Dresden – mal wieder instrumentalisiert

Rund 10.000 Menschen sind in Dresden einem Aufruf von PEGIDA gefolgt und haben dem Rechtspopulisten Wilders zugejubelt. Damit sei eine Grenze überschritten, hört man nun von Sächsischen Politikern. Und: Dresden werde mal wieder instrumentalisiert.

Von Patrick Gensing

Die Reaktionen auf das PEGIDA-Spektakel sind eigentlich einmal mehr das Fürchterlichste an den rechtsradikalen Dauerdemonstrationen. Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange, SPD, sagte laut MDR, wer unter der Fahne von Geert Wilders mitlaufe, habe eine Toleranzgrenze überschritten – was im Umkehrschluss bedeutet, dass PEGIDA bislang noch halbwegs in Ordnung oder zumindest noch tolerierbar war.

Innenminister Markus Ulbig erklärte, mit dem niederländischen Rechtspopulisten habe Pegida einen Menschen eingeladen, „der Hass in sich trägt, der spaltet“. Zuvor hatte man noch ganz andere Töne von Ulbig und der Sachsen-CDU vernommen, Gesprächsangebote gab es – und sogar eine Pressekonferenz von PEGIDA in den Räumen der Landeszentrale für politische Bildung.

Offenkundig fällt es leichter, die Missetaten des Kindes beim Namen zu nennen, wenn es nicht das eigene ist: Während PEGIDA sonst gerne als Protest von besorgten Bürgern verharmlost wird, fallen bei dem Niederländer Wilders deutlichere Worte. Ein Phänomen, das auch beim Front National zu beobachten ist; beim FN zeigen deutsche Medien wenig Zurückhaltung bei der Kategorisierung als rechtsextrem. Und dass, obwohl der FN und Marine Le Pen politisch-strategisch ziemlich ähnlich wie PEGIDA oder die AfD erscheinen. Hier traut man sich aber kaum, rechtspopulistisch, geschweige rassistisch oder rechtsradikal als politische Verortung zu benutzen.

Vereint in der Sorge um Dresden

Und was fehlt noch bei dem reflexartigen Reaktionsreigen aus Dresden? Selbstredend die Sorge um das Image: „Das ist kein guter Tag für Sachsen“, sagte Ulbig. Und Dirk Hilbert von der FDP betonte, Dresden habe durch PEGIDA „ein dramatisches Imageproblem“. Laut FAZ ergänzte er, es gehe heute „einzig und allein darum, wie wichtig uns die Stadt und ihr Ansehen, wie wichtig uns ihre Bürgerinnen und Bürger sind“.

Oberbürgermeisterkandidatin Stange brachte es dann noch auf den Punkt: „Wir werden alles dafür tun, dass unsere Stadt kein Wallfahrtsort der europäischen Rechten wird.“ Dass Dresden überhaupt in die Gefahr gerate, ein solcher zu werden, liege auch daran, dass sich die Stadt „von der Quelle weg zur Kulisse entwickelt“ habe, sagte Stange. „Dresden wird missbraucht.“

Das ewige Opfer

Dass diese Selbststilisierung als Opfer vielleicht eine Ursache für den enormen Zuspruch – denn 10.000 Teilnehmer bei PEGIDA sind europaweit nur in Dresden wenig – sein könnte, scheint im „Elbflorenz“ weiterhin kaum jemand in den Sinn zu kommen.

Dresden bleibt in der Eigenwahrnehmung das ewige Opfer: Von den Nazis verführt, von den Alliierten bombardiert, von den Russen besetzt, vom Westfernsehen unerreicht, nach der Wende von den Neonazis als Aufmarschgebiet missbraucht, von Flüchtlingen überrollt – und nun auch noch von einem ausländischen Rechtspopulisten instrumentalisiert…

6 thoughts on “Dresden – mal wieder instrumentalisiert

  1. Danke für den Artikel. Bemerkenswert ist, dass der FN zwar stets als „rechtsextrem“ kategorisiert wird, dies jedoch nie in Zusammenhang mit dessen Wurzeln geschieht. Die Gründung des FN wurde maßgeblich vom italienischen Movimento Sociale Italiano unterstützt und begleitet, also der neofaschistischen Nachfolgepartei schlechthin. Das erklärt u.a. die Gemeinsamkeiten hinsichtlich des Logos. Was die Abkehr vom alten Le Pen angeht, bleibt abzuwarten, ob sie nicht vielleicht doch vor allem strategischer Natur vollzogen wurde.

  2. Wilders:Halbindonesier,Freiwilliger in einem Kommunistischem Kibbuz,verheiratet mit einer Ungarin,setzt sich für LGBT Menschen ein,will jedem Einwanderer der sich 10 Jahre nichts zu schulden kommen lässt einen Pass(der Linke Arabische Bürgermeister Rotterdams sagt dagegen wem die Regeln nicht passen soll das Land verlassen-wer ist Radikaler?)geben,wurde 2 mal zum Politker des Jahres gewählt.

    Also ein richtiger Nazi,Rassist,Rechtspopulist!

  3. Halbindonesier…? Also, mit einem Ariernachweis (natürlich die Light-Version) wäre er gar nicht zum Auftritt gekommen.

    Es war eben doch nicht alles schlecht.

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