Voll im Kontext: Gauck und die Überfremdung

Diese fiese Netzgemeinde, zitiert den Bundespräsidenten der Herzen gar nicht komplett und bläst mit unlauteren Mitteln zum Shitstorm. Das beklagen die selben Medien, die zuvor kleinteilig aus persönlichen Anrufen zitierten, die ihnen von Springer geliefert worden waren. Doch wer wäre die Publikative, die Kritik an verkürzten Zitaten nicht anzunehmen? Und so veröffentlichen wir einen längeren Ausschnitt aus einem Gauck-Interview. Der Inhalt, mal wieder: Sarrazin, Überfremdung, Kommunismus. Wir wünschen viel Spaß mit dem künftigen Bundespräsidenten. 

Von Patrick Gensing

Joachim Gauck (Foto: Tohma (talk))
Joachim Gauck (Foto: Tohma (talk))

Wird Joachim Gauck einfach nur falsch zitiert? So stellen es zumindest große Medien dar, welche die Kritik an dem „Bundespräsidenten der Herzen“ zum einen offenkundig ungebührlich und zum anderen vollkommen überraschend finden – so als sei diese neu. Und so werden nun geradezu revolutionäre Erkenntnisse verbreitet, beispielsweise, dass Blogger und Forentrolle gar nicht die Objektivität gepachtet haben. Wer hätte das gedacht? Aber um den Ansprüchen der Kollegen, die sonst natürlich kein Zitat unter 18 Zeilen bringen würden, Genüge zu tun, veröffentlicht Publikative.org hier eine Transkription von einem Interview, das Gauck im NZZ-TV gegeben hat.

In dem Part des Gesprächs geht es um den Islam; Gauck schafft es gekonnt, über Sarrazin zur „Überfremdung“ zu kommen, um dann auch noch sein Lieblingsthema, den Kommunismus, unterzubringen. Bemerkenswert dabei: Gauck zieht bei seinen Ausführungen über die Fremdheit des Islams in Europa eine Parallele zum politischen Systemkampf zwischen West und Ost vor dem Fall der Mauer. Was früher die Bedrohung durch die Bolschewisten war ist heute offenbar die Gefahr durch den Islam. Würde PI-News da widersprechen? Wohl kaum. SPD und Grüne tun es übrigens auch nicht – und werden Gauck zum Bundespräsidenten wählen, einem Mann, dem bei Millionen muslimischen Mitbürgern nichts anderes einfällt als „Fremdheit“ und eine angeblich nicht friedliche Koexistenz zu betonen.

Hier also das Interview mit Gauck, Dank gebührt einem unbekannten Leser von Publikative.org, der die Aussagen verschriftlicht hat.

Gauck: Aber ein anderes Problem – da will ich Ihren Einwand mal positiv aufnehmen: Es ist eben nicht ausgehandelt, ob wir die notwendige Einwanderung, die wir in Deutschland haben, so organisiert haben, dass Menschen miteinander in friedlicher Koexistenz und dann sogar in einer integrierten Bevölkerung leben, das ist nicht so. Und dieses Defizit hat nun der Thilo Sarrazin in einer zugespitzten Form aufgegriffen, und ein Großteil der Bevölkerung ist ihm dankbar! Also, wenn der jetzt die Tendenz hätte, eine eigene Partei zu gründen, ich weiß ja nicht was dann passieren würde.

NZZ: Jetzt hat Bundespräsident Wulff zum Tag der deutschen Einheit gesagt, der Islam gehöre zu Deutschland. Hätten Sie das in dieser Funktion so auch gesagt?

Gauck: Also, das ist ein Problem der Wortwahl. Ich weiß was er meint, und ich denke, dass er in dieser Beschreibung etwas, was irgendwann einmal sein wird, vorgezogen hat. Denn wir würden uns eigentlich nicht helfen, wenn wir Fremdheit und Distanziertheit übersehen würden in der guten Absicht, ein einladendes Land zu sein. Diese gute Absicht ist ja lobenswert, aber wir haben doch ganz andere Traditionen, und die Menschen in Europa, das sehen wir allüberall, nicht nur in Deutschland, sind allergisch, wenn sie das Gefühl haben, dass was auf dem Boden der europäischen Aufklärung und auch auf dem religiösen Boden Europas gewachsen ist, wenn das überfremdet wird, um einen Begriff zu verwenden, der in Deutschland verpönt ist, aber ich verwende ihn hier ganz bewusst, denn ich habe in, sagen wir, älteren Zivilgesellschaften als Deutschland es ist, etwa in den städtischen Milieus von Rotterdam und Amsterdam oder Kopenhagen, wo wirklich die Menschen unverdächtig sind, Rassisten zu sein, dieses tiefe Unbehagen alteingesessener Europäer gegenüber dieser Form von, ja, plötzlicher Koexistenz, aber nicht mit einem System, mit dem wir jederzeit auf einer Wellenlänge kommunizieren, sondern, darum macht sich das am Islam fest, da entsteht eine Debatte mit voraufgeklärten Politikvertretern, das ist weniger politisch, aber es ist vor der Aufklärung, was in Teilen unserer Moscheen hier verbreitet wird, und auch der Ansatz des Islam ist nicht durch eine Reformation gegangen, wie in Europa, und auch nicht durch eine europäische Aufklärung, und deshalb jetzt einen Zustand zu beschreiben, als wäre dieser kulturelle Schritt innerhalb der muslimischen Welt schon vollzogen, das täuscht uns über diese Fremdheit, die nach wie vor existiert, hinweg.

