Hurra, wir leben noch!

Deutschland im Mai 2012 am Abgrund: Der Fußball steht an einer „Schnittstelle“, Eltern bringen ihre Kinder leichtfertig in Lebensgefahr, Reporter müssen sich von dem Erlebten, von dem Schock erst einmal erholen. Die Apokalypse-Visionen der 1980er verblassen angesichts der aktuellen Bedrohungen. Hurra, wir leben noch. Ach ja, Fortuna Düsseldorf ist in die Bundesliga aufgestiegen.

Von Redaktion Publikative.org

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Hätte man das Bild bei der Übertragung des Bundesliga-Relegationsspiels abgestellt und nur dem Ton gelauscht, man hätte denken können, beim Spiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC Berlin (2:2) habe es zehn Tote gegeben. Es war aber weniger dramatisch, zumindest graduell. Hunderte begeisterte Fans stürmten den Platz, eine Minute bevor die Nachspielzeit beendet war. Das war ziemlich ungeschickt, man könnte es auch dumm nennen.

Allerdings handelte es sich mitnichten um einen Lynchmob, der Spieler und deren Kinder mit Hilfe von Pyrotechnik verbrennen, sondern um Fans, die den Aufstieg ihres Teams feiern wollten – und offenkundig dachten, das Spiel sei bereits vorbei. Dieser Irrtum hat übrigens nichts mit vorhandener oder fehlender Schwarmintelligenz zu tun, wie es die „11 Freunde“ nun ihren Lesern in bemerkenswert kulturpessismistischem Duktus weiß machen wollen, sondern viel mehr mit Massenpsychologie, Altbier und Fußball.

Kein einmaliger Vorfall, dieser vorzeitige Platzsturm: Im Jahr 1995 liefen Hunderte Fans des FC St. Pauli am letzten Spieltag auf den Rasen, und zwar bereits in der 87. und nicht 97. Minute, da sie einen Elfmeterpfiff und eine Geste von Schiedsrichter  Brandt-Chollé in Richtung Spielerausgang als Schlusspfiff und damit Auftakt zur braun-weißen Aufstiegsfeier interpretierten. Nach einigen Minuten der Verwirrung erklärte der Schiri damals, klar sei das der Schlusspfiff gewesen – eine souveräne Leistung, angesichts des Spielstands von 5:0 für St. Pauli eine leichtere Entscheidung. Auch 1991 in Köln und Duisburg gab es Platzstürme vor dem Abpfiff, ohne dass Weltuntergangsszenarien entworfen wurden, die gelassenen Reaktionen von Kommentatoren und Spielern klingen wie aus einer anderen Welt:

Platzsturm ab 4:45.

Ab Minute 1:33 hat Reinhold „so etwas habe ich noch nier erlebt“ Beckmann übrigens einen recht entspannten Gastauftritt in Form eines Spielerinterviews, bereits deutlich erkennbar umrahmt von Fans, die nur darauf warten, den Rasen zu betreten. Tja, so kann es einem mit der eigenen Erinnerung ergehen. Beziehungsweise, so biegt man sich die Realität zurecht (für die Feinsinnigeren: „konstruiert“ diese), in der Fußball immer schon der Sport der Ober- und Mittelschicht gewesen sei, in der derlei unerzogenes Rowdytum nie einen Platz gehabt habe.

In den 1990er Jahren war nach den Platzstürmen in den Medien übrigens nicht von schockierenden Szenen die Rede, die Meldungen dürften es auch nicht zu Aufmachern gebracht haben; die Frage ist also, wo eigentlich die „neue Qualität“ zu suchen ist?

Der deutsche Fußball an der „Schnittstelle“

Einen Unterschied gibt es allerdings: Das Spiel in Düsseldorf war noch nicht entschieden, da Hertha nur ein Tor fehlte, um doch noch in der Liga zu verbleiben. Der Fast-Abbruch des Spiels war dann aber der Startschuss für deutsche Sportjournalisten, das ganz große Fass aufzumachen. Jetzt müsse vielleicht noch einmal grundsätzlich nachgedacht werden über die Sicherheit in den Stadien, möglicherweise sei man an einer „Schnittstelle“ (gemeint war wohl so etwas wie Zäsur), gab Reinhold Beckmann die Richtung vor.

