Intifada in der Kreisklasse

makkabiAmateurfußball ist kein Hallenhalma – insbesondere nicht, wenn politische Konflikte und Ressentiments auf dem Platz ausgetragen werden. Dass dies immer wieder vorkommt, müssen vor allem die Spieler von TuS Makkabi Berlin erleben.

Von Patrick Gensing

Heimspiel von TuS Makkabi III gegen den 1. FC Neukölln. Das Spiel läuft gut für Makkabi, mit 2:0 liegen sie in der Nachspielzeit vorne. Doch von einem sportlichen fairen Spiel kann dann keine Rede mehr sein: Ein Spieler von Neukölln kassiert glatt rot, weil er einen Gegenspieler geschlagen hat.

Augenzeugen berichten zudem, Neuköllner Spieler hätten anschließend Spieler von Makkabi angedroht, sie abzustechen. Der Schiedsrichter bricht das Spiel ab. Spieler aus Neukölln ziehen anschließend ihre Trikots aus und zeigen „I Love Palestine“-Shirt und wollen die Kabine stürmen.

Dieser Vorfall stellt für Makkabi leider keinen Einzelfall dar. Erst Ende August musste ein Spiel von Makkabi III abgebrochen werden, weil Spieler als „Judenschweine“ beleidigt wurden. Schon im Verlauf der ersten  Halbzeit waren Spieler von TuS Makkabi von den Gegenspielern als „Judenschweine“ und „dreckige Juden“ beschimpft worden. Zehn Minuten nach Anpfiff der zweiten Halbzeit eskalierte die Situation, nachdem ein Spieler von BFC Meteor 06 einen Anhänger von TuS Makkabi antisemitisch beschimpft und in der Folge mit einem heftigen Fußtritt angegriffen hatte, der nur knapp seinen Brustkorb verfehlte.

Der Schiedsrichter wollte den Angreifer unmittelbar nach der Tat mit einer Roten Karte vom Spielgeschehen ausschließen. Durch die von BFC Meteor 06 bewusst herbeigeführten Tumulte wurde das Zeigen der Roten Karte verhindert, was den Schiedsrichter schlussendlich dazu bewog, das Spiel abzubrechen. Das Geschehen eskalierte weiter, als ein Spieler von BFC Meteor 06 versuchte, Spieler und Anhänger von TuS Makkabi mit einer Eckfahnenstange zu attackieren. Während der tumultartigen Szenen fielen weiterhin antisemitische Aussagen wie z.B. „Du Jude kriegst noch Schläge.“

Für Claudio Offenberg ist der Umgang mit jüdischen Sportlern in Deutschland „noch nicht Normalität“. Denn der frühere Hertha-Fußballer und seine Teamkollegen vom Landesligisten TuS Makkabi Berlin haben in den zurückliegenden Jahren häufig Übergriffe und Beleidigungen erlebt.

Einen ähnlichen Vorfall gab es im September auch in Köln: Nach Angaben von „Fußball gegen Nazis“ schallten Rufe wie „Scheiß Juden“ und „Free Palestine“ den Spielern der Herrenfußballmannschaft des jüdischen Sportvereins TuS Makkabi Köln nach einem Spiel in der Kreisliga D entgegen. Gerufen wurden sie von Spielern der gegnerischen dritten Herrenmannschaft des ESV Olympia Köln, die nach Abpfiff auf die Makkabi-Spieler zuliefen und nur durch andere Olympia-Spieler und -Funktionäre zurückgehalten wurden.

„Mit Beschimpfungen sehen wir uns fast täglich konfrontiert“, sagte Claudio Offenberg zu der Situation bei Makkabi Berlin. Der Hass richtet sich nicht nur gegen jüdische Spieler: „Vor allem unsere Spieler mit muslimischer Herkunft werden oft von ihrer eigenen Community schwer beleidigt.“

5 thoughts on “Intifada in der Kreisklasse

  1. „Vor allem unsere Spieler mit muslimischer Herkunft werden oft von ihrer eigenen Community schwer beleidigt.“

    das spricht bände und sagt eigentlich alles über die muslimische gemeinde aus.

    1. Was sagt das wenn ueber die „Gemeinde“ aus? Komm schon, lass deine Ressentiments freien lauf.

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