Und Fremdheit zu leugnen ist genauso gefährlich wie wenn man Feigheit – ähh, Feigheit meine ich nicht – wie wenn man Feindschaften leugnet, ja, und es gab, ich sag mal ein Beispiel, es gab lange Jahre in aufgeklärten Teilen des alten Westens so das Gefühl: entfeindet euch gegenüber dem Osten, ja, wir schauen den Osten mal ganz lieb an, und nennen die Kommunisten nicht immer Kommunisten, sondern das ist ein alternatives System. Man hat dann aber z.T. übersehen, dass es diese Feindschaft des Systems durchaus gab, ja, man kann dazu die oder die Haltung entwickeln, aber es gab diese Feindschaft. Und so müssen wir erkennen, dass es Fremdheit gibt. Und Europa muß erkennen, dass es zweierlei Arten von Fremdheit gibt: einmal sind es die Transformationssysteme der östlichen Länder, die hinzugekommen sind, wo vieles von der alten Mentalität, noch nicht Citoyen zu sein, wirklich einwandert in ein Europa, das Erfahrung hat mit Bürgergesellschaft. Ja, und das ist eine andere Fremdheit. Und das eben nicht zu sehen, und so zu tun, als seien wir alle eins, weil unsere Intellektuellen praktisch dasselbe Vokabular benutzen, das bringt nix.

Der Aufschrei im Netz über Gauck und dem Hype um den Konsens kann übrigens nicht ausschließlich mit der Person des designierten Bundespräsidenten oder dessen Positionen erklärt werden. Vielmehr zeigt sich die Enttäuschung und das Entsetzen über Rot-Grün, das als Opposition versagt. Die älteren Semester kennen das Spielchen längst, der nachwachsenden Generation muss es hingegen verblüffend erscheinen, dass kein politischer Wechsel in Sicht ist, selbst wenn Schwarz-Gelb abgewählt wird. Die Union kann mit der SPD oder mit den Grünen – und Mutti haben sowieso alle lieb. Und Gauck natürlich auch, ein echtes Dreamteam.

Wenn bei den Grünen jetzt, nachdem man Gauck zwei mal nominiert hat, Kritik an dessen Position halblaut wird, wird die ganze Inhaltsleere dieses Theaters besonders deutlich. Und wer meint, die Demokratie sei ausschließlich wegen eines Schnäppchenjägers aus Osnabrück in Gefahr, der irrt. Fehlender Mut zur politischen Auseinandersetzung und klebrige Harmoniesucht sind mindestens ebenso gefährlich.

Siehe auch: Das rot-grüne Desaster, Wäre Gauck der bessere Schlossherr?, Autoritäre Sehnsüchte und eine provinzielle Kreditaffäre, Zuroff: Gaucks Kandidatur “extrem beunruhigend”

95 Kommentare zu „Voll im Kontext: Gauck und die Überfremdung

  1. Genaue Quelle des Interviews bitte?

    Anm.d.Red: „Das kostbare Gut Freiheit“, Interview mit Joachim Gauck, Theologe und Bürgerrechtler, 10. Oktober 2010, NZZ TV. Man hätte jetzt auch einfach dem Link folgen können, aber wir helfen natürlich gern. 😉

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  2. Aber Mutti hatte Gauck nicht lieb, und langsam versteht man, warum.

    Die SPD hat sich nie wieder von Schröder erholt. das rächt sich nun. Was da gerade abgeliefert wird, ist unterirdisch. Dabei würden sie doch jederzeit wieder ihr Heil an Muttis Rockschürze suchen.

    Und die Grünen:

    Man sitzt fassungslos da und denkt: Was labert die Alte?

