Rassismus ist, wenn man trotzdem lacht

Das Berliner Schlosspark-Theater hat einen rassistischen Eklat provoziert. Für das Stück „Ich bin nicht Rappaport“ greift man dort auf die tief rassistische Praxis des Blackface zurück. Dieses Stilmittel aus der rassistischen Mottenkiste ist leider immer noch gängige Praxis an deutschen Theatern.

Von Andreas Strippel & Andrej Reisin

Plakat zu "Ich bin nicht Rappaport" des Berliner Schlosspark-Theaters (Pressefoto: DERDEHMEL)
Plakat zu „Ich bin nicht Rappaport“ des Berliner Schlosspark-Theaters (Pressefoto: DERDEHMEL)

Der Ärger begann, noch bevor der erste Vorhang sich hob: Auslöser war ein Plakat, auf dem zwei alte Männer nebeneinander auf einer Parkbank sitzen. Einer von beiden (Joachim Bliese) ist schwarz angemalt und soll offensichtlich einen Afro-Amerikaner darstellen, der Rest der Szenerie deutet den Central Park in New York an – und weil es gut zum Lokalkolorit passt, oder weil es der Autor, Herb Gardner, halt so wollte, geht es um einen (weißen) Juden (Dieter Hallervorden) und einen Afro-Amerikaner, die sich trotz gegensätzlicher Charaktere gemeinsam dagegen wehren, aufs Altenteil abgeschoben zu werden.

An dem Plakat und der Tatsache, dass man hier einen hellhäutigen Schauspieler „schwarz“ anmalt, damit er die Rolle eines Dunkelhäutigen spielen kann, entzündete sich in Blogs und auf Facebook eine breite Kritik an der Maskerade des Schlosspark-Theaters. Denn den dortigen Verantwortlichen, allen voran Dieter Hallervorden, der das Haus leitet, scheint in keiner Weise bewusst zu sein, dass Blackface, also das Schwarzanmalen von weißen Schauspielern, eine zutiefst rassistische Theatertradition ist.

Blackface ist Rassismus

Blackface entstand Ende des 19 Jahrhunderts in den ‚Minstrel Shows‘ und in Vaudeville-Theaterstücken in den Vereinigten Staaten. Dieses Unterhaltungsformat präsentierte seinem weißen Publikum das Klischee des tumben, dem Alkohol zusprechenden, geistig limitierten und ungebildeten, jedoch gutgelaunten „Negers“. Auch wenn im 19. Jahrhundert in diesem Format durchaus auch Kritik an der Behandlung von Afro-Amerikanern geäußert wurde, so war in der Konsequenz ein zentrales Vehikel zur Verfestigung, Verbreitung und Konstruktion von rassistischen Stereotypen.

Von dort aus verbreite sich diese Form der Darstellung von People of Color und trug sowohl über die Bühne als auch über den Film dazu bei, die rassistische Diskriminierung fortzuschreiben. Die Exotisierung und Bloßstellung des Nicht-Weißen ging dabei Hand in Hand. Dies war nicht nur auf die kapitalistische Kulturindustrie beschränkt, sondern fand auch, wie Peggy Piesche in ihrer Studie über Blackface in Defa-Filmen zeigt, systemübergreifend statt.

Ignoranz auf deutschen Bühnen

Die Kritik an Blackface scheint jedoch noch nicht im Land der Dichter und Denker angekommen zu sein. Relativ unbehelligt von Kritik ist dasselbe Stück, ebenfalls mit Blackface, bereits 2005 im Berliner Renaissance Theater gelaufen, 2001 in Krefeld. Aber auch in der Deutschen Oper Berlin lief Othello 2010 mit Blackface, genauso wie 2004 im Schauspielhaus Hamburg. Das Schlosspark Theater Berlin meint daher, nichts falsch gemacht zu haben, sondern sieht sich eben in jener „Tradition“. Trotzig antwortet man den Kritiker/Innen auf Facebook: „Mit den Rassismus-Vorwürfen liegt ihr alle total daneben!“

