„Eine U-Bahn von Lemberg bis nach Auschwitz“

Unser Autor war mit Deutschland-Fans unterwegs in der Ukraine. Dabei erlebte er einige Dinge, über die hierzulande kaum berichtet wird: Nationalismus, Nazi-Kult, Antisemitismus und Rassismus gehören offenbar noch immer zum unguten Ton bei Auswärtsspielen der Nationalmannschaft.

Ein Erlebnisbericht aus der Ukraine von Florian Schubert.

Da lacht das deutsche Herz und Redakteure freuen sich über dumme Gutmenschen, die das nicht gut finden: "1. Heimspiel in Danzig"
Da lacht das deutsche Herz und Redakteure freuen sich über dumme Gutmenschen, die das nicht gut finden: „1. Heimspiel in Danzig“

Vor der EM wurde zuwar viel über das Rassismus– und Naziproblem in ukrainischen Stadien berichtet, doch endlich einmal, so schien es, sollten Diskriminierung und Gewalt im Umfeld von Fußballspielen nicht mit deutschen Fans in Verbindung gebracht werden: Rassismus, Antisemitismus und aggressiver Nationalismus im Zuge von Spielen der deutschen Nationalmannschaft sollten der Vergangenheit angehören.

Wie man mittlerweile weiß, ist dem leider nicht so: Die UEFA ermittelt gegen den DFB, weil deutsche Fans im Spiel gegen Dänemark durch „ungebührliches Verhalten“ und „unangebrachte Sprechchöre“ aufgefallen sind. Beim Spiel wurde ein Banner mit der Fraktur-Aufschrift „Gott mit uns“ gezeigt- der Wahlspruch, der im Zweiten Weltkrieg auf den Gürtelschnallen der Wehrmachtssoldaten prangte. Nach Informationen von publikative.org soll es sich dabei offenbar um die Fahne einer Gruppierung aus Zwickau handeln, die auch dort regelmäßig bei den Heimspielen des örtlichen FSV hängt.

„Wer zeigt den Deutschen Gruß? Du Neger!“

Wer sich zu einem Spiel der deutschen Nationalmannschaft begibt, macht leider ähnliche Beobachtungen: Schon auf der Hinfahrt mit einem Bus aus Deutschland stimmten mitreisende Fans zum „Aufwärmen“ einen Gesang an, in dem die Zeile „Scheiß Parasiten, Hängt die Zigeuner von Schalke 04“ vorkommt und stellen lauthals die Frage: „Wer hebt die Hand zum Deutschen Gruß?“ „Kanake“ und „Du Neger“ als Schimpfwörter gehören für viele Busreisende offensichtlich zum normalen Sprachgebrauch. Niemand schien sich daran zu stören.

Bereits am Abend des ersten Spiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Portugal kommen mir deutsche Fans vor der großen Public Viewing Area mit „Deutschland, Deutschland über alles in der Welt!“ entgegen. Als ich an der mobilen deutschen Fanbotschaft ankomme, regt man sich dort gerade über den Hitlergruß zeigende Deutschlandfans auf. Auf dem Tisch der Fanbotschaft liegt eine wirklich sehr gelungene Broschüre der KOS (Koordinationsstelle Fanprojekte).aus, in der für jeden Spielort der EM die dortigen Gedenkstätten zur deutschen Besatzung während des 2. Weltkrieg beschrieben werden. Zusätzlich werden noch ein paar Hintergrundinformationen zur jeweiligen Stadt gegeben. Aber interessiert sich auch jemand dafür?

Pickelhauben und „88“-Trikots auf dem Marktplatz

Marktplatz-Lemberg: Trikot "88" (Foto: Florian Schubert)
Marktplatz-Lemberg: Trikot „88“ (Foto: Florian Schubert)

Auf dem Markplatz, wo auch die Fanbotschaft steht, läuft jedenfalls ein Fan mit der Rückennummer „88“ auf einem Trikot herum. Die beiden Ärmel werden jeweils von einem großen Eisernen Kreuz geziert. Draußen vor einer Kneipe am Marktplatz hat inmitten einer Gruppe jemand eine Pickelhaube auf. Ein „Scherzartikel“, der sich schon seit der WM 2006 großer Beliebtheit erfeut, hier in einer ehemals von deutschen Soldaten besetzten Stadt aber noch geschmackloser wirkt als sonst. Beim Einsteigen in die Busse Richtung Stadion kommt der nächste Fan im Deutschland-„88“-Look.

