Alle Nazis waren Antisemiten, aber nicht alle Antisemiten Nazis

Deutsche Gerichte haben in den letzten Monaten einige seltsame Urteile gefällt, die es untersagt, die Urheber antisemitischer Äußerungen Antisemiten zu nennen. Das Bundesverfassungsgericht entscheidet jetzt darüber, ob Jutta Ditfurth Jürgen Elsässer ob seiner antisemitischen Ausfälle als „glühenden Antisemiten“ bezeichnen darf oder nicht. Diese Entwicklung in der Rechtsprechung ist auch eine direkte Folge der Extremismusdoktrin, die Antisemitismus als „extremistische Äußerung“ an den Nationalsozialismus koppelt. Ein Blick auf den Antisemitismus in deutschen Landen in den vergangenen 200 Jahren zeigt jedoch, dass zwar alle Nationalsozialisten Antisemiten waren, aber eben nicht alle Antisemiten Nationalsozialisten. Um dies zu verdeutlichen, erzählt publikative.org kurz die lange Geschichte des Antisemitismus vor 1933 und nach 1945.

Von Andreas Strippel

Buchumschlag von Der Weg zum Siege des Germanenthums über das Judenthum
Buchumschlag von Der Weg zum Siege des Germanenthums über das Judenthum

„Antisemitismus“ entstand als Begriff erst Ende des 19. Jahrhundert. Wilhelm Marr, ein deutscher Judenhasser, popularisierte ihn, um seiner Weltanschauung einen wissenschaftlichen und sachlichen Anstrich zu geben. Der Begriff des „Semitismus“ etablierte sich hingegen rund 100 Jahre zuvor in den Sprachwissenschaften. Dabei war er aber nicht nur eine neutrale wissenschaftliche Kategorie für semitische Sprachen. Vielmehr war der Begriff Semitismus von Beginn an auch negativ aufgeladen, als dass er sich sowohl gegen Juden als auch gegen die als negativ empfundenen Elemente der Moderne wendete – sei es der Kapitalismus, die Aufklärung, die sozialen, kulturellen und/oder ökonomischen Entwicklungen und Verwerfungen der Gesellschaft. Antisemitismus verdeutlichte als Begriff also das, was im Begriff des Semitismus schon mitgedacht war: Die Personalisierung der Probleme der modernen Welt in Gestalt der Juden.

Im Gegensatz zu antijudaistischen Vorurteilen meint der Antisemitismus jedoch mehr als die bloße Religionszugehörigkeit, weil Jüdisch zu sein mit modernen Ordnungsbegriffen des 19. Und 20. Jahrhunderts – Volk, Rasse, Nation – aufgeladen wird. Antisemitismus ist damit mehr als ein Vorurteil gegen Juden oder eine besondere Spielart des Rassismus. In bloß rassistischen Weltbildern haben die dort Unterdrückten noch einen Platz an der Peripherie der Gesellschaft als auch gewisse ökonomische Funktionen inne, wenngleich sie als Fremde nicht Teil der Gesellschaft sind. Im antisemitischen Weltbild sind die Juden nicht bloße Fremde, die es zu verdrängen und zu beherrschen gilt, sondern sie gelten als „heimatlose“ Verursacher aller möglichen realen und vorgestellten Probleme. Zwar greift Antisemitismus sowohl auf antijudaistische Vorurteile als auch auf rassistische Modelle zu, aber er bildet eine eigene Qualität, die ihn von Vorurteilen und rassistischen Modellen unterscheidet. Antisemitismus ist ein Erlösungsversprechen gegen die Krisen der Moderne, welches eben nur dann eingelöst werden kann, wenn die Juden nicht mehr sind.

