Ultras: Wer mit dem Feuer spielt

Innerhalb kürzester Zeit ist Ultra beinahe zu einer Art Staatsfeind avanciert, mindestens aber zur scheinbar größten Gefahr für die Sicherheit und Attraktivität des Profifußballs in Deutschland und Europa. Die Mahner, Warner, Prediger und Scharfmacher wider die Ultras beschwören jedoch Phänomene herauf, die aus den Kurven längst verdrängt schienen. Denn was nach Ultra kommen könnte, wollen viele offenbar weder sehen noch wahrhaben …

Von Andrej Reisin

Banner "Die Löwen Hamburg" im Stadion des HSV (Foto: HSV-Form / HSV Supportes Club)
Martialisches Banner „Die Löwen Hamburg“ im Stadion des HSV (Foto: HSV-Form / HSV Supportes Club)

Beim Hamburger Sport-Verein hing bei den letzten beiden Heimspielen eine bemerkenswerte neue Blockfahne vor dem HSV-Fanblock 25A. In unübersehbarer Größe direkt hinter dem Tor prangte ein schwarzes Banner mit der Aufschrift „Die Löwen Hamburg“ in großen weißen Lettern, in einer Schrifttype aus dem Kreis der Frakturschriften, flankiert von zwei Löwen. „Die Löwen“ waren in der Achtzigern und Neunzigern eine der berüchtigtsten Hool-Gruppen des HSV, viele Mitglieder waren eng verwoben mit der rechtsradikalen Szene der Hansestadt – und außerdem an jenem Überfall im Altonaer Volkspark beteiligt, der den Bremer Fan Adrian Maleika 1982 das Leben kostete, als er von einem Stein am Kopf getroffen wurde.

HSV Tag der Vielfalt Poptown Hamburg (Foto: HSV-Fanprojekt)
So sah es vor gut einem Jahr aus: Bunte Poptown-Choreographie zum „Tag der Vielfalt“ beim HSV (Foto: HSV-Fanprojekt)

Sicherlich kein Zufall also, dass das neue Banner erstmals im Heimspiel gegen Werder dort hing. Natürlich sind diejenigen, die heute hinter diesem Banner stehen, nicht dieselben wie damals – aber dass eine solche Platzierung ohne das Plazet der „alten Hauer“ möglich sein sollte, erscheint auch wenig wahrscheinlich. Noch bemerkenswerter ist aber die tatsächliche und symbolische Verdrängung des Banners, das in den vergangenen Jahren an dieser Stelle hing: „Poptown Hamburg“ – die Kurvenfahne einer HSV-Ultragruppe, der man zumindest nachsagen kann, dass sie sich politisch eher links positioniert. Vor gut einem Jahr hing an gleicher Stelle über der Poptown-Kurvenfahne der Schriftzug „Wir alle sind der HSV“ und darüber ein großes „Gegen Diskriminierung“-Banner. Der symbolische Kontrast zwischen bunter und emanzipatorischer Botschaft  und martialischer, schwarz-weißer Hooligan-Inszenierung könnte kaum größer sein.

Risiken und Nebenwirkungen: Der Hool von nebenan

Nun kann man aus dieser Anekdote keinesfalls eine neue Hool-Kultur oder gar einen Rechtsruck in der HSV-Fanszene konstruieren. Die ganze Angelegenheit zeigt jedoch geradezu idealtypisch, was bei der derzeitigen Ultra- und Gewaltdebatte schief läuft: Die Poptown-Fahne ist nämlich nicht einfach so verschwunden, sondern der HSV hat der Gruppe nach einer Reihe von Auseinandersetzungen – auch und vor allem rund um das Thema Pyrotechnik – Materialverbot erteilt und den Status als offizieller Fanclub entzogen. Sie dürfen zwar weiter ins Stadion, aber eben nur ohne Fahne, ohne Gruppensymbole und dergleichen. In diese Lücke sind nun „Die Löwen“ gestoßen und haben ihr Revier markiert, mit welchen Hintergründen, welcher Motivation und welchen Folgen auch immer. Wer sich mit den Symbolen und Ritualen in Fanszenen halbwegs auskennt, darf jedenfalls zumindest vermuten, dass damit auch ein territorialer Anspruch verbunden ist, denn keine Gruppe schenkt den Platz der zentralen Blockfahne hinter dem Tor einfach so her – und normalerweise wäre es ein Zeichen des Respekts untereinander, diesen Platz leer zu lassen, wenn der Verein für diese Leerstelle gesorgt hat.

Die Auseinandersetzung zwischen Verein und Ultras, die in einem Verbot für letztere mündet, hat damit in jedem Fall einen Raum eröffnet, den eine Gruppierung mit altem Namen und negativer Vergangenheit besetzen konnte. Mit dem harten Vorgehen und dem flankierenden medialen Dauerfeuer gegen Ultras und Pyrotechnik sind daher Risiken verbunden, die  bislang von den meisten Medien, Sicherheitsorganen und Funktionären schlichtweg ignoriert werden.

Pyro suchen, Rechtsextreme übersehen

Auf eine ähnlich gelagerte Problematik macht der Fanprojektleiter des 1. FC Kaiserslautern, Erwin Ress, aufmerksam: Vom Fußballmagazin „11 Freunde“ zu den vor Kurzem beim Training auflaufenden Nazi-Hools befragt, die den israelischen Spieler Itay Shechter als „Drecksjuden“ beschimpften, sagte Ress:

„Die aktuelle Debatte um Pyrotechnik beim Fußball hat dazu geführt, dass Sicherheitskräfte und Vereine beinahe ausschließlich damit beschäftigt sind, Ultras abzutasten und per Kamera zu überwachen. Leute mit rechten Szene-Klamotten können hingegen oft unbehelligt durchs Stadion spazieren. Zwar sind dort keine rechten Gesänge zu hören, doch es gibt tatsächlich einige kleine Gruppen am Betzenberg, die sich durch rechte Dresscodes als Neonazis zu erkennen geben.“

Kurz gesagt: Die Vereine laufen Gefahr, dass ihnen Hools und Nazis im Stadion, die sich dort aber unauffällig verhalten, weniger ins Auge fallen, als aufmüpfige, antiautoritäre Ultras, die durch Provokation, politische Forderungen, Einflussnahme auf die Vereinspolitik und permanentes Zündeln nerven. In diesem Zusammenhang lohnt es sich, genauer hinzuhören, was FCK-Manager Stefan Kuntz in einer ersten Reaktion zu den Vorfällen sagte: „Das sind in unseren Augen keine Fans, weil Rassismus hat hier bei uns, beim FCK weder eine Zukunft noch eine Gegenwart und das nehmen wir uns dann auch nicht ernst.“ Natürlich handelt es sich hierbei um eine Art Freud’schen Versprecher und Kuntz wollte sicherlich sagen „das nehmen wir nicht hin“. Bemerkenswert ist aber die traumwandlerische Sicherheit, mit der Kuntz glaubt, ein antirassistischer Grundkonsens der Fans sei quasi ein natürlicher Zustand.

Antirassismus ist harte Arbeit

Es sei deshalb ganz kurz daran erinnert, dass dem keinesfalls so war oder ist: Bis weit in die Neunziger hinein war es in sehr vielen deutschen Stadien gang und gäbe, schwarze Spieler zu beschimpfen, ihnen Bananen zuzuwerfen oder vermeintliche Affengeräusche und ähnliches mehr von sich zu geben. Bis heute ist Rassismus in vielen osteuropäischen Stadien leider selbstverständlicher Teil der Fankultur. Und selbst in England, einem Vorreiter-Land bei der Rassismusbekämpfung, gab es in letzter Zeit neue Skandale – wenn auch ausgelöst von Spielern. Angesichts von auch in Deutschland nach wie vor verbreiteten „Jude …“-Rufen zur Schmähung eines Gegners sollte man sich diesbezüglich keinerlei Illusionen hingeben: Rassismus wird nur dauerhaft aus den Stadien verschwinden, wenn er auch dauerhaft als Problem thematisiert und angegriffen wird – vom weitaus stärker verbreiteten Schwulenhass oder Sexismus ganz zu schweigen.

