Studie: 80% der LSBT*-Jugendlichen haben Diskriminierung erlebt

80 Prozent der jungen Menschen, die lesbisch, schwul, bisexuell oder trans* sind, haben bereits Diskriminierung erlebt. Eine Studie zeigt, wie wichtig das Internet für LSBT*-Jugendliche gerade in ländlichen Gebieten ist.

Lesbisch, schwul, bisexuell oder trans* (LSBT*) zu sein, ist gesellschaftlich heute nicht überall selbstverständlich. LSBT* Jugendliche und junge Erwachsene machen in verschiedenen Kontexten diskriminierende Erfahrungen, sei es in der Schule oder am Ausbildungsplatz, in der Familie oder der Öffentlichkeit. Dank eines Forschungsprojekts des Deutschen Jugendinstituts liegen erstmals Erkenntnisse über die Coming-out-Verläufe und Diskriminierungserfahrungen von LSBT* Jugendlichen vor.

Angst vor den Reaktionen

Hierfür haben mehr als 5000 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 27 Jahren von ihren Erfahrungen berichtet. Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass das innere Coming-out, also der Prozess der Bewusstwerdung und die Auseinandersetzung mit der eigenen sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität, häufig Jahre dauert und oft als belastend erlebt wird.

Viele LSBT*Jugendliche versuchen aus Sorge vor negativen Reaktionen ihrer Eltern und Geschwister, im Freundeskreis, in der Schule oder in der Ausbildung über einen längeren Zeitraum ihre „wahren Gefühle“ zu unterdrücken bzw. zu verheimlichen. Drei Viertel der Jugendlichen befürchten von Freund_innen abgelehnt zu werden, sieben von zehn haben Angst vor Ablehnung durch Familienmitglieder. Knapp zwei Drittel der Jugendlichen haben Sorge, dass ein Coming-out zu Problemen im Bildungs- und Arbeitsbereich führt.

Die Wichtigkeit von Freundschaften

Während der Zeit der inneren Auseinandersetzung mit dem eigenen sexuellen oder geschlechtlichen Empfinden können LSBT* Jugendliche oft mit niemanden über ihre Empfindungen sprechen und ziehen sich teilweise aus sozialen Kontexten zurück. Vielfach erfolgt das häufig strategisch geplante äußere Coming-out deshalb erst nach Jahren.

Die Mehrheit der Jugendlichen vertraut sich zuerst einer Person im Freundeskreis an – wo sie meist positive Erfahrungen machen. Die Reaktionen der Eltern und in der Schule sind zumeist weniger positiv. Dabei ist zu betonen, dass dies Lebensbereiche sind, auf die Jugendliche in hohem Maße angewiesen sind und aus denen sie sich nicht bzw. nur schwer zurückziehen können.

Diskriminierung

Insgesamt geben acht von zehn LSBT* Jugendlichen und jungen Erwachsenen an, dass sie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität bereits Diskriminierung erlebt haben.

Einem großen Teil der Jugendlichen gelingt es, negative Erfahrungen konstruktiv zu verarbeiten, wobei vor allem ihre eigene Handlungsfähigkeit und der Rückhalt durch Freund_innen wichtig sind.

Hilfreiches Internet

Als weitere Unterstützung, gerade auch für Jugendliche im ländlichen Raum, kommt dem Internet eine entscheidende Rolle zu. Hier können sich LSBT* Jugendliche informieren und sich einen Überblick über Beratungs- und Freizeitangebote verschaffen.

Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass es dauerhaft notwendig ist, die Vielfalt der sexuellen und geschlechtlichen Zugehörigkeiten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen beispielsweise in der Schule, dem Sport, in der Ausbildung oder den Medien sowie im medizinischen Bereich sichtbarer zu machen und stärker mit positiv besetzten Rollenvorbildern zu verorten.

Broschüre im Netz

Neben der Onlinebefragung, an der über 5.000 LSBT* Jugendliche teilgenommen haben, gab es noch 40 qualitative Interviews, in denen LSBT* Jugendliche und junge Erwachsene ausführlich von ihrer Lebenssituation berichten. Differenziertere Ergebnisse werden in einer Buchpublikation 2016 veröffentlicht. Zudem gab das Deutsche Jugendinstitut bereits eine Broschüre zu dem Forschungsprojekt heraus.