Fußball, Schwachsinn, DFB

Rechtliche Willkür, kaum noch nachvollziehbare Strukturen und die offensichtliche Wahrnehmung  von Fans als eine Herde Melkkühe: Der Deutsche Fußball Bund wird seinem Image als Institution mit einem riesigen Demokratiedefizit gerade wieder mehr als gerecht. Das kann nicht mehr lange gut gehen.

Von Andrej Reisin

Wegen eines Kassenrollenwurfs soll der FC St. Paul bei seinem nächsten Heimspiel auf 5.800 Stehplätze verzichten*. Ein Abiturient hatte die Rolle geworfen, in der Hoffnung, damit eine Luftschlange produzieren zu können. Leider rollte sich das solide Stück aber nicht ab, sondern flog über das Fangnetz und landete direkt auf dem Kopf des Frankfurter Spielers Pirmin Schwegler, der zwar weiterspielen konnte, aber dennoch behandelt werden musste. Da St. Pauli wegen eines Becherwurfs ein knappes Jahr zuvor als „Wiederholungstäter“ gilt, wurde nun eine weitere empfindliche Strafe ausgesprochen.

Fans des FC Sankt Pauli (Foto: Papenburger / CC BY-NC 2.0)
Mindestens gemeingefährlich: Fans des FC St. Pauli (Foto: Papenburger / CC BY-NC 2.0)

Nun hat man sich ja bereits an Strafen „gewöhnt“, die jede Verhältnismäßigkeit vermissen lassen, erinnert sei hier nur an den vorübergehenden Ausschluss von Dynamo Dresden aus dem DFB-Pokal – der mutmaßlich allein deshalb erfolgte, weil der mediale Druck nach der ZDF-Skandalberichterstattung vom Dresdener Spiel in Dortmund riesig war. Der Druck auf den FC St. Pauli seitens seiner Fans, sich diesem Urteil nicht zu beugen, ist allerdings ebenfalls riesig – vor allem, weil man des Täters nur deshalb habhaft werden konnte, weil dieser sich stellte. Nun müsste er mit einem existenzbedrohenden finanziellen Verlust rechnen, wenn der Verein die Strafe an ihn „weitergeben“ könnte und würde.

Das wird der FC St. Pauli vermutlich nicht tun, aber die unausgesprochene Lektion, die der DFB hier erteilt, lautet: „Wenn Ihr Mist baut, haltet die Schnauze, haut ab, versteckt Euch, streitet alles ab.“ Damit befindet sich die offizielle Gerichtsbarkeit des Verbands implizit auf einer Linie mit den Ratschlägen, die gut organisierte Ultra-Gruppen ihren Mitgliedern mit auf den Weg geben – und die sich sich bei radikalen politischen Aktivisten und deren Umgang mit staatlicher Strafverfolgung abgeschaut haben.

Auf die grundsätzlich fragwürdigen Mechanismen der Parallelgesellschaft DFB und der noch zweifelhafteren Übertragung ihrer Monopoly-Ereigniskarten-Urteile in die reale Welt des bürgerlichen Rechtsstaats werden wir in diesem Blog später noch zurückkommen. Einstweilen sei festgehalten: Wenn in Hoffenheim ein Angestellter angeblich ohne Wissen des Vereins gegnerische Fans mit Störgeräuschen beschallt, dann ist das für die muntere DFB-Justiz kein Fall. Wehe aber, es wirft einer mit Papierrollen …

Auch an anderer Stelle wird das aktuelle Versagen des Verbandes in Bezug auf handfeste Probleme deutlich: Seit Monaten tobt in Aachen ein Kampf ein von organisierten Nazis und Hools angezettelter, gewalttätig geführter Kampf um die Vorherrschaft im Stadion. Kein Wort dazu vom DFB. Und am Sonntag beleidigte eine Gruppe Lauterer Rechtsradikaler den israelischen Profi Itay Shechter im breitesten Pfälzisch als „Dreggsjudä“. Um Missverständnissen vorzubeugen: Beide Vereine haben die Vorfälle verurteilt und ein Großteil der jeweiligen Anhänger hat mit den Nazis weder was am Hut, noch will man sie tolerieren.

