Gute Mitte, böse Nazis

Seit der Aufdeckung der NSU befassen sich Medien und Politik wieder verstärkt mit Neonazis. Der Rassismus und Nationalismus der Mehrheit bleibt dabei weitestgehend unberührt.

Von Patrick Gensing, zuerst veröffentlicht bei Zeit-Online

Die NPD ist gefährlich; nicht politisch, sie spielt in den meisten Bundesländern keine Rolle, dafür als legaler Arm einer gewalttätigen völkischen Bewegung, die sich über die Partei mit Geld versorgen kann. Diese Gefahr darf nicht kleingeredet werden, es braucht fundierte und unaufgeregte Berichterstattung über die NPD und die rechtsextreme Bewegung. Daher ist der Ansatz der ZEIT-ONLINE-Serie, unter der Überschrift Neue deutsche Nazis genau hinzuschauen – und zwar kontinuierlich – richtig.

Damit ist es aber nicht getan. Christian Bangel schrieb, Neonazis seien „uns näher, als wir denken. Mit wachsendem Erfolg buhlen sie um die Mitte der Gesellschaft. Wissenschaftler warnen schon länger davor, dass rassistische und autoritäre Ideen dort auf wachsendes Wohlwollen stoßen“.

Ich meine, dass nicht Neonazis diese Ideen in die Mitte der Gesellschaft tragen. Es sind vielmehr Teile der selbst ernannten Mitte, die sich radikalisieren. Ein zunehmend entsichertes Bürgertum wirft zivilisatorische Errungenschaften leichtfertig über Bord; Hetze gegen Arme, Ausländer, Migranten und andere Minderheiten sowie gegen den Staat Israel gehören mittlerweile wieder zum guten Ton. Wer solche Auswüchse kritisiert, wird entweder zum Gutmenschen, Gegner der Meinungsfreiheit oder Kriegstreiber erklärt.

Literaturnobelpreisträger und ehemalige Bundesbanker verbreiten neuen Antisemitismus sowie rassistische Thesen über die Leitmedien – eine Wirkmacht, die die Schreihälse von der NPD nie erreichen werden.

Die wahre Funktion der NPD: Ablenkung

Nach dem Bekanntwerden der NSU-Morde standen die staatlichen Stellen so heftig in der Kritik wie wahrscheinlich nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Von autonomer Antifa bis FAZ-Feuilleton wurde offen über das Ende des Inlandsgeheimdienstes mit dem hübschen Namen „Verfassungsschutz“ debattiert. Die Politik musste handeln – und sie handelte. Innenminister Friedrich kündigte eine Neonazi-Verbunddatei an und das Thema NPD-Verbot wurde wieder auf die Agenda gesetzt. Viele Medien waren zufrieden, der Staat hatte das Ruder wieder übernommen.

Der Skandal um den Verfassungsschutz in Thüringen weitet sich offenbar immer weiter aus - ohne irgendwelche Konsequenzen. (Grafik: Kai Budler)
Der Skandal um den Verfassungsschutz in Thüringen weitet sich offenbar immer weiter aus - ohne irgendwelche Konsequenzen. (Grafik: Kai Budler)

Ob es aber sinnvoll ist, Sicherheitsbehörden, die ein gefährliches Eigenleben geführt und komplett versagt haben, mit noch mehr Kompetenzen auszustatten, wurde bald nicht mehr thematisiert. Nun beherrschten stattdessen Meldungen zum NPD-Verbot die Medien. Selten zuvor war so deutlich geworden, welche Funktion die NPD hat: Mit dem Kampf gegen die Neonazi-Partei lässt sich effektiv vom Versagen der Behörden und dem Rassismus der sogenannten Mitte ablenken.

Dabei wäre nach den NSU-Morden eine echte Debatte über die deutsche Art der Integration nötig gewesen. Eine schonungslose Bestandsaufnahme über unsere Verhältnisse, die noch immer durch das Blutsrecht geprägt sind. Warum werden Migranten in Deutschland vor allem als potenzielle Islamisten oder Kriminelle wahrgenommen? Wie kann es sein, dass neun Menschen ermordet werden – und Ermittler und Medien verbreiten die Mär von Morden im Drogenmilieu? Warum hat es die Mehrheitsgesellschaft nicht gestört, dass Menschen zu Dönern gemacht wurden? Warum wurde den Angehörigen der NSU-Opfer über die Presse keine Stimme verliehen? Viele Fragen, kaum Antworten – zumindest nicht mehr in den großen Medien.

Weiterhin ethnisch weiße Redaktionen

Dabei sollten gerade Journalisten und Medienhäuser genauer hinschauen. Die meisten Redaktionen in Deutschland sind weiterhin ethnisch homogen, nämlich weiß. Sie bilden nicht die Bevölkerungsstruktur in Deutschland ab – Themen wie Rassismus finden meist nur bei außergewöhnlichen Vorfällen statt, Alltagsrassismus ist absolutes Nischenthema. Fühlen sich Schwarze diskriminiert, wird dies gerne als subjektives Empfinden abgetan – genau das aber ist Rassismus: Eine Mehrheit definiert, was sie sich gegen Minderheiten herausnehmen kann.

Sarrazin auf den Seiten der NPD (Screenshot vom 11.9.2010)
Sarrazin auf den Seiten der NPD (Screenshot vom 11.9.2010)

Deutschland erklärt derweil nicht mehr den Krieg, sondern Flüchtlingsabwehr, Frieden und Sparen. Es ist erstaunlich, mit welchem Brustton der Überzeugung deutsche Friedensfreunde, Sparfüchse, Umweltschützer und Hobbystrategen die Welt lehren, warum man sich an Deutschland orientieren müsse. Früher bezeichnete man so ein übersteigertes Selbstbewusstsein und lehrmeisterhaftes Auftreten übrigens als Nationalismus.

Mit den braunen Schmuddelkindern will aber niemand etwas zu tun haben, NPD und Neonazi-Szene sind zu Recht fast bundesweit isoliert, viele Funktionäre sind kaum tageslichttauglich. Kleinkriminelle, bemitleidenswerte Charaktere, die meinen, die Welt beherrschen zu müssen – aber nicht einmal einen Kreisverband führen  können.

