Hogesa 2.0 – Angekommen in der traurigen Realität

Nach Attacke auf einen Fotografen handelt die Polizei konsequent, Foto: Felix M. Steiner
Nach Attacke auf einen Fotografen handelt die Polizei konsequent, Foto: Felix M. Steiner

Nur rund 1.000 Hooligans fanden am Sonntag den Weg zur „Hogesa 2.0“ nach Köln. Ihnen standen bis zu 20.000 Menschen entgegen. Am Rande kam es zu vereinzelten Zusammenstößen zwischen Hooligans und Gegendemonstranten und einem Wasserwerfer-Einsatz der Polizei.

Von Felix M. Steiner

Ein Rückblick: Völlig überraschend kamen im letzten Jahr rund 5.000 Hooligans und Neonazis zur sogenannten Hooligans gegen Salafisten-Demo (Hogesa) nach Köln. Die Sicherheitsbehörden hatten die Lage völlig unterschätzt und als dann tausende Betrunkene mit dem Demonstrationszug begannen, ließ die Eskalation nicht lange auf sich warten. Aber auch die Zahl der Gegendemonstranten war 2014 recht gering. Für Hooligans und Neonazis wurde Köln damit so etwas wie eine gelungene Machtdemonstration und erlangte in der digitalen Welt schnell Kultstatus.

Die Polizei hatte aus dem Versagen von Köln bereits einen knappen Monat später gelernt. In Hannover ließ sie den Hooligans und Neonazis kaum Bewegungsspielraum und zeigte massiv Präsenz. Schon im Vorfeld war eine Demonstration untersagt wurden. Die Veranstaltung verlief dementsprechend ruhig. Weitere interne Auseinandersetzungen und Aufspaltungen führten dann schnell zum Verfall der „Hogesa“ und einer sinkenden Mobilisierungskraft, die bei Folgeveranstaltungen höchstens einige hundert Teilnehmer auf die Straße lockte.

Hogesa 2.0: Von einer gescheiterten Bewegung und schlechtem Rap

Nach Attacke auf einen Fotografen handelt die Polizei konsequent, Foto: Felix M. Steiner
Nach Attacke auf einen Fotografen handelt die Polizei konsequent, Foto: Felix M. Steiner

Mit einiger Vorbereitungszeit begann das Organisationsteam um den Pro-NRW Politiker Dominik Roeseler dann den Hogesa-Jahrestag zu organisieren. Alles sollte so sein wie schon im vergangenen Jahr: Gleicher Ort, gleiche Uhrzeit, gleiche Demoroute und gleicher Anmelder. So zumindest bewarb die Hogesa den Jahrestag. Doch schon im Vorfeld wurde schnell klar, dass es keine Demonstration geben würde und in letzter Minute entschied das Oberverwaltungsgericht Münster auch noch, dass die Hooligans statt am Hauptbahnhof in Köln nur am abgelegenen Bahnhof Deutz ihre Kundgebung abhalten dürfen. Schon beim Eintreffen dürfte vielen Teilnehmern dann auch klar gewesen sein, dass es keinesfalls wie im letzten Jahr werden würde. Die Polizei zeigte massiv Präsenz und hatte am Kundgebungsort mehrere Wasserwerfer in Richtung der gegitterten Versammlungsfläche positioniert. Der Bahnhof Deutz war durch hunderte Polizisten aus mehreren Bundesländern faktisch abgeriegelt. Auch bei Angriffen auf Journalisten reagierte die Polizei konsequent. Als ein Hooligan am Rande der Kundgebung einen Fotografen bedrängte, handelten Bereitschaftspolizisten aus Nordrhein-Westfalen schnell und führten den Hooligan unsanft ab. Lediglich am Ende der Veranstaltung kam es zu einem problematischen Vorfall, als ein Polizeibeamter Journalisten den Schutz vor aggressiven Hooligans versagte, wie wir bereits im Ticker berichteten.

Da die Ordnersuche bei Hogesa sich weit über eine Stunde hinzog, begann die Veranstaltung mit deutlicher Verspätung. Angereist waren bis halb vier zwischen 800 – 1.000 Hooligans, also deutlich weniger als noch im vergangenen Jahr. Wie schon in Hannover 2014 zeigte sich auch in Köln: Hooligans lassen sich kaum mit einem Programm aus politischen Reden und Musik begeistern. Schon kurz nach Beginn der Veranstaltung verließen Kleingruppen den Veranstaltungsplatz, am Rande standen zahlreiche gelangweilte Rechte. Auch der Auftritt des „Kategorie C“-Frontmannes Hannes Ostendorf konnte nicht so richtig begeistern. Und so erinnerte die Darbietung eher an einen Balladenabend als an ein Rock-Konzert. Das Schlagzeug wäre nicht erlaubt gewesen, gab Ostendorf an. Den traurigen Höhepunkt bildete dann aber die Darbietung des Berliner Neonazi-Rappers „Villain051“, wie sich der Berliner Neonazi Patrick Killat nennt. Da weder sein musikalischer Partner noch die Musikanlage seinen Auftritt unterstützen konnten, entschloss sich der „Musiker“ kurzerhand zu einer acapella Darbietung. Die Folge waren kopfschüttelnde Hooligans, die die Distanz zu Bühne suchten. Als Killat nach einigen „Songs“ weiterspielen wollte und dies mit Frage an das Publikum versuchte zu legitimieren, brüllten ihm selbst einige hartgesottene Hooligans eine Absage entgegen.

