„Zweifelhafte Faktenlage“

Nach den fragwürdigen Artikeln von Welt-Online und Berliner Morgenpost über einen weiteren rassistischen Kalender, der angeblich von der Gewerkschaft der Polizei veröffentlicht worden war, haben die Blätter nun auf Anfragen reagiert. Doch gesagt haben sie eigentlich nichts.

Welt-Online teilte mit, Ausgangspunkt für die Geschichte seien „unsere Recherchen zu dem ersten, kürzlich aufgetauchten Kalender der Deutschen Polizeigewerkschaft“ (DPolG) gewesen. Die Redaktion sei „in diesem Zusammenhang auf Hinweise zu einem neuen rassistischen Polizeikalender gestoßen und dem Thema nachgegangen“. Das klang im Artikel noch etwas anders, da hieß es  – und es wurde sogar behauptet, der Funktionär der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und SPD-Landtagsabgeordnete Harald Schneider habe diesen veröffentlicht. Die Frage, warum der Beschuldigte noch nicht einmal dazu Stellung nehmen konnte, wie Schneider gegenüber Publikative.org beklagte, beantwortete Welt-Online nicht.

Die Berliner Morgenpost löschte ihren Artikel ohne Angaben von Gründen.
Die Berliner Morgenpost löschte ihren Artikel ohne Angaben von Gründen.

Stattdessen teilte Oliver Michalsky, stellvertretender Chefredakteur der WELT-Gruppe und verantwortlich für WELT ONLINE, mit: „Aufgrund der insgesamt zweifelhaften Faktenlage und widersprüchlichen Hintergründe sowie mit Blick auf die schweren Vorwürfe, die sich daraus ergeben, haben wir uns jedoch entschlossen, die Geschichte zunächst von der Seite zu nehmen. Wir sind weiter an dem Thema dran.“ In der Tat wurden schwere Vorwürfe erhoben und im Netz verbreitet – eine Richtigstellung oder Erklärung blieb bislang aus.

Die Berliner Morgenpost reagierte ähnlich ausweichend. Der Artikel sei nicht mehr online, weil es inzwischen Zweifel an der journalistischen Darstellung gebe. Unter Umständen enthalte der Bericht Fehler, schreibt Dirk Nolde, „etwa was die Frage betrifft, wer den Kalender herausgegeben bzw. veröffentlicht hat. Das prüfen wir – und so lange bleibt das Stück offline.“

Die Gewerkschaft der Polizei kündigte gegenüber Publikative.org an, sie werde möglicherweise rechtlich gegen die Presseberichte vorgehen.

Siehe auch: Ein angeblicher Polizei-Kalender – und viele offene Fragen,  Rassismus, Sexismus, Menschenverachtung – Humor bei der Polizei,  Geistige Engpässe: Kalender der Polizeigewerkschaft, Deutscher Humor: ohne Rassismus kein Witz

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13 Kommentare zu „„Zweifelhafte Faktenlage“

  1. Welche GdP will` angesichts eines Kalenders der GdPB für das Jahr 2012 (der ja offenbar unzweifelhaft existiert und auch mit den „Karikaturen“ jenes Beamten bestückt ist und durch die Gewerkschaft beworben wird) möglicherweise rechtlich gegen die Presseberichte vorgehen..!? – Das klingt ja eher wie das Pfeiffen im Walde. Haben die keine anderen Sorgen hinsichtlich des Wikipedia-untermauerten „Karikaturverständnis“ der Polizeigewerkschaft Bayern? 😦

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  2. “etwa was die Frage betrifft, wer den Kalender herausgegeben bzw. veröffentlicht hat. Das prüfen wir – und so lange bleibt das Stück offline.”

