Filmabend für Kulturkrieger

Eine Chance aus der politischen Bedeutungslosigkeit zu kommen, ist Gewalt. Mit ihren Provokationen schaffen es die Splitterparteien „Die Freiheit“ und „Pro Deutschland“ auch außerhalb der antimuslimisch-rassistischen Internetsekte um PI wahrgenommen zu werden. Die Freude über den islamfeindlichen Film und die Gewalt durch islamische Fanatiker ist dort groß. Pro will nun die Gunst der Stunde nutzen und den Film öffentlich in Berlin vorführen.

Von Roland Sieber

Der knapp 14-minütige islamfeindliche Trailer „Innocence of Muslims“ (Die Unschuld der Muslime) zu einem Film, den es wahrscheinlich nicht gibt, wurde von islamischen Kulturkriegern als Vorwand benutzt, einen wütenden Mob in mehreren islamischen Ländern anzustacheln, der mehrere westliche Botschaften überfiel. Dabei gab es mehrere Tote und Verletzte. Während die gemäßigten Kräfte um die Toten trauern und zur Besinnung aufrufen, gießen die Fundamentalisten beiderseits weiter Öl ins Feuer für einen Kulturkrieg, den es so gar nicht gibt.

So kündigte Pro Deutschland an, den Trash-Film – den es dann wahrscheinlich immer noch nicht gibt – in einem noch nicht genannten Berliner Kino zeigen zu wollen und dazu den international bekannten US-amerikanischen Pastor Terry Jones einzuladen. Dieser hat aus seiner Zeit als Gründer und Führer der damaligen Sekte „Christliche Gemeinde Köln“ (CGK) Kontakte zu Pro NRW. Vor zwei Jahren sorgte der amerikanische Islamhasser mit seiner angekündigten Koranverbrennung für weltweites aufsehen – und Pro NRW mit „maximaler Provokationen bis an die Schmerzgrenze“ für die gewalttätigen Ausschreitungen von Salafisten im Mai.

„In der Bürgerbewegung pro Deutschland engagieren sich mutige Frauen und Männer für die Bewahrung des christlichen Abendlandes“, so heißt es in der Filmankündigung auf der Homepage der Kleinstpartei. In den Kommentaren auf PI-News und der Facebookseite von Pro NRW werden Rachegelüste und Rassismus offen artikuliert. Der Ruf nach Abschiebung aller Muslime findet sich genauso wie Gewaltphantasien.

Schwulenhass

Auffällig häufig findet sich der Jubel darüber, dass der Prophet Mohammed in dem YouTube-Clip als schwul dargestellt wird. Der Islamhass und die Schwulenfeindlichkeit gehen in der antimuslimisch-rassistischen Szene oftmals Hand in Hand. Die selbsternannten „Islamkritiker“ geben einerseits vor, homosexuelle Freiheiten und Frauenrechte vor dem Islam beschützen zu wollen, aber stehen andererseits radikalen Abtreibungsgegnern und homophoben Fundamentalisten wie z.B. der Pius-Bruderschaft nahe.

Brennende Moschee als politisches Ziel ©Screenshot von Facebook

Antisemitische Klischees

Allzu oft wird von den Islamhassern auch eine angebliche Solidarität mit Juden vorgeschoben. Wer jedoch einen antimuslimischen Hetzfilm bejubelt, der bewusst mit der Falschankündigung eines angeblichen jüdischen Filmemachers und israelischen Finanzierer verbreitet wurde, der bejubelt auch antisemitische Klischess und das absichtliche in Gefahr bringen von jüdischen Menschen – und erhöht die Terrorgefahr für Israel. US-amerikanische Ermittlungsbehörden gehen mittlerweile davon aus, dass hinter dem antiislamischen Machwerk ein in Süd-Kalifornien lebender koptischer Christ namens Nakoula Basseley Nakoula steht.

Koptisch-Orthodoxer Patriarch

Der Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Bischof Anba Damian, hat die kreuzritterverherrlichende „Initiative 1683“ als einer deren Sprecher nach außen vertreten. Diese wurde von Karl-Michael Merkle alias Michael Mannheimer initiiert und war das Bindeglied zwischen christlichen Glaubensgemeinschaften und dem kulturalistischen Spektrum. In einem Video für diese Islamhass-Initiative warnt der koptische Bischof, der wegen seinen Hetzpredigen in einigen evangelischen Kirchen Auftrittsverbot hat, vor einer angeblichen „Überfremdung“ und „Islamisierung“ Deutschlands.

