Hetze gegen Juden im Fußball: "Mit Antisemitismus nichts zu tun"

Von Frederik Schindler, Fußball gegen Nazis*

„Das hat nichts mit Antisemitismus zu tun“ – mit dieser Aussage wurde ein anonymer Fan des FC Luzern in der vergangenen Woche auf SPIEGEL ONLINE zu einem Vorfall in St. Gallen zitiert. Dort hatten ca. 300 Fans bei einem sogenannten Fanmarsch durch die Innenstadt einen als orthodoxen Juden verkleideten Mann durch die Straßen getrieben. Dieser trug einen Schal des FC St. Gallen um den Hals und stand symbolisch für die gegnerische Mannschaft und die gegnerischen Fans. Warum das kein Antisemitismus sein soll? „Die St. Galler Fans wurden schon immer als Juden bezeichnet“, so der anonyme Fan. Dies ist leider richtig. In einigen Schweizer Stadien lautet ein beliebter Fangesang „Und sie werden fallen, die Juden aus St. Gallen“. Das macht den Vorfall aber nicht weniger antisemitisch. Die Aktion lediglich als Einzelfall oder wie in einigen Medien geschehen als „Fasnachtsscherz“ zu bezeichnen, ist ebenfalls bagatellisierend – seit Jahrzehnten gibt es im Fußball und der dazugehörigen Fankultur antisemitische Vorkommnisse wie diesen.

Antisemitismus in der Amateurliga: TuS Makkabi Berlin

Besonders betroffen von Antisemitismus sind jüdische Vereine. Einer davon ist TuS Makkabi Berlin. Die 1. Herrenmannschaft spielt seit dem letzten Jahr in der ersten Staffel der Berliner Landesliga, zuvor ist er aus der sechsthöchsten Spielklasse im deutschen Männer-Ligasystem, der Berlin-Liga, abgestiegen. Das Frauenteam spielt in der 1. Staffel der Bezirksliga, die fünfthöchste Klasse im Frauen-Ligasystem. Der Verein wurde in der Zeit des Nationalsozialismus verboten und 1970 neu gegründet. Auch heute sind Angestellte des Vereins immer wieder antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. Der letzte öffentlich breit thematisierte Vorfall ereignete sich 2012 im Spiel gegen den BSV Hürtürkel. Zunächst wurden während des Spiels mehrere Makkabi-Spieler von Hürtürkel-Spielern beleidigt: Einem wurde erklärt, er „stinkt schon wie ein Jude“, muslimische Makkabi-Spieler wurden als „Schande“ bezeichnet und ein Schwarzer Makkabi-Spieler wurde rassistisch beleidigt. Nach dem Spiel rief Hürtürkels Trainer angeblich „Amina koydum yahudi!“ – was ein türkischsprachiger Makkabi-Spieler in „Jetzt haben wir euch Juden gefickt!“ übersetzen konnte und den Vorfall so öffentlich machte. Dem Verein Hürtürkel der laut Jungle WorldVerbindungen zu den rassistisch-nationalistischen Grauen Wölfen pflegt, wurden 3 Punkte abgezogen, ein Spieler wurde für sechs Monate, der Trainer für elf Monate gesperrt. Obwohl die Mehrheit der muslimischen Gegner nicht antisemitisch, sondern offen und tolerant sei, werden immer wieder auch seine muslimischen Spieler angefeindet und unter Rechtfertigungsdruck gesetzt, sagt Sportdirektor Claudio Offenberg im Deutschlandfunk: „Mit Ausdrücken wie: Ihr sollt euch ja schämen, bei den Saujuden zu spielen.“

„Wenn Sie einen Funken Anstand haben müssen sie uns helfen“

Im Gespräch mit Fussball-gegen-Nazis.de betont Offenberg, dass gerade in den letzten Jahren eine höchst aggressive Vermischung mit Themen aus dem Nahostkonflikt stattfinde: „Die Tendenz geht gerade seit dem Jahr 2014 klar dahin, die Anfeindungen und Diffamierungen völlig rücksichtslos offen, wie auch öffentlich anzubringen.“ Auch mit Anfeindungen aus dem rechtsradikal-nationalistischen Spektrum hatte der Verein in der Vergangenheit immer wieder zu kämpfen. Ein besonders gravierender Fall ereignete sich kurz nach der Fußball-WM in Deutschland, im September 2006 im Berliner Ortsteil Glienicke. Ungefähr 15 neonazistische Fans der VSG Glienicke riefen dort während dem gesamten Spiel antisemitische Parolen wie „Wir bauen eine U-Bahn nach Auschwitz“, „Vergast die Juden“ oder „Synagogen müssen brennen“ – weder die Verantwortlichen des Vereins, noch der Schiedsrichter griff ein. Als Makkabi-Spieler Raffael Tepmann die pöbelnden und drohenden Fans zur Rede stellte, erhielt er die Gelbe Karte. Spieler Vernen Liebermann forderte vom Schiedsrichter: „Wenn Sie einen Funken Anstand haben für die Geschichte in diesem Land, dann müssen Sie uns jetzt helfen“ – und flog dafür mit Gelb-Rot vom Platz. Die Mannschaft verließ protestierend den Platz, das Spiel wurde abgebrochen. Makkabis Vorsitzender Tuvia Schlesinger sprach von dem „Schlimmsten, das einem jüdischen Verein seit der Hitler-Diktatur in Deutschland widerfahren ist“, während der Abteilungsleiter Fußball der VSG Glienicke den Vorfall relativierte und fragte, was man denn machen solle, wenn der Schiedsrichter nun mal nichts gehört habe. Eine harte Strafe bekam der Verein nicht. „So macht sich der Eindruck breit, dass man sich mehr oder weniger ungestraft auf deutschen Fußballplätzen antisemitisch verhalten darf“, sagte Schlesinger damals der Jüdischen Allgemeinen.

TuS Makkabi protestiert mit diesem Banner gegen die zahlreichen Anfeindungen ihres Vereins. (Quelle: Flickr.com/El Minuto)

Wenig Solidarität von anderen Vereinen

Und dann sind da noch die Bemerkungen aus anderen Vereinen oder in Verhandlungen mit neuen Spielern, die uralte antisemitische Stereotype äußern: „Sie äußern sich teils offen mit sowohl herabsetzenden Sprüchen, als auch durch augenzwinkernde Aussagen, wie über den angeblichen Reichtums des TuS Makkabi und seine vermeintlich schier unbegrenzten Beziehungen und Einflussmöglichkeiten. Daneben ist uns bewusst, dass deutlich rassistische und antisemitische Sprüche fallen, wenn wir nicht in Hörweite sind“, so Offenberg. Die öffentliche Aufmerksamkeit um die schlimmen Vorfälle in den Spielen gegen die VSG Glienicke und den BSV Hürtürkel habe glücklicherweise zu mehr Zurückhaltung geführt: „Man ist sich durchaus bewusst, dass ein Sanktionsrisiko droht und man seine eigenen kleineren, wie größeren Rassisten besser im Zaum halten sollte“, vermutet der Sportdirektor. Er beklagt dennoch die fehlende Solidarisierung anderer Berliner Teams.