Im Trolleybus auf dem Weg zum Stadion fällt mir ein Dresdner Fan mit „Elbflorenz“-Mütze auf, der ein T-Shirt trägt auf dem ein überdimensionierter Panzer mit Fußball abgebildet ist. Dazu steht der Spruch „Europameister 2012“. Dieses T-Shirt wird vom Versand „Sieg oder Spielabbruch“ vertrieben, welcher wiederum aus dem Umfeld der Hooligangruppe „Standarte Bremen“ und der Band „Kategorie C“ kommt. Der Träger steht in einer Gruppe Dresdner Fans, die neben dem obligatorischen „Deutschland, Deutschland, Deutschland“ auch „Ha ho, he, Faschisten SGD“ brüllen und zur Melodie von „Jingle Bells“ „Besiktas, Trabzonspor, Galatasaray, Fernebace Istanbul. Wir hassen die Türkei!“ singen. In einem anderen Buss soll sogar das „Auschwitz-Lied“, diesmal in der Fassung „Wir bauen eine U-Bahn von Lemberg bis nach Auschwitz“ gesungen worden sein, berichtet mir später ein Bremer Fan.

„Hurra, Hurra. Die Deutschen, die sind da!“

Thor Steinar Träger im Stadion (Foto: Florian Schubert)
Thor Steinar Träger im Stadion (Foto: Florian Schubert)

Im Stadion angekommen, muss man nach dem ersten „Thor Steinar“-Pulli-Träger nicht lange suchen. Im Stadion selbst bleibt es bis auf weißen Rauch gegen Ende des Spiels ruhig. Doch auch hier werden typische Gesänge angestimmt, die keinerlei Sensibilität gegenüber der deutschen Geschichte in Osteuropa erahnen lassen: Vom „Sieg“-Gebrülle, dass hier fatal daran erinnert, dass danach einst noch ein „Heil“ folgte, über „Hurra, Hurra. Die Deutschen, die sind da!“ bis hin zu „Que sera, sera, die Deutschen sind wieder da!“ und dem „Mexico“-Lied der Onkelz wird das ganze Repertoire abgespult.

Nach dem Spiel begrüßen sich dann manche Fans auf dem zentralen Marktplatz von Lviv mit dem Hitlergruß. Auch darüber beschwert sich niemand. Am Tisch neben mir schimpft jemand über die „scheiß Kanaken.“ Er meint damit den Kellner, der kein Englisch versteht. Der Fan selbst kann augenscheinlich weder Ukrainisch, Polnisch oder Russisch, weswegen sich die Kommunikation als schwierig erweist. Aus einer Dreiergruppe mit Deutschlandtrikots zeigt einer direkt neben mit den erneut den Hitlergruß. Auf die Frage, was der Nazidreck solle, fragt er zurück: „Was dagegen?“ Die drei gehen weiter, drehen sich nach ca. 50 Metern noch einmal gleichzeitig zusammen um und rufen in unsere Richtung: „Sieg Heil, Fotze und Schwuchtel“ und verschwinden dann.

Kaum etwas von diesen Erlebnissen taucht in der Berichterstattung über die Spiele der deutschen Nationalmannschaft auf. Dabei müssen auch Journalisten solche Beobachtungen gemacht haben. Erschreckend ist auch, dass sich scheinbar kaum einer der mitreisenden Deutschlandfans an den beschriebenen Gesängen, Äußerungen und Verhaltensweisen stört. Und das in einer Stadt, in der während der Zeit des Nationalsozialismus über eine halbe Million Menschen von den deutschen Besatzern ermordet wurde – nahezu die gesamte jüdische Bevölkerung (über 400.000 Männer, Frauen und Kinder), aber auch gut 140.000 russische Kriegsgefangene.

