Die Erziehungsdiktatur

Anm.d.Red.: 
Der unten stehende Text ist aus dem Spätwinter 2012. Anlässlich der „Spiegel“-Ausgabe 10/2013, die allen Ernstes die humoristisch kaum noch zu toppende Warnung: „Essen kann tödlich sein“ auf dem Titel trägt, holen wir  diesen noch einmal aus dem Archiv. Essen kann tödlich sein?  Wer hätte das gedacht? Leben etwa auch?

In Hamburg findet am kommenden Wochenende das erste Alstervergnügen seit vielen Jahren statt – dem strengen Frost sei Dank. Doch die Buden mit Getränken und Essen stehen nicht auf dem Eis, so wie es bei früheren Gelegenheiten der Fall war, sondern am Ufer des Binnengewässers. Buden auf dem Eis? So etwas ist heutzutage angeblich viel zu gefährlich. Aus Sorge vor vermeintlichen oder möglichen Gefahren wird präventiv verboten, was gerade geht – von Eisbuden bis zu Saufgelagen in der Öffentlichkeit.

Von Patrick Gensing und Andrej Reisin

Wieviel Sinn ergibt ein Alstervergnügen, bei dem die Buden am Ufer stehen? Eigentlich gar keinen, ist es doch gerade der Witz an dieser Veranstaltung, dass man auf dem Eis steht und an den Ständen mit anderen Menschen Glühwein, Würstchen oder Kakao konsumiert, klönt, sich die Zeit vertreibt – und nicht erst zum Ufer laufen muss, an dem es auch den Rest der Dekade Essen und Trinken gibt. Der Logik der Behörde folgend könnten im Prinzip gleich das ganze Jahr über ein paar zusätzliche Buden neben den zahlreichen Ufer-Bars und Cafés stehen – und hätte dann immer “Alstervergnügen”.

Zugefrorene Alster (Foto: stinker/CC BY-NC-SA 2.0)
Warum hier keine Buden stehen? Weil es dann im Frühjahr vor lauter Müll gar keine Alster mehr gäbe. (Foto: stinker/CC BY-NC-SA 2.0)

Und warum müssen die Buden ans Ufer? Weil, so die zuständige Umweltbehörde der Hansestadt, wenn das Eis später schmilzt, könnte Müll in die Alster gelangen. Nun gäbe es die Möglichkeit, den Müll vor dem Schmelzen zu entfernen, aber das ist wahrscheinlich auch zu gefährlich. Mit solch bizarren Argumenten ließen sich künftig jede andere Festivität in Wassernähe unterbinden, immerhin könnte der Müll auch ins Wasser wehen, wenn jemand am Ufer grillt oder picknickt. Nicht auszudenken, was da alles passieren kann!

Alkohol? In Bus und Bahn? Viel zu gefährlich!

Spaß haben wird in Hamburg und anderen Großstädten ohnehin schwieriger: In den öffentlichen Verkehrsmitteln der Hansestadt darf kein Alkohol mehr getrunken werden, einen konkreten Anlass für das Verbot gab es nicht. Es sei den Fahrgästen einfach nicht mehr zuzumuten, hieß es. Die als Legitimation angeführte Umfrage, wonach dieses Verbot bei den meisten Kunden auf Zustimmung gestoßen sei, warf zwar einige methodische Fragen auf, aber die stellte vorsichtshalber kein Journalist. Wer will sich schon mit der Mehrheit anlegen? Vor allem, wo doch jeder weiß, dass alles immer schlimmer wird. Wie die Abermillionen Fahrgäste des HVV in den vielen Jahrzehnten zuvor die Feierabend-Biertrinker und Feier-Jugendlichen aushalten konnten, bleibt ein Rätsel. Auch dass die Fahrgastzahlen immer weiter wuchsen, trotz des Alkohols, ficht die Verbots-Befürworter nicht an.

Auch beim Fußball sitzen die Besucher immer öfter auf dem Trockenen. Grund: Die Einschätzungen der Polizei, nach denen es sich bei vielen Partien um “Sicherheitsspiele” handele. Für Gästefans gibt es ohnehin in den meisten Stadien nur noch Alkoholfreies – schließlich ist man nur während der WM zu Gast bei Freunden. Dass diese Alkoholverbote überflüssig bis kontraproduktiv sein könnten, weil Auswärtsfans meistens auf der Fahrt schon einiges konsumiert haben, und die Heimfans dann vor dem Spiel in bester britischer Pub-Manier ins “Binge drinking” (in manchen Gegenden auch “Sturzkampftrinken” genannt) verfallen, scheint kaum einem Ordnungshüter jemals in den Sinn gekommen zu sein.