Ein positives Gegengewicht ist der bekannteste migrantische Verein Deutschlands, Türkiyemspor Berlin. Dieser veranstaltete nach den Hürtürkel-Vorfällen gemeinsam mit Makkabi ein Freundschaftsspiel gegen Antisemitismus und Rassismus sowie eine Podiumsdiskussion zum Thema. Leider ein Einzelfall – von anderen Teams aus der Liga ist rund um diskriminierende Vorfälle keine Unterstützung erkennbar. Offenberg: „Die Gründe sind Gleichgültigkeit, Ignoranz gegenüber der gesamten Problemlage und auch die weit verbreitete Meinung, man solle nicht jammern, da der Ton im Fußball eben rauer sei.“ Am Ende wird den jüdischen Vereinen „Opfergetue“ vorgeworfen und selbst die Schuld zugeschrieben, da sie das Thema wiederholt problematisierten.

„Es gibt immer noch viele Vereine, die jeglicher Selbstkritik gegenüber verschlossen sind“, sagt Florian Schubert, der an der TU Berlin zu Antisemitismus von Fußballfans promoviert im Gespräch mit Fussball-gegen-Nazis.de. Er spricht das antisemitische Motiv der Täter-Opfer-Umkehr an: „Auch in den Verbänden gibt es zu weilen die Position: ‚Gäbe es die Makkabi-Vereine nicht, dann hätten wir auch das Problem nicht.‘ Dazu kommt, dass viele Antisemitismus nicht wahrhaben wollen und dafür nicht sensibilisiert sind. So werden antisemitische Vorfälle dann auch gar nicht wahrgenommen.“

Im Berliner Fußballverband hat sich allerdings einiges  getan: „Da werden ordentliche Konsequenzen gezogen, besonders vorangetrieben durch den Vizepräsidenten Gerd Liesegang, der sich gegen Rassismus und Antisemitismus engagiert“, lobt Offenberg. Und vor kurzem bekam Makkabi prominente Unterstützung vom Hertha BSC. Unter dem Motto „Wir zeigen Gesicht und stellen uns dem Judenhass entschlossen entgegen“ wurde eingemeinsamer Videospot produziert, an dem sich das Hertha-Team gerne beteiligte. Dort habe man schon länger mit Sorge verfolgt, „mit welchen Schwierigkeiten und unerträglichen Stellungnahmen der Verein in seiner Spielklasse konfrontiert ist“, sagte Herthas Pressesprecher der Jüdischen Allgemeinen. Im Video wird das Makkabi-Team symbolisch von der Bundesligamannschaft umstellt und geschützt.

Initiative „!Nie wieder“: Choreografien und Veranstaltungen rund um den Holocaust-Gedenktag

Um auf das Thema Antisemitismus im Fußball aufmerksam zu machen und um eine aktive Erinnerung und Verurteilung der Verbrechen der Deutschen im Nationalsozialismus zu etablieren, veranstaltet die Initiative „!Nie wieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball“ bereits seit 2004 Aktionen rund um den Holocaust-Gedenktag am 27. Januar. Das Bündnis tagte zuletzt am 25. Februar 2015 in Frankfurt am Main. Über 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter Aktive aus verschiedenen Fanprojekten und -initiativen, der Präsident von Makkabi Deutschland, der Projektmanager der Bundesliga-Stiftung, der Geschäftsführer der DFB-Kulturstiftung, Vereinsarchivare aus München und Frankfurt, der Corporate Social Responsibility-Verantwortliche der Fortuna Düsseldorf und die EhrenpreisträgerInnen des Julius Hirsch Preises Angelika Ribler (Sportmediatorin und Referentin der Sportjugend Hessen) sowie Ronny Blaschke (Sportjournalist) planten die  nächsten Veranstaltungen und Aktionen und stellten die Projekte aus diesem Jahr vor. Die Ultràgruppe Schickeria Münchenwar in den letzten Jahren besonders aktiv an den Erinnerungstagen beteiligt, sie erinnert seit Jahren mit Choreografien an jüdische oder andere vom Nationalsozialismus verfolgte Vereinsmitglieder und Fußballer. So wurden 2011 in Bremen mehrere Spruchbänder und eine Zaunfahne mit dem Konterfei von Otto Beer gezeigt. Er war Jugendleiter des FC Bayern und wurde 1941 im Konzentrationslager Kauen ermordet. 2013 wurde dem jüdischen und vom Nationalsozialismus verfolgten Meistertrainer von 1932 Richard Dombi gedacht und im letzten Jahr wurde schließlich eine beeindruckende Choreografie über die gesamte Südkurve in Erinnerung an den ehemaligen Präsidenten Kurt Landauer präsentiert, der aufgrund des antisemitischen Verfolgungswahns der Deutschen im Konzentrationslager Dachau interniert war und nach seiner Entlassung in die Schweiz flüchten konnte. Landauer wurde bereits 2009 mit einer großen Choreo und dem Schriftzug „Der FC Bayern war sein Leben – Nichts und niemand konnte das ändern“ geehrt, zu dem findet seit 2005 jährlich im Sommer ein antirassistisches Turnier um den Kurt-Landauer-Pokal statt. In diesem Jahr wurde beim Auswärtsspiel in Wolfsburg eine Choreografie in Gedenken an den sozialdemokratischen Widerstandskämpfer und Clubfunktionär Wilhelm Buisson gedacht, zudem informierte die Gruppe im Südkurvenbladdl ausführlich über die Biographie des FC Bayern-Mitglieds.

„Der FC Bayern und ich gehören nun einmal zusammen“. Kurt Landauer Choreografie 2014. (Quelle: Schickeria München)

Eine aktive Beschäftigung mit der Vereinsgeschichte während des Nationalsozialismus oder mit aktuellen antisemitischen Tendenzen in der Fankultur muss meist von organisierten Fans eingefordert werden, selten werden Vereine selbst aktiv. So wurde der Vorschlag von „!Nie wieder“, dass die Teams des VfL Wolfsburg und des FC Bayern München kurz nach dem 70. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung beim Einlaufen T-Shirts mit einer entsprechenden Botschaft tragen, ohne Begründung abgelehnt. Es ist nur zu vermuten, dass hier die Sponsorengelder mal wieder wichtiger waren, als gesellschaftspolitisches Engagement. „Es wäre schon sehr hilfreich, wenn sich Verbände und Vereine deutlicher mit Antisemitismus auseinandersetzen würden und anerkennen würden, dass es ihn auch beim Fußball gibt“, fordert Doktorand Florian Schubert. Es bleibt also noch viel zu tun.

Mehr im Netz:

„Haut’s die Juden eini’!“- Antisemitismus im österreichischen Fußball (Fussball-gegen-nazis.de)

Antisemitismus im Fußball – Feature von Ronny Blaschke (Deutschlandradio Kultur)

Fußball unter dem Hakenkreuz (WDR Online)

Internetseite der Initiative „!Nie Wieder – Erinnerungstag im deutschen Fußball

Facebook-Seite der Faninitiative „Fußballfans gegen Antisemitismus

*Fussball-gegen-Nazis.de ist ein Projekt der Amadeu-Antonio-Stiftung und bietet eine kontinuierliche Berichterstattung über Neonazismus, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie im Fußball. Die Plattform richtet sich an alle Interessierten aus Fangruppen, Vereinen und Verbänden, die sich über (Anti-)Diskriminierung im Bereich Fußball informieren möchten.