Deutschland an der Schnittstelle: Realität und mediale Hysterie treffen sich im TV
Deutschland an der Schnittstelle: Realität und mediale Hysterie treffen sich im TV

Deutlich wurde jedoch schnell, dass sich Beckmann und Experte Mehment Scholl in größtmöglicher Entfernung zu einer realistischen Sicht auf das Thema Fans und Sicherheit befinden. Scholl war etwas aufgefallen, nämlich dass die bengalischen Feuern in den beiden Kurven fast gleichzeitig gezündet worden seien – spekulieren wollte er nicht, aber ob es da vielleicht Absprachen der „Hooligans“ untereinander gegeben haben könnte? Soziale Netzwerke, assistierte Beckmann (sogenannte oder selbsternannte Fans in „diesem Internet“, quasi eine verdoppelte Gefahr …), da wäre vieles möglich. Auf die Idee, dass die Pyroaktionen der Herthaner und Düsseldorfer Fans auch mit dem Spielverlauf, sprich mit den Toren zu tun haben könnten, auf diese Idee kam keiner. „Hooligans“, die sich über Twitter zu einer Verschwörung zusammenfinden, klingen schließlich auch gleich viel dramatischer. Das war nur ein kleiner Wortwechsel, er zeigt jedoch, wie weit entfernt der deutsche Sportjournalismus von einem Thema ist, das er doch selbst immer wieder auf die Agenda setzt. Immerhin: Nach einer Lösung für das Problem Fangewalt befragt, gab Mehmet Scholl zu, darüber eigentlich noch nie nachgedacht zu haben.

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Obendrein gewährte er weitere interessante Einblicke in die Weltsicht von Fußballern: Wie viel „Grütze“ müsse man im Kopf haben, wenn man ein Kind solchen Gefahren aussetze?, zog Scholl vom Leder. Gemeint waren Leute, die mit ihren Kindern auf dem Rasen den historischen Erfolg der Fortuna feierten. Fans gelten hier offenbar als hirnlose Masse, vor der man sich möglichst schnell in Sicherheit bringt.

Vor Ethik wird gewarnt

Wer gibt Reinhold Beckmann und Mehmet Scholl eigentlich das Recht, anhand des ihnen zur Verfügung stehenden Bildmaterials medial über andere Menschen zu richten? Wer hat eigentlich sanktioniert, dass man Eltern, die mit ihren Kindern auf dem Rasen einen Aufstieg feiern oder sich ein Stück aus dem Rasen scheiden wollen, mir nichts Dir nichts vor einem Millionenpublikum zu gehirnamputierten, verantwortungslosen Asozialen stempeln darf? Gegen diese Macht der Bilder, kombiniert mit denunziantorischen Kommentaren, ist die gerne und zu Recht gescholtene Bild-Zeitung zuweilen ein harmloses Käseblättchen.

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Wir erlauben uns, an dieser Stelle die Frage zu stellen, wie lange die genannten Herren bitte schon nicht mehr aus ihren Stadtrand-Villen und ihren gepanzerten Limousinen rausgekommen sind, wenn sie „heute Abend das erste Mal über dieses erschreckende Problem nachgedacht“ (Scholl) haben? Erschreckend an dieser Art der Berichterstattung sind jedoch nicht die gezeigten Bilder, sondern die zur Schau gestellte Verantwortungslosigkeit. Auch nach mehr als einem Jahrhundert Medienkritik und -forschung wollen Beckmann, Scholl und Co. die einfachsten Einsichten nicht wahrhaben:  Wer ständig mit einer derartigen Massenwirkung bestimmte Phänomene beschwört, ist mit dafür verantwortlich, wenn diese schließlich auch eintreten.

Die Republik am Abgrund?