Doppelte Maßstäbe

Doch dass ihnen keiner zuhört, heißt nicht, dass auch ihre Ansichten verpönt wären. Wenn ein NPD-Abgeordneter im Sächsischen Landtag Israel als Schurkenstaat bezeichnet, rümpfen die Abgeordneten der demokratischen Parteien die Nase. Wenn Günter Grass ähnliches äußert, applaudieren viele begeistert.

Wenn die NPD Wahlplakate veröffentlicht, auf denen Migranten rassistisch karikiert werden, ist die Öffentlichkeit empört. Als aber in einem bayerischen Polizeikalender Migranten als kriminelle Affen dargestellt wurden, erklärten CSU und Polizei, der Kalender sei nicht rassistisch, weil er nicht rassistisch gemeint sei. Würde die NPD im Zusammenhang mit dem Bildungssystemen in Europa von Pferderassen schwadronieren, hieße es, sie entlarve sich selbst. Einem Bestseller-Autor aber jubeln dafür Tausende auf seinen Lesungen zu.

Rassismus und Antisemitismus werden exotisiert und auf die Neonazis abgeschoben. Das gibt es angeblich nur bei der NPD – obgleich sämtliche Studien zu ganz anderen Ergebnissen kommen. Die sogenannte Mitte erteilt sich selbst die Absolution, während davor gewarnt wird, dass Neonazis Soziale Netzwerke, Kindergärten, Schulen oder Vereine unterwandern.

Doch so einfach ist es nicht. Die Neonazis kommen aus unserer Mitte. Es sollte ein Alarmsignal sein, wenn eine Partei wie die NPD in zwei Landtagen sitzt – und zwar nicht, weil sie bald die Macht in Berlin übernehmen könnte, sondern weil dies ein Zeichen dafür ist, dass etwas nicht stimmt. Rechtsextreme sind in den Regionen besonders stark, in denen Alltagsrassismus besonders virulent ist. Die NPD ist Symptom, nicht Ursache des Rassismus. Schaut man in den braunen Abgrund, spiegeln sich die Missstände der Mehrheitsgesellschaft wider, eine groteske Fratze, die höhnisch die Unzulänglichkeiten und Mängel aufzählt – wenn man ihr denn zuhören mag.

Es ist wichtig, über die Neonazis zu berichten. Doch nun muss der nächste Schritt folgen. Wer ausschließlich über die NPD reden will, schweigt über den Rassismus und Antisemitismus der Mehrheitsgesellschaft. Dabei liegt genau hier der Schlüssel, um den Rechtsextremismus zu besiegen.

Siehe auch: Deutscher Humor: ohne Rassismus kein WitzKeine Angst: wir sprechen Deutsch!,  Der “Affenzirkus” von DessauRassismus, Sexismus, Menschenverachtung – Humor bei der PolizeiEinmal die Klappe halten, schweigende Mehrheit!

 

36 Kommentare zu „Gute Mitte, böse Nazis

  1. Die hier vom Autor vorgetragenen Unterstellungen über Rassismus und rechtes Gedankengut in der deutschen Mehrheitsgesellschaft und bei ganz „normalen“ Bürgern halte ich für eine ziemliche Frechheit. Wahrscheinlich ist bei Herrn Gensing alles „rechts“ oder „Nazigedankengut“, was nicht mit seiner eigenen Meinung übereinstimmt und was sich kritisch zu Themen wie Einwanderung, Islam oder Euro äußert. Sogar das SPD-Mitglied Sarrazin wird bei ihm in die Naziecke gerückt.
    Dass sogar eine renommierte Zeitung wie DIE ZEIT so etwas druckt wundert mich stark.

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  2. lieber harald,
    haben sie den artikel eigentlich gelesen? es geht nicht darum, sich kritisch äußern zu dürfen, sondern darum, wie sich die bürgerliche mitte mit ihrem latenten rassismus hinter der npd verstecken kann. nehmen sie sarrazin oder grass: beides öffentlichkeitswirksame menschen, die mit ihren beiträgen ressentiments schüren. es soll sogar linke geben, die sich abfällig über „kopftuch-mädchen“ oder „neger“ äußern. was hat das bitte mit kritschem äußern zu tun?

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  3. „Sogar das SPD-Mitglied Sarrazin wird bei ihm in die Naziecke gerückt…“

    Bis zu diesem Satz habe ich gedacht, Harald schreibt hier seine tatsächliche Meinung nieder. Aber hier wird die Ironie deutlich. Sehr schön!

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  4. Dass die Vorwürfe des Autors keine Unterstellungen sind, sollte ja nun offensichtlich sein. Aber dieser Artikel thematisiert genau solche Menschen wie Sie, Harald. Menschen, die Rassismus und Antisemitismus nur „rechts“ sehen, am vermeintlichen Rand. Doch dass laut Studien 20% der Deutschen zumindest latente Antisemiten sind, in diesem Land Menschen in Lagern und Gefängnissen sitzen, nur aus dem Grund, dass sie keinen deutschen Pass haben, zeigt wie sehr sowohl Antisemitismus als auch Rassismus im Alltag dieser Gesellschaft vorhanden sind und diese Lager sind gerade einmal eine Facette dessen, was sich tagtäglich hier abspielt.
    Ihre Sicht auf die Gesellschaft scheint eine recht schön gefärbte zu sein; die Progrome von Rostock-Lichtenhagen beispielsweise waren damals nicht nur getragen von organisierten Nazis, sondern ebenso von Alltagsrassisten und Bürgern, die selbst wohl nicht NPD o.ä. wählen würden. Diese „normalen Bürger“, die sie hier verteidigen wollen, standen damals applaudierend vor den brennenden Häuser. Und das ist nur ein Beispiel, an dem aus der sogenannten „Mitte“ ein den rassistischen Mord fordernder Mob wurde. Solche Gefahren müssen aufgezeigt werden und da sind Artikel wie der obrige schon einmal ein guter Anfang. Und das eine Mitgliedschaft in irgendeiner Partei einen nicht davor schützt, Antisemit oder Rassist zu werden oder zu sein, ist auch offensichtlich, da müssen Sie schon andere Argumente finden.