Besonders geschichtsvergessen aber ist es, wenn nun ausgerechnet die Vereine meinen, sie hätten den Rassismus erfolgreich und für immer aus den Stadien verbannt – mit ein paar Kampagnen und der hier und da erfolgten Änderung der Stadionordnung. Wahr ist, dass vor allem die Basisarbeit unzähliger Faninitiativen und hauptamtlicher Fanprojekte dafür gesorgt hat, dass Fans, Vereine und Verbände für Rassismus und andere Formen von Diskriminierung kritisch sensibilisiert wurden. Beispielhaft sei hier die „Tatort Stadion“-Ausstellung des „Bündnisses Aktiver Fußballfans“ (BAFF) genannt.

Ein neuer Raum für Nazis und Stumpfis

Die Auseinandersetzung zwischen ihnen auf der einen und weitaus weniger angenehmen Fraktionen auf der anderen Seite, ist an vielen Orten in vollem Gange: In Aachen werden die dortigen antirassistisch auftretenden „Aachen Ultras“ von rechtsoffenen Ultras und Hools wie „Karlsbande“ und „Westwall“ bis hin zu organisierten Nazis der Kameradschaft Aachener Land angegriffen, in Braunschweig kämpfen die Ultras seit Jahren mit den örtlichen Alt- und Jung-Hools, bei 1860 München wehren sich Teile der Fanszene gegen die Nazis im Block – auch hier waren zuvor die Ultras der „Cosa Nostra“ aus der Kurve gewichen (wenn auch aus anderen Gründen).

In Rostock sorgen die „Suptras“ – bei aller Kritik an ihrer Gewaltbereitschaft – seit Jahren immerhin auch dafür, dass organisierte Neonazis im Ostseestadion keine Propagandamöglichkeit bekommen. Dass dies in einem Bundesland mit den strukturellen Problemen Mecklenburg-Vorpommerns, wo die NPD den Wiedereinzug ins Parlament geschafft hat, auch ganz anders aussehen könnte, kann sich hoffentlich jeder vorstellen. Auch in Bremen brauchte der Verein Jahre, um zu erkennen, dass man die Ultras bei ihren Auseinandersetzungen mit den Alt-Nazi-Hools der „Standarte Bremen“ unterstützen muss, anstatt sie zu kriminalisieren. Ausgerechnet in Zwickau, wo eine Nazi-Terror-Gang jahrelang unerkannt untertauchen konnte, ist man davon hingegen offenbar weit entfernt: Hier wird die Ultragruppierung „Red Kaos“ von Verein und Polizei massiv unter Druck gesetzt, während die mehr oder weniger offenen Nazis vom A-Block weitgehend unbehelligt bleiben: Fanprojekt-Mitarbeiter Michael Voigt sagte dem MDR dazu, der Verein habe ihm mitgeteilt, er „würde das Problem des Rechtsextremismus zu sehr aufbauschen.“ Und in Osnabrück wurde Ende Dezember 2011 ein Mitglied der Ultra-Gruppe „Violet Crew“ im Stadion von Nazis krankenhausreif geschlagen.

Womit wir wieder bei den Ultras wären: Ohne jeden Zweifel hat das Aufkommen der Ultra-Bewegung ab Ende der Neunziger entscheidend dazu beigetragen, rechten Hools und Nazi-Schlägern die Dominanz in den Kurven zu nehmen, die sie bis dahin ebenso zweifellos hatten. Dass Fankultur heute weitgehend bunt statt braun ist, ist auch das Verdienst vieler, vieler Ultragruppen, die sich ausgehend vom Grundgedanken, dass der Support für den Verein im Mittelpunkt steht, nach und nach von Rassismus und Diskriminierung abgegrenzt haben. In vielen Städten und in vielen Stadien sind sie heute deshalb die Träger einer progressiven und bunten Fußballkultur, zu der aus ihrer Sicht eben auch Pyrotechnik gehören kann – neben der Gewaltbereitschaft sicherlich der momentan am heißesten umstrittene Punkt.

Ultra wird den Krieg verlieren

Es wäre deshalb dingend geboten, verschiedene Themen endlich auch getrennt voneinander zu verhandeln – und nicht permanent in hysterischem Geschrei alles in einen Topf zu werfen, nur weil man mal wieder keinen Aufmacher und die Deutsche Polizeigewerkschaft noch nicht genug Resonanzraum für ihre Forderungen gefunden hat: Das derzeit an jedem Wochenende verstärkt zu beobachtende Abbrennen von Pyrotechnik hat den einfachen Grund, dass die Ultras DFB und DFL unmissverständlich deutlich machen wollen, dass der Abbruch eines Dialogs nur dazu führt, dass dann eben unkontrolliert überall gezündelt wird. Die Message ist ganz klar: „Hier sind wir, hier bleiben wir, wir machen, was wir wollen, Ihr könnt uns nicht verbieten!“

Spruchband der HSV-Ultras von Poptown Hamburg (Foto: Poptown Hamburg)
Klare Message der HSV-Ultras von Poptown Hamburg an den Verein (Foto: Poptown Hamburg)

Letzteres ist allerdings ein fataler Irrtum: Die Ultras können und werden den Krieg mit den Vereinen und Verbänden und vor allem mit der Polizei nicht gewinnen. Mit und zu Recht wird der Staat sein Gewaltmonopol durchsetzen, denn in der Tat kann kein demokratisch-zivilgesellschaftlich verfasstes Gemeinwesen dauerhaft dabei zusehen, wie eine gewisse Anzahl zumeist junger Männer für sich selbst entscheidet, wann sie Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihrer Ziele für richtig hält. Aber: Die klügeren Ultra-Gruppen haben dies längst erkannt. Nicht umsonst versuchen sie, sich innerhalb der Vereinsgremien Gehör zu verschaffen, nicht ohne Grund starteten sie eine Dialog-Initiative über Pyrotechnik, nicht aus Gewaltverherrlichung beteiligen sie sich an Fankongressen und ähnlichen Veranstaltungen.

Was von Ultra übrig bleibt

Wer diesen durchaus demokratischen Partizipationsversuchen immer wieder nur die Tür ins Gesicht und den Knüppel hinterher schlägt, darf sich nicht wundern, wenn er ausgerechnet die radikalsten und gewaltbereitesten Kräfte fördert – und damit exakt die Zustände heraufbeschwört, die vermeintlich bekämpft werden sollen. Denn auch, wer die jugendlicher Lust an der Revolte in Ultra-Kurven ausleben will, wird sich überlegen, ob Stadionverbote, Strafbefehle und horrende Schadenersatzforderungen den ganzen Spaß wert sind.

Übrig bleiben werden bei der „brutalst möglichen“ Repression, wie sie von Scharfmachern gerne gefordert wird, daher vor allem diejenigen, die eh nichts zu verlieren haben – und denen deswegen alles scheißegal ist – Knast inklusive. Ein gefährliches Spiel mit dem Feuer – nur genau anders herum, als immer propagiert wird. An dieser Stelle lohnt sich der oftmals demagogisch beschworene Blick nach Italien tatsächlich: Was ist dort nach der weitgehenden Zerschlagung der Ultra-Kultur übrig geblieben? Triste, halbleere Stadien, deren Fankurven in vielen Teilen des Landes maßgeblich von radikalen, klandestinen Gruppen dominiert werden – die zudem nicht selten offen neofaschistisch auftreten. (Siehe dazu – und zur Thematik insgesamt – auch den Text von Kai Tippmann auf Altravita.)

