Fischer ausgestiegen? Zweifel an Drygalla-Aussage

Die Ruderin Nadja Drygalla hat nach eigenen Aussagen keine Kontakte in die Neonazi-Szene, zudem habe ihr Freund mit der rechtsextremen Ideologie gebrochen. Eine Aussage, die Fragen aufwirft, denn nach Informationen von Publikative.org scheint Fischer noch sehr wohl in rechtsextremen Kreisen aktiv zu sein, von einem Ausstieg hat hingegen niemand auch nur gehört.

Von Patrick Gensing

Nadja Drygala sucht nach tagelangem Schweigen die Flucht nach vorn: „Ich habe keine Verbindung in diese Szene gehabt und lehne das absolut ab“, sagte die 23-Jährige aus Rostock der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor hatte die „Welt am Sonntag“ berichtet, Drygalla selbst solle eng mit der Szene verbunden gewesen sein; die Zeitung präsentierte als vermeintlichen Beweis ein unscharfes Foto der „Nationalen Sozialisten Rostock“ von einer Neonazi-Aktion in Malchow.

Dieses Bild präsentierte die WamS als vermeintlichen Beweis. Die Domain NSRostock.de ist bis heute auf Michael Fischer zugelassen.
Dieses Bild präsentierte die WamS als vermeintlichen Beweis. Die Domain NSRostock.de ist bis heute auf Michael Fischer zugelassen.

Darauf ist unter anderem eine blonde Frau zu sehen, die in Größe und Statur Drygalla sein könnte – Szenekenner aus Rostock zeigten sich im Gespräch allerdings verwundert über den Zeitungsbericht, auf dem Bild sei auf keinen Fall eindeutig zu erkennen, wer diese Person sei.

Zukünftig wohl ohne Nadja Drygalla: Ruder-Achter der Frauen bei den Olympischen Spielen (Foto: Ben Rodford / flickr.com / CC BY-NC 2.0)
Zukünftig wohl ohne Nadja Drygalla: Ruder-Achter der Frauen bei den Olympischen Spielen (Foto: Ben Rodford / flickr.com / CC BY-NC 2.0)

Rückenwind für die Ruderin also. Im Gespräch mit der dpa behauptet Drygalla zudem, ihr Freund Michael Fischer, im Jahr 2011 Direktkandidat der NPD, sei seit Mai dieses Jahres kein Parteimitglied mehr. Er habe sich von der rechtsradikalen Szene losgesagt, sagt die Ruderin. Fischer habe „persönlich mit dieser ganzen Sache gebrochen und sich verabschiedet“, beteuert Drygalla.

Nichts von einem Ausstieg bekannt

Diese Darstellung erscheint allerdings zweifelhaft. Bei Beobachtern ist nichts bekannt über einen Ausstieg Fischers, der Abschied einer Szene-Größe wäre in Rostock sicherlich aufgefallen und Gesprächsthema gewesen. Zudem veröffentliche Fischer noch am 16. Juni 2012 auf einer NPD-nahen Internet-Seite einen Artikel. Auf dem Portal, das von dem NPD-Abgeordneten David Petereit verantwortet wird, wurde Fischer noch vor wenigen Tagen als „Rostocker Nationalist“ bezeichnet – von einem Bruch mit der Szene ist nichts zu lesen, obgleich Aussteiger zumeist höchst aggressiv attackiert werden. Fraglich auch, ob Fischer noch als Redaktionsmitglied geführt würde, hätte er sich aus der Szene verabschiedet.

Auch sonst deutet nichts auf einen Ausstieg hin: Der Landesverband der NPD bezeichnete Fischer jüngst als „nationalen Aktivisten“, auf der Seite der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ wurde er vor wenigen Tagen sogar als „Mitglied“ geführt. In Szene-Foren sehen die Kommentatoren Fischer offenbar als ihren Kameraden, von einem Ausstieg ist nirgendwo auch nur andeutungsweise die Rede.

