FC St. Pauli holt Merchandise-Rechte zurück: Endlich Modemarke!

FCSP-Fanshop im Netz (Screenshot)
FCSP-Fanshop im Netz (Screenshot)

Der FC St. Pauli hat erneut gute Nachrichten zu verkünden. Der Club vom Hamburger Millerntor übernimmt nach einer außergerichtlichen Einigung ab dem 1. Januar 2016 die Vermarktungsfirma upsolut, an die der Verein seine Merchandise-Rechte verscherbelt hatte. Ab dem neuen Jahr will St. Pauli den Erlös aus dem Verkauf von Fanartikeln vervielfachen – wohl in Zusammenarbeit mit den Fans.

Von Patrick Gensing

Bislang hält St. Pauli lediglich zehn Prozent der Anteile der upsolut GmbH und erhält 20 Prozent der Erlöse aus dem Verkauf von Fanutensilien. Im Geschäftsjahr 2015 verzeichnete upsolut einen Umsatz von 8,5 Mio. Euro und einen Ertrag nach Steuern von einer halben Million Euro. Für St. Pauli blieben da – trotz der enormen Popularität des Clubs – lediglich Peanuts. Damit ist bald Schluss. 1,26 Millionen Euro investiert der Verein in den Kauf der „restlichen“ 90 Prozent der Anteile von upsolut.

Damit wird auch ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen Verein und der GmbH beendet, der seit 2010 bereits das Landgericht sowie das Oberlandesgericht Hamburg beschäftigt und beiden Parteien viel Geld, Nerven und Ressourcen gekosten hat. Eine Stellungnahme von upsolut selbst liegt bislang nicht vor.

„Reclaim your rights!“

Dies sei ein weiterer wichtiger Schritt zur Unabhängigkeit des Vereins, sagt St. Pauli-Präsident Oke Göttlich. Angelehnt an die Fan-Parole „Reclaim your game“ verkündet Göttlich, dass sich der Verein seine Rechte zurückhole: „Reclaim your rights“, so laute das Motto.

Vizepräsident Joachim Pawlik, der für den Verein die Einigung mit upsolut federführend begleitet hat, betonte, St. Pauli mache ein  gutes Geschäft. Die Bewertung von upsolut liege bei 1,4 Mio. Euro. Die vereinbarten 1,26 Mio. Euro sollen in zwei Raten fließen; die erste wird zum Jahresende fällig, den Rest muss St. Pauli im August 2016 bezahlen. Das Geld nehme man aus Ansparrücklagen und laufender Liquidität, die Millionen aus den Halstenberg-Transfer spielten keine Rolle.

Kreativpotenzial der Fans

Der Verein verweist darauf, dass laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey der Bereich Merchandise in der Fußball-Bundesliga in den kommenden fünf Jahren um 60 Prozent wachsen werde. Davon will St. Pauli profitieren – und denkt darüber nach, die Fans mit ins Boot zu holen, weil die über das größte Kreativpotenzial verfügten. Auch eine Beteiligung an upsolut sei zumindest vorstellbar. Wie dies konkret laufen könnte, ist aber noch vollkommen unklar.

Der nächste fette Retro-Trend am Milllerntor?
Der nächste fette Retro-Trend am Milllerntor?

In der Winterpause will die Vereinsspitze mit den diskussionsfreudigen Gremien im Verein beraten. „Wir haben noch ein paar Fragezeichen“, räumt Geschäftsführer Rettig ein. Dabei gehe es auch um die Frage, inwieweit die Vermarktung internationalisiert werden könne. Dazu braucht der Verein aber wohl Partner, die auf dieses Gebiet spezialisiert sind und über die entsprechende Infrastruktur verfügen. Der Anfang des Jahres abgeschlossene Deal mit der Mediengruppe RTL spiele dabei keine Rolle.

Der Verein kauft die Merchandise-Anteile– und übernimmt damit auch deutlich mehr Verantwortung. Denn upsolut beschäftigt bislang rund 80 Mitarbeiter – inklusive aller Aushilfen. Sämtliche Verträge sollen zu gleichen Konditionen weiterbestehen, versichert St. Pauli-Vize Pawlik.

Werte als Luxus

Präsident Göttlich bezeichnet die Übernahme von upsolut als wichtige Voraussetzung, um ein substantielles Fundament für die Zukunft des FC St. Pauli zu legen. „Wir grenzen uns auch durch unsere Stärken ab, um unsere Werte zu verteidigen.“ Wäre der Verein nach Jahren der Stagnation in die 3. Liga abgestiegen, hätte man aus der Not unangenehme Maßnahmen umsetzen müssen, so Göttlich. Und tatsächlich hatte St. Pauli seine Merchandise-Rechte im Jahr 2004 nur für 30 Jahre verscherbelt, weil der Verein auf jeden einzelnen Cent gegen den Bankrott angewiesen war. Sogar Retter-Shirts bei Mc Donalds wurden damals verkauft. Geschäftsführer Rettig nennt vor diesem Hintergrund den Erhalt von Werten des Vereins einen Luxus, den man sich erarbeiten müsse. Nur dann könne man selbstbestimmt handeln.

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Über dem Millerntor lacht derzeit die Sonne. (Foto: Patrick Gensing)

Was denn nun die nächsten großen Projekte seien auf dem Weg zur Unabhängigkeit, will ich vom St. Pauli-Präsidenten wissen. Die Übernahme von upsolut sei vorerst der letzte große Brocken gewesen, sagt Göttlich – und fügt augenzwinkernd hinzu: Nun sei St. Pauli das, wofür viele den Verein etwas spöttisch ohnehin schon lange halten: „Endlich sind wir auch eine Modemarke!“

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