Lutz „Luther“ Bachmann und die Inszenierung von Pegida

Der Zenit der Pegida-Proteste ist überschritten. Je weniger Menschen an den Protesten teilnehmen, desto absurder scheint die Inszenierung der Organisatoren zu werden. Von der friedlichen Revolution zur Reformation.

Von Felix M. Steiner

Der "deutsche Boden" ist zurück. "PEgida" in Dresden, Foto: Johannes Grunert
Archivbild: Der „deutsche Boden“ ist zurück. „Pegida“ in Dresden, Foto: Johannes Grunert

Ihren Zenit hat nun nach der Spaltung auch das Pegida-Original in Dresden überschritten. Die internen Streitigkeiten, die öffentlich gewordenen Äußerungen und das „Hitler-Bild“ von „Pegida-Führer“ Lutz Bachmann scheinen den Zerfallsprozess beschleunigt zu haben. Aber für Bachmann ist das alles kein Problem, er scheint an seiner Spitzenposition zu hängen und erklärte zu den aufgetauchten Äußerungen über Asylbewerber kurzerhand, dies seien ja ohnehin Worte, „wie jeder von uns, jeder […] schon mal am Stammtisch benutzt hat“. Und vermutlich hat Bachmann mit Blick auf seine Zuhörer sogar Recht. Analog zu seiner Führer-Inszenierung kann man also sagen: „Er ist wieder da“. Am vergangenen Montag kamen dennoch nur rund 4.300 Menschen zur Pegida-Veranstaltung in Dresden. Und auch die kleine gewalttätigere Schwester – Legida – in Leipzig konnte nur noch rund 700 Menschen mobilisieren.

Die Inszenierung als Teil des Konzeptes

Gegenproteste in Leipzig. HIer funktioniert Inszenierung besser, Foto: Felix M. Steiner
Gegenproteste in Leipzig. Hier funktioniert Inszenierung besser, Foto: Felix M. Steiner

Seit dem Beginn ist die Inszenierung ein wichtiger Teil der Pegida-Proteste. Als „das Volk“ sahen sich die Demonstranten in Dresden und nutzten dafür den Protestslogan der DDR-Wendezeit. Die Konstruktion als „unzufriedene Mehrheit“, welche gegen die „Polit-Bonzen“ und die „Lügenpresse“ aufbegehrt, dürfte dabei einen der zentralen Punkte der erfolgreichen Mobilisierung darstellen: Nach jahrelangem Zuschauen geht „das Volk“ endlich wieder auf die Straße. Kein Vergleich war dabei zu dumm und die Gleichsetzung der DDR mit der aktuellen Situation in der Bundesrepublik Deutschland war keine selten gebrauchte Formulierung der digitalen Pegidisten.

Die starke mediale Aufmerksamkeit und vor allem auch die Woche für Woche steigenden Teilnehmerzahlen scheinen dieser Erzählung vom Massenprotest weitere Glaubwürdigkeit verliehen zu haben. Erfolg schafft Erfolg – so könnte man den Mechanismus kurz zusammenfassen. Passend zum drohenden Ausklang der „Bewegung“ gab es nun ein Deutschlandtreffen der verschiedenen Pegida-Ableger in Dresden. Aus diesem ging erneut ein „Thesenpapier“ hervor – nicht das erste Papier seiner Art: Von 19 Thesen zu sechs Forderungen zu zehn Thesen. Aber dies soll es wohl nun erst mal gewesen sein, denn wie Bachmann sagt, sind diese zehn „Dresdner Thesen“ das, „wofür Pegida steht und IMMER [Hervorhebung, FMS] stehen wird“. Bei der Präsentation dieser ewigen Thesen lässt sich Bachmann dann auch nicht lumpen. Zu ordentlichen Thesen gehört eine ordentliche Inszenierung. Das weiß der Herr Bachmann ja spätestens seit dem Hitler-Bildchen. Nun kommt eben – wie sich zeigte – Hitler nicht immer so gut an und daher hat sich die Pegida-Bewegung in Dresden, Leipzig und Chemnitz nun für eine neue Symbolfigur entschieden: Martin Luther. Denn wo soll man sonst, wenn man schon für das „christliche Abendland“ auf die Straße geht, denn so ein ordentlich in Klarsichtfolie gepacktes Thesenpapier anbringen, wenn nicht an der Kirchentür? Dabei scheint sich ein Inszenierungs-Mechanismus zu entwickeln: Je kleiner die Anhängerschaft desto kruder die Inszenierung.

