Xavier Naidoo: Von der Querfront-Demo zum ESC?

Xavier Naidoo und Jürgen Elässer (Foto: Oliver Feldhaus)
Xavier Naidoo und Jürgen Elässer (Foto: Oliver Feldhaus)

Jahrelang hat die Öffentlichkeit die fragwürdigen Aussagen und Texte von Naidoo weitestgehend ignoriert. Nun geht es um einem möglichen Start beim ESC – und um das Ansehen Deutschlands.

Von Patrick Gensing

„Ich schneide Euch jetzt mal die Arme und die Beine ab und dann fick ich Euch in’n Arsch, so wie Ihrs mit den Kleinen macht.

Ich bin nur traurig und nicht wütend. Trotzdem würd ich Euch töten. Ihr tötet Kinder und Föten und ich zerquetsch Euch die Klöten.

Ihr habt einfach keine Größe und Eure kleinen Schwänze nicht im Griff. Warum liebst Du keine Möse? Weil jeder Mensch doch aus einer ist.

Wo sind unsere Helfer? Unsere starken Männer? Wo sind unsere Führer? Wo sind sie jetzt?“

Für diesen unterirdischen Text musste Xavas, ein Projekt der Sänger Xavier Naidoo und Kool Savas, im Jahr 2012 zwar etwas Kritik einstecken, der Mainstream kümmerte es aber weiterhin eher wenig, dass Naidoo solche  schwulfenfeindlichen, sexistischen und gewalttätigen Botschaft verbreitet.

Naidoo gilt gemeinhin als harmloser Barde; bei denen, die seine Musik weniger mögen, als „Heulboje“. Zu seinem Image als softer Soulsänger wollen verschwörungstheoretische oder menschenverachtende Inhalte scheinbar nicht passen.

„Nie die Absicht…“

In dem Song „Wo seid Ihr jetzt?“, aus dem der obige Textauszug stammt, gehe „es um furchtbare Ritualmorde an Kindern, die tatsächlich ganz viel in Europa passieren, über die aber nie jemand spricht, nie jemand berichtet“, erklärte Naidoo im Jahr 2012. Kool Savas ergänzte: “Ich möchte klar stellen, dass es nie die Absicht unseres Liedes war, Homosexualität und Pädophilie gleichzusetzen, oder zur Gewalt gegen Menschen aufzurufen. Ich hatte auch nie den Eindruck, dass die Textzeilen von Xavier falsch verstanden werden könnten.”

Mir erscheint es unklar, wie man solche Texte nicht „falsch“ verstehen soll. Und was der Hinweis auf „Mösen“ und „Föten“ eigentlich bedeutet, bleibt ebenfalls unklar bzw. nicht unklar – was wahrscheinlich wiederum aber auch alles nicht so gemeint sein soll.

Deutschland – das Bielefeld unter den Staaten?

Nun will Xavas beim Eurovision Song Contest für Deutschland antreten – was doch etwas überrascht angesichts der Einstellungen und Texte Naidoos. Das Blog „Tapfer im Nirgendwo“ merkte treffend an:

Die Frage ist nur, wie kann Xavier Naidoo ein Land vertreten, von dem er sagt, es sei “kein richtiges Land”?

Zu solchen politischen Aussagen passt es, dass Xavas derzeit unter dem Titel „Gespaltene Persönlichkeit“ auf Tour geht.

Einige Monate zuvor hatte Naidoo eine Veranstaltung von Querfront-Kadern in Berlin unterstützt. Dabei trug er ein T-Shirt mit der nationalistischen Parole „Freiheit für Deutschland“.

Naidoo bei Montagsmahnwachlern in Berlin (Foto: Oliver Feldhaus)
Naidoo bei Montagsmahnwachlern in Berlin (Foto: Oliver Feldhaus)

Zuletzt thematisierten große Zeitungen die fragwürdigen Aussagen und Texte von Naidoo. Auf der Facebook-Seite zum ESC Deutschland wurde nun die Crowd gefragt, was sie von Xavas als deutschen Vertreter halten würde. Die Reaktionen fallen deutlich aus…

Viele Jahre interessierte sich die Öffentlichkeit wenig für Naidoos fragwürdige Texte und Aussagen, das böse „System“ meinte es gut mit ihm. Nun scheint sich der Wind langsam zu drehen, was die öffentliche Aufmerksamkeit angeht. Und zwar just in dem Moment, da es um das deutsche Ansehen beim ESC, also im Ausland, geht.

„Ich glaube, wir könnten etwas von Deutschland repräsentieren, was sehr positiv ist. Wir sind beide Deutsche, die nicht typisch deutsch sind“, sagte Savas der Welt mit Blick auf den Migrationshintergrund beider Musiker. Ob Naidoo mit seinen politischen Einstellungen ebenfalls „etwas von Deutschland repräsentiert, was sehr positiv ist“, dürfen die Juroren und Zuschauer beim ESC entscheiden. Und dann heißt es wieder einmal: Deutschland – null Punkte.

2 thoughts on “Xavier Naidoo: Von der Querfront-Demo zum ESC?

  1. Aus Rußland würde es sicher zwölf Punkte für den Kartoffelkäfer Xavier Naidoo geben.

  2. Da gibt Jan Feddersen ja mal wieder alles. Als wirklicher ESC Fan erinnere ich mich noch gut, wie er in Baku beklagte, dass die Menschnrechtisten im den Spaß verderben würden. Als ich das auf der ESC Seite kritisierte, wurde mein Kommentar gelöscht und ich gesperrt. Wie Spaß am ESC und der Block auf Menschenrechte zusammen gehen, zeigte damals Stefan Niggemeier. Schade, dass ihn niemand mehr zum ESC schickt.
    Angesichts der Homophobie die Xavas verströmen, frage ich mich auch, wieviel Selbsthass in Jan Feddersen steckt.
    Ich kann mir trotz Mainstream und Ausblenden von Naidoos extremistischer Aktivitäten, selbst angesichts dessen, dass Naidoo immer noch ins Fernsehen darf, nicht vorstellen, dass das Projekt ESC klappt. Der ESC ist immer noch ein ziemlich schwules Fest undndie Homogemeinde hat Xavas Ausfälle bestimmt nicht vergessen. Zumindest nicht diejenigen, die was im Kopf haben. Eines anständigen Shitstorms bin ich mir da sicher.

Comments are closed.