Offensichtlich fällt den Theatermacher/Innen wirklich gar nichts dabei auf, wenn sie als Rechtfertigung für Blackface posten: „Müssen wir künftig Shakespeares „Othello“ in der Bearbeitung von Schlegel/Tieck aus unseren Spielplänen streichen, weil uns ein „schwarzer Schauspieler“ im Ensemble fehlt?“ Dieser „Argumentation“ entgeht leider, dass sie auf einem vollkommen rassistischen Grundgedanken beruht: Nämlich, dass schwarze Schauspieler nur schwarze Rollen spielen könnten – und es deshalb schlicht nicht in Frage komme, dass man People of Color im Ensemble hat. Zu dieser Ignoranz gegenüber einem gesellschaftlich derart relevanten Thema wie Rassismus mag einem 2012 nicht mehr viel einfallen. Das Theater jedoch muss sich fragen lassen, warum man nicht einfach mitgeteilt hat: „Sorry, aber für drei Rollen im Jahr können wir hier nicht lauter Schwarze, Juden und Asiaten mit durchfüttern.“ Eine solche Formulierung wäre ihnen zwar niemals „rausgerutscht“, sie stellt aber die logische Konsequenz der angeführten „Begründungen“ für Blackface dar.

Denn in Deutschland werden afro-deutsche Darsteller, ebenso wie Schauspieler mit türkischen oder arabischen Migrationshintergrund immer noch vor allem auf den Kriminellen, den schmierigen Händler oder den Trottel vom Dienst reduziert. Nur selten werden sie fest in ein Theater-Ensemble aufgenommen, weil es eben nicht um ihre Qualifikation geht, sondern darum, dass angeblich „zu wenig Rollen für Nicht-Weiße“ vorhanden seien. Die Schauspielerin Nisma Cherrat urteilte in ihren Erfahrungsbericht „Mätresse – Wahnsinnige – Hure: Schwarze SchauspielerInnen am deutschsprachigen Theater“, dass meist nur die üblichen Klischee-Rollen zu haben sind, und der Theaterbetrieb darüber hinaus nur Rollen zulasse, die „politische oder soziale Missstände“ aufzeigen sollen.

Plädoyer für Farbenblindheit statt Authentizität

Das Gegenmodell dazu kann nicht sein, dass man (wie in einigen Facebook-Kommentaren geschehen) die Forderung erhebt, „schwarze“ Rollen sollten gefälligst mit Schwarzen besetzt werden, „jüdische“ mit Juden und türkische mit Türken. Denn so berechtigt die Forderung nach angemessener Repräsentation ist, so falsch wäre eine Festschreibung auf Ethnizität und Herkunft, um daraus Authentizität abzuleiten. Stattdessen sollte man von deutschen Theatern, Kino- und Fernsehproduktionen „Farbenblindheit“ einfordern – und eine angemessene Abbildung gesellschaftlicher Realität.

An angloamerikanischen Bühnen und in TV-Formaten sind „farbenblinde“ Besetzungen daher viel üblicher: Das vielleicht prominenteste Beispiel dafür ist die Besetzung Denzel Washingtons als Don Pedro von Aragon in Kenneth Branaghs Verfilmung von „Much Ado About Nothing“. Auch in der Fantasy-Serie „Merlin“ der BBC sind sowohl ein Ritter König Arthurs als auch Guinevere mit People of Color besetzt – unkommentiert. Zahlreiche weitere Beispiele ließen sich nur allzu leicht finden. Das bedeutet noch lange nicht, dass es in den USA oder Großbritannien keinen Rassismus mehr gibt, es bedeutet noch nicht einmal, dass dort die Theater- und Kinowelt in Ordnung ist. Es zeigt aber, dass dort die Entwicklung antirassistischen Einstellung sehr viel weiter ist als hierzulande.

Wenn nicht gerade Rassismus thematisiert werden soll, ist es ist nämlich für die Geschichte komplett uninteressant, welche Hautfarbe die Charaktere besitzen. Und wenn man schon gesellschaftliche Missstände thematisieren will – wie offensichtlich das Schlosspark-Theater – und dafür eben doch einen schwarzen Schauspieler zu brauchen meint, ja dann muss man halt eben auch einen finden, und sich nicht derart borniert, rassistisch und geradezu idiotisch darauf versteifen, diese gäbe es  – ausgerechnet in Berlin! – nun einmal nicht.

Rassismus? Aber ich bitte Sie!