„HoGeSa“: Die weibliche Hetze

Von der Bewerberin um den NPD-Vorsitz bis zur christlichen Fundamentalistin: Bei den „Hooligans gegen Salafisten“  spielen auch die „Ladies“ eine wichtige Rolle.

von Andrea Röpke, zuerst veröffentlicht bei blick nach rechts

Sigrid Schüssler und Karl Richter bei "HoGeSa" in Hannover, Foto: Felix M. Steiner
Sigrid Schüssler und Karl Richter bei „HoGeSa“ in Hannover, Foto: Felix M. Steiner

Kürzlich hatte sie sich im Internet noch mit Strapsen und Peitsche präsentiert und für ordentlich Empörung im nationalen Lager gesorgt. Die bayrische NPD-Frau Sigrid Schüssler inszeniert sich seit einiger Zeit als braune „Skandalnudel“, fremdenfeindlich und obszön. Bei der „Hooligan gegen Salafisten“-Kundgebung in Hannover am Samstag gab sie unter den zahlreichen weiblichen Teilnehmerinnen eine der auffälligsten Erscheinungen ab.

Gekonnt postierte sich die rothaarige diplomierte Schauspielerin, in der Szene bekannt als „Hexe Ragna“, am Hinterausgang des Bahnhof, gerade so, dass die zahlreichen Kameras sie auch wahrnahmen.  Sie wartete alleine auf ihren Freund, den Münchner Neonazi und Stadtrat Karl Richter. Mit den anderen Teilnehmern der HoGeSa-Veranstaltung schien sie wenig gemein. Sichtlich genervt rückte die geschasste ehemalige Vorsitzende des „Rings Nationaler Frauen“ dann auch zur Seite, als zwei völlig überdrehte Hooligans einen primitiven Schaukampf mit Gebrüll vor ihr abhielten. Die beiden imitierten einen Fight, zeigten hochgereckte Fäuste und schrien: „Deutschland“. Angewidert drehte sich Frau Schüssler weg.

Andere Frauen dagegen halfen beim Einheizen. Sie trugen Shirts mit Aufschriften wie „Berserker“ oder „HoGeSa Bremen“, standen auf einer Empore oder wechselten sich mit den Megaphonen ab, um mit Parolen wie „Wir sind das Volk“  Sprechchöre in Gang zu bringen.

Die unauffällige Frau von nebenan

Etwa jeder zehnte bis fünfzehnte Teilnehmer von rund 3000 HoGeSa-Fans in Hannover war weiblich. Einige ältere und junge Frauen zogen sich begeistert Ordnerbinden wie bereits in Köln über und dirigierten die Menge mit. Anders als bei der Massenveranstaltung in Nordrhein-Westfalen wenige Wochen zuvor erschienen diese Frauen weniger dem Skinhead-Milieu und anderen Subkulturen zu entstammen. Sie vertraten eher das Erscheinungsbild der  unauffälligen Frau von nebenan.

Auch bei den Ordnern waren Frauen zahlreich vertreten, Foto: Felix M. Steiner
Auch bei den Ordnern waren Frauen zahlreich vertreten, Foto: Felix M. Steiner

Sogar im Umfeld der Organisatoren um Henrik und Hannes Ostendorf aus Bremen gab es Helferinnen wie die Ehefrau eines „Endstufe“-Crewmitglieds. Hannes Ostendorf, Sänger der Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“, der die Behörden in Hannover aus Sicherheitsgründen den Auftritt verweigerten, gilt nicht als Befürworter von Gleichberechtigung und Emanzipation. Mit Frauen sieht man den Hooligan-Anführer selten. In einem Bremer Gericht bezeichnete er eine fremde Frau schon mal als „Fotze“. Das Umfeld der Bremer Neonazi-Hooligantruppe „Standarte“ gilt als hundertprozentige Männerbastion. Das scheint längst nicht überall so. Im Dunstkreis der Dortmunder „Borussenfront“ von Siegfried Borchardt tummelten sich dagegen immer Frauen.

Das populistische Ziel, gegen „Salafisten“ als nationale Tatgemeinschaft aufstehen zu wollen, nutzten in Hannover auch Fans von „Pi News“ und Vertreter von „Die Freiheit“. Sie mischten sich als Redner unter Neonazis und rechte Hooligans. Vertreten waren neben Oldschool Skinheads, wütenden Hooligans, bürgerlichen Paaren aber auch NPD-Politiker wie Patrick Schröder, Macher von FSN-TV oder Neonazis wie Tobias Richter aus Ostfriesland. Einige der HoGeSa-Organisatoren aus Köln blieben der Veranstaltung in Hannover fern. Inzwischen gilt die Führung und ihr Umfeld als zerstritten.

Motto: „Die Familie hält zusammen“

Auf der Bühne kam neben dem Chef der muslimfeindlichen Partei „Die Freiheit“ Michael Stürzenberger aus Bayern auch der Leipziger Neonazi und Neu-Hooligan Nils Larisch zu Wort. Wie bereits in Köln durfte die NPD-Liedermacherin Karin Mundt aus Berlin auch in Hannover singen. Gemeinsam mit dem glatzköpfigen Liedermacher „Villain“ legte die Sängerin mit dem Künstlernamen „Wut aus Liebe“  Songs wie „Vereint Euch“ hin. Der musikalische Auftritt war wenig professionell. Das Duo mit Gitarre grölte „Vereint euch gegen Salafisten, wir stehen unseren Mann“ ins Mikrophon.

Das Motto der HoGeSa, „die Familie hält zusammen“ erinnert stark an die Parole „La Familia“ aus dem Rockermilieu. So suchten bei den Massenveranstaltungen auch Kuttenträger immer wieder politischen Anschluss. In Köln waren Vertreter des „MC Meridian“ vertreten, auch Supporter der „Hells Angels“.

Doch richtig Stimmung wollte auf dem großen umzäunten Platz in Hannover überhaupt nicht aufkommen. Anders als in Köln durften sich die Teilnehmer keinesfalls frei bewegen, mussten sich auch türkische Melodien und Antifa-Sprechchöre aus der Ferne anhören, ohne die Polizeisperren durchbrechen zu können. Das Sicherheitskonzept durch besonders starke Polizeipräsenz schien aufzugehen.

Rednerin von den „Ladies gegen Salafisten“

Egal ob Rednerin oder als Paar, Frauen waren bei "HoGeSa" präsent, Foto: Felix M. Steiner
Egal ob Rednerin oder als Paar, Frauen waren bei „HoGeSa“ präsent, Foto: Felix M. Steiner

Kurzzeitig wurden Ausbrüche von rechts versucht. Die Stimmung schien zu kippen. Rauch stieg auf, das Gebrüll der rechten Hooligans wurde lauter, sie rotteten sich eng zusammen. Eilig rückte der eigene Ordnungsdienst mit vielen weiblichen Kräften an, um die eigenen Leute vom Sturm über die Hamburger Gitter abzuhalten. Die Polizei setzte Pfefferspray ein, die Motoren der schweren Wasserwerfer-Fahrzeuge sprangen an und berittene Polizei kam näher. Die Reden auf der Bühne des LKWs verebbten immer mehr. Die Kundgebungsteilnehmer begannen sich sichtlich zu langweilen.