Durch ihre blutige Verfolgungsgeschichte vor allem im sunnitisch-islamischen Ägypten war ein Teil der koptischen Gemeinschaft in Deutschland anfällig für Islamhass, was deutsche christliche Fundamentalisten ausnutzten um diese frühzeitig zu radikalisieren.

Video von der „Initiative 1683“ mit Bischof Anba Damian ©Screenshot von vimeo
Koptischer Bischof warnt vor „Islamisierung“ Deutschlands ©Screenshot von PI-News

 

 

 

 

 

 

 

 

Islamfeindlicher „Widerstand“

Von selbst radikalisieren sich die Mitglieder der nach Vorbild der englischen Schlägergruppe EDL gegründeten „German Defence League“ (GDL). Wie der deshalb vor Gericht stehende Michael Mannheimer ruft auch der Leiter der Kölner Division der „GDL“, Sebastian Nobile zum Widerstand gegen die Bundesrepublik Deutschland nach Art. 20 Grundgesetz auf und beschimpft die Bundesverfassungsrichter wegen dem ESM-Urteil als „Volksverräter“. Laut seines offenen Briefes gehören die Verfassungsrichter hinter Gittern.

Obwohl sich möglicherweise eher Nobile, Mannheimer und der erneut wegen mehreren Straftaten angeklagte „Pro“-Politiker Jörg Uckermann sich hinter Gittern wiederfinden, ist zu befürchten, dass die angekündigte provozierende Filmvorführung in Berlin gerne von islamistischen Kulturkriegern als Vorwand für weiterer Gewalt angenommen wird. Die Hardliner schaukeln sich gegenseitig hoch.

 

Bild- und Screenshotgalerie aus dem antimuslimisch-rassistischen Spektrum:

Siehe auch: Salafisten und Pro NRW erreichen ihr Ziel: Gewalt, “Das Problem ist Israel”, “Wir haben kaum noch Vertrauen”, Pro NRW bleibt stabil – auf Kosten der NPD?Razzia gegen “Freundeskreis Rade” und “Pro NRW”Zwischen Breivik-Schlagzeilen und BlindheitRechtsradikaler Blogger rief zu den Waffen

16 Kommentare zu „Filmabend für Kulturkrieger

  1. „US-amerikanische Ermittlungsbehörden gehen mittlerweile davon aus, dass hinter dem antiislamischen Machwerk ein in Süd-Kalifornien lebender koptischer Christ namens Nakoula Basseley Nakoula steht.“

    Wegen was wird denn gegen diesen Mann ermittelt? So ekelhaft sein Machwerk ist, ich sehe nicht inwiefern es irgendwelche Ermittlungsbehörden zu interessieren braucht. Die Veröffentlichung seines Klarnamens bringt diesen Menschen übrigens in akute Lebensgefahr. Ich verstehe nicht warum sich Publikative daran beteiligt. Bitte den Namen zensieren, er tut nichts zur Sache.

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  2. @MaterialismusAlter: Er hat sich laut US-amerikanischen Medienberichten freiwillig aus Angst vor Racheaktionen bei der Polizei gemeldet bzw. wurde von dieser einbestellt. Geprüft wird, ob er gegen Bewährungsauflagen verstoßen hat. Zudem gibt es offene Fragen inwieweit die Schauspieler in seinem Film über ihre Rolle und die Intention des Films getäuscht wurden. Auch wurde das Video unter Angaben falscher Tatsachen gezielt an Medien weitergegeben und weltweit verbreitet.

    Wer (mutmaßlich bewusst) einen Trailer zu einem angeblichen Film dreht um damit wütende muslimische Reaktionen weltweit zu provozieren und diese tatsächlich zu Angriffen auf Botschaften und Militärstützpunkte mit Verletzten und Toten führen, dessen Name ist meiner Meinung nach vom öffentlichen Interesse. Nachdem er namentlich in sämtlichen Medien weltweit genannt wurde und seit zwei Tagen auch einen deutschsprachigen Wikipedia-Artikel hat, dürfte es auf Publikative.org auch nicht mehr ankommen.

    Zumal es von öffentlichem Interesse ist, inwieweit er im Islamhassernetzwerk der USA eine Rolle spielt. Repräsentanten der koptischen Christen in den USA haben sich namentlich von Sadek und Nakoula distanziert: Diese seien hasserfüllte Außenseiter, mit denen ihre Gemeinden nichts zu tun haben wollen. Aus US-amerikanischen Medien ist zu Erfahren, dass der Film nach seinen Aussagen auf einem vom ihm veröffentlichten Buch basiert und er die Produktionsfirma des Films leitete und damit für die Logistik zuständig gewesen sei.