Daher ist die Verwendung von Antisemitismus als einfacher Sammelbegriff für alle möglichen historischen Formen von Judenfeindschaft problematisch. Der Soziologe Werner Bergmann beschreibt dies so:

„Diese weite und unscharfe Verwendung des Begriffs Antisemitismus ist nicht unproblematisch, suggeriert sie doch eine historische Kontinuität und scheinbare Allgegenwart von Judenfeindschaft – sozusagen vom biblischen Haman bis zu Hitler – und verkürzt die Beziehungen der Juden zu anderen Völkern auf eine reine Verfolgungsgeschichte. In der Tat gibt es Erklärungsansätze (substantialistische Erklärung), die das innere, zu allen Zeiten und an allen Orten gleich bleibende Wesen des Antisemitismus als einen Hass auf die Juden begreifen, der aus ihrer bloßen Existenz als Fremdgruppe mit abweichenden Gebräuchen unter anderen Völkern entsteht. Die sich verändernden Formen der Judenfeindschaft wären so bloße Oberflächenphänomene.“

Antisemitismus funktioniert ohne die Konfrontation mit echten Juden. Der Rückgriff auf vermeintliche Eigenschaften oder tatsächliche Handlungen von Juden ist nicht ursächlich für antisemitische Einstellungen, sondern ist eine Legitimationsstrategie von Antisemiten. Antisemiten brauchen keine realen Juden, sondern stellen sich „den Juden“ immer nur vor. Nichtsdestotrotz müssen Antisemiten ihre Vorstellungen immer wieder aufs Neue mit der realen Welt verknüpfen, damit ihre Weltsicht nicht als derjenige Wahn dasteht, der er nun mal ist.

Antisemitismus erzählt damit vor allem etwas über Antisemiten und die Gesellschaft, in der sie leben, und nichts über Juden.

Nationsvorstellungen und Antisemitismus vor 1933

Die deutsche Nationalbewegung war gegenüber den Juden von Beginn an ambivalent eingestellt: Einerseits sollten sie im Sinne des bürgerlichen Idealismus gleichberechtigte Subjekte im bürgerlich-demokratischen Staat sein. Anderseits gab es gleichzeitig die Tendenz, Juden auszuschließen. Dabei waren sie nicht nur Fremde, die an einen anderen Ort gehörten, sondern sie werden als „die Anderen“, die gar keinen Ort hatten, die nicht dazugehören, betrachtet. Juden werden als „wurzellos“ vorgestellt und damit im Gegensatz zum Deutschen und seiner „Heimatverbundenheit“ konstruiert.

Dieser nationalistische Antisemitismus mündete – vereint mit christlichen Vorurteilen gegen Juden – immer wieder in Gewalt. Beispielsweise in den so genannten „Hepp Hepp Unruhen“ von 1819 als Juden in deutschen Städten in der Folge einer Wirtschaftskrise als vermeintliche Profiteure der Säkularisierung, die im Zuge der französischen Revolution und der Napoleonische Kriege auch Deutschland erreichte, angegriffen wurden. Juden wurden hier mit einem anderen „Feind“ nämlich den Franzosen assoziiert und als nicht-deutsch markiert. In der Verbindung mit den Franzosen erscheint auch das Motiv der Gegnerschaft zur Moderne durch, waren es doch die Franzosen, die einheitlich moderne Gesetze (code civil) mitbrachten und die rechtliche Gleichstellung von Juden etablierten. Träger dieser Unruhen waren neben Handwerkern und kleinen Händlern auch nationalbegeisterte Studenten. Auch danach kam es immer wieder zu antijüdischen Gewalttaten, so 1830 und 1935 in Hamburg. Während der Revolution 1848/49 kam es in Berlin und anderen Städten der deutschen Staaten erneut zu Gewalt gegen Juden. Trotzdem verankerte die verfassungsgebende Versammlung der Revolutionäre in der Frankfurter Paulskirche die rechtliche Gleichstellung von Juden.

