Gummigeschosse: Tote nur eine Frage der Zeit

Trotz zahlreicher schwerer Verletzungen und sogar Todesfällen werden Gummigeschosse bis heute in vielen Staaten (darunter auch Demokratien wie die USA, Spanien, die Schweiz oder Frankreich) als Mittel zur Kontrolle von Menschenmengen eingesetzt. Auch deutsche Polizisten wollen endlich wieder auf Demonstranten und Fußballfans schießen können. Dabei ist der jüngste tödliche Vorfall erst wenige Wochen her.

Von Patrick Gensing & Andrej Reisin

Der 28-jähriger Iñigo Cabacas, Fan von Athletic Bilbao, starb im April 2012 an seinen schweren Kopfverletzungen. Wie Augenzeugen berichteten, war der Athletic-Anhänger nach dem Europapokalerfolg gegen Schalke 04 von einem Polizisten mit einer Gummipatrone am Kopf getroffen worden, wie Stadionwelt berichtete. Ärzte stellten bei Cabacas danach einen Schädelbruch und erhebliche Hirnverletzungen fest, denen der Fußballfan erlag. Eine Untersuchung bestätigte den Verdacht, dass Cabacas von der Polizei mit Gummigeschossen getötet wurde.

Während ein Platzsturm in Düsseldorf mit insgesamt 0 Verletzten die Schlagzeilen tagelang dominierte, war der Tod des Fußballfans den deutschen Medien kaum eine Zeile wert. Stattdessen führte man eine „Debatte“, die darin bestand, dass Hardliner sich gegenseitig in Ahnungslosigkeit überboten, um ihre dummdreisten Forderungen einer breiten Öffentlichkeit zu unterbreiten. Polizeiopfer spielen dabei keine Rolle, vielmehr räumen Redaktionen den Sprechern der Polizeigewerkschaften regelmäßig Sendezeit und Zeilen ein, obgleich deren Forderungen schlicht und ergreifend absurd sind – und vor allem unverantwortlich.

Der jüngste Streich kommt mal wieder vom Vorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft   (DPolG), Rainer Wendt, der via „Bild“-Zeitung verkündete: „Die linken Chaoten sind rücksichtslos und brutal gegen die Einsatzkräfte der Polizei vorgegangen. Offenbar schrecken sie nicht mal mehr davor zurück, Polizisten zu töten. Wenn Wasserwerfer nicht mehr reichen, muss die Polizei als Antwort auf die Steine, Brandsätze und Stahlkugeln der Demonstranten Gummigeschosse einsetzen!“ Wo genau Brandsätze und Steinkugeln geflogen sein sollen, wo Polizisten getötet werden sollten, wurde wie immer nicht verraten. Die Forderung nach Gummigeschossen, spricht Wendt übrigens seit mindestens 2007 Mantra-artig immer wieder in jedes zweite dahin gehaltene Mikrofon – Motto: Vielleicht wird’s ja irgendwann mal was.

Die tödliche Verharmlosung gefährlicher Schusswaffen

Dabei ist spätestens seit ihrem massenhaftem Einsatz im Nordirland-Konflikt klar, dass Gummigeschosse keine „nicht-tödlichen“ Waffen sind, wie die Waffenlobby gerne behauptet, sondern höchstens „weniger tödliche“: Mindestens 17 Menschen starben während des Bürgerkrieges in Nordirland durch Gummigeschosse, unzählige weitere wurden verletzt.  Insbesondere Treffer im Augenbereich führen fast immer zur Erblindung am betroffenen Auge.  Die Bilanz in Israel, wo derartige Munition in den besetzten Gebieten insbesondere während der Intifada gegen Palästinenser eingesetzt wurde, sieht ähnlich düster aus.

Während es in diesen beiden großen Gummigeschoss-„Testreihen“ allerdings immerhin um bewaffnete Konflikte ging, in denen die beteiligten Armeen nicht ohne Zynismus darauf verweisen, dass beim Einsatz scharfer Munition stets noch wesentlich mehr Menschen zu Schaden gekommen, wären, will die DPolG einen solchen Einsatz in deutschen Großstädten – kaum zu glauben, aber nicht undenkbar für die Hirne deutscher Sicherheitsfanatiker. Dass es Polizisten in unübersichtlichen Situationen wie eskalierenden Demonstrationen auf engem Raum nahezu unmöglich ist, derartige Waffen bestimmungsgemäß einzusetzen, wird dabei geflissentlich ignoriert:

Gummigeschosse werden nicht eingesetzt, um Menschen zu töten, sondern um sie abzuschrecken und durch Verletzungen bedingte Kampfunfähigkeit herbeizuführen. Prinzipiell kann aber ein abgefeuertes Geschoss einen Menschen töten, wenn es mit entsprechender Wucht auftrifft. So kann beispielsweise ein Schuss auf den Hals einer Person die Luftröhre quetschen oder unter Umständen sogar die Wirbelsäule brechen und so zum Tode führen. Vornehmlich soll deswegen auf die Beine oder den Rumpf der Angreifer gezielt werden, um eine Gefährdung so gering wie möglich zu halten. Das Problem hierbei ist, dass das Zielvermögen eines Polizisten während einer Straßenschlacht oder Demonstration sehr eingeschränkt ist. Quelle: Wikipedia

Unbekannte Demonstrantin, die in den USA von einem Gummigeschoss im Gesicht getroffen wurde
Unbekannte Demonstrantin, die in den USA von einem Gummigeschoss im Gesicht getroffen wurde (Foto: cynicaltimes.org)

Es ist daher irreführend, ob eine Waffe „tödlich“ ist oder nicht (dies kann im Extremfall auch bei einer Küchengabel der Fall sein), sondern es geht darum, dass man mit diesen Waffen unter  bestimmten Bedingungen Menschen relativ leicht schwer verletzen und töten kann. Die Formel „nicht tödlich“ ist ein reiner PR-Gag interessierter Marketingabteilungen, die ein Verkaufsinteresse haben. Die Wirkung ist in vielerlei Hinsicht fatal: Mit dem verschleiernden Begriff „nicht tödlich“ wird eine vermeintliche Gefahrlosigkeit suggeriert, die überhaupt erst ermöglicht, dass Schusswaffen im öffentlichen Raum massenhaft zum Einsatz kommen. Denn gegen einen solchen Einsatz gäbe es selbstredend massiven politischen Widerstand, wenn man ihn als das verkaufte, worum es sich in Wirklichkeit handelt: Der  Gebrauch konventioneller Schusswaffen mit weniger durchschlagender Munition.

Leider benutzen Polizisten Waffen, die sie für „nicht tödlich“ halten, aber auch noch wesentlich häufiger als Schusswaffen mit „scharfer“ Munition. Wie amerikanische Studien bereits mehrfach belegt haben, fällt die Entscheidung zum Waffengebrauch eben wesentlich leichter, wenn die Konsequenzen vermeintlich überschaubar sind. Mit anderen Worten ist es ist eben nicht so, dass die Anzahl der Opfer durch Gummigeschosse reduziert wird, sondern gerade umgekehrt wird ein Schuh daraus: Es werden massenhaft neue Opfer produziert, die es ohne diese Munition nie gegeben hätte.

Gewaltbereite Männerbünde unter sich

Doch zurück nach Hamburg: Publikative.org erfuhr aus gut unterrichteten Kreisen, dass der Polizeieinsatz in der Hamburger Innenbehörde durchaus für Ärger gesorgt hat, möglicherweise könnte es sogar personelle Konsequenzen geben. Kein Wunder, denn immer mehr Berichte werden bekannt über verletzte Demonstranten. Eine Frau erlitt einen Schädelbruch, ein Einsatz der Reiterstaffel gegen friedliche Blockierer, von denen viele auf der Straße saßen, führt zu weiteren Fragen nach der Verhältnismäßigkeit.

Die Polizeigewerkschaft meint, die Polizei sei zu schlecht ausgerüstet, bräuchte dringend Gummigeschosse. (Foto: Publikative.org)
Die Polizeigewerkschaft meint, die Polizei sei zu schlecht ausgerüstet, bräuchte dringend Gummigeschosse. (Foto: Publikative.org)

Da erscheint es nur folgerichtig, dass Polizeivertreter versuchen, aufkommende Kritik vorsorglich mit dem Ruf nach härtesten Konsequenzen zu übertönen. Ein Stilmittel, das in der deutschen Öffentlichkeit gut ankommt, da die Rollen eindeutig verteilt sind: Polizei ist gut, Demonstranten böse. Wie wenig zutreffend diese Wahrnehmung ist, zeigte sich auch angesichts der jüngsten Razzien im Rocker-Millieu wieder ziemlich deutlich: Offenbar hatten Berliner Ermittler die einschlägigen Motorrad-Clubs vor den bevorstehenden Maßnahmen gewarnt, wie Spiegel Online berichtet. Dort kommt auch ein Kriminalrat aus Nordrhein-Westfalen zu Wort, der Folgendes berichtet:

‚Es gibt dort den ein oder anderen Kollegen, der durchaus gute Kontakte zur Szene hat‘, so ein hochrangiger Ermittler aus Nordrhein-Westfalen. Vor allem bei Kraft- und Kampfsport kämen sich Gang-Mitglieder und manche Beamte zuweilen näher. Viele teilten zudem eine ähnliche Lebenseinstellung, die geprägt sei von einem draufgängerischen Abenteurertum, von Männerbünden und Korpsgeist. ‚Da kommt es schon einmal zu falschen Freundschaften‘, so der Kriminalrat.

Doch anstatt über problematische Vorstellungen von Männlichkeit und Kameradschaft nachzudenken, schweigen Wendt & Co. zum brutalen Vorgehen ihrer Kollegen gegen  Demonstranten natürlich wie eh und je. Dabei ergeben Schwarzweiß-Bilder selten ein schlüssiges Bild – was für die ständig nur „ACAB“-vor sich hin brüllende Fraktion seltsam aufgepumpter Testosteron-Hools umgekehrt übrigens genauso gilt – doch differenzierte Darstellungen sind nicht gefragt. So verhärten sich die Fronten immer weiter – bis einer heult oder liegen bleibt. Beim derzeitigen Kurs der Eskalation dürfte dies leider nur eine Frage der Zeit sein.

Nachtrag:
Mittlerweile hat sich Deutschlands größte Polizeigewerkschaft, die „Gewerkschaft der Polizei“ (GdP), dankenswerterweise vom Einsatz von Gummigeschossen distanziert und die DPolG scharf kritisiert: „Die Polizei muss bei Demonstrationen mit aller Entschiedenheit gegen militante Gewalttäter vorgehen, aber wir leben in Deutschland nicht in einem Bürgerkrieg. Wir sollten ihn auch nicht herbeireden“, sagte der GdP-Landesvorsitzende Frank Richter.  „Unser Rechtsstaat muss wehrhaft sein, aber die Polizei darf dabei nicht bewusst den Tod von Menschen im Kauf nehmen“, so Richter weiter. „Das ist in einer Demokratie nicht hinnehmbar.“

Fragt sich nur, wann die Erkenntnis, dass  es sich bei Wendt und der DPolG offenbar um unverantwortliche Scharfmacher handelt, endlich auch in bundesdeutschen Redaktionsstuben ankommt – und man endlich damit aufhört, diese radikalen Stimmen einer polizeilichen Minderheit publizistisch aufzuwerten.

Siehe auch: Tausende demonstrieren, 400 Neonazis marschierenAlles Chaoten!Gegendemonstrant nach Polizeieinsatz auf IntensivstationGeistige Engpässe: Kalender der PolizeigewerkschaftDie Polizei fordert …

21 Kommentare zu „Gummigeschosse: Tote nur eine Frage der Zeit

  1. Ich bin ja kein Freund des „Verfassungsschutzes“… was daran liegt, dass dieser meiner Meinung nach die Verfassung (und damit meine ich das Grundgesetz) nicht schützt, sondern entweder öffentlich zugängliche Information sammelt (dafür braucht es aber keinen Inlandsgeheimdienst) oder schlichtweg Methoden einsetzt, die der Polizei aus rechtsstaatlichen Prinzipien nicht erlaubt sind.. und zwar zu oft gegen die vermeintliche politische Linke. Ein realer Verfassungsschutz würde wohl die DPolG beobachten… ich befürchte aber eher, dass die DPolG sowohl beim Bundes- als auch in den Landesverfassungsschutzbehörden Mitglieder hat und dort einige Personalräte stellt.