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  5. „Wer solche Auswüchse kritisiert, wird entweder zum Gutmenschen, Gegner der Meinungsfreiheit oder Kriegstreiber erklärt.“

    Schön, dass Harald das auch gleich bestätigt.

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  6. Grundsätzlich ist Herr Gensings Anliegen, bestimmte Entwicklungen der politischen Kultur und der sogenannte „Mitte der Gesellschaft“ zu kritisieren, begrüßenswert. Ich bezweifele aber, dass dies mit der von ihm gewählten Perspektive gelingt. Vieles wirkt konstruiert, um die favorisierten Freund-Feindunterscheidungen zu ermöglichen und gelangt letztendlich nicht zum Kern des Problems. Besonders ärgerlich ist dieser Abschnitt:

    „Ein zunehmend entsichertes Bürgertum wirft zivilisatorische Errungenschaften leichtfertig über Bord; Hetze gegen Arme, Ausländer, Migranten und andere Minderheiten sowie gegen den Staat Israel gehören mittlerweile wieder zum guten Ton. Wer solche Auswüchse kritisiert, wird entweder zum Gutmenschen, Gegner der Meinungsfreiheit oder Kriegstreiber erklärt.

    Literaturnobelpreisträger und ehemalige Bundesbanker verbreiten neuen Antisemitismus sowie rassistische Thesen über die Leitmedien – eine Wirkmacht, die die Schreihälse von der NPD nie erreichen werden.“

    Kolonialismus, Faschismus und Nationalsozialismus sind genuine Produkte der westlichen Zivilisation. Das verrohte Bürgertum braucht nicht „zivilisatorische Errungenschaften“ über Bord zu werfen, es folgt einfach der chauvinistischen Logik, die der westlichen Zivilisation innewohnt und sich im Rassismus, Sexismus, also der Abwertung des Anderen, äußert. Die Gleichsetzung von Sarrazin und Grass ist ebenfalls verfehlt. Sie ist übrigens ein beliebtes Motiv der Rechten. Bei aller berechtigen Kritik an Grass, ist er sicherlich weit davon entfernt, ein Hetzer und Demagoge im Stile von Sarrazin zu sein. Zum Vorwurf der Kriegstreiberei finde ich folgenden Abschnitt entlarvend:

    „Deutschland erklärt derweil nicht mehr den Krieg, sondern Flüchtlingsabwehr, Frieden und Sparen.“

    Aha. Es sind also nicht die deutschen Eliten, die meinen ihre Kriege mit Auschwitz begründen zu müssen und sich damit brüsten, dass Deutschland überallhin Waffen exportiert. Nein, die bösen Nationalisten sind die „Friedenfreunde“. Den sollte man geistige Nähe zu kapitalistischer Sparpolitik und rassistischer „Flüchtlingsabwehr“ unterstellen. Hauptsache die Querfront steht.

    Aber im Ernst: Vielleicht möchte Herr Gensing sich auch zur Jungle World äußern, die als dezidiert linke und israelfreundliche Zeitung, schon seit vielen Jahren rassistischem Kulturkampfgedöns eine Heimat bietet.

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  7. Ich finde, dieser ZEIT-„Kommentar“ von Herrn Gensing strotzt vor sachlichen Unschärfen und Ungenauigkeiten, groben Vorurteilen und einer selbstgerechten pharisäerhaften Anklagementalität.
    Sehr weit gefasste Teile der Bevölkerung („die Mitte“) werden verleumdet und verächtlich gemacht, als geistige Sympathisanten der NSU-Mördern und dumpfbackige Rassisten dargestellt.
    Die Dinge liegen weiß Gott komplizierter. Zum Beispiel speist sich Islam(ismus)-Kritik aus vielen, sehr heterogenen Quellen: auch linke Frauen, Atheisten, säkulare und liberale Muslime, Aleviten und „ganz normale Bürger“ (Herrn Gensing ohnehin hoch verdächtig), denen Verfassungswerte und Menschenrechte – contra islamistische Unterwanderung – wichtig sind, werden hier mit braunen Rassisten zusammengeworfen – eine sehr ungute Strategie !

    Das stimmt nicht, ich schreibe von rassistischer Islamkritik, die sich als aufklärerisch tarnt. Gruß, PG

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  8. @Nicola: Mal von ihrer unglücklichen Wortwahl „pharisäerhaften“ abgesehen, erkenne ich keine groben Vorurteile und keine selbstgerechte Anklagementalität in dem ZEIT-Kommentar von Herrn Gensing. Warum werden so angeblich weit gefasste Teile der Bevölkerung verleumdet und verächtlich gemacht? Kann sich hier der Autor nicht auf eine Vielzahl von wissenschaftlichen Studien über menschenfeindliche Einstellungen in der „Mitte“ der Gesellschaft berufen, wie z.B. auf die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ oder den „FES-Studien“ mit der Universität Leipzig?

    Kann es vielleicht sein, das auch die NSU-Mörder nicht für ihre Mordserie von einem unbekannten Planeten mit einem Ufo zur Erde gereist sind, sondern hier geborene Menschen sind, die von ihrem gesellschaftlichen Umfeld sozialisiert wurden? Dies macht nicht gleich die gesamte Gesellschaft zu Mördern, aber die Frage wie aus Menschen rassistische Terorristen werden darf und muss gestellt und diskutiert werden.