Michael Fischer am 1. Mai auf einer Neonazi-Demo (Foto: Hans Schlechtenberg)
Michael Fischer am 1. Mai auf einer Neonazi-Demo (Foto: Hans Schlechtenberg)

Der Ausstieg wäre zudem abrupt gewesen: So war Fischer nach Angaben von Augenzeugen noch im Februar 2012 an einer Aktion von Neonazis gegen eine Gedenkveranstaltung für das NSU-Opfer Mehmet Turgut beteiligt. Fotos sollen das belegen. Zudem wurde er von Beobachtern im Mai noch bei Neonazi-Veranstaltungen gesehen – uns vorliegende Bilder belegen dies.

Identische IP-Adressen

Artikel von Michael Fischer auf dem Neonazi-Portal MUPinfo vom 16. Juni 2012 - also nach seinem "Ausstieg".
Artikel von Michael Fischer auf dem Neonazi-Portal MUPinfo vom 16. Juni 2012 – also nach seinem „Ausstieg“.

Damit nicht genug: Fischer ist bis heute Inhaber der Internet-Domain NSRostock.de, die lange Zeit als Homepage der Kameradschaft „Nationale Sozialisten Rostock“ genutzt wurde. Heute ist die Seite der Kameradschaft über eine Adresse mit der Endung „.org“ zu erreichen, was einen anonymen Betrieb der Hetzseite ermöglicht. Doch eine Recherche im Netz zeigt: Fischers Seite NSRostock.de, die aktuelle Seite der Rostocker Kameradschaft sowie eine NPD-Seite sind unter der gleichen IP-Adresse zu finden.

Fraglich auch, warum Drygalla erst nach mehreren Tagen behauptet, Fischer habe gar nichts mehr mit der Neonazi-Szene zu tun. Die Ruderin betont nun, sie habe ihrem Freund just vor den Olympischen Spielen noch einmal klar gemacht, dass „es so nicht weiter laufen“ könne. Im vergangenen Jahr war sie für ihn noch freiwillig aus dem Polizeidienst ausgetreten. Es habe damals Gespräche mit ihren Vorgesetzten gegeben, „in denen auch die Beziehung thematisiert und an meiner Loyalität gegenüber dem Polizeidienst gezweifelt wurde, sagte Drygalla.

Die NPD bestätigte mittlerweile, dass Fischer kein NPD-Mitglied mehr ist. Dass er aber mit der Neonazi-Szene und der rassistischen Ideologie gebrochen hat, dafür gibt es keine Belege; im Gegenteil, die Indizien lassen eher den Schluss zu, dass Fischer nicht ausgestiegen ist.

Siehe auch: Wer kennt Nadja Drygalla?

37 Kommentare zu „Fischer ausgestiegen? Zweifel an Drygalla-Aussage

  1. Ich nehme ihr das persönlich schon ab, dass sie sich davon distanziert. Die Frage ist dann, wie ihr Freund das sieht. Wer weiß, was da zu Haus abging. Vielleicht hat sie ihn angepisst wegen dieser ganzen Sache, er beschwichtigt um Ruhe rein zu bringen. So nach dem Motto „Ja ja, ich werde da schon raus gehen…“. So, jetzt geht sie, nachdem sie also zwei mal für ihn zurückgewichen ist, in die Offensive und behauptet nun einmal frech, dass ihr Freund natürlich auch der Szene den Rücken gekehrt hat. Vielleicht auch um einfach mal einen Momentum zu schaffen, mit dem er mal klarkommen muss. Vielleicht auch um einen eventuellen Trennungsgrund zu kreieren um dann, wenn er drinnen bleibt zu sagen „Junge, so nicht, Du schadest mir nur und liebst mich nicht“. Im Endeffekt muss sie ja wissen, dass es so schwierig wird, ihren Sport auf den Niveau weiterführen zu können. Von der beruflichen Perspektive mal ganz zu schweigen. Nachdem sie nun zu ihren Partner gestanden hat und verzichtete kann sie nun entsprechendes von ihm einfordern. Wenn der aber nun noch so aktiv ist, wie es scheint, dann ist es ja wohl mit seiner Liebe zu ihr auch nicht sehr groß bestellt. Denn entweder sagt sie nicht die Wahrheit oder er. Ich würde nun erstmal denken, dass er sie da ein wenig im Regen stehen läßt.

    Sicherlich rein spekulativ. Aber nachdem da so viele Austritte aus der Szene verzeichnet worden sind, hätte man diese sicherlich auch mitbekommen.
    Man kennt ja auch Beziehungen, wo der eine Part alkohlsüchtig ist oder in seltsame Umfelder landet und der andere Part kramfhaft dagegen ankämpft, dass sich das ändert. Das könnte auch hier der Fall sein.