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Siehe auch: Wettbewerbsgrundlage Nationalismus

142 Kommentare zu „„Eine U-Bahn von Lemberg bis nach Auschwitz“

  1. Ich hab mit meinen Freunden zusammen das Spiel am TV geguckt, weil wir diesen gerade allgegenwärtigem Nationalismus in der Öffentlichkeit nur schwer aushalten. Nur mussten wir irgendwann den Ton des Fernsehers ausmachen, wir konnten das „Sieg“-Geschrei nicht mehr aushalten. Das fährt mir durch alle Glieder und mir blutet das Herz. Ich frag mich dann: „ist das euer Ernst?“, „passiert das gerade wirklich?“ und v.a. „wieso stört sich niemand daran?“…

    Ich bin großer Fußballfan, und Fußballspieler von klein auf. Alles was in diesem Artikel aufgezählt wird habe ich auch schon mal irgendwo miterlebt. Nationalismus ist keine Randerscheinung, nur in den Medien, da ist es eine Randerscheinung. Ich habe konkret nach einem Artikel gesucht, der dieses Thema zur EM mal aufgreift, und das war gar nicht so leicht – es hat bestimmt 20 min googlezeit gebraucht bis ich endlich auf diese Webseite gestoßen bin. Daumen hoch für dieses Engagement.

    Wenn ich mir aber die Kommentare hier durchlese blutet mir wieder das Herz. Und ich habe Angst vor der Zukunft…

    Der Mensch… Fahnen, Bier, ein paar Typen in Uniform und schon marschiert er auf den Straßen, gemeinsam gegen den Feind…

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  2. Was einige hier verzapfen und versuchen gut zu reden mit Aussagen wie
    „Das ist doch inzwischen normal“ oder „das ist Jugendsprache“ ist echt gruselig.
    Es geht doch nicht um das, was „der Standard“ ist, sondern um das, was angebracht und vernünftig ist.
    Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Homophobie und körperliche wie physische Gewalt haben bei einem internationalen Fest wie einer Europameisterschaft, egal welcher Sportart, nichts zu suchen.
    Die Begriffe, mit denen um sich geworfen wird, sind mit Vorurteilen aufgeladen, um nicht nur den Gegenüber zu diskreditieren, sondern sich über ihn, sowie die gesellschaftliche Schicht, welcher dieser Begriff gilt, zu stellen. Ob das jetzt „Schwuchtel“, „Neger“, „Judensau“ oder sonstwas ist, spielt keine Rolle.

    Wer versucht, die sehr wohl realitätsgetreue Darstellung der negativen Seite dieser Europameisterschaft herunterzuspielen, ist entweder ein Troll, lebt in seiner eigenen beblümten Welt oder ist schlicht und einfach kognitiv unterentwickelt.
    Come at me, bro.

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  3. Sehr guter Artikel, auch wenn mich der Zusammenhang mit dem Onkelz-Song etwas stört, da dieser absolut keinen rechten Bezug hat. Aber das ist eine andere Diskussion.
    Der Que sera-*Song* wird ja oft von den verschiedenen Fangruppen auch bei Auswärtsspielen gesungen in den verschiedenen nationlen Ligen, ist aber absolut unangebracht in Spielorten mit dieser vergangenheit. Und das sowas nicht von einer kleinen Minderheit gesungen wird sondern von der großen Masse im Stadion hört man doch sehr deutlich bei den Spielen.
    Ich finde dass dieser Artikel wirklich mal die Realität aufzeigt, die bei Länderspielen auswärts herrscht.

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  4. Teilweise kann man den Artikel nicht ganz Ernst nehmen. Die „Sieg“ Rufe sind ganz normaler Teil einer Fan Kultur. Egal ob in Lemberg oder in Köln ! Egal ob in Moskau oder in Lissabon. Auch Hurra ! Hurra ! Die Deutschen die sind da ! ist ein 0815 Fan Gesang und mit dem braunen Haufen mal rein garnichts zu tun. Zumindest dieser Teil des Artikels ist schlicht und ergreifend falsch !

    Das es bei den Fans auch einige braune Vollpfosten gibt kann ich nicht ausschliessen und das sind auch einige zu viel. Auch hier in den Kommentaren hat man schon andere Sachen gelesen.

    Weiterbringen tut einen dieser Artikel nicht.

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  5. Das „Sieg“-Gebrülle wird übrigens in jedem deutschen Stadion gerufen und hat keinerlei Bezug auf die Vergangenheit.
    Ebenso „Hurra, Hurra. Die Deutschen/oder wer auch sonst, die sind da!“ ist ein absoluter Standardruf bei sämtlichen Bundesliga Clubs und somit eben auch bei der Nationalmannschaft. Ebenso „Que sera, sera, die Deutschen/oder wer auch sonst sind wieder da!“
    Was an dem „Mexico“-Lied der Onkelz nun rassistisch oder verwerflich sein soll versteh ich ebenfalls nicht.
    Mann kann’s wirklich übertreiben, hauptsache mal schlimme Aktionen wie eben den Hitlergruß und wirklich bedenkliche Rufe mit ganz normalen Fangesängen und Schlachtrufen vermischt und einen überdramatisierten Artikel geschrieben. Man könnte echt meinen der Autor war noch nie in einem Stadion…