Das Abstreiten des Rassismusvorwurfs folgt hingegen einem simplen Muster: Weil es nicht rassistisch gemeint war, kann es auch nicht rassistisch sein. In vollkommener Ignoranz und Verblendung gegenüber dem, was Rassismus im Alltag für die Diskriminierten bedeutet, gibt sich das Schlosspark Theater empört. Man will offensichtlich nicht verstehen, dass ein rassistischer Diskurs nicht nur in der rüden Pöbelei von Hardcore-Rasse-Theoretikern zu finden ist, sondern, dass eben auch Praktiken wie Blackface den Ausschluss aus der Mehrheitsgesellschaft befördern. Aber auch der Reflex, ganz selbstverständlich den Schwarzen im Park als Drogendealer zu betrachten, eine Frau als exotische Schönheit zu bezeichnen oder vermeintlich banale Dinge, wie das berühmt-berüchtigte bessere Rhythmusgefühl oder die vermeintlich genetisch-bedingte Athletik sind weitere Beispiele auf einer langen Liste.

Am Ende wird aus der eigenen Nichtdiskriminierung abgeleitet, dass es kein Rassismus-Problem gibt. Das passt in die deutschen Verhältnisse und den Versuch, Rassismus als exotische Einstellung von Extremisten aus der Mehrheitsgesellschaft auszulagern. Der Alltagsrassismus wird geleugnet, weil man es als Zumutung empfindet, beim Reproduzieren rassistischer Stereotype erwischt zu werden. Denn die wirkungsmächtige Struktur rassistischer Zuschreibung zu bedienen, kann praktisch jeder und jedem passieren. Nun sollte man aber meinen, dass lernfähige Menschen in der Lage wären, entsprechendes Verhalten auch zu korrigieren. Davon ist allerdings nicht nur das Schlosspark-Theater in Berlin offensichtlich noch meilenweit entfernt.

Siehe auch: “Ein angemalter Weißer ist kein Schwarzer”, Buchtipp: “Deutschland Schwarz Weiß – Der alltägliche Rassismus”, `Brauner Mob` startet `schwarzen Blog`

37 Kommentare zu „Rassismus ist, wenn man trotzdem lacht

  1. nicht allzuweit von dem Theater entfernt, wurde am 7.1.1990 die Tat begangen, die in der Folge, den ersten bekannten Toten, der aus rassistischen Gründen, nach dem Mauerfall angegriffen wurde, hervorbrachte und der bis heute gänzlich vergessen ist:
    Mahmud Azhar
    am 7.1.90 wurde Mahmut Azahr angegriffen
    am 6.3.90 starb er an den Folgen
    http://de.indymedia.org/2001/12/12827.shtml
    Ausnahme ist seine blose Erwähnung in den Opferlisten
    http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Todesopfern_rechtsextremer_Gewalt_in_Deutschland
    und die Austellung
    http://www.opfer-rechter-gewalt.de/

    in 21 Jahren ausser einer Gedenktafel im Eingangsbereich des FU Instituts,
    ein kleines Häuschen,
    keine Gedenkfeier, keine Artikel,
    einfach NICHTS – zum Kotzen

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  2. Naja, für Geschichtn, in denen die Hautfarbe keine Rolle spielt und vom Autor selber nicht thematisiert wurde ist es tatsächlich gut, sie farbenblind zu besetzen.
    Wenn es hier aber um einen Juden und einn Schwarzen geht und zwar unter anderem in ihrer Eigenschaft als Jude und Schwarzer, dann ist es für die Geschichte eben nicht egal, welche Hautfarbe der Schwarze hat.
    Es ist nichtmal bei Othello egal. In der Geschichte geht es zwar um Eifersucht und Intrigen und nicht um Hautfarben, aber Shakespeare hat ihn nun mal als Schwarzen konzipiert und dann ist das auch so.

    Wenn man nun bei solchen Stücken was gegen das Schwarz-Anmalen von weißen Schauspielern hat, dann folgt man der angeblich abgelehnten Logik, dass Schwarze nur von Schwarzen gespielt werden könnten, doch selber.

    Außerdem hege ich auch den Verdacht, dass man sich hier die Mittel gerade von den Leuten vorschreiben lässt, die sie missbrauchen. Ich vermeide auch nicht den Gebrauch der Zahlen 18 und 88 nur weil Neonazis sich erdreisten, die mit einer widerlichen Bedeutung zu belegen.

    Sogar Günter Wallfraffs „Schwarz auf Weiß“ ist ja angeblich rassistisch, weil Günter Wallraff sich schwarz anmalen musste, um sich glaubwürdig als Schwarzer verkaufen zu können.
    Man kanns auch übertreiben.