Nach den Ultras ist vor der Gewalt

Eine Lösung des Gewaltproblems ist deswegen schlechterdings nicht gegen die Ultras, sondern nur mit ihnen möglich. Denn die Alternative zu den Ultras könnte weitaus schlimmer sein. Wer die Repressionsschraube gegen die Ultras immer weiter zuzieht, läuft daher massiv Gefahr, ungewollt ganz anderen Kandidaten neue Spielfelder zu eröffnen, deren Zeit in der Kurve schon vorbei zu sein schien. Wer Gespräche abbricht und behauptet, diese hätten nie stattgefunden, verschafft denjenigen Stumpfis in den Stadien neues Gehör, die eh schon immer wussten, dass man Probleme nur mit dicken Armen, Alkohol und einer ordentlichen Portion Hass lösen kann. Wer immer mehr und immer öfter Pfefferspray einsetzt, wird die Anzahl der dumpfen „ACAB“-Gröler nicht verkleinern. Und wer ganze Gruppen mit Stadienverboten und ähnlichen Maßnahmen belegt, eröffnet die Räume, in denen rechte Gewaltgangs neue Spielfelder finden. Das Fanprojekt des HSV wurde übrigens nach dem Tod von Adrian Maleika gegründet. Zeit, mal darüber nachzudenken.

Siehe auch: Heiopei der Woche: Hartlap und die Ultra-GeiselnehmerFußball, Schwachsinn, DFBNur Maulwürfe können den Fußball unterwandernDiskret in den Farben, ernst in der Sache“Fußballchaoten” setzen Untersuchungskommission einDahin, wo es weh tut!Gewaltorgie beim Hallenturnier: Des Rätsels LösungDas unpolitische Wir der FanszeneWerder schließt NPDler Pühse endgültig ausAngriff der “Karlsbande”: Offener Brief an die AlemanniaHeiopei der Woche: Philipp Selldorf und die „Brandstifter“Überbieten und StrafenEtwas Besseres als diesen JournalismusSogenannter Journalismus: Wie erzähle ich Fußballrandale?

29 Kommentare zu „Ultras: Wer mit dem Feuer spielt

  1. „Mit und zu Recht wird der Staat sein Gewaltmonopol durchsetzen, denn in der Tat kann kein demokratisch-zivilgesellschaftlich verfasstes Gemeinwesen dauerhaft dabei zusehen, wie eine gewisse Anzahl zumeist junger Männer für sich selbst entscheidet, wann sie Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihrer Ziele für richtig hält. “

    Ich werde Sie zitieren und Sie um eine positive Stellungnahme bitten, wenn die Polizei demnächst wieder gegen Antifa-Aktivisten vorgeht.

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  2. @Ricky:
    Das dürfen Sie gerne. Ich werde ja nicht müde, es zu betonen: Ich bin nicht GEGEN Polizeiarbeit, sondern gegen SCHLECHTE Polizeiarbeit. Wer einmal länger oder intensiver Länder oder Regionen bereist hat, in denen das staatliche Gewaltmonopol defacto inexistent ist, kann ja nicht ernsthaft auf den Gedanken kommen, die Mafia oder das Recht des Stärkeren seien besser. Aber bitte bedenken Sie: WIE dieses staatliche Gewaltmonopol umgesetzt wird, ist damit noch MIT KEINEM WORT debattiert. Meiner Vorstellung nach sollte sich die Polizei lediglich den gleichen Maßstäben der Qualitätskontrolle und der strafrechtlichen Konsequenzen stellen WIE JEDER ANDERE BÜRGER in JEDEM ANDEREN JOB auch.

    Dass das leider nicht der Fall ist, wie eine Fülle von Beispielen belegen, ist ein beklagenswerter Zustand unserer Demokratie – wie ja auch bspw. Amnesty International findet. In keiner Weise dagegen ist die Idee eines Gewaltmonopols selbst ein beklagenswerter Zustand – ganz im Gegenteil. Von prügelnden Ehemännern bis zu mordenden Neonazis fällt mir eine ganze Bandbreite an gesellschaftlichen Zuständen ein, die dieses Gewaltmonopol aus meiner Sicht dringend erforderlich machen. Nur die damit beauftragten Organe sind leider nicht der erforderlichen demokratisch-rechtsstaatlichen Kontrolle unterworfen. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.

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  3. Die affirmation von Staat und Staatsgewalt, die hier an den Tag gelegt wird, finde ich echt schon bedenklich. Es mag schon sein das der Staat sein Gewaltmonopol dazu einsetzen könnte, prügelnde Ehemänner und mordende Neonazis zu bekämpfen, aber passiert das denn?

    Schauen sie sich doch mal die NSU-Morde an, meinen sie tatsächlich da hätte mehr Demokratische Kontrolle geholfen? ich mein, wenn man sich anguckt was weite teile der Bevölkerung für Ansichten in Sachen Rassismus vertreten, dann ist es doch nur konsequent, das die Polizei (Hand in Hand mit der 4. Gewalt aka Presse) von Dönermorden gesprochen hat. da hat doch keiner der Demokraten ein Problem mit gehabt.

    Abgeschoben wird in Deutschland immer und immer wieder, durch die mit den Gewaltmonopol ausgestatteten Polizisten. Die sind dazu Demokratisch legitimiert und können sich sicher sein das ein großteil der menschen in diesem land das auch richtig findet.

    Eine Sache wird nicht dadurch gut das viele sie vertreten, und eine Gewaltausübung nicht dadurch richtig, das es eine demokratische Aufsicht über sie gibt. Sie ist an ihren motiven und zwecken zu messen. Und deshalb ist es nicht verkehrt, ein problem mit dem staatlichen Gewaltmonopol zu haben, sondern äußerst legitim, dieses mittel zu sicherung von menschenverachtenden Verhältnissen in Frage zu stellen.

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    1. @All Coulors Are Beautiful:

      Tja, da sehen Sie mal wieder die ganze Breite des Meinungsspekltrums: Für die einen (Ricky) wird das Gewaltmonopol hier schon untergraben, Sie hingegen finden, es gehöre in Frage gestellt. Wir sehen dazu ehrlich gesagt momentan überhaupt keine vernünftige Alternative. Natürlich kann staatliche Gewalt auch selbst komplett verbrecherisch sein, wie Nationalsozialismus et.al. zeigen. Deswegen können wir theoretisch über Utopien, Revolution und die ideale Gesellschaft in einem herrschaftsfreien Raum philosophieren, so lange wir wollen, aber konkret, real und praktisch ist der demokratische Rechtsstaat seinen real existierenden (bzw. bereits nicht mehr existierenden) Alternativen aus unserer Sicht deutlich vorzuziehen. Und selbstverständlich setzt der Staat sein Gewaltmonopol auch gegen prügelnde Ehemänner und mordende Neonazis ein. Ob das alles nicht stark verbesserungswürdig ist, sei jetzt mal dahingestellt – wir denken, dieser Blog ist nun wahrlich kritisch genug gegenüber der Polizei. Aber fragen Sie mal in Russland, Brasilien oder Ägypten nach, wo so etwas wie ein Rechtsstaat nur auf dem Papier existiert, das Gewaltmonopol des Staates defacto nur begrenzt oder gar nicht gilt und außerdem noch völlig korrumpiert ist. Die Willkür und die daraus resultierende alltägliche Verunsicherung, mit der dort die Mehrheit permanent leben muss, sind aus unserer Sicht für die meisten Deutschen schlicht gar nicht vorstellbar. Daher: Nein, die Zustände hierzulande sind beim besten Willen kein Rosengarten, aber dass es noch weitaus, weitaus schlimmer geht, kann man nun wirklich nicht bestreiten. Von daher mischen wir uns hier kritisch in die öffentliche Debatte ein, um Schlimmeres zu verhindern und Besseres zu ermöglichen. Wenn das aus Ihrer Sicht die reine Affirmation ist … well, so be it.

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    1. @Metalust:

      So hervorragend dieser Artikel bei Publikative ja ist (!!!), so wichtig trotz gelegentlicher vermeintlich “antideutscher” Ausfälle dieses Organ sein mag – es fällt doch immer mal wieder auf, dass aufgrund der Fixierung auf Neonazis implizit und vermutlich ungewollt eine Variante der Extremismustheorie verfolgt wird, der entscheidende Pointen entgehen. […] Wer vom Faschismus spricht, sollte vom Patriachat nicht schweigen. Alltagsrassismus und Homophobie in der “Mitte” auch dann mit thematisieren, wenn es um Neonazis geht.