Bemerkenswert ist daher auch der Ansatz, man dürfe den „Gewalttätern“ keine Bühne bieten, gleichzeitig aber mehr als eine halbe Stunde lang nur noch darüber zu spekulieren, was alles passieren könnte, so wie es der Kommentator in der ARD tat: Familien, die durch geworfene Pyros, die vom Tribünendach (!) abprallen, verletzt werden; Hertha-Spieler, die möglicherweise vom Mob spielunfähig getreten wurden, uswusf.
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Allerdings hätte man die Tatsache, dass nach dem Schlusspfiff Tausende Menschen auf dem Rasen feierten und überall Frauen und Kinder (müssen die eigentlich nicht längst ins Bett?!?) dabei waren, auch als ein Indiz dafür werten können, dass die Situation nicht der eines Bürgerkriegs glich, so wie es die Rhetorik der Kommentatoren nahelegte. Beckmann verabschiedete sich indes unbeirrt mit der Ankündigung, er müsse sich nun erst einmal von diesem Schock erholen.

Heute Nacht, wenn die überlebenden Funktionäre und Reporter von der Front zurückkehren, den Geländewagen in der Tiefgarage sicher abgestellt haben, werden sie dann vielleicht erst einmal den Ipod anschließen und laut Milvas „Hurra, wir leben noch!“ hören, dabei mit zitternden Händen den Rotwein schwenken. Diesen Abend werden wir alle nicht vergessen.

Wir gratulieren indes Fortuna Düsseldorf zum Aufstieg, vorläufig zumindest – die Entscheidung über einen möglichen Einspruch von Hertha BSC steht noch aus. Außerdem gratulieren wir natürlich der DFL, die durch die Relegation mehr Emotionen und Spannung erzeugen wollte. „Die Relegationsspiele haben in der Vergangenheit eigentlich immer für große Spannung und Dramatik gesorgt“, erklärte Holger Hieronymus, DFL-Geschäftsführer Spielbetrieb, in einem Gespräch im Mai 2009 mit bundesliga.de. „Diesen zusätzlichen Spannungsfaktor wollen wir einfach wieder nutzen, um die Bundesliga und 2. Bundesliga noch interessanter zu machen.“

Das ist gelungen.

Alle Meldungen aus der Rubrik Fußball (bzw. Bürgerkrieg).

149 Kommentare zu „Hurra, wir leben noch!

  1. Ich kann nur hoffen, dass die Verfasser dieses Textes niemals in die Lage geraten, dass sie selbst, nahe stehende Personen oder solche, für die man im Augenblick aus irgend einem Grunde gerade die Verantwortung trägt, und die möglicherweise nicht die Statur eines Kleiderschrankes haben, plötzlich in einem unkontrollierbaren Mob verloren gehen, wo eine Mixtur aus Euphorie, Aggression, Panik und Wut jegliches rationale Verhalten unmöglich macht. Denn dann können auch weiterhin unbesorgt Fanzine-Texte aus der Rubrik „Die wollen doch nur spielen“ produziert werden, die doch nur die eigene Unreife bescheinigen. Man kann offenbar die Peter-Pan-Weigerung, erwachsen zu werden, recht publikumswirksam publizieren und auch noch als quasi politisches Statement verkaufen – kein Wunder in einem Land, wo die Befindlichkeiten von wutgebürgerten Netz-Piraten schon als ernst zu nehmende Politik gelten. Und was die Zumutungen medialer Darbietungen angeht: Die 1968er hatten mit „Enteignet Springer“ zumindest noch ein echtes Ziel (wie immer man das auch aus heutiger Sicht bewerten will), eine Rebellion gegen öffentlich-rechtliche Muppets wie Beckmann und Scholl aus dem GEZ-Zwangsabgaben-finanzierten Kukident-Fernsehen wirkt dagegen wie „Kinderkanal goes Krawall-Karneval“.

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  2. Ich versteh nicht, warum Computerspiele immer als Gewaltkatalysatoren herhalten müssen wenn doch offensichtlich dieser Scheißsport tatsächlich immer wieder Verletzte und Tote unter den sogenannten Fans fordert.