Nach der gescheiterten Revolution von 1848/49 begann die Phase der rechtlichen Gleichstellung von Juden, die 1869 in allen deutschen Staaten abgeschlossen war und auch innerhalb des 1871 gegründeten deutschen Nationalstaats Gesetzeskraft erhielt. Oberflächlich betrachtet war der Antisemitismus in der Defensive und fand kaum Ausdruck im politischen Raum. Die Vorstellung vom guten Bürger eines Nationalstaates war jedoch nach wie vor von latent judenfeindlichen Positionen durchzogen.

Der Liberalismus im 18. und 19. Jahrhundert war von starken Klassenvorstellungen geprägt, in der politische Rechte und ökonomische Leistung oftmals gekoppelt waren. Dabei diente sich das Bürgertum selbst als kulturelle Leitfunktion. Es ging um die bürgerliche Verbesserung, die dann – so die Vorstellung vieler Liberaler – in einem mündigen Staatsbürger ihren Ausdruck finden konnten.

Assimilation: Aufhören, Juden zu sein

Jedoch war für Juden in Deutschland der ökonomische Erfolg nicht gleichbedeutend mit der Anerkennung durch die christlichen Deutschen. Für Juden sollte es eben nicht reichen, nur durch Bildung und Leistung einen Platz in der Gesellschaft zu erreichen, sie sollten durch Assimilation praktisch aufhören, Juden zu sein. Jedoch waren viele Juden in der Nationalbewegung aktiv, da die rechtliche Gleichstellung in einem Verfassungsstaat eine tatsächliche Verbesserung gegenüber der offen, rechtlichen Diskriminierung in vormodernen Staats- und Gesellschaftsmodellen darstellte.

Die Nation und der Nationalstaat waren ein attraktives Gleichheitsversprechen für die Juden, jedoch wurde gleichzeitig mit dem „Erfinden der Nation“ und ihre mythisch-historische Begründung der Ausschluss der Juden aus der Gesellschaft erneuert.

Angst vor unkontrollierter Einwanderung von Juden

Dies brach sich nach der Reichsgründung wieder Bahn. Ende der 1870er Jahre gewannen antisemitische Verbände Oberwasser. Der Hofprediger Adolph Stöcker war einer der lauten Protagonisten des Antisemitismus, obwohl seine Partei politisch eine Splittergruppe blieb. Der Antisemitismus wurde zu einem zentralen Thema durch eine Schrift des Historikers Heinrich von Treitschkes. Treitschke, vom Liberalen zum Konservativen gewandelt, veröffentlichte einen viel beachteten Angriff auf Juden, der die später von den Nazis und anderen Antisemiten aufgegriffene antisemitische Parole „Die Juden sind unser Unglück“ enthielt. Er imaginierte eine unkontrollierte Einwanderung von Juden aus Osteuropa und wollte, dass Juden sich zu christlichen Deutschen assimilierten.

1891 illustriert das sozialdemokratische Witzblatt Der Wahre Jacob zustimmend die von den Antisemiten ausgegebene Parole „Gegen Junker und Juden“.
1891 illustriert das sozialdemokratische Witzblatt Der Wahre Jacob zustimmend die von den Antisemiten ausgegebene Parole „Gegen Junker und Juden“.

Es entbrannte eine öffentliche Kontroverse um Treitschkes Thesen, die trotz entschiedenen Widerspruches – der jedoch hauptsächlich von deutschen Juden getragen wurde -, sehr stark Wirkung zeigten, vor allem weil Treitschke gerade nicht auf absurd biologistische oder Krawall-Antisemitische Parolen setzte, sondern die Verbindung von christlich-kaisertreu-bürgerlich als Merkmale für die Zugehörigkeit zur Nation unterstrich.

Antisemitische Parteien waren in dieser Phase nur kurzfristig erfolgreich, viel nachhaltiger wirkte der Antisemitismus in Vereinen und Verbänden nach, die stark das gesellschaftliche Leben beeinflussten. So war zum Ende des Jahrhunderts in vielen Studentischen Verbindungen und Burschenschaften Juden die Mitgliedschaft untersagt. Aber auch die Turnerbewegung war antisemitisch geprägt und politische Verbände wie der Alldeutsche Verband betrieb offen antisemitische Politik.