      Well…

      “Strive for perfection in everything you do. Take the best that exists and make it better. When it does not exist, design it.”
      (Sir Henry Royce)

      Es war uns durchaus bewusst, dass ausgerechnet die Erwähnung der Suptras in einem solchen Artikel Widerspruch hervorrufen würde, insbesondere natürlich bei einem Teil der St. Pauli Klientel. Uns war der Hinweis dennoch wichtig, aber nicht wegen einer Kristina-Schröder-Extremismus-Fixierung, sondern weil wir in der Tat glauben, dass es ohne die Suptras in Rosotck auch aussehen könnte wie in xyz, wo Verein, Ordnungsdienst und Fanszene ein geschlossen rechtsextremes Konglomerat bilden.

      Um ehrlich zu sein, finde ich die Fanszene in Rostock schon etwas unübersichtlicher als Du es hier skizzierst, denn bei aller Kritik an „rechtsoffenen Männerbünden“ muss man sich natürlich auch fragen, wieso eine Band wie „FeineSahneFischfilet“ mit „Ostrava“ eine der Hymnen dieser Szene geschrieben hat? Kann sein, dass die auch nicht „links genug“ in Deinem Sinne sind, kann sein, dass die nix mit den Suptras zu tun haben, kann auch sein, dass die gar nicht mehr im Stadion sind, aber hey: Die ziehen als Antifa-Band durch Meck-Pomm und das ist in der Tat mehr notwendigere und praktischere Politik im Alltag als 90% der St. Pauli-Szene so in ihrem normalen Alltag so leisten.

      Rostock ist halt nicht eindimensional, sondern bleibt kompliziert, aber dass das Ostseestadion genau wie in den frühen Neunzigern auch wieder eine offene Spielwiese für NPD & Co. werden könnte, halten wir durchaus für möglich. Ob man die Tatsache, dass das nicht so ist, nun ausschließlich den Suptras auf die Fahnen schreiben kann, sei dahingestellt. Der Verein hat Pastörs jedenfalls nicht am Betreten des Stadions und seiner geplanten Propagandashow gehindert.

      Muss man deswegen Suptras-Fan sein und den ganzen anti-emanzipatorischen Kram da gut finden? Nein. Legen wir das nahe? Nein. Es ist nur so, dass bereits soo oft und soo viel über deren Gewaltfetisch und deren homophobe Gesänge geschrieben wurde, insbesondere in jedem dudeligen St. Pauli Blog zehnmal hoch und wieder runter (natürlich auch bei uns, im Übrigen: http://www.publikative.org/2009/11/12/fusball-politik88771121/), dass es uns nun nicht gerade so erscheint, dass ausgerechnet DARAUF noch niemand hingewiesen hat. Wir haben jetzt einmal darauf hingewiesen, dass die AUCH für andere Dinge sorgen. Es ist doch so: In St. Pauli-Wunschdenken-Manier ist jede unpolitische Szene zumindest potentiell „rechtsoffen“. Aber die Frage ist doch, wo Du an Orten anfängst, wo der Ausgangszustand halt erst einmal der ist, dass der Großteil der Kurve rechts ist. Da sind Nazis aus dem Stadion schmeißen und Antirassismus durchaus mal ein Anfang – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

      Gelegentliche „antideutsche Ausfälle“ werden hier genauso bleiben, wie die intensive Auseinandersetzung mit allen von Dir angesprochenen Formen von Diskriminierung und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Die Erweiterung des Spektrums jenseits der Nazis sollte ja genau die Fixierung auf diese beenden. Klappt vielleicht noch nicht immer, aber wir arbeiten dran. (siehe Royce) 😉

      PS
      Bezgl. der „Ernst gemeinte Frage ohne polemischen Hintergedanken“ angeht, ob „bei Publikative, von der, nach einem schwarzen Opfer rassistischen Mordens benannt wohl finanzierten (? – ist das so?) Antonio Amadeu-Stiftung, eigentlich auch PoC?“ schreiben, fällt es uns natürlich etwas schwer, darin keine Polemik zu erkennen, aber dennoch:
      1. Bislang nur als Gastautoren. Es ist ja so: Das NPD-Blog wurde von Patrick Gensing mehr oder weniger alleine betreut – nun ist der Herausgeberkreis auf drei Menschen angewachsen. Natürlich sind wir permanent dabei, weitere Autorinnen und Autoren anzuwerben. Ist das besonders einfach, wenn man außer Fame and Honor leider keinen Gegenwert im marktwirtschaftlichen Sinn anbieten kann? Antwort dürfte klar sein, womit wir bei
      2. wären: Nein, tut sie nicht.

      Wir machen dieses Blog, weil wir glauben, dass zu viele Dinge in den Mainstream-Medien (für die wir ja beaknntermaßen arbeiten) nicht in der Art und Weise behandelt werden (können), die wir uns vorstellen oder die wir wünschenswert fänden. Wer dabei mitmachen will, ist herzlich eingeladen.

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  4. Ich denke, bei „Feine Sahne Fischfilet“ ist das ähnlich wie bei den „Unique Rebels“ – klar gibt es in Rostock auch Super-Leute, aber da wird schon für gesorgt, dass die sich nicht institutionalisieren.

    Was dann wiederum STRUKTURELL von Relevanz ist, weit über Rostock hinaus. Weil das so was wie eine bundesrepublikanische Kernstruktur ist: Dass man rechte Motive in die Mitte eingemeindet, der sie aus soziologischer Perspektive sowieso entstammen, um sich gegen links und Minderheiten zu positionieren. Und es ist schnurz, ob die NPD irgendwo präsent ist, wenn Elemente deren Denkens sich in anderen gesellschaftlichen Feldern verbreiten, seien es nun sächsische Kirchen oder in Fankurven.

    Es geht mir da auch nicht um „nicht links genug“, sondern tatsächlich rechtsoffen. Was eben auch das folgende betrifft:

    „Es ist nur so, dass bereits soo oft und soo viel über deren Gewaltfetisch und deren homophobe Gesänge geschrieben wurde, insbesondere in jedem dudeligen St. Pauli Blog zehnmal hoch und wieder runter

    Na, mal von den „dudeligen St. Pauli-Blogs sage ich mal als von homophoben Gesängen Getroffener, dass das ja nix ist, was dann irgendwann langweilig würde, weil alle so rumdudeln, und man mal neue Reize schaffen müsste, sondern was zum Thema rechtsoffen konstitutiv mit dazu gehört. Ebenso wie auch eine feministische Perspektive.Gerade bei einem Thema wie Ultras, was eben auch ein Macho-Thema ist weit über Rostock hinaus.

    Genug verbeugt vor eurem Projekt hier habe ich mich ja und meine das auch sehr ernst – die Frage nach den PoC war indirekt ja auch an die Antonio Amadeu-Stiftung selbst gestellt. Weil es halt häufig so ist, dass in Antirassismus betreibenden Institutionen, die noch irgendwie über finanzielle Ressourcen verfügen, PoC außen vor bleiben. Ich weiß nicht, ob das da auch so ist.

    Was eben eine aufzubrechende Struktur darstellt, finde ich. Ihr nicht? Und dann kann man ja mal fragen und ggf. sensibilisieren.

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    1. Kurze Antworten in umgekehrter Reihenfolge:

      1. Die Arbeit der Stiftung grundsätzlich finden wir naturgemäß sehr gut und können da an dieser Stelle auch keine weiteren Antworten oder Stellungnahmen liefern. Das müsste man die dann schon selbst fragen, wir sind ja nicht deren Öffentlichkeitsarbeit.

      2. Was die strukturelle Problematik angeht, sind wir uns halbwegs einig, aber wie gesagt: Das ist jetzt auch nicht so, dass Du einfach so Egon-Olsen-mäßig daher gehst und sagst, so brechen wir jetzt mal auf, steht ja in unserem Programm, machen wir so, wir haben ja einen Plan. Wir haben in der Vergangenheit bspw. mit Noah Sow zusammengearbeitet, aber es ist halt nicht so, dass man dauerhafte Autor/innen, Redaktionsmitglieder einfach so an jeder Ecke findet. Das ist alles harte Freizeit- und Nachtarbeit, wenn Du einen Dayjob und evtl. noch Familie hast. Da stehen nicht hundert Leute Schlange, mit denen man menschlich gut klarkommt, die inhaltlich und sprachlich fit sind, Zeit haben und sich unbedingt einbringen wollen. Aber wie gesagt: Wir arbeiten dran.