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  3. Liebe Publikative,

    meinen Sie nicht, dass der Vorwurf des Rassismus hier ein wenig zu hoch gegriffen ist? Auch ich ärgere mich bisweilen über die klischeehaften Rollen von beispielsweise von Oktay Özdemir, der, ähnlich wie in dem Zapp-Beitrag, meist nur Rollen bekommt, die vermeintlich seiner Herkunft entsprechen.

    Aber sofern die Rolle in Rappaport nicht Rollenklischees entspricht, finde ich nicht, dass man den Rassismusbegriff durch solche relativ harmlosen Ereignisse abnutzen sollte.

    Haben wir nicht weitaus größere Probleme mit rechtem Gedankengut in diesem Land?

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  4. Besonders wichtig ist der Hinweis auf den Unterschied zwischen „rassistisch gemeint“ und „rassistisch“. Das scheint mir das Grundmissverständnis in zahllosen Diskussionen (auch zum Thema Antisemitismus) zu sein.
    „Das war doch gar nicht so gemeint.“ – „Ich fühle mich aber trotzdem angegriffen.“ – „Aber anderswo ist der Rassismus doch viel schlimmer.“ – „Ich fühle mich aber hier und heute trotzdem angegriffen“. usw.

    @ Klaus: Ja, „Befreien sie Afrika“ ist unbedingt zu empfehlen, besonders erinnere ich mich an alte TV-Ausschnitte mit Peter Scholl-Latour, der schlimmste rassistische Äußerungen tätigt.

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  5. Wallraffs “Schwarz auf Weiß“ ist ein paradebeispiel für einen „gutgemeinten“ Rassismus. Weil hier ein weißer mann als schwarzer auftritt um nachzuweisen, dass es es rassismus gibt. von dieser simplen tatsache – dass es massiven alltagsrassismus in deutschland gibt – können tausende schwarze deutsche, diverse verbände und (schwarze) wissenschaftler_innen diverse lieder singen. wenn man nun als weißer filmemacher der meinung ist, man müsse sich erstmal selber farbe ins gesicht schmieren um diesen rassismus „nachzuweisen“, dann ist das einfach nur weißer paternalismus und reproduziert die machtordnung: was rassismus ist und ob es den gibt bestimmt der weiße man hier. und der darf auch angeprangert werden. aber das wird nur ernst genommen, wenn es ein weißér mann macht.

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  6. Leider, sehr geehrte Damen und Herren, die Sie sich hier zu Recht empören, sind diese Rollenklischees immer und immer wieder vorhanden.

    Auch die Darsteller, mit genau der in Mitteleuropa vorherrschenden Hautfarbe, haben im Schauspielerberuf ständig mit Klischee- Besetzungen zu kämpfen.
    Nach wie vor – wie auch schon bei Alfred Hitchcock sind die „guten“ Frauen -blond- die „“bösen“ dunkelhaarig, nach wie vor !!! –
    Dutzende Schauspielerinnen gehen zum Friseur und lassen sich „erblonden“ , um beim Casting für eine Hauptrolle in Frage zu kommen.
    Die dickeren / großen oder kleinen / oder dünnen Schauspieler kommen nach wie vor nur für die komischen Randfiguren in der Besetzung in Frage.Egal – welche schauspielerische Qualifikation sie auch immer haben.
    Das äußere Erscheinungsbild ist das maßgebende in der Besetzung.

    Warum können nicht einmal
    ein dunkelhäutiger dünner dicker Mann mit einer größeren dicken weißen Frau, die noch dazu im Beruf „höher“ qualifiziert ist als ihr „kleiner“ Mann in großer Liebe und mit großem Happy End
    zusammen kommen. ???

    Das entspricht nicht dem, “ was die Leute sehen wollen “ !!!
    Ich frage mich:“Ist das wirklich so ?“

    Sie sollen wissen, Ihr Aufgebrachtsein in Puncto – Rassismus- ,
    danken Ihnen auch die Schauspieler, die Ihnen anscheinend noch die Rollen wegnehmen.
    Sicher werden in einigen Jahren alle Klischees beseitigt sein,
    Dank Ihrer Unterstützung.
    Es werden zwar noch Weiße – Weiße spielen, Schwarze dann aber endlich endlich Schwarze.
    Dicke dürfen dann sicher auch Dünne spielen u.s.w.
    Dankeschön.