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  6. Alles in allem ein guter Artikel,in dem mir allerdings einige Details negativ aufgefallen sind,die ich als regelmässiger Stadiongänger(Heim,Auswärts,International usw.) kommentieren möchte:

    1.:Fenerbahce ist falsch geschrieben 😉
    2.:Der „Sieg“-Gesang wird nicht ausschliesslich von Menschen rechten Gedankenguts angestimmt.Er existiert in jedem Land,auf jeder Sprache,in jeder Fussballliga dieser Welt seit langer Zeit.Er wird von dunkelhäutigen,homosexuellen und jeden anderen Menschen jeglicher Couleur im Stadion gesungen.Ein bisschen mehr Differenzierung würde hier schon guttun.Nur weil Herr Friedrich sich da neuerdings drüber echauffiert muss man nicht jahrelange Fussballkultur in den Dreck ziehen.Und vor allem:Grade weil ein paar geistig minderbemittelte diesen Gesang für sich beanspruchen darf man nicht damit aufhören ihn zu singen.Überlasst diesen Idioten nicht das Stadion.
    3.:Oben genanntes gilt ebenfalls für „Hurra,hurra,die Deutschen die sind da“(gibt es in jedem Verein,ersetzen sie „Deutschen“ durch einen beliebigen Städte-bzw. Bewohnernamen.Selbst bei St.Pauli,bekanntlich der „linkeste“ Verein unter der Sonne wird dieser Gesang angestimmt) und „Que sera,sera“.Bei diesem Lied sollte man vor allem den weiteren Text nicht unterschlagen um die durchaus vorhandene Selbstirnoie nicht aus den Augen zu verlieren.“Que sera,sera.Die Deutschen sind wieder da.Besoffen wie letztes Jahr.Que sera,sera.“Nicht das niveauvollste auf dieser Welt.Aber von rechtem Gedankengut doch meilenweit entfernt.

    Allen in allem stimme ich dem Artikel und der hier vorherrschenden Meinungen in den Kommentaren zu.Rechtsextremismus(eigentlich jeder Extremismus)hat in den Stadien und beim „drumherum“ nix verloren.Trotzdem würde ein bisschen Differenzierung und Fingerspitzengefühl bei der Berichterstattung dazu beitragen,Augen zu öffnen.

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  7. wenn Sieg, Sieg Gesänge als nazistisch hingestellt werden sollte man auch mal über die Nationalhymne nachdenken. Die wurde auch im 3.Reich gespielt und nur weil heute nicht mehr alle Stophen gesungen werden hat sie doch auch für die ehemals besetzten Gebiete eine entsprechende Wirkung.
    Sachliche Berichterstattung ja, aber Alles an Haaren herbeiziehen und mit der Nazivergangenheit in Verbindung bringen ist sicher nicht der richtige Weg.

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  8. also ich muss mich ja zusammenreißen hier nicht komplett zu explodieren. der artikel lässt von vorne bis hinten vermuten, dass es sich beim deutschen fan der zur EM fährt um eine tattoowierte glatze handelt der biersaufend die hand zum gruß erhebt. ich persönlich war beim letzten gruppenspiel gegen dänemark vor ort in lemberg und habe ungelogen NICHT EINE EINZIGE fragwürdige parole/ offensichtlich rechtsradikale person/ oder sonstige aktion mitbekommen die in diesem kontext steht. vielmehr werde ich das gefühl nicht los dass es sich bei dem verfasser um den üblichen gutmenschen handelt, der das leider nur alle 2 jahre aufbrausende nationalgefühl der deutschen mit einem faden beigeschmack sieht und dann gleich alle fans über einen kamm schert.

    „In einem anderen Buss soll sogar das “Auschwitz-Lied”, diesmal in der Fassung “Wir bauen eine U-Bahn von Lemberg bis nach Auschwitz” gesungen worden sein, berichtet mir später ein Bremer Fan.“
    aha, dann wird das wohl stimmen, sehr seriöse berichterstattung. überhaupt besteht der artikel nur aus einzelnen wirren erinnerungsbruchstücken des autors.

