Pegida-Pirincci bei brauner Burschenschaft

Akif Princci Lesung Germania

Harte Burschen und ein Pegida-Pöbler – gemeinsam kämpfen sie gegen die „Verschwulung“ Deutschlands. Am Sonnabend, den 5. Dezember, liest Akif Pirincci aus seinem jüngsten Werk vor – im feinen Hamburg-Winterhude.

 Von Felix Krebs

Der islamfeindliche Autor Akif Pirincci ist erneut bei der extrem rechten Hamburger Burschenschaft Germania zu einem Vortrag eingeladen. Während er im vergangenen Jahr sein Buch „Deutschland von Sinnen“ in Gossensprache den Schmissträgern und anderen Vertretern des verrohten Bürgertum Hamburgs vorstellen durfte, referiert er nun zu seinem neusten Werk „Die große Verschwulung“. Seine Gastgeber, vor denen seit 2014 auch Hamburgs Inlandsgeheimdienst öffentlich warnt, geben sich derweil kaum noch Mühe, ihre offenkundig neofaschistischen Absichten zu kaschieren. Man bezieht sich inzwischen auf Vorbilder aus der nationalsozialistischen Wehrmacht und der SA.

Spätestens seit seiner Rede bei der Pegida-Jubiläums-Veranstaltung am 19. Oktober 2015, welche laut Pirinccis Vorankündigung eine „Wutrede“ sein werde, die „in diesem Land Maßstäbe setzen wird“, ist der Autor als extrem rechter Hetzer bundesweit bekannt. Seine Aussage „aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb“, führte zu Empörung und Strafanzeigen. Zwar hatte Pirincci den Satz nach eigenem Bekunden nicht auf Geflüchtete bezogen, er war jedoch so missverständlich vorgetragen, dass sowohl viele seiner Pegida-Jünger, als auch viele Medien diesen Satz so verstanden. Das Internationale Auschwitzkomitee bezeichnete die Aussage als „widerliches Signal der Schamlosigkeit“.

Außerdem hetzte Pirincci reichlich gegen Geflüchtete und besonders Muslime. Begriffe wie „Umvolkung“ und die Halluzinierung eines „Vergewaltigungsfrühling“ sowie einer „Moslemmüllhalde“ in Deutschland sind nur einige Beispiele. Einigen Hamburger Burschenschaftern könnte Pirinccis Rede im Original bekannt sein, gehören Germanen doch seit einem Jahr zu den Demonstranten der völkischen Aufmärsche in Dresden.

Laut Pirinccis Aussagen hatte Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling den antiislamischen Hetzer für die Kundgebung in Dresden geworben. Persönlich kennt er die „gute Freundin“ offenbar seit seinem Besuch bei der Hamburger Burschenschaft Germania im letzten Jahr. Auch gegen Festerling wird inzwischen wegen Volksverhetzung ermittelt. Die damalige Veranstaltung wurde nicht nur von Angehörigen verschiedener Studentenverbindungen besucht, sondern wohl auch von Nicht-Korporierten, weshalb die Germanen den Abend als Erfolg werteten. Ex-AfD-Mitglied Claus Döring kündigte im Vorfeld z.B. „einige konservative AfDler“ an, die interessiert gewesen wären.

Von der Verschwulung und Füsilierung des deutschen Volkes

Diesmal wird nun Pirinccis neustes Werk „Die große Verschwulung – Wenn aus Männer Frauen werden und aus Frauen keine Männer“ Thema sein. Das Buch wird immer noch vom rechten „Manuscriptum-Verlag“ beworben und vertrieben (O-Ton: Sonst boykottiert, hier lieferbar), während andere Verlage und viele große Buchhändler die Auslieferung seiner Werke gestoppt haben. Laut Verlagsankündigung kämpfe Pirincci „gegen die Verweichlichung der Männer, das Elend der Gleichmacherei und die Ideologen der grausamen Gender-Propaganda.“

Germania-VA Die große VerschwulungEigentlich sind die politischen Traktate Pirinccis nur ein zig Mal wiederholter Aufguss eines altbekannten, reaktionären Kulturpessimismus. Inhaltlich hat der Autor weder bei „Deutschland von Sinnen“ noch bei „Die große Verschwulung“ viel Fundiertes zu bieten. Einzig durch seine Gossensprache hebt sich der Autor von den üblichen Autoren im Dunstkreis von Junger Freiheit, Institut für Staatspolitik, Burschenschaftlichen Blättern usw. ab. Pirincci hebt sich aber durch seine migrantische Herkunft ab. Er wird den völkischen Pegidioten, AfDisten und anderen wild gewordenen Spießern zum „morgenländischen“ Kronzeugen für Deutschlands Dekadenz, „Umvolkung“ und „Verschwulung“, ja letztlich die „Füsilierung des deutschen Volkes“.