    Mal ganz davon abgesehen würde ich dieser Organisation auch nicht ständig den gefallen tun und deren ausgeschriebene Selbstbeschreibung „Gewerkschaft“ übernehmen… mit einer Gewerkschaft hat dieser rechte Haufen am äußersten rechten Flügel des „dbb beamtenbund und tarifunion“ nichts zu tun. Ich bin auch kein Freund der GdP, aber diese diskutiert intern zumindest über vorhandenen Rassismus ihrer Mitglieder und geht das Problem auch Stellenweise an und gehört innerhalb der Polizei eher zum kritischen Flügel und stellt sich selber notgedrungen die Frage, inwieweit diese eigentlich noch eine Gewerkschaft innerhalb des DGB (oder besser rechts beim DGB) ist. Die DPolG dagegen verspricht „Dienstleistungen“, wie z.B. das neuste Empfangsgerät zu Fußballhighlights in Pausenräumen auf Dienstellen (das Wahlargument seit Jahren der DPolG zu Personalratswahlen!) und eine ordentliche Portion Rechtspopulismus obendrauf.

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  2. Bescheuerter Beitrag, mein Lieber. So dumm und einseitig kann man eben schreiben im Web und damit Meinungen erzeugen die so unrealistisch und dumm sind, dass es einfach nur noch knallt. Man sollte dich 3 Monate in ein Land ohne rechtsstaatliche Strukturen und ohne Polizei schicken.

    Übrigens, verwechsel die Polizei nicht mit Hooligans. Polizisten haben auch Familien, sie können sich sicher etwas schöneres vorstellen als bei einem Fußballspiel Dienst zu schieben, um sich dann von der untersten Gesellschaftsschicht, nämlich Fußballfans, beleidigen und angreifen zu lassen.

    Von gewaltbereiten Männerbünden zu sprechen treibt das Maß des Unvermögens des Autors auf die Spitze und lässt kaum vermuten, dass er seine Einstellung jemals überdenkenk wird.

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  3. ..ich hätte auch gern drei Pressesprecher(2 Gewerkschaften und die in deren Arbeitsplatzbeschreibung „Pressesprecher der Polizei“ steht). Was im Hauptbahnhof meiner Stadt den Berufsverkehr beobachtet, ist nicht mehr reguläre Polizei sondern SEK, gedeckt von suffgesichtigen Schlägerbanden der Verkehrsbetriebe. Kein Wunder, das die Gewerkschaften der Polizei die Pressearbeit selbiger erledigen. Ihn scheint es viel zu gut zu gehen.

    „Polizisten haben auch Familien, sie können sich sicher etwas schöneres vorstellen als bei einem Fußballspiel Dienst zu schieben, …“

    Ich darf bei mir auf Arbeit keine Propaganda betreiben(siehe rassistischer Polizeikalender) und Familie!? Ja…

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  4. @ Rechtsstaat: Ihr Geschriebsel ist unerträglich. Nur weil er ihrer vorgestanzten Meinung wiederspricht ist der Artikel nicht einseitig.
    Ihr Geschriebsel ist dagegen Einseitig….Auch Hooligans haben Familie…

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  5. @Rechtsstaat

    „Aber die haben doch auch Familie & Kinder!

    Deine Argumente werden immer schlimmer. Familie & Kinder? Hab ich doch auch und doch treten sie gemeinsam mit 5 Mann auf mich drauf sie benehmen sich wie Neandertaler in der Urzeit und am Ende werde ich dafür verurteilt.“ (Boykott-Bulle)

    Dieser Beitrag ist einseitig? Du liest auch am liebsten den Blaulicht Blog mh? Würde ja gerne wissen ob du aus irgendeiner Hundertschaft stammst odä. (vllt sogar BFE?). Das würde deine Blindheit wenigstens erklären aber es gibt ja auch genug „Bürger“ die sich nur zugerne von Staat und Exekutive verarschen lassen.

    Zum Beitrag

    Sehr gut geschrieben nur felt mir noch was zum „Hamburger Kessel“ der mal wieder zeigt wie wenig die Politik offenbar noch Einfluss auf die Polizei hat. (Oder wieviel…)

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  6. @Rechtsstaat:

    Interessanter Tonfall, „mein Lieber“. So schöne Argumente in so korrektem Deutsch fallen einem wahrscheinlich nur ein, wenn man Helm und Rüstung zum Nachdenken benutzt, oder? Hooligans haben mit Sicherheit auch Familie, ansonsten müsste es sich wohl um eine Invasion vom Mars handeln. Dass Dir entgangen ist, dass es sich um mehrere Autoren handelt, sei verziehen, mit Visier vorm Gesicht fällt das Lesen sicher schwer. Noch schöner ist natürlich, dass der Vergleich mit Rockern („gewaltbereite Männerbünde“) gar nicht von den Autoren stammt, sondern von einem Polizisten im Rang eines Kriminaloberrats aus NRW.