    So steht sie erstmal betröppelt da und muss da für was herhalten, für das eigentlich nur ihr Freund erstmal was kann. Die Nazis freuen sich, können sich wieder mal als Opfer stilisieren und gegen ihren Lieblingsfeind wettern. Sie verliert ihre beruflichen und sportlichen Standbeine und muss sich mit einer scheiss Geisteshaltung des Freundes plus kriminellen Umfeld herumschlagen. Das möchte man doch eigentlich nicht haben. Das kann nicht glücklich machen.

    Alles in allem hoffe ich mal, dass sie für sich die richtigen Lehren zieht und dann wieder ihren Sport ausüben kann, so wie sie es möchte. Vorallem, dass sie dann auch wieder Ruhe findet.

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

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  2. Nun -wir wollen die junge Frau doch nicht für ein ‚Dummerchen‘ halten!

    Sie weiß, was sie will und sie weiß, wen sie will.

    Es ist augenscheinlich nicht so, das sie diese Diskussion zum ersten Mal führt. Die Konsequenz im letzten Jahr hatte sie auch gezogen – gegen die Demokratie für ihren Liebsten – und es geht hier nicht um Sippenhaft, sondern um eine politische Einstellung, die von deutschen Staatsbürgern nach außen hin vertreten werden soll.

    Da muss ich sagen, dass ich nicht von einer Nazifrau bei den olympischen Spielen und auch nicht im Staatsdienst vertreten oder gar in der Bundeswehr verteidigt werden möchte.

    Ich möchte gerne, dass Nazis kein öffentliches Amt bekleiden und da wir Deutsche damit anscheinend doch noch Schwierigkeiten haben, Nazis zu benennen, find ich diese Debatten sehr wichtig

    Wir sollten nicht nur Frau Drygalla ernst nehmen, sondern die Freiheit und den demokratischen Konsens auch – nie wieder Faschismus!

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  3. Persönlich glaube ich nicht an einen Ausstieg, aber das alleine hätte ich kaum kommentiert. Was mich unglaublich traurig macht sind die Kommentare zu dem Thema. Die Dame verkehrt mit einem Menschen, der zumindest bis vor ein paar Wochen noch einem Großteil der Menschheit mit Hass und Gewalt begegnet ist, und viele Kommentatoren tuen so als ginge es um Romeo und Julia. Sie ist mit diesem Kerl, der mit dafür verantwortlich ist, dass viele Menschen Rostock als gefährlich sehen müssen, in die Weltstadt London gefahren, vermutlich auf Kosten der Allgemeinheit, während viele Nachwuchssportler ohne diesen braunen Dreck am Schuh keine Chance bekommen. Ich persönlich bin einfach sauer und wünsche der Frau ein schnelles und endgültiges Ende der Karriere. Irgendwo stand der Kommentar „Liebe ist mehr als Sex“ und so sehe ich das auch: Sie lebt seit Jahren mit einem Menschen, der Hass und Gewalt lebt und nun, wo es der Karriere schadet, hat sie von allem nichts gewusst oder er ist ausgestiegen? Mir wird schlecht

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  4. Denen geht doch einfach der Arsch auf Grundeis, weil seit einem dreiviertel Jahr nicht mehr die Kameraden vom „Verfassungsschutz“, sondern Polizei und Staatsanwaltschaft die rechte Szene aufmischen und das um Längen erfolgreicher. Auf einmal sind sie alle Aussteiger, Ehemalige und wie von wundersamer Hand Erleuchtete.
    Sorry, eine Liebesbeziehung mit einem NPD-Funktionär und Rechts-Aktivisten zu führen und dann zu behaupten, man habe mit dieser Gesinnung nichts zu tun, ist ungefähr genauso glaubwürdig, wie ein Sportler, der nach mehrfach positiver Doping-Probe behauptet, er hätte nicht gewusst, was ihm sein Trainer da gespritzt hat…

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  5. Das alles ist Rufmord pur. Wäre Frau D. (angeblich) der linken Szene zugehörig, wäre das alles kein Thema.
    Natürlich suhlen Sie sich auch in dieser üblen Geschichte.