Auch der Rednerin Maria E. von den „LaGeSa“ – „Ladies gegen Salafisten“ gelang es nur kurz, für Aufmerksamkeit zu sorgen. Die Blondine aus Nordhrein-Westfalen gab an, aus Ostdeutschland zu stammen. Sie las vom Zettel ab und rief: In Deutschland läuft „etwas schief“, Christen und Juden würden verfolgt, Kirchen geschändet. Schon begann einer zu grölen, „der Jude“, der weitere Satz ging im Tumult unter. Brav lächelte die „Lady“ von oben in die Menge. Dann beanstandete sie eine angeblich unbegrenzte „Einwanderung in unser Sozialsystem“ und lobte das „Land der Dichter und Denker“. Kämpferisch verkündete die Ostdeutsche von „LaGeSa“: „wir lassen uns nicht mehr mundtot machen“.

Langsam begangen die geschäftstüchtigen Bremer Hooligan-Anführer den Verkaufsstand für „Kategorie C“-Merchandising abzubauen. Die Werbung in eigener Sache schien gut gelungen, der Kultband der Szene nutzt HoGeSa, von dem Hype könne sie stark profitieren. Der cholerische Ex-NPDler Henrik Ostendorf regte sich kurz lautstark über einen farbigen Mitdemonstranten auf, der eine Fahne schwenkte, dann verschwand der schwarze Van mit den Bremern vom Platz in Hannover.

Auch die ersten Demonstranten hatten das Gelände bereits vorzeitig verlassen. Sigrid Schüssler stand immer noch vorne vor der Bühne. Später schrieb sie bei Facebook: „Liebe Hooligans, die ihr aufsteht und zu HoGeSa werdet, hier steht sie, die Bewegung junger deutscher Männer und auch Frauen, die eine rote Linie ziehen und sagen: Schluss jetzt! Es reicht! Wir haben genug! Jetzt wehren wir uns! Und wer sich hier nicht an unsere Regeln hält, der fliegt raus!“

„Heidi “ wünscht „Gottes Segen“

Weitaus mehr Anklang als Schüssler fand eine andere Frau, über deren Motivation  in der HoGeSa-Szene allerdings wenig bekannt sein dürfte. Ihr Auftritt wird als Video inzwischen tausendfach verbreitet und sie als „Heidi, die mutige Deutsche“ angepriesen. Bei der blonden Frau, die sich eine Deutschland-Fahne um den Körper gehängt hatte und die Bühne in Hannover gar nicht wieder verlassen wollte, handelte es sich um die christliche Fundamentalistin Heidi Mund aus Frankfurt am Main. Sie schrie in die Menge, wie stolz sie auf die „deutschen Männer“ sei, „die endlich einen Arsch in der Hose“ hätten. Die Menge antwortete mit „ahu, ahu“-Gebrülle.

Mund rief weiter, sie sei gegen „Ausländer, die  uns zerstören wollen“. Mit erhobenem Zeigefinger mahnte die Frau: „Besauft euch nicht hier, sondern zuhause, macht das zuhause. (…) Also bitte Jungs, Selbstbeherrschung. Eure Muckis packt die dort aus, wo sie hingehören.“

Dass die Rednerin am Ende „Gottes Segen“ wünschte, ging im Applaus unter. Heidi Mund ist Pädagogin und organisierte gemeinsam mit ihrem Ehemann, einem Stadtverordneten der „Freien Wähler“ im Frankfurter Römer einen „Jesusmarsch“. Das Paar gehört zu den Organisatoren von „Himmel über Frankfurt“, einer Organisation, die nach eigenen Angaben den „Thron Gottes“ errichten möchte. Ihren religiösen Hintergrund wusste Heidi Mund  in Hannover weitestgehend zu verbergen.

Hamburger Hooligan-Aufmarsch: Allianz von NPD bis AfD?

Bei dem geplanten Hooligan-Aufmarsch in Hamburg soll zusammen kommen, was zusammen gehört. Wenn die Hamburger Sicherheitsbehörden ihre bisherige Politik weiter verfolgen, droht eine Wiederholung des braunen Straßenterrors wie in Köln.*

Von Felix Krebs

Nach dem, für die extreme Rechte in der Binnensicht erfolgreichen, Hooligan-Aufmarsch in Köln am vergangenen Samstag, träumt der braune Mob nun von einer Wiederholung am 15. November in Hamburg. Vor allem das katastrophale Versagen der Sicherheitsbehörden bezüglich der Prognose hatte eine erfolgreiche Anmeldung, die Unterschätzung der Teilnehmerzahlen, das viel zu geringe Polizeiaufgebot und in der Konsequenz die massiven Ausschreitungen erst ermöglicht. Ein polizeilicher Staatsschützer hatte behauptet, man gehe von 10 Prozent Rechten unter den Teilnehmern aus. Gegenüber der Welt verstieg sich die Polizei gar zu der Behauptung, dass auch dezidiert sich als links bezeichnende Hooligans in Köln zu erwarten gewesen seien.

Bisher haben sich die Hamburger Sicherheitsbehörden mit derart steilen Thesen zurück gehalten. Allerdings, auch hier hat man die Schnittmengen aus rechten Hooligans, Neonazis, Rechtsrockern und sich bürgerlich gebenden Muslimfeinden bisher nur ungenügend im Blick gehabt. Der staatliche Blick war in der Vergangenheit vor allem auf partei-politisch oder kameradschaftlich geprägte Szenen gerichtet. So wird im aktuellen Verfassungsschutzbericht auch ein Rückgang der rechtsextremistischen Szene für Hamburg konstatiert.

Die extrem antimuslimische Szene ist, sofern sie sich nicht explizit auch anti-staatlich, also die so genannte FDGO in „extremistischem“ Sinne gefährde, kaum im Fokus. Islamhasser wie die Identitäre Bewegung, der Blog PI-News, oder die German Defense League werden im Hamburger VS-Bericht überhaupt nicht erwähnt. Auch einschlägige Hooligan-Gruppen oder die Szene der Rechtsrockfans finden wenig Beachtung. Zu HogeSa und ihren regionalen Untergruppen gibt es bisher keine dezidierte Einschätzung. Die Musikgruppe „Kategorie C“, welche in Köln die Begleitmusik zur Randale lieferte, durfte in der Vergangenheit in Hamburg sogar mehrmals in städtischen Räumen spielen, während sie z.B. in Bremen Auftrittsverbot bekam.