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  9. Antwort an Daniel, Soak und andere:

    Die Wahlergebnisse zeigen, dass die NPD in Deutschland im Niedergang ist (nur noch um die 5 % in einigen Ländern, bundesweit bedeutungslos). Sie wird von der Mehrheitsbevölkerung nicht angenommen, die vielen Anti-Nazi-Aktionen der Bevölkerung (an denen ich auich oft teilgenommen haben) zeigen dies mehr als deutlich.
    Deshalb verstehe ich, dass Personen wie der Autor des Artikels und andere natürlich die „Nazis“ gern anderswo suchen und „finden“ wollen, am besten in der Mitte der Gesellschaft beim ganz „normalen“ Bürger. Das macht sich gut für Projekte, Aertikel etc , denn die Mitte ist groß und da wird man schnell mal was finden können.
    Der Trick ist leicht durchschaubar, aus berechtigter Kritik an unkontrollierten Einwanderung ohne berufliche Qualifikationen wird Fremdenfeindlichkeit, aus Kritik am politischen Islam und muslimischen Parallelgesellschaften in Großstädten wird Rassismus, aus Kritik am Euro wird Europafeindlichkeit, der Bestsellerautor einer sachlichen-kritischen Analyse der verfehlten Zuwanderungs- und Integrationspolitik wird in die Naziecke gedrängt etc etc.
    Es kommt nur auf das Koordinatensystem an- frei nach dem Spruch aus der Werbung „Alles Nazis oder was?“.
    Bei Studien wird aus einer bejahende Antwort auf die Frage, ob wir zuviele Ausländer aufgenommen haben, ein Rassist oder Nazi.
    Es gibt eben „Oberdeuter“ – wie der Autor des Artikels- die entscheiden, welche Aussage Nazigedankengut ist.

    Ich denke, dass Nazigedankengut in der Mitte unserer Gesellschaft nicht verankert ist und dass Rassismus bei den Deutschen nicht mehr vertreten ist als anderswo in der Welt. Die Deutschen haben die großen Belastungen durch Zuwanderungen im wesentlichen recht ruhig weggesteckt.

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  10. @Harald

    „Die Deutschen haben die großen Belastungen durch Zuwanderungen im wesentlichen recht ruhig weggesteckt.“

    … Welche Deutschen waren denn so „stark“, um „…die großen Belastungen durch Zuwanderungen im wesentlichen recht ruhig“ weg` gesteckt zu haben? – Gibt` es da für dich eine besondere Kategorie? Also für Sarrazin, den „Bestseller“-Autoren, gibt` es Eine – ach, was schreibe ich, gleich Mehrere Kategorien. – Sogar Unterkategorien…

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  11. ich schließe mich daniel domeinski an.
    herr gensing hat mal wieder geglaubt, es reiche, das richtige zu wollen, die darlegung dessen sei dann nicht mehr notwendigerweise konkret auszuführen. irgendwie wird ohne weiteren zusammenhang dreck in die welt geschleudert, umweltschützer zu nationalisten gedeutet und grass mit sarrazin gleichgesetzt, wird schon passen. wir unterstellen einfach so viel wie möglich menschen die niedrigsten beweggründe und schon ist die laube fertig, denn die mehrheit der gesellschaft ist genannt und verunglimpft.
    zwischendrin hatte ich den eindruck, herr gensing wollte eigentlich nur was über die bösen linken und all die heuchlerischen als israel-kritiker verkleideten antisemiten schreiben, die seine welt bevölkern aber leider hat die zeit das nicht drucken wollen. also ist es eine große patchworkarbeit geworden, aus diversen zusammengeworfenen textbausteinen, die inhaltlich nicht viel verbindet, außer angeblich das in der überschrift genannte gut gemeinte anliegen.

    witzigerweise liegt herr gensing mit seiner kernaussage ja vollkommen richtig. mit dem verweis auf die ekligen nazis entzieht sich das gros der gesellschaft zu oft der auseinandersetzung mit seinen eigenen vorurteilen und eklen gedankengängen. aber das ist erstens nicht neu und zweitens schon diverse male sachlicher und nachvollziehbarer vorgetragen worden als von herrn gensing.
    ich bin baff, das so etwas überhaupt gedruckt wird.

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  12. Hallo, Herr Gensing, danke für die Reaktion. Ich bleibe aber dabei, dass Ihr Artikel hauptsächlich von pauschalisierenden Unterstellungen über „die Mehrheitsgesellschaft“ lebt und streckenweise genau so Vorurteile bedient, wie sie die böse weiße Rassistengesellschaft mit ihrer „Fratze“ (Ihre Wortwahl !) besitzen soll, die Sie hier auf die Anklagebank setzen. Wer in das braune Töpfchen geworfen wird, unterliegt dann einer wirren – und auch vollkommen unwissenschaftlichen – Willkür.

    Übrigens bedarf es heute oft erheblich mehr Mut, öffentlich als Journalist/in, Politiker/in, Künstler/in Kritik am Islam(ismus) zu leisten, als wenn man sich ständig als edler Kämpfer „gegen rechts“ inszeniert.
    Dass Islamkritiker/Innen oft nur unter Lebensgefahr ihre Arbeit tun können, daran haben sich Gesellschaft, Politiker und Medien schon längst gewöhnt – hier fehlt mir auch ein sichtbarer „Aufstand der Anständigen“ von links (!)– gegen islamistischen Faschismus und Terrorismus !

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  13. Ich werfe niemanden in das braune Töpfchen, sondern fordere, über Einstellungen zu sprechen – und nicht über Etiketten. Wir sprechen in diesem Blog übrigens auch über Islamismus, in diesem Artikel geht es aber um die weiße Mehrheitsgesellschaft.

    Ich geriere mich zudem nicht als mutiger Journalist, sondern äußere meine Meinung. Ich fühle mich dabei nicht sonderlich mutig, sondern sehe das als mein Grundrecht an.

    Der Vorwurf, ich liefere einen unwissenschaftlichen Text ab, hat wenig Relevanz, da es sich natürlich nicht um eine wissenschaftliche Arbeit, sondern um einen Kommentar handelt.

    Weiterhin ziehen Sie hier die moralische Ebene ein, mit Unterstellungen über meine Person und meine angebliche Motivation, was mich nicht sonderlich berührt, denn das ist ein bekanntes Vorgehen, wenn man inhaltlich wenig zu entgegnen hat.