Wo man hinschaut: Rauchende Hooligans im Park

Rauchender Mann im Park (Foto: stringberd/CC BY-NC-SA 2.0)
Rauchen im Park? In der Sonne? Verrückt! (Foto: stringberd/CC BY-NC-SA 2.0)

Und auch Raucher haben es nicht nur in den Familienblöcken der Arenen sowie beim Bahnfahren zunehmend schwer. Raucherabteile gibt es nicht mehr, aber auch auf offenen Haltestellen, also an der mehr oder weniger frischen Luft, ist das Rauchen nur noch in “Smoking Areas” erlaubt. Und im Hamburger Bezirk Eimsbüttel wurde das Rauchen auf Spielplätzen verboten, offenkundig ein akutes Problem, das bislang niemanden auffiel. In Nordrhein-Westfalen kämpft eine grüne Umweltministerin derzeit für das totale Rauchverbot in der Gastronomie – zum Schutz der Volksgesundheit versteht sich.

Schlägt man dann bei Bier und Zigarette zu Hause die Zeitung oder den Newsfeed auf, reibt man sich verwundert die Augen: Die Bundesliga boomt seit Jahren, es werden immer neue Besucherrekorde aufgestellt. Dabei unterliegen die geschätzten Angaben der Polizeibehörden über das gewaltbereite Fan-Potential zumindest in den letzten Jahren nur geringfügigen Änderungen. Das teilte die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage mit. In den vergangenen zwölf Spielzeiten wurden demnach in der Ersten und Zweiten Fußball-Bundesliga insgesamt 1.165 Polizeibeamte durch Fans verletzt. Zugleich wurden 4.044 weitere Menschen – Hooligans und unbeteiligte Personen – verletzt. Das ist nicht schön, aber wenn man sich die Zuschauerzahlen in den obersten beide Ligen anschaut, relativiert sich die Gefahr, vor der öffentlich gerne gewarnt wird. Allein in der Saison 2010/2011 strömten mehr als 17 Millionen (!) Menschen in die Stadien der 36 Bundesligisten. Statistisch dürfte Schlittschuhlaufen also deutlich gefährlicher sein – es sei denn natürlich, es stehen Buden auf dem Eis.

Tödliche Gefahren lauern immer und überall

Fettes Essen, Müßiggang, Kampfhunde, Fußballgewalt, Alkoholexzesse bei Jugendlichen, Rauchen, E-Zigaretten, Fahrradfahren ohne Helm, Autofahren ohne Gurt – und neuerdings auch Aspirin – alles, alles, alles ist gefährlich – und könnte, sollte, müsste – wenn schon nicht verboten, so doch zumindest eingeschränkt, rezeptpflichtig, verordnungsbedürftig, indiziert, verbannt, mit Strafzöllen belegt, mit Fettsteuer gebrandmarkt, von Hartz-IV-Bedarfslisten gestrichen werden. Womit wir beim Punkt wären: Nicht ganz zufällig tobte sich der Ungeist des spießbürgerlichen Kontrollwahns zunächst an den bevorzugten Vergnügungen des männlichen Proleten (Fußballgewalt, Alkohol, Kampfhunde) aus und setzte bei Rockerbanden und Teenagergangs an. Über 8-Zylinder-Motoren, den ÖPNV und “gesundheitsfördernde Maßnahmen” der Krankenkassen (wer sich entzieht, zahlt mehr) hielt er schließlich Einzug ins dunkle Herz des Neo-Biedermeiers und verbreitet nunmehr seinen Erziehungsterror in der so genannten Mitte der Gesellschaft.