    Lustig auch, dass Du den Autor mal „3 Monate in ein Land ohne rechtsstaatliche Strukturen und ohne Polizei“ schicken wollen. Vermutlich damit er dort mal so richtig … na, Du weisst schon: „Auf die Schnauze, bis er lacht“, hieß es seinerzeit schon im Nazi-KZ-Jargon. Und wie nennt man so etwas gleich? Richtig: eine Gewaltphantasie. Quod erat demonstrandum.

    Macht aber nichts, denn mittlerweile distanzieren sich weitere Kollegen von der DPolG, namentlich die größte deutsche Polizist/innen-Organisation, die GdP. Aber vermutlich sind die auch „unrealisitsch und dumm“.

    Trotzdem noch einen schönen Tag & herzliche Grüße, „mein Lieber“!
    Dein Ralle

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  7. (Nachtrag)

    …wenn die Gewerkschaften der Polizei an der Sicherheit ihrer Mitglieder interessiert sind, sollen sie gesellschaftliche Mißstände ansprechen und diese immer wieder anmahnen, statt die Spaltung der Gesellschaft durch Propaganda gegen einzelner Gruppen vorran zu treiben. Denn diese Mißstände führen zur Frustration, die sich dann in Form von Gewalt entlädt.

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  8. @ Rechtsstaat
    Erstens sind es wenn schon meine lieben nicht „mein Lieber“, denn der Artikel wurde von zwei Autoren geschrieben.

    Zweitens. Ob du den Beitrag so bescheuert und einseitig findest, wenn du oder ein(e) FreundIn so ein Ding in die Fresse bekommen? Danach kannst du lang von einem Rechtsstaat schwafeln.

    Es gibt genug Ereignisse, die auch iuristisch (das will viel sagen dazu später mehr) nachvollziehbar belegen, dass der Einsatz dieser Waffen unrechtmäßig war.(Siehe den Grusel-link von meinem Vorredner GummiAdler)

    Beim Einsatz gegen Fußballfans und Demos wird auch gerne wissentlich in die rechtliche Grauzone gegangen.
    So wurden bei der 1. Mai Demo in Berlin momentan rechtswidrig Drohnen eingesetzt.
    https://linksunten.indymedia.org/de/node/60884
    Es gibt in Deutschland noch kein Gesetz, das den Einsatz dieser Drohnen und den Schutz der Privatsphäre regelt. Trotzdem wurde es gemacht laut dem Artikel von linksunten.

    Abgesehen davon muss wass rechtlich richtig ist nicht unbedingt moralisch richtig oder evtl sogar moralisch (ich meine Moral im Sinne von Verantwortung)sehr verwerflich sein (einfach das Geschichtsbuch lesen.

    Was gesetzlich richtig ist kann die sogenannte Polizei mit Ermessensspielraum selbst festlegen. Hier also die staatliche Gewaltenteilung aufgehoben: Denn was den Einsatz von Zwangsmitteln anbelangt wird die sogenannte Polizei, wenn sie nicht einen riesiegen Lapsus machen immer eine rechtlich einwandfreie Begründung finden: „Demnach muss eine Maßnahme erstens geeignet sein, das angestrebte Ziel, zum Beispiel die Räumung einer illegalen Blockade zu erreichen. Zweitens muss die Maßnahme erforderlich sein, das heißt, es darf kein milderes Mittel zur Verfügung stehen. Bei Geeignetheit und Erforderlichkeit hat der Staat aber einen recht großen Einschätzungsspielraum. Entscheidend ist daher meist der dritte Prüfungspunkt, die Angemessenheit der Maßnahme für den jeweiligen Zweck. Kurz: Der Staat darf nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen. Letztlich muss hier aber immer das Verhalten der Akteure in der konkreten Situation betrachtet werden.“
    (Aus dem Artikel der taz http://www.taz.de/!66188/)

    Dein Glaube an den Rechtsstaat und das Vermögen der Exekutive mit diesem Ermessensspielraum und ihrem beanspruchten Gewaltmonopol verantwortungsvoll umzugehen hilft dir nichts wenn du oder dein(e) FreundIn verletzt oder tod sind.