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  3. scheissbericht, lese da nur pro pyro, pro ultra-kultur raus…der verfasser scheint auch ein „platzstürmer“ gewesen zu sein, der jetzt versucht, sich ein reines gewissen zu erhalten…

    Wir sind enttarnt – und während wir den Platz stürmten und Kinder verprügelten, haben wir das Ganze live im TV geschaut und eine Stunde später einen Bericht dazu veröffentlicht. 😉

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  4. Fußball ist aus meiner Sicht vollkommen unwichtig, langweilig und uninteressant. Schreibt lieber mal etwas über Politik, z.B. über den antigriechischen Chauvinismus, der sich im Land breit macht.

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  5. Dann möchte ich Herren Blogautoren mal sehen, wenn ihnen eine Horde betrunkener, gröhlender Leute entgegenläuft. Ob man da noch so entspannt ist? Von außen lässt sich sowas leicht beurteilen.
    Die Herthaner taten mit leid. Wie will man nach so einer Unterbrechung wieder an Fussballspielen denken – vor allem da man fürchten muss, bei einem Treffer von eben noch fröhlichen Fans umgenietet zu werden?
    Das war ein Chaos, DUsseldorf hat in der BuLi mit so einer Stadionsicherheit rein gar nichts zu suchen.

    Wer sagt denn, dass unter den vielen fröhlich Feiernden nicht igendwo ein Irrer mit nem Messer rumläuft – s. Berliner Hauptbahnhof?

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  6. Relativieren, schönreden, Medienschelte. Also alles wie immer von der Pro-Pyrofraktion. Sorry, nicht jede Fackel ist ein Mörser, aber gestern spielten sich Szenen ab, die schlicht nicht gehen. Da gibt es keinen Spielraum für wir-sind-die-Outlaws-die-schlecht-behandelt-werden. Wo ist die Selbstreinigung der Kurve? Tot. Das ist sie. Die Kurve ist tot und wird von wenigen hundert Kriminellen beherrscht und tausende Party-Affen rennen wie die Lemminge hinterher. Die Bösen, liebe Autoren, sind nicht in Redaktionsstuben zu suchen. Sie stehen idR hinter Toren in Stadien. Leider. Ihr macht unseren Sport kaputt.

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  7. Ach ja die Querfront steht wieder einmal… und solang sie steht werd ich darauf aufmerksam machen:

    Was haben wir also?:

    -Fans die mehr oder weniger bewusst der gegnerischen Mannschaft die Möglichkeit des Gewinnens des Spieles nehmen.
    -Die auch noch nicht sonderlich einsichtig sind also man ihnen klar macht das es weiter gehen sollte (Zum Vergleich, der Platzsturm bei Lautern nach den 6 zu 2 ist nach wenigen Minuten wieder Geschichte, ohne Zwang)
    -Das, unabsichtlich oder nicht, dank Masse gegnerische Team einschüchtern, und auch noch den Spielplatz beeinträchtigen.
    -Das alles aus der Gewissheit „WIR(Da ja der Fan genauso viel Anteil hat wie Trainer, Spieler und co, er hat ja schließlich gezahlt …) haben gesiegt, WIR lassen uns nicht mehr davon abbringen, WIR haben gegen „DIE“ triumphiert.

    Das alles und noch viel mehr(die Kritik an böse wirtschaftlich denkenden Vereine, die „Feind“medien und an den „anderen“ Fan) lassen eigentlich nur zu das man das hier nur als eins betiteln kann: Wutfan.

    Natürlich sind die darauf folgenden Berichte und co. übertrieben, aber ihnen wird anscheinend einen fast unmenschliche Ratio hier auferlegt.
    Beispiel: Ich würde wahrscheinlich selber als Moderator bei einen spannenden Spiel fluchen und um Kopf und Kragen reden wenn es so wirr beendet wird. Der bei Kaiserslautern kann sich seine väterlichen Hinweise leisten, es schon entschieden …

    Gleiches mit den Rest der Medien, den mal pauschal unterstellt das sie sich „Gegen den armen Fan“ verschwören werden.

    Den Fan stattdessen wird großzügig das nicht vorhanden sein jeglicher Ratio als Pluspunkt gewertet. „Emotionen sind ja was tolles(Ich möchte den Satz auch mal hören wenn die Gegnerische Mannschaft emotional vom Platz gejagt wird).