      3. Sensibilisiert sind wir dafür durchaus, insbesondere im Hinblick darauf, was „bundesrepublikanische Kernstruktur ist: Dass man rechte Motive in die Mitte eingemeindet, der sie aus soziologischer Perspektive sowieso entstammen, um sich gegen links und Minderheiten zu positionieren. Und es ist schnurz, ob die NPD irgendwo präsent ist, wenn Elemente deren Denkens sich in anderen gesellschaftlichen Feldern verbreiten, seien es nun sächsische Kirchen oder in Fankurven.“ Und, wenn man sich anschaut, was wir bspw. zu Hallervorden et.al. gemacht haben, wo es exakt darum geht, wie dieser Rassismus der Mitte bspw. funktioniert, kann man das auch merken. Etwas genervter formuliert, ohne dass das jetzt Dich persönlich betrffen muss: Man muss unsere Texte, die nichts mit Nazis oder der NPD zu tun haben, auch lesen, bevor man zu dem Schluss kommt, wir seien nach wie vor nur darauf fixiert.

      4. Dudelig war jetzt nicht auf Dein Blog gemünzt, aber Du weißt schon, wie das ist, wenn man nach jedem Auswärtsspiel in Rostock dieselbe Geschichte in 33-facher Ausfertigung liest, weil jede/r zweite in der St. Pauli Fanszene auch noch über sein Fantum bloggen muss. Von daher: Nein, man muss da keine „neuen Reize“ schaffen, weil Homophobie auf einmal nicht mehr wichtig ist. Aber es ist echt ein bisschen dick aufgetragen, nun auf den umgekehrten Gedanken zu kommen, das sei praktisch ein unbekannter Zustand, der nun aber mal ganz dringend thematisiert werden muss – und zwar bei jeder sich bietenden Gelegenheit („entgeht das den Autoren? Auch homophobe Gesänge sind rechtsextrem„). Natürlich nicht. Dass es bei Hansa homophobe Gewalt-Macker gibt, weiß doch nun wirklich die ganze Welt und ihr Hund. Aber muss man das – als Ceterum censeo – nun in jeden Satz einfügen, in dem es um Hansa geht? Der Artikel hatte mit Rostock ja nur sehr am Rande zu tun, es handelt sich um einen Satz – und selbst dort wird noch auf den Gewaltfetisch der Suptras hingewiesen. Daraus nun zu schlussfolgern, der Rest da sei (uns) scheißegal, ist echt ein bisschen weit hergeholt.

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  5. Pingback: Anonymous
  6. Verstehe nicht so ganz die aufscheinende Emotionalität 😉 – ich will euch doch gar nix, meine dennoch, dass da das eine oder andere ergänzungsbedürftig ist. Wir sind uns doch in fast allem einig.

    Und es geht mir wirklich nicht primär um Rostock, sondern einzig darum, dass diese Oppositionsbildung „unpolitische Ultras, die nur Pyro wollen und ab und an Gewalt“ – habe übrigens nix gegen Pyro, gegen Gewalt schon -und „Nazis in den Kurven“ ein bißchen simpel ist, wenn man dabei wie so oft ignoriert, dass auch bei den Nicht-Nazis jede Menge Scheiß läuft, und das ja nun weiß Gott nicht nur in Rostock. Bei aller Sympathie für die Ultra-Bewegung als solche, diese nun pauschal als „antiautoritär“ darzustellen, ich weiß nicht, ob das durchgängig zutrifft. Bei den Suptras am allerwenigsten.

    Und gerade dieses sich „unpolitisch“ darstellen der Suptras ist nun wirklich der billigste Trick, um lauter Mist in Hirnen zu tarnen, und in dieser Hinsicht sind symptomatisch weit über Rostock hinaus.

    Was nun alles nichts gegen all die wirklich ganz hervorragenden Texte in eurem Blog sagt. Ich sehe das ja gewissermaßen arbeitsteilig und meinen Job – auch Freizeitvergnügen, Geld verdiene ich ja auch anderswie – schlicht darin, z.B. die Perspektiven des „Braunen Mob“ anzumahnen und die schwule Perspektive einzubringen. That’s all. Das stellt nichts dessen in Frage, was ihr hier macht. Das ergänzt lediglich.

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  7. Wer wie ich Anfang des Jahres die Pauli Ultras in der Alsterdorfer Sporthalle live „erlebt“ hat, der denkt etwas anders über diesen Blog als die meisten. Der Großteil der Gewalt gegen Unbeteiligte ging dort nicht von der Polizei sondern von den Pauli Ultras aus. Oder hat etwa die Polizei die VIP-Räume gestürmt oder friedliche Zuschauer in benachbarten Blöcken über den Haufen gerannt? Diese Beispiele passierten alle erst, als längst keine HSV, Lübeck oder Rostock Hools mehr in der Halle waren…
    Die Mär von den tollen und friedlichen Paulifans ist für mich ein für alle Mal ausgeträumt!

    Anm. d. Red.:
    Ach Nordi bitte, nehmen Sie sich einen Keks, ja? Die Mär vom „gestürmten VIP-Raum“ ist lange widerlegt, die ganze Angelegenheit wird jetzt von einem Lehrstuhl-Inhaber der Kriminologie der Ruhr-Uni Bochum als Sachverständigem aufgearbeitet. Wir haben keine Lust, hier immer wieder dieselben Märchen zu widerlegen, googeln Sie sich einfach schlauer oder lesen Sie hier nach für den Anfang. Ansonsten bitte zurück zum Thema, danke!

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  8. Hier wurden verschiedene Themen miteinander vermischt und mir als Leser fehlt dabei der rote Fahnen wie diese Themen zusammenhängen und ich ich finde komplexe Sachverhalte sollten nicht einfach miteinander vermischt werden und dazu noch irgendwelche Schlüsse gezogen werden die ME völlig verkürzt sind.
    Hier die erwähnten Themen

    Thema 1: Gewalt und Ultras
    Thema 2: Die Pyrodebatte
    Thema 3: Ultras und der Staat
    Thema 4: Ultras und Vereine, Verbände
    Thema 5: Ultras und Rassismus, Faschismus
    Thema 6: Memmorulez hat zur vollständigen Verwirrung noch ein weiteres Fass aufgemacht mit Ultras und Homophobie und Sexismus.
    Thema 7: Ausblick – Zukunft der Ultraszene in Deutschland

    Die Ultras das unbekannte Wesen?

    Es hat schon wissenschaftliche Ansätze gegeben über Ultras zu berichten. Als neueste Errungenschaft stellt sich Herr Jonas Gabler heraus, der erst Anfang 2000 überhaupt mit Ultras in Berührung kam dennoch ein ME ganz ordentliches Buch mit dem Titel „die Ultras“ geschrieben hat.
    Grundsätzlich ist es schwer von „den Ultras“ zu sprechen. Es handelt sich bei „den Ultras“ ja keineswegs um eine heterogene Masse. Es gibt allein in Deutschland über hundert Gruppen mit unterschiedlichen Strukturen und politischen Ansichten, Mitgliederzahlen etc.
    Ultras gibt es auch bei anderen Sportarten als Fußball.
    Viele sprechen von einer Bewegung. Teilweise ist es fraglich ob von einer Bewegung gesprochen werden kann. Denn dazu sind die Ansichten der verschiedenen Gruppen viel zu unterschiedlich. Dies zeigt sich auch in der Gretchenfrage an die Ultras: Wie habt ihr ’s mit Gewalt?

    Doch nun will ich mich mal versuchen den roten Faden etwas aufzunehmen und zu den genannten Themen etwas ausholen.