    Gruß
    Patrick Gensing

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  14. Entschuldigen Sie, Herr Gensing,
    lesen Sie doch bitte Ihren Text noch einmal genau durch – hier wird von „dem Rassismus und Antisemitismus der (!) Mehrheitsgesellschaft“ gesprochen, von deren „Fratze“ uvm. Ich gehe mal davon aus, dass Sie sich n i c h t zu dieser faschistoiden „weißen“ Brut zählen, die Sie hier meinen vorführen zu müssen – d a s meine ich, wenn ich von Selbstgerechtigkeit und Selbsterhöhung spreche. (Spinoza: Was Peter über Paul sagt, sagt mehr aus über Peter als über Paul…)

    Macht es Sie eigentlich nicht nachdenklich, dass so viele ganz normale ZEIT-Leser im Forum offenkundig von der intoleranten Absolutheit, dem aggressiven und herabsetzenden Stil und den Pauschalisierungen, negativen Zuschreibungen und Unterstellungen in Ihrem Kommentar abgestoßen sind ??? Zeit wird’s finde ich, vielleicht auch für eine Stellungnahme, wenn Sie nach diesem Text noch ernst genommen werden wollen.
    Ein Leser empfindet den Artikel schlichtweg als „Unverschämtheit“ – zu Recht, wird hier doch Grunde genommen (weiteres Forum-Zitat:),“ auf eine imaginäre deutsche „Mehrheitsgesellschaft“ eingedroschen. Man muss sie nicht identifizieren, charakterisieren und analysieren, sie ist einfach da, dumm und hässlich wie sie ist“. (Das meinte ich übrigens, wenn ich von „unwissenschaftlich“ schrieb. Auch ein Kommentar oder Essay sollte nicht alle wiss. Standards über Bord werfen.)

    Wenn Sie sich von mir angegriffen fühlen, meine ich, sollte man nicht im Glashaus sitzen, wenn man mit Pflastersteinen herumwirft.
    Es ist daher ein Witz, wenn die ZEIT- Zensur, die Foristen zu respektvollem Ton auffordert und massenhaft kritische Kommentare streicht. Ihr Beitrag lässt jeden Respekt vor dem Objekt Ihrer Anklage (die schreckliche „Mitte“ der Gesellschaft)vermissen !
    Ich würde mich nicht wundern so etwas auf einem Antifa-Flugblatt zu finden, für die ZEIT ist das eigentlich unmöglich.

    Mit bestem Gruß
    Nicola

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  15. Sie springen in Ihren Vorwürfen, jetzt schreiben Sie von Antisemitismus und Rassismus, die ich der selbst ernannten Mitte unterstelle. Das trifft es schon viel eher als braunes Töpfchen. Ein Fortschritt. Schön.

    Übrigens sind meine Behauptungen von diversen Studien belegt, Sie könnten das auch wissen, wenn Sie sich bei der Suche nach dem Material nur halb so viel Zeit nehmen würden wie die Kommentare hier. Als kleinen Service ein Link zum Anlesen:

    http://www.publikative.org/2011/10/19/angst-vor-uberfremdung-ohne-fremde/

    Was mich interessieren würde: Wie würden Sie es eigentlich bezeichnen, dass nach den NSU-Morden die Opfer verdächtigt wurden? Dummer Zufall?

    Und noch zwei Fragen hätte ich: Woher wissen Sie, dass die gelöschten Kommentare bei Zeit-Online sachlich waren? Und was ist eigentlich ein „ganz normaler Zeit-Leser“?

    Danke und Gruß
    Patrick Gensing

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  16. „jetzt schreiben Sie von Antisemitismus und Rassismus, die ich der selbst ernannten Mitte unterstelle“ . „Ein Fortschritt.Schön“.

    Eine so banale Entgegnung würde ich ehrlich gesagt mit weniger Arroganz vorbringen – als ob Antisemitismus und Rassismus nicht fester Bestandteil jeder neonazistischen Gesinnung ist. Im übrigen muss man sich über den begrenzten Wert von Umfragen klar sein, die auf komplizierte gesellschaftliche Fragestellungen oft nur binäre Antworten erlauben. Schon gar nicht sollte man solche Umfragen missbrauchen, um einer diffusen Menge von Menschen „sozialschädliche“ Einstellungen zu unterstellen. Mit „normalem ZEIT-Leser“meine ich, dass sich offenkundig auch Leute aus dem links-liberalen Spektrum – keine Nazi-Besucher im Forum – von diesem Hetztext irritiert und provoziert fühlen – aber das ist Ihnen – das ist ja allen klar – ohnehin egal, war ja vielleicht auch Ihr Ziel. Vielleicht sollte es aber der Chef-Redaktion nicht egal sein. Leserbeschimpfung mit anschließender Maßregelung durch die Redaktion („Bleiben Sie sachlich !“) nach völlig legitimen kritischen Reaktionen, macht sich nicht gut.

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  17. Also, nochmal von vorne: Antisemitismus und Rassismus sind Bestandteil der Neonazi-Ideologie – D’accord. Das bedeutet aber nicht im Umkehrschluss, dass diese Einstellungen ausschließlich dort zu finden sind. Weiterhin bedeutet es nicht, dass jeder, der rassistisch oder antisemitisch argumentiert, ein Rechtsextremist ist.

    Wie wissenschaftliche Studien, nicht Umfragen, übereinstimmend und über Jahre (beispielsweise Heitmeyer) immer wieder festgestellt haben, sind solche Einstellungsmuster viel weiter verbreitet. Sie entgegnen nun, das seien halt „Umfragen“, die keinen Wert hätten, damit qualifizieren Sie allerdings kurzerhand die gesamte Sozialwissenschaft ab – und argumentieren auf sehr dünnem Eis, da Sie hier den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit erhoben hatten – die vorliegenden Studien meine Position aber stützen.

    Da Sie hier ohnehin noch kein einziges belastbares Argument vorgetragen haben, sondern nur gute Ratschläge erteilen, was die Zeit-Redaktion tun und lassen sollte und was ich für ein arroganter Gutmensch sei, möchte ich den Austausch an dieser Stelle von meiner Seite aus beenden. Sie können der Zeit-Redaktion ja einen Gegenkommentar anbieten, ich bin gespannt.