    Kann mir nur vorstellen, die Geschichte lief so:

    Der Hobbykarikaturist und hauptberufliche Polizist findet niemanden, der seine Karikaturen veröffentlichen will: sie sind zu unwitzig und zu rassistisch. Um sich aber trotzdem den Anschein von Relevanz zu geben stellt er einen Kalender für die GdP her und bietet diesen zum downloaden an. Technisch ist es einfach: 12 Zeichnungen und ein Logo einfügen in eine Kalendervorlage aus dem Internet. Diese gibt es…

    Die Journalisten sind dem Namedropping-Trick des Hobbykarikaturisten aufgesessen und gingen davon aus, der Karrikaturist wurde von der GdP beauftragt, diesen Kalender herzustellen. Dieser Eindruck war vom Karikaturisten durchaus gewollt.

    Für die Gewerkschaft stellt sich das so dar:

    Der Karikaturist hat ihr Logo mißbräuchlich verwandt, um zum Schaden der Gewerkschaft einen eigenen Vorteil daraus zu ziehen. Welche Art von Schaden zeigt sich bei dem „Ärger“ den die GdP jetzt hat, um die Sache richtig zu stellen. Ein hoher Imageverlust, den etwas von dem geworfenen Dreck, wird an ihr heften bleiben.

    Auf diesen Sachverhalt werden die Welt und die entsprechenden Medien hingewiesen worden sein. Für sie auch peinlich: hatten sie behauptet Auftraggeber wäre die GdP, was ja nicht stimmt.

    Auf den Karikaturisten wird noch einiger Ärger zu kommen: zumindest von Seiten der GdP, deren Logo/Name mißbräuchlich verwendet wurde.

    Wie der Dienstherr mit dem Sachverhalt umgeht: ein Mitarbeiter verbreitet unter dem Namen einer Polizeigewerkschaft volksverhetzende(?) Darstellungen, ist offen.

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  3. …nun sind alle Internetseiten des A. B. komplett verschwunden. Ist ihm wohl die Lust am Publizieren (von fremdem und/oder fragwürdigem Krempel) vergangen. *Is ja heut zu Tage alles ganz easy*, vor allen Dingen: eins auf die Mütze zu bekommen. 🙂 Hab dafür leider kein Mitleid übrig… „Tritt-Staaten“ hallo!?

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  4. was haben deren antworten mit dem eigentlichen hintergrundthema zu tun? die antworten sind nicht die antworten auf die frage, an welchem datum genau die links wieder funktionieren -> deren beiträge haben wiederhergestellt zu werden -> und zwar mit einer angemessenen richtigstellung.

    sorry, aber enten oder gänse werden nicht schlicht gelöscht, das wird angemessen korrigiert oder aktualisiert/ergänzt -> wenn springer sich weiterhin als „verlag“ verkaufen will, der angeblich „zeitungen“ verlegt, dann haben die gefälligst zu zeigen, ob sie denn in der lage sind, eine klare medienarbeitrelevante frage als angebliche „journis“ klar zu beantworten.

    datum der wiederherstellung der löschung samt angemessener richtigstellung.

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  5. der gelöschte beitrag – bis die angeblichen „journis“ in den angeblichen „zeitungen“ in dem angeblichen „verlag“ anfangen, das zu machen, was in ihrem job eigentlich erwartet wird…

    der von der seite von welt.de gelöschte beitrag ist vorerst erstmal hier zu finden:

    http://pastebin.com/qajuySqX
    und die bilder auf

    und die welt.de möge die frage beantworten, wann dieser beitrag (sie können ihn gerne von dem link zurückkopieren, wenn sie den bei sich äh „verlegt“ haben) -> wann der dort wieder online ist, mit angemessener richtigstellung.

    (da drin ist übrigens nebenbei zu sehen, wo der Patrik seine inspiration für die wendung mit „pikant“ her hat :] erwischt! -> http://www.publikative.org/2012/03/04/ein-angeblicher-polizei-kalender-und-viele-offene-fragen/comment-page-1/ )

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  6. so und jetzt mal zur lieben polizeigewerkschaft. bayrisch oder sonstwie.

    liebe gewerkschaftler.

    liebe gewerkschaftsmitglieder, sprecher und vor allem die lieben fans von spitzenbauchmuskelkater produzierenden auftritten wie dem folgenden (gefährlich! ich verletze mich an so nem namenschild! mein grüner skianzug mit superpuffer, der hält alles, alles aus, selbst ne kugel wenn’s sein muss, aber so ein namenschild, da KANN man sich aber sowas von dran verletzen!)

