Mit Spontandemonstrationen in das Protest-Wochenende

Das Protestcamp gegen den G7-Gipfel in Garmisch-Partenkirchen wächst weiter. Mittlerweile sind mehr als 600 Menschen vor Ort. Am Freitag fanden bereits zwei Spontandemonstrationen mit 400 und 500 Teilnehmern in Garmisch statt.

Von Johannes Grunert und Felix M. Steiner

Nicht nur als am Freitagmittag 400 Demonstranten durch ihre Stadt ziehen, kommen viele Einwohner Garmisch-Partenkirchens aus ihren Häuser und schauen sich das Spektakel an. Das Interesse der Garmischer sei auch am Protestcamp spürbar, so der Pressesprecher des Camps, Georg Ismael. Das Camp selbst sei Anlaufstelle für die Einwohner der Stadt geworden und die Berührungsängste schwänden zusehends. Man sei hier gern bereit zu diskutieren, das mache auch den Charakter des Camps aus. So seien bereits mehrere Diskussionsveranstaltungen in den großen Camp-Zelten abgehalten worden, bespielsweise zur Ukraine und Griechenland oder auch zur Arbeiterbewegung in Deutschland. Ismael betonte, im Camp seien die verschiedensten politischen Ansichten vertreten, man begegne sich aber respektvoll.

Unterdessen hat das Camp fast seine angemeldete Kapazität von 1000 Menschen ausgereizt. Das Münchner Verwaltungsgericht hatte das Camp erst am Dienstag erlaubt, nachdem die Gemeinde es verboten hatte. Hätte es in den vergangenen Monaten nicht so viel Repression gegen die Gipfel-Proteste gegeben, hätte man vielleicht mehrere Zehntausend Protestierende in Garmisch begrüßen dürfen, so Ismael. Besonders internationale G7-Gegner hätten es schwer gehabt, ihre Anreise bei der Genehmigungslage der Proteste so kurzfristig zu planen, weshalb bislang nur kleine Gruppen internationaler Protestierender angekommen seien. dennoch reisten bis in den späten Freitagabend immer weiter Menschen zum Camp an. Mittlerweile müssten deutlich über 600 G7-Gegner vor Ort sein.

Repression erlebe man momentan vor allem außerhalb des Camps. An Kontrollpunkten bei der Anreise erlebten die Protestierenden häufig Schikanen der Polizei. Es gebe außerdem Gerüchte, dass Menschen bei Kontrollen von Polizisten zusammengeschlagen worden seien, weil sie Brotmesser dabei hatten. Bestätigen könne man das aber bislang nicht.

Als unverhältnismäßig wurde auch der Polizeieinsatz bei der Demonstration am Mittag wahrgenommen. 400 Protestierende waren spontan gemeinsam als Versammlung zu einer geplanten Kundgebung vor dem Marshall-Center gelaufen. Die Polizei stoppte den Zug auf der Route zwei Mal, was zu Unmut in der Demonstration führte. Vor dem Marshall-Center wurde die Kundgebung später wie geplant abgehalten. Das Marshall-Center dient als Bildungs- und Studienzentrum für internationale Militärs. Als Symbol für internationale Kriege wurde vor dem Eingang des Zentrums ein Panzer aus Pappe verbrannt.

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Auf dem Rückweg zum Camp, der ebenfalls als Demonstration gestaltet wurde, zog die Polizei einen Kessel um den Aufzug. Stellenweise lagen nur wenige Zentimeter zwischen dem Fronttransparent und der Polizeikette. Wenig später kam es zu Rangeleien zwischen Polizei und Demonstranten, was ebenfalls dem als zu eng empfundenen Kessel geschuldet sein dürfte. Festnahmen gab es laut den Pressesprechern des Protestcamps aber keine.

Solidarität mit der HDP

Bereits am Abend fand dann erneut eine Spontandemonstration statt. Aufgrund der Anschläge in der Türkei auf eine Wahlkampfveranstaltung der prokurdischen HDP-Partei wurde diese zweite Demonstration angemeldet. Rund 500 Menschen nahmen an dem Protestzug vom Camp zum Bahnhof teil. Neben der Solidarität mit den Opfern des Anschlags und der Aufhebung des PKK-Verbotes forderten die Demonstranten eine stärkere Demokratisierung der Türkei und richteten ihren Protest damit auch gegen Recep Tayyip Erdoğan. Die Demonstration verlief laut aber friedlich zum Bahnhof und zurück zum Protestcamp.

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Für den morgigen Samstag ist eine Großdemonstration durch Garmisch-Partenkirchen geplant. Start ist der Bahnhofsvorplatz, wo um 12 Uhr die Auftaktkundgebung stattfinden soll. Um 14:30 ist der Start der Demonstration geplant. Wir berichten ab dem Morgen per Twitter und Facebook aus Garmisch.

Weitere Fotos gibt es auf der flickr-Seite von Johannes Grunert…