Tausende Anmeldungen in kürzester Zeit

Schon nach einem Tag überschlugen sich auf der Facebookseite des geplanten Aufmarsches von „Hooligans gegen Salafisten“ (HogeSa) die Anmeldungen. Unter den über 6.000 Personen, welche dort am Dienstag unter „Zusagen“ ihre Teilnahme bekunden, befinden sich, als kleine Auswahl vorgestellt: Claus Döring und Tatjana Festerling, zwei Personen, welche im Mai für die „Alternative für Deutschland“ zu den Bezirkswahlen in Hamburg kandidierten, nebst weiteren AfD-Aktivisten, wie Daniel Buhl aus Schleswig-Holstein. Festerling und Döring waren nach eigenen Angaben schon in Köln dabei und berichteten begeistert darüber.

Auch mindestens zwei Mitglieder der Hamburger Burschenschaft Germania bzw. der Schülerburschenschaft Chattia Friedberg zu Hamburg, haben zugesagt. Eingeladen sind aber beispielsweise auch die rechten AfD-Bürgerschaftskandidaten Jens Eckleben und Kay Gottschalk, nebst den Identitäten Lüneburg, die als Nachfolge Gruppe der Hamburger Identitäten angegeben wurde, sowie der Ex-Hamburger Matthias Faust von der NPD. Für den Hamburger Landesverband der NPD ist es sowieso Ehrensache zu dem Aufmarsch zu mobilisieren. Er halluziniert gar „eine neue Bewegung aller Deutschen“ herbei. Der Bundesverband der Nazipartei lobte bereits die Kölner Veranstaltung.

Auch auf dem immer noch größten Naziportal Altermedia, sowie auf vielen einschlägigen Facebook- und Internetseiten wird nun nach Hamburg mobilisiert. Überregional angekündigt haben sich neben rechten Fußballhooligans und Gruppen aus Braunschweig, Leipzig und Fans vom FC Schalke 04 auch Nazi-Kameradschaften wie „Ag Weserbergland“, „Ag Nordheide“, die „Weisse Wölfe Terrorcrew“ (WWT- Hamburg, Ost und „Helvetia“), „Brigade 8“ sowie Burschenschafter, Anhänger_innen der „Identitären Bewegung“, Neonaziskinheads und Gruppierungen wie „Skinheads Uelzen“ oder die Band Kategorie C sowie „Blood & Honour“ Niederlande. Zwar hat sich der bekannte Hamburger Alt-Hooligan und Ex-NPD-Kader Thorsten de Vries szene-öffentlich von dem geplanten Aufmarsch und HogeSa distanziert, doch bleibt abzuwarten, wie groß sein Einfluss in der Hooligan-Szene noch ist. Große Teile des übrigen Spektrums sind aber wild entschlossen nach Hamburg zu kommen.

HogeSa-Aufmarsch in Köln (Foto: Felix M. Steiner)
HogeSa-Aufmarsch in Köln (Foto: Felix M. Steiner)

Wenn die Behörden den Hooligan-Aufmarsch oder auch nur eine Kundgebung genehmigen, dann kommt in Hamburg das Spektrum zusammen, welches sich durch den Kampf gegen alles Fremde und „Undeutsche“ geeint fühlt. Der NPD-Kader, neben der AfD-Kandidatin, der elitäre Burschenschafter neben dem Proll-Hooligan und der Rechtsrocker neben dem PI-Blogger. Noch beflügelt durch die Gewaltexzesse in Köln, wird dann auch in Hamburg mit mehreren Tausend Teilnehmern zu rechnen sein.

Der Aufmarsch soll, so die ursprüngliche Planung, vom Hamburger Schanzenviertel in den Stadtteil St.Georg führen. Der Auftaktort steht im rechten Feindbild für die verhasste autonome und antifaschistische Szene nebst Roter Flora, während man am Ziel gegen die rot-grüne „Multi-Kulti-Gesellschaft“ hetzen wird, vor allem aber gegen die vielen Muslime im Stadtteil. Der Anmelder ist laut Polizei bisher nicht einschlägig bekannt, wird also auch wenig Erfahrung im Umgang mit der Versammlungsbehörde und im juristischen Umgang mit den Gerichten haben. Da die Stadt den braunen Spuk wahrscheinlich zu verbieten sucht, kann auch damit gerechnet werden, dass dann neonazistische Expertise bei erfahrenen Kadern wie NPD-Landeschef Thomas Wulff, Christian Worch, dessen Partei Die Rechte in Köln maßgeblich dabei war, oder bei Rechtsanwältin Gisa Pahl gesucht wird, nachdem der angefragte de Vries ablehnte.

Egal, ob aber nun offizielle Anmeldung oder Aufmarschleitung durch diese Kader beeinflusst werden, der Aufmarsch wird, mehr noch als in Köln, durch die Neonaziszene geprägt werden, welche die größte Erfahrung mit „Politik auf der Straße“ hat.

Der Autor dankt Hamburger AntifaschistInnen für die Hilfe bei der Recherche.

*Aktualisierung: Nach Angaben der Hamburger Polizei hat der Anmelder die geplante Demonstration abgesagt. Ob es einen anderen Anmelder gibt, ist derzeit unklar.

Hooligan-Demo in Köln: Gelungener Polizeieinsatz?

Fast 5.000 rechte Hooligans waren am vergangenen Sonntag nach Köln gereist. Es kam im Verlauf der Demonstration zu schweren Ausschreitungen, fast 50 Polizisten wurden verletzt. Nun ziehen die Polizeiführung und der Innenminister ein positives Fazit. Kaum zu glauben. 

von Felix M. Steiner

Fast 5.000 Hooligans reisten vergangenen Sonntag nach Köln, Foto: Felix M. Steiner
Fast 5.000 Hooligans reisten vergangenen Sonntag nach Köln, Foto: Felix M. Steiner

Nach den schweren Ausschreitungen von rechten Hools in Köln ist der Polizeieinsatz zu einem Politikum geworden. Die Polizeiführung, Nordrhein-Westfalens Innenminister Jäger und der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sind sich einig: Das Konzept der Polizei habe funktioniert und sei ein voller Erfolg gewesen, man habe genau mit dieser Zahl an Demonstranten gerechnet und sei gut vorbereitet gewesen. Unter „polizeilichen Aspekten, war dies ein „gelungener Einsatz“, so Wendt am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin.

Die Erfolgsmeldungen klingen wie die Selbstbeweihräucherung der Polizei- und der politischen Führung. Mit den Erfahrungen vor Ort sind diese kaum überein zu bringen. Insgesamt wurden in Köln 49 Polizisten verletzt und mehrere Einsatzfahrzeugen beschädigt. Die Kölner Innenstadt wurde zur No-Go-Area für alle Menschen, die zum Feindbild der rechten Hools gehören. Auch Reisende berichten, am Hauptbahnhof seien überall Gruppen von rechten Schlägern unterwegs gewesen. Bereits die Züge, mit denen Hooligans aus der Umgebung anreisten, waren komplett ohne Polizeibegleitung unterwegs. Bei einer Schlägerei nur wenige Meter hinter den Absperrungen der Polizei am Rande der Demonstration wurde ein Mann bewusstlos geschlagen, mutmaßlich gab es weitere ähnliche Vorfälle, die in keiner Statistik auftauchen werden.

