Publikative-Spezial: Wie sicher sind unsere Festzelte?

Wie die Süddeutsche Zeitung am 17. Mai 2012 berichtete, ist es in einem Oberallgäuer Festzelt beim unkontrollierten Abbrennen von Pyrotechnik zu einer Panik gekommen, bei der drei Menschen verletzt wurden. Noch schlimmer waren die skandalösen Vorfälle in Nordrhein-Westfalen, wo bei einem Maifest sogar 25 Menschen zu Schaden kamen. Publikative.org fragt: Wie sicher sind unsere Festzelte?

Von Kai Tippmann, Altravita.com

Insgesamt also 28 Verletzte mehr als bei den „bürgerkriegsähnlichen Ausschreitungen“ beim Relegationsspiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC, wo es – glücklicherweise – nur zu Todesangst einiger Herthaner kam.

Diese ebenso illegale wie auch verachtenswürdige Unsitte, Feierlichkeiten durch das Abbrennen von Pyrotechnik zu stören und dabei Menschenleben zu gefährden, ruft nach einer ganz entschiedenen Reaktion seitens der für Ordung und Sicherheit zuständigen Behörden. Es kann nicht sein, dass Volksfeste, bei denen Spaß und Unterhaltung im Mittelpunkt stehen sollten, immer wieder durch eine kleine Minderheit gewaltbereiter Festzeltbesucher dazu genutzt wird, eine Bühne für ihre menschenverachtenden Spielchen zu haben. So macht man unsere Maifeste kaputt!

Offensichtlich war es in der Nacht zum Donnerstag einem bislang Unbekannten gelungen, einen Böller in ein Festzelt in Durach im Oberallgäu zu schmuggeln und diesen inmitten der friedlich feiernden Besucher zu zünden. Unter den drei durch einen glücklichen Zufall nur leicht Verletzten erlitt ein Mann einen Hörsturz. Deutlich Dramatischeres trug sich leider wieder einmal in Nordrhein-Westfalen zu. Nachdem sich bereits Dortmunder, Düsseldorfer und Kölner im Umfeld des Fußballs zu Gewalttaten haben hinreißen lasen, müssen sich die Veranstalter fragen lassen, wie es sein kann, dass trotz dieser Vorfälle, die tagelang die Titelseiten der Massemnmedien beherrscht hatten, ein 22-Jähriger drei (!) Bengalische Feuer (sogenannte „Bengalos“) und eine Rauchbombe in das Festzelt mitnehmen konnte. Unter den 25 Opfern beim Maifest in Troisdorf sind leider auch acht Schwerverletzte, dazu eine unbekannte Anzahl von Personen, die sich womöglich wegen Rauchvergiftungen ambulant behandeln lassen mussten.

Es ist ebenso eindeutig, dass hiermit eine neue Stufe der Gewalt erreicht wurde und die bisherigen Sicherheitsvorkehrungen wie Personenkontrollen keineswegs als ausreichend angesehen werden können. Ganz offensichtlich wurden Festzeltbesucher weder vor dem Einlass von einer ausreichenden Anzahl von Stewards durchsucht, noch war irgendeine Überwachungstechnik installiert, die den zuständigen Polizeidienststellen zumindest nach der Tat hilfreiches Bildmaterial liefern konnte. Augenzeugen berichten, dass die einzelnen Gäste sich im Festzelt zudem zwischen den einzelnen Tischen völlig frei und ungehindert bewegen konnten, nicht einmal die bis in die 80er Jahre noch obligatorischen Fangnetze waren rund um die Biertische angebracht. Es ist selbstverständlich, dass derart unverantwortliches Handeln seitens der Ordnungskräfte nicht toleriert werden kann.

Schlägereien, Urinieren am Tisch, Pöbeleien, Alkoholexzesse - auf deutschen Volksfesten ist zumeist die Hölle los. Wann handelt der Gesetzgeber?
Schlägereien, Urinieren am Tisch, Pöbeleien, Alkoholexzesse – auf deutschen Volksfesten ist zumeist die Hölle los. Wann handelt der Gesetzgeber?

Selbstverständlich kann es nur der erste Schritt sein, die bereits geltenden Normen und Bestimmungen erst einmal glaubwürdig umzusetzen. Wenn wir allerdings hören, dass vor Ort selbst Alkohol in Form von Bier und sogar hochprozentig alkoholischen Getränken ausgeschenkt wurde, dann ist auch ganz klar der Gesetzgeber gefordert. Im Umfeld solcher Menschenmengen, den Testosteronschub der vornehmlich jungen Besucher noch durch Alkohol zu befeuern, kann nicht mehr nur als Nachlässigkeit erklärt werden. Der Alkoholausschank bereits im Umfeld von Fußballstadien ist aus gutem Grunde in aller Regel verboten. Und wie können die Verantwortlichen rechtfertigen, dass auf solchen Veranstaltungen oftmals sogar Blaskapellen geduldet werden, die die erhitzte Stimmung noch weiter anfeuern? Allerdings ist Publikative.org bislang kein Innenminister oder Kommunalpolitiker zu Ohren gekommen, der sich für ein konsequentes Alkoholverbot einsetzte.