Denn alles Verbieten ist – so scheint es – letztlich nur die Verlagerung eines ganz anderen Sicherheitsbedürfnisses: Im gleichen Maße, in dem die Lebensverhältnisse zunehmend “entsichert“ werden – indem Lebensrisiken wie Unfall, Krankheit, Arbeitslosigkeit zu individuellem Versagen deklariert werden – statt zu gesellschaftlich zu lösenden Problemen; im gleichen Maße steigt offenbar das Bedürfnis, dann wenigstens auf anderen Feldern für “Sicherheit” zu sorgen. Zeitarbeit, Befristung, “Freie” Tätigkeit? Kein Geld für Miete, Auto, Zahnersatz? Dann aber wenigstens nicht mehr so viel saufen. Weil der gemeine Prolet leider aber zu doof ist, zu erkennen, was gut für ihn ist bzw. die Erfordernisse der Zeit sind, muss man ihn über Preiszuschläge und Verbote eben erziehen. Weniger Bier statt mehr Bildung lautet das populäre Konzept. Und weil sich das arbeitende Kleinbürgerlein derlei Missetaten schon längst selbst verboten hat, dürfen diese ja wohl erst Recht den Prolos in der Bahn oder in der Freiburger Fußgängerzone nicht erlaubt sein.

Von der Wiege bis zur Bahre – nichts als Gefahren

Rauchende Mutter Bad Girl (AnciPerfekt/CC BY-NC-SA 2.0)
Feinbild Nummer eins der reproduktiven Volksgemeinschaft: Das „Bad Girl“ – die rauchende Mutter (AnciPerfekt/CC BY-NC-SA 2.0)

Dass Gewaltkriminalität seit Jahrzehnten abnimmt, wie überhaupt Kriminalität insgesamt rückläufig ist, während die Aufklärungsquoten immer weiter ansteigen, dass es immer weniger Verkehrstote, immer weniger Drogentote, immer weniger missbrauchte Kinder gibt, dass wir alle immer älter werden, immer weniger schwere Krankheiten haben – all das ficht die Kulturpessimisten der parteiübergreifenden Verbotsfraktionen nicht an. Denn für Kinder-, Jugend-, Nichtraucher-, Umwelt- und Klimaschutz ist noch lange nicht genug verboten. Lust auf Law-and-Order sowie ökologisches Bewusstsein haben hier zueinander gefunden.

Immerhin haben wir Mittelalten und Älteren noch Zeiten erlebt, in denen die Reglementierungswut noch nicht so weit fortgeschritten, bzw. gesellschaftlich noch nicht so akzeptiert war. Der heutige Nachwuchs erlebt hingegen schon früh, welche Gefahren überall lauern. Schokolade? Bitte nicht! In Kindergärten führen kleine Naschereien schon mal zu einem Eklat auf dem Elternabend – und für Psychoterror im Vorschulalter. Die Sorge vor vermeintlichen Gefahren für die lieben Kleinen treibt aber auch noch andere seltsame Blüten: Aus Angst vor Nebenwirkungen vermeiden es einige Eltern, ihre Kinder zu impfen und riskieren lieber eine satte Kinderkrankheit. Selbstmord aus Angst vor dem Tod – so lautet offenbar die Devise. Denn auch im Alter, also ab dem Jahr 2075 aufwärts, da dürfen die heutigen Kleinen sowieso nichts mehr erwarten, wegen der „demografischen Katastrophe“ und dem „maroden Rentensystemen“. Möglicherweise züchten die heutigen mittleren Generationen mit ihrem paranoiden und lustfeindlichen Weltbild aber auch gerade einen Nachwuchs heran, der wegen der angeblich mannigfaltigen Gefahren und der vermeintlich düsteren Zukunft ein altes Motto wiederentdeckt: “Jung kaputt spart Altersheime!

Siehe auch: Freiheit oder OrdnungOpposition dringend gesucht!Flaschen weg – oder es knallt (trotzdem)!Leben birgt LebensgefahrFußball, Schwachsinn, DFBBlitz-Marathon: Wichtigtuer ReloadedDas ausgebrannte Volk, “Gewaltmusik”: Verlautbarungen aus einer anderen Welt, Muße ist eine Haltung, Der Preis des deutschen “Jobwunders”, Die permanente Ruhe vor dem Sturm, Früher war alles besser!,