    Wer noch einen Rechtsstaat in Deutschland glaubt der muss wie du es höchstwahrscheinlich bist ein Teil der herschenden Klasse sein oder nur zu Hause vor dem Internet sitzen. Bitte Aufwachen: Es gibt keinen Rechtsstaat, sondern Klassenjustiz! Das ist die bittere Realität!

    Kurzes Beispiel: Der im Volksmund als Blackbull http://stuttgart21.wikiwam.de/Black_Bull bekannte Polizist, der bei Stuttgart 21 schon auffällig war auch am 2.6.2012 wieder im Einsatz. Mehrere von einander unabhängige ZeugInnen haben ihn gesehen z.B. auf der Wandsbecker Chaussee. Während also Stuttgart 21 Gegner noch immer massiv mit Verfahren und Strafen überhäuft werden kommt „Blackbull“ davon und ist vielleicht in Hamburg schon wieder auffällig geworden. Dazu liegen mir allerdings keine Anhaltspunkte vor, vielmehr soll er wie Harry den Wagen vorgefahren haben. Aber auch dabei kann Mensch sehr aggressiv sein. Dem werden seine KollegInnen eventuell noch auf die Schulter geklopft haben (Korpsgeist).

    So sieht es aus „mein Lieber“ (Bei mir stimmt das jetzt)

    Du als in den Rechtsstaat vertrauender würdest für den die Hand ins Feuer legen, wenn der mit Gummi schießen dürfte? Sicher?

    Deine chauvinistischen Behauptungen über Fußballfans kannst dir übrigens sparen.

    Als Existenzialist kann ich dir sagen, dass ME jeder Mensch für sich selbst verantwortlich ist und daher kein sogenannter Polizist(in) über seinen Job zu beschweren braucht. Selbst wenn er am 2.06.2012 im Einsatz war und gedacht hätte: „was hier abgeht das ist total daneben“, hätte er hingehen können und sagen: Leute das ist mir zu dumm, das was ich hier tue, das widerspricht meinem Moralempfinden, ich höre hier und sofort auf damit und hänge meinen Knüppel und Pfefferbüchse an den Nagel. Doch das hat soviel ich weiß keine(r) getan. (Sondern teiweise fließig weiter geknüppelt) Also Augen auf bei der Berufswahl!

    @ Gensing und Reisin:
    Zwei Sachen an euch:
    Erstens: Ich hätte mir gewüscht, dass ihr kritisiert, dass die Bullen obwohl bekannt ist, dass eine Kollegin von ihnen vom faschistischen NSU ermordert wurde trotzdem obwohl es rechtlich aus meiner Sicht nicht mehr rechtlich notwendig war den Marsch der Nazis durchgesetzt haben. Da war also der viel gerühmte Korpsgeist den ihr ja auch angesprochen habt doch nicht so groß. Da wird für die FreudInnen der Mörder(in?) der Kollegin Kiesewetter alles getan, dass die ein paar Meter laufen können und hinterher ist Wendt auch noch so frech und behauptet über die AntifaschistInnen „Offenbar schrecken sie nicht mal mehr davor zurück, Polizisten zu töten.“

    Zweitens: Was mir bei eurem Artikel noch fehlt ist, dass der Einsatz von gefährlichen Waffen ein alter Hut ist seit 2010.
    Dass ihr es nicht schreibt ist für mich ein Indiz, dass dieser Sauerei viel zu wenig öffentliche Beachtung zukommt.
    War euch das etwa nicht bekannt: 2010 in Dresden war es erstmals möglich, dass Pepperballs eingesetzt werden können: http://de.indymedia.org/2010/02/272858.shtml
    In Dresden 2011 bereits mit Pepperballs geschossen wurde und bei zahlreichen Fußballspielen und Demos mehrmals sogenannte PolizistInnnen mit der HK69 (http://de.wikipedia.org/wiki/HK69) gesichtet wurden. (Bilder davon kann ich liefern sofern gewünscht) Es braucht also nicht nur den „Schreihals“ Wendt. Es gibt bereits die PloitikerInnen, die still und heimlich den Einsatz von gefährlichen Waffen durchwinken. Es sind übrigens teilweise die selben TäterInnen wie diejenigen die die Handyüberwachung in Dresden 2011 genehmigt haben!
    In diesem Zusammenhang gilt es auch noch die Schockgranaten zu erwähnen, die bereits im Ausland eingesetzt wurden z.B. in der Schweiz, als der IMC Fotograph Guy Smallmann schwer verletzt wurde. http://de.indymedia.org/2003/06/53458.shtml
    Das könnte in Deutschland auch durchaus passieren?
    In mehreren Bundesländern wurden die Polizeidienstverordnungen bereits entsprechend verändert dass Pepperballs (http://de.wikipedia.org/wiki/Pepperball)geschossen werden dürfen.
    Aktuell sind mir Berlin, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern bekannt.
    (Von allen drei Bundesländern habe ich Bilder wie diese Waffen getragen werden bei Fußballspielen)
    Daher wurden gefährliche Waffen bereits bei Einsätzen zumindest abschreckend und wie in Dresden 2011 gesehen tatsächlich eingesetzt.
    Da die Dienstverordnungen nicht öffentlich sind werden wir es nicht erfahren und es ist nur Spekulation, dass entsprechende Verordnungen (ich will hier keine Panik verbreiten) bereits genehmigt sind. Vielleicht ist also das Verhalten von Herr Wendt nur ein Täuschungsmannöver oder eine Legitamtion die Pläne jetzt aus der Schublade zu holen.
    Jedenfalls wünsche ich mir mehr Widerstand gegen solche Pläne. Daher danke für den Artikel. Es sind jetzt alle gefragt Wendt die Meinung zu sagen.