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  3. Danke für die Mühe und das Transkript.
    Was vom “Kandidaten der Herzen” im Falle seiner Wahl zum Bundespräsidenten noch zu erwarten wäre, erklärte Gauck 2010 im SPON-Interview:
    “Eines hätte ich jedenfalls vor: Darauf hinzuwirken, dass die Regierung ihre Politik besser erklärt. Beispiel Afghanistan: Warum sagen wir nicht in klaren Worten, was los ist? Dass unsere Soldaten dort im Auftrag der Vereinten Nationen Terrorismus bekämpfen und daneben noch eine Menge Gutes für die Menschen in Afghanistan tun. Oder das Sparpaket: Natürlich muss gespart werden – aber das muss der Bevölkerung vermittelbar sein.”
    http://machtelite.wordpress.com/2012/02/18/joachim-gaucktransatlantischer-wunschkandidat-der-neoliberalen-spd/

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  4. Cem Özdemir bzw. seine Praktikant_innen auf Facebook:

    „Cem Özdemir

    Da hat unser Parteifreund Konstantin von Notz Recht: „Wenn die Ex-SED, Ex-PDS, heutige PdL eine Kampagne der „kalten Herzen“ macht, wenn ein Ostdeutscher Bürgerrechtler das höchste Amt im Staate vertreten soll – dann sagt das einfach alles!“ Team Cem “

    Unglaublich was hier abläuft. Da kann man nur dem linken Flügel der Grünen zum Austritt raten…

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  5. Man muss also die Fremdheit anderer Zivilgesellschaften erkennen, weil die Leugnung dessen gefährlich ist.

    Wenn man diesen Gedanken zu Ende führt, müssten wir doch auch eine Integrationsdebatte über zugewanderte Katholiken aus kleinen Dörfern in Berlin führen, die mir auf jeden Fall um fremder sind, als Muslime, die mit mir hier aufgewachsen sind.

    Aber um seriös zu bleiben: Es ist unerträglich, wie er Zivilgesellschaften an Staatsgrenzen festmacht, mit denen die meisten Muslime in Deutschland eher wenig zu tun haben und nicht bedenkt, dass die hier lebenden Menschen in ihren Kulturen unaufhaltsam verschmelzen und etwas schaffen, das es so nirgendwo sonst gibt.

    Die Fremdheit betrifft nur diejenigen, die nicht zusammen mit den „Fremden“ leben, sondern nur einen Staat mit ihnen teilen.

    Rassismus beginnt da, wo angenommen wird, es gäbe ein klar konturierte Grenze, die Deutsche oder Westdeutsche von „Fremden“ unterscheidet und die Extreme beider fingierter Seiten als Stigma vorhält.

    Ich kann einem derart sozialisierten 72-Jährigen sein eingeschränktes Weltbild nicht vorwerfen, aber als BP will ich ihn nicht sehen.

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  6. Ich habe mal versucht, den zentralen Teil des Interviewausschnitts in loser Anlehnung an ein sequenzanalytisches Vorgehen hermeneutisch zu deuten – mich hat’s nicht losgelassen, dass diverse Leute behauptet haben, da würde doch gar nicht stehen, dass Gauck ein Problem mit dem Islam hat. Hier das Ergebnis.

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  7. Ein jüdischer russischer Musikprofessor sagte mal zu mir, dass er sich in der alten Bundesrepublik immer wohl aufgehoben gefühlt hat. Als dann allerdings in Rostock die Ausschreitungen stattfanden und das ganze Land plötzlich mit dem Thema „Ausländer“ konfrontiert war und 100.000 zu den Lichterketten gingen, hat sich das Land geändert, und zwar nicht zum besseren. Viele Ausländer sagen, dass Deutschland vor der Einheit ein besseres Land für sie gewesen sei.

    Im Osten gibt es erstens viel weniger Ausländer, was den Umgang mit dem Thema erschwert, kryptischer macht und gleichzeitig auch die Ängste vergrößert. Zweitens wurde im Osten nie die breite Bevölkerung pädagogische wegen der Gefahren von rechts in die Mangel genommen, so wie es jedes Schulkind im Westen erlebte. Man wähnte sich schließlich auf der richtigen Seite, denn man hatte ja eigenhändig den Faschismus besiegt. Dass die alte Saat dort noch im Boden ist, zeigt sich leider derzeit stärker denn je. Es ist traurig.

    Das einzige was hilft ist der Weg von Wulff. Ein klares Bekenntnis zu einer modernen integrativen Gesellschaft ohne Grenzen und Schranken. Das Deutschland, von dem Gauck da spricht, gibt es vielleicht noch in Anklam oder Halberstadt. Allerdings will da auch niemand freiwillig leben.

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  8. Hmja, so ganz schlüssig ist die Kritik an ihm auch hier nicht (ich bin kein Fan von Gauck, aber mag da etwas entgegnen wenn auf den Vorwurf, Kritik an ihm sei nicht stichhaltig, ebenfalls mit nicht Stichhaltigem reagiert wird).

    (Kurzfassung am Ende)

    Es ist eben nicht ausgehandelt, ob wir die notwendige Einwanderung, die wir in Deutschland haben, so organisiert haben, dass Menschen miteinander in friedlicher Koexistenz und dann sogar in einer integrierten Bevölkerung leben, das ist nicht so.