Pirincci will zurück zur heteronormativen Kleinfamilie, in der Männer und Frauen ihre „von der Natur vorgegebenen Rollen“ wieder einnehmen, in welcher er „als Versorger, Verantwortungsträger und Beschützer für die Frau“ seinen Mann stehe, während sie „die Grenze zwischen selbstloser Hingabe und Eigennutz“ zu finden habe. Eigennutz heiße für Frauen freilich nicht, die Unabhängigkeit vom Mann durch die Wahl einer „dummdreisten Irgendeinen-Scheiß-Studieren-Variante“ zu wählen. Insbesondere die heutigen Geisteswissenschaften, bestimmte Bildungswege und Meinungsforschungsinstitute, vor allem natürlich diejenigen, welche sich Emanzipation und Gendermainstreaming widmen, betrieben „Landesweite Steuergeldverbrennung“.

Als eigentlichen Kern des ganzen Übels der „Verschwulung“ macht Pirincci den Staat aus. Dessen Familien-, Sozial-, und Bildungspolitik, ja sogar seine Verteidigungspolitik – mit der Öffnung der Bundeswehr für Frauen und der Eindämmung von legalisierter, männlicher Gewalt in Form von humanitären Einsätzen – sei für die Zerstörung der Geschlechterrollen verantwortlich. Dies führe auch im Staat selbst zur Verweiblichung und Verweichlichung der Politik, wo zunehmend nur noch „verängstigte Hofschranzen“ und „Eunuchen“ agierten.

Sexistischer Germanen-Humor 2013Mit dem Buch passt Pirincci gut in das Milieu der Burschenschafter. Schließlich pendelt man hier seit Jahren zwischen heroisch-virilen Körperverletzungs-Ritualen und verklemmter Burschen-Erotik. In Burschenkreisen spricht man von „Couleur-Damen“, während man hinter vorgehaltener Hand über „Verbindungs-Matrazen“ frotzelt und Frauen ihre angeblich biologisch vorgegebene Rolle für Herd, Heim und Kinder zu weisen möchte. Gerade die Burschenschaft Germania kämpft seit Jahren gegen Gendermainstreaming und Gelichberechtigung. „Bist Du hässlich, fett, krank oder fremd im Lande … oder (hast – F.K.) eine Freundin mit, die weder schön noch still ist … dann bleib lieber zu Hause, Du würdest sowieso nicht eingelassen werden,“ warb die Germania schon vor Jahren.

Germania in Tradition von SA und SS?

Seit der Hamburger Verfassungsschutz öffentlich vor der Germania warnt, hat man die Hemmungen vollends fallen gelassen. Mehrere konservative Alte Herren haben laut Insidern die Verbindung inzwischen angeblich verlassen, während die übrigen Mitglieder offenbar nach dem Motto „ist der Ruf erst ruiniert…“ handeln.