Trotzdem wäre hier nach wie vor ein weites Spielfeld zu bestellen, vor allem für einen Verband, der sich „mas Integration“ auf die Fahnen geschrieben hat und einen „Integration gelingt spielend“-Hochglanz-Werbespot nach dem nächsten produziert. Statt den Dialog über Pyrotechnik abzubrechen, sich auf Papierrollen zu fokussieren und durch immer mehr Repression mehr und mehr Fans zu radikalisieren, sollte der DFB seine Prioritäten vielleicht neu justieren. Es besteht derzeit allerdings wenig Hoffnung, dass man die Dinge im Bunker an der Otto-Fleck-Schneise ähnlich  sieht.

*Nachtrag vom 02. März: Der FC St. Pauli hat Widerspruch gegen das DFB-Urteil eingelegt. Vize-Präsident Dr. Gernot Stenger sagte nach einer Präsidiumssitzung am späten Donnerstagabend: „Wir werden in Berufung gehen und die Entscheidung der ersten Instanz nicht akzeptieren.“ Der Rechtsanwalt erläutert die Gründe wie folgt: „Auch wenn das Gericht das Auftreten des Werfers gewürdigt und die Strafe im Verhältnis zum Strafantrag mehr als halbiert hat. Dennoch: Der Täter hat sich freiwillig gestellt und glaubhaft versichert, dass er nicht gezielt auf das Spielfeld oder gar auf den Spieler geworfen hat. Danach halten wir einen Ausschluss von 5800 Zuschauern nicht für angemessen.“

Siehe auch: Die ErziehungsdiktaturNur Maulwürfe können den Fußball unterwandernDie Polizei fordert …Diskret in den Farben, ernst in der Sache“Fußballchaoten” setzen Untersuchungskommission einDahin, wo es weh tut!Gewaltorgie beim Hallenturnier: Des Rätsels Lösung“Tolle Kulisse”: TeBe-Fans flüchten von HallenturnierUnpolitisch? Der “Barking Dogs”-Fanclub “Road-Crew 24″Das unpolitische Wir der FanszeneAngriff der “Karlsbande”: Offener Brief an die AlemanniaÜberbieten und StrafenEtwas Besseres als diesen JournalismusSogenannter Journalismus: Wie erzähle ich Fußballrandale?

23 Kommentare zu „Fußball, Schwachsinn, DFB

  1. Was soll denn die Kritik. Prinzip ist: Wenn ich Mist baue, dann bin ich dafür haftbar. Der Wurf war ne Dummheit, und „der Abiturient“ wurde nicht gezwungen zu werfen. Pech.

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    1. @FranK: Schön, wie einfach die Dinge in Ihrer Welt gestrickt sind: Wenn ich gegen einen Brückenpfeiler fahre und wegen baulicher Mängel die ganze Brücke einstürzt, bin ich dafür Ihrer Meinung nach auch haftbar? Juristisch ist die Frage nach der Absehbarkeit der Folgen einer Handlung keinesfalls so einfach zu beantworten, wie Sie hier gerade tun. Aus meiner Sicht kann niemand, der eine Papierschlange werfen will, damit rechnen, dass dies einen sechsstelligen Schaden nach sich zieht. Von der Intransparenz der DFB-Verbandsjustiz, die den Ansprüchen an ein rechtsstaatliches Verfahren in keiner Weise genügt, einmal ganz abgesehen – dazu später wie gesagt mehr.

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  2. “Wenn Ihr Mist baut, haltet die Schnauze, haut ab, versteckt Euch, streitet alles ab.” …

    Ich weiss gar nicht wieso sie die altehrwürdige Strategie der Aussageverweigerung hier so denunzieren. Jeder Strafrechtler der sein Honorar als Anwalt wert ist wird ihnen empfehlen, auf keinen Fall Aussagen bei Polizei und Justiz zu machen, bevor klar ist ob das dem eigenen Fall was nützt. Das sich Ultras sowas von den zahlreichen linken (und ein paar rechten) Rechtshilfeaktivisten abgeguckt hätten, ist eine Vermutung ihrerseits, und selbst wenn es so ist zeigt es nur das es auch bei den Ultras vernunftbegabte Menschen gibt.

