Ein Flaggschiff geht unter

Nach Vorbild der NRW-Tour von „Pro“ tourt die NPD mit einem Lkw durch Deutschland. Ein Konzept das nicht aufgeht. Während Pro NRW durch die salafistischen Ausschreitungen im Mai eine Plattform bekam, um ihre rassistische Ideologie auszubreiten, gehen die Parolen der NPD im Gegenprotest unter.

Von Roland Sieber

Der Lkw, den der Parteivorsitzende Holger Apfel in kämpferischer Seemannssprache in Riesa mit Sekt zum „Flaggschiff“ der NPD  taufte, ist seit einer Woche in Norddeutschland unterwegs. Die nationalistischen Reden gegen Euro und EU verhallen seither entweder auf leeren Plätzen oder gehen im Gegenprotest unter. Weder die übliche rassistische Hetze gegen Einwanderung noch die Forderung „Raus aus dem Euro“ zogen bisher ein interessiertes Publikum an. Die Teilnehmerzahlen schwanken zwischen peinlichen vier bis 20 Personen.

Los ging es vergangenen Donnerstag in Wolfsburg und Hannover durch Städte Norddeutschlands. Gestern traf es um 11 Uhr den Platz vor der Hamburger Kunsthalle und um 15 Uhr Bergedorf. Öffentlich mobilisiert wurde durch die NPD nicht. So fanden sich die genauen Termine auch nur auf Mobilisierungsseiten für die Gegenproteste. Das Hamburger Bündnis gegen Rechts rief dazu auf, mit Transparenten, Trillerpfeifen, Vuvuzelas und Megaphonen die angemeldeten NPD-Infostände zu übertönen. 300 Gegendemonstranten übertönten dann auch die Anti-Euro-Reden zwischen Hauptbahnhof und Kunsthalle.

Erst der Hamburger Thomas „Steiner“ Wulff wechselte das Thema vom Euro zu bekannten NPD-Parolen gegen vermeintliche Ausländer und lobte die Politik der Hitlerregierung. Dabei kam zum ersten Mal gute Stimmung unter den etwa 18 Neonazis auf, von denen die meisten von außerhalb Hamburgs angereist waren. Polizeiketten und Wasserwerfer schirmten die NPD-Demo ab, so dass diese für Passanten auf dem Weg vom Hauptbahnhof in die Innenstadt kaum wahrnehmbar war. Mehr Aufmerksamkeit dahingegen zog die spontane Gegenkundgebung des breiten „Hamburger Bündnisses gegen Rechts“ (HBgR) auf sich, auf der Antifaschisten, Gewerkschaftler, Parteienvertretern, Kunst- & Kulturschaffende sowie Vertreter des AStAs der Uni Hamburg in sicht- und hörweite des NPD-Häufleins sprachen.

Der Platz der zweiten Kundgebung im Hamburger Stadtteil Bergedorf wurde frühzeitig von der Polizei abgeriegelt. Durch den Lärm der ca. 70 Gegendemonstranten dürfte es selbst den wenigen Neonazis schwer gefallen sein, die Redebeiträge der NPD-Funktionäre Jörg Hähnel und Frank Franz zu verstehen.

Zuvor war die NPD in Delmenhorst unterwegs, dort hatte ein Neonazi Gegendemonstranten mit einem Feuerlöscher attackiert (siehe Bild).

Angriff eines Neonazis auf Gegendemonstranten in Delmenhorst.
Angriff eines Neonazis auf Gegendemonstranten in Delmenhorst.

Über Dortmund und Bochum will die NPD ihre Tour Richtung Süden fortsetzen und am 11. August beim DS-Pressefest in Pommern abschließen. Dass die NPD dabei außerhalb ihrer Hochburgen mehr positive Öffentlichkeit als bisher bekommt, scheint sehr unwahrscheinlich. Als Holger Apfel dem Flaggschiff bei der „Schiffstaufe“ „stets genügend Halt auf dem Asphalt!“ wünschte, bewies er einmal mehr die Seeuntauglichkeit seiner Partei.

Siehe auch: Nachgemachter PR-Coup, Völkische Enklave im Nordosten, NPD gibt “Bürohaus Europa” auf, NPD demonstriert sich in die Bedeutungslosigkeit

12 Kommentare zu „Ein Flaggschiff geht unter

  1. Die NPD dürfte mit ihrem Fahrzeug weniger auf irgendwelche Kundgebungen sondern mehr auf das Erscheinen im Straßenverkehr setzen und da ist es wohl nicht zu übersehen. Auch die örtlichen Presseorgane sorgen für „Gratiswerbung“.

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  2. Für die Ideologie dieses braunen Kasperle-Theaters wäre ein fahrbares Dixi-Klo als Flaggschiff passender. Totalversager auf allen Ebenen. Und DS-Aktuell belügt noch die wenigen eigenen Anhänger und Leser, klar dass diese staatlich subventionierte „Partei“ in der rechten Szene nicht mehr ernstgenommen wird.

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  3. „Für die Ideologie dieses braunen Kasperle-Theaters wäre ein fahrbares Dixi-Klo als Flaggschiff passender.“

    Jaaaa, darauf ein großes Bild mit Toiletten-Voigt 🙂
    „NPD – für politische Notdurft!“

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  4. Warum fahren die denn einen ausländischen LKW? Sichert man so deutsche Arbeitsplätze? Oder braucht man den, wenn man Propagandamaterial in Polen drucken lässt?

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  5. Bei den Protesten in Saarlouis (Saarland) hat der Fahrer des blauen VW-Busses (selbes Kennzeichen) versucht uns umzufahren und mehrere Kolleg_innen wurden auch mit einem Feuerlöscher angegriffen. Gegen beide Neonazis wurde Strafanzeige gestellt. Einmal wegen versuchter Körperverletzung und einmal wegen Körperverletzung.
    Ich empfehle allen Antifaschist_innen die in Hamburg oder sonst wo betroffen waren dies auch zu tun.

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