    Heißt: Wir brauchen Einwanderer, aber die deutsche Einwanderungspolitik ist derart scheiße, dass Einwanderer und Einheimische nicht friedlich zusammenleben können. Der ganzen Bandbreite an Koexistenz und Integration kann man mit so einem kurzen Statement zwar nicht gerecht werden, trotzdem hat er im Großen und Ganzen recht. Integrationsbemühungen von politischer Seite gab es jahrzehntelang nicht, da von den Einwanderern erwartet wurde, dass sie irgendwann wieder gehen. Da hat sich natürlich von deutscher und immigrantischer Seite her nicht gerade ein Gefühl aufgebaut, dass wir aufeinander zugehen sollten, trotz vieler gegenteiliger Gegenbeispiele. Und wenn Einwanderer oder ihre Nachkommen heutzutage integriert sind, dann liegt das weniger an offiziellen, also organisierten, Bemühungen, sondern mehr daran wie sehr sich die Einwanderer selbst darum gekümmert haben sowie an der Bereitschaft ihres deutschen Umfelds sie zu akzeptieren.

    Und dieses Defizit hat nun der Thilo Sarrazin in einer zugespitzten Form aufgegriffen, und ein Großteil der Bevölkerung ist ihm dankbar! Also, wenn der jetzt die Tendenz hätte, eine eigene Partei zu gründen, ich weiß ja nicht was dann passieren würde.

    Hier beschreibt er dann wie der Sarrazin in der Bevölkerung angekommen ist (nicht bei ihm). Da der Moderator anschließend gleich das Thema von Sarrazin weglenkt, kann man nur spekulieren was Gauck ansonsten daran angeschlossen hätte. An der Stelle wünscht man sich eine klarere Distanzierung, da Sarrazin nicht nur zuspitzt, sondern sich rassistisch äußert. Das mit der eigenen Partei klingt im gesprochenen Wort aber eher besorgt.

    „Denn wir würden uns eigentlich nicht helfen, wenn wir Fremdheit und Distanziertheit übersehen würden in der guten Absicht, ein einladendes Land zu sein.“

    Auch hier muss ich ihm recht geben. Wulff hatte die löbliche Absicht, Deutschland als einladendes Land darzustellen, aber seine Aussage „der Islam gehört zu Deutschland“ ist heute eher der Wunsch als die Realität. Wir haben eben gesamtgesellschaftlich noch Probleme damit, insbesondere muslimische Einwanderer zu akzeptieren, und wenn wir das nicht thematisieren besteht die Gefahr, dass wir diese Probleme nicht lösen können. Ein Problem, das als erledigt gilt, geht man nicht mehr an. Von daher ist es doch völlig legitim, dass er sich anders ausdrücken würde. Auch geht es an der Stelle nicht um Einwanderung an sich, sondern um das Wulff-Zitat, und genau dazu äußert Gauck sich. Daher kann man ihm auch nicht vorwerfen, dass ihm „nichts anderes einfällt“.

    Danach wirds ein wenig schwurbelig und ich weiß nicht ob ich ihn da überhaupt verstehe. Fakt ist: Muslime stammen überwiegendst aus Ländern, die mindestens 2000km von Deutschland entfernt sind, und damit haben wir neben dem religiösen auch noch andere kulturelle Aspekte, die einfach anders sind als die ur-europäischen (um mal einen blöden Begriff zu verwenden, da die europäische Kultur natürlich ebenso wenig homogen wie historisch unbeeinflusst ist). Dass es hier Verständnisschwierigkeiten zwischen Bevölkerungsgruppen gibt, ist nicht verwunderlich. Den Begriff der Überfremdung hätte Gauck aber besser bleiben lassen. Er redet zwar auch hier wieder davon was die Bevölkerung denkt und nicht er selbst, aber der Begriff impliziert ein Zuviel an Fremdheit, das angesichts der doch noch überschaubaren Einwanderung in Deutschland doch etwas lächerlich wirkt. Denn die persönliche Schwelle, ab der man Einwanderung aus fremden Kulturkreisen als „zuviel“ betrachtet, müsste ja dann doch recht niedrig liegen, was durchaus als Fremdenfeindlichkeit interpretiert werden kann. Laut Wikipedia liegt er Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung bei etwa 5% (natürlich kommt es auch noch auf die Verteilung an – in westdeutschen Städten liegt der Anteil an ausländischstämmigen Einwohnern wesentlich höher als im Osten bzw. in ländlichen Gebieten). Da bedient sich Gauck also eher bei der kleinbürgerlichen Bild-Zeitungs-Klientel.

    Was er über die Aufklärung erzählt, finde ich etwas zwiespältig. Die arabische Welt ist im Großen und Ganzen nicht säkular und die Religion spielt in diesen Ländern eine wesentliche Rolle (eine zu große wenn man wie der durchschnittliche mitteleuropäische Intellektuelle ein Freund von Wissenschaftlichkeit ist). Vermutlich will uns Gauck sagen, dass Einwanderer aus solchen Ländern ihre Ansichten über die religiöse Deutung von Recht und Unrecht importieren. Solche Leute gibt es unstreitig, und aus verschiedenen Gründen stößt das bei uns auf Ablehnung (sei es weil die Deutschen zusehends weniger von Religion wissen wollen, sei es weil die einheimischen Christen gerne ein Monopol auf ihre Weltsicht hätten, sei es weil Spinner ihre bekloppten Ansichten gerne obskur religiös begründen). Allerdings habe ich keinerlei Ahnung auf wieviele muslimische Einwanderer das zutrifft, und vermute, dass die Medien hier gerne übertreiben. Seit 9/11 ist Die-bösen-Muslime-sind-alle-barbarische-Terroristen ja sowieso ein beliebtes Thema. Daher denke ich, dass auch Gauck sich hier zu Aussagen hinreißen lässt, die einer kritischen Überprüfung nicht standhalten.

