurde, schwebte zwischen altbekannten Abwehrreaktionen aber auch kritischen Kommentaren einiger User. Bemerkenswert ist in diesem Fall jedoch auch der offene Umgang des zuständigen Redakteurs von Eurogamer Martin Woger, welcher den Leserbrief nicht nur veröffentlichte, sondern in einer eigenen Stellungnahme reflektiert auf die Kritik reagierte:

„Die Frage, die im Raum steht, ist nicht einmal unbedingt die, ob Panzer General: Wehrmacht auf einen Index gehört, sondern es euch lieber gewesen wäre, wenn ich den Test nicht neutral behandelt hätte, sondern die Problematik mehr thematisiert hätte? Ehrlich gesagt, ich denke inzwischen ja, ich habe hier eine Chance verpasst, mich auf dieser Ebene mit dem Spiel auseinanderzusetzen statt es – eigentlich nur aus Faulheit, wenn ich ehrlich bin – einfach zu ignorieren[…].“

Ein weiteres Beispiel, das besonders die internationale Dimension dieser Problematiken aufzeigt, ist die Internetkampagne gegen Anita Sarkeesian, die sich auf ihrer Website feministfrequency.com und dem dazu gehörigen Youtube Channel mit Sexismus in der zeitgenössischen, medialen Popkultur auseinandersetzt. Sarkeesian startete im Mai 2012 ein Kickstarter Projekt um Geld für eine Serie zu stereotypen Darstellungen von Frauen in Videospielen zu sammeln.

Als Reaktion darauf sah sie sich mit massiven sexistischen und frauenfeindlichen Ausfällen von vornehmlich männlichen Gamern konfrontiert. Diese reichten von der pornographischen Verunstaltung ihres Wikipedia-Eintrages bis zur Verbreitung eines Minispiels im Internet, in welchem Sarkeesians Gesicht verprügelt werden konnte. Begleitet wurde diese Kampagne von Mord- und Vergewaltigungsdrohungen in verschiedenen sozialen Netzwerken und Foren.

Sarkeesian berichtete im Dezember 2012 im Rahmen der „TEDx Women Konferenz“ in Washington von ihren Erfahrungen und konstatierte: „The larger and implicit goal here is, that they are actually try to maintain the status quo of videogames as a male dominated space”. Die mediale Aufmerksamkeit, die der Fall produzierte, half jedoch, dass Sarkeesians Projekt mit über 158.000 eingeworbenen Dollar das angepeilte Funding-Ziel deutlich überschritt und so konnte neben der noch laufenden Videoproduktion zusätzlich auch ein kostenloses Bildungsangebot für Schulen zu dem Thema eingerichtet werden.

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Diese Beispiele zeigen, dass sich Anknüpfungspunkte für die politische Bildungsarbeit im Medium Computer- und Videospielen finden lassen. Der kommunikative Raum, der in den ingame-Chats, Foren und Kommentaren genutzt wird, ist nur punktuell einer Sanktion von Moderatoren unterworfen und umgeht die normativen Tabus gesellschaftlicher Kommunikation. Die Moderatoren und Community Manager sind oftmals aufgrund fehlender oder unzureichender Schulungen überfordert, außerhalb von allzu offensichtlich menschenfeindlichen und geschichtsrevisionistischen Kommentaren auf kodierte Äußerungen zu reagieren.

Fehlendes Verständnis

Staatliche Stellen und die Zivilgesellschaft stehen meist aufgrund zu geringen Vorwissens hilflos vor diesen Problemen – es fehlt das Verständnis dafür, dass sich in diesen Medien mehr und mehr Menschen generationsübergreifend miteinander austauschen, ohne dass traditionelle Kommunikationskanäle dafür genutzt werden. Nötig wäre eine noch engere Zusammenarbeit von Bildungsstellen mit Publishern und Entwicklern. Angelehnt an Modellprojekte von sozialen Netzwerken mit Partnern aus zivilgesellschaftlichen Initiativen wäre eine stärkere Vernetzung und Aufklärung dringend nötig, um mit den Erfahrungen im Bereich der politischen Bildungsarbeit als Ansprechpartner mit Know-How bereit zu stehen.

Auf Publisher- und Entwicklerseite wiederum sollte die Zusammenarbeit als Chance begriffen werden, jahrzehntelange gepflegte Indifferenz aufzubrechen und die eigene gesellschaftliche Rolle kritisch zu hinterfragen.

Siehe auch: Flucht in die NetzwerkeNeonazis online: massiver Missbrauch des Web-2.0

16 Kommentare zu „Gaming: Den Endsieg erleben

  1. Danke für den Artikel und das Aufgreifen dieses Themas. Bin selbst leidenschaftlicher Gamer und habe mich schon oft gefragt ob einigen Publishern das nötige Feingefühl fehlt oder der Blick auf die Verkaufszahlen jegliches Geschichtsbewußtsein in den Hintergrund rücken läßt. Auch das Frauenbild in vielen Spielen ist absolut erschreckend und sorgt bei mir immer wieder für Fremdscham! Wird Zeit daß sich da in naher Zukunft etwas ändert!