Und was die Zahl der erwarteten Demonstranten angeht: Wirft man einen Blick in die Berichterstattung von der Demonstration, spricht der Polizeipressesprecher konsequent von erwarteten 1.500 Demonstrationsteilnehmern. Nun ist plötzlich von einer „präzisen“ Einschätzung von rund 4.000 Teilnehmern die Rede. Nur der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei Nordrhein-Westfalen, Arnold Plickert, sagte, er habe höchstens mit 2.000 Hooligans gerechnet und widerspricht den Kollegen der Einsatzführung.

Der WDR zitiert nach seinen Recherchen einen am Einsatz beteiligten Polizisten, der diese These bestätigt:

Wir hatten keine Chance uns Strategien auszudenken. Es herrschte das reinste Chaos. Mit einem Beamten auf drei Demonstranten waren wir absolut in Unterzahl. Die Demonstranten sind uns durch Nebenstraßen entwischt, um zu einer Gegendemonstration zu kommen. Das ist ihnen teilweise auch gelungen, weil wir zahlenmäßig weit unterlegen waren. Es gab auch nicht mehr Beamte. Kollegen waren bereits aus dem Urlaub geholt worden. Das liegt leider an dem Sparkurs der Landesregierung. Ich fühle mich verhöhnt vom Innenminister wenn er sagt, dass der Einsatz gut gelaufen ist.

Gelungene Polizeistrategie?, Foto: Felix M. Steiner
Gelungene Polizeistrategie?, Foto: Felix M. Steiner

Wie aus Gesprächen mit Polizisten vor Ort zu erfahren war, gehörte die zu Beginn anwesende sehr geringe Zahl an Polizisten zum Deeskalationskonzept der Polizei. Hooligans und Neonazis konnten sich rundum frei bewegen. Zu spüren bekamen dies vor allem Journalisten. So intonierten die Demonstranten schon sehr früh „Lügenpresse auf die Fresse“ oder „deutsche Presse halt die Fresse“. Eine Journalistin wurde bereits vor der ersten Eskalation bedrängt und übel beleidigt. Erst nach vielfachen Beleidigungen sah sich ein Polizist genötigt, einen Hooligan anzufahren, dass jetzt aber „Ruhe sei“.

Auch ich wurde von einem Hooligan bedroht: Wenn Bilder auftauchen sollten, würde er mich „abschlachten“, so der junge völlig betrunkene Demonstrant. Ein freies Arbeiten war dann kaum mehr möglich. Die aufgeheizte Stimmung nach der ersten Eskalation war für viele Kollegen auch Anlass, sich hinter die eilig errichteten Polizeiabsperrungen zurückzuziehen und deutlichen Abstand zur Demonstration zu halten. Der erfolgreiche und gut vorbereitete Einsatz, den nun die Verantwortlichen herbeireden, war vor Ort nicht zu erkennen. Ohne die Arbeit der anwesenden Polizisten wäre es wohl auch zu deutlich mehr Übergriffen auf Journalisten gekommen.

Teils verlor die Polizei die Kontrolle am Sonntag, Foto: Felix M. Steiner
Teils verlor die Polizei die Kontrolle am Sonntag, Foto: Felix M. Steiner

Das, was in Köln bereits auf der Straße zu erleben war, setzte sich in den Zügen fort. Hunderte betrunkene Hooligans beleidigten Mitreisende und randalierten, wie Zeugen berichten. Eine polizeiliche Begleitung gab es nicht.

Die Auswertung der polizeilichen und politischen Führung scheint viel mehr der Versuch, politische Schadensbegrenzung zu betreiben. Damit soll verschleiert werden, dass man die Gefahr von rechts unterschätzt hat. Mal wieder.

HoGeSa: Die alte Garde meldet sich zurück

Mit ihrer Demonstration in Köln haben rechtsradikale Hooligans ein Comeback in der überraschten Öffentlichkeit gefeiert. Der Innenminister von NRW blamiert sich nach Kräften, während die „Hooligans gegen Salafisten“ neue Demos planen. Sie orientieren sich dabei an einem Konzept aus Großbritannien. 

Von Patrick Gensing

Die Reaktionen bei den Anhängern der „Hooligans gegen Salafisten“ auf die Demonstration in Köln sind geteilt. Einerseits freut man sich über die vielen Teilnehmer und die große Aufmerksamkeit, andererseits fühlen sich viele von den Medien zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt. Einige ärgern sich über die Teilnahme vieler Neonazis an dem Aufmarsch unter dem Motto „In den Farben getrennt, in der Sache vereint“.

Die „Hooligans gegen Salafisten“ sind keine feste und einheitliche Gruppierung – auch nicht politisch. Doch die Organisatoren orientieren sich offenkundig an dem Konzept der English Defense League. Die EDL wurde vor einigen Jahren von Hooligans gegründet und lässt sich ideologisch der rassistischen Islamkritik einordnen, die an verschiedene politische Milieus anknüpfen kann. Ähnlich wie Anders Breivik sieht man das eigene Land in einem Abwehrkampf gegen eine Islamisierung und will nun auch selbst Hand anlegen. Dementsprechend marschierte die EDL beispielsweise vor Geschäften auf, in denen Halal-Produkte angeboten werden. Über die EDL konnten nicht nur ideologische Fanatiker, sondern auch aktionsorientierte Hooligans oder Stammtischrassisten erreicht werden.

Keine feste Organisation

Das Bemerkenswerte an der EDL und auch an den HoGeSa ist, dass keine feste Organisationsstruktur existiert. Damit ist die Gruppierung kaum zu greifen und schwer einzuschätzen. Die Kommunikation und Mobilisierung läuft über das Netz, auch Verbote von Aktionen könnten so ins Leere laufen. Das Angebot ist sehr niedrigschwellig und damit attraktiv für Leute, die sich nicht kontinuierlich binden wollen.  In Facebook-Gruppen wurde bereits über neue HoGeSa-Aufmärsche in Hamburg oder Berlin spekuliert. Angeblich wollen die Hools am 15. November in der Hansestadt marschieren und ausgerechnet am 9. November in Berlin.

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Sicherlich werden dann noch mehr Neonazis dabei sein. In Köln waren bereits zahlreiche Kader von NPD, Die Rechte oder Kameradschaften dabei, auf den einschlägigen Seiten wird die Demonstration in den höchsten Tönen gelobt. Spannend dürfte werden, wie die Hooligans auf eine möglicherweise verstärkte Präsenz von Parteifahnen reagieren. Bislang hatte die rechte Hool-Szene stets auf den Trick gesetzt, sich selbst als „unpolitisch“ zu präsentieren und zu behaupten, erst linke Fans oder Ultras hätten die Politik ins Stadion getragen. Tatsächlich war der Antirassismus eine Reaktion auf die unwürdigen Zustände in deutschen Kurven in den 1980er und 1990er Jahren. Die nachwachsende Generation von Fans und Ultras drängte viele alte Hools zurück, in einigen Stadien wurden sie aus dem Stadion vertrieben – oder auch mit Hausverboten belegt.