    Dass er mit dem Vergleich Richtung Kommunismus und Ost-West mal eben auf vertrautes Terrain umschwenkt, kann man ihm denke ich schenken. Wenn man sich das Interview anhört, klingt das nicht so als wolle er Fremdheit und Feindschaft gleichsetzen oder einen neuen Systemkampf herbeibeschwören, sondern will nur darauf hinaus, dass man weder Fremdheit noch Feindschaft verleugnen sollte (der Analogieschluss ist an der Stelle natürlich blödsinnig, und ein Mißverständnis vorprogrammiert).

    Also kurz gesagt: Einwanderer und Ureinwohner sind sich noch fremd, und um daraus resultierende Probleme lösen zu können, muss man sich das eingestehen. Wulff beschreibt aus Gaucks Sicht eher das Soll, er selbst eher das Ist, wenn auch mit teilweise etwas irritierenden Ansichten.

    Insgesamt gesehen sollten wir ihm schon dankbar dafür sein, dass er sich differenziert äußert und nicht nur zitierfähige Primitivbotschaften unters Volk bringt. Inwiefern genau er sich jetzt für oder gegen Einwanderung ausspricht, lässt sich in dem Interview nicht sagen, da er versucht eine wertungsfreie Zustandsbeschreibung abzugeben. Vielleicht verstecken sich hier Ressentiments, vielleicht müssen wir uns aber auch nur daran gewöhnen, dass einer sich nicht auf eine eindeutige, wählerkonforme Position festlegt.

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  9. Ja und? Was hat er schlimmes gesagt?

    Sein Lob zu Sarrazin ist peinlich.

    Und das Thema Fremdenfeindlichkeit ist auch peinlich.

    Aber vom Inhalt stimmt es – zuerst kommen eben die Menschen
    in einem Staat die schon seit vielen Jahren HIER sind.

    Und erst DANACH Ausländer.

    Das ist in anderen Ländern ebenso.

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  10. Ein Pfarrer ist niemals neutral, selbst wenn er es vorzugeben scheint. Er hat aus Überzeugung, dass seine Religion die einzig wahre ist, seinen Beruf ergriffen und wird, besonders im zunehmenden Alter seine Überzeugung nicht ändern. Da verfestigt sich eher der Glaube an die allumfassende Wahrheit der entsprechenden Religion.

    Ein Mensch mit solchen Überzeugungen wird alles, was nicht seiner Religion entspricht als fremd empfinden. Wer soll ihm das übel nehmen?

    Das Desaster ist von dieser tiefreligiös überzeugten Politikerriege zu verantworten, die sich in panischer Kopflosigkeit für einen Repräsentanten ihrensgleichen entschied. Eine Direktwahl des Präsidenten durch das Volk, hätte das verhindern können.

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  11. Wer hat diesem Menschen um alles in der Welt erklärt wie man in einem Interview sprechen soll?!?!?!

    Das ist ja grauenhaft! Und der coll Bundespräsident werden?
    Na…mal sehn wie lange der sich hält.

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  12. Schon interessant wie sich eine Gruppierung hier immer als die politisch korrekten, perfekten Menschen hinstellen. Meistens findet man dann noch in den Kommentaren abwertende Begriffe („was redet die Alte da“) oder man greift selbst Vorurteile auf („ein Pfarrer wird niemals unparteiisch gegenüber anderen Religionen sein“). Schön sind auch die User , die einem Menschen vorwerfen in Interviews zu stammeln und Fehler zu machen, aber nicht in der Lage sind ihren Kommentar aus zwei Sätzen fehlerfrei abzuschicken. Aber freut Euch liebe Publikative, IHR seid die einzig wahren Menschen dieser Welt ….