Das Judenthum in der Musik. Original-Broschur des Erstdruckes von 1869 © Foto H.-P.Haack (H.-P.Haack)
Das Judenthum in der Musik. Original-Broschur des Erstdruckes von 1869 © Foto H.-P.Haack (H.-P.Haack)

Für den bürgerlichen Antisemitismus steht in dieser Zeit beispielhaft der Bayreuther Kreis um Cosima Wagner. Richard Wagner veröffentlichte bereits 1850 seine antisemitische Schrift „Das Judenthum in der Musik“. Wagner ist ein Exponent des bürgerlichen Antisemitismus, er verachtete „den Juden“ als abstrakte Gestalt. Er sah Juden als „…den geborenen Feind der Menschheit und alles Edlen in ihr (…)“, an, wie er am 22. November 1881 an den bayrischen König Ludwig den II schrieb. Gleichzeitig war er jedoch mit einigen Juden befreundet. Diese Freundschaften sind jedoch keine Beweise gegen den Antisemitismus, sondern zeigen vielmehr, dass Antisemitismus ohne reale Juden auskommt. Der konkrete Mensch suspendiert für den Antisemiten eben nicht die Funktion, die „der Jude“ für ihn einnimmt. Auch Antisemiten haben ihre Widersprüche, die aber eben nicht ihr Weltbild als Ganzes beschädigen.

Der Bayreuther Kreis um Cosima Wagner hatte darüber hinaus eine enorme Wirkung. Dort tummelten sich Rassisten und Antisemiten wie die beiden Vordenker des Nationalsozialismus Arthur de Gobineau und Houston Stewart Chamberlain. Chamberlain lebte von 1909 an in Bayreuth und entwickelte eine lebhafte und umfangreiche Korrespondenztätigkeit mit den Geistesgrößen seiner Zeit, so dass sich die Wirkung dieses wissenschaftlich hergeleiteten Rasse-Antisemitismus eben nicht nur auf die unmittelbare Umgebung beschränkte.

„Kultureller Code“

Gleichzeitig waren viele deutsche Juden (wie man heute sagen würde) gut in die Gesellschaft integriert. Ende des 19. Jahrhundert bis in die Weimarer Republik hinein blühte das jüdische Leben in Deutschland, trotz des allgegenwärtigen Antisemitismus. Offener Antisemitismus oder gar Gewalttätigkeiten brachte man in der damaligen Zeit auch außerhalb Deutschlands eher mit Frankreich (Dreyfus-Affäre) oder Russland (Pogrome in den 1880er Jahren und zwischen 1903 und 1906) in Verbindung.

Antisemitismus entwickelte sich, wie Shulamit Volkow sehr treffend beschreibt, zu einem „kulturellen Code“, der die Zugehörigkeit zu nationalistischen Positionen, die letztlich konservativ, christlich und anti-emanzipatorisch waren, beinhaltete.

Die Verbindung von nationaler Gesinnung und Antisemitismus bekam nach dem 1. Weltkrieg noch eine schärfer Wendung. Der Antisemitismus der völkischen Bewegung und der radikalen Rechten war offen rassistisch und antidemokratisch aufgeladen sowie deutlich radikaler als im Kaiserreich. Die Ablehnung der Weimarer Republik in weiten Teilen der deutschen Gesellschaft führte zu einem Bündnis zwischen altem und neuem Antisemitismus. Das wilhelminische Bürgertum tendierte zwar nicht zur offenen Gewalt, jedoch wurden Juden weiterhin in Vereinen oder im Urlaub ausgeschlossen, beispielsweise warben Hotels und Seebäder damit „judenfrei“ zu sein. (Der Historiker Frank Bajohr prägte dafür den Begriff „Bäderantisemitismus“). Die neue Rechte ging hingegen zur offenen terroristischen Tat über, die antisemitische Attentate nach sich zog, wie die Ermordung von Reichsaußenminister Walter Rathenau.