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Nun sind die alten Hools zurück. Die politische Verortung als rechtsradikal und rassistisch haben die „HoGeSa“ durch den Auftritt in Köln nachhaltig bestätigt. Parolen wie „Ausländer raus!“ oder „Hier marschiert der Nationale Widerstand“ schallten aus dem Demozug, die rechte Hoolband „Kategorie C“ liefert den pathetischen Soundtrack. Mehrere Kollegen berichteten von Angriffen und Drohungen gegen Journalisten, so wie sie von Neonazi-Aufmärschen bekannt sind. Die Kundgebung war von einem Funktionär der Partei Pro NRW angemeldet worden. Zudem beteiligten sich wie erwähnt Funktionäre rechtsextremer Parteien aus mehreren Bundesländern an der Demonstration – beispielsweise aus NRW, Hessen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen.

Die BILD-Zeitung behauptete hingegen, bei HoGeSa handele es sich um ein Sammelsurium verschiedener Gruppen – unter anderem seien Muslime und Linksradikale dabei. Neonazis würden sich nur unter die Leute mischen. Ein Staatsschützer sagte, man gehe von 10 Prozent Rechten unter den Teilnehmern aus. Was die restlichen 90 Prozent gewesen sein sollen, bleibt unklar. Unpolitisch? Links?

Die BILD hat ihre ganz eigene Definition von HoGeSa: Eigentlich seien das Muslime und Linksradikale, Neonazis hätten sich unter die Menge gemischt.
Die BILD hat ihre ganz eigene Definition von HoGeSa: Eigentlich seien das Muslime und Linksradikale, Neonazis hätten sich unter die Menge gemischt.

Viel Kritik musste sich indes NRW-Innenminister Ralf Jäger gefallen lassen. Der „rote Sheriff“ hatte verkündet, in Köln habe das Konzept der Polizei funktioniert – obgleich es stundenlange Auseinandersetzungen gab und mehr als 40 Beamte verletzt worden waren. Angesichts des Polizeiaufgebots bei unproblematischen Bundesligaspielen erschien das Aufgebot bei von der Polizei erwarteten 4000 gewaltbereiten Hooligans zudem relativ übersichtlich.

Die Hools dürften nun mit neuem Selbstbewusstsein versuchen, ihren Platz in den Kurven zurück zu erobern. Dass es aber Überschneidungen zwischen Rechtsextremen und Hoolgruppen gibt, ist nicht neu, sondern aus mehreren Städten seit Jahren bekannt – fast schon Tradition. Die rechten Hools waren aus einigen Kurven nie verschwunden, allerdings traten sie öffentlich weniger in Erscheinung.  Für die Hools ist die Demo in Köln daher auch die Selbstbestätigung, dass die Szene noch lebt. Ein Kommentator schrieb auf der Facebook-Seite von „HoGeSa“, er hoffe „wirklich, dass wir Deutschen nun endlich wieder eng zusammen stehen und dieser Drecksbrut zeigen, wie hart deutscher Stahl ist“.

Endlich wieder der härteste Mob sein: Kommentar bei HoGeSa
Endlich wieder der härteste Mob sein: Kommentar bei HoGeSa

Ob dieser „deutsche Stahl“ allerdings auch für eine dauerhafte Verbindung zwischen eigentlich verfeindeten Hool-Gruppen taugt, muss abgewartet werden. Die Demonstration in Köln kann ein Fanal für die Bewegung werden, sie können sich aber auch schnell wieder zerstreiten. Ein Punktsieg war der Aufmarsch auf jeden Fall. Denn die Hools überrumpelten die Polizei: Sie konnten trotz zahlreicher Verstöße gegen die Auflagen, trotz Gewalttaten und Ausschreitungen durch Köln ziehen.

Eine „neue Qualität der Gewalt“, so wie sie die Gewerkschaft der Polizei erkannt haben will, ist das aber noch nicht. In den vergangenen 20 bis 30 Jahren hatten rechte Hools beispielsweise Spiele der Nationalmannschaft immer wieder genutzt, um gemeinsam loszuschlagen. Der Aufmarsch in Köln ist das Comeback der alten Hool-Bewegung, die ein neues Feindbild gefunden hat.

Eskalationen in Köln: Neonazis und Hooligans Hand in Hand

Zwischen 3.000 und 4.000 Hooligans haben in Köln gegen Salafisten demonstriert. Schon wenige hundert Meter nach Beginn der Demonstration eskalierte die Veranstaltung. Es kam zu schweren Angriffen auf Polizei und Presse. An der Demo nahmen bekannte Neonazis teil, zudem skandierten Teilnehmer rechtsextreme Parolen.

Von Felix M. Steiner

Schon ab kurz nach 13.00 Uhr sammelten sich auf dem Breslauer-Platz hinter dem Kölner Hauptbahnhof hunderte Hooligans und Neonazis. Zahlreiche Teilnehmer der Veranstaltung waren stark alkoholisiert und schon zu Beginn äußerst aggressiv. Schon vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung war klar, dass die Zahl der angereisten Teilnehmer weit über den angemeldeten 1.500 liegen würde. Am Ende waren es zwischen 3.000 bis 4.000 Hooligans, die es nach Köln zog.

Aus der gesamten Bundesrepublik und aus dem Ausland waren die vermeintlichen Salafistengegner nach Köln gereist. Unter den Hooligans befanden sich Neonazis aus zahlreichen Bundesländern: Von Berlin über Bremen, von Thüringen über Niedersachsen waren die Teilnehmer gekommen. Eröffnet wurde die Veranstaltung mit der rechten Hooliganband „Kategorie C“, die die Stimmung weiter aufheizte.

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Nur wenige hundert Meter nach Beginn der Demonstration wurden bereits Journalisten eingeschüchtert. Eine Journalistin wurde als „Fotze“ beschimpft und massiv bei der Arbeit behindert. Anderen Journalisten wurde gedroht, dass sie bei Auftauchen von Bildern „abgeschlachtet“ werden würden.

Weder die Ordner noch die Polizei hatte die Lage unter Kontrolle. Aufgrund der Deeskalationsstrategie der Polizei waren nur wenige Einsatzkräfte direkt vor Ort. Aus der Demonstration schallten immer wieder extrem rechte Parolen wie „Hier marschiert der nationale Widerstand“ oder „Frei, sozial, national“. Nur wenige Minuten nach dem Start der Demonstration eskalierte die Lage massiv. Hooligans griffen ein Haus mit Steinen und Flaschen an, was sich nur wenig später wiederholte. Auch Polizisten wurden bereits zu Anfang massiv mit Wurfgeschossen attackiert. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Pfefferspray ein.

Im Zuge der ersten Eskalationen löste die Polizei die Demonstration auf, erlaubte den Hooligans aber weiter ihre Route zu laufen. Am Bahnhof kam es erneut zu heftigen Eskalationen. Polizisten wurden mit Gegenständen beworfen und erneut wurde Pfefferspray und Wasserwerfer eingesetzt. Dabei kam es zu erheblichen Beschädigungen rund um den Kölner Hauptbahnhof. Ein Polizeiauto wurde von den Hooligans auf die Seite gekippt. Mehr als 40 Polizisten wurden verletzt, einer davon schwer.