So würdigt man inzwischen nicht nur öffentlich Alte Herren, welche an den verbrecherischen Kriegen der deutschen Wehrmacht teilgenommen haben, wie Ritterkreuzträger Emil Schuler und Karl Mauss. Letzterer war auch Freicorps-Mitglied der rechtsradikalen „Brigade Ehrhardt“ und galt nach 1945 als erheblich NS-belastet. Sondern man stellt sich selbst in die historische Nähe eines prominenten SA-Mannes. Erst Ende Oktober machte die Germania eine Fuxen-Veranstaltung zum Thema „Landvolkbewegung – Widerstand in Norddeutschland.“ Illustriert war die Ankündigung mit einem nur in einschlägigen Kreisen bekannten Buch von Walter Luetgebrune. Der war nicht nur juristischer und politischer Beistand der antirepublikanischen Landvolkbewegung, sondern auch Verteidiger von Erich Ludendorff im so genannten Hitler-Prozess 1924 (Marsch auf die Feldherren-Halle) und von Hermann Ehrhardt nach dem Kapp-Putsch. Schon Anfang der 20er Jahre verteidigte er Rechtsterroristen im Prozess um die Ermordung des damaligen Außenministers Walther Rathenau. 1932/33 war der Star-Anwalt der NS-Bewegung dann oberster Rechtsberater von SA und SS. Nach der Machtübertragung an Adolf Hitler wurde Luetgebrune schließlich Ministerialdirigent und beteiligte sind fortan massiv am Raub von jüdischem Eigentum.

Dass sich die Germania zur Illustration eines Vortrags über die prä-faschistische Landvolkbewegung eines solchen Buchs bedient, kann schwerlich ungewollt sein. Das Buch ist als Reprint in einem kleinen, rechtsextremistischen Verlag erschienen und sonst gänzlich unbekannt.

Hätte sie sich nicht in eine so eindeutige Traditionslinie begeben wollen, hätte sie das wesentlich bekanntere, autobiografisch geprägte Werk von Hans Fallada zum Thema auf ihrer Homepage präsentiert. Aber es passt schon, dass man erst das Buch eines historischen Nazifunktionärs präsentiert und wenige Wochen später einem Idol der heutigen extremen Rechten ein Podium für seine Pöbeleien bieten möchte.

Siehe auch: NPD-Festredner Clemens spricht bei “Burschenschaft Germania”,Pirinccis PR-Coup: Gute KZs, schlechte KZs?,Hamburgs akademischer Pöbel

3 thoughts on “Pegida-Pirincci bei brauner Burschenschaft

  1. Felix, ich sehe das genauso.

    Das Buch ist nicht hilfreich. Ich war entsetzt, dass die Schredderaktionen abgeblasen wurden. Warum lässt man das zu, dass der Brunnen vergiftet wird?

    Schön schreibst Du von der „heteronormativen Kleinfamilie“, das vereint gleich mehrere berechtigte Abwertungen, die angesichts der Naziverbrechen auch nur zu berechtigt sind! „Klein“ ist wie „Kleinbürger“ präformativ für Engstirnigkeit. Der Unterschied ist: Es gibt keine „homonormativität“, denn homo ist bunt, lebensnah und fordern. Und es ist eine gemeine Lüge, dass Hitler Vegetarier war, das ist durch nichts erwiesen.

    Das Vorbild von uns GrünInnen sind schwarz gekleidete anonyme AktivistInnen, die aus der Gruppe heraus schwarmartig Intelligenz entfalten. Unsere Ehre ist das gemeinsam kochende Kollektiv und das Welcome für alle fortschrittlichen und modernen Kräfte! Wir stehen in einer ganz anderen Traditionslinie! Es paßt wirklich, dass der „Katzenkrimis“ geschrieben hat, wenn „Katze“ ist, weil nachlässig als „Katz“ oder „KaZ“ gesprochen, ein Szenetier geworden. Der NSU hielt sich Katzen, das wir immer übersehen. Längst hat die Katze den Schäferhund abgelöst. Deshalb wird der „Katzenkrimiautor“ eingeladen. Wie schamlos werden hier Werte verletzt?

    Wir müssen, und das ist die einzige Kritik an dem hervorragenden Beitrag, demokratischen Widerstand leisten. Die Zivilgesellschaft ist gefordert. Denken wir an den XI. Parteitag, denken wir an die Gemeinheiten gegen die Rentner der Partei, die nur ihre Pflicht für den Sozialismus taten und für die Menschen kämpften, den schwierigen Bitterfelder Weg und die Hetze gegen Frau Professor Tuider. Die Menschen verlangen von uns Antworten und Menschlichkeit.

  2. „…“Bist Du hässlich, … krank, … dann bleib lieber zu Hause, Du würdest sowieso nicht eingelassen werden,“ warb die Germania schon vor Jahren.“ –

    Dann sollten die rechtslastigen Herrschaften sich besser selbst nicht einlassen…

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