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  2. Ein unreflektierter und glorifizierender Umgang mit dem Militär an sich ist in der Geschichte der Videospiele eingeschrieben. Das Medium hat immer enge Verknüpfungen zum militärischen Komplex gehabt. In der Mehrzahl greifen Spiele mit militärischen Inhalten die vorherrschenden Feindbilder der Gesellschaft auf, in der sie entwickelt werden. Das erklärt weshalb insbesondere sog. Drittweltstaaten, sowie China und Russland in gegenwartsbezogenen Spielen gerna als feindliche Kräfte gerne gewählt werden. In der Gamesindustrie geht es auch um kulturelle und repräsentative Hegemonie, wie die Reaktionen zeigen, wenn im Iran ein Spiel entwickelt wird, dass die gewohnten Feindbilder verkehrt, indem dort auf Soldaten der USA geschossen wird.

    Diese Ausführungen sollen nicht relativieren, aber auf den größeren Kontext eben jener Frage verweisen, die sich um die angemessene Repräsentation der Welt in der Welt der Games dreht.

    In geschichtlichen Erzählungen und besonders militärischen, wie sie in Computerspielen inflationär Verwendung finden, hat die Spielebranche bisher wenig Geschmack bewiesen. Häufig, so mein Eindruck, wird die abgeschlossene Geschichte im Rahmen der Games als militärischer Spielplatz konstruiert, dem eine Enthaltung von jeglichen Wertungen zugesprochen wird. Nicht nur mit dem Argument, es würde sich nur um Spiele handeln, sondern auch innerhalb eines Kosmos von Männlichkeit, der militärischen Wettkampf als sportähnliche und neutrale Aktivität konstituiert. Eine ähnliche Logik wie jene die dazu führt, dass in Deutschland Kasernen nach Ernst Rommel benannt sind, weil diese Person entkoppelt von dem nationalsozialistischen System konstruiert wird und dadurch als „guter Soldat“ ohne Wertung geehrt wird (Ich selbst vertrete diese Sicht in keiner Weise).

    Spiele, in denen der/die SpielerIn Soldaten des NS-Staates steuert gibt es wie Sand am Meer. Eine der größten Geschmacklosigkeiten stellen hierbei aus meiner Sicht Games dar, die das Führen des uneingeschränkten U-Boot-Krieges simulieren. Ob das fiktive Umschreiben der Geschichte diesbezüglich nun ein besonders problematisches Phänomen ist, kann ich nicht beurteilen. Eine verstärkte Reflektion dieser Zusammenhänge ist aber mehr als notwendig.

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  3. Als Historiker und Mensch mit Behinderung finde ich eher solche beleidigenden Artikel einer Normgesellschaft und deren sich eingebildet demnach eindeutig für überlegen gehaltener Sozialität und/oder Literalität erschreckend, zumal ich über diese mich sowohl intellektuell als auch persönlich beschämenden Negativwahrnehmungen von Inhalten nur empören kann.
    Fremde videospielende Menschen als Nazis oder misogyn zu beschimpfen: ich kann mit meinem Gewissen derlei chauvinistische Dünkel von Zuschreibungen jedenfalls nicht vereinbaren. Ob sie nun Politik oder Moral betreffen –
    Frauen auf erotische Darstellungen reduzieren wenn dann Sie mit solchen Artikeln, weil Sie genau diese Darstellungen offenkundig nicht haben wollen: und damit eigentlich welche anderen Bilder von Frauen?
    Positiv? Weil Gewalt (negativ) ja anscheinend auch nicht…

    Und ich verstehe als Feminist auch nicht weshalb dabei heterosexueller Ausdruck von Männern wie mir angegriffen wird, aber nicht etwa wenn in einem Spiel wie „FIFA Street“ Fauenfußball als etwas „Schlimmes“ dargestellt wird etc. „Call of Duty“ immer noch keine spielbaren Frauenfiguren aufweist. Wieso wird sich nicht darum bemüht dass mehr Spiele von Frauen gefördert werden, oder mehr Frauen in dieser Ausdrucksform Führungspositionen erreichen – was die patriarchale Struktur in dieser Industrie eigentlich bedeutet, worauf sie weit eher hinweist, das heißt auf welche Restgesellschaft(en).
    Mit wem reden Sie da so eigentlich, denn meistens finden diese Artikel öffentlich sowieso nur Zustimmung, obwohl Sie nur Hass propagieren: wollen Sie Kreative oder ein Publikum dass derlei Inhalte und Darstellungen in ihren Augen „nötig“ hätte oder nicht überhaupt ansprechen? Menschen wie mich? Existieren die überhaupt in ihrer Welt, oder sind sie gerade noch dafür gut genug um sie später so zu missbrauchen dass sie (weiterhin) als potentielle Gewalttäter hingestellt werden können, also Leute die Morddrohungen aussprachen etc., das heißt als welcher sich selbst erfüllenden Prophezeiung dann?
    Aus welchem „sagen wir doch“ oder „haben wir ja schon immer gewusst“, wie diese misogynen Gamer-Nazis ticken?
    Gerade als Behinderter finde ich es überaus diskriminierend wie hier mit struktureller Gewalt die ich nur ungeheuer laut und brutal empfinde, als unerträglichen Lärm, Druck und Zwang, über Körper(bilder) bestimmt werden möchte. Andauernd vorgeschrieben werden soll wie Menschen nicht dargestellt werden dürften, was dabei alles „erniedrigend“ wäre, mit ihren Ideen von „Würde“ nicht vereinbar, wer was nicht sein, spielen darf. Männer Frauen, Frauen Männer. Und dann noch selbstherrlich Ethik Was ist das für eine Wehleidigkeit gegenüber den eigenen bürgerlichen Lebenswelten? Menschen wie ich teilen nunmal nicht diese Vorstellungen von Leben und Sexualität, können und möchten sie nicht idealisieren. Finden Sie sich damit ab! Menschen wie ich machen Ihnen Ihr Lieben schließlich auch nicht streitig, oder macht diese Einstellung von Ihnen auch aus einem Egon Schiele etwa einen Sexisten, oder welche ästhetischen Vorstellungen sollen hier demnach allein gelten dürfen. Zu welcher fremdbestimmten Sexualität besteht so noch Aufgeschlossenheit?
    Was soll ein „Frauenbild“ überhaupt sein? Sind Frauen nicht auch Menschen, das heißt welche Menschenbilder werden hier transportiert…
    Ohne sich mit den betroffenen angegriffenen Kreativen anscheinend überhaupt je unterhalten zu haben.