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  9. Gummischrot ist edel , hilfreich und gut – ich freue mich bereits auf den ersten Einsatz wenn der BGS Gummischrot massiv gegen euch einsetzt .

    Habe in Hamburg viel gelacht : da prügelt der BGS zwei Zecken die Scheiße aus dem Leib und der Bürger zollt Beifall.

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  10. @ Rechtsstaat:
    Bescheuerter Beitrag, mein Lieber. So dumm und einseitig kann man eben schreiben im Web und damit Meinungen erzeugen die so unrealistisch und dumm sind, dass es einfach nur noch knallt. Man sollte dich 3 Monate mit auf Auswärtsspiele eines x-beliebigen Vereins der ersten drei Ligen schicken.
    Übrigens, verwechsel die Hooligans nicht mit Polizisten. Hooligans haben auch Familien, sie können sich sicher etwas schöneres vorstellen als bei einem Fußballspiel anwesend zu sein, um sich dann von der untersten Gesellschaftsschicht, nämlich Polizisten, beleidigen und angreifen zu lassen.
    Von gewaltbereiten Männerbünden zu sprechen treibt das Maß des Problemerfassens des Autors auf den Punkt und lässt kaum vermuten, dass er seine Einstellung jemals überdenkenken müsste.

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  11. Heute sind es Gummigeschosse und morgen…..??

    Was Gummigeschosse so alles anrichten können, sehen Sie hier:

    http://www.ssi-media.com/pigbrother/Gummi.htm

    Kleiner Tipp an die Stadtväter und die DPolG: Statt über den Einsatz von Gummigeschossen zu diskutieren, wäre es besser und billiger in Zukunft Naziaufmärsche zu verbieten !

    Schließlich leben wir im Jahr 2012 und nicht im Jahr 1933 !!

    Die menschenverachtende NS-Ideologie hatte zwischen 1939 und 1945 über
    50 000 000 Kriegstote und 6 000 000 Kz-Opfer gefordert !

    Ist das immer noch nicht genug ???

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  12. Hi,

    In den Artikel wird gesagt ich zitiere jetzt nicht wörtlich:

    Es sind keien Steine, Molotows etc. geflogen.

    Ähm stimmt i-wie nicht oder ?

    Ich meine es gibt genug Vollpfosten die sowas machen … Und die haben es verdeint! Diejenigen die friedlich demonstrieren sollen machen was sie sollen und nichts abbekommen und wenn dann sollt ihr in euren eigen reihen dafür sorgen diese taten zu verhindern.

    Grüße

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  13. „Die Polizeigewerkschaft meint, die Polizei sei zu schlecht ausgerüstet, bräuchte dringend Gummigeschosse.“
    Wie erklären sich eigentlich linke Gruppierungen ihre Teilnahme an 1.Mai Demos bei gleichzeitigem Mitmarschieren der Polizeigewerkschaft, wie z.B. in Berlin regelmäßig geschehen?

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  14. Vielleicht wirds mal Zeit, die Straßen mit Bildern von Opfern von Polizeitgewalt zu pflastern. Z.B. dem heraushängenden Auge von S21. Die Gesellschaft hat sichs bequem gemacht.

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