    „Vom „Sieg“-Gebrülle, dass hier fatal daran erinnert, dass danach einst noch ein „Heil“ folgte, über „Hurra, Hurra. Die Deutschen, die sind da!“ bis hin zu „Que sera, sera, die Deutschen sind wieder da!““
    … meine güte. irgendwie werde ich das gefühl nicht los, dass du dich mit dem festen vorsatz, den deutschen fans eins auszuwischen, auf den weg in die ukraine gemacht hast?! wenn du hinter den „sieg“ gesang (der traditionell von den deutschen fans gesungen wird) ein anhängsel setzen willst, ist das deine sache. und „hurra hurra die deutschen die sind da“ dürfen wir dann auch nur dort reinen gewissens singen, wo wir vor 70 jahren nicht einmarschiert sind? lächerlich!!!

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  9. „tim said:

    Ich hab mit meinen Freunden zusammen das Spiel am TV geguckt, weil wir diesen gerade allgegenwärtigem Nationalismus in der Öffentlichkeit nur schwer aushalten. Nur mussten wir irgendwann den Ton des Fernsehers ausmachen, wir konnten das “Sieg”-Geschrei nicht mehr aushalten. Das fährt mir durch alle Glieder und mir blutet das Herz. Ich frag mich dann: “ist das euer Ernst?”, “passiert das gerade wirklich?” und v.a. “wieso stört sich niemand daran?”…

    Ich bin großer Fußballfan, und Fußballspieler von klein auf. Alles was in diesem Artikel aufgezählt wird habe ich auch schon mal irgendwo miterlebt. Nationalismus ist keine Randerscheinung, nur in den Medien, da ist es eine Randerscheinung. Ich habe konkret nach einem Artikel gesucht, der dieses Thema zur EM mal aufgreift, und das war gar nicht so leicht – es hat bestimmt 20 min googlezeit gebraucht bis ich endlich auf diese Webseite gestoßen bin. Daumen hoch für dieses Engagement.

    Wenn ich mir aber die Kommentare hier durchlese blutet mir wieder das Herz. Und ich habe Angst vor der Zukunft…

    Der Mensch… Fahnen, Bier, ein paar Typen in Uniform und schon marschiert er auf den Straßen, gemeinsam gegen den Feind…*

    100% korrekt – geht uns/mir genau so – du bist nicht allein!!!

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  10. Ich war zwar nicht in der Ukraine, aber da ich viele Jahre in verschiedenen Länder der Welt gelebt und gearbeitet habe, kann ich die hier in dem Title beschriebenen Zustände nur bestätigen. Und da beschweren sich viele Deutsche, dass die braune menschenverachtende Verachtung immer wieder zum Thema wird. Mehrfach habe ich im Ausland erlebt, wie Deutsche welche dort schon seit Jahren leben, dieses menschenverachtende Gedankengut offen äußerten. Ganz besonders schlimm war es in Süd Afrika, ich glaube viele Deutsche sind nur deshalb dahin ausgewandert, weil es die Apartheid gab. Denn die Ideologie ähnelte sehr der NS Propaganda. Wie oft ich aber auch schon in Deutschland, ein Taxi gewechselt habe, weil dieses Gedankengut vom „deutschen Taxifahrern“ seinem Fahrgast gegenüber ausgebreitet wurde, kann ich nicht mehr zählen.

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  11. Hi zusammen,

    Ihr Bericht ist tendenziös oder Sie haben einfach mangelndes Hintergrundwissen.

    1. Die deutsche Nationalmannschaft spielt bis heute in den Landesfarben Preußens (Schwarz-Weiß). Der Wahlspruch Preußens war „Gott mit uns“ und wurde später von der PR der Nazis missbraucht. Bis heute gibt es Fussballfans, die in Anspielung auf Preußen den Wahlspruch „Gott mit uns“ führen. Und, by the way, die „Fraktur“ Schrift war bis zu Machtergreifung die offizielle Amtsschrift. Sie wurde durch Hitler als s.g. „Judenschrift“ im Amtsgebrauch abgeschafft.