    Insgesamt, und das zieht sich wie ein roter Faden durch die Publikative, die Reihen zu den Wutfan sind fest geschlossen, man steht zu ihn, er ist nämlich „Opfer“ der Rest „Täter“… und wenn mal harte Kritik aufkommt, sind es die natürlich wieder anderen(z.B osteuropäische)… da darf man sich aber schließlich alles herausnehmen. Die anfängliche vage formulierte Kritik am Fan ist stattdessen untergegangen, im Wahn, man müssen ihnen eine Stimme geben, koste was es wolle.

    Das Ende in einen dieser „hippen“ Antifasprüchen:
    „Publikative vom Platz stellen… mit der Blutgrätsche“

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  8. Also dieses ganze Gerede von „Todesangst“ und „Blutbad“ und was da noch alles durch die Medien geistert… das ist doch alles bloß aufgebauscht. Vielleicht versucht die Hertha durch diese Aussagen noch ein Wiederholungsspiel zu bekommen. Aber mal ehrlich: Wer sich die Bilder ansieht, der wird ganz leicht sehen können, dass von „Todesangst“ da wohl keine Rede sein kann. Lell hatte sogar in seiner „Todesangst“ noch Zeit, sich mit einem Düsseldorfer Spieler anzulegen.
    Als die Berliner auf den Platz zurückkamen, wurden sie mit Applaus (und zwar des ganzen Stadions) bedacht.

    Ich bin der Meinung, dass Stark hier absolut richtig gehandelt hat. Erstens, das Spiel musste unterbrochen werden (klar, es standen jede Menge Fans auf dem Platz), zweitens, das Spiel stand 2:2, bei einem weiteren Treffer wäre Hertha in Liga 1 geblieben. Drittens: Ok, die 90 Sekunden noch spielen zu lassen war vielleicht etwas ungeschickt. Aber es waren 7 Minuten Nachspielzeit angezeigt, die wurden auch gespielt.

    Viertens hatte Hertha 34 Spieltage lang Zeit die Klasse zu halten. Danach hatten sie nochmal 2 Spiele, von denen sie das Heimspiel mit 1:2 verloren haben. Und ich glaube auch nicht dran, dass im zweiten Spiel noch ein dritter Treffer gefallen wäre…

    Jetzt solche Aussagen zu tätigen ist einfach nur noch unwürdig.

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  9. @Guardman

    Nein, selbst bei sowas, es gibt keine „Bösen“, es gibt höchstens Feinbilder die man pflegt und heckt… damit man sie immer parat hat wenn etwas aus der Bahn läuft um schnelle Antworten für ein komplexes Thema zubekommen.

    Das geht auf beiden Seiten, ob man es glaubt, oder nicht 😉

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  10. Würde mich @LaHaine anschließen:

    Gönne Publikative die 100 000er Marke für diesen Artikel(„wow!“).

    Sehe einerseits Fußballgewalt(wie auch entpolitisierte Gewalt am ersten Mai) nur als Katalysator für tiefergreifende Probleme, wie Entsolidarisierung in der Gesellschaft, zunehmende Kommerzialisierung(zum Beispiel auch Gentrifizierung), soziale Härte, fehlendes Rechtsbewusstsein/mangelndes Vertrauen in das Rechtssystem, u.s.w… Wobei Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern noch gut dasteht: Flächendeckende Videoüberwachung in England. Rios und Suburbs in Frankreich und England. Homo unter Strafe in Osteuropa. Ungarn. Sinti und Roma. Trying to make a living in Greece….

    „Medienhype“ sehe ich auch als sehr problematisch an, Klickzahlen-Zwang, „Diktatur des Suchwortes“. Sehne mich nach Entschleunigung und Nachhaltigkeit. Palästinagrassurheberechtspiratenfacebookpartylobosixtusschwarminteligenzdebatte, ich kann nicht mehr…