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  13. Meiner Meinung nach sagt Gauck hier viel weniger darüber aus, wie er den Islam sieht, und mehr darüber wie er im Algemeinen von der Bevölkerung wahrgenommen wird.
    Der Islam ist uns noch immer fremd. Fragt mal jemanden auf der Straße nach dem Islam, der wird euch endweder von Terroristen oder von Türken erzählen, den Islam selbst kennt der Durchschnittsdeutsche nicht. Wulffs Wortwahl ist also durchaus eine Zukunftsvision, keine Gegenwartssituation. Und diese Fremdheit zu leugnen bedeutet die Augen vor dem Problem (fehlende Aufklärung der Bevölkerung) zu verschließen und zu tun als gebe es keines.
    Man kann hier durchaus den Vergleich mit der DDR wagen, denn auch der sowjetische Kommunismus war etwas, das die westliche Bevölkerung nicht verstand und garnicht verstehen wollte. Es gibt also durchaus Parallelen mit dem heutigen Verhältnis zum Islam. Es gibt keine Aufklärung, und wenn das Volk nicht über den Islam aufgeklärt ist, ihn und damit die ihm anhängenden Menschen versteht, dann kann man auch nicht davon sprechen, dass der Islam zu Deutschland gehört. Denn Deutschland, das sind wir, das Volk. Und auch wenn es im Internet eine hohe Aufklärungsquote dazu gibt, der Großteil des Volkes ist eben noch nicht aufgeklärt und weis nicht was der Islam wirklich ist. Ohne eine flächendeckende Aufklärung kann der Islam nicht Teil Deutschlands sein, wie soll das funktionieren?

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  14. Der Typ ist in diesem Interview einfach nur ein verkappter Bildungs-***, der sich des verkrusteten Routine-Vokabulars eines Pseudo-Humanisten bedient, um dahinter und dadurch seine völkische Gleichmachung einer von ihm erwünschten vorgeblichen „guten Volksseele“ zu transportieren, der ein Sarrazin aus „der Seele“ spräche. – Dann hätte er (Gauck) eigentlich auch Adolf Hitler anführen können bzw. müssen, auf den ja quasi auch „gewartet“ wurde, um sich „als Volk“ in ihm und seinen Botschaften „wieder zu finden“… – Gauck sagt in diesem Interview gerade durch das was er nicht sagen möchte – und es stattdessen „dem Volk“ (und seinem wohl nicht irren können bzgl. Sarrazin) überläßt – mehr über sich selbst und sein Verhältnis zu Sarrazin aus, als ihm wohl lieb` sein kann. – Und der wird (allein nach diesem Interview) erster Mann im Staate: hofiert und in`s Amt gehieft durch eine FDP..?!

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  15. NRW-Grüne benennen Tochter eines NSU-Opfers als Wahlfrau

    http://www1.wdr.de/themen/infokompakt/nachrichten/nrwkompakt/nrwkompakt3770.html

    Sollte die tatsächlich Gauck wählen, könnte die sich Jahre später noch für diese Wahl selbst entweiden.

    Gibt es bei den Grünen eigentlich keine Mitglieder, die von ihren Führungsleuten ein Mindestmaß an politischem Anstand verlangen? Oder ordnet sich jeder Grüne der schnellen PR-Meldung unter, unabhängig von den Folgen?

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  16. Wenn man so tut, als gäbe es in Deutschland keinerlei Integrationsprobleme, dann ist Gaucks Haltung natürlich untragbar. Dazu müsste man allerdings auch behaupten, dass der Integrationsbericht der Bundesregierung erstunken und erlogen ist.

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  17. Pingback: Och, Nein Danke!
  18. http://blog.karlshochschule.de/2012/02/20/gauck-in-der-filterbubble-oder-wie-wir-lernten-den-kontext-zu-ignorieren/

    vorsicht! hilft gegen stumpfe boulevardvorurteile, benötigt aber mehr gehirnschmalz als bildzeitung oder explosiv. kann zu massiven denkinduzierten kopfschmerzen und dem drang sich für seine vorschnellen posts zu entschuldigen auslösen.

    in seltenen fällen führt die erkenntnisauslösende wirkung des textes zum verlassen des ideologischen schützengrabens….

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  19. Sehr interessantes Interview! Leider hört es genau an der Stelle auf, wo es interessant werden könnte, nämlich da wo Gauck Fremdheit und Feindschaft nebeneinanderstellt und in einem Satz unterbringt.

    Wieso ist das Wort fremd immer automatisch negativ besetzt? Wir sollten viel öfter Fremdheit als Quelle für Innovation begrüßen! Unser aller Aufgabe ist es doch, die Fremdheit (also Menschen, die aus einem fremden Land mitsamt ihrer fremden Kultur bei uns aufschlagen) für unser Gemeinwohl nutzbar zu machen. Und die Situation eben nicht aus Ratlosigkeit in Feindschaft umschlagen zu lassen.

    Genau das übersehen meiner Meinung nach sowohl Sarazzin als auch Gauck: Wenn man Fremdheit nur ratlos und achselzuckend zur Kenntnis nimmt, ist Feindschaft oft automatisch die Folge. (Der Mensch is’n Tier!) Es bedarf einer Anstrengung des Geistes und überlegtes Handeln, um aus der Fremdheit etwas Positives entstehen zu lassen. (Und wer sich nur mal kurz in nen türkischen Supermarkt traut, merkt sehr schnell, wieviel Positives immigrierende Menschen mit sich bringen.)