    2. Gesänge wie „Sieg,Sieg“ oder „Hurra, Hurra, die xyz sind da“ gehören zu den Standardgesängen in deutschen Stadien. Sie hört man jedes Wochenende und nicht speziell, wenn die Nationalmannschaft spielt

    Fazit: Der Verfasser des Textes hat von Fußball und seinen Traditionen keinerlei Ahnung. Er vermischt Ausfälle einzelner Deutscher mit den üblichen Traditionen beim Fußball. Wenn man sich schon mit diesem Thema befasst, dann sollte man neben der Einarbeitung in deutsche Geschichte sich auch in die Geschichte des Fußballs einarbeiten – sonst wirkt es ein bissel peinlich

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    1. @David:

      Der Bericht ist nicht nur „tendenziös“, er ist ein subjektiver Erlebnisbericht eines Einzelnen. Scheint Ihnen irgendwie entgagnen zu sein. Ansonsten:

      Ihre Deutung in allen Ehren, aber die Kollegen vom A-Block aus Zwickau, die da mit Preußens Wahlspruch in Fraktur durch Osteuropa tiuren, pflegen ganz sicher noch ein bisschen mehr als ihr preußisches Brauchtum. Haben Sie natürlich keine Ahnung von, macht aber nichts, Hauptsache mit historischem Halbwissen angeben. Wo wir da gerade bei sind, by the way: Was halten Sie von folgender Sentenz? „Der Staat Preußen, der seit jeher Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland gewesen ist, hat in Wirklichkeit zu bestehen aufgehört. […] Der Staat Preußen, seine Zentralregierung und alle nachgeordneten Behörden werden hiermit aufgelöst. […] Mit der Verordung soll maßgeblich dazu beigetragen werden, daß künftig keine Angriffskriege mehr von dt. Boden ausgehen.“ (Potsdamer Abkommen).

      Ach, das sehen Sie aber völlig anders als die blöden alliierten Kriegsgewinner damals? Vielleicht kommen Sie uns jetzt gleich noch mit amerikanischen Kriegsverbrechen um die Ecke? Na, sowas. Haben wir uns schon gedacht. Da können Sie mal sehen, wie unterschiedlicher Meinung man bei manchen Themen sein kann. Und bei Traditionen erst: „Haben wir schon immer so gemacht“, ist für Sie also ein gutes Argument? Na, hervorragend! Früher gab es in deutschen Stadien noch ganz andere „Standards“, Affenlaute zum Beispiel. Fanden wir jetzt auch nicht so knorke. Und stellen Sie sich mal vor: Volker Finke hat in Freiburg in den 90er Jahren die „Sieg“-Rufe abgeschafft, weil sie ihm zu Nazi-mäßig waren. Wie? Indem die Mannschaft so lange nicht mehr vor die Kurve gekommen ist, bis die Rufe aufhörten. Das finden Sie jetzt aber megapeinlichen PC-Schrott? Tja, tut uns leid, aber manche Traditionen beim Fußball finden wir dafür halt ungeiler als andere.

      Fazit: Wenn man sich schon mit diesem Thema befasst, dann sollte man neben der Einarbeitung in deutsche Geschichte sich auch in die Geschichte des Fußballs einarbeiten – sonst wirkt es ein bissel peinlich.

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  12. Mich würde viel mehr interessieren, warum in den Medien so wenig über diese Ausfälle berichtet wird. Sollen die keine Gelegenheit bekommen sich zu präsentieren ? Oder wird da was totgeschwiegen?

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  13. Ich gehe davon aus, dass jeder Journalist die kurze Zusammenfassung über seinem Text selbst schreibt. Und darin steht: „Nationalismus, Nazi-Kult, Antisemitismus und Rassismus gehören offenbar noch immer zum unguten Ton bei Auswärtsspielen.“
    Das läßt keinen Interpretationsspielraum: der Autor will sagen, dass solche Auswüchse gang und gebe sind und eigentlich immer vorkommen.
    Und das ist schlicht falsch. Daher gehe ich davon aus, dass auch vieles andere in dem Artikel wohl nicht recherchiert, sondern ausgedacht ist.
    Selbstverständlich gibt es diese Ewig-Gestrigen, selbstverständlich lassen die Deutschland schlecht aussehen, aber sie sind Ausnahmen irgendwo am Rande, und das muss man dann auch deutlich so sagen, wenn man als Journalist erstgenommen werden möchte.
    Dass die anderen Medien dieses Problem verschweigen, ändert nichts daran.

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  14. So, Deutschland hat verloren. Und was kommen mal wieder für Kommentare unter diversen Sportartikeln? Folgender Tenor: Die deutsche Nationalmannschaft hat nur verloren, weil einige der Spieler nicht die Nationalhymne mitgesungen hätten und damit ein gespaltenes Verhältnis zur Nation offenbart hätten. Solche Spieler hätten doch bitte nichts in der Nationalmannschaft verloren.