    Das Recht, die Aussage zu verweigern ist ein Mittel des Individuum gegen die Resourcenmäßig hoch überlegene staatliche Gerichtsbarkeit. Als solches sollte man es Menschen anempfehlen und nicht dagegen polemisieren, auch nicht um einen Punkt gegen die Idioten vom DFB zu machen.

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    1. @gesuchter: Über „Vermutungen“ unsererseits brauchen wie nicht streiten, die entsprechenden Passagen aus dem „Rechtshilfespektrum“ und Ultra-Publikationen gleichen sich bis in den Wortlaut. Und natürlich ist die Aussageverweigerung ein vollkommen legitimes rechtsstaatliches Mittel. Hier ging es aber auch nicht darum, dagegen zu polemisieren, sondern deutlich zu machen, wie sehr der DFB mit solchen Urteilen jegliche Ziele im Dialog mit den Fans aus den Augen verliert. Hier hat jemand nicht davon Gebrauch gemacht, sondern darauf vertraut, dass mit Augenmaß und Verhältnismäßigkeit geurteilt wird. Das Gegenteil ist nun der Fall, die Lektion klar. Es ist aber leider kein begrüßenswerter Zustand, wenn Fußballfans ihren Vereinen und Verbänden begegnen müssen wie politische Aktivisten einer staatlichen Strafverfolgungsbehörde, sondern ein beklagenswerter. Und eben dieser kennzeichnet unter anderem die Eskalation, die bereits stattgefunden hat.

      Dazu der Fanladen des FC St. Pauli:
      „Der Fanladen St. Pauli hat gemeinsam mit dem „Täter“ den Vorfall nachvollziehbar und wahrheitsgemäß dem Verein geschildert. Das Entdeckungsrisiko war vorab überschaubar, er hätte sich nicht offenbaren müssen und wäre somit aller Voraussicht nach einer Strafe entgangen. Er allein hat die Entscheidung getroffen, sich der Verantwortung zu stellen und die Konsequenzen zu tragen. Er hat sich beim getroffenen Spieler Pirmin Schwegler entschuldigt und glaubhaft gemacht, dass es niemals in seinem Interesse war, den Spieler zu treffen, geschweige denn das Spielfeld. Eine Strafe wie die jetzt angedachte setzt daher deutlich falsche Signale! So wird jungen Menschen kaum zu vermitteln sein, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen…“

      Nachtrag:
      Ich habe die entsprechende Passage nun etwas neutraler formuliert, damit der Verdacht, wir wollten die Aussageverweigerung denunzieren, gar nicht erst aufkommt. 😉

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  3. Pingback: Anonymous
  4. also lieber Autor – Äpfel und Birnen:

    1. wenn die Brücke nur einstürzt, weils sie bauliche Mängel hatte, wird die Schuld bzw. das Strafmaß entsprechend vermindert (so viel zur konstruierten Situation).

    2. Wenn ich eine „Luftschlange“ werfen will, dann werfe ich keine Kassenrolle, denn Kassenrolle ungleich Luftschlange. Nur unter der Annahme, dass die Kassenrolle sich entrollt , ist das zumindest üblich (und sicher teilweise geduldet). Dass diese Annahme nicht universell gilt zeigt dein Beispiel, in dem die Kassenrolle sich halt nicht entrollte, und entsprechend Flugbahn und Masse einen mehr oder minder schmerzhaften Eindruck hinterlassen hat. Zudem ist das Werfen von Gegenständen auf das Spielfeld nicht gestattet, geschweige denn in Richtung Spieler.