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  6. Es ist vollkommen Wurst, ob die Frau einen Nazi liebt oder nicht. Sie hat selbst keine nazihaften Äußerungen gemacht, keine rechtsradikalen Aktionen unterstützt – sondern sie liebt jemanden, der leider in der rechten Szene unterwegs ist oder zumindest war.

    Ja und? Sie deckt keine Straftaten, begeht keine Straftaten, und wen sie liebt, geht weder das olympische Komittee noch die Polizei etwas an.

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  7. Trash-Talk über anderer Leute Privatleben ist das hier. Sucht euch mal Arbeit und sexuelle Auslastung plz.

    @ o.b.

    Bist Du zufällig der Psychologe bei Britt?

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  8. Die Seite http://nsrostock.de/ zeigt mittlerweile lediglich den Text: „Wichtiger Hinweis! http://www.nsrostock.de ist mit dem Wechsel des Domaininhabers nicht mehr im
    Besitz der ‚Nationalen Sozialisten Rostock‘ und gilt nicht mehr als
    dessen offizielle Weltnetzseite. Alle Inhalte von http://www.nsrostock.de
    wurden auf Veranlassung des neuen Inhabers gelöscht.“

    Die Seite ist auch auf einem anderen Server bzw. unter einer anderen IP abgelegt als die Seite der „Nationalen Sozialisten Rostock“. Vielleicht hat es Drygalla ja wirklich geschafft, ihren Lebensgefährten davon abzuhalten, weiterhin im rechten Sumpf zu agitieren und ihr zu schaden?

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  9. Jetzt mal abgesehen von der Unglaubwürdigkeit der Aussage Drygallas, der Facebook-Gruppe, die sich zu ihrer Unterstützung gegründet hat, und den ganzen Kommentaren in der Presse (und hier), die keine Sippenhaftung fordern (und dabei kein Wort dazu verlieren, dass ihr Freund einer ist, der Gedenkveranstaltungen für Ermordete der NSU sprengt),

    allein dieser angewandte Sexismus, der diese Frau als kleines fehlgeleitetes Dummerchen und Opfer darstellt, das doch gar nicht die Möglichkeit hatte aus dieser Beziehung auszubrechen, und die Art und Weise wie Drygalla dem jetzt zuspielt, ist Grund genug, dass einem das Frühstück wieder hoch kommt.

    Aber klar, die Arme. Sie hat gar keinen eigenen Willen und ist dabei so klein, blond und zierlich. Da wundert es nicht, dass der Bild-Leser sie in den Arm nehmen und „beschützen“ will. Frauen sind halt so…

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  10. Den beiden geht doch nur der Hintern auf Grundeis! Panik pur, denn auf einmal besteht doch glatt die Gefahr, dass alle Fördergelder versickern und man sich eine echte Arbeit suchen muss. Dann reicht es eben nicht mehr, bei schönstem Wetter auf den Flüssen zu schippern (nennt sich wohl Training, wenn auch extrem erfolglos, wie in London gesehen).

    „Aussteiger“ Fischer? Also Humor haben die beiden auf jeden Fall!

    Keinen Zentimeter den Geistesgrößen, die Massenmörder anhimmeln!

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  11. Über Jahre mit einem Aktivisten der Sozialen Nationalisten zusammen und nichts mit seinen Ideologien und seinem Handeln am Hut? Bitte, das nimmt der Frau Drygalla doch niemand ab. Jede/r, der/die in einer langjährigen Beziehung lebt, weiß, dass es nicht funktioniert, ohne im Leben des Partners/der Partnerin einen gewichtigen Part zu übernehmen. Jetzt zu sagen, man hatte nie etwas mit dem Freundeskreis des Partners zu tun gehabt, ist schlicht und einfach gelogen. Wie soll das denn bitte auch funktionieren? Selbst wenn man die Freunde und Freundinnen des Partners/der Partnerin nicht abkann, so kommt man doch immer und immer wieder mit ihnen in Kontakt.

    Und auch ein Michael Fischer, der einer der führenden Köpfe der Rostocker Rechten ist, wird seine menschenverachtenden Vorstellungen vom Leben und der Welt nicht vor der Tür ablegen, wenn er mit seiner Partnerin zusammen war. Das kann mir niemand erzählen.