dolchstoss

Während der alte Antisemitismus auf ein Verschwinden der Juden durch Assimilation setzte, ging der von der Rassenlehre beseelte Antisemitismus der radikalen Rechten weiter. Eine Assimilation war unvorstellbar, weil biologische Reinheitsvorstellungen dies verhinderten. Im Gegenteil: Assimilierte Juden wurden als besonders gefährlich betrachtet, da sie in der Vorstellungswelt der Antisemiten die deutsche Gesellschaft heimtückisch zersetzten. Jedoch bediente sich beide Fraktionen derselben Sprache, hatten dasselbe Ziel, namentlich eine Gesellschaft ohne Juden. Darüber hinaus hatte beide Fraktionen in der Demokratie von Weimar sowie in den Sozialdemokraten und Kommunisten dieselben Feindbilder. Daher ist es eben kein Zufall, dass die Feinde der Demokratie den Marxismus als jüdisch ansahen, da er ein Produkt von Aufklärung und Emanzipation ist. Zwar gab es in den liberalen und linken Parteien auch antisemitische Positionen, aber diese bekamen aufgrund der grundsätzlichen Entscheidung für die Emanzipation und Demokratie (wenn auch nicht immer für die bürgerliche) nicht dieselbe politische Bedeutung wie bei den Gegner der Republik.

Karikatur auf der Titelseite von Édouard Drumonts antisemitischer Zeitschrift La Libre Parole (1893). Dargestellt ist ein Jude, Hände und Füße voller Geld, der sich an den Erdball klammert. Die Bildunterschrift lautet „Leur patrie“ – ihr Vaterland.
Karikatur auf der Titelseite von Édouard Drumonts antisemitischer Zeitschrift La Libre Parole (1893). Dargestellt ist ein Jude, Hände und Füße voller Geld, der sich an den Erdball klammert. Die Bildunterschrift lautet „Leur patrie“ – ihr Vaterland.

Jedoch zeigte sich bereits in den 20er Jahren bei der Linken, dass sie nicht Immun war gegen Antisemitismus. Insbesondere wenn es um die antisemitische Verkürzung der Kritik am Kapitalismus ging, der insbesondere zwischen guten „schaffenden“ Kapital und schlechten „raffenden“ Kapital unterschied. Letzteres wurde im Regelfall mit Juden assoziiert und ist damals wie heute in allen fast allen politischen Lagern anzutreffen. So kam es auch zu punktuellen Streikbündnissen zwischen KPD und Nazis, ohne die grundsätzliche Gegnerschaft niemals in Frage zustellten. Jedoch gab es vor allen auf der Rechten Querfrontstrategen, die aus der Gegnerschaft zum System ein Bündnis mit der Linken anstrebten. Der linke Antisemitismus war ein Anknüpfungspunkt für diese Querfront-Idee, die aber niemals politisch Relevanz hatten.

Die Verbreitung des Antisemitismus in der Gesamtgesellschaft ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass es die politische Rechte im Verein mit konservativen und bürgerlichen Eliten war, die in Antisemitismus und Gegnerschaft zur Republik vereint, die Demokratie in Deutschland beendeten, gesellschaftliche Diskriminierung in staatliche Verfolgung verwandelte und die Welt mit Krieg und Kriegsverbrechen überzog sowie die Shoa verantwortete.

13 thoughts on “Alle Nazis waren Antisemiten, aber nicht alle Antisemiten Nazis

  1. Weshalb Ihr die Extremismusdoktrin und die Lehren des Antitotalitarismus nicht versteht? Euer eigenes Weltbild, gefestigt im Neo-Linksextremismus, steht dem entgegen. Einem Kranken ist es auch kaum möglich, sich selbst zu heilen. Überlasst die Strafverfolgung und die Deutungshoheit zur freiheitlichen Demokratie lieber denen, die fest auf dem Grund der Verfassung stehen.