    3. „der Abiturient“ warf also unter Akzeptanz diverser Unwägbarkeiten (rollt sich die Rolle ab oder nicht) die Kassenrolle in Richtung Spieler (sonst hätte die Kassenrolle wohl nicht getroffen, wenn der Spieler nicht noch eine Art Flugkopfball in die Flugbahn hinein gemacht hat; bei der Masse einer Kassenrolle spielt auch das Argument „Wind“ keine Rolle) und traf. Nicht ein etwaiger baulicher Mangel der Kassenrolle spielt hier eine Rolle, denn die ist nicht (im Gegensatz zur gewollten Stabilität der Brücke) dazu da, sich „im Flug“ abzurollen. Sie ist ne Kassenrolle, die zweckentfremdet wurde (während dessen eine Brücke auch nen Unfall bestimmten Ausmaßes aushalten muss). Das ist der Unterschied zwischen den Fällen, zzgl. dem Aspekt, dass der „Brückenunfall“ ja theoretisch absichtlich geschehen müsste, um halbwegs analog zur Kassenrolle genannt zu werden).

    Und der Werfer hat halt akzeptiert, dass er nicht wusste, ob die sich abrollt und ob da jemand steht (angenommen, es war unabsichtlich getroffen). Wenn ich jemand unabsichtlich verletze, handle ich fahrlässig, und bin für meine Taten haftbar. Insofern gebe ich dir uneingeschränkt Unrecht.

    Dass aus diesem Wurf die Haftung nicht nur für die Körperverletzung sondern für die Strafe für den Verein resultiert, müsste anhand der AGB der Stadion-Besucherkarten gefolgert werden. Sehen die vor, dass bei Zuwiderhandlung (z.B. – hypothetisch – keine Gegenstände aufs Feld werfen) Strafe und Folgenübertragung folgt, dann wäre das sicherlich auch teilweise rechtens. Ob die komplette Höhe rechtens ist, ist sicherlich den Profi-Juristen vorbehalten.

    Rein prinzipiell ist es aber ne logische Sache: Wenn sich unter den Fans Idioten befinden, deren Handeln dazu führt, dass Vereine durch den DFB bestraft werden (was nicht richtig sein muss, aber faktisch so ist), was soll diese Strafe denn hinsichtlich der Prävention bringen, wenn die Fans das nicht auch spüren? So lange der Verein bestraft wird und für Einzeltäter und Gruppierungen haften muss, kann sich doch nichts ändern? Erst wenn das reguläre Recht auch für den Einzelnen gilt (indem die Strafe auf die verantwortliche Person abgewälzt wird), kann der Verein davon ausgehen, dass sich die üblichen Verdächtigen es zwei mal überlegen.

    Im übrigen:

    Ich werfe die Kassenrolle, um einen Spieler zu verletzen – vorsätzliche Körperverletzung

    Ich werfe die Kassenrolle, und verletze versehentlich einen Spieler – fahrlässige Körperverletzung

    Und ja, so einfach kann es sein. Wenn wir nicht für unser Handeln verantwortlich gemacht werden können, möchte ich mir die gravierenden Auswirkungen auf die Gesellschaft nur hypothetisch ausmahlen.

    Grüße
    Frank

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    1. Tja lieber Frank, Sachkenntnis und Schwachkenntnis:

      Zitat:
      3. “der Abiturient” warf also unter Akzeptanz diverser Unwägbarkeiten (rollt sich die Rolle ab oder nicht) die Kassenrolle in Richtung Spieler (sonst hätte die Kassenrolle wohl nicht getroffen, wenn der Spieler nicht noch eine Art Flugkopfball in die Flugbahn hinein gemacht hat; bei der Masse einer Kassenrolle spielt auch das Argument “Wind” keine Rolle) und traf. Nicht ein etwaiger baulicher Mangel der Kassenrolle spielt hier eine Rolle, denn die ist nicht (im Gegensatz zur gewollten Stabilität der Brücke) dazu da, sich “im Flug” abzurollen. Sie ist ne Kassenrolle, die zweckentfremdet wurde (während dessen eine Brücke auch nen Unfall bestimmten Ausmaßes aushalten muss). Das ist der Unterschied zwischen den Fällen, zzgl. dem Aspekt, dass der “Brückenunfall” ja theoretisch absichtlich geschehen müsste, um halbwegs analog zur Kassenrolle genannt zu werden).