Doch seine Funktion als Rausschmeißer konnte Killat damit erfüllen und erreichte immerhin, dass sich große Teile der Hogesa-Teilnehmer bereits zu den Ausgängen begaben, um ihre Abreise einzuleiten. „Hogesa 2.0“ zeigte damit auch deutlich, dass die Hooligan-Szene kein dauerhaft zu mobilisierender Faktor für politische Veranstaltungen ist. Der Anteil der organisierten Neonazis war am Sonntag in Köln relativ gering. Unter anderem nahm der NPD-Landeschef Klaus Cremer an der Veranstaltung teil.

Durch Blockaden waren zahlreiche Gleise dicht, Foto: Felix M. Steiner
Durch Blockaden waren zahlreiche Gleise dicht, Foto: Felix M. Steiner

Rund 20.000 Gegendemonstranten zwangen Hooligans in die Defensive

Nach einem Angriff auf Hooligans muss die Polizei diese schützen, Foto: Felix M. Steiner
Nach einem Angriff auf Hooligans muss die Polizei diese schützen, Foto: Felix M. Steiner

Schon am Vortag der Hogesa-Kundgebung wurde klar, dass die Zahl der Gegendemonstranten in diesem Jahr deutlich höher ausfallen würde. Bereits bei einer Vorab-Demonstration am Samstag kamen rund 2.5000 Menschen zusammen, um für eine offenere Asylpolitik und gegen eine europäische Abschottung zu demonstrieren. Am Sonntag waren es dann bis zu 20.000 Menschen, die in Köln gegen Hogesa auf die Straße gingen. Verschiedene Bündnisse und mehr als 50 Gruppen hatten zum Gegenprotest mobilisiert. Schon die Anreise der Hooligans am Bahnhof Deutz gestaltete sich damit schwierig. So gelang es schon sehr früh einigen hundert Gegendemonstranten, zahlreiche Gleise im Bahnhof Deutz zu blockieren. Bereits hier kam es zu Angriffen auf vereinzelt angereiste Hooligans, die von der Polizei geschützt werden mussten. Im Tagesverlauf folgten weitere vereinzelte Zusammenstöße zwischen Hooligans und Gegendemonstranten.

Kurzzeitig kam es zum Wasserwerfer-Einsatz, Foto: Felix M. Steiner
Kurzzeitig kam es zum Wasserwerfer-Einsatz, Foto: Felix M. Steiner

Während einige hundert Demonstranten dann versuchten auch die Zugangsstraßen zu blockieren, feierten tausende auf dem Ottoplatz vor einer Bühne mit zahlreichen Kölner Prominenten und Bands. So trat unter anderem auch der Präsident des 1. FC Köln auf und distanzierte sich klar von Rassismus und Hogesa. Währenddessen kam es wenige hundert Meter weiter zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Gegendemonstranten. So setzte die Polizei nach vereinzelten Flaschenwürfen Wasserwerfer und Pfefferspray ein. Im Laufe des Nachmittags beruhigte sich die Lage allerdings.

3 thoughts on “Hogesa 2.0 – Angekommen in der traurigen Realität

  1. Dieser Artikel ist meiner Meinung nach etwas zu optimistisch. „Hogesa“ ist nicht mehr so erfolgreich, weil es überflüssig geworden ist. Die einstige „Arbeitsteilung“ zwischen dem radikalen, militanten und teils offen neonazistischen Flügel bei „Hogesa“ und den bürgerlicheren, nationalkonservativen Spaziergängern bei „Pegida“ ist überflüssig geworden, seitdem sich sowohl Pegida als auch die AfD nach rechts geöffnet haben. Zumal gerade Pegida und dort wiederum insbesondere die nicht-Dresdner Ortsgruppen mittlerweile ein eher legeres Verhältnis zur Gewalt haben. Als erlebnisorientierter Nazihool muss niemand mehr extra nach Köln gondeln, um seinen Hass auf Linke, Ausländer und die „Lügenpresse“ zu äußern, es genügen die paar Kilometer zum nächsten Pegida-Ableger oder zur nächsten „Nein zum Heim“-Demo. Zumal die beiden letztgenannten unter erheblich weniger Beobachtung durch die Polizei stehen als „Hogesa“.

    Übrigens hätte ich es begrüßt, wenn ihr nicht auch die Legende von den „überraschten“ Sicherheitsbehörden im letzten Jahr reproduziert hättet. http://www.spiegel.de/sport/fussball/koeln-verstorbener-hooligan-war-hogesa-gruender-und-v-mann-a-1057505.html

    P.S.: Trotzdem natürlich danke für die Fotos und euren Liveticker gestern!

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