Bundesverdienstkreuz für Beate und Serge Klarsfeld

Beate und Serge Klarsfeld werden heute in Berlin mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Publikative.org hat in den vergangenen Jahren immer wieder über das Wirken des Ehepaars, das in Paris lebt, berichtet. Ein Überblick.

50 Rosen für Beate Klarsfeld – und nun das Bundesverdienstkreuz

Ihre Verdienste beim Aufspüren von Nazi-Verbrechern  und vor allem Beate Klarsfelds Ohrfeige für Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger machten sie in Deutschland berühmt. Eine späte Anerkennung für ein in Deutschland so bekanntes wie kritisiertes Paar.

Beate_Klarsfeld_(2012)

Abteilung Dreamteam: Broder und Pirker gegen Klarsfeld

Im Jahr 2012 hatte Die Linke Beate Klarsfeld als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten nominiert. Eine Entscheidung, die Mut gemacht hatte, immerhin steht Klarsfeld deutlich für eine Solidarität mit Israel – und nicht für linksdogmatischen und obsessiven „Antizionismus“. Die Nominierung Klarsfelds stieß auf viel Kritik, wurde beispielsweise übereinstimmend von Werner Pirker und Henryk M. Broder abgelehnt. Auch wenn sich die Motive unterscheiden, ihre Respektlosigkeit einte sie.

Klarsfeld: „Mein Thema ist Antifaschismus“

Klarsfeld selbst betonte deutlich, wofür sie stehe: „Man nominiert hier eine Deutsche“, sagte sie der Jüdischen Allgemeinen, „deren Lebenswerk immer von drei Punkten geprägt war: zu verhindern, dass Nazis in einflussreichen Stellungen sind, NS-Verbrecher in Deutschland und im Ausland aufzudecken und zu bestrafen. Und dann vor allem auch die Solidarität mit Israel.“

„Ich erinnere mich an diesen Deutschen ganz genau“ – Erinnerungen an den Lischka-Prozess

Beate und Serge Klarsfeld hatten bei ihrer Suche nach den Verantwortlichen für die Verfolgung von Juden in Frankreich die NS-Täter Kurt Lischka, Herbert M. Hagen und Ernst Heinrichsohn aufgespürt. Obwohl in Frankreich von Strafverfolgung bedroht, lebten sie in Deutschland als angesehene Bürger, unbehelligt von der deutschen Justiz. Der Lischka-Prozess war einer der wichtigsten Nachkriegsprozesse gegen NS-Täter. Kurt Lischka war an der Deportation und Ermordung von über 70.000 französischen Juden beteiligt.

Beate Klarsfeld at Beyrouth, Lebanon, 1986
Beate Klarsfeld at Beyrouth, Lebanon, 1986

„Zug der Erinnerung“

Die Klarsfelds hatten sich für die Ausstellung über deportierte jüdische Kinder eingesetzt, die an deutschen Bahnhöfen gezeigt werden sollte. Im Interview sagte sie 2007: „Die Ausstellung 11.000 jüdische Kinder aus Frankreich wurde von unserer Organisation „Die Söhne und Töchter der deportierten Juden aus Frankreich“ organisiert. Sie wurde zum 60. Jahrestag des Beginns der Deportationen der Juden aus Frankreich im März 1942 in 18 großen französischen Reisebahnhöfen gezeigt. Dies geschah mit voller Hilfe der französischen Bahn SNCF.“

Die Deutsche Bahn sperrte sich gegen die Ausstellung. Klarsfeld kritisierte im Interview mit tagesschau.de, dem damaligen Bahn-Chef Mehdorn fehle das Gefühl für Verantwortung. In Frankreich sei das Zeigen der Ausstellung kein Problem gewesen, so Klarsfeld, die Staatsbahn SNCF habe sich sehr kooperativ verhalten. Dort seien 18 große Reisebahnhöfe genutzt worden, um „die Kinder in die Wirklichkeit zurückzuholen. Die Reisenden sehen in der Ausstellung die Kinder vor der Deportation – lächelnde Kinder. Und sie lesen den Text, wann die Kinder deportiert und von ihren Eltern getrennt wurden. Denn Kinder wurden sofort vergast. Dann nehmen die Reisenden ihren Zug und denken: Vor 60 Jahren wurden auf diesen Strecken diese Kinder nach Auschwitz deportiert.“ Somit werde eine viel bedeutendere Beziehung zu den Ereignissen geschaffen, als wenn Menschen in ein Museum gingen.

Fotos aus der Ausstellung 11.000 Kinder.

Ohne Begründung abgelehnt

Übrigens war Klarsfeld bereits zweimal für eine Auszeichung mit dem Bundesverdienstkreuz ins Gespräch gebracht worden. Dies lehnte der damalige Außenminister Westerwelle im Jahr 2010 aber ab. Klarsfeld sagte damals der „Frankfurter Rundschau“ auf die Frage, warum sie in Deutschland keine Anerkennung erhalte: „Das weiß ich nicht. Unter Joschka Fischer wurde ich einmal für das Verdienstkreuz vorgeschlagen. Da hieß es nur, ich gehöre nicht in die Kategorie derer, die diese Auszeichnung verdienen würden.“ Klarsfeld fügte gegenüber der FR hinzu: „Im vergangenen Jahr wurde ich dann noch einmal von Gregor Gysi vorgeschlagen – und nun von Guido Westerwelle wieder abgelehnt.“ Dem Bericht zufolge gab der Außenminister keine Gründe für seine Entscheidung an.

Alle Artikel zu Beate Klarsfeld auf publikative.org, Interview mit Beate Klarsfeld bei tagesschau.de

4 thoughts on “Bundesverdienstkreuz für Beate und Serge Klarsfeld

  1. Vielen Dank, Beate und Serge Klarsfeld!

    Verdient haben Sie die Auszeichnung!
    Hat es die Auszeichnung aber nicht eher verdient, von Ihnen abgelehnt zu werden?

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