Die „ideologiefreie“ Bewegung

Die "ideologiefreie Bewegung" mit Neonazi-Slogans in ihrer Mitte, Foto: Felix M. Steiner
Die „ideologiefreie Bewegung“ mit Neonazi-Slogans in ihrer Mitte, Foto: Felix M. Steiner

Zu einer Bürgerbewegung gehört natürlich die Distanzierung von jeder Form des Extremismus oder besser gleich die Selbstbeschreibung als „ideologiefrei“, wie es dann auch zutreffend im Thesenpapier heißt. Pegida versteht sich als „politische Bewegung, welche ideologiefrei die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Probleme […] aufgreift“. Dieses Inszenierungs-Bedürfnis hatte zuletzt vor allem die Alternative für Deutschland (AfD), die mit Ideologie eigentlich auch nichts zu tun habe, sondern die „Partei des gesunden Menschenverstandes“ sei. Es geht also nicht um ideologisch geprägte Forderungen sondern schlicht die „richtigen politischen Entscheidungen“. Das klingt dann natürlich alles recht „alternativlos“: Politik scheint sich endlich über Ideologie erhoben zu haben und in einem Stadium angekommen zu sein, in dem wir Entscheidungen nur noch in „richtig“ und „falsch“ einteilen können. Diese Simplifizierung eignet sich gut für ein Wählerpotential, welches sicher auch durch die Komplexität von Politik überfordert ist. Am Ende ist meist richtig, was dem „deutschen Volke“ nützt.

Und damit die Inszenierung von Lutz „Luther“ Bachmann dann wenigstens im Thesenpapier wiederzufinden ist, fordern die „Gidas“ die „Reformation der Familienpolitik sowie des Bildungs-, Renten- und Steuersystems“. Und sonst? Eigentlich nichts Neues: Viele Symbolbegriffe und unkonkrete Lösungen zu Themen wie „Verarmung des Mittelstandes und der Arbeiterschicht“, „steigende Kriminalität“, „Parallelgesellschaften“ und ein auch international steigendes „Sicherheitsrisiko“. Aber alles schön ideologiefrei. Und so könnte die Ankündigung, Pegida wolle einen Kandidaten zur Dresdner Bürgermeisterwahl stellen, eine der letzten Schlagzeilen sein, die die Kämpfer für das Abendland produziert haben.

8 thoughts on “Lutz „Luther“ Bachmann und die Inszenierung von Pegida

  1. Wie kommt ihr auf 2000 ? Sogar laut MDR waren 10 300 da, einige Anwesende sprechen noch von viel mehr ! Aber…was nicht ins „bunte“ Weltbild einiger Vollpfosten passt, muß natürlich kleingeredet werden !

  2. Dieser Kommentar erinnert in Stil, Schreibweise, Wortwahl und- in Bezug auf den gewünschten Zynismus-Effekt- den aufmerksamen Leser an Karl Eduard von Schnitzler. Der wird vielen Nachgeborenen der 89 er Wende kaum ein Begriff sein, informieren lohnt. Aber selbst damals haben wir als Dresdner im TdA sowas nur kopfschüttelnd wahrgenommen, wußte man doch wie die Realität aussieht. Und deswegen, am besten mal den Schnapper halten und auf die hören, die ein bischen mehr an Lebenserfahrung mitbringen.

  3. Serdar Somuncu in die Anstalt (Comdedy): „Muslime brauchen keinen Luther, wir sind auch so antisemitisch.“
    PEGIDA brauchen Luther, denn der hat schon damals gewusst woher die „Lügenpresse“ kommt. http://www.theologe.de/theologe4.htm
    Da haben sich ja zwei „Genies“ gefunden …

  4. Thomas. War bei jeder Pegida dabei, jeder sollte da mal hingehen!!Es ist interessant wie das deutsche Volk beschossen wird .Am Montag waren angeblich nur 4000 Leute dabei waren es über 12000 Leute Montag halb sieben geht da hin.Es ist der einzige Verein derzeit der die Leute nicht belügt!!!! bis Montag!!!

  5. Lutz Bachmann ist spitze, da kannst den Tillich in der Pfeife rauchen!!Ab mit Euch in die Bürger Meister Häuser!! weiter so es werden jeden Montag mehr!!!!

  6. Den großen Abgesang von PEGIDA hättet ihr gern, dann wäre es für eure verbrannten Gehirne ok, und die Welt wieder in Ordnung. Welche Welt überhaupt ??? ……………. (ich erspar es mir) Ca. 10.000 Leute am Montag 16.02.2015 bei PEGIDA in Dresden. (Punkt)
    Man berichtet zur Zeit im Massenmedium Fernsehen so gut wie nicht mehr. Taktik??? Schaun wir mal wie das weiter geht, was als nächste Keule von oben kommt.

    Solltet ihr „ANDEREN“ dem hier nachlaufen (Link) und dies leben wollen und propagieren, dann tut ihr mir alle nur noch leid.

    [Link auf rechtsextreme Seite gelöscht]

    Vielleicht ist es für all diejenigen dann besser sie verlassen Deutschland, dorthin wo es für sie besser ist, denn auf Deutschland sind diese Individuen ja dann nicht angewiesen bzw. damit verbunden. Für mich ist es meine Heimat!!!

    1. Eine „Bewegung“ die das „Volk“ sein will, kann – muss – wird auch Kritik aushalten (müssen), ansonsten hat diese Bewegung in einer Demokratie nichts zu suchen. Sie stellt dann nur eine ärmliche autoritäre Diktatur dar. Also Pegisten, fragt euch, wie stark ihr – auch geistig – seid. Mehr als das wöchentliche Ausnutzen der Versammlungsfreiheit steht nicht auf der Habenseite von PEGIDA u.a.

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