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  4. @ Jürgen Mayer
    „Fremde videospielende Menschen als Nazis oder misogyn zu beschimpfen: ich kann mit meinem Gewissen derlei chauvinistische Dünkel von Zuschreibungen jedenfalls nicht vereinbaren.“
    „Mit wem reden Sie da so eigentlich, denn meistens finden diese Artikel öffentlich sowieso nur Zustimmung, obwohl Sie nur Hass propagieren(…)“

    Wo wird im Artikel jemand als Nazi beschimpft und wo wird Hass propagiert?
    Ich bin immer wieder überrascht, wie eine sachlich vorgetragene Kritik solche Reaktionen provozieren kann.

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  5. @horst
    Ich bin eigentlich nicht „immer wieder überrascht“, denn ich kenne diese leugnenden Argumentationsmuster einer von mir kritisierten Intention leider schon seit Jahren, wo dann plötzlich gegen jede „Kritik“, die ansonsten wie eine Monstranz noch begrifflich als „kritische Einstellung“ vor sich hergetragen wird, Immunität gezeigt wird. Da will dann von „Kritik“ nichts mehr gewusst werden. Wo halt nur solche „Kritik“ zugelassen wird die halt auch (weiterhin) erwünscht ist –
    Abgesehen eben von Konstruktionen wie „Frauenbild“: denn was soll die Rede von „Endsieg“ dann? Das ist, zumindest in dem Kontext, schonmal ein nationalsozialistischer Begriff. Geschweige denn die restliche Empörung. Was soll daran gar problematisch sein was da „kritisiert“ wird? Wer soll einen „Endsieg“ überhaupt haben wollen, wenn kein Nazi? Und weshalb sollte ein Antifaschist nicht auch mal in eine solche Rolle schlüpfen. Für mich gehört das zu einem aufrichtigen Antifaschismus sogar dazu, sich chauvinistischer Weise eben nicht für dermaßen überlegen zu halten: sind Helmut Berger, Hubert Kramar, Bruno Ganz und Christoph Waltz ebensolche, weil sie im Laufe ihrer Arbeit/Karrieren als Schauspieler mal entsprechende Charaktere gemimt haben? Beziehungsweise gilt das nur für eine unbequeme Masse welche dahingehend gefügig gemacht werden soll?
    Oder welches Böse hätten diese sonst auch glamourisiert – ist es nicht schon eine eigene Leistung das dermaßen festschreiben zu können, wobei in manchen Spielen wie etwa dem offiziellen Multiplayer von „Call of Duty: World At War“ sogar ein Seitenwechsel Pflicht ist. Vielleicht der eigentliche „Ruf“ dabei – kritischer Weise. Als Aufruf zu einem anderen Nachdenken, zu einer differenten Erinnerungskultur fernab von angeblich weltoffenen Selbstbeweihräucherungen der potentiellen TäterInnen von einst, die eigentlich nichts weiter als eine tiefgehende Verschlossenheit zur Selbstkritik bezeugen, sowie immer nur einen Fingerzeig auf ein zu kritisierendes videospielendes Andere. Zu dem womit man selbst nicht konfrontiert werden möchte, woran man sich selbst nicht beteiligen will, wie eben dem „Endsieg“ – was immer der auch gewesen sein soll, denn welche Identifikation wird darüber schon fortgelebt: auch wenn etwa den Anfeindungen des Herrn R. über einen undifferenzierten Realismus völlig unkritisch begegnet wird. Was soll in diesem Artikel denn auch anderes gegenüber erotische Darstellungen transportiert werden, wenn keine negativen Gefühle, Ressentiments, Ablehnungen halt bis hin zu Abscheu und Hass – ohne etwa überhaupt zu fragen ob sich manche Menschen vielleicht gerade einem Ekel nicht auch stellen wollen.
    In meiner Dissertation schrieb ich noch sinngemäß, dass diese Anfeindungen gegenüber Erotik ja sehr beliebig sein werden – kaum festzumachen: ist die Dreiecksbeziehung, der Geschlechterkampf in „Catherine“ demnach auch sexistisch zu nennen. Wie ein (älterer) Breillat-Film? Eine Woody-Allen-Komödie? Wohl kaum und weiterhin oberflächlich eher nur „Onechanbara“ und „Dead or Alive“, ohne sich – ich wiederhole mich – mit dessen Kreativen überhaupt je beschäftigt zu haben.