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  7. Mal wieder eine Paradebeispiel, wie man aus einer Mücke einen Elefanten machen kann. Herzlichen Glückwunsch diesem Blog für die zusätzlichen Aufmerksamkeit, die die Rassismusmasche bringt. Den dahinterstehenden POC-Extremisten mein herzliches Beileid für das weitere Stück Glaubwürdigkeit, welches sie dieser Beitrag kostet.

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  8. Wenn schwarze Rollen NUR von Schwarzen gespielt werden dürfen, heißt das im Umkehrschluss aber auch, dass weiße Rollen nur von Weißen gespielt werden dürfen.
    Vielleicht noch mal nachdenken?

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  9. Its not funny.Insensitivity at its highest level.Usually it is the annual Christmas visit to the Germany President with(Sternsinger) Blond children painted Black,and now this

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  10. Rassismus

    Ich hab es nie verstanden, wieso Menschen sich hassen ohne sich zu kennen.Was ist denn schon Hautfarbe? Sind wir alle nicht gleich? Wir Lieben, wir Lachen und wir Weinen gleich, dereinzige unterschied der uns trennt ist das du Weis bist und ich Farbig…ONE LOVE

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  11. hallo enrico,
    erstens ist rassismus, auch in seiner gutgemeinten, nicht absichtlichen form, eine „mücke“ nur für diejenigen, die er nicht betrifft. das ist deren eigene „rassismusmasche“, wie sie so schön formulieren.
    für die anderen ist und bleibt er ein „elefant“, ein riesenproblem: ausgrenzung, hass, gewalt, weniger ressourcen, scheiß gehälter, weniger lebenschancen usw.

    für die ist der realexistierende rassismus das problem, für leute wie sie die kritik daran. mit ihrem gerede von „den dahinterstehenden POC-Extremisten“, denen sie attestieren, ein „weiteres Stück Glaubwürdigkeit“ zu riskieren, heiligen sie diese kultur der ungleichbewertung und geben den betroffenen (oder denen, die sich für sie einsetzen) die schuld, dass sie ignoriert werden.

    ein bisschen erinnert es an möllemann, der den kritikern des antisemitismus vorwarf, mit ihrer kritik antisemitismus zu produzieren.

    naja, wenig überraschend: rassismuskritik hat es im lande sarazins nicht so leicht…

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  12. hallo hatem, da sie meinen, die kritik „heißt … im Umkehrschluss aber auch, dass weiße Rollen nur von Weißen gespielt werden dürfen“:

    sehen sie sich vielleicht mal den zapp-videoschnipsel oben an, um das problem schwarzer schauspieler und der rassistischen dominanzkultur zu verstehen. falls es nicht auf anhieb klappt (und in ihren eigenen worten): „Vielleicht noch mal nachdenken?“

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  13. Zuallererst, ich bin ebenfalls Afro-Amerikaner und Nachfahre ehemaliger Amerikanischer Sklaven. Nun, ich finde zwar, dass Blackface aufgrund seiner historischen Geschichte genau wie z.B das N-Wort an sich rassistisch zu bewerten ist, aber jetzt kommt’s, ES SEI DENN, der situative Kontext, in der und weswegen das Stilmittel oder solche Begriffe verwendet werden, entschärft es in angemessenen Maße. Und hier liegt das Problem. Ob und inwieweit der situative Kontext entschärft ist eine individuelle Glaubensfrage, mit der ich mich mit vielen anderen Mit-Farbigen bereits recht gut diskutiert habe. Wo bei jedem die Schwelle liegt, liegt bei jedem selber. Und über Glauben und persönliches Empfinden kann man nur schwer streiten.

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  14. Vielleicht sollten Denzel (Washington), Sidney (Potier), Woody (Stroud), Cuba (Gooding Jr.) usw. einmal zusammen einen schönen Blockbuster über einen Durchschnittsdeutschen – sagen wir einmal in Sachsen – drehen. – Mit weiss gefärbten Gesichtern… *lol* 🙂

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  15. @Hatem: Weiße Rollen werden doch ohnehin nur mit weißen besetzt. Oder gibt es irgendein Theaterstück, einen Film oder was auch immer in dem ein dunkelhäutiger Neonazi vorkam, ein authentisch wirkender Film in dem eine Person der Zeitgeschichte mit einem weiß angemalten Schauspieler besetzt wurde?