    Ich will Frau Drygalla keinen aktiven Part im Rostocker Nationalsozialismus unterstellen, aber sie hat ihn zumindest in ihrer Beziehung zu Michael Fischer toleriert. Und allein dieser Aspekt reicht aus, um Frau Drygalla kritisch zu beäugen. Diese ganzen Äußerungen von ihr wirken verlogen, genauso wie die Versuche der Institutionen (Ruderverbände, Innenministerium, DOSB etc.).

    Die ganze Geschichte stinkt zum Himmel und eine Frau, die mit einem bekennenden Nationalsozialisten zusammen ist, darf nicht als offizielle Vertretung Deutschlands bei den Spielen oder sonst wo antreten. Punkt, aus!

    Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus! Für ein freies und buntes Deutschland!

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  12. @kohlhaas
    Nö, nur versuche ich das Ganze mal rein menschlich zu interpretieren, wärend viele ja schon ein Urteil über sie gebrochen haben ohne wirklich zu wissen, was da wirklich abgeht. Vorallem ist es einfach, von aussen bzw. ohne emotionale Bindung über eine Situation zu urteilen, gerade wenn es um Beziehungskisten geht. Wenn man dann aber selber mittendrin statt nur dabei ist, ist die Wahrnehmung eine komplett andere. Sollte man vielleicht auch mal beachten. Das sollte eigentlich jeder wissen, der mal verliebt war – vorallem vielleicht unglücklich.

    Was ich an dieser Diskussion momentan so bescheuert finde ist, dass in letzter Zeit relativ viele Ausstiege zu verzeichnen waren. Es gab Kommentare, dass selbst diese Leute eine Chance verdient hätten und man ihnen die Türe nicht zu schlagen sollte. Eher im Gegenteil, man sollte diesen Leuten Alternativen zu ihrem Umfeld schaffen, damit ein Wechsel leichter wäre. Hier aber werden wieder die Extreme bedient. Sie ist mit einem Nazi zusammen, sie solle sich zum Teufel scheren, so das Urteil. Das ist zu kurz gedacht. Mir kommt es so vor, dass sie wirklich damit nichts zu tun haben möchte. Warum unterstützt man sie darin nicht? Warum schafft man nicht Alternativen, damit für sie es letztendlich einfacher wird, einen klaren Schnitt machen zu können, wenn wirklich Bedarf da ist. Es muss doch klar sein, dass das Umfeld von ihrem Freund nie das bieten kann, was ein normales gesellschaftliches Umfeld leisten kann. Vom Erfolg im Sport ganz zu schweigen. Sowas muss kommuniziert werden. Anstatt negativistisch zu richten, sollte man zeigen, dass sie da nie glücklich werden kann. Ähnliches hat ja Molau auch geschrieben, dass bei Demos viele schon das Gefühl hatten auf der falschen Seite zu sein aber durch das Verhalten diverser Gegendemonstranten dann doch wieder zusammengeschweisst worden sind, weil sie das Gefühl hatten, ihnen geschiehe Unrecht. Wenn sie sich dennoch für ihren Freund entscheiden würde, dann isses ihr Ding und muss dann damit leben (müssen). Ebenso muss man aber dennoch seine Rolle in dieser Beziehung sehen. Wer weiß, wie er sich ihr gegenüber verhält. Nur weil sie Leistungssport betreibt ist sie ja immer noch Mensch mit entsprechenden Fehlern.

    Wir wissen, dass sie nie das Glück empfinden wird, wenn so ein Umfeld besteht, wie das ihres Freundes. So negativistisch, hasserfüllt, kriminell, destruktiv…das kann nicht funktionieren, darin kann man nicht glücklich werden. Wir wissen das. Sie weiss es, laut dem Interview, wohl auch. Die Frage ist dann auch, weiss ihr Freund das. Das bezweifel ich ein wenig. Vielleicht will er das auch gar nicht wissen bzw. wahrhaben.

    Wenn man nun aber alle Türen zuschlägt, indem man sie schon vorverurteilt und gesellschaftlich isoliert, dann freuen sich darüber nur die Braunies. Das wäre ihr Sieg. Ein sehr leichter, nebenbei gesagt.

