Leipzig: Ausschreitungen und kein Neonazi-Aufmarsch in Connewitz

Rund 150 Neonazis marschierten am Samstag durch die Südvorstadt in Leipzig, nicht in Connewitz. Die rund 500 Meter lange Strecke konnte allerdings ohne größere Störungen gelaufen werden. Am Rande des Neonazi-Aufmarsches kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Gegendemonstranten.

Von Felix M. Steiner

Foto: Felix M. Steiner
Foto: Felix M. Steiner

„Connewitz, wir sind da, eure Anti-Antifa“ brüllten die angereisten Neonazis schon zu Beginn ihres Aufmarsches. Dass sie gar nicht in dem von ihnen beabsichtigten linksalternativen Stadtteil Connewitz liefen, schien ihnen wohl nicht bekannt zu sein oder sie nicht zu interessieren. Auch in den sozialen Netzwerken behaupten die Organisatoren der Demonstration nach wie vor, heute in Connewitz gewesen zu sein. Vor allem aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen waren die Teilnehmer der extrem rechten Demonstration nach Leipzig gekommen. Die angereisten Teilnehmer waren offenbar auf Zusammenstöße eingestimmt und zeigten sich seit ihrer Ankunft teils äußerst aggressiv. Mobilisiert hatten „Die Rechte“, die „Offensive für Deutschland“ und Neonazis aus dem Umfeld der „Thügida“ aus Thüringen, die auch den Lautsprecherwagen stellten.

Neonazis kurz vor Beginn des Aufmarsches, Felix M. Steiner
Neonazis kurz vor Beginn des Aufmarsches, Felix M. Steiner

Kurzfristig waren ihre drei angemeldeten Demonstrationen zu einem Aufmarsch zusammengefasst und in die Südvorstadt in Leipzig verlegt wurden. In direkter Nachbarschaft zwar, aber eben nicht in Connewitz. Dennoch fantasierten die Neonazis, „Connewitz ist heute national“ und ähnliche Parolen herbei. Ihre rund 500 Meter lange Strecke konnten die extrem Rechten dann allerdings ohne größere Störung laufen. Eine Blockade im Vorfeld wurde von der Polizei geräumt und auch ein spontaner Blockade-Versuch wurde durch das schnelle Eingreifen der Polizei verhindert.

Foto: Felix M. Steiner
Foto: Felix M. Steiner

Am Rande kam es zu einigen Böllerwürfen auf die Neonazi-Demonstration und aus der Demonstration. Die Polizei hatte den Bereich des Aufmarsches weiträumig abgesperrt und teils schweres Gerät aufgefahren, um die rechte Demonstration abzusichern. Am Rande wurden immer wieder Journalisten durch Neonazis bedrängt und beleidigt. Zu größeren Übergriffen kam es allerdings nicht.

Schwere Zusammenstöße zwischen Gegendemonstranten und Polizei

Über den Tag verteilt kam es immer wieder zu teils schweren Zusammenstößen zwischen radikal linken Demonstranten und der Polizei. Laut Polizei seien rund 1.000 Personen an den Ausschreitungen beteiligt gewesen. Bereits gegen Mittag errichteten Demonstranten in der Karl-Liebknecht-Straße einzelne kleinere Barrikaden.

Foto: Jens Volle / www.beobachternews.de
Foto: Jens Volle / www.beobachternews.de

Bei den Zusammenstößen mit der Polizei wurde dabei ein Demonstrant schwer verletzt und musste von einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden. An mehreren Stellen errichteten Demonstranten im Laufe des Nachmittags weitere – teils brennende – Straßen-Barrikaden.

Brennende Barrikaden in Leipzig, Foto: Presseservice-Rathenow
Brennende Barrikaden in Leipzig, Foto: Presseservice-Rathenow

Die Polizei setzte zahlreiche Wasserwerfer und Räumpanzer ein. Schon am Nachmittag kam es auch zum massiven Einsatz von Tränengas, welches in ganzen Straßenzügen wahrzunehmen war.

Steine gegen Wasserwerfer, Foto: Presseservice-Rathenow
Steine gegen Wasserwerfer, Foto: Presseservice-Rathenow

Am frühen Abend eskalierte die Lage auf der Kreuzung Kurt-Eisner-Straße/Karl-Liebknecht-Straße erneut. Als die Polizei versuchte, den Platz zu räumen, wurde sie mit Steinen und Flaschen angegriffen. Dabei wurden vier Wasserwerfer und erneut massiv Tränengas zur Räumung des Areals eingesetzt. Auf der Karl-Liebknecht-Straße wehte der Wind das Tränengas in die Polizeireihen zurück, die sich daraufhin kurz zurückziehen mussten. Gegen 18 Uhr beruhigte sich die Lage weitestgehend. Leipzigs Bürgermeister Jung sprach im Nachgang von „Offenem Straßenterror“ in Bezug auf die Ausschreitungen.

Die Polizei setzte massiv Tränengas in Leipzig ein, Foto: Felix M. Steiner
Die Polizei setzte massiv Tränengas in Leipzig ein, Foto: Felix M. Steiner

3 thoughts on “Leipzig: Ausschreitungen und kein Neonazi-Aufmarsch in Connewitz

  1. Hallo Herr Steiner,

    warum jubeln Sie der Polizei solche Sätze unter:

    „…….um die rechte Demonstration abzusichern“.

    Den Neonazis kommt es darauf an „Flagge zu zeigen“. Das erreichen die am besten dadurch, indem sie verschlagen genug, es den radikale Gegendemonstranten, die sich unter friedliche Demonstranten mischen überlassen, den Stunk mit der Polizei anzufangen. Die Nazis und die rotlackierten Faschisten haben es nicht auf einander abgesehen, die haben es GEMEINSAM auf die verhasste westliche, parlamentarische Demokratie abgesehen.

    Anmerkung Felix M. Steiner:

    Unterjubeln? Das ist die Aufgabe der Polizei, sie sichert Demonstrationen.

    Zitat:

    „Eine Blockade im Vorfeld wurde von der Polizei geräumt und auch ein spontaner Blockade-Versuch wurde durch das schnelle Eingreifen der Polizei verhindert.“

    Zitat Ende

    Wollen Sie, dass die Polizei weg bleibt und sich der braune Mob und rotlackierte Faschisten plündernd durch die Straßen ziehend, friedlichen Gegendemonstranten, Passanten und sich gegenseitig die Kehlen durchschneiden?
    Beide, die Nazis und die rotlackierten Faschisten erreichen ihr Ziel nur GEMEINSAM. Die haben ein evil greement, die verhasste (westliche) Demokratie zu diskreditieren, am besten dadurch, indem seriöse Medien drauf reinfallen und die Sache des Mobs mit Säten betreiben, die den nachgeordneten Vollzugsorganen der Executive, der verhassten westlichen parlamentarischen Grundordnung unterstellt, Nazidemonstrationen schützen zu wollen.

    Anmerkung Felix M. Steiner:

    Der Artikel ist ein Bericht vom 12. Dezember in Leipzig. Es ist so geschehen und hat nichts damit zu tun, was ich will. Die Polizei hat zwei kleinere Blockaden geräumt.

  2. So wie es jetzt auisschaut, werden wir genau dieses Szenario am 21.12 auch in Dresden geboten bekommen, denn L.Bachmann will mit Pegida in die Neustadt!

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