    Tut man nichts (und nur auf das Offensichtliche, nämlich die Anwesenheit fremder Menschen, hinzuweisen ist nichts!), läuft man Gefahr, nur das Negative aus der Fremdheit zu ernten (nämlich reflexartig Unverständnis, Missverständnis, Misstrauen und Ablehnung.)

    Schon ironisch, dass ausgerechnet Blitzdenker Wulff das scheinbar als einziger erkannt hat… 😉

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  20. Also dass ich und andere den Katholizismus Scheiße finde, oder die evangelikalen Richtungen, oder das Christentum insgesamt mir höchst suspekt ist, dass ist okay. Man kann auch nen Frosch ans Kreuz nageln u.ä. mehr, weil Kunst und/oder Satire. Sowas dürfen Politiker auch offen sagen und gut finden.
    Hmm.
    Und nun versuchen hier einige zu belegen, dass Gauck nen Problem mit dem Islam hat- da kann ich nur sagen „NA UND?!“
    Das ist sein sowie jedermanns gutes Recht. „Islam“ ist auch nur ne andere Bezeichnung von Opiunm fürs Volk. Scheißegal was auf dem Label steht- der ganze voraufklärerische, monotheistische Müll hindert die Menschen doch nur daran, kritisches Denken zu wagen.

    Die Gleichsetzung von „Islamfeindschaft“ und „Muslimfeindschaft“ resultiert doch letztlich nur aus der hysterischen Identifikation vieler Muslime mit dieser Religion. Und wir springen voll darauf an?
    Das sich das in unseren Auseinandersetzungen so 1 zu 1 wiederfindet, deutet auf eine unsaubere Trennung dieser zwei Sachverhalte hin.
    M.E. ist es dringend notwendig den Islam „von links aus“ zu kritisieren, so wie alles andere was das Leben von Menschen fremdbestimmt auch. Herrschaftsfreier Diskurs Leute!

    Und kommt jetzt nicht mit dem „es gibt nicht den Islam- Schwachsinn“ an.
    Es gibt sehr wohl einen kleinsten gemeinsamen Nenner, und der reicht auf jeden Fall aus, um MASSIV Kritik zu üben.

    Wenn Gauck von „voraufklärerischen Politikvertretern“ spricht, so meint er Leute wie die Milli Görüs u.a. Verbände die hier mit Erfolg versuchen, nen Fuß in die Politik zu kriegen.
    Leute wie Ekin Deligöz z.B. haben das „Vergnügen“ Morddrohungen zu erhalten, weil sie dazu entgegengesetzte Meinungen vertreten. Wir haben hier schon jetzt Probleme mit dem Islam- nur weigern sich bislang viele links denkende Menschen, sich vorurteilsfrei mit dieser Tatsache auseinander zu setzen.
    „Islamkritik“ oder von mir aus auch „-feindschaft“ oder „-angst“ sind nicht automatisch gleichzusetzen mit Fremdenfeindlichkeit sondern angemessen und dringend notwendig.

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  21. Nach dem Ansheen des kompletten Interviews fällt mir folgendes auf:

    1) Gauck ist ein Wegerklärer vor dem Herren. Der scheißt einen mit seinem pseudo-diffenerenzierten Geschwalle dermaßen zu, dass es schwierig ist, die logischen Brüche und Rösselsprünge und falschen Fakten zu übersehen.

    2) Der unterstellt allen, die mit der derzeitigen Politik unzufrieden sind, dass sie die DDR zurück haben wollen. Ich für meinen Teil bin 1989 aus der DDR in den Westen gegangen und wünsche mir nicht die DDR, sondern die BRD von 1989 zurück. Nicht den korrupten Kanzler von damals, aber die unwidersprochene Existenz sozialer Sicherung.

    3) Er meint sehr herablassend, wir Deutschen hätten diese unselige Tendenz zur Depression, und als er in den USA war, sei ihm aufgefallen, dass die Leute dort überhaupt nicht depressiv waren. Zu dumm, dass die USA das Land mit dem höchsten Pro-Kopfverbauch an Antidepressiva sind. Und dieser Zustand ist es, zu dem Gaucks Vorstellungen von Freiheit auch uns bringen wird.

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  22. Bei der letzten BP-Wahl war ich klar für Gauck. Heute bin ich es nicht mehr. Was Sarazzin gemacht hat, war einfach nicht mutig. Denn dann ist die NPD die mutigste Partei Deutschlands. Das ist die Konsequenz aus dieser irren Logik.

    Ich stimme Axel Mylius absolut zu, wenn er sich zumindest auf dieses Interview beziehend von einem „verkappte(n) Bildungs-***, der sich des verkrusteten Routine-Vokabulars eines Pseudo-Humanisten bedient“ spricht.