      Daran stimmt leider nicht einmal die Hälfte, was wieder einmal beweist, wie gründlich sich die meisten Menschen offenbar mit Situationen beschäftigen, über die sie gleichzeitig großspurig daherreden möchten. Vielleicht sollte man sich zumindest mal ansatzweise mit dem Geschehen selbst beschäftigen, bevor Sie sich Konsequenzen wünschen, die das Leben anderer ruinieren sollen. Sie irren in folgenden Punkten:

      1. Der Werfer warf die Rolle keinesfalls in Richtung des Spielers oder irgendeines Spielers, sondern mehr oder weniger senkrecht in die Luft. Da das Millerntor hinter der entsprechenden Tribüne Fangnetze hat, wäre ein direkter Wurf mit diesem Gegenstand gar nicht möglich gewesen, wie zahlreiche Video-Beispiele belegen. Der Werfer warf die Rolle so hoch wie möglich, präzise damit sie sich abrollen konnte. Erst als diese bereits in der Luft war (und sich nicht abrollte), trat der Spieler Pirmin Schwegler unglücklicherweise an jene Stelle, an der ihn die Rolle dann senkrecht von oben kommend am Kopf traf, wie sie auf jedem Video der entsprechenden Szene sehen können.

      _____ /
      _____/F
      _____/a_
      ____/_n__ Flugbahn & Fangnetz in vereinfachter Darstellung.
      ____/_g__
      ___/__n__
      ___/__e__
      ___/__t__
      ___/__z__
      Werfer—-Schwegler

      2. Inwieweit das Fangnetz folglich so hoch sein müsste, dass es nicht horizontal überworfen werden kann, wäre eine völlig ungeklärte bauliche Frage (daher: Brücken-Analogie).

      3. Die von Ihnen angerissenen (und von uns wie gesagt noch weiter zu behandelnden) DFB-Verfahrensweisen entsprechen in keiner Weise sonstigen rechtsstaatlichen Verfahren. Weder kann der spätere haftbar Gemachte dem Verfahren im Normalfall beiwohnen, noch hat er ein Anhörungsrecht, noch ein Beitretungsrecht (alles übliche Standards), noch muss der Verband die Verhältnismäßigkeit wahren, etc.pp.

      4. Im übrigen: Es ist niemand „verletzt“ worden – jedenfalls nicht im juristisch festgestellten Sinn. Der Geschädigte hat die Entschuldigung akzeptiert und nach eigener Aussage keinerlei Schaden (Zitat unmittelbar nach dem Spiel: „Es war kein harter Schlag, aber ich war überrascht.“) erlitten. Es gibt keine Anzeige wegen Körperverletzung und es wurde auch nicht wegen eines Offizialdelikts ermittelt. Und nein, so einfach kann es nicht nur nicht sein, so einfach ist es auch nicht. Nehmen wir mal an, die Kopfnuss, die Herrn Schwegler durch die Rolle zweifeldohne ereilt hat, wäre juristisch als Körperverletzung gewertet worden.

      Was meinen Sie, in welchem Strafrahmen sich das Jugendstrafrecht bei einem nicht vorbestraften Ersttäter bewegt? Da reden wir maximal eine vierstellige Geldstrafe, wahrscheinlich weit darunter oder im schlimmsten Fall Sozialstunden, wobei selbst das unwahrscheinlich wäre. Dieselbe Szene wäre auf keinem Schulhof jemals zu Verhandlung gelangt. Bei jedem Schulsportfest wirft irgendein übermütiger Jugendlicher einen kleinen Weitwurf-Ball nach jemand anderem und „verletzt“ diesen. Kein Gericht der Welt würde deswegen einen Strafantrag zur Hauptverhandlung zulassen, kein Staatsanwalt der Welt würde sich trauen, diesen zu stellen.