    Gruß
    Patrick Gensing

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  18. „Sie entgegnen nun, das seien halt “Umfragen”, die keinen Wert hätten, damit qualifizieren Sie allerdings kurzerhand die gesamte Sozialwissenschaft ab “

    Ich glaube nicht, dass seriöse wissenschaftliche Untersuchungen ihre Ausführungen über die Nazis in der Mitte der Gesellschaft stützen, Herr Gensing.
    Es ist schwer oder unmöglich etwas zu „beweisen“, was schlechtweg nicht stimmt, auch in Sozialwissenschaften. Ich habe mir eine Reihe von derartigen Studien etc angesehen. Da war der Wunsch oft Vater des Gedankens. Wenn man ein Studie über Rechtsextremismus oder Rassismus macht, dann sollte auch viel davon finden- sonst gibt es ja keine neue Studie; das ist wie beim Ungeheuer von Loch Ness. Ich hatte es oben schon geschrieben, Antworten auf Fragen werden darin oft als Zeichen von Nazigedankengut interpretiert. Ein Beispiel war die Frage danach, ob wir zuviele Ausländer hierhaben. Antwort ja- Ausländerfeindlichkeit, Rechtsextemismus). Was ist wenn im Kern die antwort ja ist, wenn wir unsere Zuwanderer erst integrieren und neue nur selektiv zulassen sollten (Beispiel: Kanada, Australien)?

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  19. lieber herr gensing,

    sie haben jetzt noch einmal viel nachgeschoben, aber leider nichts, das ihre wahllosen verunglimpfungen und wirren aufzählungen erklären könnte. es grenzt doch an dreistigkeit, wenn sie die heitmeyer-studie heranziehen, um einen text zu rechtfertigen, wo umweltschützer und friedensbewegte zusammen mit günter grass in den großen braunen topf geworfen werden. das hat tatsächlich nichts miteinander zu tun. ihre ergüsse werden von der heitmeyer studie nicht belegt und zielen auch nicht in die gleiche richtung. die heitmeyer-studie beklagt die entsolidarisierung der gesellschaft, sie hingegen betreiben eine art beliebigen und beleidigenden rundumschlag gegen alles, was ihnen nicht passt.
    zwar soll ihr text, wie sie schreiben, ein kommentar sein, aber zu was? wenn es ein kommentar zu den gesamtdeutschen zuständen sein soll, dann sollten diese zustände wenigstens annähernd korrekt wiedergegeben werden. wenn es ein kommentar zu ihrem eigenen inneren erleben ist, dann sollten sie ihn als solchen kennzeichnen. so ist der text einer, der inhaltlich unnachvollziehbar bleibt und nur auf beifall aus den eigenen reihen zielt (welche auch immer das sind).

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  20. Mein abschließender Kommentar dazu ist: niemand bestreitet, dass es in der Bevölkerung rassistische und antisemitische Einstellungen gibt auch ohne NPD-Parteibuch, allerdings keineswegs nur in der von Ihnen im Schwarz-Weiß-Muster dargestellten „bürgerlichen Mitte“, sondern auch z.B. in Migrantenkreisen. Es gibt schon längst inter-ethnische Diskriminierungen – z.B. zwischen Arabern und Türken -, es gibt Deutschen- und Christen- und Judenhass von islamischer Seite u.v.m.
    Umfragen kann man kritisch gebrauchen oder propagandistisch missbrauchen – darum geht’s. Das ist doch alles viel komplizierter, als es hier tendenziös vorgebracht wird – zu Lasten einer bösartigen Bürgerkarikatur.

    Woran ich – und auffallend viele andere Foristen – Anstoß nehme, ist, wie Sie diese tatsächlichen oder vermeintlichen Einstellungen plakativ und aggressiv, einseitig und in einem fast schon hetzerischen Stil einer dämonisierten und zugleich unscharfen „weißen“ bürgerlichen „Mitte“ überbeuteln.
    Ein Leser bezeichnet zutreffend Ihren Text als „ Schmähschrift, in der in einem diffusen Atemzug Günter Grass, Umweltschützer, Sparsame und Weiße angeklagt werden.“
    Diese Kombination aus simpler Propaganda, heilloser Wirrheit und „heuchlerischer Selbstgerechtigkeit“ – so ein weiterer Forist – macht das Ganze so unerfreulich und der ZEIT unwürdig.

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  21. @Nicola:

    Ich empfehle Ihnen, zum besseren Verständnis des Artikels von PG, einmal die Lektüre folgender Studien:

    FES-Studien „Vom Rand zur Mitte“ und „Die Mitte in der Krise“:

    http://library.fes.de/pdf-files/do/04088a.pdf

    http://library.fes.de/pdf-files/do/07504-20120321.pdf

    Die Dauerstudie „Deutsche Zustände“ von Wilhelm Heitmeyer:

    http://www.uni-bielefeld.de/ikg/Handout_Fassung_Montag_1212.pdf

    Der Thüringen-Monitor:

    http://www.thueringen.de/imperia/md/content/homepage/politisch/thueringenmonitor-2011-gesamtdokument-final3.pdf

    Ich danke für die Aufmerksamkeit!

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  22. @Max: Wären Sie so freundlich, die Stellen zu zitieren wo Umweltschützer und Friedensbewegte zusammen mit Günter Grass in den großen braunen Topf geworfen werden? Ich habe den Text jetzt mehrmals gelesen und finde dies einfach nicht Bitte entschuldigen Sie meine Nachfrage, aber ich würde Ihren Aussagen gerne folgen können. Wenn ich es am Rande richtig mitbekommen habe, beklagt die vermutlich gemeinte Heitmeyer-Studie die Entsolidarisierung der Gesellschaft durch eine Ausbreitung der „Ideologie der Ungleichwertigkeit“ sowie eins starken Anstiegs der „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“. Genannt werden dabei glaube ich:

    – Rassismus
    – Fremdenfeindlichkeit
    – Antisemitismus
    – Homophobie
    – Abwertung von Obdachlosen
    – Abwertung von Behinderten
    – Islamfeindlichkeit
    – Klassischer Sexismus
    – Etabliertenvorrechte
    – Abwertung von Langzeitarbeitslosen

    Heitmeyer setzt sich auch mit der Gemeinsamkeit aber auch der Trennlinie zwischen Antisemitismus und der Kritik an Israel auseinander, was ja auch Thema von Günter Grass und den „Friedensbewegten“ ist. Wirft also auch Heitmeyer alle in einen großen braunen Topf?