    Gauck hat in Richtung der ostmitteleuropäischen Freiheitsbewegungen schon sehr oft wunderbar lobende Worte gefunden. Aber war er hier sagt:

    „Und Europa muß erkennen, dass es zweierlei Arten von Fremdheit gibt: einmal sind es die Transformationssysteme der östlichen Länder, die hinzugekommen sind, wo vieles von der alten Mentalität, noch nicht Citoyen zu sein, wirklich einwandert in ein Europa, das Erfahrung hat mit Bürgergesellschaft.“

    …ist schlichtweg falsch und an geistiger Umnachtung nicht zu überbieten. Gerade diese Freheitsbewegungen haben mit ihren Siegen die unnatürliche Zwangsentfremdung zwischen zwei Teilen Europas überwunden. Er redet hier völlig deplaziert und ungedrungen und im senilen Wortschweif eine Fremdheit herbei, die einfach nicht existent ist und nie existent war. Und ich befürchte, er wird es auch weiterhin im pseudointellektuellen Geschwurbel an andere Stelle tun. Man kann nur hoffen, dass vieles Falsche, was noch von ihm kommen wird, in der ganzen lahmen Wortsülze untergeht oder zumindest nicht unwidersprochen bleibt.

    Gauck wird nicht der Super-BP werden, für den ihn jetzt schon viele halten. Mit seiner Ernennung zum BP wird auch eine neuerlich Aufwertung von Sarazzin erfolgen, auch wenn sich Gauck ausdrücklich von dessen eugenischen Thesen und Träumen distanziert und „nur“ Thilos „Agenda-Setting“ gelobt hat. Wobei die DaF-Lehrer weit mehr für die Integration tun, als es der Thilo je getan haben wird.

    Außerdem frage ich mich, wie man nach dem Genozid von Srebrenica im Juli 1995 in Bezug auf Muslime in Europa es überhaupt noch wagen kann, hier eine Fremdheit herbeizureden? Haben wird nichts gelernt? Hat Gauck nichts gelernt? Dabei war er von Anfang an für eine militärische Intervention auf dem Balkan – zurecht, wie ich finde.

    Obwohl Gauck als „überparteilicher“ Kandidat und mit dem Politbetrieb nicht verbandelter BP gelten wird – hahaha -, hat doch auch er längst eine taktierende und geschmeidige Rhetorik drauf. Ob das bei einem Volk, dass sich wie kein zweites auf dieser Erde Politiker herbeisehnt, die „Klartext“ reden, auf Dauer gut ankommt, bezweifele ich.

    Im Hinblick auf die kommende Bundestagswahl mussten SPD und Grüne Gauck vorschlagen. Da allen seriösen Umfragen zufolge sich eine breite Bevölkerungsmehrheit Gauck als BP wünscht, hatten beide Parteien (zzgl. der FDP) keine andere Möglichkeit.

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  23. Wenn sich alle am BP „reiben“ wollen wie Trittin, wenn er kontrovers sein soll, und keine Konsens-Sauce bieten soll, hätten sie doch auch einen ausgewiesenen Linken mit Occupy-Nähe aufstellen könen. Die ganzen „spannende Diskussionen“-Argumente träfen dann noch mehr zu. Denn weder FDP, CDU, noch SPD oder Grüne halten ja viel von linker Politik. Aber wir alle wissen, dass das völlig unmöglich wäre. Die Bild würde ihn nicht auf Titelseiten heben und albern vergötzen. Die FDP hätte ihn nicht aufgedrängt. Die CDU hätte nicht zugestimmt, und auch nicht SPD oder die Grünen-Spitze. Es ist alles so eine verlogene Heuchelei.

    SPD und Grüne hatten irgendwie vage in Erinnerung, dass „die Bürger“ immer alle so yeah machen, wenn jemand „Gauck“ sagt. Mit Gaucks Inhalten haben sie sich scheinbar gar nicht auseinandergesetzt. Oder die Schröder-Seeheim-SPD und die Müsli-FDP sind inzwischen noch weiter noch rechts gedriftet, als man ahnte. Oder noch dǘmmer, als man dachte, und so mit Tunnelblick darauf bedacht, Merkel irgendwie eins reinzuwürgen, dass alles andere wurst war. Gauck 1 wurde aufgestellt, weil er für FDP und CDU so eine Verlockung war – weil er CDU- und FDP-Inhalte vertrat. Gauck 2 soll nun plötzlich angeblich Inhalte vertreten, die Claudia Roth nur wärmstens empfehlen kann.

    Die vorgesehene Rolle für die Bürger in dem niveaulosen Stück war es, jetzt hirnlos zu jubeln und zu klatschen. Wenn der Pöbel aber jetzt wagt, den Kandidaten vor der Wahl zu hinterfragen, sich genauer anzusehen, was dieser denn so vertritt, dann ist plötzlich die Hölle los. Dann dröhnt es auf auf allen Mainstream-Kanälen stupide „die reißen alles aus dem Kontext, die im Internet“. In Wirklichkeit fürchtet Print, der Deutungshoheit und Meinungsbildung verlustig zu werden, und mit all den Jubelarien plötzlich blamiert dazustehen. Warum mussten erst Twitterer diese Fragen aufwerfen, warum hat es die Presse nicht selbst gemacht?

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