      Hier aber soll ein Abiturient nach ihrem Rechtsverständnis mit einer Summe belastet werden, die er höchstwahrscheinlich den Rest seines Berufslebens nicht zurückzahlen könnte. Wegen eines Versehens bzw. wegen einer „Dummheit“? Merken Sie eigentlich noch, wie weit Sie und der DFB sich außerhalb der Verhältnismäßigkeit unserer Rechtsordnung bewegen? Vermutlich nicht. Es bleibt einem nur zu hoffen, dass sich noch ein paar Juristen in diesem Land finden werden, die anderer Auffassung sind.

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  5. Ein Wurf mit einem Gegenstand auf eine andere Person ist eine versuchte gefährliche Körperverletzung nach 3224 I Nr.2 StGB. Allerdings muss der Täter auch subjektiv versuche die andere Person zu treffen.

    In diesem Fall wollte der Verdächtige keine Person verletzten, womit nurnoch Fahrlässigkeit unterstellt werde kann. Konnte der Verdächtige damit rechnen, dass ein in die Luft geworfener Gegenstand sich nicht abwickelt und eine andere Person verletzen könnte?

    Bei einer vor ihm liegenden Tribüne könnte dies durchaus zutreffen. Ich halte das aber eher für nicht zutreffend.

    Selbst wenn man dem Verdächtigen also eine fahrlässige Körperverletzung zur Last legen würde, bekäme er eine Geldstrafe von vielleicht 500€. Die vom DFG ausgesprochene Strafe ist in ihrer Höhe also in einem krassen Missverhältniss zur Tat.

    Allerdings ist das auch Privatrecht und kein öffentliches Recht. Mit diesen hohen Strafen sollen die Vereine dazu gebracht werden präventiv Maßnahmen zu ergreifen, die derartige Taten vorbeugen. So wie es in Amerika mit der Produktqualität funktioniert. Dort gibt es kein Genehmigungsverfahren für neue Produkte, sondern nur horende Schadensersatzzahlungen.

    Als Deutsche, die durch TÜV und ähnliche Organisationen geschützt werden und daher nur verhältnismäßige Schadensersatzzahlungen kennen, empfinden wir die Höhe amerikanischer Schadensersatzzahlungen auch als lächerlich überzogen.

    Mit dieser systematik im Hinterkopf ist die Strafe zwar im Bezug zur Tat extrem hoch, erfüllt aber ihren Zweck. Immerhin erlaubt sie den Vereinen selbstständig zu entscheiden, wie sie solche Taten präventiv begegnen wollen. Die andere Variante wäre vorzuschreiben, wie hoch Fangnetze sind oder wie nah Zuschauer am Spielfeldrand sitzen dürfe.

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  6. Och Mensch,

    lieber Autor, sollten Sie nochmal sich selbst widersprechen oder mich mit an Beleidungen grenzenden Äußerungen angehen (vor allem, weil ich das bei Ihnen nicht mache), können Sie die Diskussion mit sich selbst führen. Weiterhin bitte ich mal darum, genau zu lesen. Alle drei Punkte gehören zu einer Diskussion; wenn diese nicht gewollt ist, dann deaktivieren sie doch die Kommentare.

    Vorspiel: Mir sind die tatsächlichen Vorkommnisse ehrlich gesagt vollkommen egal; ihr Artikel war der Auslöser und ist Gegenstand meines Kommentars gewesen.

    1. Senkrechter Wurf – Ein „mehr oder weniger“ senkrechter Wurf landet „mehr oder weniger“ beim Werfer. Der Spieler läuft nicht in die Flugbahn, sondern der Wurf war (genau, man siehts im Video) eben nicht senkrecht, sondern (wenn auch leicht) in Richtung Spielfeld, auf dem Spieler herum laufen. Klarer Fall von Fahrlässigkeit.