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  11. Wie einige schon bemerkten, ist der Artikel insofern gut, als er die Panikmache und deren Zusammenhang mit der Aufhetzung der Szene aufzeigt und denunziert. Allerdings geht diese Klugheit dann verloren, wenn man vom Parteiergreifen fuer die Ultras aus versucht, die tatasaechlich gestern entstandene Gefahrensituation fuer NICHT-routinierte Fans (sowie Spieler und Schiedsrichter) wegzureden oder zu bagatellisieren. Wenn 1000+ lebendige Wesen ohne Choreographie drauflosrennen, KANN vieles passieren, das KEINER will (und zuletzt die Ultras). Das ist einfach ein Faktum. Und es ist letztlich egal, ob jemand aus Freude oder aus Wut ueberrant wird (oder in Gefahr ist, ueberrannt zu werden). Und hier liegt meiner Ansicht nach die Chance, von einem –mit den genannten Einschraenkungen– differenzierten Artikel wie diesem hier aus weiterzuarbeiten in Richtung Fan-Selbstorganisation und -kontrolle, um genau die Gefahren, die jetzt Vorwaende zur Entdifferenzierung („alle Fans sind hirnlose Schlaegertypen, egal ob rechts oder links“) bieten, zu vermindern. Hier ist eine Initiative, die ich sehr gut finde: http://www.block1898.de/block1898/ . Hier wird auch gegen Pyros von den Fans selbst Stellung genommen, UND von Rassismus. Zur Erklaerung: in Darmstadt gibt es traditionell ‚Probleme‘ mit gewaltbereiten Fans, aber eben auch einen sehr gut funktionierenden harten Fankern, der in Richtung Ultra gegangen ist, aber eben nach den effektivsten Methoden der Anti-Nazi-Strategie sucht, und diese in der Zusammenarbeit mit allen anderen gegen die Nazis findet. So kann man die gewaltbereiten Nazis ausgrenzen, aber gleichzeitig (indem man einen speziellen Block fuer die Ultraszene schafft) die Ultra-fans und ihre Begeisterung im Stadion behalten. Wenn man es schafft, dass nur die richtigen dabei erwischt werden, andere Leute in Gefahr zu bringen, schafft schon das allein eine Atmosphaere, in der sich die Nazis nicht mehr zu Hause oder gar willkommen fuehlen. Ich glaube, das sollte das Ziel sein. Und wenn die Kosten dafuer sind, dass man keine Pyros mehr schmeissen darf, finde ich das OK. Da kann man bestimmt auch dran weiterarbeiten, so dass man Pyro-selbstkontrolle und Fussballspielen ohne Hustenanfaelle miteinander kombiniert, in Zukunft. Aber nochmal: der Platzsturm gestern war nicht OK, und er war gefaehrlich fuer nicht-routinierte Fans. Und ihn zum richtigen Zeitpunkt loszutreten (und eben nicht, wie gestern, zu frueh) waere eine Sache der Fan-Selbstorganisation gewesen, wenn die Klubs nur endlich sich zu so etwas durchringen koennten. Schliesslich sind die Fans als Teil des Stadions auch Teil des Gesamtereignisses Heimspiel, und sollten demnach bei der Planung desselben integriert sein.

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  12. Mal ganz abgesehen vom Inhalt des Beitrags (dem ich komplett zustimme: „85.165 mal gelesen“? Glückwunsch, Publikative! Soviel Aufmerksamkeit hättet ihr zwar öfter verdient, vor allem wenn’s nicht um Fußball geht, aber was solls. Sehr beachtlich!

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  13. „Auch 1991 in Köln und Duisburg gab es Platzstürme vor dem Abpfiff, ohne dass Weltuntergangsszenarien entworfen wurden, die gelassenen Reaktionen von Kommentatoren und Spielern klingen wie aus einer anderen Welt:“

    Früher war Rassismus auch noch alltäglich und normal. Das solltet ihr wohl am Besten wissen hier. Eure Argumentation ist unglaublich.

    Die Zeiten haben sich geändert, heute hat solch ein Chaos auf einem Profi-Fußballplatz nichts mehr verloren. Und auch die Mentalität, der Geist hinter den Pyros ist ein anderer als früher.