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

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  13. an die Claudias und Davids hier:
    Ihr solltet mal über längere Zeit in einer Beziehung leben, um zu verstehen, was da möglich und auch unmöglich ist, vom Partner ’nicht mit zu kriegen‘ und ’nicht gemeinsam zu leben‘

    aber zum zurück zum Thema:
    Interessant ist ein Artikel der ‚Norddeutsche Neueste Nachrichten‘ (NNN.de) vom 5.8.2012 mit dem Titel: „Rostockerin lehnt rechte Gedanken ab“.

    Im vorletzten Absatz steht:

    „Unterdessen gibt es aber Vorwürfe aus Sportlerkreisen gegen die Rostockerin. So soll Carina Bär aus dem deutschen Doppel-Vierer, die also in London noch nicht mit Achter-Ruderin Drygalla in einem Boot saß, gesagt haben: „Wir haben intern öfter darüber diskutiert, dass wir solche Haltungen nicht tolerieren. Bei ihr war es ein offenes Geheimnis“, so Bär. Sie unterstrich ausdrücklich, dass damit die politische Gesinnung Drygallas gemeint sei.“

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  14. Eines zeigen mir die Kommentare hier eindeutig. AntifaschistInnen müssen nicht unbedingt DemokratInnen sein und erst recht keine HumanistInnen. Es ist bedauernswert, wie hier mit der Universalität der Menschenrechte gebrochen wird, wenn es um eine vermeintliche „Nazi-Braut“ geht.

    Jeder, der sich auf die Seite des Menschen Drygalla stellt, wird zum potentiellen Nazi-Sympathisanten oder Faschisten erklärt. Sie kann sich nun drehen und wenden wie sie möchte, jede Aussage wird ihr zum Nachteil ausgelegt. Einschließlich jener Personen, die den Menschen Drygalla in Schutz nehmen. Lächerlich!

    Jede/er AntifaschistIn entpuppt sich nun als MenschenkennerIn und weiß, was in den letzten vier bis fünf Jahren im Kopf von Fr. Drygalla vorgegangen ist, um ihr das Zeugnis einer unheilbaren „Nazi-Braut“ auszustellen. Rehabilitation? Vielleicht im nächsten Leben! Das einzige, was hier einige Mitmenschen ihr gegenwärtig zugestehen ist, um es „nett“ zu sagen, ein Leben ohne Würde…oder schroff, am besten der nächste Baum…

    Kommt es mir nur so vor oder ist es so, dass im Kampf gegen Nazis hier tatsächlich die Menschen- sowie Grundrechte schonungslos über Bord geschmissen werden, um sie zugleich wieder zu verteidigen? Wie schizophren ist das? Schreiben hier einige „Hardliner“, die sich „links“ nennen und zur gleichen Unmenschlichkeit tendieren, wie es Nazis tun? Ist das Antifaschismus?

    Bislang dachte ich immer, dass Grundrechte unteilbar sind und keinem Menschen vorenthalten werden können. Diesen verfassungsgemäßen Grundsatz stellen hier einige Kommentatoren ernsthaft in Frage…liebe Leute, der Kampf gegen Nazis sollte definitiv überzeugender aussehen und erst recht nicht, wie im Fall Drygalla, mit Geschichten und Mutmaßungen, sondern mit eindeutigen Fakten geführt werden.

    Brecht!

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  15. Alter Mann, da du dich an „die Claudias hier“ wendest, außer mir aber keine Claudia diesen Artikel kommentiert hat, hier meine ebenso kurze wie grobe Antwort:
    Alter Mann, du bist ein erbärmlicher Chauvi und würdest dich weiter rechts ganz gut machen.

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  16. Sicher war die „Enthüllung“ hart für Frau Drygalla, aber andererseits hat sie auch nichts z.B. gegen Fischers FB-Kommentare während der Olympiade getan. Schon wenn sie solche Kommentare toleriert hat, braucht sie sich am Ende nicht zu wundern.
    Gerade der Fakt, dass sie sich immer wieder für ihren Freund und gegen die Karriere (Polizei, Leistungssport) entscheidet, macht mich sehr skeptisch, was eine Abkehr von NS-Ideologie angeht.
    Frau Drygalla hat jetzt die Möglichkeit, sich gesellschaftlich zu rehabilitieren, indem sie sich z.B. für Opfer von Nazigewalt engagiert. Wenn von ihr jetzt kein ernstes Zeichen gegen Nazismus kommt, finde ich die Olympia-Abreise angebracht.