21 Kommentare zu „Die Erziehungsdiktatur

  1. Das nicht nur lästige Problem mit dem Rauchen viel schon auf, nur man konnte nichts dagegen machen, weil Tabakmafia und Politik ständig den Eindruck vermittelten, dass es ok wäre. Und auch die Gerichte halten sich heutzutage noch nich an geltendes Recht, wenn es um körperliche Unversehrtheit, Körperverletzung oder Misshandlung von Schutzbefohlenen geht. Die Tabakindustrie frisierte Untersuchungsergebnisse und Studien. Zudem ist die Politik abhängig von den (Erhöhung von der Tabakindustrie vorgeschlagen !) Steuereinnahmen.
    Ähnlich wie im arabischen Frühling (Twitter, Facebook, Internet), wird jetzt aber immer mehr Nichtrauchern bewusst, dass es eben nicht normal ist und sie nicht der einzige Außenseiter sind, der das so sieht. Zudem werden immer mehr Falschaussagen und Machenschaften der Tabakmafia aufgedekt (Zusatzstoffe etc) und es gelangen auch unabhängige, nicht durch Anzeigenaktionen finanzierte Untersuchungen auf. Das Internet ist da ein regelrechter Katalysator. Für viele Dinge. Daher ist man auch weltweit bestrebt, das Internet zu kontrollieren und zu filtern. Und das nicht nur in China. Vorratsdatenspeicherung einst NUR für Terror erlaubt, dient jetzt der Musikindustrie und Rasterverhandung.

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  2. Ei Ei Ei…

    … ich hab mir den Artikel zum xten mal durchgelesen, hab ihn sitzen lassen, und komm immer noch zum Schluss: Da haben aber zwei mit ganz schön viel Schaum vorm Mund auf die Tastatur gehauen.

    Erst einmal zum ominösen Alstervergnügen(Muss für Nordlichter ja echt was besonderes sein ;)):
    Naja, es gibt eine weit bessere Begründung, und die ist sogar in den von euch verlinkten Artikel zu finden.
    „Buden auf den Eis führt zu einer Konzentration der Besucher eben bei den Buden“ das und ein Kerneis das wieder einmal nicht konstant 20cm dick ist. Wenn man dann noch die Berichte ließt dass das letzte echte Alstervergnügen wegen Rissen und Sprüngen in der Eisschicht teilweise schnell geräumt werden musste, dann verstehe ich die Entscheidung sehr wohl.

    Wobei das Müllargument auch nicht gerade schlecht ist, einen Haufen Müll( sagen wir mal 200m³) von einer großen Eisfläche zubringen ist logistischer schwerer als von einer Uferpromenade, neben dem das es für die Müllmänner auch ne Drecksarbeit ist(Aber hey, ICH will Spass haben, dann sollen die schuften, schuften, schuften, gelle?)

    Falls ja, auch andere Feste wurden deswegen schon verboten, eben wegen der Müllproblematik, da braucht es nicht einmal einen Fluss daneben zu haben. Ich darf außerdem schon schmunzeln wenn hier eine Großveranstaltung mit einzelnen Grillen (dass je nach dem, auch mit einen Bußgeld und co. belegt werden kann) gleichgestellt wird.

    Zu den HVV und das Alkoholverbot, die Begründung war doch das die Metronom Eisenbahngesellschaft zuvor ebenfalls ein Verbot aussprach und dadurch einige Probleme(Vermüllung,Vandalismus) reduzieren konnte, ergo sich dadurch wahrscheinlich auch einen Patzen Geld einsparten? Liegt dann nicht auch die Begründung: die HVV will einfach auf den einfachen Weg Geld einsparen, nicht viel näher als eine irgendwie geratene „Erziehungsdiktatur“?

    Das Wort Erziehungsdiktatur ist schon, sagen wir mal provokant gewählt, aber okay man muss auch mal was raus hauen.

    So, Teil 2, vielleicht auch einen Teil 3, gibt es dann nach dem ich mir doch noch ne Mütze voll Schlaf mir genehmigt habe. Leider ist die Kritik fast immer länger als der zu kritisierende Text

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  3. mal wieder *Applaus*, recht habt ihr!!

    Als mittelalter Spiessbürger bin ich zwar ganz froh, dass man auch mal rauchfrei in der Kneipe rumlungern kann, aber mehr und mehr kommt so dieser „Volksgesundheit“ Gedanke durch. Das endet in einer unerträglichen Bevormundung, denn ich möchte wenigsten in der knappen Zeit, die mir bleibt, tun und lassen, was ICH möchte.

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  4. Lieber Patrick Gensing, lieber Andrej Reisin,
    Danke für den wunderbaren Text und die kluge Analyse des Verbotsterrors. Ich stimme in jedem Punkt überein und freue mich, dass es wenigstens noch einige Menschen gibt, die die Entwicklungen erkennen und auch beim Namen nennen.
    Mit herzlichen Grüßen

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  5. Danke für die Blumen, danke auch für die Kritik, Eieiei-Mothra, der wir aber gerne widersprechen wollen.