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  14. Wäre ich Hertha-Spieler gewesen, ich hätte das Spielfeld nicht mehr betreten. Wer kann garantieren, daß nicht einer der Chaoten aus der Masse einen Hertha-Spieler angreift? Und hätte Hertha dann tatsächlich noch das 3:2 gemacht, wäre wohl schlimmstes passiert. Vielleicht hätten wird dann verletzte oder noch schlimmeres zu sehen bekommen. Was da gestern in D’dorf abging war einfach beängstigend und geht absolut nicht. Da muß mit aller Macht ein Riegel vorgeschoben werden. Der Einspruch von Hertha ist mehr als gerechtfertigt. Und mein gesunder Menschenverstand sagt mir, daß es unbedingt ein Wiederholungsspiel auf neutralem Platz geben muß.

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  15. Guter Beitrag. Nur ein kleiner aber feiner Unterschied zu den anderne Platzstürmen. Dort ging es um die Freude für die eine Mannschaft über das erreichte, während es der anderen egal war. In der Relegation geht es um das nackte Überleben, von daher sollte sehr wohl die Frage erlaubt sein, was passiert wäre, wenn Hertha noch ein Tor geschossen hätte. Die feiernden Leute von der Tribüne wären sicherlich nicht auf die Spieler losgegangen, aber ausschließen kann man es leider nicht. Was versagt hat, ist das Sicherheitskonzept der Fortuna.

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  16. video 1: um was ging es denn für bw 90 gegen duisburg? nix!
    video 2: um was ging es für den 1.fc köln gegen kaiserslautern? nix!

    in der relegation geht es für beide clubs um alles. was in düsseldorf passiert ist, war unglücklich – aber trotzdem irregulär! das spiel muss wiederholt werden.

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  17. Verharmlosung von Straftatbeständen.
    Die ganzen Bekloppten sorgen dafür das man nun nochmal eine halbe Stunde länger am Stadion auf seine zweiwöchentliche Dosis zärtlicher Berührungen wartet.
    Entweder wir haben Regeln und Gesetze und befolgen sie oder wir machen was wir wollen, nur eins von beiden geht und nicht wie einem grad passt.
    Kein Platz für Ultras !

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  18. War der erste „Rasenrenner“ überhaupt ein Fortunafan? Vielleicht war es ein Berliner der einen Spielabbruch provozieren wollte damit die Hertha doch noch am grünen Tisch die 1e Liga-Lizenz erhält… 🙂

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  19. Die Sache hat auch etwas Gutes: Nun sieht Jeder, der sich niemals für Politik und Medien interessierte, wie Medien Politik machen: durch maßlose Übertreibung, Dramatisierung und schlichtweg Lügen, obwohl es für Jeden sichtbar in Wirklichkeit ganz anders war.

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  20. „109 comments zum Thema Fussball, mehr als 10 mal mehr als durchschnittlich zu Artikeln, die sich mit Rassismus beschäftigen. ARM.“

    Wer genau hinschaut, wer den Artikel aufmerksam liest, der erkennt, dass es hier schon um ne sehr politische Sache handelt – und damit mein ich die Einstellung des Autors, oder bessergesagt: Die Überzeugungen, auf denen die Einstellung des Autors zu diesem Thema beruhen.
    Meinem Verständnis nach liegt den Ausfürhrungen des Autors eine Art Urvertrauen in die Weisheit der Massen zugrunde – so kann man das zumindest lesen, wenn man seine überdeutliche Abgrenzung zum Gieselmann-Artikel miteinbezieht (auch dieser ist übrigens für Menschen mit politischem Intwresse durchaus lesenswert). Und wenn das kein grundsätzlicher, hochpolitischer/gesellschaftstheoretischer Aspekt ist – was dann, bitte.

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  21. Vielen Dank für den hervorragenden Artikel. Erstaunlich, ja gradezu erschreckend, ist, wie sich hier manche Poster von medienkreierten Phantasien und daraus resultierenden irrationalen Ängsten beherrschen lassen. Man fragt sich wie solche Menschen überhaupt durchs Leben finden.

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  22. Das unglaublichste war, daß sich die Polizei und der Ordnungsdienst nur mit der Hertha-Fankurve beschäftigt hat und dort alles abgeriegelt hat. So konnten die Düsseldorfer ziemlich leicht den Platz stürmen. Das Sicherheitskonzept der Düsseldorfer hat total versagt und dafür sollten sie kräftig bezahlen müssen, abgesehen von dem Wiederholungsspiel das wohl kommen wird.