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  17. @David

    es geht hier darum das ihr man ein Nazi Funktionär „ist“!

    @Claudia Sperlich
    So schön das mit der Liebe auch alles ist. Fischer „ist“ nicht „leider“ in der rechten Szene, Fischer ist hier kein Opfer sondern er hat sich das mehr oder minder frei ausgesucht genau wie Drygalla sich Fischer ausgesucht hat.
    Wer eine Beziehung mit einem Nazi beginnt muss dessen Anschauung wenigstens tolerieren, und das verstößt schon gegen genug Grundsätze.

    @ego
    Ist im Prinzip echt ein Interessanter Mechanismus, alle die von Sippenhaft sprechen unterstellen ihr ja das sie ihren Partner eben nicht frei wählen kann.

    @o.b.
    Das ist ja alles schön und gut was du hier zusammenträgst, auch wenn das alles reinste Spekulation ist. Aber es geht hier nicht darum Drygallas Phsyche zu ermitteln, sondern ein einfaches klares zeichen zu setzten: Nazis werden nicht toleriert in Deutschland und vor allem nicht in öffentlichen Positionen.
    Und klar Aussteiger sollten positiv begrüßt werden, aber es ist doch wirklich die Pflicht eines jeden Aussteiger sich klar und glaubhaft zu distanzieren.
    Fischer hat das nicht getan und Drygalla hat eher ausgewichen, mal sehen was noch kommt.

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  18. ich finde in den momentan (absolut notwendigen) diskussionen zeigt sich ein absoluter mangel in der innerlinken auseinandersetzung mit dem thema. meines erachtens zeigt sich dabei ein aus meiner sicht blinder fleck in der auseinandersetzung mit nazi-austeigerInnen, aber auch mit in anderer form übergriffigen personen. es zeigt sich, dass auch in der linken eine strafmoral herrscht, die es mitunter mit stammtischniveau auf sich nehmen kann.

    die frage des umgangs mit austeigerInnen halte ich für eine sehr entscheidende. und ich bin weit davon entfernt zu sagen, dass ich hier mir selbst über einen weg mit diesen leuten im klaren bin. aber eigentlich muss meiner ansicht nach ein klares signal gesetzt werden, dass sich der ausstieg lohnt. das nach kameradschaft etwas anderes kommen kann. mir kommt bei leuten wie molau oder reitz auch die kotze hoch – aber es müssen sich wege finden, einen vernünftigen und nicht ausgrenzenden umgang mit diesen leuten zu finden. mich würde hier echt entsprechende erfahrungen interessieren, auch und gerade von austeigerInnen.

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  19. Die Berichterstattung und Diskussion halte ich für richtig, wenn ich auch der Meinung bin, dass das Problem hier eine notwendige Folge des übermässig gefeierten Nationalsports sind: Natürlich dürfen nationale Sportler_innen auch nationale Gesinnungen haben! Wer davon überrascht ist, verkennt die Bedeutung symbolischer Kämpfe zwischen Nationen im Sport.

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  20. Claudia, natürlich tut es Dir gut, wenn das Private nicht Politisch ist 😉

    aber mir ist nun mal so, dass bei Personen, die in exponierter Stellung sind (und da gehören m.M.n. auch Olympioniken dazu) eben jenes auch mit ausschlaggebend ist/sein sollte.

    …und in deiner Natürlichkeit willst du das nicht lesen – das sei dir unbenommen!

    ich hatte mich bei den olympischen Spielen ’68 sehr über die Black Panthers Siege gefreut, nur damit du mal siehst, welchen Unterschied ich meine (damit spreche ich die unsäglichen ‚links-rechts‘ Vergleiche an)

    Faschismus ist und bleibt ein Verbrechen – wer dies unterstützt (egal in welcher Form) hat m.M.n. in oben genannten Spielen nix verloren

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  21. Ach, alter Mann…
    Armer alter Mann…
    Wer nicht Deiner Meinung ist und außerdem auch noch weiblich, muß wohl ein süßes Dummchen sein, gelle?
    Das ist in der Tat ganz unpolitisch von Dir. Es ist nur einfach [passender Ausdruck wegen Selbstzensur gestrichen].