    Konsequent betrachtet muss es also eher heißen „Wenn schwarze Rollen NUR von Schwarzen gespielt werden dürfen, heißt das im Umkehrschluss aber auch, dass Rollen bei denen die Hautfarbe keine Rolle spielt nur ohne Beachtung der Hautfarbe des Schauspielers besetzt werden dürfen.” Anstatt, wie oben kritisiert immer nur mit Weißen. Und ja, genau das heißt es.

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  16. Erstens, @axelmylius@web.de: klar, warum nicht? wenn´s gut geschrieben und gespielt ist kauf´ich ne karte.

    zweitens, danke, anonymous!!! Meines Erachtens liegt die Ignoranz bei den Autoren dieses Artikels, denn sie ignorieren den Konteext.

    drittens, farbenblinde Besetzung ist hier und heute in Berlin nichts Ungewöhnliches; wer öfters ins Theater geht, dem fallen sofort Beispiele ein.

    viertens: mir gefällt das Plakat nicht besonders, weil´s halt ein bißchen nach Knallcharge aussieht, aber das hat nichts mit der Farbe der Schminke zu tun. Übrigens: ALLE SchauspielerInnen sind angemalt – das nennt man Maske, und das dient dazu, eine Figur darzustellen. Das ist manchmal dezent und manchmal ziemlich drastisch. je nach Kontext und künstlerischer Richtung. Schauspielerei ist, etwas darzustellen, was man nicht selber ist (auch wenn viele Schauspieler einen glauben machen wollen, sie seien selbst so intelligent wie die Figuren, die sie spielen).

    Mir brennt das Thema nicht gerade unter den Nägeln (in meinem Umfeld sind unterschiedliche Hautfarben und Herkunftsländer einfach normal, auch ich habe „Migrationshintergrund“); aber ich glaube auch, dass die Form der Debatte, die sich hier an diesem Anlaß entzündet, der guten Sache eher schadet als nutzt.

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  17. P. S.: jetzt habe ich mir den ARD – Beitrag über Schauspieler, die aufgrund ihrer Hautfarbe keine Rollen kriegen, angeguckt. Äh, auf die Gefahr hin, dass ich jetzt in die Ecke gestellt werde: Schauspielerei ist ein Beruf, der mit Aussehen zu tun hat und damit, Klischees bis zu einem gewissen Grad zu erfüllen. Fast alle Schauspieler, die ich kenne (und da sind ziemlich erfolgreiche dabei), würden gerne mal was anders spielen oder überhaupt spielen (die Arbeitslosenquote ist gigantisch), auf jede, wirklich jede Rolle kommen sounsoviele, die sagen, das hätte doch auch ich spielen können. Da geht´s den Weißen wie den Schwarzen, und ganz besonders den Frauen. Eine Frau mit Körpergröße 190 und Schuhgröße 44 hat in dem Job dauerhaft keine Chance – (da hat´s ein Mann, der nur 170 ist, noch leichter) und wenn eine Frau die Vierig überschtritten hat, ist es für sie auch verdammt schwer, im Geschäft zu bleiben.

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  18. Oha, eine neue Rassismus-Diskussion, vermutlich initiiert vom Ministerium für Wahrheit?

    Auch auf die Gefahr hin als UNPERSON zu gelten und VAPORISIERT zu werden: Ich werde weder meine MITMENSCHEN oder mich auf „Reproduzieren rassistischer Stereotype“ überprüfen, oder ob jemand sich der “ wirkungsmächtigen Struktur rassistischer Zuschreibung“ bedient, auch wenn das Miniwahr meint, „dass lernfähige Menschen in der Lage wären, entsprechendes Verhalten auch zu korrigieren.“, um kein GEDANKENVERBRECHEN zu begehen. Ich weiß, nur ein GUTDENKER ist ein DOPPELPLUSGUTER MENSCH.

    Trotzdem behalte ich mir vor, solange es noch erlaubt ist, zu UNTERSCHEIDEN (lat.: DISCRIMINARE -> DISKRIMINIEREN), zB zwischen MANN und FRAU, oder meine VERTRAGSFREIHEIT zu gebrauchen (nach der ein Produzent so viele transsexuelle Rollstuhlfahrende Rotationseuropäer oder heterosexuelle weiße Christen für sein Theaterstück beschäftigen kann, wie er und seine Vertragspartner das möchten.)

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  19. Wenn sich also ein Mann als Frau verkleidet und eine Rolle spielt, dann ist dies diskriminierend? Ebendso Frau als Mann verkleidet …
    Wenn ein junger Mensch sich als alter Mensch verkleidet und so schauspielert, als hätte er/sie schwere körperliche Gebrechen, dann ist dies alters-diskriminierend?