    So ist es selbstveständlich weniger klug, auf einer Eisfläche ein beheiztes Zelt aufzustellen, aber kleine Stände mit Getränken und/oder Essen dürften es unserer Meinung nach schon sein, zudem ist die Eisdecke derzeit ziemlich dick (vorgestern bereits 15 bis 22 Zentimeter http://www.hamburg.de/contentblob/1051114/data/download-alstereis-eiszustandsbericht.pdf). So dick, dass die Freezers bereits auf der Alster trainiert haben – und viele Leute sich das vom Rand des Spielfelds angeschaut haben. Wissen Sie, was passiert ist? Richtig, gar nichts. Aber was könnte alles passieren, wenn die Menschen an der Stelle, an der Buden stehen, an Land gehen? UNVERANTWORTLICH 😉

    Die Welt weiß zum Alstervergnügen zu berichten: „Mit zunehmender Industrialisierung zog es alles auf das Wasser, was damals als modern galt. Jahr 1733 war es ein Karussell, dessen Schlitten von Pferden gezogen wurde. Später folgten bengalisches Feuer…“

    Übrigens lohnt sich auch ein Blick nach Hamburg-Harburg, wo ebenfalls keine Buden mehr auf das Eis sollten, obwohl die Stärke noch nicht einmal gemessen worden war… http://harburg-aktuell.de/news/46-szene-a-gastro/3483-aussenmuehle-das-eisvergnuegen-steht-vor-der-tuer.html

    Was den HVV angeht: Mit dem Hinweis auf das Sparen von Kosten machen Sie einen wichtigen Punkt, aber wir sind auch noch längst nicht fertig. Dies war nur der Anfang.

    Gruß
    Patrick Gensing

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  6. Einen guten Abend zurück, Herr Gensing.

    Das hat man davon wenn schon an der Kritik weiter“gearbeitet“ wird bevor man die Erwiderung ließt und diese als letzten Satz ein „Daran werkeln wir doch auch schon.“ einschiebt^^ Nun in den Fall, spar ich mir die Mühe, lehn mich zurück und warten drauf 😉 Ich will euch doch nicht einen Blogeintrag vorweg nehmen und mit euch die Köpfe einschlagen worum wir uns eigentlich im Kern einig sind, jedenfalls hoffe ich es.

    Aber zu der Alster. Mir geht es nicht einmal um jetzt echte Bretterbuden auf einen vereisten Fluss, auch wenn das natürlich der Extremfall ist. Es geht eher darum das vor einen, sagen wir mal, Glühweinstand sich einfach wie auf den ganzen Adventsmärkten die Leute dicht auf eine kleine Fläche drängen.
    Da greift das Freezertraning als Gegenargument auch nicht, den selbst wenn die Spiel-, und Trainingsfläche gegenüber Fußball winzig ist, sie ist nicht so klein das dabei ständig zum „Gruppenkuscheln“(Wenn dann wegen ganz anderen Dingen ;)) kommt.
    Sprich, 25 Spieler die auf einer mittelgroßen Fläche die ganze Zeit umherkufen, plus die Hundert die auf einer noch größeren Fläche verteilt zuschauen, sind für mich nicht so dramatisch(Auch wenn manche bösen Zungen sich wünschen würden die Gefrierschränke sollten mal ihren Namen alle Ehre machen ;)).
    Wenn jedoch 125 Personen jedoch auf einer vielleicht etwas kleineren Fläche geballt steht um auf ihren Glühwein zu warten oder ihn zu trinken, dann ist das eine andere Sache.

    Wenn man eben 1997 sieht, dann ist das auch keine eingebildete oder nur potenzielle Gefahr, sonder eine existierende bei der auch schon gehandelt werden musste. Wenn man dann noch wie das Amt kalkuliert das sich noch mehr Menschen auf den Eis als früher tummeln, dann kann man deren Bedenken und Bauchschmerzen verstehen. Sie haben halt den leichteren Weg gewählt, als ständig aufpassen und falls,auch zu handeln.

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  7. Lieber Patrick Gensing, Lieber Andrej Reisin,

    ich will mich dem Kommentar von „Rano“ und „Gabi Gillen“ anschließen – Recht habt ihr.

    Übrigens, als jemand der das Drama von Arthur Miller „Hexenjagd“ schon ein paar Mal gesehen hat kommen mir einige Aspekte der Verbotskultur, die ihr beschreibt, seltsam bekannt vor.