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  6. @Jürgen Mayer:

    Und ich bin immer wieder überrascht, wie viel manche Leute in solche Texte reinlesen können, wenn sie es nur wollen.
    Was in irgendwelchen individuellen Personen, antifaschistisch oder anderweitig, vorgeht, wenn sie diese Spiele spielen, ist doch für den Inhalt des Artikels vollkommen egal und wird eben auch nicht angesprochen. Genausowenig wie hier ein „videospielendes Anderes“ konstruiert wird (oder konstruiert werden könnte) – wir leben nicht mehr in den Neunziger Jahren, Videospiele sind ein Massenphänomen geworden, ein Mainstreammedium wie vorher das Fernsehen und bis vor ein paar Jahrzehnten das Radio. Es wird eben auch nicht primär von irgendwelchen Antifaschisten oder „Kreativen“ produziert, verkauft, besprochen und gespielt, sondern von Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft, „potentiellen TäterInnen“, wie Sie sagen. Zu fordern, es solle sich vor einer Kritik der gesellschaftlichen Wirkung dieses Mediums immer ausgiebig mit den jeweiligen Intentionen der Produzenten dahinter beschäftigen, würde eine solche Kritik unmöglich machen, erst recht in diesem Fall, in dem sich die Produzenten ja auch keine Mühe machen, ihre Absichten nach außen zu transportieren.

    Ähnliches gilt auch bei der Sexismusfrage: Wo lesen Sie hier irgendwas über Erotik? Darum geht es hier gar nicht.
    Und richtig, Frauenbilder sind eine Konstruktion, aber keine, die in erster Linie von dem Verfasser dieses Artikels vorgenommen wird, sondern eine gesamtgesellschaftliche, die für das Leben einzelner Frauen auch sehr wirkmächtig ist. Und als Medien der Dominanzkultur auch eine, die sehr intensiv von Mainstream-Videospielen vorgenommen wird, wofür diese natürlich kritisert werden müssen.

    Das Vokabular, das Sie benutzen, impliziert, hier würde aus der Mehrheitsgesellschaft eine Randgruppe angegriffen – und das ist, wie gesagt, nicht der Fall. Aber natürlich müsse auch eine Randgruppe Kritik ertragen könne, erst recht, wenn es wie hier um den Gebrauch mehrheitsgesellschaftlicher Machtmittel geht.

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  7. Zu Sarkeesian: [Link von der Redaktion entfernt]
    Damit möchte ich nicht ausdrücken dass eine feministische Betrachtung von Videospielen grundsätzlich falsch ist. Sarkeesian jedoch ist die letzte Person die soetwas anstellen sollte.

    Anm.d.Red.:
    Weil Sie mit Sarkeesians Kritik nicht einverstanden sind, darf Sie diese nicht zum Ausdruck bringen? Interessante Vorstellung von Meinungsfreiheit, die Sie da haben. Ob Sarkeesians wissenschaftliche Arbeiten dem universitären Anspruch standhalten oder nicht, haben weder Sie noch irgendwelche Hater-Videos auf YouTube zu entscheiden. Sarkeesians akademische Betreuer/innen waren offensichtlich anderer Meinung (und wir auch, logischerweise). Von daher: Entweder Sie kritisieren inhaltlich oder Sie lassen es. Weitere „ist die letzte Person, die …“-Rants werden hier zum Thema jedenfalls nicht erscheinen.

    Zu Politik und Videospielen: Es handelt sich um eine mühselige Diskussion da Spiele – auch wenn das gerne von den Spielern selber bestritten wird – hauptsächlich ein kulturindustrielles Produkt sind. Es handelt sich weder um Kunst noch um Material zur moralischen Bildung. „Geschmack“ steht bei der Entwicklung nicht zur Debatte; hergestellt wird was sich verkauft. Im Moment sind das Sachen wie Modern Warfare wo eben Russen, Araber und Chinesen die „Bösen“ sind, vor ein paar Jahren war es die Welle an 2WK Shootern wo Nazis die Bösen waren. Es handelt sich dabei weniger um eine absichtliche Verkürzung als um uninspirierte Arbeit von Seiten der Entwickler.