    Ihr habt echt Probleme!

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  20. @1ceman

    I. Nicht mit falschen Verben spielen… http://dela.dict.cc/?s=unterscheiden

    …und Zweitens würde es dir dein mutmaßlicher „Produzent“ sicherlich nicht abschlagen, dich als „transsexuellen Rollstuhlfahrenden Rotationseuropäer oder heterosexuellen weißen Christen“ zu besetzen, sofern vom Stück benötigt. – Aber stehen deine „Besetzungsprobleme“ auch wirklich im Kontext der Debatte, in der es doch eigentlich um eine, auch geschichtsbedingte, Stigmatisierung geht? Im Übrigen sollte man einfach mal hinterfragen, WAS denn Herr Hallervorden eigentlich bezweckt, der meiner Kenntnis nach auch ein politischer Mensch… und nicht nur der gute „Didi“ ist.

    @Boateng

    Worauf bezieht` sich dein „also“..? – Hat hier Jemand Kritik am Bühnenrollenspiel Mann/Frau oder an der Rolle eines Gebrechlichen oder Alternden geübt. Es wurde auch dem Familienvater nicht vorgeworfen, zu Weihnachten den Weihnachtsmann zu miemen usw.usf.

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  21. Nach der Logik der Farbenblindheit müsste man dann ja auch die Rolle von Joachim Bliese einfach ohne Farbauftrag besetzten. Das hätte sicherlich einen ästhetischen Reiz und könnte auch neue Handlungsimpulse auf der Bühne setzen. Aber wäre das dann aus Sicht der Critical Whiteness Beobachter nicht auch ein Schritt ins böse Universalisieren? Bleibt also nur die Rolle mit jemandem zu besetzen, der die richtige Hautfarbe hat? Denn das wäre ja nun auch wieder positiver Rassismus, also eine Diskriminierung der Mehrheitsgesellschaft gegenüber der Privilegierung einer Minderheit. Auch blöd. Am besten also alle Stücke, in denen potentiell Menschen mit anderer Pigmentierung mitspielen, vom Spielplan nehmen. Das gleiche gilt für Religionszugehörigkeiten udn Geschlechterdifferenzen. Also nu noch Warten auf Godot. Na das wär doch mal was! Ach ja, die können dann natürlich auch von allen ganz farbenblind gespielt werden, mit oder ohne Schminke.

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  22. Also echt – man kann es auch übertreiben!

    In (fast) jeder Othello-Inszenierung steckt ein Weißer in der Rolle des „Mohren“. Ich kann die Aufregung nicht verstehen.

    Das ist kleingeuistuig und engstirnig gedacht, wenn man ausgerechnet Herrn Hallervorden jetzt Rassismus unterstellt.

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  23. Und wenn Hallervorden mal wieder eine Frau spielt ist das dann sexistisch?

    Verkleidungen kommen in jedem Theaterstück vor. In Star Trek verkleiden sich Leute als Vulkanier (mit langen Ohren). Wenn Antigone auf dem Programm steht machen heutigen Deutsche auf der Bühne einen auf antiker Grieche. Und wenn halt ein Afroamerikaner in der Besetzungsliste auftaucht und man keinen passenden Schauspieler auftreiben kann, dann wird halt ein Weißer verkleidet. Wo ist das Problem?

    Blackface ist wegen der Inhalte rassistisch, nicht wegen der Verkleidung!

    (Theater, in dem Weiße Weiße spielen, gabs übrigens auch bei den Nazis. Jede heutige Theateraufführung, in der Weiße Weiße spielen, ist zutiefst faschistisch und gehört verboten!)

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  24. Dann ist es ja in ihrem Sinne, wenn demnächst die Autobiographie von „Mohammed Ali“ von Axel Schulz gespielt wird (ohne ihn anzumalen) und in einem Film der zu Zeiten des 2ten Weltkriegs spielt ein People of Color den Adolf Hitler (ohne in anzumalen) mimt. Man soll ja farbenblind sein.

    Und es liest sich hier so als ob es keinen einzigen PoC im Theater, Fernsehen oder sonst kulturell gäbe. Es werden wahrscheinlich die komplett intergierten Schauspieler mit Migrationshintergrund übersehen, da sie halt schon komplett integriert sind.

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