    In Arthur Millers Werk über den Hexenverfolgungswahn in Salem kommen nämlich auch diverse Punkte einer damaligen protestantischen Erziehungsdiktatur vor, die nur ein Vergnügen nicht verbat, dass der „Heiligen Arbeit“.

    Schon damals, und kein Wunder, dass wir uns unter der Knute von „kriminellen“ Hartz-Gesetzen (Dr. Hartz ist gerichtlich vorbestraft, man kann es nicht oft genug erwähnen) und Arbeitslosen-Bekämpfungs-Terrorismus dank Merkel, Hartz und Schröder immer mehr zu einer Erziehungsdiktatur entwickeln.

    Fehlt bloß noch die damalige Ketzer- und Hexenverfolgung, und schwupp sind wir wieder in damaligen Zeiten…..

    Obwohl? Sind Kritiker der heutigen Anti-Arbeitslosen-Politik nicht schon Ketzer, ebenso wie solche die den heiligen Fahnen des Zombie-Neoliberalismus nicht folgen, und Arbeit immer noch nicht heiligen wollen, wie einst beide dt. Diktaturen unter Adolf und Erich, die beide – auch – „Arbeitserziehungsdiktaturen“ waren? Wie eben Merkel-Deutschland heute.

    Frägt sich
    Bernie

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  8. @Mothra:

    Alkoholverbot bei Eisenbahngesellschaften, nächtliche Verkaufsverbote für Alkohol, ständige Meldungen über Komasaufen von Jugendlichen u.s.w., natürlich gibt es immer auch nachvollziehbare Begründungen (z.B. Vermüllung, Vandalismus) . Außerdem, wer will schon etwas gegen Gesundheits“fürsorge” für Kinder und Jugendliche sagen?
    Der Einstieg in Verbote und Erziehungsdikatur geht oft genug über die Fürsorge für Kinder und Jugendliche. Auch wenn man Probleme bei Jugendlichen bei Alkohol, Tabak und Ernährung gar nicht abstreiten kann und will, Organisationen wie die WHO und der Suchtrat sehen das nur als glaubwürdigen Einstieg in die Reglementierung des Lebens aller Menschen an.

    Empfehlenswert ist deshalb auch der Blick in die Papiere solcher Organisationen wie der WHO, in denen man einen besseren Einblick in Strategien zum Beispiel für den Kampf gegen den Alkohol finden kann.
    Dort wird nämlich in einem Papier zur Fortschreibung der Alkohol-Politik gefordert, die Steuern so zu gestalten, dass die Preise eine abschreckende Wirkung haben. Die Verfügbarkeit von Alkohol soll eingeschränkt werden. Als geeignete Maßnahmen empfiehlt man restriktive Verkaufzeiten (wie zum Beispiel das Nachtverkaufsverbot in Baden-Württemberg), Beschränkung der Verkaufsstellen: kein Verkauf im Lebensmitteleinzelhandel, Abgabe nur über staatliche Monopole oder staatlich kontrollierte Läden, kein Verkauf übers Internet. Forderung von freiwilligen Werbe-Selbstbeschränkungen bis hin zu kompletten Werbeverboten durch die Regierungen.

    In dem Nationalen Aktionsprogramm zur Alkoholprävention (2008) steht schon geschrieben, wie man scharfe Alkoholverbote der Öffentlichkeit „verkaufen“ will:
    „…Eine der zentralen Botschaften massenmedialer Kampagnen sollte darin bestehen, die Gefährdung unbeteiligter Dritter durch das Rauschtrinken in das Blickfeld zu rücken. Die Risiken für Menschen im Umfeld insbesondere durch alkoholbedingte Unfälle und durch Gewaltdelikte sind ebenso wie die Schädigung des ungeborenen Lebens durch Alkoholkonsum in der Schwangerschaft nachdrücklicher zu vermitteln. Im Bereich der Tabakprävention hat sich gezeigt, dass Hinweise auf die auch für Dritte schädlichen Konsequenzen des Substanzkonsums eine erhebliche Überzeugungskraft besitzen, wenn es darum geht, den Konsum einzuschränken oder in bestimmten Situationen ganz zu verhindern…“

    So also soll der Bogen vom Passivrauch zum Passivtrinkerschutz geschlagen werden. Einfach mal „passiv-drinking“ in Google eingeben, und man erhält die ersten Presseberichte zum Thema.