    Wenn man sich Spiele wie Spec Ops: The Line (http://de.wikipedia.org/wiki/Spec_Ops:_The_Line#Hintergrundszenario) ansieht wird man feststellen, dass mit entsprechendem Aufwand auch ein ernsthafterer Umgang mit dem Thema Krieg möglich ist.

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  8. Sarkeesian erhebt ganz klar einen Deutungsanspruch was Feminismus und Videospiele betrifft. Wer den Mund dermaßen voll nimmt muss sich auch eine Untersuchung seiner akademischen themenrelevanten Leistungen und Hintergrundmotive gefallen lassen. Ich persönlich sehe auch im Inhalt des Videos keinen „Hass“. Wie im zweiten Teil klar belegt wird gibt es genug Feministen/innen die sich gegen Sarkeesians Sex-negative Haltung stellen – Die kriegen aber natürlich nicht so viel Aufmerksamkeit wie Anita.

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  9. Vielleicht sind es ja die über Jahre antrainieren Beißreflexe (Videospiele werden in der öffentlichen Rezeption erst seit kurzem etwas ernster genommen) die hier sprechen, aber ich finde das hier ist wirklich kein guter Artikel.
    Der Titel könnte schon mal nicht reißerischer sein. „Gaming: Den Endsieg erleben“ – Zum einen ist der Boom der Spiele die ihr Setting in den zweiten Weltkrieg verlegen glücklicherweise seit rund sieben Jahren abgeflaut und zum Anderen sind die Möglichkeiten als Nazi zu Handeln bei allen bekannteren Titeln doch arg eingeschränkt. Von Geschichtsrevisionismus kann eigentlich in kaum einem Spiel die Rede sein, denn mit nazistischer Ideologie beschäftigen sich die Spiele nicht im geringsten. (Mal davon abgesehen, dass Krieg nicht unbedingt der Unterhaltung dienen sollte -> http://www.99leben.de/?p=398 )
    Dass es dann bescheuerte Nischenspiele von Deppenfirmen geben kann wird hier ja am Beispiel von Panzer Corps gezeigt. Aber wie relevant ist der Titel denn? Ich kenne die Gaming-Szene relativ gut aus und habe noch nie zuvor davon gehört. Dass dann implizit als Mainstream und Konsensfähig darzustellen ist schon gewagt.
    Den Skandal um die Reaktion auf Anita Sarkeesian aufzugreifen ist hingegen wichtig und richtig, aber steht in keinem vertretbaren Zusammenhang zu Panzer Corps.
    Während Panzer Corps der billige Versuch einer Provokation durch ein kleines – und ziemlich unbedeutendes – Entwicklerteam ist, verdeutlicht die Reaktion auf Sarkeesians Kickstarter Projekt hauptsächlich, dass es zu viele misogyne Idioten in der Gaming-Szene gibt. Nebenbei muss jedoch auch erwähnt werden – und das soll die Vorfälle in keinem Fall rechtfertigen – dass die letzten 15 Jahre kaum Raum für eine differenzierte Diskussion über Videospiele gelassen hat. Artikel und Beiträge waren stets schwarz oder weiß und es dauert wohl noch eine Weile, der Diskurs sich wirklich differenziert hat.
    Aber zurück zum Thema: Der Shitstorm über Sarkeesian ist knapp ein ganzes Jahr her, ebenso wie Spiele mit dem Setting im zweiten Weltkrieg ist das überhaupt nicht mehr aktuell. Und hinzu kommt dass Sexismus im Gaming Bereich seit rund 1,5 Jahren ziemlich stark debattiert wird.
    Vor dem Hintergrund der fortgeschrittenen Diskussion kann die frappierende Oberflächlichkeit eines „Auf Publisher- und Entwicklerseite wiederum sollte die Zusammenarbeit als Chance begriffen werden, jahrzehntelange gepflegte Indifferenz aufzubrechen und die eigene gesellschaftliche Rolle kritisch zu hinterfragen.“ kaum übersehen werden. Nebenbei bemerkt: Was haben die Publisher und Entwickler denn nun auf einmal mit der Reaktion auf Sarkeesian zu tun?! Hä?
    Was versucht der kritische Gaming Journalismus und die Blogosphäre denn seit Jahren? Was wird in der internationalen Presselandschaft denn schon seit über vier Jahren zunehmend gemacht? http://www.nytimes.com/2009/03/16/arts/16evil.html?_r=0

    Es tut mir ja wirklich Leid weil ich mich immer darüber freue wenn auch gamingfremde Medien das Thema aufgreifen, aber zwei kritische Aspekte aufzugreifen, von denen einer schon ein knappes Jahr her ist, diese dann in einen hanebüchenen Zusammenhang zu stellen um dann mit einem unspezifischen ‚da sollte mal jemand was tun‘ zu enden reicht mir persönlich nicht aus. Halbinformiertes Rumschreiben ist falsch verstandene Kritik.