    @Harald: Leider kann ich Ihren Ausführungen nicht folgend. Könnten Sie mir bitte kurz erläutern, nach welchen Kriterien Sie wissenschaftliche Untersuchungen als „seriöse“ und „unseriöse“ definieren?

    Würden Sie mir bitte auch den Namen der Studie und deren Autoren nennen, indem nach ihren Angaben alleine die Antwort auf die Frage, ob wir zu viele Ausländer hier haben als Ausländerfeindlichkeit/Rechtsextremismus bewertet wird. Zudem würde mich interessieren wie in dieser angeführten Studie „Ausländer“, „Ausländerfeindlichkeit“ und „Rechtsextremismus“ definiert werden. Interessant wäre zudem von welcher Forschungsfrage die genannte Studie ausging und welche quantitativen und qualitativen Methoden angewendet wurden.

    Soweit ich informiert bin, ist es üblich in Veröffentlichung von Studien die angewendeten Methoden aufzuführen und diese zu erläutern. Sollte es eine bekanntere Studie sein, wird diese zu einem ausführlichen wissenschaftlichen Diskurs geführt haben, innerhalb diesen vermutlich auch seitenweise Methodenkritiken veröffentlicht wurde. Falls Sie dazu einen Link haben, wäre ich ihnen sehr dankbar!

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  23. @max: Es handelte sich um einen Kommentar zu der Zeit-Serie „Neue deutsche Nazis“, die Redaktion hat mich gebeten, die Berichterstattung über den Rechtsextremismus zu thematisieren. Hier nochmal die Einleitung:

    Seit der Aufdeckung der NSU befassen sich Medien und Politik wieder verstärkt mit Neonazis. Der Rassismus der Mehrheit bleibt dabei unbeachtet, kommentiert P. Gensing.

    Gruß
    Patrick Gensing

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  24. @ Roland Sieber:

    Ich versuche mal, Ihnen zu erklären, was ich gemeint habe, wobei ich mich sehr wundere, wie es Ihnen möglich war, das beim Lesen des Artikels nicht zu finden.

    „Brauner Topf“ ist klar, oder? Ich hätte auch „werden in die Nazi-Ecke gestellt“ schreiben können.

    Erstes Zitat:
    „Deutschland erklärt derweil nicht mehr den Krieg, sondern Flüchtlingsabwehr, Frieden und Sparen. Es ist erstaunlich, mit welchem Brustton der Überzeugung deutsche Friedensfreunde, Sparfüchse, Umweltschützer und Hobbystrategen die Welt lehren, warum man sich an Deutschland orientieren müsse. Früher bezeichnete man so ein übersteigertes Selbstbewusstsein und lehrmeisterhaftes Auftreten übrigens als Nationalismus.“

    Herr Gensing stellt „deutsche Friedensfreunde“ und „Umweltschützer“ ohne erkennbaren Zusammenhang in einen Kontext mit dem Deuschland, dass (jetzt nicht mehr, aber früher schon) anderen den Krieg erklärt, also naheliegend Nazideutschland und benennt sie ausdrücklich als Nationalisten (für mich klar brauner Topf).

    Zweites Zitat:
    „Doch dass ihnen keiner zuhört, heißt nicht, dass auch ihre Ansichten verpönt wären. Wenn ein NPD-Abgeordneter im Sächsischen Landtag Israel als Schurkenstaat bezeichnet, rümpfen die Abgeordneten der demokratischen Parteien die Nase. Wenn Günter Grass ähnliches äußert, applaudieren viele begeistert.“

    Also wenn das nicht Grass mit Nazis gleichsetzen ist, dann weiß ich auch nicht.

    Im Übrigen nennt die Heitmeyer-Studie einiges, das auch Herr Gening nennt, da haben Sie recht. Das Ärgerliche ist aber gerade, dass Herr Gensing weit darüber hinausgeht und die Liste derer, die aus der Mitte der Gesellschaft rechte Gedanken verbreiten, willkürlich um weitere Menschen und Gruppen erweitert, die er schlicht nicht leiden kann.

    Wir können eigentlich auch offen darüber sprechen. Es geht um Menschen, die Israel kritisieren (Grass, Friedensbewegung) und die Herr Gensing gerne bei den Antisemiten (also Menschenfeinden) eingruppiert. Dass aus dieser seltsamen Ecke, in der Herr Gensing da steht, auch gerne die gesamte Umweltschutzbewegung zynisch mit dem Nazi-Spruch „Umweltschutz ist Heimatschutz“ in die rechte Ecke gestellt wird, ist auch nicht neu. Es bleibt nur leider bei dümmlichen Schmähungen und Anwürfen. Eine inhaltliche Verknüpfung mit Nazis oder rechtem Gedankengut besteht schlicht nicht. Dass Herr Gensing sie dennoch herbeikalauert ist meine Kritik.

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  25. Roland Sieber:
    Ich meinte Studien wie
    http://library.fes.de/pdf-files/do/04088a.pdf
    und ähnliche von den gleichen Personen. Dort wird die These vom Rechtsextremismus in der Mitte unserer Gesellschaft vertreten.
    Man sollte dort mal genau nachsehen was unter Rechtsextremimsus zählt, etwa Affinität zu dikatorischen Regierungsformen oder Chauvinimus- da können sie die halbe Welt unter RE zählen.
    Ebenso werden bejahende Antworten auf Aussagen wie
    1.Wir wollten wieder Mut zu einem starken Nationalgefühl haben,
    2. Die BRD ist durch die vielen Ausländer in gefährlichem Maße überfremdet
    als Beweis für RE herangezogen. Da ich 1. auch zustimme, bin ich nach den Autoren auch rechtsextrem und das als Wähler der SPD und der Linken. Irgendwie stimmt also das Koordinatensystem nicht.