    Thema 3: Ultras und der Staat
    Grundsätzlich versucht unser Staat alles was nicht seinen Normen und Gesetzen, die das kapitalistische System stützen zu unterdrücken bzw. zu eliminieren. Als Mittel dafür sind ihm Repression und Klassenjustiz auch für die Ultras beliebt.
    Warum richtet der Staat diese Mittel gegen die Ultras? Sie leben ein Leben abseits der Norm. Sie lassen sich nicht eine Meinung vorgeben. Sie sind kritisch gegenüber Medien und Staat. Sie lehnen die kapitalistische Verwertung des Sports v.a. Fussball ab. Sie sind gegen die Steigerung der Eintrittspreise und für den Erhalt bzw. Einführung der Stehplätze.
    Der Staat fürchtet, dass die Ultras zu einer systemgefärdenden Komponente werden können. Wie aktuell diese Befürchtung sein kann haben wir gesehen als in Ägypten die Ultras von Al Ahly und Zamalek wesentlich zur Revolution beitrugen. Aber auch in Europa gehen Ultras auf die Straße. So waren in Polen tausende Ultras an den Protesten gegen Acta beteiligt. Etwas länger zurückgeschaut ein weiteres Beispiel wie die Ultras 1991 maßgeblich an dem Ausbruch des Balkankrieges beteiligt waren und später im Krieg kämpften.
    Genau davor hat der Staat Angst und er sucht sich daher einen Vorwände aus, um die Ultras einzudämmen. Dazu hat er schnell zwei Themen gefunden: Gewalt und Pyrotechnik. Andere Themens sind Materialverbote oder Choreoverbote. Detaillierte Ausführungen über Ursachen der Repression gegen Ultras empfehle ich diesen Blog zu lesen: http://safetyfirst.blogsport.de/texte/how-about-now/what-are-we-talking-about/

    Thema 2 Pyrotechnik und Ultras: Bereits bevor in Deutschland erste Ultragruppen gegründet wurden gab es Pyro im Stadion. Es sei als Beispiel der Betzenberg oder der Bieberer Berg genannt. Hier wurden regelmäßig viele bengalische Fackeln gebrannt ohne dass sich nur jemand daran gestört hätte. Am 13.05.1999 war beim Spiel Offenbach gegen Waldhof Mannheim die letzte vom Ordnungsamt genehmigte Pyroshow auf dem Bieberer Berg.
    In der Bundesliga gab es legale Pyroaktionen bei SSV Ulm und Werder Bremen im Jahr 1999. Doch dann wurde von Seiten des DFB rigoros der Riegel vorgeschoben. Plötzlich gab es für Pyro Stadionverbot. 1998 noch für einen Tag. Ab 2001 dann 5 Jahre. Die Ultras hielten sich nie an diese Verbote. Auch normale Fans fanden immer mehr Gefallen am Thema Pyro. Im Gegensatz zum Mutterland Italien gab es in Deutschland wenig schöne Pyroaktionen, sondern viele unschöne Rauchbomben, die allgemein die Akzeptanz sinken ließen. Von 1998 bis 2000 brannte es überall ohne Konsequenzen. Erst ab 2000 folgten Stadionverbote für Pyro.Die Polizei stürmte regelmäßig in die Blöcke und versuchte die Täter festzunehmen.
    Auf die Aktion folgte Reaktion. Die Ultras ließen sich den Pyroeinsatz nicht verbieten. Ab 2000 zündeten sie trotz Repression. Ab 2010 folgte dann die Pyrokampagne, die jedoch keine Legalisierung brachte. Trotz des Scheiterns ist eine positiv Erkenntniss, dass seitdem viel schöne Pyroeinsätze und ein verantwortungsvoller Umgang bei den an der Kampagne beteiligten Gruppen zu sehen ist. Andererseits erfolgt darauf wieder eine Gegenreaktion siehe Beispiel Hamburg.
    Fazit: Pyro gab es schon bevor die Ultras kamen. Verfolgt wurde Pyro aber erst mit erstarken der Ultrasbewegung.
    Pyro ist ein Vorwand um Repression und Klassenjustiz gegen Ultras einzusetzen und zu versuchen damit die Ultras zu schwächen oder auszulöschen.

    Thema 1 Ultras und Gewalt: Gewalt gab es schon bevor Ultras ins Stadion gingen. Die Europameisterschaft 1992 in Deutschland war begleitet von zahlreichen Hooligankämpfen. Doch damals gab es keinen medialen Aufschrei. Es wurde vieles unter den Teppich gekehrt. Ebenso die Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich waren es deutsche Hooligans die für einen negativen Höhepunkt sorgten. Stadionverbote waren damals noch ein Fremdwort. Ausreiseverbote ebenso.
    Auch 2000 bei der Europameisterschaft reisten noch zahlreiche Hooligans nach Belgien und Holland z.B. bei Deutschland vs England in Charleroi.
    1994 wurde die zentrale Informationsstelle Sport http://de.wikipedia.org/wiki/Zentrale_Informationsstelle_Sporteins%C3%A4tze, die bis 2010 grundgesetzwidrig agierte, gegründet und sammelte fleißig Daten über „Gewaltäter Sport“. Die Gründer der Ultrasgruppen in Deutschland war dem Thema Gewalt grundsätzlich NICHT zugeneigt. Dennoch wurden zahlreiche Ultras in der Datei erfasst, denn alle die beim Fußball auffällig waren wurden als „Gewalttäter Sport“ abgestempelt. Mit der willkürlichen Aufnahem in die Datei Gewaltäter Sport wurden mit dem Thema konfrontiert. Erst mit Beginn der Repressionswelle 2000 begann das Thema Gewalt auch bei Ultras eine Rolle zu spielen. Ursache war übrigens aus meiner Sicht mit der WM Bewerbung für die Fußballweltmeisterschaft 2006 nach Deutschland. Es sollten auf keinen Fall negative Schlagzeilen durch Gewalt entstehen und die potenzielle Gewalttäter sollten von der WM ferngehalten werden. Die junge Ultrabewegung war ein nicht einzuschätzender Unsicheheitsfaktor. Da noch junge und wenige dachten die Gesetzeshüter sie könnten das Problem mit harter Hand schnell lösen. Daher war es ab 2001 ein mehr als inflationären Sprung auf gleich fünf Jahre lange Stadionverbote. Obwohl die Ultras damals wenig mit Gewalt zu tun hatten wurden sie kriminalisiert und befassten sich dadurch erst mit dem Thema. Es trat genau das Gegenteil von dem ein was die Behörden geplant hatten. Die Ultras wurden immer mehr und sie setzten sich mit dem Thema Repression auseinander. Dennoch ging die WM in Deutschland zumindest in den Medien ohne Gewalt über die Bühne. Die Realität sah anders aus. Doch auch an der tatsächlichen Gewalt während der WM waren die Ultras nicht nennenswert beteiligt. Außerdem ist zu sagen, dass in Deutschland, ebenso wie in Italien, das Fußballstadion auch Ersatzbühne für politische Auseinandersetzung mit entsprechenden Gewaltausbrüchen war. So ist ein in Deutschland laufender Prozess, dass sich Ultragruppen politisch positionieren was zu Spannungsfeldern führt, die teilweise mit Gewalt ausgetragen wurden und werden.
    Zum Thema Gewalt spielte übrigens für die Ultras in Italien der 1972 von Stanley Kubrick verfilmte Roman Clockwork Orange ein zentrale Rolle. Die Lehre aus dem Film war für die Ultras klar: Wir lassen uns nicht erziehen und wir entscheiden uns ganz klar zwischen gut und böse. Das System kann uns nicht unterkriegen wir sind böse! Alex und seine Droogs wurden zur Kultfigur für die Ultrabewegung. Viele Gruppen benannten sich danach oder verwendeten Symbolik aus dem Film.
    Gewalt gab es früher schon beim Fußball in Deutschland. Die Strafen dafür hielten sich in Grenzen. Ebenso wie das mediale Echo. Vor 2001 war die Gewalt beim Fußball genau so wie jetzt, wenn nicht noch schlimmer. Doch die mediale Ausschlachtung war damals nicht annähernd so hoch. Medien und Politik gehen Hand in Hand, wenn es negative Stimmung gegen Ultras zu machen gilt. Ausnahmen bestätigen die Regel. Der Ruf nach der harten Hand ist allseits beliebt und die Wirkung ist auch zu beachten: Vor den Ultras war es gängige Praxis längere Stadionverbote nur in Verbindung mit Bewährungsauflagen zu erteilen. Inzwischen werden Stadionverbote auf Verdacht ausgesprochen und stellen eine Art Ersatzstrafrecht dar. Richtlinien für die Erteilung von Stadionverboten sind völlig dubios. Wenn es zur juristischen Aufarbeitung von Gewalt beim Fußball kommt wird sofort nach einer harten Hand gerufen. Die Klassenjustiz versucht mit harten Urteilen die Ultras einzuschüchtern.
    Fazit: Gewalt ist ein spezifisches Problem der Ultras. Jedoch wird es als Vorwand genutzt um die Ultras einzuschüchtern. Die Wege wie Gruppen auf diese Einschüchterung reagieren sind unterschiedlich.