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  10. Diese Videos habe ich im Forum des VDVC bereits vor einem halben Jahr kritisiert, auch weil sie die wissenschaftlichen Publikationen der Autorin doch etwas unklar aufgegriffen und zu verurteilen versucht haben, doch was die Redaktion da dann probiert habe ich ehrlich gesagt noch nicht erlebt. Nicht da der Link entfernt, also zensiert, wurde, sondern sich so offenbar noch zusätzlich als verlängerter Arm einer akademischen Betreuung aufgespielt werden möchte – angeblich sogar „logischerweise“. Also als JournalistInnen: „Ob Sarkeesians wissenschaftliche Arbeiten dem universitären Anspruch standhalten oder nicht, haben weder Sie noch irgendwelche Hater-Videos auf YouTube zu entscheiden. Sarkeesians akademische Betreuer/innen waren offensichtlich anderer Meinung (und wir auch, logischerweise).“ ManN stelle sich vor mit manchen deutschen und österreichischen Politikern wäre so verfahren worden, denn ja, die Relativierung einer pornografischen Behandlung ihrer Person und den Versuch einer Diffamierung ihrer Arbeit in den Videos habe ich auch kritisiert. Doch ist das nur ein ganz kleiner Teil davon und sind diese Videos, welche etwa auch auf die kulturhistorische Debatte in den USA eingehen – um Ausdrucksfreiheit aus den Achtzigern -, ansonsten aufwändig gestaltet und vielfältig recherchiert worden. Insofern kann ich mir diese autoritäre Behandlung nur mit menschenverachtendem Sexismus erklären, weil die Videos halt offenbar von einem Mann konzipiert und hergestellt wurden. Zumal im zweiten Teil davon auch auf andere Feminismen hingewiesen wird, denn es gibt nicht nur einen (allgemein zu verstehenden) Feminismus, sondern derlei viele.
    So wie es auch nicht nur einen Sozialismus, Liberalismus oder Konservativismus gibt, die etwa irgendwelche Kaderschmieden vorgeben, sondern zumindest mehrere –

    Was hat „Panzer Corps“ falsch gemacht?
    Und was wird einem britischen Verlag wie Slitherine, der erst kürzlich eine neue Games-Kooperation mit dem US-Astronauten Buzz Aldrin bekanntgegeben hat, hier diesbezüglich eben eigentlich vorgeworfen?
    Welche Vorstellung von Geschichtsschreibung, geschweige denn deren fiktionaler Aufarbeitung, oder gar von Erinnerungskultur: worauf fußen die Vorwürfe des Politologen, auch anderer AutorInnen wie etwa einem Pöppinghege, wenn es um „Realität“ oder eine angeblich verkürzte, das heißt verfälschte Darstellung von Geschichte in Videospielen geht. Auf welchen Geschichtstheorien basieren diese Vorwürfe – was ist mit Historismus, den Ansprüchen von Universalität, indirekter Zensur, einer Erzählung von Geschichte. Welche Anmaßungen und Überheblichkeiten werden da schonmal vorgenommen: ja, „Panzer Corps“ macht aus dem Germanofaschismus glücklicher Weise keinen Hehl – es tut nicht so wie viele andere Spiele als wäre man dort einfach „deutsch“, was auch immer das eigentlich sein soll. Und wäre vielleicht halt unter irgendeinem „Kanzler“ wie in der zensierten deutschen Version des Actionspiels „Saboteur“ Panzerkommandant: nein. Es macht aus seinen politischen Implikationen keinen Hehl und obwohl es zwar keinen Rassismus um „Lebensräume“ thematisiert, verschweigt es auch nicht dass dort absolut verwerfliche Weltherrschaftspläne abgrundtief böser Menschen verfolgt werden. Doch anscheinend will gerade über diese Bosheit hier nichts gehört werden, wäre das womöglich noch viel zu eindimensional – aber was heißt diese „Kritik“ wiederum, relativiert diese „Kritik“ perfider Weise nicht weit eher den unbeschreiblichen Terror und den Zivilisationsbruch des Nationalsozialismus bis hin zur industriellen Vernichtung von Millionen? Die Frage welche ich mir hier und anderswo jedenfalls stelle, wenn es um diese aus meiner Sicht stets nichts weiter als ungeheuerlichen Infamien gegenüber unliebsamen Videospielinhalten geht, ist: weshalb scheinen die Nazis überhaupt unbedingt als „Gute“ in Videospielen interpretiert werden zu wollen, denn anders als etwa der Klassiker „Panzer General“ hört „Panzer Corps“ auch nicht auf nachdem man darin die Ostküste erreicht hat (kein antisemitischer Code sondern die geografische Realität) und kann etwa jenseits des Atlantiks von Europa aus gesehen auch den US-Mittelwesten und schließlich Kalifornien erobern.
    In anderen Klassikern wie „Civilization“ kann ich mich als „deutscher“ Herrscher theoretisch auch von „Friedrich“ in „Adolf“ umbenennen und die Welt erobern: wenn dann müsste die hier vorgetragene moralische Gewalt das gesamte Genre betreffen. In „Call to Power“ gab es auch eigene Spieleinheiten die Menschen versklavten, neben dem „Faschisten“, „Anwalt“ und einem Fernseher. Und ich interpretiere auch die kontemporäre westliche Seite in Videospielen wie „Modern Warfare“ keineswegs unbedingt als „Gute“ die etwa gegen fiktive „böse“ Russen antreten würden.
    Was dabei vor allem nicht gefragt wird: welche Fantasie bedient so ein Spiel wie „Panzer Corps“, ob Menschen zu versklaven oder Panzerzüge zu befehligen. Sklavenhalter zu sein ist glücklicher Weise kein Berufsbild (mehr) beim Militär, Panzerkommandant oder General dafür sehr wohl, und „Panzer Corps“ allein deshalb auch kein „Slavery – The Game“.