    2. „bevor Sie sich Konsequenzen wünschen, die das Leben anderer ruinieren sollen.“ – hab ich nicht gemacht

    3. „senkrecht von oben kommend am Kopf traf“ – ich muss von einem Scherz ausgehen. Senkrecht bezogen auf den Standpunkt der Kamera. Wenn Punkt 1 gilt (und das tut er universell, so lange sie an grundlegende Physik glauben), dann kann der Wurf nicht senkrecht erfolgen. Die Kamera steht folglich in der ähnlichen Position zum Spieler wie der Werfer. Wie gesagt: Anders kann es nicht sei, denn ein senkrechter Wurf landet beim Werfer. Wie soll die Rolle denn aufs Spielfeld kommen … (nur zur Info: ich bin hier wirklich für logische alternative Erklärungen offen).

    4. „Inwieweit das Fangnetz folglich so hoch sein müsste, dass es nicht horizontal überworfen werden kann, wäre eine völlig ungeklärte bauliche Frage“ – d.h. dass die Erbauer die Schuld tragen? Würde das die Verantwortung des Werfers nicht vollends verschwinden lassen? Er hätte ja nicht werfen brauchen.

    5. zu ihrem Punkt 3. Jo, stimmt. Kritik richtig, aber darum gings mir ja auch nicht, wenn sie meinen Beitrag lesen. Bloß weil der DFB keine Demokratie mit ihren Prinzipien ist, sondern ein Unternehmen (mal abseits der offiziellen Rechtsform), heißt das aber doch nicht, dass Werfer von Gegenständen von ihrer Verantwortung entbunden werden.

    6. zu keine Anzeige, Schadenshöhe – Jo, stimmt. Ich hab auch niemals widersprochen.

    7. „Merken Sie eigentlich noch, wie weit Sie und der DFB sich außerhalb der Verhältnismäßigkeit unserer Rechtsordnung bewegen? Vermutlich nicht.“ – Ich hab nicht mal was zu Schadenshöhe gesagt. Bitte ranten sie doch nicht ohne Grund, bloß weil jemand ne andere Meinung zu einem Fakt hat (Wurf bzw. Verantwortung), den sie noch nicht entkräften konnten.

    Fakt ist jedoch: Der DFB will Dummheiten unterbinden und verhängt ne Strafe, die der Verein nicht tragen will und weitergibt. Da kann ich doch nix dafür (und hab auch nichts dergleichen geschrieben). Gehen sie zum Verein oder zum DFB. Gerne noch. Aber die Unverhältnismäßigkeit war auch nicht mein Thema, sondern die leider sehr verharmlosende Darstellung des Wurfs. Wie gesagt: Soll er halt nicht werfen, oder etwas, was einen nicht ausknockt.

    Im Übrigen gilt mein erster Satz:
    1. Widersprechen sie sich nochmal, (senkrechter Wurf, Spieler läuft in Flugbahn)
    2. können ihr Temperament nicht im Zaum halten,
    3. oder legen mir Äußerungen in den Mund,

    dann haben Sie ihre Ruhe vor mir, und können ihren eigenen Beitrag gerne als Auto-Troll begleiten.