Über den Einsatz von Körperscannern am Einlass muss ebenso nachgedacht werden wie über die Abschaffung von Stehplätzen und die Einführung von personengebundenen Eintrittskarten für solche volksfest-ähnlichen Veranstaltungen. Und wenn die Pyro-Chaoten sich auch davon nicht einschüchtern lassen, dann bliebe immer noch das komplette Verbot von Stehplätzen und Besuchern von außerhalb der Veranstaltungsgemeinde ansässigen Personen (sogenannte „Auswärtstrinker“).

Die sogenannten Qualitätsmedien müssen sich zudem fragen lassen, wieso derartige Vorfälle verschämt-nüchtern im Lokalteil versteckt werden, während genau 0 Verletzte mit Sondersendungen und Titelthemen geadelt werden, nur weil sie in einem Fußballstadion stattfinden. Pubikative.org appeliert an Polizei, Innenminister, Medien und den Schaustellerverband, dass angesichts von 28 Verletzten innerhalb nur eines Abends sofortige harte Maßnahmen getroffen werden müssen, um Leben und Gesundheit von Maifestbesuchern zu schützen. Hier darf es keinen Spielraum für Verhandlungen mit Gewalttätern geben, jedwedes Gefasel von Toleranz verbietet sich von selbst. Die Aussage eines Polizisten „Die haben einfach nicht mit der Tragweite ihrer Handlung gerechnet“ zeigt doch ganz klar, dass hier versucht wird, ein brennendes Thema herunterzuspielen und die Tatenlosigkeit der Verantwortllichen nachträglich zu legitimieren. Aber nicht mit uns! Im Herbst steht das Oktoberfest in München an, Publikative.org fordert Bund und Länder auf, bis dahin für Sicherheit gesorgt zu haben. Das muss die Lehre aus diesen Schandtaten sein.

Siehe auch: Moralische Diskussionslatte

16 Kommentare zu „Publikative-Spezial: Wie sicher sind unsere Festzelte?

  1. Der Artikel liest sich äußerst boulevardesque und ist um Klassen schlechter, als alles, was ich sonst hier lesen darf. Allein der inflationäre Gebrauch rethorischer Fragen, gekrönt von dem unsäglichen „Wann handelt der Gesetzgeber“, lässt mir – mit Verlaub – die Galle hochkommen.

    Ich weiß nicht, ob es ein äußerst missglückter Versuch von Zynismus sein soll, oder ob hier ernsthaft jemand Nacktscanner, Volksfeste, „sogenannte Qualitätsmedien“ und Fußball-Fans in einen völlig willkürlich konstruierten Zusammenhang quetscht. Zumindest will ich solche Texte in Zukunft nicht mehr lesen.

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  2. Danke, dass ihr immer wieder schonungslos den Finger in die offene Wunde legt. Damit sprecht ihr uns vielen wahren Trinkern aus dem Herzen. Wir lassen uns unseren schönen Suff bei unseren friedfertig tümelnden Trinkveranstaltungen nicht länger von fremden, dahergelaufenen Randalebrüdern kaputt machen!

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  3. Pingback: Anonymous
  4. jaaa! sehr guter artikel! hab herzlich gefeuert. schönet ding. hab kurz überlegt, doch dann festgestellt, dass dies eine hommage an die law-u- order-menschen ist.

    pyrotechnik legalisieren- emotionen respektieren!

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  5. Lieber Jan,
    du hast es leider nicht verstanden.
    Der gesamte Artikel soll natürlich ein Beispiel dafür sein, wie es nicht gemacht werden sollte.
    Das wurde mit voller Absicht genau so geschrieben und ganz gut
    gemacht wie ich finde.
    Der Autor wollte damit auf die Hetzkampagne der Medien nach den Relegationsspielen reagieren und auf diese Art und Weise zeigen,
    wie Journalismus eben nicht betrieben werden sollte.

    Natürlich steckt in diesem Artikel vor allem Ironie und Zynismus,
    das solltest du aber erkennen, wenn du auf dieser Seite öfters mal vorbeischaust.

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  6. Ich schaue durchaus öfter hier vorbei. Und ich habe auch erkannt, dass mir da versucht wird, Ironie vorzusetzen: Es funktioniert nur nicht. Und wie schon Wolf Schneider wusste: Der Leser hat immer recht.

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  7. Och, Jan, ein paar Leute fanden’s eigentlich ganz lustig. Glücklicherweise ist „der Leser“ dann doch mehr als einer. Genauso, wie ein paar Leute auch die Titanic gut finden, andere können mit sowas nichts anfangen. Insofern: Es funktioniert *bei dir* nicht, das ist dann so. „Es funktioniert nicht“ ist bei ein paar Dutzend Shares allein auf FB und ebensovielen Links sicherlich nicht ganz richtig. Dir hat der Text nicht gefallen und gut ist, passiert auch mir mehrmals täglich. 😉

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  8. Das ist übrigens genau die gleiche Logik mit der Ex-DFB Sicherheitsbeauftragter Helmut Spahn argumentiert hat bei der Sportstudio Sendung nach dem Fankongress.

    Anbei ein Ausschnitt von einem Artikel über diese Sendung

    Jeder Verletzte ist einer zuviel“, sagt der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn. „Aber 800 Verletzte gibt es beim Münchner Oktoberfest an einem Tag.“ Niemand diskutiere deshalb über ein Alkohol- oder Glasverbot.

    http://www.derwesten.de/sport/sport-medial/gute-debatte-im-aktuellen-sportstudio-zu-ultras-und-hooligans-id6245921.html

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