Kampf gegen Rassismus: Strafen der UEFA kontraproduktiv?

Die Organisation Football Supporters Europe (FSE) hat die UEFA dringend dazu aufgerufen, ihre Disziplinarregularien zu überdenken. Anlass sind die Sanktionen gegen Steaua Bukarest und CSKA Moskau, die Spiele ohne Zuschauer austragen mussten. FSE meint, dass die neuen, strengeren Regularien, die Rassismus bekämpfen sollen, langfristig kontraproduktiv sind im Kampf gegen Diskriminierung im Fußball. Wir dokumentieren den Aufruf.
 
Sowohl Steaua Bukarest als auch CSKA Moskau wurden aufgrund von rassistischem Verhaltens ihrer Fans bei einem früheren Spiel mit einem Spiel vor leeren Rängen auszutragen. Diese Strafe betraf allerdings auch Tausende Fans von Bayern München und Aalborg, unter ihnen auch viele FSE-Mitglieder, die nichts mit den Fanszenen und irgendeinem der den Strafen zugrunde liegenden rassistischen Vorfälle, zu tun hatten.
Des Weiteren hatten Hunderte Bayern und Aalborg Fans bereits ihre Flüge und Unterkünfte gebucht und blieben nun auf diesen Kosten sitzen, ohne die Aussicht auf Entschädigung, und haben keine Chance das Spiel ihrer Mannschaft zu sehen. FSE-Mitglieder von Bayern München, Fanvertreter aus Aalborg und die dänische nationale Fanorganisation DFF haben eine konstruktive Lösung und einen Dialog mit der UEFA gesucht. Gemeinsam, so die Idee sollte bei einem Treffen diskutiert werden und idealerweise Lösungen entwickelt werden.

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Dass die UEFA die Gelegenheit zu einem direkten Treffen mit den betroffenen Auswärtsfans und den Vorschlag zumindest den Fans einen Stadionbesuch zu ermöglichen, die bereits ihre Reise gebucht hatten und damit am stärksten (unschuldig) betroffen waren, ist für uns eine große Enttäuschung. Und als ob dies nicht schon schlimm genug wäre, haben UEFA Vertreter mit weiteren Strafen gedroht, nachdem Bayern Fans angekündigt hatten ihr Missfallen und ihren Protest hierüber mittels Bannern im Stadion bei einem nächsten europäischen Spiel kundzutun.
Eine der größten Fangruppen bei Bayern München, die Ultragruppe “Schickeria”, hat gerade erst als Anerkennung ihrer herausragenden Arbeit gegen Diskriminierung einen Preis des Deutschen Fußball Bundes (DFB), im Übrigen ein UEFA-Exekutiv-Komitee-Mitglied, verliehen bekommen. Doch genau diese anti-rassistischen Fans „erhielten“ nun vom UEFA Disziplinar-Ausschuss eine Strafe, die sie mit genau jenen in einen Topf wirft, deren Gesinnung sie normalerweise entgegen treten.
Um eines klarzustellen: als Fans, die in FSE organisiert sind, positionieren wir uns gegen sämtliche Formen von Diskriminierung, sowohl innerhalb, als auch außerhalb der Stadien und wir sind in keinster Weise prinzipiell gegen Strafen. Nichtsdestotrotz beobachten wir gerade im Moment, dass die verschärfte “Null-Toleranz”-Politik der UEFA in Bezug auf Diskriminierung eine sehr kontra-produktive Entwicklung zur Folge hat: sowohl Fans, als auch Klubs und Verbände reden kaum noch über die rassistischen Vorfälle oder deren Verursacher, aber um so mehr über die Sanktionen, die eine große Zahl unbeteiligter Fans treffen und die als unverhältnismäßig und ungerecht angesehen werden.  Die Konsequenz: die UEFA und/oder anti-rassistische Fußballorganisationen werden als Überbringer der Nachricht in erster Linie an den Pranger gestellt.

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Des weiteren sehen wir aufgrund des derzeitigen Systems bei anti-rassistischen Fans eine schwindende Bereitschaft, solche Strafen zu unterstützen und rassistische Vorfälle zu beobachten und zu melden. Der Grund hierfür ist denkbar logisch: Fans sind eher abgeneigt diskriminierende Vorfälle zu melden und Sanktionen zu unterstützen, wenn sie daraufhin indirekt für kollektive und undifferenzierte Strafen verantwortlich wären, die sie selbst, ihre eigenen (antirassistischen) Freunde und Mitfans treffen könnten.
Aber damit nicht genug: Die letzten Entwicklungen zeigen, dass das gegenwärtige, neue System keinesfalls Anstoß für Verbesserungen innerhalb der Fanszenen der betroffenen Vereine gibt: alleine seit Beginn dieser Saison sind Fans von CSKA Moskau bereits zwei weitere Male aufgrund von teils massiv rassistischen und gewalttätigen Verhalten bei Spielen auf europäischer Ebene in die Schlagzeilen geraten.

Schwerpunkt auf Bewährungsmöglichkeiten

Wir glauben fest daran, dass statt des gegenwärtigen Systems mit seinem Fokus auf harte Strafen und Kollektivbestrafungen ein transparenteres, abgestuftes, ausgeglichenes und damit verhältnismäßiges und effizienteres Bestrafungssystem nötig ist. Ein solches sollte seinen Schwerpunkt auf Bewährungsmöglichkeiten bei gleichzeitiger Auflage, langfristigen Aktionsplänen und pädagogischen Maßnahmen für Klubs und Fans legen. Diese sollten eine starke Unterstützung der lokalen Fanszene und anderer Akteure, die sich dort schon jetzt gegen Diskriminierung engagieren, beinhalten.  Wir glauben, dass ein solches, besser abgestuftes, System eher in der Lage sein wird unser gemeinsames Ziel zu erreichen: einen glaubwürdigen Einsatz gegen Diskriminierung im Fußball von Seiten aller relevanten Parteien.
Während wir anerkennen, dass die UEFA angeboten hat, in näherer Zukunft erneut mit FSE über dieses Thema zu diskutieren, sind wir vom Grad der Gleichgültigkeit und Ignoranz entsetzt, wie er sich gerade im Umgang mit den engagierten Fans zeigt, die von diesem sehr problematischen System unschuldig betroffen sind, welches ganze Fanszenen für die Handlung eine Minderheit bestraft.  Wir fordern die UEFA daher auf, die Sichtweise von Fans, die sich ebenfalls gegen Diskriminierung im Fußball engagieren, zu dieser Problematik unbedingt schnellstens einzubeziehen.
Gemeinsam mit unseren Mitgliedern und Unterstützern, und nicht nur mit denen, die in diesem Jahr in europäischen Wettbewerben spielen, diskutieren wir im Moment unsere weitere Vorgehensweise und Aktionen, welche wir demnächst bekannt geben werden. In der Zwischenzeit rufen wir alle Fangruppen in Europa dazu auf, auch weiterhin ihre Stimme für einen Fußball ohne Diskriminierung zu erheben – aber auch gegen die UEFA-Politik der Kollektivbestrafungen, die alle Fans als Problem betrachtet.“