    leider keine Grüße mehr
    Frank

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  7. Ich habe es schon auf der Seite einer großen Hamburger Zeitung geschrieben.
    1. Zur Verhandlung:
    Hausrecht durchsetzen (Gast)  sagt:
    Da fragt man sich, wie die Security ne Kassenrolle übersehen kann. Feuerzeuge sind auch so ein Unding. Bekommt man vlt. besser in den Griff, wenn ein absolutes Rauchverbot im Stadion gilt. Also auch im V.I.P. Bereich, wenn es das nicht schon gibt. Außerdem sollte es immer ein absolutes Ausschenkverbot von Alkohol geben. Oder ist St.Pauli zu abhängig von Astra (Lobbyismus)? In der Bratwurst können Steroide enthalten sein. Macht aggressiv. Diese durch Tofu (Vegan) zu ersetzen. Vlt. Netze überall vor die Zuschauerreihen hängen In der Türkei wurde ein Club dazu verdonnert, die ganze Saison keine männlichen Personen auf die Zuschauertribünen zu lassen. Na ja, ist sexistisch, auch wenn`s dort dadurch besser geworden ist.
    2. Zum Ergebnis:
    Anscheinend ist hier jeder mit der Strafe unzufrieden. Kein Wunder, da der DFB nicht basisdemokratisch organisiert ist. Noch nicht einmal demokratisch, sonst müsste sich ein_e Präsidentschaftskandidat_in nicht von einem DFB-Landesverband nominieren lassen müssen. Was Vereine selbst tun könnten, findet man unter
    „Verhandlung am Montag“ von mir
    Wer dem DFB weniger Kapital deshalb zukommen möchte, kann die NATIONALmannschaft boykottieren. Ich mache es auch aus anti-patriotischen Gründen.

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  8. Es ist ziemlich offensichtlich, warum in diesem Blog immer wieder (Beispiel: Hallenturnier) über die angeblichen Ungerechtigkeiten gegen St.Pauli berichtet wird.

    Es soll der (richtige) Eindruck verwischt werden das die (guten, weil dem antifaschistischen Lager nahestehenenden)St. Pauli-Fans mindestens (eher mehr) genau so gewalttätig sind wie andere Fans (z.b. die bösen Rostock-Fans)

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  9. @Hans: Es wäre großartig, wenn Sie Ihr Trollgebahren woanders ausleben.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Troll_(Netzkultur)

    zum Thema: DASS der Wurf (und die damit verbundene Regelübertretung) bestraft werden soll bezweifelt doch kaum jemand.

    m.E. wird „lediglich“ die Höhe der Strafe in Frage gestellt.
    …und da scheint es mir sehr ungewöhnlich, wenn jemand für einen Wurf mit einer Papierrolle,
    (1) die nachweisbar niemandem Schaden zugefügt hat,
    (2) die nachvollziehbar einem anderen Zweck dienen sollte (abrollen) –> Unfall (selbst dieser Begriff ist nicht passend, weil kein Schaden entstanden ist)
    http://de.wikipedia.org/wiki/Unfall
    (3) für den er sich freiwillig stellt
    (4) als nicht vorbestrafter „Ersttäter“

    eine existenzbedrohende finanzielle Strafe bekommen soll.
    Da stellt sich mir die Frage: Wie kann sowas begründet werden?

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  10. Ich mag das Wort „Schwachsinn“ überhaupt nicht und erwarte, es in linken blogs nicht lesen zu müssen! Es ist ein sehr diskriminierender Ausdruck.

    Danke.

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  11. Der FC St. Pauli geht in Berufung:

    Entscheidung getroffen

    Ruhig, besonnen und diskussionsfreudig hat der FC St. Pauli nach dem Urteil des DFB-Sportgerichts am Montag im Fall des Kassenrollenwerfers vom Frankfurt-Spiel eine Entscheidung getroffen – wie mit dem Urteil umzugehen ist. Zustimmung oder Ablehnung?

    Vize-Präsident Dr. Gernot Stenger fasst es nach einer Präsidiumssitzung am späten Donnerstagabend zusammen: „Wir werden in Berufung gehen und die Entscheidung der ersten Instanz nicht akzeptieren.“

    Der Rechtsanwalt erläutert die Gründe wie folgt: „Das Urteil ist aus unserer Sicht zu hart ausgefallen. Auch wenn das Gericht das Auftreten des Werfers gewürdigt und die Strafe im Verhältnis zum Strafantrag mehr als halbiert hat. Dennoch: Der Täter hat sich freiwillig gestellt und glaubhaft versichert, dass er nicht gezielt auf das Spielfeld oder gar auf den Spieler geworfen hat. Danach halten wir einen Ausschluss von 5800 Zuschauern nicht für angemessen.“

    Quelle: http://www.fcstpauli.com/magazin/artikel.php?artikel=10879&type=2&menuid=57&topmenu=112

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