    1. Könnten Sie die pauschalen Unterstellungen (Linksextremismus, Verfassungsfeindlichkeit) an ein breites Kollektiv auch anhand eines inhaltlichen Kritikpunkts (im Text) etwas konkreter benennen ? Was qualifiziert Sie zu einem besseren Fachmann (Historiker/Politologe) ?

    2. Der Verfassungsschutz bekennt sich zur „freiheitlichen Demokratie“. Steht er „fest auf dem Grund der Verfassung“ ?

  2. ich tu mich manchmal wirklich schwer mit der kommunikation im netz, so ganz ohne blickkontakt, mimik, … ist das ironie, herr hintze? ich hoffe es inständig.

  3. Es ist einige Jahre her, dass mich Ignatz Bubis bei einer Podiumsdiskussion, in der ich eine scheinbar harmlose Frage stellte, als Benutzer antisemitischer Phrasen outete: Mir war es passiert, ihn zu fragen, wie er das Verhältnis von Deutschen zu Juden heute sehe. Anstatt zu antworten, fragte er mich, wie ich als Protestant mich in Bayern fühle. Moment: Ich bin doch Bayer UND Protestant – eben! Und ihr seid im Artikel – interessanterweise – im Ansatz in die gleiche Falle gelaufen: Ihr schreibt von „Juden IN Deutschland“ und „christlichen Deutschen“ – Vorsicht, in solchen Formulierungen wirkt Nazi-Deutschland bis heute weiter. Wir können uns (selbst ihr, die ihr genau das in eurem Artikel ja beschreibt) kaum vorstellen, dass ein Deutscher eben auch Jude sein könne. Deutsche können Atheisten und Christen sein – aber Juden? Wir sind in unseren Hirnen immer noch so stark von Hitler beeinflusst, dass wir es ohne fremde Hilfe nicht einmal kapieren. Selbst wenn wir ansonsten tolle Artikel schreiben.

  4. Wenn ich richtig sehe, fehlt die Bildunterschrift für das vorletzte Bild. Ich würde mich über einen Nachtrag freuen.

  5. @Martin11
    Ich sehe das etwas anders. Das Schlimme am Antisemitismus ist ja, dass die Antisemiten ihre Lüge wahr machen. Viele Juden fühlen sich als deutsche Juden, sie sind aber ganz real die Anderen dieser Gesellschaft, weil die Antisemiten sie dazu gemacht haben und beständig machen. Es ist in der jüdischen comunity keineswegs Konsens, sich jüdisch und deutsch zu fühlen, die permanente Ausgrenzung hinterlässt Spuren. Und gerade Bubis musste ja schmerzhaft erfahren, dass die Deutschen ihn nie als ihresgleichen akzeptieren würden. Juden in Deutschland ist deshalb auch die Selbstbezeichnung vieler Juden.

  6. Ich sehe das etwas anders. Das Schlimme an Xenophobie ist ja, dass die Fremdenfeinde ihre Lüge wahr machen. Viele Ausländer fühlen sich als deutsche Ausländer, sie sind aber ganz real die Anderen dieser Gesellschaft, weil die Fremdenfeinde sie dazu gemacht haben und beständig machen. Es ist in der ausländischen comunity keineswegs Konsens, sich fremd und deutsch zu fühlen, die permanente Ausgrenzung hinterlässt Spuren. Und gerade Bubis musste ja schmerzhaft erfahren, dass die Deutschen ihn nie als ihresgleichen akzeptieren würden. Ausländer in Deutschland ist deshalb auch die Selbstbezeichnung vieler Ausländer.

    Merkste was? 🙂

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