    Thema 4: Ultras und Vereine sowie Verbände
    Die Vereine und Verbände befinden sich in einem Zwiespalt. Zum einen haben sie erkannt, dass die Ultras ihr Produkt den Fußball attraktiv gemacht haben. Steigende Zuschauerzahlen sind ein eindeutiges Indiz dafür. Andererseits führt das profitorientierte Denken der Vereine zu Reibungspunkten mit Ultras. Die positionieren sich klar dagegen und machen ihren Einfluss geltend. Letztendlich sind die Verbände und Vereine auch Teil des kapitalistischen Systems. Daher wird ihnen der Druck seitens des DFB der mehr finanziellen Einfluss hat als die Ultras nachgegeben so weit wie nötig. Doch was treibt den DFB gegen die Ultras? Der DFB ist auch wieder Teil eines weiteren kapitalistischen Kreislaufs: Der Fifa und Uefa. Diese Institutionen sind noch kapitalistischer orientiert als der DFB selbst. Was die Zuschauer und Entwicklung des Sports anbelangt bestehen in Zürich und Lausanne noch stringentere Vorgaben als in Frankfurt. Eine Pyrodebatte in Zürich wäre von ab dem Aussprechen zum scheitern verurteilt. Weitere Einflussfaktor auf den DFB ist auch die Bundesregierung. Die Bundesregierung hat sich zum Thema Pyro und Gewalt eindeutig geäußert: http://ulla-jelpke.de/uploads/Fussball_Gewalt.pdf
    Kurz danach kam die Absage der Pyro-Gespräche von Theo Zwanziger. Warum der kurz vor seinem Ausscheiden das noch entschieden hat wäre interessant zu wissen. Für mich ist jedenfalls klar, dass die Bundesregierung Druck auf den DFB ausgeübt hat was das Thema Gewalt beim Fußball und Pyrotechnik angeht.
    Fazit: Die Ultras sind den Vereinen gerne gesehen weil sie ihren Teil zum Event beitragen. Ein Dorn im Auge ist ihr Einfluss in verschiedene Felder. Die Verbände fürchten um ihre Macht und tolerieren dabei, dass seitens der Bundesregierung und andere kapitalistische Akteure Druck aufgebaut wird die Ultras mit dem Vorwand Pyro und Gewalt unter Druck zu setzen. Für die Ultras ist es wichtig ihren Einfluss gegen diese Interessen geltend zu machen.

    Thema 5: Ultras und Rassismus, Faschismus
    Auch wenn Ultras sich grundsätzlich gegen die Interessen des Kapitals wenden geschieht dies bei den wenigsten aus motiviert durch Kapitalismuskritik. Die meisten Ultras sind pragmatisch orientiert. Ihnen geht es darum ihren Verein zu unterstützen und möglichst viele Leute für ihre Art des Fandaseins und ihre Werte zu begeistern. Denn gute Stimmung kann nur mit vielen Leuten gemacht werden. Großer Repression kann mit großer Solidarität begegnet werden.
    Daher spricht es grundsätzlich dem Gedanken der Ultras den Fußball und den Verein als vereinende Komponente zu sehen. Es ist ein laufender Prozess wie diese vereinenden Komponenten mit den Interessen der Gruppenmitglieder konkurrieren bzw. sich ergänzen. Generell widerspricht das rassistische engstirnige Weltbild diesem Gedanken.
    Jedoch bei vielen Gruppen weit verbreitet und einender Faktor z.B. Stolz zu sein für eine bestimmte Region.
    Ebenso der Begriff wer die Kontrolle über die Stadt hat und der völlige Irrglaube eine Ultrasgruppe in Deutschland könne behaupten es wäre „unsere Stadt“. Viele Gruppen sind sich nicht bewusst was die Geschichte ist, die aus Sicht der Ultras dieses denken begründet. Als die Ultras der Torcida Sandzak in Novi Pazar den Verein Obilic Belgrad und dessen Vereinspräsident den Tiger Arkan mit Steinen und sonstigem aus der Stadt jagten und zeigten „Es ist unsere Stadt“.
    Ebenso sitzen viele externe Beobachter und sogar ganze Gruppen dem Irrglaube auf, das eine Gruppe unpolitisch sein könne. „Ultras no politica“ war der prägende Spruch der „Ultras Tito Cucchiaroni“ von Sampdoria Genua, den auch andere Gruppen übernahmen. Dies bedeutet, dass für diese Gruppe der Verein und die Gruppe absolut an Nummer 1 stehen und dabei politische Ansichten untergeordnet sind. So pflegen sie eine Freundschaft mit den faschistisch eingestellten Ultras von Hellas Verona seit jahrzehnten. Das widerspricht nicht diesem Spruch, sondern ist Bestandteil.
    Es gibt auch tendenziell links eingestellte Gruppen wie in Pisa die aber auch von sich behaupten dem Verein und der Gruppe über die politischen Ansichten zu stellen. Der Verein und die Interesse der Gruppe sind vereinender Faktor.
    Vielfach hat die politische Orientierung einer Gruppe auch mit deren Umfeld in der Stadt zu tun. So ist Livorno die Gründungsstadt der kommunistischen Partei Italiens die Heimatstadt einer kommunistischen Gruppe BAL, die inzwischen leider aufgelöst wurde. Ebenso gibt es auch in Deutschland immer mehr Tendenz, dass sich Gruppen eindeutig positionieren, weil innerhalb der Gruppe der antifaschistische antirassistische Konsens ein wichtiger einender Faktor ist. Dabei spielen auch regionale Faktoren wie der Einfluss antifaschistischer Initiativen im Umfeld dieser Gruppen. Letztendlich haben die Ultras bedingt durch ihre Struktur einen hohen Einfluss wie diese Themen innerhalb des Fanalltags gelebt werden. Das ist weitaus wirksamer, als Aktionen wie „Zeig dem Rassimus die rote Karte“. Als Beispiel der Wirkungslosigkeit dieser Kampagne ist Ferencvaros Budapest zu nennen. Der Spieler und Verein unterstützen die Kampagner der Fare während auf den Tribünen rassistische Symbole, Spruchbänder und Beschimpfungen an der Tagesordnung waren. Denn es gibt leider auch Fanszenen bei denen gerade das rassistische engstirnige Weltbild die Fanszene eint. Daher wäre es gefährlich Ultras grundsätzlich als Gegenpol zum Faschismus, Nationalismus zu sehen. Das ist falsch.
    Es gibt auch Gegenbeispiele z.B. sind die im Ostblock viele rechte Ultragruppen und wenige linke Ultragruppen bedingt durch den regional verbreiteten und akzeptierten Nationalismus, Antziganismus und Antisemitismus sowie dem dort weit verbreiteten Antikommunismus.
    Fazit: Den Ultras ist grundsätzlich ein die Gruppe und teilweise auch die Fanszene einender Konsens wichtig. Dabei besteht tendenziell der Trend Faschismus und Rassimus als trennende Faktoren abzulehnen. Jedoch gibt es auch Tendenzen, dass innerhalb von Gruppen und Fanszenen aufgrund struktureller Fehlentwicklung faschistisches und rassistisches Gedankengut Einfluss haben.