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  23. Herrlich geschrieben! Gleich vorweg gratulierte ich der Fortuna zu diesem Aufstieg. Selbst wenn für mich als Lautrer und FCK ler fest steht, dass ein Aufstiegsplatz jetzt schon wieder für Hertha und seine Sponsoren reserviert ist.

    Die Scholls und Beckmanns dieser Nation lassen Fussball verkommen zu einem Event wie DSDS oder Supermodelgedöns.

    Auch wenn es nicht ganz passt gehört es aber dennoch zu der ganzen Entwicklung im Deutschen Fussball. Das Gequatsche „Wir sind Bayern“ bla bla… Ja, die erarbeiten ihre Millionen! Uli Hoeneß schippt noch den Schnee in der Arroganz Arena (Stadion) und Audi, Telekom, Adidas und TV sagen nur danke! Klar, Chelsea hat einen durchgeknallten Ölmilliadär als Fan. Finde ich noch immer sympathischer als das ganze Plastikgemache in unserem Verband. Jetzt müssen wir auch noch denen dankbar sein für die Punktewertungen um international noch mehr B und C Spiele zu sehen?!? Sorry, wenn Bremen, Dortmund, Schalke, Wob und Leverkusen zu blöd sind, sich über die Vorrunde er Eurowettbewerbe zu qualifizieren, dann haben wir es auch nicht verdient einen weiteren Startplatz zu erreichen. Ich würde mir lieber die Zunge abbeißen als „Danke Bayern“ zu sagen… Dank denen haben wir die gerufenen Geister wie RBL, WOB, LEV, MZ, FCI, TUS HOFFENHEIM usw… Mir wird grad schlecht, wenn ich daran denke was da noch alles auf uns zurollt!

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  24. Wieviel DFB-Geld muß man im Hirn haben um so einen Kommentar in der ARD abzugeben.Aber Geld frißt ja scheinbar Hirn.Gruß von einem Fortuna Fan der im Stadion war und kein Hooligan ist.

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  25. „Das unglaublichste war, daß sich die Polizei und der Ordnungsdienst nur mit der Hertha-Fankurve beschäftigt hat und dort alles abgeriegelt hat.“

    Als einer der eingesetzten Beamten kann ich dazu nur sagen:

    Zu mehr wären die eingesetzten Beamten aufgrund der Kräftelage nicht imstande gewesen.

    Leider haben sogar einige Ordner die Fluchttore in richtung Spielfeld geöffnet, um den Sturm des Feldes zu vereinfachen…

    Das ist in Dortmund zwar auch geschehen, aber kontrolliert und nach Ende des Spiels…

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  26. Hallo besten Dank,

    für den ersten gelungenen Kommentar zum Thema, ich leide mit euch am derzeitigen Fußballjournalismus. Ein extremes Beispiel für, man kann fast sagen Hetzte gegen Fußballfans und absolute Fehlinterpretation sowie Hysterie ist auch der Kommentar auf Seite 1 in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung WAZ vom Mittwoch. Es ist eine Schande. Eine Schande soetwas als Journalismus zu bezeichnen. Ihr seid neben dem Kommentar im Reviersport (vom Donnerstag), der erste gelungene Kommentar zum Relegationsspiel.

    Beste Grüße und nochmal Danke aus Sodingen im Ruhrpott

    Philipp

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  27. Ich hab auch Angst, vor der unfähigsten Buneregierung die DEUTSCHLAND je hatte. Ich hab Angst vor unbezahlbahren Lebensmitteln, steigenden Heizkosten, Strompreisen, sinkenden Löhnen, Steuererhöhungen und vielen anderen Abzocken in diesen Drecksstaat. Vorallem hab ich Angst ab 2013 unter der Brücke zu wohnen und trotzdem GEZ bezahlen zu müssen. Aber 80 Mio DEUTSCHE haben scheinbar Angst auf die Strasse zu gehen und dieses Dreckssystem endlich zu stürzen. Wenn große Klappe dann was tun. Siehe Bayern, große Klappe nichts gerissen.

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  28. Pingback: Alles Chaoten!

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