    Wir brauchen also absofort gute leidenschaftliche Sänger in der Mannschaft. Dann wirds auch mit einen Titel.

    Und ich dachte immer, wir leben hier in einem Land mit „Meinungsfreiheit“. Das halt jeder Spieler für sich entscheiden kann, wie er mit der Hymne umgeht. Entweder extrovertiert oder introvertiert. Muss mich woh geirrt haben.

    Für mich persönlich ein eher fragwürdiges Zeichen, wenn man so an eine Niederlage rangeht. Ein wenig zuviel Nationalismus, wenn man Spielern vorwirft, mit den Nichtmitsingen bei der Hymne ein gespaltendes Verhältnis zur Nation zu offenbaren, was zwangsläufig zur Niederlage führen muss.

    Komisch, vorher haben die gewonnen…

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

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  15. Auch wenn es einem einige Leute sehr schwer machen:

    So schlimm ist es gar nicht „Deutscher“ zu sein.

    Manchmal macht es sogar Spaß!

    Erika

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  16. „Beim Spiel wurde ein Banner mit der Fraktur-Aufschrift “Gott mit uns” gezeigt- der Wahlspruch, der im Zweiten Weltkrieg auf den Gürtelschnallen der Wehrmachtssoldaten prangte.“

    Schon nach diesem Satz habe ich keine Lust mehr einen schlecht recherchierten Artikel voller Vorurteilen zu Lesen.

    Der Koppelspruch „Gott mit uns“ Stammt bereits aus der Zeit des Deutschen Kaiserreiches… Entstand also völlig unabhängig von Nationalismus. Es würde mich nicht wundern wenn ich hier zu lesen bekomme Patriotisten seien Nationalistisch..

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  17. der artikel ist aber schon etwas übertrieben geschrieben…z.b die bayerische hymne beginnt auch mit den wörter „gott mit dir..“, und ist bayern dehalb nur von nazis bewohnt??? und onkelz wird fast auf jeder party gespielt, und da handelt es sich auch nicht um ein faschistisches gelage…

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  18. Ich war in Posen und Danzig und kann nur sagen, dass der Nationalismus nicht tot zu kriegen ist. So wie die Engländer ihre aufblasbaren Bomber im Stadion zeigen mussten und damit auf die Bombenangriffe auf Dresden anspielten, so gab es etliche Deutsche, die den Hitlergruß gezeigt haben und offen nationalistische Symbole gezeigt haben. Der Unterschied ist nur, dass die Engländer eben keinen systematischen Massenmord geplant und durchgeführt haben. Da kann man sich als Deutscher nur schämen.

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  19. Herzlichen Glückwunsch! Publikative hat mal wieder den Nerv getroffen. Florians Artikel hob sich wohltuend, neben sehr wenigen anderen, von einem journalistischen Einheitsbrei ab. Wenn die Uefa die Bilder bestimmt und viele Redaktionen die Schwarzrotgeilheit des Pöbels schüren, da fallen hämische Kommentare über jeden der noch einen kleinen Rest Vernunft in sich trägt.
    Zu den Onkelz und ihrem Song Mexico möchte ich doch noch etwas beisteuern. Auf der Scheibe auf der er veröffentlicht wurde, und die auch von heutigen Fans gewiss noch gehört wird, befindet sich als letztes der Song „Gesetz der Strasse“. Der gewiss auch so völlig harmlos gemeint wie lustig in die Debatte um einen neuen Partynationalismus passt:

    Zeig was Du denkst, tu was Du willst
    Nur verlier‘ nie Dein Gesicht,
    zeigt keine Schwäche, zeig keine Angst,
    denn Verlierer zählen nicht
    CHORUS:
    Gesetze der Straße sind Gebote der Gewalt
    Gesetze der Straße sind Blut auf dem Asphalt
    Kampf in den Stadien
    Kampf in den Straßen
    nie endende Gewalt
    sind Ausdruck des Unmuts und der Arbeitslosigkeit

    Da hat der Texter doch glatt Heitmeyers These des Modernisierungsverlierers vorweggenommen. Aber nein alles ganz harmlos liebe Fußball/Onkelz-Fans…
    Wie gut, dass Verlierer nicht zählen.
    Wer hat gewonnen?

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