    liebe leute also, die leute wie diesen hier:
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1543980/Namensschilder-fuer-Polizisten#/beitrag/video/1543980/Namensschilder-fuer-Polizisten?
    (DPolG in diesem Fall, siehe min 2:40 ff)
    in ihren eigenen reihen haben.

    wenn. liebe polizeigewerkschaftler von sonstwo. WENN hier schreiben rumverschickt werden a lá „rechtliche schritte“, dann HÖCHSTENS mit dem hinweis, dass diese rechtlichen schritte eingeleitet werden FALLS es keine angemessene, den tatsachen entsprechende richtigstellung gibt.

    (ansonsten aber glaube ich das märchen nicht so schnell, dass der beitrag off ging, anstatt richtiggestellt zu werden, nur weil die redax sich in die hose vor schreck vor rechtlichen schritten machte. oder doch? wie jetzt – bei wulff einen auf dicke hose und da plötzlich reinpieseln?)

    hat jemand die genaue chronologie? um wieviel uhr an welchem datum wurde der satz mit den „rechtlichen schritten“ abgeschickt und zugestellt und um wieviel uhr am welchen datum verschwand der beitrag sang-und-klanglos mal eben ins off?

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  7. zu weiter oben: „hat jemand die genaue chronologie? um wieviel uhr an welchem datum wurde der satz mit den “rechtlichen schritten” abgeschickt und zugestellt und um wieviel uhr am welchen datum verschwand der beitrag sang-und-klanglos mal eben ins off?“

    ja, es gibt eine chronologie. siehe hier: http://tinyurl.com/76drggt

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  8. Wo steht im Artikel der Welt denn das der Kalender dem Blatt vorliegt?
    Ich lese da nur ‚Die Motive, die „Welt Online“ vorliegen‘, das ist ja nun doch was anderes. Schon die Formulierung in Mehrzahl legt nahe das eben nicht DER Kalender vorliegt sondern nur die einzelnen (digitalen) Bilder (vielleicht sogar als Kalenderblaetter gephotoshopped, das ist ja schnell, von wem auch immer, gemacht).
    Imo dachten die, also Berliner Morgenpost und Welt Online (was zumindest fuer den Bereich Online ja ein und die selbe Redaktion ist), sie koennen schnell einen weiteren Skandal nachschieben und sind einfach einer Falschinformation aufgesessen, so was passiert halt bei mangelhafter Recherche ;-/

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  9. Sicher ist die Springerpresse einer Falschinformation aufgesessen. Fragt sich nur, ob diese Falschinformation aus dem eigenen Hause stammt.

    Fakt ist ja, dass die reaktionäre Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) im Beamtenbund einen rassitischen Kalender herausgegeben hat. Die Nazis, zum Beispiel auf PI, freuen sich über so viel Offenheit der Gesetzeshüter. Gleichzeitig weiß man, das hätte man sich nicht getraut.

    Und natürlich schäumt die demokratische, antifaschistische Öffentlichkeit, gerade angesichts der neonazistischen Mordserie, die aktuell Thema ist und wo der Staat mit drin hängt.

    Was ist da naheliegender, die konkurrierende Gewerkschaft der Polizei (GdP) im DGB als „sogar noch rassistischer“ zu demaskieren? Es ist doch eine altbewährte Ablenkungstaktik der Rechten, auf den Gegner zu zeigen, dass das die eigentlichen Faschisten seien.

    Und warum sollte die ebenfalls rechte Springerpresse da nicht mitmachen, wo sie doch sonst immer in erster Reihe steht, wenn es gilt, rassistische Stimmungen zu schüren?

    Natürlich ist man hier einer Falschinformation aufgesessen, aber hätte ja gut gepasst in die Redaktionslinie. Vielleicht hat der Informant auch nie etwas von Kalender gesagt, sondern das entstand im Kopf des Springerredakteurs?

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