    Selbstverständlich ist dies alles kein Grund „Selbstjustiz“ an ihm zu üben. Aber wer einen Film dreht und veröffentlicht um weltweit beachtet zu werden, auf den voraussehbar einige Regierungen reagieren und dessen Inhalt in vielen Ländern Straftatbestände erfüllen (wird auch in Deutschland geprüft), der kann nicht davon ausgehen anonym zu bleiben.

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  3. @MaterialismusAlter

    „Wer (mutmaßlich bewusst) einen Trailer zu einem angeblichen Film dreht um damit wütende muslimische Reaktionen weltweit zu provozieren und diese tatsächlich zu Angriffen auf Botschaften und Militärstützpunkte mit Verletzten und Toten führen, dessen Name ist meiner Meinung nach vom öffentlichen Interesse.“

    Das Verbreiten von falschen Informationen ist ausserdem nicht automatisch von der Meinungsfreiheit gedeckt sondern erfüllt möglicherweise Straftatbestände.

    …wenn mit dem Ziel die Sicherheit der USA zu gefährden, gezielt Falschinformationen verbreitet werden, könnte das bei amerikanischen Sicherheitsbehörden auf „großes Interesse“ stoßen.(„Dann, Gute Nacht…“)

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  4. „Wer (mutmaßlich bewusst) einen Trailer zu einem angeblichen Film dreht um damit wütende muslimische Reaktionen weltweit zu provozieren und diese tatsächlich zu Angriffen auf Botschaften und Militärstützpunkte mit Verletzten und Toten führen, dessen Name ist meiner Meinung nach vom öffentlichen Interesse.“

    Ich empfinde den Film als dumm, überflüssig und vor allem ziemlich homophob, trotzdem ist das keine Rechtfertigung für die Ermordung/Gefährdung von Menschen (Angriffe auf Botschaften, Touristen usw.)!

    Die Reaktion von Salafisten und anderen „Fanatikern“ ist auch sicher nicht spontan, insofern werden solche Machwerke wahrscheinlich sogar begrüßt. Ich gehe davon aus, dass sich einige Muslime von dem Film beleidigt fühlen, jedoch agiert im Moment nur eine radikale Minderheit im Namen aller gläubigen Muslime.

    Es geht doch wie immer nur um „WIR“ gegen „DIE“ in dieser rassistischen und religiösen Debatte. Die Rassisten von „Pro-…“ nehmen dies natürlich gerne auf, wie man gerade sieht…

    In Tunesien bspw. agieren doch gerade dieselben Leute, die sonst gegen progressive Kräfte im Land die Sharia einfordern. Aber wahrscheinlich ist der Blick von vielen in diesem „Kulturkampf“ schon dermaßen vernebelt, dass sie die Opfer überhaupt nicht mehr wahrnehmen wollen und diese Frontenziehung mitbetreiben…

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  5. Diese unglaubliche Doppelmoral stinkt wieder mal zum Himmel.
    Der Film (respektive der Trailer) mag ein Machwerk sein, doch er ist inhaltlich nichts anderes, als ein dilettantisch umgeschriebener „Das Leben des Brian“. Ist der etwa christophob und weiß Gott(!) noch alles?
    Absolut belangloses Thema. Da bellen nur die Hunde, die sonst gerade nichts zu beißen bekommen!

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  6. Kann man entsprechende Strafanzeigen wegen Volksverhetzung aufgrund der hier gezeigten Facebook-Screenshots stellen, oder muss man die Screenshots selbst nochmal machen? Habe keine Lust, dafür erst Naziseiten „like“n zu müssen…

    Oder sind die Strafanzeigen schon gestellt?

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  7. @Der ohne Name: Die hier veröffentlichten Screenshots dokumentieren einen kleinen Teil der antimuslimischen Postings und Kommentare die jedem Facebooknutzer auch ohne “like”n zugänglich sind. Wenn die hier veröffentlichten Screenshots mutmaßliche Straftatbestände dokumentieren, müssten diese auch für Strafanzeigen verwendbar sein. Inwiefern es aber günstiger ist für Strafanzeigen eigene nicht (teil-) anonymisierte Screenshots zu ziehen, kann ich nicht beurteilen. Als Autor des Beitrages habe ich keine Strafanzeige gestellt.

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  8. Ein Großteil der auf Facebook geposteten Kommentare und Bilder dürften strafrechtlich nicht relevant sein.
    Allerdings kann sich das nach der Strafrechtsänderung die von der CSU vorgeschlagen wird ändern.

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