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  9. Nur mal zum Nachdenken: Das Rauchverbot bedeutet Barrierefreiheit für Allergiker, für Asthmatiker und für junge Eltern, die ihr Kind in ein Lokal mitnehmen möchten.

    Dass Mütter und Kranke zuhause hocken, während Männer nach dem Motto „ein Guter hälts aus, und um an Schlechten is‘ ned schad“ in der Kneipe rauchen, saufen und die Welt erklären, diese Zeiten sind hoffentlich für immer vorbei.

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  10. @Irene

    Was ist eigentlich so schwer für Allergiker oder für Asthmatiker, eine Kneipe, Lokal oder Restaurant für Nichtraucher auszuwählen, oder andersherum, keine Kneipe zu betreten, an der das Schild Raucherkneipe angebracht ist?

    Müssen jetzt alle Restaurants auf Fleisch verzichten, bloß weil Vegetarier alles gleichgeschaltet haben wollen?

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  11. Wo ist eigentlich das Problem, wenn Raucher für fünf Minuten vor die Tür gehen müssen? Erinnert das Herumstehen mit hochgeklapptem Kragen bei drei Grad und Nieselregen zu schmerzhaft daran, dass man nicht aus Genuss, sondern aus Sucht raucht?

    Eine ernsthafte Auswahl für Nichtraucher gibt es doch erst, seit Raucherlokale per Gesetz abgeschafft sind. Davor waren hier nur Starbucks, Mac Donalds und ein, zwei vegane Cafes rauchfrei.

    Meinetwegen hätte man ruhig paar Raucherkneipen belassen können. Aber nachdem die hiesige CSU in ihrer üblichen Großspurigkeit die Eckkneipen so definierte, dass alles unter 75 qm drunter fiel, ging das eben nach hinten los, und die radikale Lösung setzte sich per Volksentscheid durch.

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  12. Und zum Dritten: Das Beste am Nichtraucherschutz ist natürlich, dass ich solche Diskussionen eigentlich nicht mehr führen müsste. Ich muss meine gesundheitlichen Probleme nicht mehr outen. Ich kann einfach mitkommen, wenn paar Leute noch einen Kaffee trinken wollen. Es kann mir de fakto egal sein, ob irgendwer irgendwas kapiert. Ich bin in Gruppen nicht mehr vom guten Willen von Leuten abhängig, die mir womöglich mit „Atomkraft ist aber gefährlicher als Rauch“ und ähnlichen Premium-Argumenten kommen.

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  13. @ Irene:

    Dein Argument, dass bei getrennten Raucher-/Nichtraucherlokalen die Menschen, die keinen Rauch vertragen, nicht mehr mit Rauchern ausgehen würden, ist nicht stichhaltig. So ist es doch schon bisher gewesen, das ist doch nicht neu.
    Davon abgesehen werden sich auch wohl kaum zwangsweise Gruppen mit verschiedenen Lebensgewohnheiten zusammenführen lassen. Das ist bei Vegetariern und Fleischessern genauso, wie bei Nichtrauchern und Rauchern. Manchmal klappt es, manchmal aufgrund der Verschiedenheiten eben nicht.
    Dafür steigt aber die Intoleranz gegenüber Menschen mit anderen Lebensgewohnheiten in unserer Gesellschaft. Nicht nur manche Allergiker oder Asthmatiker wollen die gesamte Gesellschaft nach ihren Bedürfnissen ausrichten, auch „geruchsempfindliche“ Menschen versuchen ihre Umgebung inzwischen nach ihren Bedürfnissen umzuerziehen. In Detroit ist es, ebenso wie in Teilen Kanadas, den Mitarbeitern von Behörden schon verboten, während der Dienstzeit Parfüms oder Deodorants zu benutzen.

    Damit endet die Zwangsumerziehung natürlich nicht. Die Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde in New York werden nicht nur angehalten, keine duftenden Körperpflegemittel oder Parfüms zu benutzen, sondern auch ihre gesamten Essgewohnheiten am Arbeitsplatz umzustellen. Das Essen von Keksen ist mit Inkrafttreten der neuen Dienstanweisung genauso Vergangenheit, wie der Verzehr von frittierten Nahrungsmitteln oder das Trinken von Limonade. Bei Nichteinhaltung droht eine Geldstrafe.

    Vielleicht gefällt Dir eine Gesellschaft nach diesem Muster, ich gedenke mich nicht von Fanatikern Zwangsumerziehen zu lassen.

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