    Was ist bei „Panzer Corps“ demnach zu kritisieren: zu kritisieren ist zweifellos, dass es keine Alternative zu einer faschistischen Seite anbietet. Bei dem profunden deutschen Genre-Kenner Martin Deppe wurde in der Gamestar deshalb das Fehlen alliierter Kampagnen auch eindeutig als ein „Minus“ verbucht, mag sein dass Deppe dieses „Minus“ politisch-ideologisch dort noch zusätzlich hätte einordnen können – weshalb manche deutschen Genre-Fans sich dem Vernehmen nach schon gewundert haben weshalb das Spiel in Deutschland keine Jugendfreigabe bekam, so abstrakt es in seiner Gewaltdarstellung doch ist. Ja. Doch von welchem „Genre“ spreche ich hier eigentlich: nein, ich rede nicht über das „Genre“ Computerspiel, sondern explizit über Rundentaktik – mit eigenen Konventionen, Anforderungen, Erwartungshaltungen etc. Computerspiele sind wie Film oder Musik kein Genre, sondern bestehen wenn dann aus solchen: das wäre anders schonmal eine eklatante Reduktion dieser Ausdrucksform. Mag sein, dass aus der heutigen Sicht von Videospielen als Massenmedien gerade dieses Genre besonders obskurantistisch wirkt, zumal es jenseits von Facebook und Co. traditionell auch einigermaßen kompliziert ist, dennoch hat es eine lange Geschichte und Tradition im Computerspielbereich, mit Klassikern wie eben „Panzer General“.
    Doch warum bietet „Panzer Corps“ diese Alternativen nicht an? Ich weiß auch nicht ob ich es deswegen spielen möchte. Doch genau so wie bei U-Boot-Spielen wird dies weit eher an technischen und keinen politischen Faszinationen liegen, oder gar einer „Faszination“ für nationalsozialistische Gewalt(herrschaft). Sondern am dargestellten militärischen Gerät, der Ausgangslage eines Angriffskriegs und eben des klaren Spielziels einer Weltherrschaft – nun kann man fragen: „Panzer Corps“ war zumindest für seine mittlerweile Nische wohl auch kommerziell kein schlechter Erfolg und hat diverse zusätzliche Veröffentlichungen bereits hervorgebracht, jedoch wieder ohne alliierte Kampagnen. Ja, mich schließen sie als Zielgruppe so wohl weiterhin aus, und das mag verdächtig erscheinen, doch kann das neben einer Grundanlage im Design auch weit eher mit Bequemlichkeit zu tun haben, sowie an noch anderen (geplanten) Veröffentlichungen liegen. Weiterhin sehe ich nämlich keinen Hinweis auf ideologisch fragwürdige Motive – und habe keinen Grund diese zu vermuten oder könnte deren Annahme deshalb mit meinem Gewissen vereinbaren. Bleiben also nur ästhetische Bedenken übrig.
    Zweifellos wird es daneben auch jede Menge Rechtsextreme geben die so ein Spiel nicht als „Spiel“ sondern als Ausdruck ihrer politischen Gesinnung auffassen und mit ihren Überzeugungen missbrauchen. Diese Menschen und deren Gedankengänge werden mit anderen Medien aber auch nicht zu verhindern sein: ja so ein Spiel läuft Gefahr politisch instrumentalisiert zu werden, ebenso wie Spiele über Kreuzzüge religiös usw. Kolonien kolonialsitisch etc. Doch welche Themen könnten Videospiele möglicherweise sonst noch ansprechen? Bei einem diesbezüglich gegebenenfalls vorgenommenen Tauschhandel zwischen Freiheit und Sicherheit? Was geschieht hier eigentlich – wird hier dieses Spiel überhaupt als offen interpretierbares „Spiel“ wahrgenommen? Denn subversiv kann es doch auch nicht sein, wenn autoritäre Didaktik in Spielen – wie etwa über eine Rede von „Serious Games“ – mit Zeigefinger oder anderen Reduktionen und Relativierungen über einen ideologischen Realismus normativ eingebracht werden soll. Ich kann das ebenfalls nicht einmal als „kritisch“ akzeptieren, schon gar nicht als alleinige Form von „Kritik“, sondern nur selbst als induzierte politische Ideologie und aufgesetzte Moral kritisieren. Und ist so einem Spiel wie „Panzer Corps“ mit den Mitteln einer narrativen Rezension eigentlich gerecht beizukommen, oder passt da nicht viel eher weiterhin ein bloßer Produkttest wie ihn etwa ein Deppe vollzog? Wer schreibt die Geschichten von einem Spiel wie „Panzer Corps“ eigentlich: die Kreativen welche es ursprünglich mal hergestellt haben oder doch mehr seine eben noch vielen verschiedenen potentiellen SpielerInnen denen gegenüber so anders welche demokratische Geringschätzung entgegengebracht wird? Eine Unterschätzung die was impliziert? Das heißt am Ende: worum geht es in „Panzer Corps“ eigentlich, welche Geschichten kann es so schreiben – ich sage einmal, bloß als Beispiel – ums Benzin beschaffen. Und was kann es ideel, politisch, künstlerisch, humoristisch und ethisch-moralisch heißen wenn einem Panzerzug kurz vor dem Ziel in Malibu der Sprit ausgeht? Welche Situation wurde in einem Videospiel darüber erreicht, geschaffen, hergestellt?