    „beklagt die vermutlich gemeinte Heitmeyer-Studie die Entsolidarisierung der Gesellschaft durch eine Ausbreitung der “Ideologie der Ungleichwertigkeit” “

    Eine Entsolidarisierung unserer Gesellschaft entsteht vor allem durch die Auswüchse des Turbokapitalismus bei uns. Die Zuwanderungspolitik spielt insofern hinein, weil Sozialsysteme auf der Akzeptanz des Prinzips der Soldarität der Beteiligten beruhen. Mögliche Einwanderungen in das Sozialsystem führen das Solidaritätsprinzip ad absurdum.

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  26. Hallo Harald,

    National-Chauvinismus ist eine Einstellungen, die Menschen aufgrund ihrer nationalen Herkunft pauschal auf- oder abwertet und somit eine Ungleichheitsideologie. Wer von „Überfremdung“ spricht, ordnet Menschen entweder pauschal nach kultureller oder regionaler Herkunft ein und ist dementsprechend ein Kulturalist bis Rassist.

    Nach meiner Auffassung wird in der verlinken Studie „Vom Rand zur Mitte“ die These von rechtsextremer Einstellungen in der Mitte unserer Gesellschaft vertreten und der Rechtsextremismusbegriff an sich sehr kritisch gesehen, siehe Seite 55 f.:

    „Der Begriff `Rechtsextremismus´ ist dahingehend irreführend, weil er das Problem als ein Randphänomen beschreibt. Rechtsextremismus ist aber ein politisches Problem in der Mitte der Gesellschaft. Der möglicherweise für die Verfassungsschutzarbeit taugliche Begriff des Rechtsextremismus ist für die politische Analyse offensichtlich zu wenig genau. Auch wenn zunächst keine Alternative in Sicht ist, sollte dies bei der Verwendung des Begriffs bedacht werden. Dies zeigt sich sehr deutlich in den Zustimmungswerten zu einzelnen rechtsextremen Aussagen, bei denen teilweise über 40 % der Befragten zustimmen konnten. Aber auch auf den Skalen und damit in einer Beschränkung auf geschlossene Weltbilder werden sehr hohe Werte erreicht.“

    Die Autoren schreiben also Schwerpunktmäßig über „Zustimmungswerten zu einzelnen rechtsextremen Aussagen“ und über „Einstellungen“ und nicht über geschlossene rechtsextreme Weltbilder.

    Bereits auf Seite 11 und 12 kritisieren die Autoren den Begriff „Rechtsextremismus, aber erläutern warum Sie diesen trotzdem verwenden. So schreiben diese auf Seite 12: „Wir unterscheiden zwischen Einstellungen und dem tatsächlich gezeigten Verhalten (vgl. Abb. 1.1.1 [S. 13]). Angelehnt ist diese Unterscheidung an die Definition des Rechtsextremismus in Handlung (insbesondere Gewalt) und rechtsextreme Einstellung nach Heitmeyer (1987). Dieser `duale Rechtsextremismusbegriff´ (Butterwegge 2002, S. 21) wird zu Recht kritisiert, solange Rechtsextremismus durch das gleichzeitige Vorliegen von Einstellungs- und Verhaltenskomponenten definiert wird. Der Nutzen einer dualen Definition liegt aber gerade in der Unterscheidbarkeit von Einstellung und Handlungen.“ Auf Seite 13 ist zu lesen: „Ein gemeinsames Auftreten der Inhalte, wie in unserem Beispiel, bezeichnen wir als rechtsextremes Einstellungsmuster. Ein rechtsextremes Weltbild setzt sich aus verschiedenen Einstellungsmustern zusammen. Generell existiert allerdings kein allgemeiner Konsens darüber, welche Bestandteile ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild ausmachen.“ Ab Seite 20 wird die Durchführung und die Konzeption der Fragebögen erläutert. Interessant ist auch die Diskussion über die Typenbildung ab Seite 154 sowie die Zusammenfassung der Ergebnisse ab Seite 157:

    „Wir haben festgestellt, dass der Begriff `Rechtsextremismus´ irreführend ist, weil er das Problem als ein Randphänomen beschreibt. Rechtsextremismus ist aber ein politisches Problem in der Mitte der Gesellschaft. Das kann nicht ausdrücklich genug betont werden. Der Begriff des Rechtsextremismus ist für die politische Analyse offensichtlich zu ungenau.“

    Ich will abschließend noch ergänzen, dass der Rechtsextremismusbegriff bzw. die Extremismustheorie inzwischen nicht nur umstritten, sondern von der Mehrheit der damit befassten Politologen und Soziologen als wissenschaftlich widerlegt angesehen wird.

    @max: Es handelt sich um einen Kommentar in der Zeit: Ein Kommentar im Journalismus ist ein Meinungsbeitrag zu einem Thema, der den Autor namentlich nennt. Kommentare geben die persönliche Meinung des Autors wieder und werden häufig überspitzt formuliert um die Leser dazu anzuregen, sich eine eigene Meinung zu bilden, einen Diskurs anzustoßen oder einen Beitrag zur sachlichen Diskussion zu leisten. Ich würde in anbetracht diesen Threads sagen, dass Herr Gensing diese genannten Ziele erreicht hat.

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  27. @roland:
    da haben sie ja einen schönen abschluss gefunden, zu ehrenrettung von p. gensing :). allerdings könnte man mit dem verweis auf die anschließende angeregte und oft auch sehr schachliche debatte auch viele andere provokateure hochleben lassen. an der inhaltlichen schwäche der provokation ändert das in der regel nichts. eine provokation muss nur dick genug sein, um antworten zu produzieren. journalistischen talents bedarf das nicht. vorliegend ist es bei mir eher das erschrecken darüber, das so wenig journalistisches talent von der zeit einem so breiten publikum zugäglich gemacht wird, das mich zum widerspruch anregte.
    aber das soll es von meiner seite gewesen sein. ich wollte keine dialoge führen. so long!

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