    Thema 6: Ultras und Homophobie und Sexismus. Grundsätzlich ist Fußball eine von Männern dominierte Sportart ebenso die Ultragruppen. Es gilt auch hier wieder, dass es Ziel der Ultras ist einen breiten Konsens innerhalb der Fanszene und vor allem innerhalb der Gruppe zu schaffen. Daher ist es ein laufender Prozess innerhalb der Gesellschaft und auch in den jeweiligen Ultragruppen. Innerhalb dieses Prozess ist festzustellen, dass sowohl Frauen als auch schwule und lesbische Fußballfans sich innerhalb der Fanszene mehr Akzeptanz geschafft haben. Entsprechend fällt auch die Reaktion der Ultras aus. Es gibt Gruppen bei denen sexistische Pöbeleien weiterhin beliebt sind. Jedoch ist auch festzustellen, dass innerhalb der Gruppen sich Frauen etabliert haben. Frauen die die besseren Männer sein wollen können dabei im Gegensatz zu der Gesellschaft mit weniger Akzeptanz rechnen als Frauen, die authentisch sich innerhalb der Gruppe engagieren. Generell ist festzustellen, das Frauen innerhalb der Gruppen sich schwerer durchsetzen und teilweise sogar von Frauen selbst behindert werden.
    Im Ausland ist jedoch sichtbar, dass es zahlreiche Fahnen „Girls“ oder „raggazae Ultras“ gibt und auch entsprechende Frauen, die selbständig diese Fahnen verteidigen.
    Das Thema Homophobie hat bei Ultras noch einen Untergeordneten Standpunkt. Es sind bisher keine einzige Ultrasgruppe bekannt, die angibt ein Großteil ihrer Mitglieder sei schwul oder lesbisch. Aber auch hier gilt generell, dass Ultras der einende Faktor wichtig ist und sofern es innerhalb der Fanszene Fanclubs mit Schwulen oder lesbischen Mitgliedern entsprechend auftreten und einen einenden Konsens mit den Ultras finden es ihnen möglich ist mit den Ultras zusammen zu arbeiten. Allerdings gibt es auch viele Gruppen bei denen der verbreitete Schwulenhass noch akzeptiert ist und teilweise mehr verbreitet als in anderen Bereichen der Gesellschaft.
    Jedoch gibt es auch Gruppen bei denen der Kampf gegen Homophobie innerhalb der Gesellschaft und innerhalb der Fanszene als einender Faktor angesehen wird. Allerdings sind einige dieser Gruppen innerhalb der Szene kritisch betrachtet, weil teilweise ihr Engagement gegen Homophobie und Sexismus von außen betrachtet nicht authentisch wirkt, da es scheinbar wichtiger als andere ultratypischen Themen in der Außendarstellung dieser Gruppen ist.
    Fazit: Generell ist es wie in der Gesellschaft auch bei den Ultras ein laufender Prozess, das Homophobie und Sexismus zurückgedrängt werden.

    Thema 7: Ausblick für die Ultras.
    Richtig ist, dass sich Ultras einen Ritt auf der Messerklinge machen. Sie haben viele Gegner und wenige Fürsprecher. Doch Sie haben einen ganz großen Pluspunkt: Die Solidarität untereinander. Solidrität ist eine Waffe ist für die Ultras nicht nur eine Phrase. Die Zukunft der Ultras wird sich nicht wie im Artikel beschrieben an der Gewaltfrage entscheiden. Den Niedergang der Ultras in Italien mit der Gewalt zu begründen liegt zwar auf der Hand. Jedoch muss was einfach ist nicht unbedingt richtig sein. Aus meiner Sicht ist der Niedergang der italienischen Ultras ein lange gehender Prozess, verursacht und vorangetrieben durch die Tatsache, dass Respekt und Solidarität unter den Ultras bröckelte. Teilweise brachen die Ultras mit ihren eigenen Werten. Sie wurden zu sogenannnten Business Ultras teilweise unterwandert von mafiösen Strukturen, denen ihr eigener Profit wichtiger war als ihre Werte. Ein Artikel der das ganz gut beschreibt ist hier: http://www.altravita.com/die-haende-der-ultras-im-geschaeft-mit-dem-fussball.php Der italienische Staat nutzte den Vorwand Gewalt um sich des leidigen Problems der Ultras zu befreien. Doch entscheidend für den Niedergang der Ultraskultur war nicht die ausufernde Gewalt, sondern dass der Kampf um die gemeinsamen Werte nicht gemeinsam begangen werden konnte, weil die Werte vielerorts auf der Strecke geblieben waren.
    Diejenigen, die meinen dass der Fortbestand der Ultrasbewegung sich an der Gewaltfrage entscheiden würde führen ME die falschen Argumente an. Mich wundert es, dass von dieser Seite nicht die japanischen Verhältnisse gewünscht werden. Dort gibt es „Ultras“, die Gewalt abgelehnen wie der Teufel das Weihwasser. Es gibt riesige Kurven mit genialer Stimmung, super Choreos und volle Stadioen in denen sich Familien mit Kindern wohlfühlen. Wenn nach Ultras ohne Gewalt verlangt würde, dann könnte ich dieses Idealbild zu zeichnen durchaus nachvollziehen. Warum wird das nicht gemacht? Sind die japanischen Ultras diesem Lager etwa unbekannt? Oder ist dieses Idealbild so unrealistisch, dass erst gar nicht benutzt wird?
    Mich wundert es einerseits, andererseits bin ich auch froh. Denn für mich ist es keineswegs ein Idealbild, wenn Ultras sich vollkommen anpassen z.B. Fahnen nur nach Toren oder zu Beginn der Halbzeit schwenken und ihre Eigenständigkeite, Selbstverwaltung und das Rebellentum völlig aufgeben und nur noch als uniformierte „Pausenclowns“ auftretten. Wenn sie jegliche Art von Konflikten mit Verein oder Staat aufgrund eines notorischen Glaubens an die Obrigkeit vermeiden. Sind das etwa die Ultras die ihr haben wollt? Ist diese Ultrakultur euch lieber? Mir sicher nicht. Denn Ultra zu sein bedeutet für mich nonkonform zu sein den Kommerz im Fußball und die gesellschaftlichen Zwänge abzulehnen und für die Werte zu kämpfen.
    Dieser Weg ist nicht immer einfach.

    Da sind wir wieder an der Überschrift. Das Spiel mit dem Feuer. Entscheidend für die Entwicklung der Ultras in Deutschland war die gelebte Solidarität. Nur wer starke Werte hat für die er kämpft kann auch etwas bewirken. So gelang es den Ultras ihre Art von Fankultur zu etablieren gegen andere Strömungen und Widerstände. Wie es mit den Ultras weitergeht ist nur indirekt am Thema Gewalt festzumachen. Es gibt nur zwei Arten zu überleben. Entweder wie in Japan sich völlig anzupassen. Wer sich Ultras auf die Fahhnen schreibt für den ist sowas eigentlich undenkbar. Es bleibt also nur eines: Wenn Sie gemeinsam für Ihre Werte und ihre Fankultur kämpfen werden die Ultras das Spiel mit dem Feuer gewinnen.

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  9. Ich finde es abartig wie Ultragruppen teilweise in deutschen Stadien behandelt werden. Mit Sprengstoffspürhunden werden Leute beschnüffelt, Fans werden von Ordnern verprügelt und der DFB bestraft grundsätzlich immer die falschen und immer falsch. Ohne die Ultras gäbe es in den Stadien überhaupt keine Stimmung und sowieso, selbst beim Eishockey wird Pyrotechnik verwendet. Fußball soll kein Familienevent werden, da kann man auch nach Disneyland fahren. Fußball ist ein Hobby, was man ausleben möchte und nicht auch noch dort wie in einem Käfig eingesperrt werden.

    Solange Bengalos und Rauchbomben (nur Pyrotechnik, keine Böller) kontrolliert gezündet werden und nicht auf das Spielfeld geworfen werden, sollte der DFB die Augen auf die Nazis in den Kurven richten.

    Nazis haben definitiv nichts in den deutschen Stadien verloren!!!! Man sieht aber die Tendenz immer mehr in Richtung antifaschistischem Gedankengutes wandern und das soll und muss verhindert werden.

    PYROTECHNIK IST KEIN VERBRECHEN UND FUßBALLFANS KEINE TERRORISTEN!!!!!

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