40.000 bei Anti-G7-Demo in München

Zwischen 34.000 und 40.000 Menschen haben am Nachmittag in München gegen den anstehenden G7-Gipfel und Freihandelsabkommen wie TTIP demonstriert. Dabei kam ein weites Spektrum, welches bis hin zu Verschwörungstheoretikern reichte, in der bayerischen Landeshaupstadt zusammen.

Die heutige Demonstration in München war als Protest „für die ganze Familie“ angekündigt. Die Teilnehmerzahlen wurden fast halbstündlich von der Münchner Polizei nach oben korrigiert. So stieg die Zahl nach Angaben der Polizei vom Beginn der Veranstaltung mit rund 2.000 Teilnehmern in den öffentlichen Verlautbarungen schrittweise auf bis zu 34.000 Menschen. Die Veranstalter sprechen hingegen von 40.000 Demonstranten. An der Demonstration, zu der zahlreiche Initiativen, Parteien und Umweltorganisationen aufgerufen hatten, nahmen u.a. auch Teile der Bundesspitze der Grünen und mehrere Spitzenpolitiker der Linken teil. Das Spektrum reichte von bürgerlichen Umweltaktivist_innen bis zu einem autonomen Block. Generell waren autonome Gruppen nur selten zu sehen – viele von ihnen werden wohl direkt zu den Protesten in Garmisch-Partenkirchen anreisen.

Mehrere Landwirte demonstrierten mit ihren Traktoren, auch sonst hatten sich die Protestierenden vieles einfallen lassen und zeigten kurze Theatereinlagen und fahrende Installationen. Auch die verschwörungstheoretische Szene hatte es zu Teilen nach München gezogen. Einige protestierten gegen vermeintliche „Chemtrails“ und die „New World Order“ oder zeigten Symboliken wie den alles umspannenden Kraken, eine vor allem im Antisemitismus beliebte Symbolik. Eine ganze Gruppe einer „Mahnwache für den Frieden“ nahm ebenfalls an der Demonstration teil, immer wieder waren Rufe wie „Ami go home!“ zu hören. Dennoch machten Verschwörungstheoretiker_innen nur einen kleinen Teil der Demonstrierenden aus.

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Zahlreiche bekannte Redner_innen distanzierten sich unterdessen von verkürzter Kapitalismuskritik. Christoph Bautz (Campact) betonte, man demonstriere nicht gegen die USA. Vielmehr seien Aktivist_innen von dort wichtige Verbündete gegen das Freihandelsabkommen TTIP, welches die Macht der Konzerne ausweite und die Demokratie gefährde. Der Schweizer Globalisierungskritiker Jean Ziegler sagte, nicht Menschen, sondern Marktkräfte bestimmten das Schicksal der Menschheit. Anton Salzbrunn von der GEW Bayern warnte überdies, die Gegner des G7-Gipfels, ob in München oder Garmisch-Partenkirchen, in Gut und Böse aufzuspalten.

Weitere Fotos gibt es auf der flickr-Seite des Autoren Johannes Grunert.

2 thoughts on “40.000 bei Anti-G7-Demo in München

  1. Ich weiß ja nicht, wo Ziegler sich von verkürzter Kapitalismuskritik distanziert, in dem verlinkten Interview jedenfalls nicht:

    „Ziegler: Wir leben in einer Weltdiktatur der Oligarchien des globalisierten Finanzkapitals. Gemäß Weltbankstatistik haben die 500 größten transkontinentalen Konzerne letztes Jahr 52,8 Prozent des Weltbruttosozialproduktes – also alle in einem Jahr produzierten Reichtümer – kontrolliert. Diese Diktatur beherrscht auch die Regierungen der G7-Staaten.“

    Es folgt was folgen muss, das Herbeibeschwören des ‚reinigenden Feuers‘ mit implizierten Vernichtungsphantasien:

    „Es glimmt Glut unter der Asche. Der Aufstand des Gewissens steht bevor.“

    1. Danke für das Zitat! Das stützt (leider) mein Unbehagen an den Protesten. Warum ausgerechnet Publikative das Anti-G7-Umfeld jetzt so unkritisch sehen will, verstehe wer kann.

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