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  11. Ich muss sagen das Gamer (jetzt mal nur über Gamer die im Internet zocken) als Subkultur von Medien wenig wahrgenommen werden.
    So gibt es Gamer in so gut wie jeder sozialen Gruppe. Und wahrscheinlich auch bei fast allen Spielen.

    Ich habe häufig gemerkt das Gaming Clans wie Ultragruppen beim Fußball funktionieren, sie stehen häufig für politische Positionen und setzten diese auf Servern um und in spielen. Und das kann bei jedem Spiel zu antirassistischen und antisexistischen servern führen oder eben nicht. Es hängt von den Admins ab, und die schaffen es manchmal in einer xfire diskussion ein Geschichtsrevisionistisches Bild offen zu legen, und auf solche Spieler zu reagieren. Aber einer beleuchtung solcher Spielgruppen wird bis jetzt wenig durchgeführt.

    Denn um mal ein paar positive Aspekte zu nennen die meisten größeren Clans mit einer Community schafen es mehrere Generationen zu einem gemeinsamen Fair Play zu bringen, habe schon Clans mit mehr als 3. Generationen gesehen. Außerdem können Gaming Communities vor allem ungeachtet von lokalen Grenzen spielen, so gibt es Clans wo spieler von der ganzen Welt teilnehmen. Und als letztes auch durch alle Schichten.

    Ob ein Spiel also Weltbilder beeinflusst liegt daran wie man es spielt wer nur den Single Player spielt zumeist allein und kein wirckliches intresse für die Geschichte darüber hinaus entwickelt, dem bleibt bei aoe2 z.B. Die Jungfrau von Orleans hängen.

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  12. Nazi-Generäle ? Auf deutschen Computern ?
    Gibt es nicht.
    Aus Furcht vor der Zensur durch die Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Medien sorgen alle Publisher dafür das Computer und Videospiele die in Deutschland erscheinen zu 100% Nazi-frei sind.

    Hakenkreuze im weißen Kreis der roten Flagge werden durch Eiserne Kreuze, Propagandaposter an den Wänden werden durch harmloses Material und die hohlen Durchhalteparolen Göbbels die aus dem Volksempfänger dröhnen werden durch harmlose Musik ersetzt. So war es zumindest bei dem von Steven Spielberg mit produzierten Medal of Honor.

    Und somit befördern deutsche Versionen von Computerspielen die vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges spielen ein Bild einer Wehrmacht die nichts, aber auch gar nichts mit den Verbrechen der Nazis zu tun hatte.
    Und das alles, um die armen, dummen Spieler vor den gefährlichen Folgen der Nazipropaganda zu bewahren. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.

    Ähnlich ist es mit Panzer Corps, in dem der Spieler ganz bestimmt nicht mit den Forderungen einer Nationalsozialistischen Führung konfrontiert wird Truppen von der Front abziehen um im Hinterland Massaker an der Zivilbevölkerung zu begehen.

    Wie wunderbar böse war da doch Relicts Dawn of War Dark Crusade & Soulstorm, an dessen Ende immer Videos von Genozid und religiösen Terror nach dem Endsieg erzählen, egal welche Seite der Spieler nun zum Sieg geführt hat.

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  13. Ich kann mich noch gut an Panzer General erinnern. Die erste Mission spielte im spanischen Bürgkrieg, danach ging es nach Polen etc. pp. Je nach Können des virtuellen Generals war auch da der Endsieg möglich. Natürlich war mir das immer ein wenig suspekt, aber das Spiel macht Riesenlaune. Mit genug geistiger Reife sollte man auch davon abstrahieren können. Schließlich war es nicht mein Ziel den II.WK noch nachträglich für die Wehrmacht zu gewinnen, sondern in dem durchaus anspruchsvollen Spiel eine gute Figur abzugeben.
    Ein Bekannter von mir, der zusehends in die rechte Szene abrutschte, spielte übrigens leidenschaftlich Wolfenstein 3D. Auf meine Frage, ob es ihm nicht seltsam vorkomme, seine „Kameraden“ abzuknallen, meinte er einfach nur: „In meiner Vorstellung sind das alles Verräter“.

    Man sollte Computerspiele nicht überbewerten. Ein Wolfenstein 3D-Fan wird nicht zum militanten Antifa, ein PanzerGeneral nicht zu einem Neonazi.

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