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  22. @Claudia: wisch dir mal den Schaum vom Mund und lies dann meine Posts nochmal!

    zum Thema:
    das Innenministerium aus MV schrieb in einer Pressemeldung am 3.8.2012 (Nr.: 114) unter ‚Inneres und Sport‘, dass ‚…auch Personen zum Bekanntenkreis von Nadja Drygalla gehören, die der offen agierenden rechstextremistischen Szene zugehörig sind…‘

    mitnichten geht es hier um eine reine Liebesbeziehung – es geht hier darum, wie sich die BRD in der Welt darstellt / darstellen lässt.

    Faschismus ist und bleibt ein Verbrechen – wer dies unterstützt (egal in welcher Form) hat m.M.n. in oben genannten Spielen nix verloren.

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  23. @mjb4

    Klares Zeichen setzen, schon klar…schon mal drüber nachgedacht, dass mit der Art und Weise, wie teilweise gegen die Frau vorgegangen wird, dieses Zeichen von der Wirkung her vielleicht suboptimal ist? Die wird mit diesem aggressiven, mittelalterlichen Verhalten einiger, die sie an den Pranger gestellt haben, doch mehr in die Naziecke gedrängt als ihr lieb sein kann. Sie hat sich distanzier, mehr geht doch wohl nicht. Sie ist freiwillig abgereist um erstmal Ruhe zu finden um das sicherlich danach in Ruhe klären zu können. Was ist daran verkehrt? Wo ist der Fehler?
    Wenn ER wirklich der Szene den Rücken kehren möchte, inklusive Attitüde, wird er wohl Zeit brauchen um reflektieren zu können, was da schief lief. Der muss gerade, wenn er es wiklich ernst meint, seinen ganzen Wertehaushalt neukonfigurieren. Das geht nicht von heute auf morgen. Bei all der kritischen Haltung, die man sicherlich haben muss ihm gegenüber, man sollte doch ein gewisses Maß an Menschlichkeit bewahren. Die Art und Weise, wie die Dame aber an den Pranger gestellt worden ist, war aber ne Nummer zu übel. Man hätte meinen können, Adolf Hitler himself war da im Ruderachter aktiv. Diese Dämonisierung nützt aber niemanden, eher den Nazis. Die freuen sich über diese kostenlose mystifizierende Werbung und können sich nebenbei als Opfer stilisieren und dann noch nebenbei ihren Wankelmütigen sagen „Schaut her, wir hatten immer Recht. Sie wollen euch nicht, bleibt bei uns.“

    Im „Kampf gegen Nazis“ sollte es doch primär darum gehen, den Leuten klarzumachen, warum Nazis scheisse sind und warum es nicht gut für einen ist, Nazi zu werden Vorallem auch den Nazis gegenüber. Zu zeigen „Hey Jungs, ihr müsst nicht so scheisse drauf sein. Es gibt auf der Welt wesentlich angenehmere Lebensmodelle als eures. Vorallem baut eures auf Unwahrheiten und Negativismus auf – wie uncool“ Ich kann auch nachvollziehen, wenn man bei symbolhaften Nazi-Demos dagegenhält und durch Gegenveranstaltungen usw.. Alles gut und richtig, solange es in einem unmilitanten Rahmen bleibt.

    Aber doch bitte nicht mediale mittelalterliche Hexenverbrennungen zu veranstalten, wenn da mal jemand nicht mal auf die schiefe Bahn gekommen scheint, sondern „nur“ der Freund. Vorallem bei einer eher lauen Infolage. Und Du kannst sagen was Du möchtest, es geht dabei doch um die Psyche. Nicht nur der des Mädels, sondern auch um all jene die das Ganze mitbekommen. Die Wirkung des Ganzen. Und ehrlich gesagt, die war echt suboptimal. Da wurde mit Wasserstoffbomben auf Amöben geschossen. Das war nicht sinnvoll. Da wurde mehr Schaden angerichtet als es genützt hat. Das war Bildniveau. Und das brauch man echt nicht. Sowas ist dann als Zeichen unbrauchbar.

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

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